Sonntag, 25. Oktober 2026

Liebeslauf

Liebeslauf

Der Lauf der Liebe ist so
Unterschiedlich wie die daran
Beteiligten doch in einem
Gleichen sich alle Lieben
Ob sie nun alle Erwartungen
Übertreffen oder nie erfüllen
Schon mit der ersten Erwartung
Beginnt die Enttäuschung die
Über kurz oder lang die Liebe
Auffrisst und damit erledigt
Weil Erwartungen nur dazu 
Da sind enttäuscht zu werden
Sie Liebe nicht länger mehr
Bedingungslose sein lassen
Nur ob es überhaupt je eine 
Liebe ohne Erwartungen gibt 
Also wir wirklich bedingungslos
Lieben können bleibt unklar
Warum es gut ist sich mit
Einigermaßen tauglichen
Kompromissen zufrieden
Zu geben statt am Ende
Ohne zu bleiben und so
Geht es eben meistens
Wie immer mal schief 
Weniger lohnte nur 
Ohne Liebe zu leben

jens tuengerthal 25.10.26

Rappelriesling

Rappelriesling

Gegen zwanzig vor eins im heute
Rappelvollen Crossroads das Mo
Und Tino machen angekommen
Die Bar und alle Tische unten sind

Vollbesetzt und bis auf einen ist oben
Auch wieder gut gefüllt bekannt bisher
Nur Roy heute in blond an der Bar
Tino und Mo sind gut beschäftigt

Die Runden oben und unten sind 
Laut einzelnes klingt dabei nicht
Aus dem hohen Lärmpegel nur
Vereinzelt wird ein Lachen hörbar

Die Musik ist gerade krachig und
Sehr schnell zu lange halte ich das
Vermutlich heute nicht hier aus aber
Es ist zumindest wirklich was los

Die Flaneurloge war der letzte noch
Ruhige Platz und ich sitze hier und
Beobachte das Treiben überlege
Ob die Musik doch bekannt ist

Partystimmung im Crossi ist gut 
Nach dem lauen Abend gestern
So ist die gleiche Bar heute ein
Komplett anderer Ort und feiert

jens tuengerthal 25.10.26

Samstag, 24. Oktober 2026

Lektürentagebuch 24.10.26

Lektürentagebuch 24.10.26

In der Nacht bis in den Morgen noch
Hermann und Ulrike von Johann Karl
Wezel aus der Anderen Bibliothek
Gelesen und mich etwas gelangweilt 

Es ist offensichtlich Zeit für etwas 
Abwechslung in der Literatur hier 
Aber zuvor berichte ich noch vom
Gerade Schicksal von Hermann

Der eigentlich Heinrich heißt aber
Mit Familiennamen Hermann was
Im Titel eine Ungleichheit bedeutet
Denn Ulrike hieße von Breysach

Dazu ist sie noch Baronesse als
Welche sie ihren Brief unterschrieb
Der nicht mit Nadeln gestochen was
Wieder so romantisch schön klingt

Im letzten Kapitel aber ging es nur 
Um Qual und mehr arbeiten um so
Karriere zu machen und Ulrike ein
Gutes Leben zu finanzieren wozu

Hermann fest entschlossen ist obwohl
Die Gattin des Doktor ihn nachdem
Sie festgestellt hatte dass sie ihn 
Nicht vertreiben konnte so quälte

Ein logischer Schluss ohne eine
Trübung des Bewusstseins durch
Hormone und Gefühle wäre ja dass 
Ehefrauen eben so sind und darum

Besser zu meiden aber Hermann
Will Ulrike unbedingt und käme nie
Auf die Idee dass Frauen eben so
Sind um ihre Gier zu befriedigen 

Sondern will naiv alles tun um mit
Großem Fleiß Karriere zu machen
Ihr ein standesgemäßes Leben
Damit auch zu ermöglichen

Hier klingt zwischendurch leicht der
Zorn und die Verzweiflung darüber
Durch arm geboren zu sein als Sohn
Eines unbekannten Hilfsarbeiters

Diese Wut der niederen Stände mit
Geradezu revolutionären Geist gefiel
Einem großbürgerlichen Goethe nicht
Der dies aber nur mütterlich war

Deren Familie entstammte noch dem 
Frankfurter Stadtadel quasi so war der
Großvater noch Bürgermeister zu
Frankfurt warum Goethe auch die

