Samstag, 16. Dezember 2017

Lustgipfel

Auf einem Gipfeltreffen
Kommen die Staatschefs
Zusammen um zu reden
Höhepunkt ist ein Papier

Bei unserem Lustgipfel
Kommen wir zusammen
Nach zahllosen Höhepunkten
Für sich teilen wir das Glück

Statt den üblichen Papieren
Haben wir einander gehabt
Was genügt um zu bleiben
Für immer und zusammen

Unterhändler verhandeln sonst
Wir machen es lieber ganz direkt
Miteinander von Frau zu Mann
Mehr braucht es eigentlich nie

Sehe deine Rundungen über mir
Spüre deine Brüste noch näher
Fühle deine Enge ganz um mich
Während ich tief in dich tauche

Sehe dich auf den Gipfel reiten
Voller Spannung dein Körper
Schreist du laut voller Lust bis
Du dann in meine Arme sinkst

Es bräuchte keine sonst Gipfel
Genössen alle so miteinander
Die eigenen überfließend ganz
Für den Frieden danach davor

jens tuengerthal 15.12.2017

Dienstag, 12. Dezember 2017

Schneewanderer

Da liegt einmal Schnee in Berlin
Dacht ich mir gehste mal lieber los
Bald isser wieder weg wie immer
Oder grauenvoller Matsch nur noch

Den Berg hinab im Schneeregen
Durch Mitte im Schnee gestapft
Auf die gepuderte Museumsinsel
Bis zur Kanzlerin vor die Tür

Vorm Bode Afrikaner im Schnee
Märchenhütte ganz romantisch
Kleine Hamburger nun hinauf
Ackerstraße ganz hinunter dann

Über die Mauer im Schnee gehüpft
Fast war sie  schon verschwunden
An Humbodlts Hain tropfte es leise
Lauter schmolz es am Gesundbrunnen

Weiße Winterlandschaft leicht ergraut
Wie des Wanderers Bart nun schon
Wieder auf dem Berg ließ ahnen was
Bis zum morgen noch übrig wäre

Nichts blieb als der Regen danach
Einige Bilder und die Erinnerung
Des Schneewanderers an die Nacht
In der er von weiß nach grau lief

jens tuengerthal 12.12.2017

Adventsfeier

Heute feiern wir Advent
Ein Fest der Liebe für uns
Nicht weil Weihnachten naht
Unser Advent ist deine Ankunft

Der gerade Advent stört nicht
Endet ja auch im Fest der Liebe
Ist eben Dekoration für unseren
Der viel wichtiger für mich ist

So wird was außen ist für uns
Zur Staffage unserer Liebe
Genießen wir die Romantik
Die uns dunkle Zeit beleuchtet

Alles was zählt ist dein Kommen
Zu und mit mir wie überhaupt so
Der Guru aus Betlehem ist egal
Du bist alles Glück für mich

So kann ich nun Stunden zählen
Bis wir uns wieder ganz nah sind
Noch nie fand ich Advent schöner
Wir freuen uns aufs Fest der Liebe

Damit endet für mich der Advent
Mit deiner Landung dieses mal
Das ist wie Weihnachten für mich
Das feiern wir dann einfach heute

jens tuengerthal 12.12.2017

Sonntag, 10. Dezember 2017

Absehbar

Noch zweimal schlafen
Dann kommst du wieder
Zu und mit mir und alles
Ist wieder mehr als gut

Das Ende der Teilzeit ist
Für uns beide absehbar
Die Vollzeit kommt näher
Denke ich einfach glücklich

An mehr kann ich kaum noch
Denken darum lass ich es
Sage lieber laut wie sehr
Aber das weißt du ja alles

Ende absehbar
Liebe naht wieder
Glück vollkommen
Ende gut alles gut

jens tuengerthal 10.12.2017

Doppelglück

Das schönste im Leben
Kommt doppelt und geteilt
Ist paarweise vollkommen
Wie für sich eine Freude

Meine Liebste ist es so
Wir 2 kamen zusammen
Wurden auch mittig eins
Was beide glücklich macht

Sie hat den schönsten Busen
Den ich auf der Welt je sah
Zwei Brüste gleichen sich ganz
Sind jede für sich vollkommen

Ihre Lippen gleich perfekt alle
Ganz geschlossen wie zugleich
Vor Lust auch immer geöffnet
Schmecken mir feiner als alles

Formvollendet ist die Rundung
Ihres feinen zarten Hinterteils
Inmitten der Spalt mein Paradies
Unnahbar mir ein Himmelreich

Ihr Wesen hat zwei Seiten
Schüchtern wie bescheiden
Aufbrausend leidenschaftlich
Ist die Mischung vollkommen

So habe ich alles in einer
Mehr findet keiner irgend
Bin doppelt glücklich stets
Für das was wir teilen

jens tuengerthal 10.12.2017

Freitag, 8. Dezember 2017

Berlinsexy

Berlin gilt als sexy Stadt
Das ist sein großes Pech
Alle hoffen auf Erfüllung
Kaum einer ist befriedigt

Wer zufällig mal was hat
Schaut dennoch weiter
Es könnte sich ja doch
Noch was besseres finden

Die Abwechslung ist groß
Jene vielleicht oder doch der
Alle sind gern ungebunden
Flirten mal für eine Nacht

Sie nummerieren ihre Lieben
Dabei geht es nur um Sex
Wer oft genug wechselt ist hipp
Die Richtigen nur ein Ideal

Nach Idealen streben alle
Immer weiter dabei gehetzt
Sie könnten was verpassen
Darum stets angestrengt sexy

Bloß nicht zu verbindlich sein
Falls doch das Richtige kommt
Bleiben sie lieber oberflächlich
Auch noch beim eindringen

Wer die Liebe ganz wagt
Wirkt wie ein Fremdkörper
Beim Spiel um schnellen Sex
Die will wohl keiner mehr

Betrachte das Spiel lächelnd
Bleibe so gern ein Fremder
Liebe ganz nur die eine noch
Suche nichts besseres mehr

Bin damit raus aus dem Spiel
Berlin ist nicht mehr so sexy
Scheint mir eher unbefriedigt
Ganz im Gegensatz zu mir

So betrachtet der Flaneur
Lächelnd die Suchenden alle
Ob sie wohl neidisch sind
Doch glauben sie er sei es

Wer nicht mehr mitspielt
Gilt dem sexy Volk stets
Als Verlierer wohl dabei
Fand er was sie suchen

jens tuengerthal 8.12.2017

Einsamkeitsfrist

Wenn die Einsamkeit nur
Noch befristet ist wirkt sie
Viel kleiner im Vergleich
Als sei sie nichts gewesen

Vier Tage nur noch allein
Dann wieder die Liebste
Nicht nur im Arm halten
Sondern rundum haben

Manches wird viel größer
Wenn wir auf ein Ende
Erst in weiter Ferne sehen
Was unerreichbar scheint

Du bist so fern und nah
Zugleich mir Liebste hier
Und doch noch nicht da
Voller Lust auf unser wir

Befristet nur noch einsam
Ist wie ein theoretischer
Orgasmus irgendwie halb
Erfüllt es mich doch ganz

Bald läuft die Frist dann ab
Die uns der Raum getrennt
Wochen kein Bett geteilt
Doch näher als je gefühlt

Was soll daraus nur werden
Was jetzt schon mehr als
Alles zuvor mir ist denke ich
Und erwarte dich glücklich

Mann und Frau passen nicht
Lehrte einst uns noch Loriot
Manchmal und mancherorts
Irrte er denke ich selig nun

jens tuengerthal 8.12,2017

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Kusslippen

Möchte deine Lippen küssen
Ein Leben lang immer wieder
Darum ist es auch gut so dass
Du nicht nur 2 hast sondern 4

Vollkommen geformt hier wie dort
Gegenstand unendlicher Sehnsucht
Küsste und sah ich nie schönere
Will nie wieder irgend andere lieben

Durch die Lippen geht das Leben
Ein und Ausgang in dem was zählt
Sind deine mein irdischer Himmel
Paradies wurde mir Wirklichkeit

Wozu noch an Höheres glauben
Wenn alles Glück doch zwischen
Deinen Lippen für mich hier liegt
Das Leben so vollkommen ist

So befreit das Paradies deiner
Lippen vollkommen genossen
Ganz logisch vom Aberglauben
Macht also frei und glücklich

Denke zärtlich an deine Lippen
Möchte sie liebevoll nun küssen
Statt weiter nur darüber schreiben
Wie glücklich ich Mensch doch bin

jens tuengerthal 7.12.2017

Buchliebhaber

Was macht einen Liebhaber
Zu einem guten solchen nur
Der unvergessen stets bleibt
Zählt mehr Eros oder Gefühl

Bei den Damen beantworten
Diese das auch ungefragt oft
Sobald viel Gefühl dabei war
Wird das Urteil unrealistisch

So sie andererseits nüchtern
Über alles was war urteilen
War es meist eher garnichts
Fehlte doch jede Leidenschaft

Urteile ungern über vergangenes
Freue mich mehr an dem was ist
Meine ist die Beste unvergleichlich
Darum ist alles sonst mir heut egal

Bin also völlig unqualifiziert hier
Ein vernünftiges Urteil zu dichten
Liebe außer ihr nur noch Bücher
Nur was macht den Guten aus

Sind Leser stets auch Liebhaber
Oder lesen viele wie sie leben
Halt so dahin ohne Leidenschaft
Weder betrübt noch begeistert

Lesen Goethe Mann oder Müll
Unterscheiden dabei nicht viel
Weil die echte Liebe wohl fehlt
Die Buchliebhaber ausmacht

Lebe mit und in Bücher immer
Mit wem ich die Lektüre teile
Eine Bibliothek auch habe dann
Dem bin ich erst wirklich nah

Es kann aber muss nicht darüber
Viel geredet werden denn wer
Wirklich Buchliebhaber ist liest
Lieber statt viel dabei zu reden

Das Palaver wird ganz allgemein
Heute gern als Wert überschätzt
Menschen reden viel mehr als sie
Lesen vom Denken zu schweigen

Wer Bücher liebt streichelt sie
Riecht genüsslich an ihnen auch
Lebt mit wie in ihnen sein Leben
Richtet sich ganz mit ihnen ein

Wir Buchliebhaber erkennen uns
Als seltene Gattung unserer Zeit
Wir schmieren nicht in Bücher so
Als sein unsere Gedanken mehr

Vielleicht gleichen jene die in Bücher
Schmieren jenen die Tatoos sich stechen
Zählt der Anschein mehr als was ist
Ist stets achtsam wer wirklich liebt

So ist auch die Bescheidenheit
In hingebungsvoller Liebe wohl
Zeichen für echte Buchliebhaber
Egal ob sie gute Leser sind

jens tuengerthal 7.12.2017

Lustglück

Es ist eine Lust mit dir
Was bin ich glücklich
Mit dir mehr zu haben
Als ich mir je träumte

So übertriffst du alles
Was ich noch erhoffte
Mit einer ganz zu teilen
Bin wunschlos glücklich

Deine vollkommen Schönheit
Reizt mich immer aufs neue
Um so näher desto schöner
Erscheint meine Frau mir

Über alles denkbare hinaus
Teilen wir unendliche Lust
Aufeinander miteinander
Am liebsten ineinander

Wo sich Gefühl und Trieb
Selig vereint endlich fanden
Bleibt nichts mehr als hoffen
Dies Glück möge nie enden

So stehe ich nun im Leben
Wer weiß ob nahe der Mitte
Völlig zufrieden am Gipfel
Will nur noch dich genießen

Nicht mehr mehr zu wollen
Einfach glücklich zu bleiben
Weil alles wie es ist gut ist
Ist vollkommenes Lustglück

jens tuengethal 7.12.2017

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Bibliotheke

Mancher sucht in Bars
Lebens Schönheit zu finden
Theken als Ideal

Sitze viel lieber
Hinter Büchern ganz allein
Seitenweise Glück

Auf Flaschen schauen
Ist für Barbewohner Glück
So werden sie es

Blicke stundenlang
Auf Bücherwände selig
Werde es wohl auch

Die Bibliotheke
Wurde meine Lieblingsbar
Da besauf ich mich

Im dann Bücherrausch
Flüchte ich aus lauter Welt
In mein Paradies

jens tuengerthal 6.12.2017

Glücksgewiss

Schafft Gewissheit erst Glück
Ist die Sicherheit der Schlüssel
Zum Wohlbefinden in Gewohnheit
Braucht Liebe noch Überraschung

Sich sicher sein tut sicher gut
Doch Mangel erhöht den Wert
Aller Güter auf dem Lebensmarkt
Ist Sicherheit da kontraproduktiv

Ohne Sicherheit kein Vertrauen
Dafür höhere Spannung mit dem
Steten Reiz der Angst auch alles
Wieder verlieren zu können

Ungewiss was glücklicher macht
Wird beides seine Rolle spielen
In unserer dialektischen Natur
Sehnsucht nach Sicherheit eben

Wir suchen also die Sehnsucht
In der wir wieder erstreben was
Diese natürlich aufheben lässt
Nennen es Liebe die Traum ist

Bin mir sicher mit meinem Glück
Habe die beste Frau der Welt
Schöner war und wird es nie mehr
Gefährdet die Gewissheit schon

