Samstag, 19. März 2016

Kulturgeschichten 0162

Nerobefehl

„Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. […] Es sei nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil sei es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hätte sich als das schwächere erwiesen und dem stärkeren Ostvolk gehöre dann ausschließlich die Zukunft. Was nach dem Kampf übrigbliebe, seien ohnehin nur die Minderwertigen; denn die Guten seien gefallen.“

So gab Reichsminister Albert Speer den Befehl Adolf Hitlers vom 19. März 1945 wieder, der als Nerobefehl in die Geschichte einging und eine Politik der verbrannten Erde gegen das eigene Volk darstellte, das für ihn von der überlegenen Herrenrasse zum minderwertigen Verlierer geworden war, der zu schwach war, zu überleben.

Speer versuchte vorgeblich alles, die Auführung dieses Befehls zu verhindern, inwieweit der Architekt Hilters, der dessen Größenwahn bauliche Form gab, etwas verhinderte, ist unklar, tatsächlich hat er den Oberbefehl über diese Maßnahmen von Hitler sich geben lassen und die Zerstörungspläne damit teilweise verhindern können. Wie weit die sonst zuständigen fanatischen Gauleiter gegangen wären, lässt sich nicht mehr sagen.

Nerobefehl wurde dieser Auftrag Hitlers gegen seine früher “Herrenrasse” erst nach dem Krieg genannt und tauchte erstmal 1957 in Schriften von Historikern auf.

Tatsächliche Zerstörungen dieser Art aufgrund des Befehls sind nur wenige nachweisbar, die Sprengung und Flutung des zentralen Berliner S-Bahntunnels unter dem Landwehrkanal und die daraus folgende Flutung der U-Bahn, wobei  unklar ist inwieweit dabei eine Absicht weitergehender Zerstörung bestand.

Der Befehl ist konsequent in dem pathologisch, rassistischen Denken Hitlers zu sehen, das schon früh in seinem in der Landsberger Haft geschriebenen Machwerk “Mein Kampf” zum Audruck kam. Eine primitive Rassenlehre aus dem Bilderbuch kurzsichtig beschränkter Rassisten, die mit viel Phantasie Darwins Lehre in ein absurdes philosophisches Korsett aus mißverstandenem Nietzsche und zu engem Horizont stellt.

Es hätten alle ahnen und wissen können, was von diesem Kerl zu erwarten war, die ihn gelesen hätten und auch damals hätte jeder darauf kommen können, wie absurd unsinnig diese Rassenlehre nur Vorurteile vermischt, die Anschauungen mit primitiver Physiologie begründen wollte.

Wer das nicht kritisch sah oder bedachte, war zumindest naiv, wer ihm folgte ein Mittäter einer Diktatur der Dummheit, die genau das erfüllte, was sie ankündigte. Die Deutschen waren keine Opfer, sie sind nicht blind und ahnungslos diesem Kerl gefolgt, genug waren gegen ihn, nie erreichte er eine absolute Mehrheit bei regulären Wahlen, nur haben zuviele nie kritisch nachgedacht und sind damit zu Mittätern geworden.

Die Theorie der Ahnungslosigkeit hat lange Bestand gehabt wie die des verführten Volkes, das nach dem Krieg wieder den guten Weg fand. Doch sie ist heute so falsch wie immer, eine nur feige Ausrede, die das Schweigen und das Wegsehen rechtfertigte.

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch schlimmer als im Westen, der wenigstens teilweise finanzielle Verantwortung übernahm, sich seiner braunen Geschichte nach 1968 zumindest teilweise stellte - die rote Diktatur, die sich von der vorher braunen nur farblich deutlich unterschied, warum die frühen FDJ Aufmärsche in Schwarzweißfilmen auch mit denen der Hitlerjugend leicht verwechselt werden können, hat nie Verantwortung für diese Geschichte übernommen, sich davon nur formal distanziert und sich in ihrem real exisitierenden Totalitarismus einfach als antifaschistisch bezeichnet, was genügte von weiteren Inhalten abzusehen.

Wen wundert es also, dass der real existierende Rassismus von dort wieder Blüten treibt und eine perspektivlos reaktionäre Partei wie der AfD dort am meisten Zuspruch findet auch und gerade bei ehemaligen SED Anhängern, die nie in der Demokratie ankamen und keinen Grund sahen, je Verantwortung zu übernehmen.

Der religiöse Rassismus der Pegiden und ihres Umfelds, der das Klima im Land vergiftete und normal scheinen ließ, was nie normal werden darf, gerade in Deutschland, ist Ausfluß des gleichen primitiven von Angst und Vorurteilen geprägten Denkens, das auch Hitler die Menschen in die Arme trieb.

Es darf nicht normal sein, mit diesen Leuten zu reden und es ist nicht normal, dass in Sachsen-Anhalt fast ⅓ der Bevölkerung eine rechtsradikale Partei wählt, die mit rassistischen Sprüchen auf Wählerfang geht, die in unserem Land eigentlich strafwürdig sind.

