Freitag, 6. März 2026

Lektürentagebuch 6.3.26

Lektürentagebuch 6.3.26

Gilbert White schreibt in seiner
Erkundung von Selborne im 10. Brief
An Thomas Pennant Esquire über
Die Vögel der Region spannend

Unglücklicherweise hätte er nie
Nachbarn gehabt deren Studien
Sie zur Naturkunde führten so dass
Er aus Mangel an Weggefährten

Die seinen Fleiß anspornten oder 
Seine Aufmerksamkeit schärften
Darum nur magere Fortschritte in
Einem Wissensgebiet machte dass 

Ihn eigentlich von Kindheit an schon
In Beschlag genommen hätte darum
Berichten über Rauchschwalben die
Irgendwo in Kältestarre gefunden  

Nie größere Beachtung geschenkt
Doch hätte ihm ein Geistlicher von
Mauerseglern erzählt die Arbeiter im 
Frühen Frühjahr im Kirchturm fanden 

Sie schienen tot erwachten aber am
Feuer zu neuem Leben er steckte sie 
Um sie zu retten in eine Papiertüte die
Er am Küchenfeuer aufhängte wo sie

Dann leider erstickten während ein
Anderer gebildeter Mann ihm erzählte 
In Brighton in Sussex seien in einem
Wintersturm große Stücke aus den 

Dort Kalkklippen abgebrochen worin
Einige Leute Schwalben gefunden
Hätten die er aber leider selbst nicht
Gesehen hätte aber andere hätten 

Ihm dies versichert dieses Jahr seien 
Zuerst am 11. Juli aufgetaucht als
Die Hausschwalben bereits flügge 
Wurden und beide brüten zweimal

Im Vorjahr seien nach seinem Notizen
Noch am 18. September welche 
Geschlüpft er fragt sich ob eine so
Späte Brut nicht eher für Unterschlupf

Sprechen würde als für Migration so 
Blieben einige junge Hausschwalben
Noch bis 29. September in ihrem Nest
Doch am 5. Oktober waren alle weg

White fragt ob es nicht erstaunlich sei 
Mauersegler oder Turmschwalben
Verließen uns vor Mitte August aber
Hausschwalben bis Oktober blieben

Einmal hätte er sie sogar noch im
November mit Wacholderdrosseln
In einem Schwarm fliegen sehen also
Sommervögel und Wintervögel

Von einem kleinen gelben Vogel der
Bei ihnen noch keinen Namen hätte 
Den Ray Fliegenfänger nenne der
Fange seine Beute im Flug ohne 

Dabei je den Boden zu berühren
Kehrt er immer auf seinen Posten
Wieder zurück der höher gelegen
Er gehe von mehr als einer Art aus

Mister Stillingfleet frage sich dagegen
Ob Mönchsgrasmückem Zugvögel 
Sind woran kein Zweifel bestünde
Für ihn denn sie tauchten in den

Ersten schönen Apriltagen alle auf 
Einmal auf und sein im Winter nie
Anzutreffen sie seien phantastische
Sänger von ganz zarter Schönheit

In den Moorgründen brüteten jeden 
Sommer große Mengen Schnepfen 
Es sei sehr unterhaltsam dann die
Männchen zu sehen und zu hören

Noch hätte er keine Gelegenheit
Gehabt eine der erwähnten Mäuse 
Zu besorgen sie kämen im Herbst
Dann könnten sie die Art prüfen

Stark vermute er dass es mehr als
Zwei Arten von Wasserratten gibt
Ray sagt sie hätte nach Linné eine 
Art Schwimmhäute an den Füßen

Er hätte aber in ihrem Fluss eine
Entdeckt die keine hätte trotzdem
Ein exzellenter Schwimmer und
Taucher sei er legte gerne eine vor

Den Falco den er ebenfalls hier 
Bereits erwähnte werde er ihm
Bald nach Wales schicken in der
Hoffnung er möge ihm verzeihen

Falls er ihn schon kennen sollte
Wie er ihn noch nicht kannte doch 
Seien es etwas verstümmelte Reste
Er lebte im Moor und jagte Enten 

Wie Schnepfen wenn diese da und
Als er geschossen wurde zerrupfte
Er gerade erst eine Krähe aber er
Entspricht keinen englischen Falken 

Auch in der Ausstellung ausgestopfter
Vögel in Spring Gardens war er nicht
Zu entdecken er hätte ihn an die
Wand der Scheune genagelt entdeckt

Diese Rückwand sei das Museum
Der Leute hier so liege Selborne in 
Einer zergliedert uneinheitlichen
Landschaft mit darum vielen Vögeln 

Dieser feine britische Humor der
Eher indirekt kommt zwischen den
Sonst so guten Naturbeschreibungen
Ist wirklich besonders liebenswert


Begonnen mit der Auslegung der 
Carta Marina der Olaus Magnus die 
Widmung an die Stadt Danzig voranstellt im Juni 1539 in Venedig 