Kaiserkrönung mit Rieslingbrunnen
Vom Balkon des Römers als Knabe
Erleben durfte wie er ausführlich in
Dichtung und Wahrheit beschreibt

Dagegen war der Großvater Göthe
Noch ein einfacher Schneider der
Aus heute Thüringen stammend nach
Lyon auf der Walz endlich kam 

Auf dem Rückweg war dieser dann
In der Messe- und Kaiserstadt die
Frankfurt damals war geblieben und
Erfolgreicher Gewandschneider dort

Mit den Kenntnissen französischer
Mode wie Seidenbearbeitung war er
Bei den reichen Kaufleuten erfolgreich
Kaufte später noch einen Gasthof

Erst Goethes Vater hatte nicht mehr
Arbeiten müssen und vom Vermögen
Des Vaters gut leben können war also
Eigentlich bloß eine neureiche Familie

Goethes Mutter dagegen war eine
Geborene Textor was eine Familie
Mit altem Namen und Rang war im
Darauf sehr bedachten Frankfurt

Goethe erwähnt darum auch den 
Großvater Göthe mit keinem Wort in
Dichtung und Wahrheit der nur 
Schneider war nicht der Rede wert 

Ob sein erst später verliehener Adel
Wie ein gewisses Geltungsbedürfnis
Dazu beitrugen oder er es einfach
Galant großzügig überging ist unklar

Doch jenseits aller Mutmaßungen 
Ob Goethe schlicht ein Bourgeois 
War und blieb sei dazu angemerkt
Der väterliche Großvater war schon

Fast zwanzig Jahre tot bei Goethes 
Geburt 1749 während er den Vater
Der Mutter noch 22 Jahre erlebte was
Grund genug für Erinnerung wohl ist

Aber um Goethe ging es ja hier nicht 
Sondern um Wezel den die Welt mit
Ihrer Ungerechtigkeit empört was er
Zumindest Hermann in den Mund legt 

Das hier zitierte Wissen über Familie
Goethe entstammt dabei noch einem 
Anderen Band der Anderen Bibliothek
Mit dem Titel Monsieur Göthe der für

Alle Goethe Freunde und Frankfurter
Ganz unbedingt lohnend auch ist aber
Für Wezel keine Rolle spielte den 
Goethe eher so naja nur fand 

Was der Autor dieser Verse übrigens
Gelegentlich teilt er labert manchmal
Etwas viel um wenig zu sagen und
Übertreibt die moralischen Bilder 

Es ist teils wirklich witzig sogar
Klamaukig aber auch etwas naja
Dabei noch was nicht sein muss
Die Freude nur bedingt steigert

Werde bei Gelegenheit mal wieder
Weiterlesen denn wirklich schlecht
Ist diese Liebesgeschichte ja nicht
Nur leider etwas mühsam noch


Am Sonntag den 19. September 1802
Kommt das Ehepaar Heinrich und
Christine Gondela in ihrem Haus an in
Auf der Reise ins Paradies der beiden 

Sie handwerkeln und räumen um sich
Oben Schlafzimmer und eine Kammer 
Für ihren Hinrich schön zu machen
Finden einiges noch brauchbares 

Der Rest wird vom Gutsverwalter
Gebracht oder von Nachbarn geliehen 
Er nagelt die Gardinenstangen fest 
Sie kümmert sich um die Vorhänge

Gegen Mittag haben sie dann schon
Die beiden Zimmer oben und eine 
Gute Stube unten für Besucher gut
Eingerichtet und wollen noch wandern

Zuvor aber kommt der erste Besuch
Ihr Gutsverwalter und der Maire wie
Er wörtlich schreibt von Königsbach 
Berichten vom Krieg und der Republik

Besonders der Bürgermeister hat auf
Die Republik und das Chaos darin so
Geschimpft dass Heinrich staunte als
Er bei seinem Toast auf die Republik

Überhaupt noch mit trank aber er hat
Wohl den guten Wein aus ihrem Gut 
Nicht verkommen lassen wollen wie 
Heinrich mit viel Humor mutmaßt

Sie laufen zu Schloss Hardt als die
Sonne schon hinter den Hardtgebirge
Stand und schauten dort die Ruine im
Rücken ins zauberhafte Rheintal 

