Dienstag, 25. August 2026

Lektürentagebuch 25.8.2

Lektürentagebuch 25.8.26

In seiner Kulturgeschichte der Neuzeit 
Schreibt Egon Friedell über Bach und
Händel wie Friedrich den Großen als
Deutsche Ruhmestitel im Geisterreich

So hätte Händel auch erst im reifsten
Alter von italienischen Einfluss noch
Emanzipiert und die Kunstform der 
Fuge vokal auf den Gipfel geführt

So wie Bach es auf instrumentellen
Gebiet vollbrachte wie in seinen so
Reichen Chören etwa bei Israel der
Fast nur aus Fugen bestünde 

Zum ersten mal wurde versucht die
Masse auf die Bühne zu bringen dem
Volk eine Stimme zu geben was die
Dichtung erst im Tell und den Webern

Versucht hat gelang Bach vorher der
Die erwachende Kraft des deutschen 
Bürgertums und die tiefe Innigkeit des
Der Gottesliebe unsterblich machte 

In der monumentalen Kammerkunst
Bachs vermählen sich Schwung und
Schwere des Barock mit der Intimität
Und Introspektion des Rokoko ganz

Händel sei von den beiden derjenige
Der unproblematischer kantabler wäre
Als Psycholog dagegen war Bach viel
Mehr der Metaphysiker des Glaubens

Parallel zu Kant und Leibniz sieht
Friedell die beiden Händel als Meister
Des Makrokosmos in der Schöpfung
Während Bach kleinbürgerlich eng

Immer lebte aber ein noch größeres
Universalreich in seinem Inneren
Aufbaute wie Leibnitz und Händel 
Der Welt ihre Welt aufzwangen

Umspannten Kant und Bach in ihrer
Welt die ganze aber gemeinsam war
Bach und Händel das germanische
Tiefe Ethos das ihre Werke erfüllte 

Als riesige Doppelsonne bilden beide
Den einen Ruhmestitel Deutschlands 
Im Reich des Geistes während der
Andere Friedrich der Große war

Auf diesen kommt er im nächsten
Abschnitt unter der König zu sprechen
Zitiert dazu Carlyle der den fähigsten 
Mann im Lande finden wollte und ihn 

An die erste Stelle setzen um ihm dort
Gehorsam und Verehrung zu geben
Dann hätte das Land schon die ideale 
Regierung ein einfaches Rezept

Wie weit Deutschland davon gerade 
Entfernt ist macht eher zu traurig
Vertiefter darüber nachzudenken 
Geben wir die Hoffnung nicht auf

Zeigen uns doch die USA es könnte 
Im Sinne der Masse noch viel viel
Schrecklicher kommen wie auch der
Blick nach Russland bestätigt

Das einfache obige Rezept sei dazu 
Vortrefflich aber wie alle guten nur
Höchst selten auch befolgt dabei wäre
Es natürlich die Besten nach oben

Zu stellen die Klügsten Wissendsten
Stärksten die am weitesten voraus
Wie auch zurück schauen können 
Doch kam dies Ideal nur selten vor

Vielleicht ein Dutzend mal in der
Geschichte der Menschheit in drei
Jahrtausenden die wir überblicken 
Einer davon war Friedrich der Große 

Dies schreibt der Wiener Flaneur
Egon Friedell eben dort wo noch
Maria Theresia verehrt wird die
Friedrich eine der drei Erzhuren nennt

Die anderen waren die Pompadour
Wie Elisabeth von Russland gegen
Die er alle sieben lange Jahre noch
Krieg führte und seine Zähne verlor

So war das Jahr 1740 das Jahr des 
Regierungswechsels für Preußen
Aber auch für Russland Rom wo
Zaren und Päpste wechselten 

Einige meinten Friedrich verdanke
Den größten Teil seiner Erfolge dem
Sonderbaren Mann den er ablöste
Seinem Vater Friedrich Wilhelm I

So wurden beide mit Philipp und
Alexander verglichen was absurd
Für Friedell ist dies würde auch nur 
Von der preußischen Historiographie 

Die alle preußischen Könige Genies
Nennen wie von der sozialistischen
Die keinen unter Königen genial findet
Doch in Wirklichkeit gab der Vater

Seinem Sohn nur das Werkzeug die
Armee in die Hand gegeben das zum
Instrument der Politik wurde nur nicht
Einen philosophischen Gedanken 