Es sei die Auslegung der neuen Karte
Des alten Gotenreiches wie anderer 
Länder des Nordens samt all der dort
Wunderlichen Dinge zu Lande wie im

Wasser auch die bisher noch nie so
Klar beschrieben worden sind dies
Zum Lob der Stadt Danzig in Preußen
Wie zum allgemeinen Nutzen neu

Herausgegeben von Olaus Magnus
Götzis aus Linköping 1539 nun in 
Venedig mit päpstlichem wie auch
Venezianischen Privileg für ihn 

Danach sei der Nachdruck bei hoher
Strafe wie Pein also Folter auf zehn
Jahre verboten und dies Privileg sei
Von allen solange zu respektieren

Er widmete dies den umsichtigen
Edlen ehrenwerten Herren dem
Burggrafen Bürgermeister und Rat 
Der königlichen Stadt Danzig nun

Dies weil er in früheren Jahren so
Freundlichen Aufenthalt und ruhige
Wohnung in Danzig gehabt hätte wie
Von ihnen mit Gunst geehrt wurde

So wolle er ihnen seine Dankbarkeit
Erweisen weil er nicht weniger in der
Schuld der Stadt als seines eigenen
Vaterlandes stehe was hiermit sei

Dies um sie in großer Anzahl in allen 
Teilen und Kreisen der deutschen
Nation zu verbreiten zu der Danzig
Zu dieser Zeit noch zählte

Damit was bisher unbekannt blieb 
Von allen Lesern wohlwollend zur
Kenntnis genommen würde auch als 
Zeichen seiner ewigen Dankbarkeit

Weil er es erst dank ihrer Hilfe selbst
Zustande brachte bittet er nun die 
Frucht seiner jahrelangen Mühen
Wohlwollend auch anzunehmen

Er habe keinen Zweifel dass seine
Arbeit der Stadt mehr Nutzen bringe
Als wenn er sie mit Gold und Silber
Überhäufen würde doch überlässt er

Allen Umsichtigen und Weisen dies
Selbst zu erkennen und empfehle
Sich ihnen voller Dankbarkeit aus 
Dem Palast des Patriarchen Venedigs

Dem Leser erklärt Magnus noch die
Tafel und das Büchlein werden in 9
Große Buchstaben ABC geteilt wie in
Viele kleine nach abc was nun folgt

Zu den Erläuterungen komme ich
Bei der Lektüre mit Karte morgen
Oder die nächsten Tage in dem fast 
500 Jahre nun alten Werk


Kapitel 3 in Michael Bergmanns 
Roman Herr Klee und Herr Feld
Gelesen und noch etwas darüber
Gelächelt wie Frau Stöcklein auszog

Diesen Auszug beobachtete Alfred
Einen seiner drei täglichen Zigarillos
Auf dem Balkon rauchend erfreut 
Er hatte sich nun daran gewöhnt

Sein Bruder hatte darauf bestanden
Dass in seinem Haus nicht geraucht
Würde und sich damit durchgesetzt
Inzwischen liebte Alfred es so auch

Bergmann beschreibt dann hier
Detailliert was Alfred alles vom
Balkon der Villa im Westend noch
Beobachten kann erwartungsgemäß

Den Umzug machte der als schlicht
Muskulös beschriebene Freund der
Tochter mit einem Transporter voller
Aggressiver Graffiti was wieder gut 

In der Vorurteilskiste Erwartungen 
Mit Lachen bestätigen soll falls es
In diesem Stil weitergeht werde ich
Die Palästinenserin nicht treffen

Vermutlich brauchen Otto Filme
Diese ständigen Schenkelklopfer 
Die alle Vorurteile bestätigen was
Literarisch weniger bereichert

Die Brüder Kleefeld dürfen nun
Ein wenig Pause bei mir machen 
Lesezeit ist zu kostbar um sie mit
Schlichten Mustern zu verbringen 

Vermute aber als Verfilmung wäre
Dies Buch aus dem jüdischen Leben
In Frankfurt sehr erfolgreich und
Könnte Vorurteile beseitigen helfen

Im Buch nervte noch der Enkel 
Von Frau Stöcklein also der Sohn
Von Susanne aus der Kommune
Im Vogelsberg typisch antiautoritär

Am Ende rief noch Freundin Norma
Die sich um Moritz bemüht an und
Bot sogleich ihre Hilfe im Haus an 
Sie könnte auch eines ihrer Mädchen

Zur Unterstützung im Haushalt zu
Den Brüdern schicken und Stella 
Ihre Freundin erkundigte sich noch
Nach Alfred ob es ihm gut ginge

Der kleine Einblick ins jüdische Leben
In Frankfurt darf nun ein wenig auf 
Mascha Kaleko pausieren bis mich
Die Neugier ins Westend wieder ruft