Sehen die Türme von Mannheim
Bis zur Ruine von Heidelberg in
Der letzten Sonne noch liegen um 
Dann über die Dörfer zurück zu laufen

Im Dorf Hardt war noch großer Jubel
Um den just errichteten Freiheitsbaum 
Während dieser in Gimmeldingen und
Königsbach schon ganz verdorrt war

Dort wollten sie lieber um den Baum
Tanzen wenn er wieder abgehackt
Schimpften über die Republik lieber
Wollten sie der Freiheit abschwören

Die von Paris aufgedrängte Freiheit
Wurde in der geraubten Pfalz also
Nur sehr teilweise begrüßt eher fühlen 
Sich die Pfälzer dort wohl besetzt

Spannend ist es einen Bericht aus der
Zeit zu lesen von Bremer Bürgern die 
Ihrer Republik schätzen aber auch
Kritisch auf die Nachbarn schauen

Sie hatten die Reise gemacht um ihr
Gut dass Christine vom Vater erbte
Zu verkaufen weil sie auch die nun
Entwicklung eher kritisch sahen 


Mein Hauswart heißt das Kapitel in 
Die Fünf von Vladimir Jabotinsky das
Damit beginnt dass er die Familie
Milgrom für Monate nicht sah

Die veränderte Atmosphäre in diesem 
Eigentlich politischen Frühling wird 
Beschrieben der wohl wieder wie so
Viele zuvor in Kugeln enden würde

Anhand seines Hauswarts beschreibt
Er die veränderte Stimmung mit der
Ein revolutionärer Staat die Menschen
Bei sich zu Hause plötzlich ergreift 

Hatte dieser früher egal um welche 
Zeit er kam rasch das Haustor noch
Geöffnet dauerte es immer länger und
Der Dank für die Kopeken dafür fiel

Immer bescheidener aus erst fällt
Die Anrede als Herr weg dann das
Französische merci bis nichts mehr
Kommt und er sich schon entschuldigt

Stattdessen wird er ermahnt so spät 
Auszugehen sei nicht gut für die
Gesundheit und auch die Post wird
Kommentiert bei ihm der vielen

Ausländischen Zeitungen wegen
Als das Hausmädchen nach Holz
Zu ihm geschickt wird der sich schon
Häufiger an ihr vergriffen hat kam sie

Ohne Holz wieder und richtete aus
Der Hauswart sei ausgegangen statt
Wie früher bei Personal weggegangen 
Während nur eine Dame ausging

Diese feinen auch sprachlichen
Beobachtungen werden auch noch
In Anmerkungen und Fußnoten weiter
Erläutert die Veränderung zu zeigen

Es gab in diesem Frühling deutliche 
Wie spürbare Veränderungen in
Odessa und dem Umgang im Alltag 
Auch die Kleidung ändert sich dabei

Die Revolutionäre trugen meist eine
Nickelbrille leicht verbogen und ihre
Kleidung war immer irgendwo schon
Beschädigt Damen trugen Hüte 

Diese radförmigen Strohhüte mussten 
Beständig zurecht gerückt werden
Serjosha fand sehr treffende Worte 
Um diese Menschen zu beschreiben

Spannend ist es wie genau er das
Eindringen des revolutionären Geistes 
In die Häuser durch die Hauswarte
Beschreibt die den Wandel leben 

jens tuengerthal 24.10.26

Energiegenossen

Energiegenossen 

Eine Genossenschaft verbündet
Die Kräfte der Bürger um so als
Gemeinschaft stark zu sein und
Eine Stimme am Markt zu haben

Bisher fördern sie gemeinsam große
Projekte mit erneuerbarer Energie
Doch viel spannender wird es wenn
Sie kleine Kräfte ganz groß macht 

Alle produzieren ständig Energie
Die sie in Bewegung umsetzen
Durch Laufen Tanzen Schwimmen 
Radeln und völlig egal was dabei

Diese kleinteilige Energie gespeichert 
Machte eine Genossenschaft die sie
Verwaltet zur Großmacht am Markt 
Alles fließt ins große Netz dann ein

Wer zuviel Energie hat und meint
Sich bewegen zu müssen produziert 
Damit Energie für die Genossenschaft
Die alle gemeinsam zur Großmacht

Auf dem Energiemarkt macht welche 
Kein Konzern mehr ist sondern eine
Solidarische soziale Gemeinschaft die
Natürlichen Überfluss damit teilt