Wir wollen heiraten um der Liebe
Einen sicheren Rahmen zu geben
Aufeinander ein Leben lang bauen
Als bräuchte Liebe Sicherheitsgurte

So weiß ich wohl nicht was so ganz
Richtig nun und immer wäre denn
Das eine mehr schadet dem andern
Und doch bedingen sie sich auch

Eins kann nicht ohne das andere
Keine Liebe ohne auch Sehnsucht
Keine Beziehung ohne Sicherheit
Dazwischen balanciere ich verliebt

Nichts ist wohl immer gewiss außer
Der großen Liebe die für immer ist
Was menschliches Maß überschreitet
Ist allzu menschlich im Gefühl doch

Irre zwischen Wissen und Wähnen
Hoffe was ich kaum glauben kann
Bin wider alle Vernunft glücklich
Was das beste im Leben mir ist

So ist eines ganz gewiss doch
Nie werde ich irgendwas ändern
Wenn ich so glücklich lieben darf
Muss ich es nicht mal verstehen

jens tuengerthal 6.12.2017

Dienstag, 5. Dezember 2017

Liebosophie

Liebe sucht die Leidenschaft
Philosophie die Gelassenheit
Literatur laviert dazwischen
Doch was macht glücklich

Wer nur Leidenschaft kennt
Wird an der Liebe stets leiden
Wer aber Stoiker in allem bleibt
Dem fehlt zum Glück sehr viel

Die Liebe sucht das Mittelmaß
Und ist nichts wo nur mittelmäßig
Der schönste Traum des Lebens
Wird manchem zur größten Angst

Alle die an Leidenschaft leiden
Brauchen mehr an Philosophie
Jene denen alle Lust dabei fehlt
Sei Gefühl statt Verstand empfohlen

Es gibt keinen Maßstab für alle
So wenig wie für jeden Moment
Es braucht beides wohl zum Glück
Dazwischen leben wir halt irgendwie

Wer tut was gut tut handelt gut
Wird sich dabei stets gut fühlen
Wo wir es aus und mit Liebe tun
Sind wir gelassen leidenschaftlich

Das gute Leben ist nichts anderes
Als ein Gleichgewicht in Harmonie
Zwischen den Polen des Lebens
Ruht es gelassen im Mittelmaß

jens tuengerthal 5.12.2017

Montag, 4. Dezember 2017

Lustschlaf

Tief befriedigt ineinander
Voller Lust schon wieder
Einzuschlafen ist wie ein
Ewiger Höhepunkt mit dir

Wie glücklich bin ich doch
Zu wissen diese Gnade
Ist nicht mehr nur Traum
Sondern geliebte Raelität

Träume mich nun voll Lust
In dich um dir nah zu  sein
Verschlungen eins bleiben
Ist unsre Zukunftsaufgabe

Wo Liebe schönste Triebe
Zu höchsten Höhepunkten
Aus tiefstem Gefühl trägt
Wird große Liebe spürbar

Davon nun wieder träumen
Lässt mich glücklich schlafen
Wissen wir leben den Traum
Bringt Lustschlaf voll Liebe

Jens tuengerthal 4.12.2017

Sonntag, 3. Dezember 2017

Bücherliebe

Meine Liebste liebt Bücher
Liest sich gern glücklich
Teilt erlesene Welten mit mir
Ist also in allem Traumfrau

Sehe ich sie liebevoll zärtlich
Seiten umblättern im Glück
Spüre ich ihre große Liebe
Für die schönsten der Bücher

Sie schnüffelt zu gerne noch
An den Seiten neuer Bücher
Findet im Lesen ihren Frieden
Wie große Befriedigung auch

Sehe ich sie nackt mit Buch
Bin ich vollkommen glücklich
Habe die größten Lüste vereint
In der einen die mir alles ist

Sich vor Büchern zu lieben ist
Unser normales Liebesleben
Eine Orgie gebundener Wolllust
Zweier glücklicher Leser wohl

So teilen wir die Bücherliebe
Haben seitenweise Sehnsucht
Nacheinander wie miteinander
Die buchstäbliche Hingebung

Bin der glücklichste Mann der Welt
Habe alles nur mögliche in einer
Was sicher viele Gründe auch hat
Aber die Bücher im Zentrum stets

jens tuengerthal 3.12.2017

Bücherleben

Mit Büchern leben
Macht Welten über Worte
Zum Zuhause uns

Seitenweise Glück
Finden wir Leser wieder
Zwischen den Zeilen

Ein Buch aufschlagen
Heißt glücklicher zu leben
Für echte Leser

jens tuengerthal 3.12.2017

Samstag, 2. Dezember 2017

Literalust

Bücher sind meine
Größte Leidenschaft immer
Vermutlich Liebe

Wer heut Bücher liebt
Muss den Buchhandel meiden
Der Ware verkauft

Buchläden sind drum
Bordelle käuflicher Lust
Die Liebe mimen

Gehe gern dort hin
Huren sind Kenner der Lust
Auch wenn stets unecht

Käufliche Liebe
Scheint unmoralisch vielen
Mir eher lustlos

Liebe die Bücher
Mache es voller Lust bis
Zur letzten Seite

jens tuengerthal 2.12.2017

Buchwert

Gute Bücher sind
Selten darum so wertvoll
Außer am Buchmarkt

Wann etwas gut ist
Merken Leser beim lesen
Ob es sie ändert

Der Preis ist egal
Wenn es Literatur ist
Da zählen Namen

jens tuengerthal 3.12.2017

Leserfrei

Schreiber ringen heut
Allein um Klicks statt Leser
Was stets lesbar bleibt

Wer davon noch liest
Bleibt ungewiss wohl immer
Frei wäre ohne

Auch ohne Leser
Wird Literatur wertvoll
Durch bloß Klickzahlen

jens tuengerthal 3.12.2017

Lustheilige

Oh du schönste Lustheilige
Wie bete ich dich überall an
Unter dir so gern wie über dir
Komme ich lieber nur mit dir

Glaube an nichts als die Liebe
An die und dich aber mit allem
Was so steht oder hängt an mir
Mit aller mir nur denkbarer Lust

So liest mein Schwanz dir die
Heilige Messe unserer Wollust
Von außen bis ganz tief hinein
Macht er voller Lust aus uns eins

Du weckst schon beim Gedanken
An dich allein die heilige Lust in mir
Als feucht sprudelnde Quelle meiner
Schönsten Träume voller Wolllust

Was uns heilig ist andern Sünde
Die es zwischen uns noch nie gab
Weil sich unsere Natur ganz rein
Zu einer immer verbinden will

Erflehe ewig deine große Lust
Oh du wunderbar liebste Heilige
Der schönsten irdischen Freuden
Machst mir die Welt zum Paradies

jens tuengerthal 2.12.2017

Weihnachtsmarketing

Oh du fröhliche
Tönt es nun von überall
Zum Weihnachtsgeschäft

Menschen drängeln sich
Noch rechtzeitig zu kommen
Vom Glühwein berauscht

In dunklen Zeiten
Leuchten Straßen und Nasen
Vor lockenden Ständen

Alles zu teuer
Fröhlichkeit kostet eben
Noch mehr im Winter

Ein gutes Geschäft
Ist die Romantik immer
Als teures Gefühl

Wer hier allein ist
Spürt die Einsamkeit noch mehr
Jauchzet frohlocket

Bald ist Weihnachten
Vorher kaufen alle ein
Das ist romantisch

Das Fest der Liebe
Befriedigt Konsumtriebe
Zumindest das bleibt

Manche lieben sich
Unabhängig davon noch
Oh du fröhliche

jens tuengerthal 1.12.2017

Freitag, 1. Dezember 2017

Unvergleichlich

Nach einem Termin mit der besten aller Töchter in der Friedrichstraße nahe dem dortigen Bahnhof bin ich heute Gleisen und Spree folgend zum Bode Museum flaniert, um durch die unvergleichlich schönen Räume dort zu schreiten und die Sonderausstellung Unvergleichlich zu betrachten, die herausragende Künstler Afrikas der dortigen Skulpturensammlung gegenüberstellt.

Schon mehrfach hatte ich auf meinen nächtlichen Wanderungen durch die Stadt die Fahnen mit den afrikanischen Kunstwerken und das Logo der Ausstellung am ehrwürdigen Bode wehen sehen. Schon am Abend vor der Eröffnung hatte ich noch die Ausstellungsmacher zu später Stunde beobachtet und mich gefragt, wie sie dies ungewöhnliche Konzept wohl realisieren würden und ob sie nun das Unvergleichliche doch als Vergleich nur gegenüberstellen.

Das bald Humboldt Forum, das zur Heimat der ethnologischen Sammlung wird, die bisher in Dahlem stand, fiel mir dabei ein und ich fragte mich, ob eine solch gewagter Versuch gut gehen kann oder nur zu einem unverbundenen Mischmasch wird, in dem irgendwie auch koloniale Sammlungen eine Art Kultur-Zoo bilden, den Europäer, von der Warte ihrer historischen Überlegenheit aus, staunend betrachten.

So ganz konnte ich diesen Verdacht auch bei der Präsentation der ethnologischen Sammlung im wieder aufgebauten Schloss an zentralster Stelle der Hauptstadt nie leugnen, so fasziniert ich andererseits von der Idee des Humboldt Forums und dem Denken seines Gründungsdirektors Ian MacGregor bin. Auch darum ist diese Ausstellung so wichtig  und gibt einen Hinweis auf künftige Wege, zeigt Antworten auf die Frage, ob uns ein respektvoller Umgang gelingt oder wir uns immer nur als eben Europäer im Menschen-Zoo mit Kulturgütern amüsieren.

Die experimentelle Gegenüberstellung von Kunstwerken aus zwei Kontinenten, Afrika und Europa thematisiert mögliche Zusammenhänge auf verschiedenen Ebenen. Inmitten der bekannten Sammlung tauchen plötzlich afrikanische Masken und Kunstwerke auf, die zeigen, wie die Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des Lebens hier und dort erfolgt. Spannend ist hierbei die funktionale Übereinstimmung trotz völlig unterschiedlicher Formensprache, bei der wir in unseren Gewohnheiten gestört und hinterfragt werden.

So dienen Kraftfiguren aus dem Kongo dem gleichen Zweck wie gotische Madonnen. Sie sollen höheren Beistand beschwören und uns Ängste nehmen, auch wenn ihr Glaube sie erst beschwört. Doch werden im Gegenüber auch Unterschiede deutlich etwa in der Rolle  der Mutter oder dem Verhältnis der Geschlechter.

Jeder Besuch im Museum lässt uns vergleichen und interpretieren, was wir sehen. Auch hier vergleichen wir natürlich und stellen doch auch deutliche Unterschiede fest. Fragte mich sogleich, dem Titel entsprechend und wider die thematisch parallele Präsentation, ob diese Objekte nicht alle unvergleichlich sind, weil Kulturen eben unterschiedlich sind und bleiben.

Die Objekte standen einst gemeinsam in der Kunstkammer der Herrscher von Brandenburg Preußen, wenn sie nicht erst zur Abrundung der Sammlungen nach dem Untergang Preußens erworben wurden. So wird das Bode-Museum zur experimentellen Kunstkammer, die über die Grenzen ihrer Gattung hinausgreift und Brücken schlägt.

Spannend schien mir bei Betrachtung der Objekte die Frage, warum die einen klar der ethnologischen Sammlung zugeordnet wurden, während die anderen zur hehren Kunst erhoben wurden, auch wenn sie ähnlichen Zwecken dienten, vergleichbar hohes Geschick zu ihrer Herstellung bedürfen.

Wieviel Denken in rassistischen Kategorien steckte schon in der Klassifizierung verschiedenster Gegenstände aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt als ethnologische Objekte zur Erforschung fremder Kulturen einerseits und als hohe Kunst andererseits?

Die Zuordnung des vergleichbaren, das doch aus unvergleichlichen Kulturen stammt, klassifizierte bereits und unterschied die hohe europäische Kunst vom bloßen Kult der Afrikaner und spiegelt damit eine Haltung, die irgendwann zur Sklaverei führte. Diese Kulturen wurden früher die Primitiven genannt und hinterfragen wir unsere Wortwahl und die Art der Betrachtung der teilweise dem gleichen Zweck dienenden Objekte erfahren wir auch viel über unsere Vorurteile und inneren Grenzen, was zumindest die Chance gibt den eigenen engen Horizont zu erweitern.

Bis zur Eröffnung des Humboldt Forums bleiben diese Objekte aus der ethnologischen Sammlung, die Meisterwerke afrikanischer Kunst sind, im Bode Museum sichtbar. Das ist gut so und hebt sie endlich aus der nur Betrachtung fremder Kultur auf die Ebene der Kunst, lässt beide nebeneinander stehen.

Natürlich vergleiche ich und ertappe mich zugleich in den Mustern meines Denkens, werde überrascht und lerne immer wieder neu hinterfragen, öffne meinen Blick für das Fremde, das mir in der längst gewohnten Umgebung unserer Kunst näher kommt und oft so vertraut wirkt. Einige afrikanische Objekte waren schon immer auch in der Sammlung Berggruen zu sehen, öffnen dort den Blick für die Einflüsse auf die Moderne, die als europäische Avantgarde dort neue Formen des Ausdrucks erkannte und sich von ihnen inspirieren ließ. War das nun ein Blick zurück auf die eigenen Wurzeln oder Ausbruch aus der Strenge europäischer Formen, die uns über Jahrhunderte von unseren Wurzeln entfernt haben könnte.