Noch ein wenig bei Egon Friedell in
Der Kulturgeschichte der Neuzeit über
Die Chinoiserie gelesen die damals
Gerade ganz große Mode war

Vor der Entdeckung von Böttcher war
Porzellan aus China bezogen und die
Meißner Waren wurden lange noch 
Als chinesisch ausgeben was aber

Kein Geschäftstrick sondern im
Zeitgeist begründet noch war so galt
China im Rokoko als ein Musterland
Der Weisheit und der Kunst dazu

Anfang der 18. Jahrhunderts kamen
Die Chinoiserien in Mode also Bilder
Vasen Skulpturen Papiertapeten wie
Lackwaren und Seidenarbeiten

Auch Romane entführten den Leser 
In jenes Märchenreich wo ein Volk 
Glücklich heiter unter seinen hoch
Gelehrten Führern paradiesisch lebte

Historiker und Philosophen an deren
Spitze Voltaire stand verherrlichten
China als vortrefflichstes Land auch
Seiner Sitte und Verwaltung wegen

In den Gärten wurden Pagoden wie
Teehäuschen und Glockenpavillons
Errichtet selbst der modische Zopf
Habe noch chinesische Wurzeln

Auch der damals besonders beliebte
Pfau hatte etwas chinesisches war
Zugleich ein echtes Rokoko Tier also 
Dekorativ bizarr theatralisch genrehaft 

Über dieses Zeitalter der Petitessen 
Ließe sich sagen was Diderot 1765
Als bereits ein neuer Geist herrschte
Über Boucher gesagt hatte der ein

Viel zu kleinliches Minenspiel habe
Der Begriff la siécle de petitesses 
Stammt von Voltaire es habe überall
Nur charmanten Nippes gebracht

Der Barock schrie und plakatierte
Wo das Rokoko flüstert und dämpft
Beide seien schnörkelhaft aber im
Barock war es leidenschaftlich noch

Was im Rokoko ein diskret zierliches
Fragezeichen ist während im
Französischen Hochbarock noch
Die Regel tyrannisch herrschte

War Normwidrigkeit eine Sünde am
Geist während im Rokoko die Begriffe
Bizarr und geistreich verbunden sind
Es gleichsam spielerisch noch zugeht

Korrektheit und Symmetrie waren
Der Maßstab aller Werte noch im
Cartesianischen Zeitalter dagegen
Wandte sich das Genre Rocaille

Was der prägende Stil des Rokoko 
Wurde mit seiner Vorliebe für die
Kaprice unerwartetes willkürliches
Paradoxe eher bewusst nach Innen

Sie wären in der Philosophie vielleicht
Halbe Atheisten gewesen in der Kunst
Aber waren sie schon ganze es reizte 
Die Abweichung und der Sprung

Als eine italienische Dame einmal ein
Köstliches Fruchteis verzehrte tat es
Ihr leid dass dies keine Sünde wäre
Es gab eine Passion für Illegitimes

Diese steigerte sich nicht selten bis
Zur Perversion in keinem Zeitalter
War Flagellantismus so verbreitet
Als Neigung sich selbst zu quälen

Will jetzt nicht über unser Zeitalter
Abgesänge abstimmen aber die
Neigung zu BDSM hat auf eine
Erstaunliche Art zugenommen

Dies nicht erst seit dem grauenvoll 
Schlechten Buch fifty shades das
Keines Wortes wert ist sondern im
Geist der Menschen seit Jahren

Er wurde zur Massenpsychose doch
Sollte daran erinnert werden dass 
Hochkulturen in später Phase eine
Neigung zur Perversion noch hätten 

In aller Kultur stecke nach Friedell 
Ein Stück an Perversion weil sie
Das Gegenteil von Natur eben sei
Was auch für die Perücke galt 

Dies zeige sich bei alternden 
Kulturen noch verstärkt weil der
Bereich des normalen erfüllt ist
Die Phantasie will darüber hinaus

Keine der alten Kulturen freute sich
An gesunden Verhältnissen noch
Das alte Rom erinnert besonders
An das Rokoko auch beim Sex

Dafür zitiert Friedell nun als Beispiel
Martial und Juvenal für römische 
Sitten die schon ziemlich locker
Wie lustvoll waren lange Zeit

So schreibt auch Voltaire in der
Verehrungswürdigen Enzyklopädie
In dem Artikel Divorce Scheidung
Diese stamme vermutlich aus der

Gleichen Zeit wie die Ehe aber er
Glaube die Ehe sei einige Wochen
Älter noch was Juvenal über Rom
Nahezu wortgleich schon berichtete 

Auch die Zirkusspiele hätten in den
Öffentlichen Hinrichtungen eine
Entsprechung bis in höchste Kreise 
Gehabt es war halt etwas pervers

So beschreiben zahlreiche der
Augenzeugen die hohen Damen
Gerieten durch die Erregung dabei
Bis zum Orgasmus sogar noch