Energie wird damit auch Produkt der
Lebenslust wie der großen Freude
Die mal mehr mal weniger vorhanden
In der Summe immer genug dann ist

Gespeichert ohne Gefahr mit Luft 
Die unter Druck gesetzt Turbinen 
Antreiben kann entweichend aber
Keine Gefahr für irgendwen wäre

Die lebendige Natur die sich ständig
Erneuert zu nutzen statt noch etwas
Verbrennen oder fusionieren wollen
Gäbe genug Energie für alle Zeit 

Es ist genug für alle da und wenn
Alle tun was sie wollen nach Lust 
Bleibt genug Energie übrig damit
Gemeinsam gut leben zu können

Letzte Nacht etwa tanzte eine
Bekannte in der Bar voller Energie
Ging diese Energie ins Netz wäre
So genug für alle im Überfluss

Kleine leichte Zellen in unserer
Kleidung speicherten die Energie
Zuhause abgestellt und aufgehängt
Flösse was wir bewegten ins Netz

Die Energiegenossenschaft würde 
Alle Energie verwalten was dann 
Zu Gutschriften bei viel Bewegung
Aber weniger Verbrauch führte

Auch die tote Oma im Garten oder
Wie früher am Friedhof lieferte so
Faulend noch weiter Energie die
Den Erben gutgeschrieben wird 

Die Energiegenossenschaft wäre
Ein Kreislauf der Fürsorge der sich
Gegenseitig ausgleichend versorgte
Statt auf wechselnde Kurse zu wetten

Gehörte allen alles weil Eigentum
Ohnehin natürlich Diebstahl wäre
Sorgten die Genossen füreinander 
In einer solidarischen Gemeinschaft

Die Genossenschaft der natürlichen
Energieerzeuger würde stärkste Kraft
Am Markt und verdrängte Verbrenner
Als schmutzig überholte Technik

Es wäre alles ganz einfach und dazu
Ein Verdienst für alle wagte endlich
Wer Gewohnheiten infrage zu stellen
Hätten wir genug Energie für alle

Fitnessstudios würden künftig zu
Energie-Tankstellen an denen etwa 
Jugendliche überschüssige Energie
In Gutscheine tauschen können

Es ist genug Energie für alle da
Werden wir einfach Genossen um
Zu teilen was da ist geht es allen gut
Was die Welt etwas besser machte

jens tuengerthal 24.10.26

Liebeslänglich

Liebeslänglich

Gibt es die lebenslängliche Liebe 
Ist das dann eher Zufall oder ein
Mangel an Gelegenheiten weil die
Alternative nicht mehr besser wird
Gar das größte Glück im Leben
Aber das wissen wir immer erst 
Hinterher nur fragt sich was worin
Überhaupt besser werden soll wenn
Schon alles gut so war überlege ich 
Denke die gab es schon mal aber
Irgendwer blieb dann lieber nicht
Warum es kürzer wurde als gedacht
Zumindest lebenslänglich ist nun
Wohl über der Hälfte Geschichte
Aber was zählt schon die Zeit wenn
Die Liebe wirklich tief ist denk ich
Im Knast bedeutet lebenslänglich
25 Jahre dann bin ich über achtzig
Und denke lieber nicht daran
Was bis zum Ende blieb war dann 
Die Liebe des Lebens fertig mehr
Ist vermutlich nicht mehr wichtig
Mit mir hält es ohnehin keine aus
Was vermutlich besser so ist
Für wen auch immer

jens tuengerthal 24.10.26

Kreuzungsriesling

Kreuzungsriesling

Gegen Viertel vor eins heute im
Crossroads angekommen wo heute
Tino und Melanie die Bar machen
Vor dieser noch die Bekannten alle

Begrüßt und dann in die Flaneurloge
In der Zwischenetage gezogen wohin
Melanie gleich den Riesling brachte
Während Tino bei Nina am Tisch saß

Roy und Matthias sitzen an der Bar
Wie noch zwei Herren um die Ecke 
Kurz kam unser Cowboy und ist aber
Schon wieder weg zum Späti

Da kommt der schicke Cowboy schon 
Wieder und macht es sich mit Hut 
An der Bar bequem oder doch ohne
Wie nun live zu berichten ist

Er plaudert mit Roy auf Englisch und
Sonst munter wechselnd nun vor der
Bar und flirtet munter hessisch los
Jetzt wieder mit Hut und erzählt 