Bin mit afrikanische Kunst aufgewachsen, die neben Werken der europäischen Kultur im Haus meiner Eltern steht und teilweise etwa, wie der alte Häuptlingsstuhl, der aus einem Stück Stamm geschnitzt wurde, mitlebt im Alltag meiner Familie. Liebend gern erzählt mein Vater immer wieder die Geschichte der Masken oder Kultgegenstände und so hatte diese Ausstellung, so sehr ich damit teilweise fremdelte, weil sie die Gewohnheiten in einer mir eigentlich wohl vertrauten Umgebung, die auch das Bode in den letzten Jahren mir wurde, bei dem ich schon lange blind mich zurechtfände, auch etwas ganz vertrautes für mich.

Da ich die Sammlung, wie gerade erwähnt, ein wenig kenne, lief ich heute nur auf der Suche nach den in den Räumen aufgestellten Vergleichsobjekten durch das Haus. Begann in der Kapelle, die der christlichen Kunst der italienischen Renaissance gewidmet ist und an deren Eingang schon eine großartige afrikanische Figur mich begrüßte, ging dann weiter durch die an der Westseite zur Spree gelegenen Räume in denen sich viele großartige Kunstwerke der Renaissance finden, zu denen die afrikanischen Kunstwerke einen wunderbaren Kontrapunkt darstellen.

Im am Ende gelegenen Treppenhaus ging ich zunächst ins Untergeschoss, wo bei spärlicher Beleuchtung frühe christliche Kunst mit der meist jüngeren afrikanischen Kunst korrespondierte und viele Fragen stellte über die Art der Wahrnehmung in den so scheinbar verschiedenen Kulturen.

Was macht das Menschsein dabei aus und auf welche Art stellt die jeweilige Kultur die Fragen, bei denen wir nach Antworten suchen?

Wer ist näher am Menschen und seiner Natur?

Welche Kunst berührt mich heute stärker?

Fremd scheinen mir manch großartige mittelalterliche Kunstwerke, berührend nah dagegen oft die afrikanische Kunst. Besonders deutlich schien mir der Gegensatz bei den Werken der Gotik oder auch bei Riemenschneider, dessen Meisterwerke der Schnitzkunst so lebendig scheinen, denen gegenüber die afrikanischen Objekte fast schlicht symbolistisch wirken, wenn auch nicht weniger berührend. Dies kehrte sich einen Raum weiter in der Gegenüberstellung zur byzantinischen Kunst wieder um.

Mit dem Wechselspiel ging es in den oberen Etagen weiter, wo unter anderem eine Pieta aus dem 16. Jahrhundert mit einer doppelten Frauenfigur aus Elfenbein, die Tod und Leben Rücken an Rücken als einiges Gegensatzpaar präsentierte und sich mit einer faszinierenden, doppelgesichtigen afrikanischen Holzfigur die Vitrine teilte.

Den befürchteten Kolonialismus aus der Gegenüberstellung feinster europäischer Kunst in ihrer Blüte und naturnäherer afrikanischer Kultur empfand ich nicht. Diese Sorge verflog auch durch die respektvolle und gute Präsentation der afrikanischen Kunstwerke, die eben nicht nur schlicht ethnologisch gezeigt wurden, wie wir es sonst als Völkerkunde gewohnt sind, sondern die zwei Auffassungen von Kunst zeigte, ohne dabei zu werten. Sie standen immer wieder überraschend nebeneinander und zeigten damit den Wert beider als künstlerische Schöpfung. Sie bleiben unvergleichlich, wie es der Titel der Ausstellung schon nahelegt, auch wenn wir natürlich in der Gegenüberstellung, die nur thematische Bögen sucht, immer auch vergleichen, wie es unser Auge vor sich sieht, verzichten die Ausstellungsmacher völlig darauf hier pädagogisch oder wertend zu werden.

Zwei Welten stehen nebeneinander und diese Form der Präsentation stellt zwar viele Fragen an uns, verzichtet aber auf Antworten und regt damit zum Weiterdenken an. Vielleicht hätte noch ein wenig mehr Einordnung der Werke gut getan, um mehr mitzunehmen an kulturellem Hintergrund, doch stellt schon das schlichte Gegenüber ohne ein Übermaß an Erläuterung genug Fragen, regt nachhaltig zum Nachdenken an und erreicht damit das Beste, was eine solche Ausstellung kann - ein lohnender Gang, der durch das Ungewohnte im Blick anregend wurde.

Was sich mir nicht erschloss, war der eher zufällige zeitliche Kontext. Natürlich gab es in Afrika keine Gothik und keinen Barock aber es gab auch entsprechende, teilweise noch ältere Hochkulturen, die zumindest zeitlich parallel lagen - wäre es bei der Gegenüberstellung, die bewusst Parallelen im thematischen Bereich sucht, nicht wünschenswert diese auch in den Zeiten zu sehen, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, die dortige Kunst sei wesentlich jünger.

Die Holzplastiken mögen unter den dortigen klimatischen Bedingungen vielleicht teilweise weniger haltbar gewesen sein, für die Bronzen etwa aus Benin oder andere Kunstwerke aus Stein gilt dies jedoch nicht. Zwar heißt die Ausstellung unvergleichlich und legt doch den Vergleich nahe, wären kulturelle Brücken dort gut gewesen - eine Maske, die zeitlich parallel zum Wirken der Dadaisten in Zürich in Afrika gefertigt wurde und eine frühgotische Plastik kommen aus verschiedenen Epochen der Entwicklung der Menschheit - es wäre so als würden wir die Moderne mit dem Mittelalter zusammenhängen wollen und zeugt zumindest an diesem Punkt wieder von wenig Respekt gegenüber der alten autonomen kulturellen Tradition Afrikas, bleibt einfach unvergleichlich und ein schlichtes nebeneinander, das aus der Zeit fällt.

So ist die Ausstellung eine große Idee, regt auch jetzt schon an und hätte doch deutlich mehr Potenzial, das sie leider ungenutzt lässt, was sehr schade ist. Die Kooperation mit dem Humboldtforum und also auch der Leitung der großen staatlichen Museen in Berlin bietet große Chancen des kulturellen Verständnisses, der Aufklärung und des Brückenschlags, der aber ohne historischen Kontext schnell willkürlich wirken kann, da auch die Entwicklung der Kultur in der Welt relativ parallel lief, wie der Gründungsdirektor des Humboldt Forums noch in seiner damaligen Eigenschaft als Direktor des British Museum in seiner wunderbaren BBC Serie die Geschichte der Welt in 100 Objekten, die auch zum Buch wurde, darstellte.

Dies sei jedem zur Lektüre empfohlen und dort zeigt sich der große und umfassende Geist dieses Briten, der vermutlich auch hinter dieser Sonderausstellung steckt, die leider, wie ich hier vermuten muss, auch durch interne Konkurrenz getrieben, ein wenig zu deutsch-kleinlich umgesetzt wurde. Wie der Nachbau seiner großen Ausstellung zur deutschen Geschichte aus dem British Museum im Gropius Baus, die völlig misslang und kleinlich wurde.

Unvergleichlich ist eine tolle Idee, auch jetzt schon anregend aber noch etwas zu bemüht in der Umsetzung, es wirkt ein wenig als habe jemand einen großen Geist ausgebremst und in enge Schranken gewiesen, wie sie der Berliner Politik seit Jahrzehnten entsprechen, in der plötzlich ein Herr Müller, nomen est omen, die großartige Idee des Grimm Museums für Sprache gegen ein beliebiges Stadtmuseum im Humboldt Forum austauscht, was so auch in Bielefeld von provinziellen Werbern erdacht worden sein könnte.

Es ist leider nicht ungewöhnlich, dass der Mut zur kulturellen Größe Sozialdemokraten aus eher bescheidenen Verhältnissen, nicht unbedingt liegt und der noch Regierende in Berlin führt dies leider immer wieder beispielhaft vor. Sollte ich mich nicht täuschen, spiegelt sich diese Auseinandersetzung auch in dem Konflikt zwischen der Leitung der Staatlichen Museen durch die deutschen Museumsbeamten und dem Briten MacGregor in Berlin wieder, der geniale Ideen hat, die zu kleingeistig verfolgt werden. Ob dies aus Angst geschieht, dem Fremden zu viel Reputation zu geben, zu klein in seinem Schatten zu erscheinen oder weil es wirklich am großen Geist in Berlin heute fehlt, will ich noch nicht beurteilen. Doch sollten wir es aufmerksam verfolgen, weil es darüber entscheiden wird, was einmal aus unserem Hauptdorf wird.

Es lohnt diese Ausstellung sich auf jeden Fall, wie das Bode Museum immer einen Besuch wert ist, aber dort wäre mehr drin gewesen. Vermutlich wird es künftig durch die Kooperation mit der Linken, die sich als kulturaffin gibt, wobei sich fragt, woher das bei den Erben der ehemaligen Funktionäre der Spießerrepublik DDR kommen soll, noch schwerer im schon engstirnig verwalteten Berlin. Aber, wen interessiert solch lokaler Streit, der mehr nach einer dörflichen Komödie als einer weltstädtischen Kontroverse klingt?

Nebenbei zeigt das Bode noch die Ausstellung Wissenschaft und Turbulenz, welche Leben und Wirken von Wolfgang Fritz Volbach vorstellt,  dem aus einer zum Katholizismus konvertierten Mainzer jüdischen Familie stammenden Wissenschaftler, der es bis zur Machtübernahme durch die Nazis zum Direktor der byzantinischen Sammlung in den Berliner Museen brachte und viel zu deren Wachstum beitrug. Eine bestimmt interessante Persönlichkeit über die wir viel zu wenig wissen und über die der ahnungslose Besucher auch erstmal nichts erfährt.

Sollen solche Ausstellungen nur mit Führung erschließbar sein, braucht es ein höheres Verständnis der Museologie, um dort den Kern der Sache zu erkennen, fragte ich mich ein wenig verärgert beim Betrachten der bestimmt hoch interessanten Exponate. Als Besucher der Webseite des Museums erschließt sich mir der Kontext dann - aber funktioniert das Museum nur noch im virtuellen Kontext?

Es brauchen Besucher einfache und klare Erläuterungen, die dann vertiefen kann, wer sich für die Details interessiert - aber ein Museum, dass nicht selbst erklärt, was es uns zeigt, verfehlt seinen Job - es ist gut, die Neugier nach mehr zu wecken, aber dazu braucht es anderes als Insiderinformationen für Archäologen nach mehrjährigem Studium. Möchte als unbedarfter Besucher durch die Räume flanieren und dabei auch ohne Aufwand erkennen können, um was es bei der farblich deutlich abgegrenzten Sonderausstellung geht. Es war nicht das wahnsinnig wichtige Thema doch wenn ich schon an ein Opfer des Nationalsozialismus erinnere und des Gesetzes zum Berufsbeamtentum, muss ich mehr tun als seine Tätigkeit für das Museum in feinen Details darzustellen, die sich keinem im Vorübergehen erschließt.

Habe mich dort um ein Verstehen bemüht und bewusst nicht auf die Museumswebseite auf meinem Telefon geschaut und doch nicht wirklich verstanden, was die teils aufwendig präsentierten Exponate und die Erinnerung an diesen Mann mir sagen sollte, der nach dem Krieg noch das römisch-germanische Museum in seiner Heimat Mainz leitete. Gerade bei dem sensiblen Thema des Gedenkens an Opfer des Nationalsozialismus, die zuvor noch verdiente Mitarbeiter des Hauses waren, wäre eine schlichte Einführung wünschenswert, die in wenigen Sätzen und Bildern erläutert, um was und wen es geht, denn Museum sollte für die ahnungslosen Besucher gemacht werden, nicht für die Bewunderung der Kollegen oder um einen Designpreis in Farbgestaltung zu erringen.

Wer nach dem Weg durch die beiden Ausstellungen und dem Gang durch alle Räume noch Energie übrig hat, kann auch noch parallel die dritte Sonderausstellung des Hauses im Münzkabinett besuchen. Dabei widmet sich das weltberühmte Kabinett, in dem sich die einstige Münzsammlung der preußischen Herrscher findet, dem Menschenbild von der Antike bis zur Gegenwart auf dem Weg zum Portrait auf der Münze. Habe kurz geschaut, bin aber zugegeben kein Numismatiker und die Faszination des Geldes blieb mir immer eher fremd. Eine sicher interessante Ausstellung mit auch sehr guten und ausführlichen Erläuterungen , der ich aber gegen Ende des Rundgangs nicht mehr die größte Aufmerksamkeit widmete - vielleicht schaue ich die nächsten Tage nochmal vorbei - mit der Jahreskarte braucht es keine lange Überlegung dazu und die Museumsinsel, keine Stunde zu Fuß vom heimatlichen Platz entfernt, ist ja immer einen Besuch wert.

Wünschte mir nur die Realisierung der Pläne zum Neubau eines Gebäudes für die Gemäldegalerie an der Spree im Monbijoupark gegenüber dem Bode, mit diesem möglichst noch unterirdisch oder durch eine geschlossene Brücke verbunden, aber das ist eine andere Geschichte und wer wagt es schon noch an Neubauten in einer Stadt zu denken, die den ehemaligen Bausenator unter Wowereit, der maßgeblich Verantwortung also für die BER Pleite trägt, zum Regierenden machte, noch an Neubauten ernsthaft zu denken?

