Lektürentagebuch 10.10.26
Aus Ancona schreibt der Reisende
Dichter Johann Gottfried Seume auf
Seinem Spaziergang nach Syrakus
Im Jahre 1802 erzählt zuerst wie es
Von Bologna aus auf dem alten
Emilischen Weg in die Niederung
Durch eine wasserreiche Gegend
Immer nach Rimini herunter ging
Allein von Bologna bis Imola geht es
Über fünf oder sechs Flüsse rechts
Lagen die noch verschneiten Berge
Der Apenninen der Boden war fett
In Imola traf er 1802 nicht etwa auf
Rennwagen sondern auf einen
Barocken Einzug eine Harlekinade
Der Faschingsmasken so war die
Ganze Stadt in Mummerey wie es
Seume wörtlich beschreibt und zog
In bunten Gruppen durch die Straßen
Auch seine Erscheinung findet er
Hyperboreisch also für Italiener
Aus dem mythischen Norden noch
Stammend mit solider polnischer
Kleidung Seehundstornister mit
Dem Dachsgesicht auf dem Rücken
Großen schweren Knotenstock noch
In der Hand übersetzte seine Maske
Alle Charaktere des Lebens grotesk
Dann wurde er von zwei maskierten
Zum Scherz angegriffen und wehrte
Sich den Knotenstock schwingend
Worüber ganz Imola nun lachte
Zugeben musste er dabei dass sein
Bart mehr als drei Tage alt war und
Er durch den dortigen Rotwein sich
In einer Hartleibigkeit befand was
Die alte Form für Verstopfung war
Auf Nachfrage führt ihn ein ebenso
Unmaskierter zum Gasthof der in
Der Hölle Nummer fünf zu finden war
Dort ließ er seinen Sack und stürzte
Sich nochmal ins wilde Geschehen
Beschreibt die Abenteuer dort mit viel
Humor und die Nacht in der Hölle
In Faenza stellte er fest dass sie ihn
Mit seinem schlechten italienisch
Ganz unhöflich behandelten doch
Höflich als er französisch sprach
In Ferrara wurde er seines eher
Drolligen Rucksacks wegenverlacht
Als er mit rauher Stimme französisch
Fragte waren aber alle wieder höflich
In Spoleto verbringt er einen schönen
Abend vor dem Kamin bei noch eher
Rauhem Wetter zählte der erste
Eindruck noch mehr und der war gut
Zwischen Forli und Cesena sei ein
Altes Forum und die Trümmer von
Denen er wenig sah des entsetzlichen
Wetters wegen berichtet dafür vom
Personal wie den Mädchen im
Gasthof wie er erst höflich behandelt
Wurde als sie merkten dass er kein
Franzose war die einquartiert wurden
Von Savignano aus ging er über
Den Rubikon wie Cäsar den er dafür
Kahlköpfigen Weltbeherrscher nennt
Der die Freiheit des Landes zerstörte
Er hält Cäsar für einen Schurken der
Liebenswürdig sei andere halten aber
Brutus für viel schlimmer er lässt sich
Da lieber auf keine Diskussion ein
Dort also gingen Julius und er über
Den Rubikon hätten ansonsten aber
Nicht viel gemeinsam als dass sie
Beide nach Rimini noch gingen
In Savignano wurde reichlich gezecht
Hier wurde er unhöflich behandelt
Weil keine revolutionäre Kokarde
Am Hut typisch Revolutionszeiten halt
In Rimini schlief er ruhiger als Julius
Der mit dem Übergang den Würfel
Auch sprichwörtlich geworfen hatte
Es gäbe dort herrliche Aussichten
Es war hier ein Monument für einen
Papst Paul der eine Wasserleitung
Bauen ließ was so verdienstvoll wäre
Dass sogar fast dafür dem Papst
Verziehen werden kann dass er Papst
War auf einem anderen Platz stand
Der Freiheitsbaum mit der Mütze was
Auch immer Franzosen hier wollten
Wäre er ein ordentlicher Reisender
Hätte er von Rimini rechts hinauf in
Die Berge zur Republik San Marino
Gehen sollen zumal er eine kleine
Liebschaft gegen Republiken habe
Wenn sie leidlich vernünftig sind aber
Er ging weiter nach Cattolica und
Pesaro dazu wird erzählt dass die
Arianer sich auf dem Konzil zu
Rimini wie Meister aufspielten
Warum die rechtgläubigen Bischöfe
Unter Protest nach Cattolica gingen
Ihre mutige Flucht wurde darauf im
Namen verewigt diese Geschichte
Steht auf einer Marmorplatte der
Kirche in Cattolica geschrieben
Er machte sich jedoch nicht die
Mühen solche Orthodoxiesreyen
Noch abzuschreiben dafür fragte er
In Pesaro den ersten besten der
Dort schon päpstlichen Soldaten wo
Er logieren könnte worauf dieser ihn
Gleich zu sich einlud der Mann schien
Ein Wundarzt für alte Schuhe zu sein
Er kochte für ihn und holte Wein was
Von nun an häufiger passierte und
Klagte die Franzosen hätten vier der
Schönsten Gemälde mitgenommen
Er bekam dann wieder einen der
Vetturino aufgedrängt der schrecklich
Fromm war aber wild fluchte noch nie
Hätte er so dummer Hinbrütung wie
Vernunftlosem Glauben gelauscht als