Die Musik ist cool elektronisch eher
Ruhig und stört nicht weiter während
Der Cowboy mit historischen Daten
Jongliert was amüsant auch ist

jens tuengerthal 24.10.26

Freitag, 23. Oktober 2026

Energiefrage

Energiefrage 

Energie ist die Frage der Zukunft
Künstliche Intelligenz braucht davon
Immer mehr warum ihretwegen sogar
Atomkraftwerke wieder erwogen 
Werden von kurzsichtigen Staaten
Die gerne Bürger belügen denn 
Atomkraftwerke braucht es nur
Um das für Atombomben nötige
Plutonium herzustellen aber nie
Für genug Energie denn davon
Ist unendlich viel vorhanden solange
Biologische Prozesse ablaufen die
Unendlich viel davon erzeugen
Schon jeder Mensch mit jeder
Bewegung setzt genug Energie frei 
Die Verdauung tut das ihre und
Liefert genug Faulgase für alle
Was auch Tote noch können 
Die dann zumindest für etwas
Im Leben nützlich wären wenn
Sie schon einfach nicht mehr sind
Was ja lebenslänglich vorkommt
Es gäbe überall genug Energie
Ohne Verbrennung von etwas
Wenn wir die Natur imitierten
Die Herzen lebenslang schlagen lässt
Bis irgendwann genug ist
Wir nicht mehr sein müssen
Aber diese Energieautonomie
Wird bisher meist verschwendet
Statt an Fitnessgeräten für die
Erzeugte Energie bezahlt zu werden
Zahlen Idioten immer noch dafür 
Organisiert gemeinsam zu zappeln 
Ein leichtes wäre es die täglich durch
Bewegung von uns erzeugte Energie
In kleinen Akkus in der Kleidung
Etwa zu speichern und später 
Zuhause wenn nötig zu nutzen
In freie Netze einzuspeisen 
Stattdessen bezahlen wir immer noch
Drecksschleudern genannte
Kraftwerke ohne Zukunft die
Nichtmal für ihre Schäden haften
Die Energiefrage ist eine Frage
Der Zukunft die hoffentlich mit
Mehr Verstand und weniger
Ideologie gelöst werden kann
Es ist genug für alle da wenn
Wir nutzen was da ist statt
Weiter zu zerstören nur durch
Wachstum und Verbrennung
Prometheus vom Felsen wieder
Zu befreien heißt auf Feuer für
Natur künftig lieber zu verzichten
So könnten wir ganz nebenbei
Mal eben die Welt retten und
Energie für alle frei machen
Weil Eigentum Diebstahl ist

jens tuengerthal 23.6.26

Unterirdisch

Unterirdisch

Liebe Höhlen schon immer und
Daran hat sich seit meiner Kindheit
Auch nichts mehr geändert denke ich
Der zu gerne unterirdisch träumt

Ob dies eine Variante der Liebe zu
Den Frauen ist deren Genital eine
Solche tiefe enge Höhle bildet ist
So wenig ausgeschlossen wie sonst

Das Sexuelle liegt ja immer nah und
Der weibliche Schoß als Urhöhle mir 
Als Mann traumhaft nah wobei egal
Wo eindringen wunderbar scheint 

Doch weit jenseits der Triebe die
Nur unsere Natur spiegeln ist die
Kultivierte Höhle mit Bibliothek der
Traumort meines Seins noch

Während andere vom luftigen Dach
Für sich ausgebaut träumen zieht es
Den Dichter und Flaneur immer schon 
Eher unter die Erde und in sie hinein

Eine Hobbithöhle in der ich gemütlich 
Ein Pfeifchen am Kamin schmauche
War immer der Traum vom Glück die
Zugige Dachterrasse lass ich andern 

So gibt es wohl luftige Gestalten die
Gerne gefühlt hoch hinaus möchten
Wie andere die sich lieber einwühlen
Um tief innen Erfüllung zu finden

Wollte immer schon lieber in einer
Perfekten Höhle ankommen und dort
Für immer mit guten Büchern bleiben
Statt irgendwohin zu wollen noch

Fragte mich ob das meine Natur ist
Oder durch mein Leben geprägt war
Das viele Umzüge und Wechsel hatte
Dem das Wort Heimat fremd blieb

