Lektürentagebuch 31.10.26
Bei Hermann und Ulrike den ich noch
In den frühen Morgenstunden las irrt
Hermann zunächst durch Berlin was
Johann Karl Wezel mit viel Humor
Beschreibt wie er anfangs noch mit
Seinem Bauern zusammen geht und
Ständig nach dem Weg fragen aber
Schon an der nächsten Ecke wieder
Nicht mehr weiter weiß bis er einen
Findet der ihn zu der Adresse bringt
Wo er schon erwartet wird und ihn
Einige Briefe erwarten zunächst von
Schwinger der Lehrer und seine guten
Eltern hatten ihm geschrieben wobei
Seine Mutter hofft er würde sich bald
Zu den Wiedertäufern bekehren
Sein Vater dagegen über den dort
Aberglauben und die Gebete lästert
Hofft bald wieder gesund zu sein um
Auf eigenen Füßen zu stehen
Schwinger schreibt vom Zorn des
Grafen der ihn verhaften wollte in
Leipzig wo er nicht mehr war und
Dass die Gräfin wüsste wo Ulrike
Nun wäre der sie habhaft werden
Wollten dann beginnt er der nun
In einer schlichten Kammer für
Diener lebt seine Lehre beim
Kaufmann der ihm Unterkunft gab
Macht die Arbeit schlecht und eher
Unkonzentriert ist genervt von den
Kunden wird wirsch und unfreundlich
Der Leipziger Doktor antwortet ihm
Auf seine Bitte um Übersendung
Seines Hab und Gut und freut sich
Über die Aufdeckung des Schwindel
Dann zeigt der Kaufmann ihm und
Dem anderen Lehrling ein Bild das
Ulrike zeigt und lobt eine Belohnung
Für den aus der sie findet weil sein
Guter Kunde der Graf ihn darum
Gebeten hätte worauf der andere
Meint er kenne sie aus einem der
Öffentlichen Häuser hier und sie
Würde immer Unter den Linden
Flanieren wo damals noch die
Huren auf Kundenfang gingen
So sähe sie doch auch aus
Empört hätte sich Hermann nun
Beinahe verraten und biegt es
Gerade noch wieder zurecht aber
Ist nun natürlich wieder unruhig
Der Aberglaube an seine Mission
Als Bekehrer in Berlin hatte ihn von
Der Liebe zeitweise geheilt nun wo
Sie nah sein könnte kommt es wieder
Hermann ist völlig verwirrt nun mit
Gefühlen aus Sorge Eifersucht und
Liebe befragte er den anderen ständig
Bis dieser es ihm für immer verbietet
Hermann ist hin und her gerissen
Ulrikes Nähe macht ihn ganz nervös
Das öffentliche Haus in dem sie nun
Lebe und arbeite macht ihn fertig
Eine feine teils ironische Betrachtung
Der Zustände zeigt Hermann dabei
In welcher Gefahr er schwebt und
Beschreibt Leben in der Großstadt
Eigentlich will Hermann diese Chance
Die ihm wieder Schwinger eröffnete
Nutzen und sich fleißig zeigen aber
Andererseits schafft er es nicht
Über Voltaires Werk schreibt sehr
Euphorisch mit vielen Superlativen
Egon Friedell in der Kulturgeschichte
Der Neuzeit voller Begeisterung
Danach muss Voltaire ständig wie
Ohne Pause gearbeitet haben bis zu
Zwanzig Stunden am Tag teilweise
Was Friedrich den Großen zu einem
Amüsanten Kompliment veranlasste
Er bezweifle dass es einen Voltaire
Gäbe und er bestreite seine Existenz
Unmöglich könne ein einziger Mensch
Dieser ungeheure Arbeit vollbracht
Haben es müsse in Cirey wohl eine
Akademie mit der Elite der Welt geben
Die unter dem Namen Voltaire arbeitet
Es wäre bei Voltaire vermutlich so wie
Bei einem Feldherren dem die Taten
Seines Heeres zugerechnet werden
Dazu eine ungeheure Korrespondenz
Casanova zeigte er 1760 eine
Sammlung von 50.000 Briefen die er
Nahezu alle beantwortet dazu soll
Seine Konversation bezaubernd
Immer gewesen sein er sei wurde
Über ihn gesagt die beste Ausgabe
Seiner Bücher nebenbei muss er
Alles wichtige noch gelesen haben
Seinen ersten großen Erfolg hatte er
Mit Die Liga oder Henri der Große
