Dienstag, 8. November 2016

Ausstellungsglück

Frage ich mich wann ich in meinem
Leben am glücklichsten war bleiben
Museen Bücher oder doch die Liebe
Die ersten beiden blieben dauerhaft

Was macht an Ausstellungen oft so
Glücklich wo es doch eigentlich nur
Eine Betrachtung toter Dinge ist die
Still vor dem Betrachter rumstehen

Erinnere mich genau an die ersten
Besuche im Museum die waren in
Frankfurt und in Bremen wobei das
Überseemuseum mein Traum war

Dort ging der Betrachter durch fremde
Welten in den Sälen und betrachtete
Die Inszenierungen anderer Kulturen
Ohne durch die Welt reisen zu müssen

Auch das Senckenberg Museum dann
In Frankfurt mit den Dinosauriern wie
Unendlich vielen Tierpräparaten für das
Der Vater die Fossilien röntgen durfte

So lernte ich schon sehr jung auch die
Hintereingänge der Museen kennen was
Dem Besuch etwas konspiratives gab so
Es dann aus den Büros zu den Dinos ging

Auch mein Vater ist ein Sammler von so
Vielem dass meine Mutter ihn immer noch
Bremsen musste um nicht in einem Museum
Leben zu müssen er war wie sein Vater

Auch bei meinen Großeltern gab es einige
Räume in denen wir lieber nicht toben durften
Weil Vitrinen mit Porzellan Orden oder mehr
Dort stand zwischen Kunst und Natur wohl

Der Vater und die Onkels reisten überall hin
Hatten eine Karte im Keller des Hauses bei
Den Großeltern ihrem Mittelpunkt der Welt
Auf dem alle Reise markiert waren mit Fäden

Als ich viel später Humboldt oder Forster las
Entsprechende Ausstellungen besuchte war
Die Erinnerung an diese Karte im Keller mir
Immer wach die der Geograph dort plante

Klar wollte ich als Kind um die ganze Welt
Reisen überallhin wo die Onkel auch waren
Am besten noch neues entdecken wo noch
Keiner von denen war was wenig nur blieb

Statt in die von meinen Onkels noch völlig
Unberührte Arktis oder Antarktis nun ganz
Dringend zu reisen entschied ich mich das
Nicht jeder überall gewesen sein musste

Den klugen Kant im Hinterkopf fragte ich mich
Ob Reisen wirklich bildet und dachte an die
Immer Übelkeit bei Schiffsreisen oder auch
Bei Autofahrten noch im VW Variant damals

Wobei ich von Kant noch nichts wusste als
Die Eltern noch Variant fuhren während der
Drang irgendwo zu sein immer mehr abnahm
Spielte sich doch alles eher im Kopf ab

Ein anderes Museum spielte noch bei mir
In Kinderzeiten eine große Rolle und wurde
So zum bis heute vertrauten Ort durch die
Besuche im Kindermalkurs im Städel

Diese bürgerliche Frankfurter Kunstsammlung
Im wunderschönen Haus direkt am Main von
Immer mehr Museen heute benachbart ist ein
Schatz an Vielfalt der Kunst voll alter Freunde

Stundenlang hatte ich als Kind vor Meistern
Gesessen und versucht auch so etwas zu
Malen oder mich inspirieren zu lassen davon
Was im Ergebnis zugegeben eher frustrierte

Dazu kam noch der vielfältig genialische Vater
Der auch zu gern alle Welt mit seinen Talenten
Beglückte als Vorbild das die zarten Striche des
Knaben im Städel Versuch bleiben ließ am Ende

Einen den ich später nicht mehr aufnahm um
Lieber darüber zu schreiben wenn ich wieder
Durch Museen ging um mich dort so zuhause
Zu fühlen wie kaum an einem Ort sonst

Sicher hatte mein Vater schon dieses Gen wohl
Uns als Kinder gefühlt durch alle Museen die
Irgendwo am Weg lagen geschleppt und vor
Jeder Kirche mit Altar zur Besichtigung gehalten

Doch hätte das eigentlich das Gegenteil eher
Auslösen können führte in der Pubertät auch
Dazu dass ich erstmal jedes Museum noch
Verweigerte bis ich es für mich entdeckte

Museen sind zugleich Orte an denen sich
Die Langsamkeit entdecken lässt wie die
Betrachtung schöner Dinge durch Menschen
Ein vielfältig sinnliches Glück auch ist

So haben Museen eine ganz eigene Erotik
Die eine Spannung zwischen den vorgeblich
Nur konzentriert der Kunst zugewandten
Entstehen lässt die Grund genug wäre

Doch seltsam genug verselbständigte sich
Die Begeisterung für Kunsthistorikerinnen
Irgendwann und wurde zu einer Lust am
Gegenstand ihrer Forschung bis heute

