Montag, 17. August 2026

Lektürentagebuch 17.8.26

Lektürentagebuch 17.8.26

Über Klopstock und seinen ersten 
Ruhm in dieser Zeit schreibt wieder
Sehr treffend Egon Friedell in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit

Es wurde begonnen dem Kult der
Freundschaft und Liebe zu huldigen 
Unter Küssen und Tränen wurden
Heilige Seelenbündnisse geschlossen

Dabei zeigten sich erste Regungen
Der Empfindsamkeit dem Ausdruck zu
Verleihen war Klopstock genau der
Richtige für den gefühlvollen Drang

Seine Dichtungen wären heroische
Landschaften vor die ein Vorhang
Aus Wolken gespannt wäre so sind
Die Umrisse nur undeutlich sichtbar

Alles lag zumeist im unwirtlichen
Nebelregen was verwirrte und irritierte
Auf Dauer lähmte aber völlig neu war
Er war wieder ein Dichter für das

Unwirkliche unbestimmte irrationale

Statt geheimnisvoller Suggestion 
Wurde Monotonie und Unschärfe
Empfunden die oft unverständlich 
In Langweile zerrinen würde 

So meinte Schiller dass er sich mehr
Um den Kopf derjenigen sorgte die
Diesen Dichter zum Liebling machten 
Es passe nur zu wenig Stimmungen

Friedell meint die ganz allgemeine
Klopstockmanie sei nur aus einer 
Kontrastwirkung zu erklären als eine 
Reaktion auf doktrinäre Literatursicht 

Was Gottsched für die Poesie war
Leistete Christian Wolff für die Lehre
Wie die Philosophie machte Leibniz 
Ohne die tiefsten und originellsten

Gedanken für das große Publikum
Mundgerecht fertig indem er ihn in
Flüssiger dünner salzloser Breiform
Vortrug und in ein System stellte 

Dafür war Leibniz wohl zu unruhig
Wie zu genial zugleich darum erklärte
Wolff dann alles mit Ordnungsliebe
Passend im Schachtelgeist dazu

Seine spießbürgerliche Vorliebe für
Goldene Mittelwahrheiten machte ihn 
Zum gefeierten Klassenvorstand im
Ganzen damaligen Deutschland

Von 1715 bis 1745 gab es auf den 
Kathedern fast nur Wolffianer es
Wurde von allen wolffisiert daraus
Entstanden dann Gesellschaften

Zur Ausbreitung der Wahrheit nach
Natürlich wolffschen Grundsätzen
Wie Satiren auf diese allerbeste
Neueste natürlichste Methode 

Wolff verfasste mehr als dreißig
Dicke Bände über Logik Metaphysik
Moral Physik Naturrecht Völkerrecht
Empirisch rationelle Psychologie

So schildert er die Erscheinung wie 
Das wirkliche Wesen der Seele und
Schrieb zahlreiche Lehrbücher als
Praeceptor universi generis humani

Er hat Verdienste um die Reinigung
Der deutschen Sprache wie für eine
Philosophische Terminologie mit 
Ausdrücken wie Verhältnis Vorstellung

Bewusstsein die er erst prägte er war
So etwas wie ein Outfitter für den
Menschlichen Geist der deutschen
Bürger komplett aber langweilig

Wolff erinnert Friedell an gewisse 
Vorstadtgeschäfte die Besucher ohne
Viel Aufwand so ausstatten dass er
Sich überall sehen lassen kann 

Die leitenden Grundgedanken der
Wolffischen Philosophie sind von
Stupender Plattheit danach liegt der
Letzte Zweck aller Dinge im Mensch

Durch ihn hätte Gott seine Absicht
Bei Erschaffung der Welt erreicht
Nämlich als Gott erkannt und verehrt
Zu werden dieser Idee folgt alles

Es geht bei der Bewertung nur darum
Wie etwas dem Menschen nützlich ist
So auch die Sonne im Schatten ihrer
Nützlichkeit für uns noch bewertet

Tageslicht mache hell und sei darum
Gut und bequem die Sterne hätten 
Den Nutzen nachts noch etwas zu
Sehen und der Wechsel von

Tag und Nacht diene der Erholung
So sei die Sonne da Veränderungen 
Auf der Erde zu ermöglichen und die
Erde damit die Sonne Zweck habe

Dennoch gelang es den Gegnern 
Von Wolff diese kindische Philosophie
Als staatsgefährlich zu verleumden
Beim schlichten Friedrich Wilhelm I 

Daraufhin wurde Wolff aus Halle 
Verbannt kehrte aber gleich nach
Der Thronbesteigung von Friedrich II 
Im Triumph wieder zurück doch 

Schließlich wurde dort alles schon 
So wolffisch dass er vor meist leeren 
Bänken nur noch las wie es treffend
Nach Friedell Steinhausen sagte 

Der Pietismus war an der Vertreibung
Von Wolff beteiligt dieser hatte auch
In Halle den Schwerpunkt seiner
Wirksamkeit gefunden und bildete

Eine irrationale Unterströmung die
Noch mächtig anschwellen sollte
Er nahm im Protestantismus eine
Rolle ein wie die Mystik für Rom

Als diese im 15. Jahrhundert aufkam
War wie diese eine Frauenbewegung
Die Erweckungen hervorbrachte wie
Mengen an erbaulicher Schriften dazu

Doch an Tiefe ließe es sich nicht mit
Der Mystik vergleichen am stärksten
Waren in Deutschland die Herrnhuter
Nach Hussiten Vereinigung benannt

In deren Kreuz und Bluttheologie 
Wird der blutige Kreuztod zum dann
Ausschließlichen Inhalt des Erlebens 
Mit großer Sentimentalität gefeiert

Diese steigert sich nach Friedell bis
Zur äußersten Geschmacklosigkeit
Sogar vor Bildern des ehelichen 
Beischlafs dabei nicht zurückschreckt

Bei den Engländern heißen sie dann
Methodisten die ihre Frömmigkeit mit
Methode üben und lehren wollten und
Durch die Brüder Wesley sich auch

In den USA verbreiteten wo ihre sehr
Phantasievolle und energische Art zu
Predigen vor allem untere Massen
Begeisterte und auch mitzog


In Dunkle Renaissance wieder erzählt 
Stephen Greenblatt sehr spannend
Von der Begegnung von Marlowe mit
Henry Percy dem 9. Earl of Northumberland 

Dieser reiche Erbe war ein großer
Büchersammler mit Vorliebe auch
Für das Thema Magie geworden
Was Marlowe doppelt interessierte

Trotz der großen gesellschaftlichen
Distanz freundeten beide sich über
Raleigh an zu dem Verhältnis der
Beiden Männer gibt es wenig neues

Dafür aus dem Umfeld der beiden
Die Büchermanie von Henry die
Seine Bibliothek bald zur reichsten
Wie kostbarsten Englands machte

Was diese Freundschaft nun mit dem
Nächsten Stück von Marlowe seinem 
Doktor Faust zu tun hat ist noch nicht
Klar aber davon erzählt Greenblatt

Wie von der ursprünglichen seinem
Stück zugrundeliegenden Geschichte 
Um den Suchenden und Magier aus
Wittenberg weil sie bekannt ist

Damit sind in dem Kapitel mit dem
Titel Der Magie ergeben bereits viele
Spannende kulturelle Spuren im
Umfeld von Marlowe gelegt

Freue mich auf die später weitere 
Lektüre und unterbreche hier das
Heutige Lektürentagebuch denn 
Mehr als faustische Magie geht nie

jens tuengerthal 17.8.26

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