Spannend ist dabei zu betrachten
Wie die sexuelle Vorliebe von Friedell 
Für kindliche balkanische Huren 
Ihn heute als kriminell diskreditierte

Werden unsere Zeiten also wieder
Moralischer und ist dieser relative
Maßstab je tauglich zur Bewertung 
Der Zukunft einer Hochkultur 

jens tuengerthal 6.3.26





Liebesdauer

Liebesdauer

Auf Dauer wird noch
Alle Liebe ganz sicher
Auch unerträglich 

jens tuengerthal 6.3.26

Kontinuitäten

Kontinuitäten

Immer wieder sind
Kontinuitäten bloß
Wiederholungen

jens tuengerthal 6.3.26

Teetäglich

Teetäglich

Täglicher Tee macht
Leben erträglicher für mich
Als nur Teetrinker

jens tuengerthal 6.3.26

Mehrweniger

Mehrweniger

Trump ist das Gegenteil von
Bescheiden vielmehr ein so
Peinlich wie großmäulig
Auftretender ungebildeter
Primitiver Ami der so billig
Wie seine Leibspeise die
Ekelhaften Hamburger sei
Ist sich die linksintellektuelle
Blase ziemlich sicher die sich
Bewusst vegan ernährt und
Politisch korrekt denkt was
Eine Mehrheit überforderte 
Teils absurde Ergebnisse 
Brachte die nirgendwohin
Nur führen könnten zumindest
Vernünftig betrachtet doch 
Politik ist mehr Gefühl
Denke ich beim Blick
Gen Westen der uns 
So fremd wie Russland
Inzwischen wieder wurde
Das alles ist mir klar aber
Er könnte strategisch klug
Erfolgreich sein und das
Weil er es einfach macht
Putin beschämen und damit
Blamieren und brechen bis
Der letzte Russe merkt 
Vladi ist ein Versager
Die einst rote Armee den
Wiedergänger Stalins erledigt
Der 100.000 Opfer wegen
Verglichen mit Trump ist
Putin ein sowjetischer Looser
Es gefällt mir keineswegs
Aber er scheint einen Plan
Den er verfolgt zu haben 
Bald verliert er vermutlich
Seine Mehrheit in beiden
Häusern dann bleibt bis
Zum Ende eine lame Duck
Schneller als jeder vor ihm
Mehr ist eigentlich nicht

jens tuengerthal 6.3.26


Lusteinfach

Lusteinfach

Lust ist ganz einfach
Sie liegt in unserer Natur
Strebt nach Befriedigung
Folgen wir ihr wird alles gut 
Dazu schenkt sie uns das
Billigste Gefühl der Erfüllung
Das kein Geschenk jemals
Aufwiegen kann unklar nur ist
Ob darum diejenigen die nie
Dabei kommen entsprechend
Mehr Geschenke verdienen
Oder nur erwarten was dann
Wie alle Erwartungen nur 
Enttäuscht werden sollte
Eigentlich sogar muss um
Nicht neue Erwartungen
Durch Ausnahmen zu erzeugen
Aber von dieser partiellen
Impotenz im professionellen
Bereich vorrangig abgesehen
Ist die Lust ziemlich simpel
Nicht nur rein raus natürlich 
Etwas mehr ist zu erwarten
Zumindest verbal denn dabei 
Wird wie mein Großvater so 
Treffend noch sagte das Hirn
Abgeschaltet und hilft schieben
Und es ging am Ende selten 
Um mehr wenn wir uns 
Brunftig stöhnend vereinten 
Nur sagen sollte es keiner um
Das einmalige Erlebnis nicht
Völlig durchschnittlich nur 
Erscheinen zu lassen bleibt
Die Lust immer einfach nur 
Reden sollten wir vorab darüber
Das Gefühl von Interesse zu
Suggerieren was immer weiter
Hilft als alle Technik dabei so
Lehrt tausendfache Erfahrung
Was wir dabei dann wirklich tun
Im Rausch der Lust bewusstlos 
Fast spielt keine Rolle mehr
Wenn das Gefühl stimmt
Dann erst kann alles
Weil nichts mehr muss

jens tuengerthal 6.3.26

Liebeskomplexität

Liebeskomplexität

Liebe ist immer kompliziert
Weil Gefühle am besten noch
Vernünftig passen sollen um
Einander damit gut zu tun 

Also Vernunft und Gefühl in
Ein harmonisches Verhältnis
Gebracht werden müssen um
Ein miteinander zu ermöglichen

Das heißt zwei Gegensätze die
Sich nicht verstehen zu vereinen
Bei Wesen von so verschiedenen
Planeten wie Venus und Mars

Das heißt die Beteiligten sprechen
Völlig verschiedene Sprachen die
Nur leider total gleich klingen aber
Meist das Gegenteil noch bedeuten

Dazu haben sie komplett gegenteilige
Ansätze zur Konfliktlösung nach ihrer
Je Natur mal rational dann wieder 
Völlig emotional unberechenbar

