Samstag, 8. August 2026

Lektürentagebuch 8.8.26

Lektürentagebuch 8.8.26

Begonnen noch in der Nacht mit 
Stephen Greenblatt und dem Kapitel
Die Strange Company aus dem Band
Dunkle Renaissance der sich mit viel

Phantasie an die Spuren von
Christopher Marlowe heftet sowie
Mangels echter Spuren von diesem
Für den Geheimdienst tätigen Mann

Dessen Umgebung mit ganz viel
Konjunktiv betrachtet zu der auch
Lord Strange gehört was aber nur 
Der Titel des Earl of Derby war

Deren Grafschaften in den Midlands
Wie im Norden Englands auf dem
Grenzgebiet zu Schottland befanden 
Vielfach halb katholisch noch waren 

Diese Lords waren sehr reich und
Traditionell förderten sie Künstler
Sie wechselten geschickt in allen 
Konflikten die Fronten was vom

Jeweiligen Königshaus belohnt wurde
Mit neuen Gütern oder Titeln diese 
Familie betrieb erfolgreich dabei eine
Machiavellistische Machtpolitik 

Gelegentlich ging es auch schief
Dann kostete es eben den Kopf
Die folgende Generation war klüger
Bis es wieder vergessen wurde

Die Theatertruppe die ihren Namen
Trug und sich auf sie bezog war 
Berühmt und hieß Strange Company
Für diese schrieb Marlowe auch

Insofern es keinen direkten Nachweis
Für Kontakte gibt wird gemutmaßt
Was Greenblatt auch so sagt auch
Wenn es sehr konjunktivisch wird 

Aus dem Juden von Malta leitet
Greenblatt indirekte politische
Ratschläge an Lord Strange ab der
Sich gerne unklar gegenüber den 

Katholiken in seinen Regionen
Verhielt so war sein Vater schnell
Gut katholisch unter Maria der
Großen Schwester von Elisabeth

Diente sogar als Kammerherr für
Deren Ehemann den späteren
Philipp II den also Sohn des Kaisers
Karl V in dessen Reich die Sonne

Nie unterging außerdem war die
Familie Stanley mit den Tudors
Relativ nah verwandt was eine
Erbfolge der Krone nahelegte

Insofern Elisabeth kinderlos blieb
Machten Katholiken sich Hoffnung
Unter Lord Strange würde sich alles
Zu ihren Gunsten wieder wenden

Dies zu sagen war lebensgefährlich
Dennoch bekam der junge Lord
Einen versiegelten Brief der ihm
Genau diesen Weg antrug was 

Greenblatt nutzt die Geschichte
Des Juden von Malta zu erzählen
Wie in diesem Kontext zu deuten
Das ist gewagt aber historisch gut

Mangels Informationen über die
Motive und Hintergründe von
Marlowes teils brutalen Stücken
Wird eben blutig phantasiert

Ob der bloß auch Autor für die
Strange Company Marlowe real
Kontakt zum Lord hatte ist so
Unklar wie fast alles bei Marlowe

Die Geschichte aber die uns der
Autor Greenblatt dazu erzählt ist
Gut recherchiert und spannend
Lässt den Kontext verstehen

So bekommt der junge Lord
Eines Tages einen Brief der ihm
Vorschlägt sich um seine Thronfolge 
Für den katholischen Glauben zu

Bemühen wobei Philipp II der Papst
Wie andere Partner angeführt noch
Werden den Anspruch auf den Thron
Im Sinne Roms zu unterstützen

Der Lord zögert ein wenig wie er auf
Dies verführerische Angebot korrekt
Reagieren soll statt es sofort bei
Königin Elisabeth anzuzeigen 

Dies wird ihm dann auch vorgehalten 
Nachdem er den Brief Elisabeth selbst
Überbracht hat und den Überbringer
Damit ausgeliefert hatte der auch

Sogleich ausgeweidet gevierteilt 
Wie zuvor noch gefoltert wurde
Wegen Verschwörung gegen die
Königin worauf der Tod stand

Diese Verzögerung wurde dem Lord 
Vorgehalten aber nicht bestraft der
Sich insgeheim in der Thronfolge
Schon Elisabeth am nächsten sah 

Dass parallel bereits Jakob Stuart
Der König von Schottland von Cecil
Als Thronfolger und Sohn Marias
Aufgebaut wurde ahnte er nicht

Auf einer längeren Jagd im Norden 
Zur Erholung von diesem Stress
Erkrankte der Lord schwer erbrach 
Dunkle Galle und starb daran 

Es hieß danach er sei verhext worden
Die Schuldige wurde bald gefunden
Heute wird angenommen dass er
Mit Arsen vergiftet worden ist

Dagegen spricht dass Arsen eher
Langsam wirkt und daher eine
Dauerhafte Gabe bräuchte wozu
Greenblatt einfach nichts sagt

Dies beschreibt Marlowe in seinen 
Stücken die sich auf Machiavelli 
Ausdrücklich berufen genau so
Allerdings starb er zwei Monate früher

Erstochen mit seinem eigenen Dolch
Wegen einer lächerlichen Rechnung
Als wichtiger Spion seiner Majestät
Der manche ausgeliefert schon hatte