Freue mich an dem erhabenen Schatz, den wir auf der Insel schon haben, freue mich auf das bald anscheinend zeitgemäß vollendete Humboldt Forum, freute mich, wenn irgendwelche Islamisten den völlig unpassenden und völlig unproportionierten Berliner Dom sprengten und genieße museal ansonsten, was wir haben, ohne zu hochtrabende Träume.

Ein wenig gefiele mir die Vorstellung dem Senat wegen erwiesener Inkompetenz und kultureller Impotenz die Zuständigkeit für den von ihm zu bespielenden Teil des Humboldt Forums wieder zu nehmen und dort bis zur Realisierung des Neubaus Teile der Gemäldegalerie zu präsentieren, wie es der liebe André Schmitz andachte als er noch Berliner Kulturstaatssekretär war und nicht die Linke dieses Haus besetzte, die noch dem Palast der Republik nachweint. Aber ein Gefühl für historische Zusammenhänge und kulturelle Harmonie erfordert eben eine umfassendere Bildung als es die Führer der Arbeiterparteien wohl genießen durften, warum die Hoffnung gering ist, dass es sich unter diesen Bedingungen bald zum besseren wendet.

Die museale Kultur ist eine zutiefst bürgerliche und wo Menschen regieren, denen der Bürger eher ein Feind als ein Ideal ist, mangelt es leider auch immer wieder am nötigen Respekt vor den aus fürstlicher und bürgerlicher Tradition geerbten Sammlungen. Ob Berlin sich je dem würdig erweisen wird, was es hat oder ob das ein Problem der Demokratie ist, die weniger feine Kultur schätzt als massenkompatibel sein will, wird die Zukunft zeigen. Die Museumsinsel ist Weltkulturerbe und damit mehr als eine Schauhalle des märkischen Provinzialismus.

Um nicht klagend zu enden, sei zugegeben, dies Genörgel geschieht schon auf einem so hohen Niveau, von dem andere kulturelle Kleinstädte wie Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt oder München nur träumen könnten sowohl in der Menge als auch in der Qualität dessen, was Berlin jetzt schon bietet. Aber vielleicht begründet auch der Ärger über die Vergeudung solch edler Ressourcen durch Dilletanten manches Gemecker, egal wie ist das Bode und diese Ausstellungen immer einen Besuch wert und es gibt kaum einen kontemplativeren Ort in der Großstadt als das Münzkabinett, in das sich nur sehr wenige Verwirrte wie ich überhaupt verirren.

jens tuengerthal 1.12.2017

Glückswille

Wenn zwei miteinander
Glücklich sein wollen
Haben sie bereits alles
Was dazu nötig ist

Glückssicherheit gibt es nie
Im Leben wie in der Liebe
Im wissenschaftlichen Sinne
Wenn nur ein Gefühl zählt

Wir bauen dabei auf etwas
Was immer unsicher bleibt
Außer wir sind uns sicher
Und glauben einfach daran

Wo der Glaube allein zählt
Kommt es auf den Willen an
Wer glücklich damit sein will
Hat alles getan es zu sein

Alles andere liegt außer uns
Was außer uns liegt ist nie
Von uns noch beeinflussbar
Es ist wie derTod also egal

Wer sich dazu noch erklärt
Ein Leben teilen zu wollen
Um glücklich zu bleiben hat
Alles irgend mögliche getan

Wo also alles getan wurde
Was wir irgend tun konnten
Haben wir die größtmögliche
Sicherheit im Leben erreicht

Damit beruhigt und zufrieden
Genieße ich nur noch was ist
Mehr ist nicht mehr möglich
Und will also glücklich sein

Am Ende wie am Anfang steht
Also nur der Wille zum Glück
Weil eins plus eins dann eins ist
Bleiben zwei immer glücklich

jens tuengerthal 1.12.2017

Donnerstag, 30. November 2017

Barerotik

Haben Bars wirklich Erotik oder gerade dann am wenigsten, wenn die meisten dort hingehen, um diese zu finden?

Früher schrieb ich sehr viel in Cafés und Bars, hielt das für außerordentlich inspirierend, heute ziehe ich meist die heimische Bibliothek vor, weil mich die Gesellschaft und das Geschwätz der meisten Menschen eher langweilt. Ein Satz der heute in der demokratischen Gesellschaft mit ihrem zwanghaften Hang zur verordneten Gleichheit und der heiligen Kommunikation völlig verpönt ist, wie er aber dem feinen Geist des Huysmannschen Werkes ‘Gegen den Strich’ oder der Proustschen Recherche entspräche, um nicht dem Werk von Ernst Jünger zu sagen, der immer auch elitär dachte.

Manchmal ist es dennoch nett, sich als Beobachter noch einen Moment neben dies Geschehen in den Bars und Kneipen zu setzen und das Tun der anderen zu beobachten. Es birgt Stoff für Geschichten und Lyrik, doch merke ich, wie fremd mir diese Welt da draußen immer mehr wird, wie wenig mich all dies Treiben und die immer gleiche Konversation noch interessiert. Sinnlich finde ich dies Geschwätz angemalter oder aufgeblasener Menschen, die sich mehr oder weniger auffällig um die eigene Begattung bemühen, schon lange nicht mehr. Auch wenn es eigentlich immer nur um das eine geht, auch wenn es selten ausgesprochen wird, was nur den Drahtseilakt der verlogenen Kommunikation noch sozial spannend machte, aber eigentlich nichts als seine Verlogenheit offenbart.

Habe es, bevor ich meine Liebste traf noch gelegentlich mitgemacht, fühlte mich aber immer eher deplatziert und distanziert amüsiert als gereizt. Auch wenn sich zwei näher kommen, läuft es in 99% der Fälle nach dem gleichen Schema immer ab und dann ist auch der eigentliche Akt des Vollzugs kein Höhepunkt mehr, sondern nur das enttäuschende Ende, bei dem jeder für sich Befriedigung suchen soll, ohne noch etwas gemeinsam zu haben.

Nun, wo mich dies sexuelle Treiben nicht mal mehr theoretisch interessiert, bin ich noch amüsierter, wieviele Menschen sich nur damit beschäftigen und wie alles ständig darum kreist und dennoch beide alles tun, zu verhindern, dabei gelassen glücklich zu werden. Das Spiel der Lügen über ihre Bedürfnisse weiter spielen.

Warum stehen Menschen stundenlang bei zu lauter Musik in Bars, unterfordern sich wechselseitig geistig und hoffen dabei noch den Partner fürs Leben oder doch zumindest eine wunderbare Nacht zu finden?

Sicher enthemmt der Lärm in Verbindung mit Alkohol wunderbar und macht die Annäherung der irgendwie geschlechtsreifen Großstädter leichter, doch wäre da nicht ein Gespräch in Gegenwart schöner Bücher viel angemessener?

Es gibt in einer Stadt wie Berlin jeden Tag irgendwo Lesungen, dazu kommen noch literarische Salons und Cafés mit diesem Schwerpunkt, wie das im Literaturhaus in der Fasanenstraße, auch wenn dort mehrheitlich zu stark geschminkte ältere Damen aus Charlottenburg oder Witwen aus Wilmersdorf verkehren und dennoch verkehrt die Mehrheit der auf Partnersuche befindlichen Zeitgenossen in den einschlägigen Etablissements, die fern aller Literatur bei zu lauter Musik das Ziel der Begattung bereits unausgesprochen zu deutlich fühlbar machen, als käme es nur auf die Enthemmung an und nicht den Rahmen dafür.

Vielleicht bin ich inzwischen zu alt, die Versuche der Annäherung in den Bars und Cafés noch irgendwie reizvoll zu finden, interessant ist es dennoch, nicht für mich, habe ja schon das größtmögliche Glück gefunden, sondern als beobachtender Flaneur. Beruhigend finde ich, dass meine doch mehr als ein Jahr jüngere Frau, es ähnlich empfindet und wenn ich ehrlich sein soll, erinnere ich mich auch gut daran, den größten Teil meines Lebens immer ohne Nachtleben verbracht und es gut so gefunden zu haben, vor allem weil ich mehr zum Lesen kam, als wenn ich meinte, ausgehen zu müssen.

Insofern Hauptgrund immer die Partnersuche war, hat sich das Thema für mich vollkommen erledigt. Da ich sicher weiß, es nicht mehr besser dabei treffen zu können, hat sich das Interesse auf weniger als null reduziert. Sollte ich nun glücklich in meiner Bibliothek sitzen vor meinem elektrischen Kamin und das Treiben der anderen nur noch von Ferne belächeln?

Einerseits fühlt es sich so an und die Anziehungskraft der Bücher ist wesentlich höher als die dort draußen im zu lauten, trunkenen Treiben. Andererseits muss der Flaneur flanieren und Teil der Gesellschaft bleiben, die er beschreibt. Ohne Teilnahme keine Anteilnahme und ohne diese keine Leidenschaft in den Worten. Dann beschrieb ich nur noch in gedrechselten Worten meinen Rückzug von der Welt, wie es Huysmans in ‘Gegen den Strich’ so herrlich ironisch tat oder Hesse es etwas schlichter immer wieder auch seine von der Welt angeekelten Protagonisten leben ließ. Kaum einer beschrieb den Weltekel so lyrisch fein wie Rilke, der ein wenig jünger als Huysmans, um genau zu sein 27 Jahre, doch nur 19 Jahre länger lebte.

Als ich Freitag meine geliebte Bibliothek verließ, um nach dem Besuch im Supermarkt im Winskiez, der die guten Holsteiner Cox für den norddeutschen Apfel Liebhaber im Programm hat neben dem üblichen, was weniger allein den Weg lohnte, noch das dortige Sorsi et Morsi auf einen Wein zum Schreiben mit literarischer Inspiration in dieser doch sehr umtriebigen Bar zu besuchen, hatte ich Glück und konnte dort erstmals in dem wunderbaren Chesterfield Ledersofa versinken, um zu schreiben.

Leider entsprach die Musik nicht dem Sofa und meinem Gefühl für diesen so wunderbar italienischen Ort und war dazu noch zu laut, was irgendwie alles in dem bewusst zu engen Laden, in dem sich alles aneinander vorbei drängen muss und sich schon dadurch nicht mehr berührt als gewollt, sondern genau so viel mehr als sonst üblich, wie es sich viele wohl dort wünschen, die nicht nur zum Schreiben hierher kommen wie ich. Wie den Weg von der Bar in den hinteren Teil mit den Toiletten stelle ich mir eine Tokioter U-Bahn vor, nur dürfte es dort wesentlich asexueller und steriler zugehen.

So litt ich letztes mal an diesem Ort, der mir plötzlich nervig und geistlos vorkam, fragte mich, was ich dort tat, warum ich nicht in meiner Bibliothek saß und lieber las. So geht es  auch einem Freund von mir immer wieder, der allerdings jahrelang dort mehrmals die Woche verkehrte, um Frauen kennenzulernen, was wohl seltener gelang als die sexuelle Atmosphäre hoffen ließ.

Dennoch werde ich gern wieder am Freitag oder Samstag nach dem Einkauf auf einen Wein dort hingehen, um diese mir fremde Welt als Flaneur zu beschreiben, in diesen an sich absurden Raum einzutauchen und das nicht nur weil Johnny der Wirt so ausnehmend freundlich immer ist, sondern weil dieser Raum die Absurdität der Suche nach Sex in der Großstadt konzentriert auf den Punkt bringt, etwas, was der Flaneur in derselben schon aus Berufung beschreibt.

Beide Seiten wollen und warten sehnlichst darauf, verunmöglichen aber jede Realisierung durch einer Erfüllung zuwiderlaufende Erwartungen, die sie sich als Bedingung stellen und die damit sichere Enttäuschung tröstet über die folgliche Frustration am Nichts hinweg. Dies Muster wiederholt sich immer wieder ohne irgendeinen Lerneffekt bei den Teilnehmern, die dabei nicht alle dumm sein müssen, sondern sich einfach dem Glauben an einen hippen Ort zu sein, an dem doch etwas passieren müsse, weil schließlich alle darum hierher kommen, hingeben

Ein wenig kommt mir diese sehr italienisch laute Bar vor, wie ich mir einen Club-Urlaub vorstelle, den ich nie im Leben machen werde. So liebte auch eine Ex von mir diesen Laden am meisten, die auch am liebsten Cluburlaub in der Türkei machte und so genoss sie es persönlich von dem Barbetreiber Johnny geküsst und begrüßt zu werden.

Danach setzt das Denken nicht nur bei ihr aus, dahingestellt, ob es vorher je kritisch begann und die Anwesenden lassen sich dort unterhalten, wenn sie sich nicht gerade anbrüllen um über die Lautstärke hinweg zu kommunizieren. Wer das vermeiden will, muss sich sehr nah kommen und fördert damit wieder den eigentlich gewünschten Effekt.

Auf dem Chippendale Ledersofa etwas distanzierter noch als sonst schon von Natur aus und in diesem völlig versunken, war ich nur noch Beobachter und nicht mehr Teilnehmer, war mir sehr gut gefiel und meinem Charakter entspricht.