Dagegen hätte Philipp das ganze 
Konzept für Alexander entworfen
Des einen Denken machte den
Anderen erst so erfolgreich

Nach Friedell war Philipp der Dichter
Von Alexanders Asienzug und dieser
Nur der gut geschriebene Held des
Stückes des Dichters Philipp

Um ein differenziertes Urteil über 
Friedrich Wilhelm bemüht nennt
Friedell ihn eine paradoxe Genrefigur 
Mit einem patriarchalen Absolutismus 

Er mischte sich in alles ein und
Bestimmte so das Leben wie ein
Landesvater der seiner Kinder ganz
Gründlich dabei missverstand

Mittelmäßig sei er nur gewesen
Seine Fehler waren unverzeihlich wie 
Sein Geiz und Hass gegen alle
Künstlerischen Bestrebungen

Seine Tugenden Ordnungsliebe Fleiß 
Bescheidenheit taten niemandem gut
Sein gut ausgerüstetes Heer war nur
Das Ergebnis einer Marotte vom ihm

Er sammelte lange Kerls wie sein 
Nachbar August der Starke Porzellan
Oder Papst Lambertini schöne Drucke 
Die Werbemethoden waren grausam

Unter ihm lernten die Preußen noch
Schneller schießen als alle das war
Das Werkzeug auf dem Friedrich II
Seine virtuose Strategie entfaltete

Friedrich war in nahezu allem das
Genaue Gegenteil des Vaters er
Verabscheute den Krieg eigentlich
Dennoch führte er ihn viele Jahre

Sogar energischer und aggressiver
Als alle anderen dabei nennt er den 
Krieg eine Geißel der Menschheit
Er war auch kein Monarchist

Dies obwohl einer der stärksten
Wie siegreichsten seines Jahrhundert
Hat alle anderen Monarchen auch
Verspottet was sonderbar klingt

Nie wollte Friedrich als Monarch
Verehrt werden lieber als Philosoph
Friedrich Wilhelm war immer fromm 
Mit orthodoxem Kirchenglauben

Friedrich dagegen verachtete alle
Religionen mit souveräner Skepsis 
Die nur eine sehr schmale Grenze
Vom Atheismus noch trennte

Werke der Kunst und Philosophie 
Stellte er über alle Taten des ganz 
Praktischen Lebens war ein Meister
Diplomatischer Falschmünzerei

Er war raffinierter Feinschmecker 
Aller höheren Lebensgenüsse dabei
Nichts weniger als gesund im Sinne
Der normalen Menschen sondern 

Eine reizbare komplizierte wie
Widerspruchsvolle Natur von sehr
Labilem inneren Gleichgewicht
Auch körperlich zart und sensibel

Wie alle Genies war er meint Friedell 
Physiologisch minderwertig zugleich
Psychopathisch dabei beherrschte
Er seine Psychose durch sein Genie

Manche meinten er habe vom Vater
Arbeitsfreude und Pflichtgefühl geerbt
Aber der Fleiß der Genies ist ein völlig 
Anderer als beim sonst Durchschnitt

Die schlichten Menschen erledigten 
Einfach ihre Arbeit wie Bienen nach
Instinkt während Genies einer fast
Manischen Hingabe magisch folgen 

Der Weg den Friedell zu Friedrich
Wie dessen Genie geht ist ein
Sehr psychologisch feiner und so
Gibt er ihm noch viel Raum folgend

Damit beschäftige ich mich bald noch
Weiter wenn ich nicht Mann Schnitzler
Keyserling lese weil es ein neuer sehr
Spannender Blick auf Friedrich ist

Ein Sonderling der sich aufgrund
Seiner Position genial entfaltete
Der sonst untergegangen wäre
In komplexen geistigen Welten lebte

Friedrich war anders als fast alle
Den meisten weit überlegen doch
Nach dem Durchschnitt betrachtet
Auf seine Art geistig behindert auch

Parallelen und Ähnlichkeiten zu sehen
Etwa zum von ihm sehr geschätzten
Lukrez auch zu Montaigne wie dem
Geist der Enzyklopädisten dazu

Es ist diese Lektüre auch wieder eine
Annäherung an Friedrich der in
Vielfältigen Biographien bei mir steht
Ein besonderes Genie seiner Zeit

jens tuengerthal 25.8.26


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen