Sonntag, 2. August 2026

Lektürentagebuch 2.8.26

Lektürentagebuch 2.8.26

Noch in der Nacht in der Erkundung
Von Selborne weitergelesen von 
Gilbert White in seinem 16. Brief an
Thomas Pennant Esquire über Vögel

Er beginnt mit der Beschreibung des
Triels und seiner Eigenarten findet 
Charadrius oedicnemus passend
Angesichts ihres hörbaren Gezeters

Unterscheidet dann drei Arten von
Laubsängern nach Gefieder Größe 
Erscheinung und welche er noch nie
In der Umgebung von Selborne sah

Macht noch eine Liste aller Singvögel
Wie von wann bis wann sie zu sehen
Oder zumindest zu hören seien was 
Genug für ihn zu erkunden noch sei 

Berichtet von einem der sich so gut
In den Hecken zwischen Feldern
Versteckte dass er fast unsichtbar
Für sie direkt daneben noch blieb 

Aber sich lautstark bemerkbar auch
Machte warum sie feststellten dass 
Er ihnen fast eine Meile in der Hecke
Folgte und sie dabei bezwitscherte

Ob sie sich anschließend auch so
Fühlten lässt Gilbert noch offen
Erzählt von Vögeln die Geräusche
Wie zirpende Heuschrecken machten 

Was er auch beschreibt er tut es mit
Liebe zum Detail englischem Humor
Genauer Beobachtung und Kenntnis
Der Natur seiner nächsten Umgebung

Würde der Ehrgeiz der Menschen 
Wieder mehr dahingehen die Vögel
Wie Insekten und Pflanzen ihrer
Nächsten Umgebung zu erkunden

Statt Tiere in Zoos zu sperren lieber
Das Nächste genau zu erkunden es
Als erfolgreich gelten würde alle
Unterschiedlichen Insekten zu sehen

Blumen im eigenen Garten zu ziehen
Die eigene Natur zu erkunden uns 
Aufgabe und Glück genug wäre
Könnten alle damit besser leben


Mit leichten Bedauern aber auch
Großer Freude heute das letzte
Kapitel von Harry Graf Kessler in
Erinnerungen eines Europäers 

Gelesen wo es wieder um Bismarck
Den da schon ehemaligen Kanzler 
Wie einen letzten Besuch bei ihm ging
Was also schon nach 1888 dann war

Berichtet wie die Leipziger Studenten 
Beschlossen im nationalen Taumel
Der Bismarck Verehrung diesem 
Einen silbernen Humpen zu schenken

Daran waren auch die Canitzer wohl
Beteiligt warum er ausgewählt wurde
Die Delegation zu leiten obwohl er es
Eher mit Bedenken sah bleibt unklar

Dafür wird beschrieben wie sie den 
Schon alten jovialen Bismarck selbst
In Bad Kissingen aufsuchen mit einer
Delegation die er mit Kutschen mit

Kutschern in Uniform abholen ließ
Gerne spielte der alte Fürst noch
Mit seiner alten Bedeutung und ließ
Sich die Verehrung etwas kosten 

Er gab reichlich Sekt dazu aus und
Trank selbst ordentlich lud ihn am
Nächsten Tag nochmal mit einigen
Auserwählten zum Kaffee ein

Harry nahm sich vor mit Otto über
Die Zukunft zu sprechen was seine
Version davon wäre für seine Jugend
Kommt aber höflich wie er ist kaum

Dazu und lässt den Fürsten plaudern
Der sich weiter wie unter Studenten 
Der Studienzeit in Göttingen also vor
1848 als Alter Herr dort benimmt

Kessler schildert die Anekdoten die
Bismarck vom alten Kaiser erzählt
Wie sie sich stritten nach der so 
Bekannten Schlacht von Königgrätz 

Wie Wilhelm nun weiter nach Wien
Marschieren wollte plante alles das
Ganze kuk Reich zu nehmen aber er
Sich zu dessen Zorn weigerte

Wie der König ihn zornig rauswarf
Er seinen Rücktritt erpresserisch
Anbot wie er dann den Kronprinz 
Friedrich traf der es für ihn regelte 

Er lässt Bismarck dabei durchaus
Auch selbstironisch erzählen wie
Er seinen Willen durchsetzte und
Warum er die kleindeutsche Lösung

Damals wählte und richtig fand 
Wie er sich noch von Moltke dazu
Bestätigung auch holte die aber der 
Große Schweiger nicht wirklich gab

Bismarck behauptet die Truppe sei
Der Cholera wegen nicht fähig dazu
Danach klang Moltke eher nicht was
Harry indirekt deutlich hier macht

Das ganze ist mit Humor und Wissen
Klug beschrieben und schildert ganz
Große Elemente der Rolle Bismarcks
Bei der Reichsgründung im Krieg

War es klug nicht weiter nach Wien
Zu ziehen die Österreicher lieber zu
Lassen einen fairen Frieden auch
Als klare Sieger zu unterzeichnen

Bismarck plaudert darüber nett beim
Schon wieder Schampus statt Kaffee 
Als wäre es nicht entscheidend für die 
Weitere deutsche Politik gewesen

Das ist schön beschrieben doch die
Zweifel auch an Bismarck bleiben so
Steigt er auf der Rückfahrt noch von 
Bad Kissingen in Erfurt aus um dort

Den Dom zu besichtigen der wie 
Sonst keiner als Zwischenstufe vom
Mittelalter zur Nation für ihn steht
Von Kaiser Friedrich bis Wilhelm

Lässt er die Reiche vorbeiziehen
Auch wenn ich heute nicht mehr
Den Staufer Friedrich I Barbarossa
Für den großen halte sondern seinen 

Enkel Friedrich II den stupor mundi
Der in Sizilien geborenen halben 
Normannen der weit mehr bewegte
Als der auf Kreuzfahrt ersoffene der

Weniger Deutsch als international war
Was vielen Deutschen unheimlich 
Lange noch war während Barbarossa
Durch Kyffhäuser Sagen überschätzt 

Ein wenig träumt Harry auch in der
Richtung aber erkennt klar dem
Alten Otto fehlt die Vision für ein
Künftiges Reich um das seine

Verehrer wie auch Wilhelm II noch
Rangen wie peinlich er diesen fand
Macht Harry an anderer Stelle klar
Wer ihn über den Berliner Dom

Liest weiß welches peinliche Reich
Er verabscheue und wie kritisch er
Bismarck sah den er noch als Kind
In Kissingen kennenlernte denn 

Der Berliner Dom der den eleganten
Vorgänger von Schinkel im Stil des
Peinlichen Wilhelminismus ersetzte 
Ist Ausdruck dieses Scheiterns

Zu groß unförmig akustisch mit Echo 
Eine einzige Katastrophe furchtbare
Gemälde stört er das Ensemble der
Insel mehr als der Palast der Republik

So enden Harrys Erinnerungen denen
Leider keine weiteren Bände folgten
Beim Gedanken an deutsche Dome
Zwischen Erfurt und Berlin dabei

Ein feines großartiges Buch das den 
Bogen der Erinnerung spannt der
Durch das alte Kaiserreich noch reicht
Seine Eltern elegant dabei ehrt 

Seine Mutter war halt die schönste
Frau Europas damit geht er gut 
Wie spielerisch elegant auch um
Er macht den Geist der Zeit fühlbar

Seine Gedankengänge zum Zeitgeist
Sein Gefühl für Kulturgeschichte auch
Macht Harry Graf Kessler zu einem
Großen Erzähler seiner eigenen Zeit 

jens tuengerthal 2.8.26

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