Ein Sofa, dass wunderbar in eine Bibliothek passte, bildete meine Insel an diesem absurden Ort, den ich doch zu gern immer wieder beschreibe und so sollte ich vielleicht noch früher hingehen, um dort einen Platz als Flaneur zu haben und sobald es laut wird und sich füllt, wieder verschwinden, um alles bis dahin zu beschreiben. Bin ich damit schon nur noch Beobachter,  mehr Statistiker des Sexualverhaltens derjenigen Berliner, die gerne hipp ssein wollen?

Erstaunlich denke ich, gehe ich an einen Ort, der nur halb irgendwie eine Bibliothek imitiert, statt in diese, um die Stimmung zu nutzen und spiele so mehr mit der Dialektik, als der Natur der Dinge entsprechend zu handeln. Es ist ein hipper Ort in meinem näheren Umkreis, was Grund genug für die meisten der Massen ist, die sich dort jede Nacht durchschleusen. Finde sein Gegenteil eher inspirierend und die meisten Buchläden erotischer als diese überfüllte und zu laute Bar voller Typen, die sich wichtig nehmen und Frauen, die bewundert werden wollen.

Die Vorstellung einen Po oder Busen beim Drängeln dort ungewollt zu streifen, finde ich weniger sinnlich als mit der Hand die Buchrücken meiner heimischen Bibliothek zu streicheln. Der Ort und das Theater sind mir so fremd, wie ich mich im Gegenteil in einer stillen Bibliothek oder einem gut sortierten Buchladen von englischer Gemütlichkeit wohler fühlen würde als dort je. Bücher sind mir meist näher als Menschen und mit diesen pflege ich auch lieber Umgang in der Regel, weil die wenigsten Menschen meinem Geist Widerhaken oder Halt bieten, was vermutlich mein Fehler ist, mit dem ich aber gut leben gelernt habe inzwischen und was glücklich macht, kann nicht schlecht sein.

Vielleicht besuche ich diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten so gerne, weil er mich darin bestätigt, wie gut ich es mit meiner Liebsten traf im und wie fern mir dies Leben immer sein wird. Es ist wie ein Besuch im Zirkus, in dem mittelmäßige Artisten der Liebeskunst ihre Kunststückchen vor einem gelangweilten Publikum zum besten geben, das dennoch brav Aaah und Oooh sagt, weil es sich doch so gehört. Vielleicht wäre Menschenzoo noch passender und so finden sich dort regelmäßig vermutlich nur Menschen, die gerne bespaßt werden, wie Cluburlauber und beim eigentlichen Ziel der Annäherung nie Befriedigung finden, warum sie sich auch dieser mäßigen Ersatzform hingeben können, als sei sie der Höhepunkt im Leben.

Natürlich ist jede Bibliothek schöner als solch eine Bar, vor allem meist stiller und friedlicher, geistvoller allemal, doch wie sehr spüre ich erst die sinnliche Schönheit meiner Bücher, die mich still zuhause erwarten, wenn ich von diesem Ort komme, der in so vielem für das Gegenteil steht.

Es geht um unerfüllten Sex, um italienische Lust und katholische Lebenslügen, die sich gerne dem anstatt hingeben. Wie sehr spüre ich dort, wie gut ich es mit meiner Liebsten verglichen habe, was freue ich mich auf die Zweisamkeit in Stille, statt wie die dort auf die laute, ziellose Jagd zu gehen, die nahezu keinen zur Befriedigung führt, von der zusammen ganz zu schweigen und wie träume ich genüsslich davon nur mit meiner Liebsten und unserer Bibliothek das Leben zu verbringen, weil es nichts mehr braucht.

Frage mich, ob diese Bars, die im Ruf stehen, ideal zu sein Sexualpartner zu finden, welchen Grund hätten die meisten sonst an einen Ort zu gehen, an dem sich schlechter unterhalten lässt als anderswo, dem Leben ihrer Besucher entspricht?

Sie leben halt und machen mit, was gemacht wird, auch wenn es dem eigenen Ziel zuwiderläuft, miteinander auf Dauer glücklich zu werden. Es ist ein Sehen und Gesehen werden. Die Sehnsucht danach, vom Wirt erkannt und persönlich begrüßt zu werden als Ersatz für die nie erreichte und den meisten unbekannte gemeinsame Befriedigung, wird zum Ersatz und Zweck an sich, mit dem sich die meisten zufrieden geben, wenn sie unbefriedigt wieder gehen, um bald wiederzukommen.

Die Hoffnung dort das Glück zu finden stirbt vielleicht zuletzt, zumindest fühlen sie sich gut unterhalten und am Gedränge sichtbar, geht es wohl vielen dort so. Dies ließe sich auf die meisten Bars der Stadt so übertragen, aber ich erspare den Lesern weitere Details oder Studien, da es nahezu immer das gleiche ist. Auch kennt jeder irgendwen, der hier schon mal sein Glück gemacht hat, zumindestens flüstern sich alle das zu und hoffen, die nächsten zu sein, auch wenn sie eigentlich wissen, wie kontraproduktiv der Ort dafür ist.

Sex findet in den Bars nahezu nur in den Köpfen der Teilnehmer statt und auch wenn die eine oder andere an der Bar, den neuen dort Geschichten zu raunt, wie es bei dem oder diesem ist, ob es nach der einen Nacht noch ein Frühstück gibt und Männer sich hinter vorgehaltener Hand dezent erzählen, wie diese oder jene war - ich kann da nicht mitreden, habe nie eine dort kennengelernt und war auch nie in dieser Absicht dort, auch wenn ich vielleicht über die eine oder andere dort plaudern könnte, was mir aber fremd wäre, wenn schreibe ich dazu - habe ich von den regelmäßigen Teilnehmerinnen der dortigen Partnerbörse nur frustrierende Geschichten gehört.

Seltsamerweise sind Männer da eher zurückhaltender was die eigene Frustration betrifft und neigen dazu, jedes Abenteuer schön zu reden, auch wenn es nicht mal mäßig war. Auch ich habe meine Geschichten darüber immer verklärend schön geschrieben, obwohl ich aus Erfahrung eigentlich hätte wissen können, wie frustrierend es fast immer war, weil eben nur ganz wenige Menschen wirklich zusammenpassen und der Sex in den übrigen Fällen völlig entbehrlich ist, nur zum gemeinsamen Onanieren ohne geteilte Gefühle führt.

Natürlich gibt es auch mal Männer die lästern aber doch eher selten und vor allem nicht dort, wo sie sich sammeln um erfolgreich eine neue Nummer in ihre Begattungsliste einzutragen und wo sie genau damit glänzen wollen und heute eben auch als solche, die Frauen glücklich zu machen wissen. So sind auch dort viele eigentlich erfahrene Liebhaber mit eher nichts zufrieden und stärken mit dem eben möglichen ihr Ego. Habe mich schon gefragt, ob das mit der männlichen Potenz zusammenhängt, die wirkliche Ehrlichkeit vermutlich schnell erschlaffen ließe.

Wie wenig das meinem Wesen entspricht, habe ich früher mehrfach erlebt, wenn mein Schwanz, wenn er dann gefordert war, schändlich versagte und schlaff blieb, weil mich die Spiele um nichts null reizten. Konnte das immer noch einigermaßen durch sonstige Erfahrung kompensieren aber begriff doch irgendwann, dass es nicht meine Welt war, Sex ohne Liebe fad ist und auch nichts mehr hinterlässt.

Glücklich nur noch Beobachter dieser Spiele zu sein, mein Glück dabei in der Liebe gefunden zu haben, bin ich auch hier wohl nur noch Chronist des Begattungsverhaltens, der sich fragt, ob mehr Ehrlichkeit irgendwem nutzen würde oder keiner mehr erwartet, als alle dort bekommen. Werde ich damit zum Voyeur, der die Suche nach Sex der anderen beobachtet und wie hier beschreibt oder ist das ausgeschlossen, weil der Voyeur ja Befriedigung in der Beobachtung findet, während ich höchstens noch amüsiert bin und mich eher distanziere, um mit mir  glücklicher zu sein, als die meisten dort je werden.

Vielleicht aber ist auch diese Annahme eine bloße Verkennung der dort versammelten Talente, die ihrem Wesen nach viel tiefer empfinden können und sich vom dortigen Spiel nur gut unterhalten lassen. Was weiß ich schon, denke ich und freue mich, an dem was ich habe, was mir so unendlich viel Distanz zum dortigen Theater gibt. Möge  jeder nach seiner Fasson dort selig werden, wie ich mich darüber freue, es lächelnd zu betrachten.

jens tuengerthal 29.11.2017

Unaussprechlich

Wenn das Glück
Am größten ist
Wird es auch
Unaussprechlich

Wenn ich also
Nun nichts mehr
Schreibe wissen alle
Erstmal überhaupt nichts

Du aber weißt genau
Wie glücklich wir sind
Was uns genügt

Weniger ist heute mehr
Liebe als Worte

jens tuengerthal 30.11.2017

Mittwoch, 29. November 2017

Büchererotik

Kenne nichts sinnlicheres als eine schöne, gut bestückte Bibliothek, in der ich mit der Hand über die Buchrücken streiche. Sicher, der vollkommene Körper meiner Liebsten steht natürlich bei allem und immer außer Konkurrenz, weil er schlicht nicht zu übertreffen ist, doch sehe ich davon ab, und das geht ja auch nur uns was an, besinge ich vielleicht noch in der Lyrik, gibt es nur die Bücher und dann lange nichts sinnlich vergleichbares.

Für viele Menschen hat wohl die Musik eine ähnliche Wirkung und als wir noch Schallplatten hatten oder benutzten, war es ja auch irgendwie so, war auch die Musik aus der Konserve etwas, was wir in die Hand nehmen konnten. Denke ich an Thomas Manns wunderbare Beschreibung des Musikautomaten im Haus Berghof im Zauberberg, verbinde also Musik und Literatur, denke ich, es genügte wohl auch ein schönes Gerät gleich welcher Art, die Musik zu würdigen und erinnere mich wie ich das erste mal den Ring in der Bayreuther Aufnahme mit Böhm am Pult auf der heimischen Anlage hörte irgendwann Anfang der neunziger. Wie feierlich war es dann alle Stunde die Scheibe zu wechseln, um danach wieder in die Welt des Festspielhauses klanglich einzutauchen.

Doch ist Musik für mich nur Klang, schöner Klang zwar meist und beim Ring auch mit genug schlecht gereimten Versen dazu, aber doch etwas gänzlich anderes als die Erotik eines Buches, das ich in den Händen halte, Seite für Seite erobere, auch einmal gelesen, immer wieder hervorholen kann. Die Musik bleibt etwas unstet luftiges, was kaum erklungen, schon wieder vergangen ist, ohne Dauer und Bestand, hat sie, wenn es hoch kommt ein Echo und eine Niederschrift in Noten, die für mich ähnlich verschlüsselt ist wie chinesische Bücher.

Vielleicht ist es das mir so fremde Rätsel der Notation, dass mich fast immer Bücher vorziehen ließ, denn auch das vorgelesene Buch verhallt nicht anders als die Musik im Nichts der Klangwelten ohne Widerstand, während das gelesene, sich sinnlich in mich eingräbt, eins mit mir wird im Lesen, bis es nach dem Höhepunkt der letzten Seite wieder zugeschlagen wird. Doch mehr noch ist es die Tatsache, dass Notenwerke selten schön gebunden Bibliotheken füllen, keine Bücher eigentlich sind, sondern Mittel zum Zweck, daraus zu spielen - warum meist eine schwache Bindung bevorzugt wird und ich, unmusikalisch wie ein Thomas Buddenbrook, nie eine sinnliche Bindung zu ihnen entwickeln konnte.

Bedenke ich, welch magische Wirkung etwa alte französische Bibliotheken auf mich haben oder die vatikanische Bibliothek, jede Klosterbibliothek wie die wunderbare in St. Gallen hat, selbst wenn es dort nahezu immer nur um Fragen des Aberglaubens geht, den ich völlig uninteressant und irrelevant für mein Leben finde, kann die Lesbarkeit allein nicht entscheidend für mich sein. Natürlich hat gerade die Vatikanische in ihren Giftschränken auch viel, was Rom über Jahrhunderte sich verbat und was also auch geistig spannender ist als das Märchen vom lieben Gott, der dort noch gelehrt wird - auch große Denker wie Montaigne schätzten die dortige Bibliothek sehr und das obwohl er eine wunderbare Bibliothek sein eigen nannte, in dem kleinen Turm am einen Flügel seines Schlosses, mitten in seinen im Perigaud gelegenen Gütern voller Weinberge, in die er sich nach Jahren als Richter und Bürgermeister in Bordeaux völlig zurückzog, um dort seine bis heute genialen Essays zu schreiben.

Bezeichnend für die vatikanische Bibliothek ist vielleicht, dass dort die Bücher in wunderbar bemalten Schränken versteckt, dem profanen Auge auf dem ersten Blick unsichtbar sind. Die Mystiker halten den Geist gern im Verborgenen, was viel auch über die Schranken ihres eigenen Denkens verrät, weil sie die Freiheit mehr fürchten, als sie von ihrem eigenen Glauben überzeugt sind.