Doch winzig klein scheinen diese 
Probleme verglichen der Komplexität
Der bei Liebe beteiligten Areale der
Gehirne wir wissen nahezu nichts

Haben keine Ahnung was dieses
Komplexe wunderbare Gefühl auslöst
Können nur einige Folgen messen
Aber verstehen nichts vom Ganzen

Klug wäre also angesichts all dieser
Spekulativen Elemente lieber ganz
Die Finger von diesem unsicheren 
Thema künftig zu lassen um lieber

Neutraler Beobachter der eigenen
Gefühle zu sein was eine contra dictio
Also von vornherein unmöglich ganz
Nüchtern betrachtet Unsinn ist

Dennoch funktioniert es manchmal
Hält sich das Gerücht einer realen
Möglichkeit die Liebe zu leben so
Unvernünftig es klingen mag

Jeder kennt irgendwen der davon
Berichtet wie sie tatsächlich völlig
Glücklich waren bis der Tod sie
Schied was selten glücklich endet

Im Gegenteil leiden diejenigen die
Unglücklich verlassen sich durch
Den Tod fühlen unmäßig an der
Sonst so herrlichen Einsamkeit

Es gibt also wenig vernünftige
Gründe auf die Liebe zu vertrauen
Aber unschlagbar schöne emotionale 
Den Unsinn dennoch zu wagen

Dies ist nur ein winziger Aspekt
Der von der Liebe bewegten so 
Großen Emotionen die wir nicht
Annähernd bisher erklären können

Lasse es darum und gestehe lieber
Das ich es wie überhaupt nichts
Verstehe und füge mich einfach
Den so komplexen Gefühlen was

Am Ende am vernünftigsten scheint
Die real höchste Erfolgsquote hat
Weil noch keiner die Liebe so ganz
Verstand also Gefühl immer noch 

Wenn am ehesten richtig lag dabei 
Nur vernünftig ist und wird das
Ganze damit auch nicht aber egal
Wenn es sich so geil dafür anfühlt

Etwas zu begegnen was komplexer 
Ist als alles was ich denken kann
Noch dazu mindestens mal zwei
Nach Anzahl der Teilnehmer noch

Ist eine riesige Herausforderung
Der wir vermutlich am ehesten mit
Völlig dreister Irrationalität begegnen
Weil verstehen kann das keiner mehr

jens tuengerthal 6.3.26

Donnerstag, 5. März 2026

Versgedanken VI

Versgedanken VI

Seine Tochter meint Montaigne in
Seinen Gedanken zu einigen Versen
Von Vergil die ich hier in Verse bringe
Sei in dem Alter in dem sie gesetzlich

Wohl heiraten dürfte aber sie sei von 
So zarter Konstitution dass sie von
Ihrer Mutter privat erzogen wurde und
Beginnt erst die Naivität abzulegen 

Als sie ihm neulich aus einem Buch
Vorlas kam dort das Wort fouteau vor
Was provenzalisch Buche hieße aber 
Wie foutre also ficken klingen könnte

Sogleich fuhr ihre Gouvernante sehr
Schroff dazwischen und hieß sie die
Vermeintlich schlüpfrige Stelle lieber
Überspringen weil sie gefährlich sei 

Er ließ sie gewähren um nicht gegen
Die weibliche Erziehung zu verstoßen 
Denn damit gebe er sich nicht ab sie
Ginge wunderliche ihm verschlossene

Wege die er deshalb den Frauen
Selbst überlassen müsse aber auch
Der Umgang mit 20 Lakaien hätte der
Tochter den Begriff nicht noch näher 

Bringen können als dieser Verweis
Durch die gute Alte meint er und
Zitiert dazu passende Verse nach
Denen die Jungfrau schon als Kind

Lerne mit welcher Kunst sie einen
Mann gewinnen könne denn das sei
Worauf die Frau von klein auf sinnt
Eine sehr gewagte These denk ich

Bin Frauen begegnet die sagten
Schon als Kind immer Lust gehabt
Zu haben und sich darum streichelten
Andere sagten dies läge ihnen fern

Selbst hatte ich schon als Knabe
Ohne bereits über die dazu nötigen 
Gerätschaften zu verfügen große 
Lust gehabt Frauen zu berühren

Sie zu erforschen wie ihnen nah 
Dabei möglichst auch zu kommen
Ohne die emotionalen Folgen für
Den inneren Frieden zu bedenken

Es gab Frauen die gleiches auch
Von sich sagten und mit einigen
Probierte ich es auf kindliche Art
Anderen lag dies dagegen fern 

So mag es Frauen geben die schon
Als Kind auf nichts anderes sinnen
Anderen dagegen liegt es eher fern
Generelle Aussagen verbieten sich 

Lasst doch meint Montaigne Frauen
Alle Formen etwas lockern und kein
Blatt vor den Mund nehmen ihr würdet
Merken dass wir mit unserem Wissen 