In meiner Bibliothek bin ich zuhause
Lesend fühle ich mich wohl dabei im
Dritten Stock des Seitenflügels wie
In der immer geträumten Höhle wohl

Aber fragte mich wer wie für mich
Das Paradies zum Leben aussähe
Dächte ich zuerst an eine Höhle
Im Wald tief unter einem Baum 

Wasser vielleicht plätschernd nah
Um eine Mühle zu betreiben wie 
Damit autonom zu werden was
Die größte Freiheit uns schenkte 

So gibt es wohl welche die von
Der Burg auf dem Gipfel träumen
Während ich mich lieber verkrieche
Unterirdisch meine Ruhe zu haben 

Bei mir prägte die Großmutter diesen 
Traum schon durch Geschichten vom
Zwerg Zippelzapp der damals im Harz
Wo wir uns im Urlaub trafen wohnte

Ist das Gefühl gewachsen durch die 
Geschichten oder blieben nur diese
In Erinnerung weil meiner Natur nach
Die Höhle sich traumhaft anfühlt

Auch das sexuelle legt dieses für mich
Nah aber das könnte es auch bei den 
Eher luftigen Gestalten die Hitze dafür
Lieben die ich unterirdisch eher fliehe

Bin wohl ein Höhlenmensch noch
Der sich eingegraben sicher fühlt
Während andere lieber nochmal
Abheben wollen tauche ich tiefer

jens tuengerthal 23.10.26

Lektürentagebuch 22.10.26

Lektürentagebuch 22.10.26

Heute aus dem 18. Jahrhundert gleich
In zwei Büchern gelesen zunächst ein
Kapitel in Hermann und Ulrike von
Johann Karl Wezel über drei Briefe 

Die Hermann in einem prall gefüllten 
Umschlag erreichen von seinem alten
Lehrer der schreibt wie er sich freut
Dass Hermann so gute Aufnahme 

Bei seinem alten Studienfreund fand
Von Belanglosigkeiten aus der alten
Heimat plaudert und einen traurigen
Brief schon ankündigt der sich auch

Im Umschlag findet von der Mutter 
Hermanns die von ihrer Not erzählt
Nach der Kündigung des Vaters der
Sich nun etwas neues suchen muss

Über ihre finanzielle Not klagt wie 
Über die ungerechten Zustände die
Auch der Lehrer schon beklagte 
Mit einer eher Notiz des Vaters dazu 

Aber nichts von seiner Geliebten ist
Hermann völlig enttäuscht dann aber
Entdeckt er durch Schütteln des 
Umschlags noch einen ganz kleinen

Er erkennt Ulrikes Siegel und will
Den Brief ganz schnell nervös nun
Öffnen und zerreißt ihn durch das
Brechen des Siegels in drei Teile

Mühsam puzzelt er ihn zusammen
Die Baronin Ulrike lässt ihn darin
Herzlich grüßen er solle doch bitte 
Die Schulkameradin nicht vergessen 

In großen Gefühlen enttäuscht über
Diese leere Phrase will Hermann nun
Den Brief aus dem Fenster werfen
Fühlt eine ganze Welt untergehen

Als er schon das Fenster geöffnet hat
Spürt er plötzlich feine Löcher in dem 
Papier und erinnert sich ihrer einst
Geheimschrift und versucht alles

Die Worte aus den feinen Löchern
In den Teilen noch zu entziffern und
Erkennt plötzlich dass sie dort noch
Schrieb sie komme nach Leipzig

Völlig außer sich vor Freude beginnt
Heinrich im Zimmer zu tanzen und zu
Schreien was eine Nachbarin sieht
Die besorgt den Doktor benachrichtigt 

Hermann heißt Henrich Hermann wie
Aus den Briefen der Mutter ersichtlich
Was aber angesichts des Titels doch 
Überraschend komisch wieder ist

Auch ein Mieter unter ihrer Wohnung
Hört den Lärm und wendet sich nun
Empört an den Doktor dort wäre wohl
Jemand verrückt geworden bei ihm

Der besorgte Doktor läuft sogleich
In Heinrichs Zimmer und trifft diesen 
Völlig außer sich an auf dessen 
Nachfrage wirft Heinrich ihm die

Briefe und die Teile zu aber der
Hofrat kann daraus natürlich nichts
Erkennen und hält Hermann für
Verrückt geworden rät ihm darum