Wer fest im Glauben steht, muss nichts verbieten oder verteufeln. Woran wir auch merken, wie vorgestrig und unsicher der islamische Aberglaube noch ist, in dem die Gelehrten noch immer Fatwas gegen die Autoren unliebsamer Bücher aussprechen, was in der Wirkung der Inquisition vergleichbar ist. So ist diese Sekte noch zurückgebliebener als die anderen beiden großen monotheistischen zumindest im Umgang mit Büchern. Andererseits konnten sich viele Schätze der Antike nur über arabische Bibliotheken uns erhalten, weil die römischen Christen, wie jene in Byzanz, bis es an die Mauren für die letzten 500 Jahre fiel, was immer künftig sein wird, mit jener Stadt, die länger Byzanz und Konstantinopel als Istanbul hieß, wesentlich intoleranter früher noch waren, als es Muslime heute sind und darum auch alle Spuren vorheriger Kulturen in Europa auszuradieren bemüht waren.

Der Umgang mit Büchern und die Pflege ihrer Kultur sagt viel über den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft. Wir mögen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz und virtueller Rechenspeicher, die auf Briefmarkengröße das Wissen einer ganzen Bibliothek speichern können und so trage auch ich auf meinem Telefon auch immer eine sehr umfangreiche Bibliothek mit mir herum, ohne dass sie ins Gewicht fiele, doch was bleibt davon in tausend Jahren, wenn schon heute die Programme von vor 30 Jahren keiner mehr virtuell lesen kann - verlieren wir all unser früher gedrucktes Wissen in virtuellen Welten, auf die wir nach Änderung der Programme durch fehlerhaft programmierte KI keinen Zugriff mehr haben?

Wenig wissen wir sicher, als auch uralte Bücher noch einfach aufzuschlagen und uns in sie mit dem, was uns die Natur von Geburt an als Fähigkeiten mitgab, irgendwie zurechtzufinden. Sicher, es hilft Lesen zu können, es sich nicht erst bei der Entdeckung der ersten Bücher selbst beibringen zu müssen aber zumindest können wir auch als Analphabeten noch ein Buch aufschlagen und etwas erkennen, wie ich als musikalischer Analphabet, wenn ich auf ein Notenblatt schaue, zumindest Punkte auf Linien sehe. Daten, die mit einer unbekannten oder vergessenen Software codiert sind, können wir nicht mal erkennen, sie sind für uns wertlos.

So schreibe ich hier zwar über die sinnlichen Vorteile der Bücher, die ihnen eigene Erotik, den Kitzel, der unsere Fortpflanzung noch nach Millionen Jahren reizvoll erscheinen lässt, auch wenn wir eigentlich längst gut wissen, wie es funktioniert, doch schadet es nicht, auch einen ganz manifesten Vorteil des Zugriffs zu erwähnen. Auch Gäste aus anderen Universen, die uns vielleicht irgendwann oder längst unsichtbar besuchten, können ein Buch aufschlagen und sich damit unser kulturelles Erbe ansehen.

Einen Rechner kann nur öffnen und die darauf gespeicherten Daten kann nur lesen, wer die richtige Brille dafür auf hat, also die Software kennt, sonst bliebe nur unlesbarer Datensalat übrig oder Bilder, die auch das zufällig bekannte Format haben müssen, um für andere lesbar zu sein. Ein Buch kann jeder Mensch öffnen. Lesen kann es jeder, der die Sprache kennt oder sich erschließt, was nach unserer Natur und unseren Anlagen möglich ist. Für die Lesbarkeit heutiger Software für kommende Generationen von vielleicht neuronalen Rechnern, die fest mit unseren eigenen neuronalen Netzen verbunden sein könnten, gibt es keinen Schlüssel in den Talenten unserer Natur.

Früher träumte ich davon, meine Bücher hinter Glas geschützt stehen zu haben, wie ich es aus der Familie kannte und es mir immer als Ideal wünsche, heute finde ich diese Vorstellung eher gruselig und beschränkt spießig. Im Gegenteil habe ich inzwischen sogar all meine Bücher nackt ausgezogen, also ohne Umschlag, möglichst vorne im Regal stehen, was nebenbei auch das Einstauben der Bretter verhindert, viel wichtiger aber ihre nackte natürliche Präsenz sichtbar macht.. Berühre gerne Bücherrücken im Vorübergehen, streichle meine Schätze zärtlich und möchte dabei nicht Papier berühren, dass bunt dem gerade aktuellen Geschmack irgendwelcher Verlage entsprechen, mehr Marketing als Kulturgut ist und wechselnden Moden unterliegt.

Die Vorstellung alle Bände einheitlich in Kalbsleder zu binden und mit meinem Wappen zu versehen, wie es früher in fürstlichen Bibliotheken üblich war und noch immer als höchster Luxus gilt, hat zwar etwas verlockendes, doch genügen mir Leinen und Pappe zum Glück vollkommen, solange sie mehrheitlich zumindest gebunden sind. Um mein Bett stehen die wunderbar gestalteten und edel gebundenen Bänder der Anderen Bibliothek und von Galiani und immer wieder ziehe ich den einen oder anderen heraus, sei es auch nur um wenige Seiten etwa Montaigne voller Genuss zu lesen, weil ein schönes Buch in den Händen zu halten, den Inhalt noch erhebender macht.

So gesehen habe ich ein zutiefst sinnliches Verhältnis zu Büchern, dass weit über den Inhalt hinausgeht, das Buch an sich zum Gegenstand meiner Lust macht. Beruhigend ist, dass es meiner Liebsten genauso geht, die sogar gern neue Buchseiten erschnüffelt beim ersten Öffnen, womit keiner auf die Leidenschaft des anderen eifersüchtig sein muss - wir gehen beide einander gern mit Büchern fremd, führen dies betreffend eine völlig offene Beziehung und gönnen gelassen jeder dem anderen die Leselust.

Wer keine sinnliche Beziehung zu Büchern hat, wird diese Ausführungen, fürchte ich, nie verstehen können. Auf eine Sache könne doch keine Mensch eifersüchtig sein, würden sie vielleicht einwenden und wissen nicht, wie viele Männer schon auf den Dildos ihrer Frau eifersüchtig waren, wenn sie je davon erfuhren. Wobei ich vermute, dass dies eher dann eher an der realisierten Frustration liegt, dass der Liebsten ihr Schwanz wohl nicht genügt.  So ist jede Eifersucht meist mehr in Selbstzweifeln als in tatsächlichen Ereignissen begründet. Mir ist solches Denken zum Glück völlig fremd und ich könnte meiner Liebsten lieber einen solchen schenken, ohne Neid zu empfinden, wenn sie meiner entbehren müsste, auch wenn ich sicher immer gerne an dessen Stelle wäre.

Wenn beide Bücher lieben und mit diesen und sich eine offene Beziehung führen, scheint dies der Gipfel partnerschaftlicher Harmonie, wenn auch Menschen, die eine Neigung zur Eifersucht oder Verlustängste haben, damit Schwierigkeiten haben könnten. Habe häufiger erlebt, dass Frauen sich von mir gegenüber meinen Büchern zurückgesetzt fühlten und nicht immer konnte ich ihnen, muss ich heute sagen, mit voller Ehrlichkeit widersprechen, sondern tat es nur belustigt amüsiert oder genervt. Andere reagierten eifersüchtig auf mein Telefon, das real mein Schreibgerät auch ist, also eine Art elektronisches Buch, was mir noch absurder vorkam.

Würde heute sagen, dass es nahezu nichts gibt, was ich der Gesellschaft meiner Bibliothek vorzöge. Die einzige, bei der es stets so wäre, teilt meine Liebe zu den Büchern und ist ganz nebenbei auch meine Frau wie ich ihr Mann womit beide ohne jede Büchereifsucht glücklich sind, den Gipfel geteilten Glücks wohl erreichen, der noch andere wunderbar erotische Aussichten gemeinsam hat, aber um unsere Liebe und Lust geht es hier ja nicht, sondern nur um die Erotik der Bücher, die wir beide zu gern streicheln wie einander.

Die Liebe zu den Büchern und die Erotik, die sie unabhängig von ihrem Inhalt für mich ausstrahlen, ist wo sie geteilt wird, schon der Gipfel der Lust. Wer dabei dann noch die Gnade erlebt auch in dem was andere für Erotik halten, die schönsten Höhepunkte zu teilen, hat im Leben wohl alles nur mögliche erreicht. Lehne mich zurück und denke gut so und schaue mir manchmal nur das Treiben der anderen mit einer gewissen Distanz noch an.

jens tuengerthal 28.11.2017

Liebesglaube

Glaube immer an deine Liebe
Weil sie mich glücklich macht
Das genügt mir es zu sein
Was könnte je mehr werden

Liebe ist immer nur ein Gefühl
Dabei spüren wir sie ganz real
Auch wenn sie nur eine Idee ist
Bestimmt sie das ganze Leben

In der Lust wird sie körperlich
Darum ist sie nur so perfekt
Lust ohne Liebe wäre bloß
Befriedigung unserer Triebe

Wir teilen das große Gefühl
Das durch nichts beweisbar
Immer am Glauben nur hängt
Und sind uns dennoch sicher

Jedem Gläubigen der sagte
Er wissen von Gott weil er
Seine Liebe spüre würden wir
Atheisten wohl nur belächeln

Den Gläubigen hat die Liebe
In der Natur den Sex voraus
Der Gefühle spürbar macht
So stärkt Lust den Glauben

Weil uns aber die Liebe stets
Mehr als bloße Lust sein soll
Haben wir am Ende nicht mehr
Als die Gläubigen mit ihrem Gott

Kann dir meine Liebe nicht beweisen
Zumindest wissenschaftlich gedacht
Alle Liebesbeweise täuschen nur vor
Es gäbe dabei mehr als ein Gefühl

So bin ich als Liebender wohl nur
Ein Gläubiger des Gefühl doch was
Könnte mehr sein als darin sich sicher
Miteinander für immer zu fühlen

Wir bauen unser Leben auf nichts
Als den Gefühlsglauben aneinander
Was sehr leichtsinnig erstmal klingt
Doch braucht es mehr zum Glück

Nicht haben als unseren Glauben
Der uns dann glücklich machen soll
Scheint wenig und ist doch viel mehr
Als genug wenn wir ihn auch leben

So glaube ich immer an deine Liebe
Weil sie mich so glücklich macht
Das genügt mir es ewig zu sein
Was könnte je mehr werden

jens tuengerthal 29.11.2017

Dienstag, 28. November 2017

Liebesschlaf

Die Größe einer Liebe
Zeigt sich im Schlaf
Wo uns nur geschieht
Was wir nicht steuern

Es braucht keine Mystik
Einfach nur Ehrlichkeit
Die uns gut schlafen lässt
Bei- wie miteinander

Wer auf kleinstem Raum
Selig verschlungen schläft
Hat die ganze Welt für sich
Weil Nähe zuhause wird

So geht es mir mit der Liebsten
Darum ist meine Frau für immer
Der schönste Teil meines Lebens
Träume ich mit ihr selig zu schlafen

Wo wir nichts tun als entspannen
Sind wir wohl am ehrlichsten stets
Was mit uns geschieht sagt mehr
Als alle Debatten es je könnten

Als Aufklärer liebe ich die Vernunft
Ist mir ein Unterbewusstsein suspekt
Kämpfe ich für mehr Verstand immer
Als Liebender trau ich dem Gefühl

Wer ein Leben teilen will sollte sich
Klar sein wie sich beide im Schlaf
Also ohne Willen dabei noch fühlen
Näher und ehrlicher geht es nicht

So sehne ich mich voller Sehnsucht
Wieder nach Nächten mit der Liebsten
Auch der Lust davor wegen sicherlich
Doch mehr um des Liebesschlafs willen

jens tuengerthal 28.11.2017

Montag, 27. November 2017

Leidensweg

Glücklich preise ich mich
Eine so leidenschaftliche
Frau die meine zu nennen
Auch wenn es Leiden heißt

Unter der zarten Schale verbirgt
Das nur scheinbar stille Wesen
So viel Lust und Liebe wie ich es
Noch nie habe erleben dürfen

So wünsche ich mir manchmal wohl
Weniger Leiden auch daran um im
Ruhigen Glück der großen Liebe
Gelassen genießen zu dürfen

Doch nie wollte ich dafür verzichten
Auf die größte Lust und Liebe wie
Nur leidenschaftliche Menschen sie
Uns schenken können im Leben

Ihre unglaubliche Omnipotenz hat
Wie ihre grenzenlose Liebe auch
Den Preis gelegentlicher Leiden
Was sie immer vielfach wert ist

Wer ein solches Wunder genießt
Tut gut daran es ganz zu lieben
Auch wenn es an Grenzen geht
Eigene Kräfte mal überschreitet

Die Liebe mit echter Leidenschaft
Ist immer auch ein Leidensweg
Doch führt er zum höchsten Glück
Der geteilten befriedigten Erlösung

Wer das gemeinsam immer findet
Hat mehr Glück als möglich schien
Was ist da gelegentliches Leiden
Denke ich verliebt von ihr träumend

So finde ich auch  im Wechselbad
Der Gefühle aus der Leidenschaft
Gelassenheit und zahle den Preis
Den auch das größte Glück hat

Frage mich nur ob nicht damit
Die Leidenschaft Feuer verliert
Wenn ich sie gelassen hinnehme
Sie sich ganz vernünftig erledigt

Doch bin ich relativ sorglos dabei
Zu zufällig sind immer die Gründe
Als das ich stets vorbeugen könnte
Sie mich nicht mehr leiden ließe

Glücklich nur macht mich dabei
Zu wissen dies ist halt der Preis
Für das Übermaß sonst an Glück
Bis zum nächsten Ausbruch dann

So werde ich sie immer mehr lieben
Wird das Begehren stets neu wachsen
Es ist anstrengend aber wunderschön
Wie die schönste Frau der Welt für mich

Eine leidenschaftliche Muse ist wohl
Unendlich kräftezehrend und doch
Das größte Glück eines Dichters
Auf seinem wortreichen Leidensweg

jens tuengerthal 27.11.2017

Sonntag, 26. November 2017

Romanform

Was ist die Form des Romans unserer Zeit?