Verglichen Kinder sind  hört euch an 
Wie sie über Nachstellungen reden
Wird euch klar dass wir ihnen nichts
Mitteilen können was sie nicht schon

Vorher bewusst verstanden hätten 
Ob sie im früheren Leben wie Platon
Meint Lotterbuben gewesen sein denn
Dieser hielt die erste Bestrafung für

Einen lasterhaften Mann nach seinem
Tod sei eine Frau zu werden und falls
Immer noch nicht geläutert ein Tier
Was mir wieder deutlich macht warum

Platon mir immer zuwider war mit
Seinen autoritären Vorstellungen wie 
Mehr mit seinem Bild von Frauen
Das Montaigne hier nur zitiert

Einmal hätte er erzählt Montaigne nun
Unbemerkt dem Gespräch der Damen
Lauschen dürfen und hätte gedacht
All unsere Lektüre zur Kunst der Liebe

Von Boccaccio oder Aretino mit der
Wir als Fachmänner gelten wollen sei
Müßig es gäbe nichts dabei über was
Frauen nicht besser Bescheid wissen

So sei die Liebeskunst ihnen schon
Angeboren zitiert dazu den Vers
Der Venus Glut sei in ihrem Blut
Sie brauchen nichts zu lernen mehr

Sie bringen das Feuer selbst hervor
Würde die natürliche Heftigkeit ihres
Begehrens nicht durch die ihnen 
Eingeredete Angst vor Ehrverlust

Im Zaum gehalten wären sie schon
Bloßgestellt meint Montaigne weil
Die Bewegung der ganzen Welt auf
Die Paarung stets nur hinausliefe

Alles sei von der Begierde danach
Durchdrungen sie sei der Mittelpunkt
Nach dem sich alles richtet es ginge 
Doch immer nur um das eine Sex

Es gäbe noch Anweisungen für den
Liebesdienst aus dem alten weisen
Rom ebenso die Vorschriften des 
Sokrates zur Unterrichtung der Huren

Zenon regelte sogar die Öffnungs-
Wie Stoßarten der Entjungferung
Worüber schrieb wohl Straton im
Buch über die fleischlichen Lüste

Wovon handelt Theophrast in seinen 
Schriften Der Liebhaber und Von der
Liebe wie Aristippos im Werk über die
Liebesfreuden der Altvorderen noch

Worum ginge es Platon mit seiner
Weitläufigen lebhaften Beschreibung 
Der gewagtesten Liebeshändel aus 
Seiner Zeit und es folgen noch einige

Die Aufzählung all der Philosophen
Welche der lustbejahenden Schule
Des Epikur folgen spart er sich sie 
Alle behandelten den Sex geistig

Fünfzig Gottheiten wären früher
Für die Liebe zuständig gewesen
Es hätte Völker gegeben die um
Die Wollust im Gottesdienst noch

Etwas zu dämpfen Jungen und
Mädchen bereithielten es wäre ein
Feierlicher Akt gewesen sie vor dem
Kult noch zu genießen wozu er

Wieder Verse zitiert nach denen die
Enthaltsamkeit der Unenthaltsamkeit
Bedürfe da ein Brand nur mit Feuer
Wirkungsvoll gelöscht werden könne

So hätten die meisten Völker noch
Das männliche Glied zur Gottheit
Erhoben und manche enthäuteten es
Und brachten die Haut als Opfer dar

Andere opferten ihren Samen auch
Die Götter zu versöhnen bei einigen
Durchbohrten es sich junge Männer
Mit Pflöcken zum Beweis ihrer großen

Tapferkeit und wer das nicht aushielt
Galt als nicht tugendhaft genug noch
Andere verehrten ihre höchsten
Beamten nach der Maßgabe ihrer

Geschlechtsteile und zahlreiche
Nachbildungen wurden zur Verehrung
Mit sich herumgetragen egal welchem 
Zweck diese sonst noch dienten

Ägyptische Frauen schmückten sich
Zu den Bachhanalien mit hölzernen
Penissen prachtvoll und so schwer
Wie sie es verkraften konnten dabei

Die Statue ihres Gottes stellte sogar 
Einen zur Schau dessen Ausmaße
Die des Körpers noch übertrafen
Auch hier gäbe es solche Sitten

Unverheiratete Frauen formen aus
Ihren Kopftüchern einen Penis über
Ihrer Stirn um so den Genuss zu
Rühmen den das Original böte

Sobald aber verwitwet schieben sie
Das Abbild nach hinten wo sie es
Unter ihrem Haar versteckten was
An die Dirndlschleifen erinnert

In Rom brachten tugendhafte Mütter 
Gott Priapus Blumen und Kränze
Dieser war ein Fruchtbarkeitsgott
Mit übertrieben großen Phallus