Der Führerbefehl zur verbrannten Erde, die vorgeblich dem Feind nichts überlassen will, real aber das eigene Volk mit sich in den Abgrund reißen möchte, zeugt davon, wohin die Intoleranz und die Angst vor den anderen logisch führt. Wer um das Abendland fürchtet und sich im atheistischen Osten als Kreuzritter der Kultur aufführt, ohne selbst irgendeine zu haben, schafft die Radikalisierung der verbrannten Erde, die Heime brennen lässt, als nächstes die Menschen, vor denen Angst geschürt wird, selbst ansteckt und wer die hasseerfüllten Kommentare im Netz las, wird wissen, weit sind wir davon längst nicht mehr.

Es brennt in Deutschland auch und gerade in den Köpfen derer, die ohne ihr Hirn einzuschalten, den Aposteln der Angst folgen. Ein vorbestrafter Betrüger als sächsischer Volkstribun, dem die Massen, Lügenpresse und wir sind das Volk skandierend, hinterherlaufen, sollte nicht nur wegen Volksverhetzung bestraft werden. Er ist auch faktisch Mittäter der Kriminalität, die im Umfeld von Pegida entstand. Es wurde wieder normal und alltäglich in Deutschland, sich rassistisch zu äußern und gegen Fremde zu hetzen - posierte doch dieser Hetzer nicht ohne Grund mit einem Rapefugees Shirt, das alle Flüchtlinge verdächtigt Vergewaltiger zu  sein, eine Stimmung von Angst und Hass weiterschürt.

Darum ist es nicht normal und tolerierbar, wenn sich der Vizekanzler zu den Pegiden setzt, um ihnen zuzuhören, als seien sie einfach besorgte Bürger. Besorgt müssen sich alle zeigen, die von diesen intoleranten Rassisten als Gutmenschen und damit im Vokabular der Nationalsozialisten beschimpft werden. Das Land ist in Gefahr, normal zu  finden, was nie normal wieder werden darf, denn der mörderische Ton der NS-Zeit ist längst auch in den Reihen der paranoid verängstigten Pegiden und ihrer Mitläufer zu hören. Für diese Intoleranz und diese Feinde des Rechtsstaates darf es null Toleranz geben, sie sind Terroristen wider die Freiheit und müssen genauso entschieden bekämpft werden.

Wer die Freiheit und das Abendland verteidigen will, muss sich aktiv für sie einsetzen und sich gegen die Intoleranz stellen, wo sie sich zeigt. Null Verständnis für die Pegiden und ihre Intoleranz muss dabei selbstverständlich sein und die Versuche einzelner, diese noch rechts zu  überholen, ist eine weitere Gefahr, der wir vorbeugen müssen, indem wir die Täter und die Täter hinter den Tätern so nennen. Die Kanzlerin und ihr Justizminister haben sich dabei bisher vorbildlich verhalten, auch wenn die Kanzlerin zu spät anfing an einer Lösung zu arbeiten und der nun Kompromis nur ein solcher ist, nicht entschieden genug auch gegen die Gefahr im eigenen Land vorgeht.

Sicher besteht eine gering erhöhte Gefahr von Terroranschlägen durch eingeschleuste Anhänger des IS, aber diese Gefahr ist gering, gegen die von den Terroristen im Inneren, die den Rechtsstaat mit Worten und Taten unterminieren. Es ist nicht normal, wenn verängstigte Flüchtlingskinder von einem grölenden Mob mit Ablehnung begrüßt werden. Das ist das gleiche, was wir bei der Hetze der SA beobachten mussten, der auch eine grölende Menge bei ihren Verbrechen Beifall klatschte.

Dieser Mob ist kriminell und muss so genannt werden. Er führt unser Land, das seit Jahrzehnten friedlich mit Migranten lebt in den Abgrund, der im Nerobefehl zum Ausdruck kam. Wer das Land vor denen retten will, die es in diesen Abgrund wieder stürzen würden, muss gegen die Intoleranz aufstehen, die schon in den Worten der Büchern Sarrazins zum Ausdruck kam und die in Deutschland keinen Platz hat, die dem Land schadet, es zu spalten droht, warum auch die Politik ein deutlicheres Zeichen setzen muss, den Rechtsstaat und seine Werte zu verteidigen, der Intoleranz keinen Raum zu geben.

Aus  dem primtiven Rassismus Hitlers, von dem auch jeder wissen konnte, der hinsah, folgte, was im tödlichen Nerobefehl seinen Ausdruck fand. Wer diesem Wegen folgt, zielt auf Vernichtung, dem muss sich ohne jede Diskussion entgegengestellt werden, damit die Freiheit überlebt und das Abendland in dem erhalten bleibt, was es wertvoll macht. Dazu müssen seine vermeintlichen Retter deutlich Feinde genannt und bekämpft werden. Es ist Zeit, das Abendland dort zu verteidigen, wo es in Gefahr ist.
jens tuengerthal 19.3.2016

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