Sich auszuruhen und zu schlafen 
Aber lässt ihn wieder allein und in 
Hermann wechseln sogleich wieder
Vorfreude und Angst sich ab 

Er fürchtet sie wenn sie kommt
Nicht zu erkennen oder zu finden
Schwankt zwischen Vorfreude und
Angst dabei aufgeregt hin und her 

Wie es bei Verliebten häufig geht
Sind seine Gedanken eher wenig
Vernünftig aber in allem voller Gefühl
Zwischen Freude und Sorge dabei 

Als der Doktor ihn nochmal besucht
Findet er ihn völlig vernünftig wieder
Was dieser im Geist der Aufklärung
Hocherfreut gleich seiner Frau sagt

Zwischen wahnsinniger Enttäuschung 
Wie riesiger Euphorie von seinen 
Gefühlen hin und hergerissen ist
Hermann am Ende völlig erschöpft

Dem Wunsch des Doktors gemäß
Legt er sich hin und schläft gleich ein
Der Doktor postiert noch einen der
Diener als Wache im Zimmer

Mit viel Humor werden hier die ganz
Großen Gefühlen beschrieben die
Zwischen himmelhoch jauchzend und
Zutiefst betrübt ständig schwanken

Die Liebe die uns in Gedanken gern
Nah an den Wahnsinn bringt wird so
In ihren Varianten auch für Hermann
Zu einer ständigen Gratwanderung

Hier schlief ich dann gegen sieben
Einfach ein was nicht am Thema lag
Wen würde die Liebe schon ermüden
Als der Natur geschuldet einfach war

Kaum freut er sich auf sie beginnt
Die Sorge sie zu verpassen denn 
Wüsste sie wirklich wo er ist was
Wenn sie sich nicht erkennen

Zwar wieder normal gärt doch
Im Untergrund der Wahnsinn der
Liebe weiter in ihm mit Angst wie
Euphorie die alles plötzlich will 


Auch vom Wahnsinn der Liebe
Ergriffen ist die Korrespondenz
Von Goethe und Charlotte von Stein
In dem Doppelband Lotte meine Lotte

Der Anderen Bibliothek sehr schön
Herausgebracht wenn auch leider
Die Korrespondenz sich auf seine 
Briefe an sie noch beschränkt 

Was gäbe ich dafür die Stein zu lesen
Oder würde es nur enttäuschen ließ 
Es eine andere Deutung dieser Liebe 
Aus der Literaturgeschichte wohl zu

Was würde aus der These werden
Es sei nicht Lotte der er schrieb
Und das teils mehrmals täglich
Sondern Anna Amalia gewesen

Beide waren älter als Goethe noch
Die Fürstenmutter zehn Jahre und
Charlotte von Stein dero sieben 
Letztere war Hofdame der ersteren

Wir wissen es nicht genau weil die
Andere Seite dieser Korrespondenz
Die im Januar 1776 begann uns fehlt 
Aber auch was blieb ist herrlich noch

Es sieht wer danach schaut in den 
Briefen von 1776 bis 1786 wohl
Manche Spur die auf eine Tarnung
Der Liebe zu Anna Amalia hindeutet

Aber vieles dafür dürfte der Fürstin
Völlig fern gelegen haben aber damit
Mag sich die Wissenschaft weiter
Beschäftigen um sich zu widerlegen

Herrlich ist es als Leser den deutlich
Verliebten jungen Goethe zu lesen
Der seine Liebste anschwärmt ihr
Bekannte Verse vorab schickte 

Schreibt Goethe der Stein wirklich
Vom Spargel den er für sie sticht
Ihr frisch mitbringen will was auch
Zu Briefen im Mai gut passte oder

Ist dies ein deutlich sexuelles Spiel
Mit der geteilten Lust und will der 
Dichter nur mit seinem Spargel der
Geliebten wieder ganz nah sein

Was genießen die Liebenden dann
Wirklich gemeinsam hatte doch die
Liebe Lotte einen Ehemann und
Sieben Kinder zumindest geboren

Blühte die Dame in dieser Liebe zum 
Erstenmal mit dem Jüngling unter 
Stand richtig auf oder ließ sie nur zu
Was ihr zeitweise auch gut tat

Es ist der junge Goethe zu dieser Zeit
Schon ein bekannter Autor der den 
Werther wie den Götz herausbrachte
Also reichlich Skandale dabei auch