Jungfrauen sollten sich bei den
Hochzeiten auf dessen unanständige
Teile hocken er fragt sich ob die Mode
Männern dies betonende Beutel vorn 

Auf die Hosen zu nähen nicht einem 
Ähnlichem Zweck dienten zumal wo
Sie die Größe manipulativ dabei
Vergrößerten und vorspielten

Er möchte jedoch glauben dass dies
Weniger der Täuschung als der
Verhinderung diente jeder Mann solle 
Der Welt zeigen wie er ausgerüstet

Früher wollten sie die Größe genau
Kennen wie wir heute Arme oder
Füße genau vermessen würden 
Was eine lustige These wieder ist

Derjenige der alle Statuen in einer
Großen Stadt kastrierte darunter auch
Viele schöne alte damit die Augen
Daran keinen Anstoß nehmen

Hätte besser bedacht dass er dadurch
Nichts ausrichten kann wenn er nicht
Auch die Menschen alle kastrierte wie
Einige es lange Zeit noch taten

Platon sagte die Götter hätten uns
Mit einem aufsässigen tyrannischen
Glied ausgestattet das wie ein Tier
Sich alles Untertan machen wolle 

Wie die Frauen mit einem gefräßigen
Unersättlichen Tier das keinerlei
Aufschub der Fütterung dulde und 
Alles verschlinge falls diese nicht

Rechtzeitig erfolge völlig außer sich
Gerate dies würde ihren ganzen
Körper durchdringen verursache so
Tausenderlei Krankheiten die so 

Lange anhielten bis das Tier den
Erguss der unseren gemeinsamen 
Trieb befriedigt eingesogen und den
Schoss damit reichlich getränkt hat

Der Sittenrichter der die Schwänze
Alle abschlug hätte bedenken sollen 
Dass es züchtiger und erfolgreicher
Wäre Frauen lieber beizeiten mit dem 

Wahren Wesen der Sache bekannt
Zu machen statt es nach Maßgabe
Ihrer erhitzten Phantasie erraten zu
Müssen was nur dazu verführe sich

Unsere Geschlechtsteile dreimal
Größer vorzustellen stellen als sie
In Wirklichkeit sind was alle nur
Frustrieren und enttäuschen kann

So hätte ein Bekannter von ihm
Verlorenes Spiel gehabt weil er 
Seine sehen ließ ehe sie für ihre
Wichtigste Verwendung gerüstet

Welch schädliche Vorstellung würden 
Die maßlosen Gebilde wecken die
Jugendliche Pagen in alle Gänge 
Königlicher Paläste noch malten

Von daher rühre die die maßlose
Verachtung und Enttäuschung mit
Denen Frauen unserem Gemächte
Begegneten was alle frustriere

Womöglich hat Platon im Hinblick
Daraufhin befohlen dass Männer
Und Frauen jeden Alters völlig nackt 
Sich beim Turnen zeigen sollten 

Auch Indianerinnen sahen ihre
Männer alle vorher unverpackt
Was zumindest den Gesichtssinne
Abkühle Enttäuschung verhindere

Eine sehr weise Bemerkung die auch
Aus heutiger Praxis bestätigt werden
Kann FKK oder Sauna machen uns 
Weniger geil als bloß natürlich noch

Ob wir noch die Zeiten erleben in
Denen verlogen prüde Amis oder
Südländische Katholiken dies noch
Verstehen werden bleibt unklar

Genau wie die Frage ob sie nicht
Dadurch den Reiz nur erhöhen 
Wollten dass sie verbargen was 
Offen gezeigt nur Natur noch wäre

Zumindest habe ich nie erlebt dass
Mit Verklemmten irgendwas dabei
Je gut wurde es scheint nur reizvoll
Um dafür sicher zu enttäuschen

jens tuengerthal 5.3.26


Lektürentagebuch 5.3.26

Lektürentagebuch 5.3.26

Gestern Abend und heute morgen
Schon etwas Henry Miller auf dem
Klo gelesen wo er gut hin passt mit 
Der Engel ist mein Wasserzeichen

Vor Wochen schon im kleinen Band
Immer mal eine Seite gelesen aber
Nie längere Sitzungen abgehalten
Mit der Scheißhauslektüre bisher

Munter erzählte er wie er mit dem
Rad die Seine entlang fuhr sich
Irgendwann entschloss noch etwas
Essen zu gehen was günstig war

All das schien mir noch nicht weiter
Berichtenswert war nur locker halt 
Geplaudert im Ami Stil halt der gern
Besonders cool bei allem dazu tut 

Doch dann kam der Moment der mich
Wie eine Wende an das Buch fesselte 
Als er plötzlich erzählt wie er gerade
Durch Saint Cloud radelte als er

Plötzlich pissen musste wie so etwas
Eben gelegentlich vorkommt aber
Auch nicht weiter berichtenswert wäre
Wenn die Verbindung nicht doppelt