Greenblatt hält es spannend wie 
Einen Thriller und erzählt auch
Das wenige was bekannt ist weiter
Tröpfchenweise uns Lesern

Wer Thriller und Krimis mag wird
Diesen amerikanischen Stil mögen 
Die ernsthaft kulturhistorisch noch
Interessieren ertragen es halt

Greenblatt weiß sehr viel und hat
Die Quellen gut geprüft insofern
Besteht wenig Zweifel am Text auch
Wo die Thrillermethode lächerlich ist


In Sabotage dem Katalog zu der
Grandiosen Ausstellung der so
Genialen Giulia Andreani das Essay
Die Sprache der Bilder gelesen

Dort führt Ludovic Delalande in das
Werk von Andreani kompetent ein
Was einen Rahmen dieser Kunst
Als Einleitung geben kann 

Genau das ist auch die Kritik an 
Der Reihenfolge diesem Essay
Fehlt die Tiefe und der Esprit der
Der aus Andreanis Werken sprudelt

Wer diese so gebildete wie auch
Philosophisch politisch geniale Frau
Vorher im Interview las braucht kein
Allgemeines Essay mehr danach

Aber zum einführenden Verständnis
Dieser genialen Künstlerin die mit
Humor und Tiefgang elegant zaubert 
Kann es den Leserinnen bringen 

Wer aber vorher das Interview las
Braucht dieses eher oberflächliche
Kunsthistorische Gelaber nicht mehr
Es kann danach nur enttäuschten

Andreani im Hamburger Bahnhof
Genau anschauen ist ein Muss
Wie ein humorvoller Genuss auch
Sie zu lesen ist ganz wunderbar

Als Kurator der Sammlung von
Louis Vuitton hat Delalande zwar
Wie Andreani an der Sorbonne noch
Studiert aber dem Text fehlt Genie

Was Andreani noch dazu feministisch
Mit Eleganz und Humor zaubert fehlt
Den trockenen Betrachtungen des 
Theoretikers Delalande leider völlig

Warum wer diese nach Andreani
Um diese besser zu verstehen
Lesen soll bleibt völlig unklar hier
Darum ist die Reihenfolge falsch

Zuerst das Essay noch vor den 
Bildern gäbe einen soliden Einstieg
Danach lässt sich das Genie von
Andreani im Interview verstehen

Im Ergebnis ein nettes Essay
Das etwas distanziert bleibt und
Theoretisch aber als Einführung taugt
Zur Vertiefung eher lächerlich wirkt 

Wer führte da die Redaktion der
Publikation zu einer so genialen wie
Vielfältigen Künstlerin wie Andreani
Fragt sich dabei eher noch

Die danach vertiefende Lektüre des
Interviews mit Andreani lohnt und
Begeistert lässt ihre Tiefe sehen
Die Delalande noch verkennt

Das ist nettes Geplauder ohne das
Genie einer einmaligen Künstlerin 
Gebührend zu würdigen dennoch
Als Einführung zumindest lohnend


Im Katalog der Ausstellung der
Alten Nationalgalerie zu Cassirer und
Der Durchbruch des Impressionismus
Das Essay von Petra Winter gelesen 

In dem Abschnitt zur Musealisierung
Der Kunst schreibt sie über 2 junge
Leute mit besten Absichten was ein
Schreiben vom Liebermann zitiert 

In diesem macht er Werbung für die
Neue Galerie von Bruno und Paul
Cassirer in der Victoriastraße 35 die
Als Salon mit ihm auch beginnt

Winter erzählt von den Erwerbungen
Der Nationalgalerie unter Tschudi wie
Seinem Nachfolger Justi dabei wird
Der Konflikt mit den Kaiser beleuchtet 

Das ist eine kleine Variante zu den 
Bereits vielseitig hier beleuchteten 
Aspekten was leider zu gewissen
Wiederholungen immer wieder führt 

Dies könnte eine gute Redaktion
Durch kritische Prüfung der Texte
Wohl verhindern Eingriffe in diese
Sind jedoch immer heikel dabei

Besonders unter Wissenschaftlern
Die ihre Erkenntnisse publizieren 
Ist da große Vorsicht geboten was
Nervige Wiederholungen bedeutet

Abgesehen davon ist der Beitrag
Von Petra Winter sehr informativ
Sie wiederholt nicht mehr als die 
Vorigen Beträge auch aber nach

Bisher allen Essays im Katalog
Ist wohl eine Pause geboten um
Nicht über die Ausführung sich 
Zu ärgern und zu langweilen

Sehr interessant in dem Essay
War aber wie Justi erfolgreich
Die Einkaufskommission noch
Änderte unter der Tschudi litt 

Die Abneigung von Justi gegen
Cassirer und seinen Salon die er
Bis 1918 offiziell zeigte änderte sich
In der Republik spürbar noch

Hier wären einige Worte zu Justi 
Wie zu Tschudi nützlich gewesen
Dies nicht anderweitig noch weiter
Recherchieren zu müssen

jens tuengerthal 8.8.26



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