Wer einen Roman erzählen will, sollte sich 117 Jahre nach dem Erscheinen der Buddenbrooks und 93 Jahre nach dem Zauberberg fragen, was heute zeitgemäß ist. Kunst geht, wenn sie etwas taugt, ihrer Zeit voraus, setzt aber auch gerne einen Kontrapunkt zum üblichen Denken, regt neues an, wenn sie mehr als nur eine Beschreibung dessen was ist, abliefern will.

Werden Romane besser, wenn sie die aktuelle, technisierte und denglisch verbogene Sprache der Jugend nutzen oder werden sie dann nur noch lächerlich?

Kaum denke ich und halte dies wie vieles für eine nur Mode, die ich schreibend nicht zu ernst nehmen sollte, wenn ich Bleibendes schaffen möchte. Es kommen zwar immer mal wieder Jugendworte in den Duden, sind frühere Slang-Worte, die ein Thomas Mann höchstens provokativ in der Umgangssprache mal genutzt hätte, längst keine Provokation mehr, sondern gewöhnlicher Umgang geworden und stören niemand mehr. Zugleich nutzen wir technische Ausdrücke für das Netz, mobile Kommunikation oder soziale Netzwerke, die Worte wie googeln oder tindern zum guten Sprachgebrauch machten.

Das Vokabular wird durch das jeweilige Sozialverhalten geprägt und wenn Jugendliche sich eben über das Netz verabreden und kommunizieren, sich in sozialen Netzwerken eher kennenlernen als in der Bar um die Ecke, prägt dies auch die Sprache und während es von räumlichen Schranken befreit, sich Menschen aus aller Welt verabreden und treffen können, macht es zugleich auch abhängig von der Technik, mit der wir uns verbinden, vom Netzzugang und anderen Ungewissheiten.

Während Goethe noch unruhig mehrmals täglich Boten zur verehrten Charlotte von Stein sandte, als diese sich nicht in der direkten Nachbarschaft sondern auf ihrem einige Kilometer entfernten Landgut befand, sind solche Distanzen heute kaum ein Lächeln wert, verabreden wir uns über jede Distanz via Whatsapp und telefonieren in Europa ohne Ende kostenlos miteinander, dahingestellt, ob diese Möglichkeit in allem immer ein Gewinn gegenüber der Goethezeit darstellt.

Nachdem meine Liebste mich in einem sozialen Netzwerk  entdeckt hatte, setzte sie die entsprechenden Zeichen, auf die ich, ahnungslos alt, wie ich in der Beziehung wohl bin, erst mit einiger Verzögerung reagierte. Sie kannte sich dort viel besser aus als ich, obwohl sie doch so viele Jahre jünger ist als ich und war damit wie meine Tochter ein Kind dieser Zeit, in der ich auch lebe, die aber auch eine fremde andere schon für mich ist in vielem, der ich geboren wurde, bevor es Computer wirklich gab, als vom Internet noch keiner was ahnte und der bereits sein Studium beendete, bevor soziale Netzwerke überhaupt erfunden wurde.

Schließlich verständigten wir uns doch, fanden uns über die in jeder Hinsicht große Distanz zwischen Berlin und Schwaben sehr schnell zusammen, überwanden alle Hürden, die sich dem noch entgegen stellten in uns und um uns und lebten die schönste Liebesgeschichte, die sich je in einem sozialen Netzwerk fand, das noch dazu seine Nutzer nur auf oberflächliche Bildchen reduziert, weil das wovon es ausgeht nicht das, was ist, prägen muss.

Warum ich nun wieder von meiner wunderbar romantischen Liebesgeschichte erzähle, die sich in sozialen Netzwerken so unerwartet fand?

Weil sie typisch ist für die Liebe in unserer Zeit, wie ich es auch bei meiner Tochter beobachte, die ihre Flirts dort kennenlernt, länger nur virtuell pflegt, bis beide sich irgendwann ganz real treffen oder auch nicht und dann mehr oder weniger enttäuscht eine Beziehung versuchen oder nicht. Während Goethe noch revolutionär mit dem Werther einen Briefroman schrieb, der wunderbar tragisch mit dem Freitod des Protagonisten endet, der die Jugend Europas bis in die Romantik hinein aufwühlte, den angeblich auch Napoleon las und von da an immer bei sich trug, der ihm später peinlich war, als Autor des Faust  und des Wilhelm Meister.

Doch hatte Goethe andere Gefühle als ich oder beschreibt er eine andere Situation als sie meine Tochter heute emotional erlebt?

Es gibt mit der virtuellen Welt einen neuen Raum, in dem sich die Liebenden bewegen, aber verändert dieser, was an der Art, wie sie sich begegnen?

Klar, Goethe kannte keinen Cybersex, aber wirklich spannend ist es doch, wenn du mit wenigen Worten und ohne Technik den anderen verführen und berühren kannst und daran hat sich von damals bis heute nichts geändert. Ob die Worte mit der Feder geschrieben oder ins Ohr gehaucht werden, um zu verführen, zu berühren, ein Herz zu gewinnen oder doch nur mittels Software elektronisch versandt und mittels eines selbstleuchtenden Lesegeräts gelesen werden, ist für die emotionale Wirkung nicht relevant.

Wenn ich mit einem meiner Freunde, der im Rollstuhl sitzt, über Sex plaudere, meinen wir beide das gleiche und beschreiben es nur unterschiedlich. Als ich mal eine einbeinige Geliebte hatte, war das zwar erstmal ungewohnt, wie für Goethe der Umgang mit dem Netz gewesen wäre, aber war dann doch so gut oder schlecht wie immer, da nicht die äußeren Umstände über die Qualität der Lust entscheiden, sondern das Gefühl dahinter.

Doch wie es nicht allen Menschen gegeben ist, sich auch physisch völlige Erfüllung gegenseitig zu schenken, dachte früher, es sei nur eine Frage der Technik, dazu müssten nur die richtigen Stellen korrekt stimuliert werden, und habe aber mit den Jahren lernen müssen, dass es auch an der Natur also der Physiognomie liegt, was zwei miteinander empfinden können oder nicht, dass der gemeinsame Höhepunkt für die meisten ein nur theoretisches Wunder bleibt, während es für andere ganz normal ist, so unterscheiden sich auch die Formen der Zuneigung sehr und haben sich doch auf ihre Art nie verändert. Was Goethe in seinen Briefen an die Stein schrieb oder Casanova in seinen Tagebüchern kann ich genau so nachempfinden und wie oft habe ich mich schon als Werther gefühlt, auch wenn ich nun erst die wirklich große Liebe entdeckte, die alles andere wertlos erscheinen lässt, verglichen, wäre sie nicht immer unvergleichlich.

Wenn sich aber nichts ändert in der Sache, nur die Formen etwas andere sind, wie die Technik beim Sex eine andere ist, wenn wir endlich gelassen begreifen, es kommt auf den nervus pudendus an, von wo aus und wie wir ihn auch immer reizen, um zusammen Befriedigung zu finden und nicht nur fälschlich bloß gemeinsames Onanieren für Sex zu halten, aber über allem doch das durch alle Zeiten gleiche Gefühl füreinander und die Hingabe aneineinander entscheidet, ob es gut war, dann wird es auch nicht darauf ankommen ob der Sex virtuell via Whatsapp-Nachrichten begann oder wie in den Gefährlichen Liebschaften als der eine die Lust der Verehrten in einem Brief beschwört, den er auf der nackten Haut der anderen mit einer sie kitzelnden Feder schrieb, die diese noch stimulierte.

Es müsste sich nichts ändern, es passten sich nur einige Techniken an den heutigen Stand der Technik an aber die Sache bliebe immer die gleiche und so bräuchte ich, was das zentrale Thema der Liebe betrifft, die uns doch alle immer wieder umtreibt, nichts ändern, um darüber noch aktuell schreiben zu können, als bei den Formen der Kommunikation die Werkzeuge anzupassen, doch hat sich da auch seit biblischen Zeiten nie etwas geändert, wie wir leicht in den immer noch erregenden Zeilen des Hoheliedes nachlesen können, einer der schönsten Texte der Erotik und noch dazu aus dem Bereich des Aberglauben.

Bedenke ich, dass König Salomo, der angebliche Erbauer des Tempels zu Jerusalem nach den Angaben des Märchenbuchs Bibel etwa im 10. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte, wenn es ihn historisch außerhalb der Bibel denn überhaupt gab, ist die ganze Geschichte ungefähr 3000 Jahre her. Nehmen wir die indischen Veden mit noch mehr Aberglaube aber nicht weniger Erotik, können wir sogar noch 500 Jahre weiter zurück gehen. Daran gemessen ändert sich nie etwas und seit Menschen schreiben und dichten können sind Liebe und Lust neben dem sie beschränkenden Aberglauben ein zentrales Thema.

Das andere große Thema ist die Geschichte selbst, über die ihre Chronisten mehr oder weniger lyrisch oder objektiv berichten wollten. Homer schrieb tatsächlich Geschichte in Versen in der Illias und vermutlich teilweise auch in der Odyssee -  vielleicht werden wir es irgendwann beweisen können. Vierhundert Jahre nach Homer, der mehr als Epiker, denn als Historiker gesehen wird, auch wenn er sicher beides war, schrieb Herodot Geschichte, der noch heute als ein Autor von erstaunlicher Größe und ungeheurer Wirkung gilt. Er versuchte den Menschen einen Eindruck von der ganzen ihm bekannten Welt zu vermitteln, wie er sie sah von den Bräuchen und Sitten der Völker, die er auch selbst besuchte. Er selbst sagte über sein Werk:

„Dies ist die Darlegung der Forschung (griech. Historie) des Herodot aus Halikarnassos, damit die Taten der Menschen nicht durch die Zeitläufe vergehen, damit die großen und bewundernswerten Taten nicht ruhmlos vorübergehen, die auf der einen Seite von den Griechen und auf der anderen Seite von den Barbaren an den Tag gelegt wurden. Das alles hat er dargelegt, sowie aus welcher Ursache sie einander bekriegt haben.“
– Herodot: Proömium der Historien

Er hat den Anspruch, zu sagen, wie es war und hat für seine Schriften gut recherchiert, mit vielen Menschen vor Ort gesprochen und sie befragt. Dennoch kamen schon früh Zweifel an der Wahrhaftigkeit seiner Aussagen auf. Plutarch etwa nannte ihn in einem Traktat einen Lügner. Heute wird er als ein für seine Zeit erstaunlich gut und methodisch arbeitender Berichterstatter gesehen, auch wenn andere immer noch meinen, er habe viele seiner Quellen frei erfunden und täusche immer wieder nur vor, Augenzeuge gewesen zu sein. Nach heutigem Wissen, gibt es dazu immer noch keine einheitliche Meinung. Die Schule der Lügner, wie diejenigen genannt wurden, die Herodot für einen solchen hielten, konnte sich jedoch auch nicht durchsetzen und so wird weiter gestritten. Zumindest wurde durch die Auseinandersetzung die Quelle Herodot ein wenig infrage gestellt aber auch in der Diskussion wach gehalten.

Auf dieses Problem stoßen alle Geschichtsschreiber irgendwann, besonders wenn sie noch dazu sogar politisch Position beziehen wie Herodot slebst, der aufgrund seines Engagements für die Demokratie und gegen die Tyrannis sogar seine Heimat verlassen musste und trotz späterer Aufhebung der Verurteilung nie wieder zurückkehrte.

Das weltweit bekannteste auch historische Werk ist wohl das Märchenbuch Bibel, das die Geschichte des jüdischen Volkes, im Lichte des ältesten noch existierenden Aberglauben erzählt. Es sammelt Sagen und Geschichten des Glaubens, die sie mit wirklichen Teilen aus der Historie mischt, damit war es, auch durch die an seine Tradition anknüpfenden jüdischen  Sekten namens Christentum und Islam, unglaublich erfolgreich und kein Buch ist wohl im Laufe der Zeit häufiger gedruckt worden und wurde für so lange Zeit zum Maßstab der Sicht auf die Welt und ihre Geschichte, ist dies in vielem auch noch bis heute.

Noch immer gibt es etwa Kreationisten, welche die dort erzählte Schöpfungsgeschichte als wahr betrachten und zur Grundlage ihrer vom Aberglauben geprägten Wissenschaft machen, es mit ihrer absurden Sicht der Dinge teilweise sogar bis in aktuelle deutsche Schulbücher schafften, in dem sie versuchen, die Wissenschaft, welche die Dinge logisch erforscht und erklärt, auch als einen bloßen Glauben zu betrachten. Ihre Geschichtsschreibung beruht auf der Bibel, nimmt sie als wahr an und erklärt ihren Anhängern damit die Welt. Damit sind sie so erfolgreich, dass sie auch in den USA in einigen Staaten ernsthaft als Sichtweise an den Schulen gelehrt werden dürfen und damit der Infragestellung aller Vernunft und Logik natürlich Vorschub leistet.