Das er zur Hälfte noch in der Bastille
Verfasste wo er in ein Buch schrieb
Mit Bleistift zwischen den Zeilen
Verfasst eroberte es als Henriade
Die literarische Welt als das Epos
Was den Franzosen noch fehlte
Sein zweites Epos war eine Parodie
Auf Jeanne d’Arc was er erst nicht
Veröffentlichten wollte aber es fanden
Sich Sekretäre die Kopien verbreiten
Es war ein ideales Gedicht für das
Rokoko Publikum war zugleich witzig
Schlüpfrig und antiklerikal bediente
Alles über das gelästert wurde
Als Dramatiker ist sein Verdienst die
Pseudoantike Tradition zu brechen
Er brachte amerikanische asiatische
Wie afrikanische Stoffe auf die Bühne
Shakespeare soll ihn beeinflusst
Haben wie Lessing in seiner strengen
Kritik über ihn schrieb und er lobt ihn
In aeinen Briefen über England aber
Nannte ihn als alter Mann einen
Dorfhanswurst gotischen Koloss und
Trunkenen Wilden dafür waren seine
Charaktere viel schlechter gezeichnet
Seine Stärke lag in vollendeter Form
Der Alexandriner bewirkte dabei dass
Alles durch ihn gesagte sich in eine
Pointe oder ein Epigramm verwandelt
So wurde Voltaire zum souveränen
Beherrscher der Tiradenpoesie wie
Lieblingdramatiker eines Volkes vom
Rhetorikern im Philosophiejahrhundert
Zweck und Hauptthema der Henriade
Ist der Kampf gegen Fanatismus und
Intoleranz in der Pucelle verhöhnt er
Wundersucht und Aberglauben
In Voltaires Dramen dominiert überall
Die Tendenz im Alzire Grausamkeit
Der Christen die Peru erobern wie in
Der Fanatismus oder Mohammed der
Prophet schon der Titel polemisch ist
Der Held sei ein Tartuffe mit Schwert
Auch in der Zaire in deren Kern es
Um die Liebe geht ist es wieder ein
Fluch über die religiöse Vorurteile
Voltaire nannte die Bühne die Rivalin
Der Kanzel als das Megaphon seiner
Ideen aber nie formt er Charaktere
Darum gelang diesem Genie auch
Kein einziges Lustspiel in dem die
Personen lebendig werden er blieb
Immer ein kritischer Philosoph dabei
Über Voltaire als Historiker zitiert
Friedell ihn zunächst selbst dass nur
Wer Tragödien schreiben könnte auch
Geschichte interessant machen würde
Damit eilte er als Historiker schon
Weit seiner Zeit voraus während seine
Tragödien in Geschichtsphilosophie
Verrinnen würden verdichtete er
Seine historischen Darstellungen zu
Wahren Dramen so schrieb er die
Modernsten Geschichtswerke statt
Langweilig Feldzüge zu beschreiben
Schildert er zuerst die Kultur wie die
Sitten der Zeit statt Geschichte der
Könige die Schicksale der Völker
Dabei fand er alles interessant
Sein ewiger Kampf gegen die Kirche
Trete in seinen historischen Werken
Weniger aufdringlich hervor als in den
Epischen und dramatischen Werken
Der Geschichtsschreibung widmete
Er sich erst in der zweiten Hälfte
Seines Lebens vorher waren es eher
Die exakten Disziplinen noch
Er schrieb eine klassische Darstellung
Der Philosophie Newtons die diesen
Erst auf dem Kontinent populär macht
Er hatte in Cirey ein Laboratorium
Dort hat er mit Madame du Châtelet
Die da große Talente besaß fleißig
Experimentiert wäre wohl Erfinder
Hätte er sich länger damit beschäftigt
Als letzte Kapitel zu Voltaire kommen
In den nächsten Tagen irgendwann
Noch seine Philosophie wie der
Garten als Abschluss von Voltaire
Ob dort endlich mehr von seiner
Tafelrunde bei Baron Holbach also
Les Philosophes die Rede sein wird
Bin ich noch ein wenig gespannt
Aber ich fürchte seine wahre geistige
Heimat in Paris wird um das Bild des. Genie nicht zu trüben übergangen
Was dabei keinem gerecht wird
jens tuengerthal 31.12.26