Aus seinem Gesang müsste er noch
Länger so etwas hören würde er den
Materialismus für konsequent halten
Es müsse Vernichtung geben denn
Solche Seelen könnten einfach nicht
Fortleben die Gegend wird dann ab
Pesaro ziemlich gebirgig sie ist
Voller Schluchten und Defileen in
Der Höhe von Gläubigen was leicht
Verständlich macht warum sich die
Katharger hier verirrten und so
Den Römern leichtes Spiel machten
Der Metaurus ist wie fast alle Flüsse
Aus den Apenninen sehr schmutzig
Über den Berg wo Hasdrubal einst
Geschlagen wurde der ihm gezeigt
Werden sollte könnte er nichts sagen
Da ihm die Schlacht nicht gegenwärtig
Mehr war sicher ist nur sie war hier
Sinigaglia wäre ein angenehmer Ort
Durch die Lage und üppige Gärten
Er sah erstmal ein italienisches
Stiergefecht das viel Zuspruch fand
Der Prototyp der Dummheit sein
Vetturino führte ihn weiter bis nach
Ancona wo die See hoch ging und
Die Brandung sehr schön war
Vor Ancona blühten am 19. Februar
Bohnen und Erbsen die Täler geben
Abwechselnd mit Wein Obst Öl und
Getreide eine herrliche Aussicht
Für die Alten mag Ancona ein guter
Hafen gewesen sein für die Neuen ist
Er das nicht mehr so dort können nur
Wenige Schiffe sicher liegen
Am Anfang des alten Molo steht der
Triumphbogen Trajans in weißem
Marmor der aus Büchern hinlänglich
Bekannt schon ist und verwittert
Der neue Bogen sähe dagegen sehr
Demütig aus an einen Wachturm steht
Etwas Artillerie zur Wache dafür wäre
Das Seelazarett dort sehr schön
Die Schiffe wären meist fremde und
Der Handel steigert sich nur langsam
Dadurch dass Ancona ein Freihafen
Wurde auf dem südlichen Hügel steht
Die alte Kathedrale mit ihren kapitalen
Heiligen so der unvewesliche Cyrakus
Pius VI habe es in Augenschein auf
Dem Rückweg aus Wien genommen
Über den dortigen Heiligenkult macht
Seume sich gehörig lustig die Börse
Sei ein schöner Saal inmitten der
Stadt mit interessanten Gemälden
Sie stellen bürgerliche Tugenden dar
Die ersten sollen von Perugino sein
Was er nicht geglaubt hätte im
Theater gab es eine alte Posse
Der alte Schuster hieß sie wäre
Gar nicht übel mit dem italienischen
Talent zur Burleske mit feinem Takt
Für Sinnlichkeit und Anstand
Hier äußert er sich über das Theater
In Deutschland was nur ein ewiges
Geknutsche wäre das er peinlich
Findet ein Kuss sei alles und nichts
Er sei weniger als nichts wenn er
So seine Bedeutung verliert dagegen
Wüssten die Italiener durch Nuancen
Der Umarmung mehr zu bewirken
Genauso sieht er Essen Trinken und
Rauchen auf der Bühne kritisch was
Besser wegfiele da ästhetisch völlig
Ohne Bedeutung und nur störte
Kein Ort seit Leipzig wäre teurer
Gewesen als Ancona bisher was auf
Den Krieg geschoben wird doch er
Fand das alles nur impertinent
Auch die Barbiere die immer noch
Mit einem Lehrling kämen wären
Unverschämt teuer und beide
Forderten zusätzlich Geld dabei
Würde er länger bleiben würde er
Sich an die Bequemlichkeit der
Kapuziner halten um das gute
Geld für den Bart zu sparen
Die Leute klagen über Not aber
Hielten am hellen Tage noch
Faschingsnummern durch die
Ganze Stadt warum die Franzosen
Gleich die Polizei verdoppeln mussten
Damit das Volk einander nicht tot trat
So voll waren die Gassen es war so
Possierlich wie in Imola vorher
Es gab viel Leben und Lärm unter
Den dichtgedrängten Zuschauern
Sie klagten über Hunger aber warfen
Mit Bonbons um sich wie mit Mais
Die Armen sammeln dann die Reste
Am nächsten Tag auf was er eine
Sonderbar närrische Form von
Almosen findet dafür seien hier
Die Cafés sehr gut eingerichtet und
Es gäbe angenehme Gesellschaft dort
Ancona sei gewiss militärisch einer
Der interessantesten Posten hier
Neben Tarent der wichtigste an der
Ganzen Adria und bis Ancona ging
Sein Pass von Wien aus da der
Präsident der Kanzlei ihn nicht
Weiter ausstellen wollte aber es gab
Dort keine Schwierigkeiten einen
Pass zu bekommen wohin immer
Er auch noch wollte dafür waren sie
Um seinetwegen besorgt er würde
Dem Tod entgegen gehen wogegen
Sich kein mathematischer Beweis
Führen ließ doch machte er deutlich
Dass seine Art zu reisen doch wohl
Die sicherste noch wäre denn wer
Würde Reichtümer bei ihm suchen
Sein Aufzug versprach nicht viel
Um nichts würde doch wohl keiner
Schließt dieser Abschnitt voller
Hoffnung totgeschlagen was ich mir
Zu Fuß in Berlin auch immer sagte
jens tuengerthal 10.10.26