Die Wahl des amtierenden amerikanischen Präsidenten lässt sich zwar nicht direkt auf diesen Irrsinn zurückführen, indirekt wirkte diese Lehre aber auch im Glauben breiter unaufgeklärter Schichten, einschließlich des Präsidenten selbst, an Verschwörungstheorien, die zwar jeder Vernunft widersprechen und auf Dummheit basieren, aber gerade historische Dinge mit einfachen Mustern erklären, welche keine Fragen offen lassen, jedoch nie einer wissenschaftlichen Untersuchung standhielten, deren Gültigkeit von den Anhängern dieser Lehren nach dem Prinzip alternativer Wahrheiten bezweifelt wird. Das begann mit den Zahlen über die Zuschauer bei der Einsetzung des Präsidenten und hört bei der Behauptung einer kriminellen Tätigkeit der Gegenkandidatin Clinton noch lange nicht auf, die von eigenen Fehlern ablenken soll.

Großer Beliebtheit erfreuen sich heute auch pseudowissenschaftliche Werke, die komplexe Zusammenhänge in einfacher Sprache aber mit dicken Schlagzeilen erklären. Unter deren Autoren findet sich eine große Zahl an Verschwörungstheoretikern, die so ihre vermeintlichen Wahrheiten unters Volk bringen wollen und mit ihren vermeintlichen Aufdeckungen immer noch erstaunlich viele Leser finden, die schon lange glauben, belogen zu werden, weil sie die realen Zusammenhänge einer komplexen Welt nicht mehr verstehen wollen und lieber an eine weltweite Verschwörung glauben, so absurd diese auch sein mag, als sich ernsthaft den komplexen Zusammenhängen zu widmen, die sich eben nicht einfach erklären lassen und möglicherweise ihre Auffassungsgabe überstiegen.

Was folgt daraus für einen, der sich dem Geist der Aufklärung verpflichtet fühlt, meint eine Kulturgeschichte schreiben zu wollen, in der er in Romanform die Geschichte seiner Familie erzählt?

Will ich nicht die Gläubigen und Zweifler fördern, müsste ich dies Projekt, an dem ich nun schon länger arbeite, auf den Boden der Wissenschaft stellen, eine schlicht lexikalische Historie schreiben, die es ja mit Wikipedia in hoher Qualität bereits gibt. Müsste, was ich behaupte, sorgsam beweisen, mein Werk mit Fußnoten spicken, es also ästhetisch infrage stellen, ohne dadurch einen Gewinn an Glaubwürdigkeit bei denen zu haben, die lieber Verschwörungstheorien glauben und der Wissenschaft muss ich die Richtigkeit ihrer Methode ja nicht beweisen, die für sie längst zum existenziellen Selbstzweck wurde.

Egon Friedell schrieb in der Einleitung seiner Kulturgeschichte der Neuzeit schon, dass jedes historische Werk immer nur die Meinung ihrer Zeit widerspiegelt, ein Feuilleton seiner Zeit ist, der nie Anspruch auf Objektivität erheben könnte und befreit sich damit von jeder Diskussion, weil er zwar die Sicht auf die Kultur dem Stand der Wissenschaft entsprechend erzählt aber dies auch immer wieder wunderbar plaudernd mit seiner Meinung mischt.

So wäre Friedell wohl ein großes Vorbild, um unterhaltsam zu schreiben und dennoch auf eine kluge Art Aufklärung zu betreiben, die aber aufgrund ihrer erklärten bloßen Subjektivität unangreifbar wäre. Könnte alle Kritiker weglächeln und sagen, natürlich ist alle Geschichtsschreibung subjektiv und vom Geist ihrer Zeit geprägt. Es kann ja auch gar nicht anders sein. Auch die beste Wissenschaft arbeitet mit Hypothesen, die dem Geist der Zeit entsprechen.

Durch die Berufung auf die logische Subjektivität aller Geschichtsschreibung hätte ich mich von den Zwängen der Wissenschaft befreit, könnte Geschichte schreiben, wie es mir gefällt, ohne die Aufklärung zu verraten, die der Leitstern all meines Denkens ist. Hätte es nicht schon Friedell so getan, wäre ich nicht nur ein Nachahmer, dächte ich nicht, unsere Zeit bräuchte eine andere Geschichtsschreibung, die ihrem Geist entspricht, um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen unsere Zeit zu spiegeln.

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke, das wir zugleich als das Anthropozän wahrnehmen, also das Zeitalter, in dem der Mensch zum wichtigsten Faktor auch der biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde wurde, dreht sich der Mensch auch im Geiste vollständig nur noch um sich, wird sich jedoch langsam der Folgen seines Tuns bewusst.

Dies können wir beklagen und scharfe Warnungen aussprechen, wie es die Wissenschaft derzeit tut, oder ignorieren, wie es der egomane amerikanische Präsident macht, der in seinem nur um sich kreisen, der beste Beleg der Theorien ist, die er unverstanden bezweifelt. Beide Ansätze liegen mir als Aufklärer wie als Epikuräer fern. Möchte weder in den Chor des Jammerns und der Klage über den Egoismus der Menschheit einfallen, noch die Erkenntnisse der Wissenschaft dreist ignorieren, nur weil sie zu komplex sind, als das ich mir anmaßen würde, jedes Detail zu verstehen.

Was weiß ich schon, fragte der hochgebildete Montaigne vor über 400 Jahren und die Weisheit seiner Essays und die in ihnen wohnende Bescheidenheit bei gleichzeitiger Freude am Leben und großer Lebenslust, die sich dennoch bemüht immer mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, ist bis heute eines der besten Lehrbücher für ein gutes Leben.

Sich zurückziehen um sich auf das Wesentliche zu besinnen, meine eigenen Grenzen wohl erkennen, denn was weiß ich schon, wie könnte ich meinen, besser als ein Friedell oder ein Mann im Zauberberg Kulturgeschichte zu schreiben, und doch voller Gelassenheit mit den mir eben gegebenen Mitteln lustvoll ans Werk zu gehen, scheint mir die Antwort auf die Frage nach der richtigen Form in der zumindest ich heute nur Geschichte schreiben kann. Dabei bin ich mir bewusst, im Zeitalter der sozialen Netzwerke und von Big Brother zu schreiben, in dem es nahezu immer um die bestmögliche Selbstdarstellung geht.

Werde meine Geschichte erzählen, die natürlich immer auch die meiner Familie ist, aus der ich stamme und die mich prägte, deren Erbgut ich weitergebe, nichts sonst. Werde dabei völlig subjektiv bleiben und es, um der Lust am Schreiben willen, eben romanhaft so erzählen, wie es mir gefallen würde zu lesen und wie es die Lücke füllte, die ich schließen könnte. Besinne mich auf meine Kräfte und Wurzeln, nutze meine Phantasie um aus der Wurzel aller Kultur heraus ihre Geschichte zu erzählen oder, was mir eine schöne literarische Freiheit zu sein scheint, noch besser also, lasse meinen längst verstorbenen Großvater dies erzählen, wie er es vielleicht getan hat oder sicher hätte tun können, es zumindest aus meiner Sicht, seinem Geist entspräche und werde nun also die Kulturgeschichte der Familie Tuengerthal erzählen, wie sie mir erzählt wurde und einfiel. Maße mir nichts an, als das zu tun, was ich kann, verkünde keine historischen Wahrheiten, lüge natürlich nicht, sondern schreibe einfach, wie es mir einfällt, wenn ich daran denke, was war. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind kein Zufall, sondern meine Sicht der Dinge, was natürlich dazu führt, dass nichts davon der Realität entsprechen muss, sondern immer nur meiner Sicht auf diese, wie wirklich die Wirklichkeit am Ende auch immer sein soll.

Mehr kann ich nicht, anderes könnte ich nicht verantworten. Keiner ist so, wie ich ihn beschreibe und nichts hat sich für die anderen so zugetragen nur weil ich es nun so sehe oder beschreibe, aber vielleicht macht es dem einen oder anderen außer der Familie Freude, diese kleine Selbstbetrachtung zu lesen, in der sich die Kulturgeschichten in meiner Familie und diese in meiner Sicht spiegelt. Nicht um zu sagen, es sei genau so gewesen, ich muss nichts besser wissen als andere, die es gar studierten, sondern um frei die Geschichte als meine Geschichte zu erzählen. Aus meiner Sicht entspricht diese Idee, Geschichte zu schreiben genau dem Geist der sozialen Netzwerke, in denen wir uns pausenlos selbst spiegeln, am besten auch noch mit Selfies, um der Wirklichkeit den Anschein eines guten Bildes von uns zu geben.

So ist dieser Weg gewiss eitel wie alles Erzählen von sich, doch wenn ich damit auch tue, was alle pausenlos machen, tue ich es zumindest in dem Wissen, nicht über mich hinaus zu können, auf mich beschränkt zu sein und maße mir dieses mal nicht an, etwas besser zu wissen oder die Welt erklären zu können, wie sie ist und wurde, wozu ja alle Geschichtsschreiber der Natur nach irgendwie neigen, warum ich mich auf meine Sicht der Welt und meiner Familie beschränke, die eben ist, wie sie ist. Wen das nun neugierig macht, der wird sicher Wege finden, mehr darüber zu erfahren, wenn es soweit ist.

jens tuengerthal in Berlin am 26. November 2017

Liebesschön

Meine Frau ist die schönste
Das ist ganz offensichtlich
Kann auch keiner übersehen
Entspricht  meinem Gefühl

Natürlich macht die Liebe schön
Schöner nur geliebt zu werden
Wie sollte sie also nicht schön sein
Auch wenn sie manchmal zweifelt

Wer an sich äußerlich zweifelt
Kann ganz schnell verzweifeln
Darum fang ich es lieber nie an
Beschäftige mich nicht damit

Liebe meine wunderschöne Frau
Die natürlich viel schöner ist
Als ich sie hier beschreiben kann
Auch weil sie ist wie sie ist

Ihre Bescheidenheit macht sie
Für mich noch schöner als es
Ein strahlend starkes Ego könnte
Wie es so gewöhnlich nur ist

Jeder findet sich heute toll
Oder warum zeigen sie sich
Alle ständig selbst der Welt
Suchten sie nicht Bestätigung

Finde mich eher so normal
Ein Mensch halt mit allem dran
Was die Natur für ihn vorsah
Manches auch fehlt schon

Das Haar wird oben lichter
Der Bart nun langsam grau
Die Knochen schmerzen halt
Die Blase hält nur mühsam

Schön fand ich mich noch nie
Strebte auch nie im Leben
Danach ein Schöner zu sein
Wäre auch vergebens gewesen

Erst meine wunderbare Frau
Sagte mir wie schön ich sei
Glaub es natürlich nicht aber
Freu mich an der Liebe darin

Sie fand ich stets wunderschön
Um so mehr je näher ich kam
Weiß sie könnte jeden haben
Weil sie nicht nur schön ist

Solange sie daran zweifelt
Ist sie mit mir noch zufrieden
Könnte ich ökonomisch denken
Und tue doch das Gegenteil

Bin wohl kein Ökonom
Zumindest in der Liebe
Möchte ich glücklich machen
Wüsste ich nur immer wie

So bleiben beide bescheiden
Glauben großes Glück zu haben
Mit dem anderen und sind es
Ein Leben lang miteinander

Von mehr weiß ich nichts mehr
Na vielleicht doch was kleines
Ich hab natürlich viel mehr Glück
Aber das sag ich jetzt lieber nicht

jens tuengerthal 26.11.2017

Samstag, 25. November 2017

Liebeswert

Die Liebe verschiebt das Leben
Was nichts war wird uns alles
Anderes wird völlig unwichtig
Wird am anderen gemessen

Früher saß ich gerne im Café
Schaute alle Frauen dabei an
Wollte gern jede mal haben
Heute sind sie mir ganz egal

Als ich dich noch nicht kannte
Warst du einfach ein Mensch
Nicht weiter wichtig für mich
Heute bist du alles längst mir

Männer vergleichen sonst gern
Ihre Frauen wie beim Quartett
Wollen die Beste für sich haben
Du bist für mich unvergleichlich

Früher liebte ich die Frauen alle
Konnte an jeder etwas schönes
Noch entdecken heute sehe ich
Nur wieviel schöner du immer bist

Früher hatte ich einen Frauentyp
Später verlor sich auch dieser
Heute bist du die Erfüllung aller
Träume die ich doch nie hatte

Du fragst mich manchmal
Ob mir nun etwas fehlte
Was ich früher immer tat
Und ich verstehe es nicht

Weil du mir einfach alles bist
Kann mir nie etwas fehlen
Habe doch mit dir alle Träume
Erfüllt und bin immer glücklich

Habe meine Träume verloren
Weil sie sich mit dir erfüllten
Lebe den Traum nun lieber
Was mir für ein Leben genügt

So hat sich manches verschoben
In unserer beider Wahrnehmung
Solange es uns glücklich macht
Kann nichts besseres passieren

jens tuengerthal 25.11.2017