Wer sich mit Museen beschäftigt dem öffnen
Sich plötzlich Welten hinter dem Sichtbaren
Die Dinge fangen an Geschichte zu erzählen
So wandeln wir flanierend durch die Welten

Welcher Ort also liegt dem kantianischen
Flaneur näher als das Museum um dort
Alles Glück der Welt zu finden das sich
Bei geduldiger Betrachtung weiter öffnet

Manche reisen von Ort zu Ort um dort
Gewesen zu sein was immer sie dann
Davon für sich mitnehmen waren sie
Zumindest mal da was wohl alles ist

Früher sagte ich andere reisen nach
Außen mich zöge es mehr nach Innen
Was meiner schon zu reichen Phantasie
Völlig entsprach später ließ ich es lieber

War doch die Reise nach Innen seit der
Eso-Welle immer höchst verdächtig so
Wollte der Aufklärer in mir dessen nie
Nur verdächtigt werden aber was tun

Schon als Kind saß ich stundenlang
Vor meinem Spielzeug bewegte mal
Einen Playmobil oder ein Wikingauto
Der Rest spielte sich nur im Kopf ab

Für solche Menschen die lieber in sich
Unterwegs sind ist ein Museum immer
Der ideale Ort zum Glück zu finden
Stiller Betrachtung ganz hingegeben

Wie gerne führte ich später meine Liebsten
Durch meine liebsten Museen und stellte
Ihnen dort meine Freunde vor was die dort
Bilder längst waren dem Museumsbesucher

Mit einer Liebe die Kunst auch liebt zusammen
Ins Museum zu gehen ist das schönste was es
Für mich geben kann schon der Gedanke daran
Erfüllt mich völlig was sonst sollte schön sein

Während diejenigen die stumpf davor stehen
Sich nicht von der Kunst berühren lassen fern
Immer bleiben werden was ein sicherer Blick
Auf den Charakter ist als viele Gespräche

Ist diese Sicht der Museen nun ungewöhnlich
Oder doch ganz normal weil sie voller Liebe
Für die Schönheit ist die sich dort langsam erst
Offenbart ohne sich zugleich aufzudrängen

Wer wissen will wird sich auf die Suche begeben
Wo es etwas zu entdecken gibt bleibt Neugier
Auf die Welten hinter der sichtbaren Kunst noch
Die Erotik gibt es dann in Museen nebenbei

So verschmilzt die Lust an der Betrachtung
Der Kunst mit der an ihren Betrachtern die auch
Das mehr sehen oder suchen und genießen
Wie schön die Welt doch so sein kann

So fragt sich der Ausstellungsliebhaber wie
Museen heute sein sollten womit Ausstellungen
Anziehen ob es um Bildung mehr oder Lust an
Der Suche nach was auch immer gehen soll

Gehe voller Liebe durch Museen mit dem
Selben zärtlichen Gefühl voller Sehnsucht
Wie ich es bei Büchern oder in der Liebe
Kenne was liegt also näher als hin zu wollen

Bücher berühre ich beim Lesen auch die Liebe
Führt wenn sie glücklich ist zu Berührungen
Die am besten noch befriedigen nur im Museum
Bleiben die Dinge natürlich unberührbar

So ist diese unerfüllbare Sehnsucht die auch
Mit der Lust den Blick öffnet mit der Mac Gregor
Seine Bücher schreibt Quelle einer dauerhaften
Liebe mir geworden die bleibt wie sie ist

Auch wenn natürlich völlig unberührt dann
Wieder nach dem Museumsbesuch zum Tee
Breitet sich ein Gefühl tiefer Befriedigung
In mir aus als gäbe es musealen Sex

Die Berliner Sammlungen sind ein Glück
An sich schon jetzt sie nach gusto mal
Zu durchstreifen ist mir immer schönste
Beschäftigung neben Liebe und Lesen

Doch im Gegensatz zu letzterem hat
Noch kein Museum mich unglücklich
Gemacht sondern wenn mir Konzepte
Zu aufdringlich waren irgnorierte ich sie

Museen sind treue Freunde und wohl
Die große Liebe die bleibt auch wenn
Alle Welt verlassen scheint und gerade
Dann sind sie noch der beste Ort immer

Manche müssen immer etwas machen
Weil sie nichts mit sich anfangen können
Ihr Sein scheinbar keine Bedeutung hat
Für sie mir genügt die Betrachtung vollauf

Ob das ein Erbe vom Vater wohl ist der
Nun noch mehr Museum macht in allem
Frage ich mich nicht und genieße lieber
Die Chance auf die Welten dahinter
jens tuengerthal 8.11.2016

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