Der Herzog genau davon fasziniert
Hatte den wenig älteren Dichter auch
Darum aus Frankfurt nach Weimar
Mitgenommen dies zu erleben 

Seine Mutter hatte schon Wieland
Wie andere zu seiner Erziehung
Engagiert an ihrem später Musenhof
Auch um den Herzog geht es hier

Die kleinen Notizen zu dessen Schlaf
Legen wieder die Vermutung näher es
Sei getarnte Korrespondenz an die
Mutter des jungen Herzog aber das

Wird letztlich mit nur einer Seite der
Korrespondenz keiner beweisen doch 
Das spätere teils beleidigte Verhältnis
Nach Goethes Flucht nach Italien

Spricht deutlich für eine echte auch
Sexuelle Liebesgeschichte wofür auch 
Die Rückforderung ihrer Briefe spricht
Aber was war mit der später Witwe

Wie bis zum Tod der Stein die 1728
Nur wenige Jahre vor Goethe stirbt
Ein emotionales auf und ab auch
Nach dem Auftauchen von Christiane

Machte die liebe Lotte es der späteren
Frau von Goethe unnötig schwer auch
Erste Dame am Ohr der Herzogin und
Wie wild trieb Goethe es mit dieser

Ist manch lustvoller Gedanke der
Walpurgisnacht echtes Erlebnis
In Thüringer Wäldern mit dem jungen
Herzog wird von manchen gefragt

Möchte dies nicht entscheiden
Finde es gut auch manches noch
Offen zu lassen im Dichterleben 
Doch spannend bleiben die Spuren 

Auch darüber denke ich nach bei
Der Lektüre der einen Seite der
Verliebten Korrespondenz von
Goethe und der Stein schon hier

Schwärmt vor ihr von einer neuen
Schauspielerin die er aus Leipzig
An den Hof zu Weimar holte mit 
Der sie ihm die Ehe nahe legt 

War Corona Schröter wirklich ein
Schwarm von Goethe immerhin
Spielte sie die Iphigenie an seiner
Seite im Theater in Weimar

Oder will er ihre Eifersucht damit
Provozieren sie auch im sexuellen
Für das es keinen Nachweis gibt
Noch zusätzlich weiter erregen 

Immerhin war die Schröter rund
Zehn Jahre jünger als die Stein
Wer spielt mit was bei dieser
Wohl auch verliebten Provokation

Aber sagt zugleich es ginge nie 
Weil sie nicht ihr gliche spielt also
Provokativ mit den Grenzen des
In einer Liebe noch sagbaren

Oder waren sie da ganz locker
Weil Lotte ja verheiratet war es
Nach damaligem Recht auch 
Keine Chance auf Scheidung gab 

Es ist die Zeit der frühen Klassik
Wie des späten Rokoko auch eine
Sexuell wesentlich freizügigere was
Goethe mit Christiane auch auslebte

Die Tabuisierung des sexuellen was
Später immer mehr von ihm auch
Eingefordert wird oder war die Flucht
Nach Italien als gemeinsame gedacht

Spricht wiederum sehr für eine nur 
Getarnte Liaison mit der Herzogin
Der Mutter seines Freundes von
Dessen Gunst der Jurist Goethe lebte 

Wir wissen es nicht ganz sicher und
Haben nur die eine Seite dieser auch
Literarisch wichtigen Korrespondenz
In der manche Verse auftauchen

Wanderers Nachtlied etwa gerade
Frisch in einer Hütte gedichtet mal
Allein dann in Gegenwart des Herzog
Dessen Schlaf eher die Mutter kannte 

Wie auch immer diese Frage aus dem
Liebesleben des Geheimrats künftig
Beurteilt wird war es schön in diese
Geistig reiche Zeit tief einzutauchen 

Liebe dieses Weimar in einer Zeit
Als Thüringen noch nicht braun war
Wenn auch Goethe wohl kein Freund
Von Revolution und Demokratie ist

Die immer wieder Annäherung von
Lotte und Goethe bis zu ihrem Tod
Spricht für eine eigene Liebe egal
Welche nun wie ausgelebt wurde 

In Erinnerung bleiben uns die
Gedanken und Briefe dieser Liebe 
Nicht wer wann in wem wirklich war
Warum es hier dahinstehen kann 

jens tuengerthal 23.10.26