Sonntag, 23. August 2026

Lektürentagebuch 23.8.36

Lektürentagebuch 23.8.36

Egon Friedell blickt humorvoll in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit 
Auf Österreich unter Kaiser Karl VI
Den Vater von Maria Theresia

Austria blieb von den religiösen
Bewegungen der Zeit fast völlig
Unberührt Karl war friedfertig und
Gutmütig aber aus Friedells Sicht 

Von stumpfem kaltem schwerfälligen
Geist und Temperament in der Politik
Eher zögernd und unzuverlässig auf
Unbequeme Fragen murmelte er nur 

Völlig unverständlich hielt in Sitten wie 
Bei der Religion am Bewährten fest so
Wurde am Hof noch spanische Tracht
Also ganz in schwarz getragen

Auch das spanische Zeremoniell galt 
Weiter im devoten Stil er wurde auf
Knien danach begrüßt und er wurde 
Kniend bei Tisch noch bedient

Die Pragmatische Sanktion war die
Fixe Idee seines Lebens in die er alles
Investierte und ließ dafür den Rest
Völlig verkommen auch wenn ihn 

Prinz Eugen noch ermahnt hatte doch 
Lieber Hunderttausend Mann für ein
Heer aufzuwenden als mit aller Welt
Verhandlungen dazu zu führen

Karl VI war großer Theaterliebhaber
Ließ  prachtvollere Stücke aufführen 
Als Europa jemals wieder sah war
Selbst Musiker und Komponist dabei

So wirkte er bei Hauskonzerten wie
In der Oper häufig mit dabei war das
Italienische am Hofe wie in der Musik
Noch völlig dominant es wirkte am

Hof mit Johann Josef Fux noch der
Größte Musiktheoretiker wie der auch
Größte Operndichter mit seinem so
Strengen Gradus ad Parnassum

Dazu kam noch Pietro Metastasio
Der drei Generationen Komponisten
Die Texte lieferte alles bei ihm ist mit
Schillerndem Salonlack überzogen 

Friedell nennt es glatt rund sanft süß
Abgeschliffen und verschwommen
Er verwendet erstmals die Dreiteilung 
In zwei Rezitative und lyrische Arie

Der italienischen Mode entsprechend
Italienisierten noch viele Musiker ihre
Namen und der bel canto die aus
Italien importierte Bravourarie war es

Namen wie Amati Guarneri und auch
Stradivari bezeichnen eine nie wieder
Erreichte Meisterschaft im Geigenbau
Die bis heute noch ihren Ruf trägt

Der Florentiner Cristoforo erfand 1711
Das Piano e forte oder Hammerklavier
Das andere Instrumente verdrängte 
Die opera seria trat neben die neue

Opera buffa deren berühmteste die
Serva padrona von Pergolesi ist und
Rousseau schrieb mir le devin du
Village die erste komische Oper

Sie brachte ihm glänzenden Erfolg
Die steifen Arien wurden durch eher
Spielerische Chansons ersetzt bei der
Ernsten Oper brillierte Rameau dafür

jens tuengerthal 23.8.26


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