Wichtig für mich plötzlich wurde der
Wie Henry manchmal dringend muss
Was schon schlimmer war aber im
Alter nun gewiss zunehmen wird

Dank wochenlanger Bewusstlosigkeit
Nach einem schweren Unfall 1987
Was bald schon 40 Jahre her ist
Hatte ich mal einen Blasenkatheter 

Dann musst du halt pissen egal
Ob du willst und das toll findest
Wie Henry mit seinem Engel als
Zeichen zum Wasserlassen

Der beschreibt sehr liebevoll wie er
Die öffentliche Bedürfnisanstalt zum
Pissen betrat vorher noch sein Rad
Am Gestell davor parkte und das

Alles am Fuß des Hügels auf dem
Saint Cloud bis zur Seine hinab liegt
Den ich gut kenne weil da oben die
Erste Verlobte von mir einst wohnte 

Sie in dem kleinen Schloss dort
Das einen befreundeten Baron XY
Gehörte in dem während der
Deutschen Besatzung noch die 

Gestapo ihr Hauptquartier hatte
Direkt nebenan wohnte Le Pen
Der mit seiner Tochter gerne im 
Garten spazieren ging aber vom

Fenster meiner Prinzessin aus
Schauten wir zum Eifelturm wie
Auf Montmartre im Hintergrund
War alles sehr romantisch noch

An diese bildschöne Prinzessin
Aus bestem Hause die dort bei
Einem Freund noch lebte dachte ich 
Als Henry vom pissen dort schrieb

Auch er wurde dabei beobachtet
Von einer schönen Dame oben
Am Fenster wobei leider unklar
Noch blieb wieviel sie dabei sah

Konnte sie jenen sagenhaften
Johnny Thursday vom dem Henry 
Auch in seinem Opus Pistorum
So lustvoll schwärmte sehen

Das bleibt an dieser Stelle noch
Offen auch war Henry Miller erst
In den Dreißigern länger in Paris
Als Franz Hessel in Berlin lebte 

Auch in Berlin hatten wir noch einige
Dieser wunderschön dunkelgrün
Gestrichenen Bedürfnisanstalten
Bis die überall Kuben auftauchten

Diese mögen insbesondere für die
Damen und alle sonst ohne Schwanz
Technische Vorteile wohl haben doch 
Ästhetisch fallen sie deutlich ab 

Als wäre beim pissen um es mit Henry
Im Wortlaut zu sagen weniger mal
Nicht mehr denke ich und muss
Schon wieder darüber lachen

Ist es schon sinnlich beim pissen
Von einer schönen Frau beobachtet
Zu werden fragt nur wer es nicht gut
Kennt denke ich heimlich lächelnd

Zu sinnlich aber sollte sie nicht sein
Weil sonst die Erregung statt der doch 
Nötigen Entspannung die erst alles 
Fließen lässt eintritt und so störte 

Ein weites Feld vermutlich hätte
Fontane dazu gesagt aber nicht
Der alte Baron zu Effi darüber wurde 
Damals eher noch nicht geredet

Henry stand dabei aufrecht und 
Hockte sich nicht wie eine Frau
Zum pissen verschämt hin sondern
Blickte ihr lieber ins Gesicht

Das alles bei Saint Cloud wo ich einst
Aber lassen wir das Henry ist noch
Am Fuß des Hügels am Ufer der 
Seine wir aber lebten ganz oben

Das ist nun lange Geschichte lebe
Wieder auf dem Berg nur in Berlin
Inzwischen über ein Vierteljahrhundert
Was eigene Geschichten schrieb 

Aber Henry Miller ist nicht schlecht 
Ami halt und tut gerne cool auch
Wenn das meist peinlich endet nur 
Gut darüber gesprochen zu haben 

Vom pissen an der Seine wie den 
Sonst Geschichten von dort wo 
Sie gerne von Liebe und Lust reden 
Aber am Ende auch alle müssen

Im zweiten Kapitel des Buches von
Michel Bergmann über die beiden
Brüder Moritz und Alfred Kleefeld 
Mit dem Titel Herr Klee und Herr Feld

Erfahren wir mehr über das sonst
Soziale Leben der Brüder wie der
Hausarzt von Moritz der nun auch
Der von Alfred war dafür sorgte 

Dieser war ein gemeinsamer Freund
Noch aus Kindertagen der von vielen 
Der Freunde und Bekannten aus der
Jüdischen Gemeinde mehr wusste

Wohin sie heirateten und womit sie
Ihr gutes Geld verdienten organisierte
Sogar ein Treffen mit allen Bekannten 
Die überhaupt noch erreichbar waren 

Alfred hatte gehofft als Schauspieler 
Im Mittelpunkt des Interesses dabei
Zu stehen was eine Täuschung war
Vielmehr hatten sie nur gefragt was

Er in seinen Filmen verdiente und
Als er deutlich übertrieben schon log
Nur gemeint so wenig nur dann 
Verkaufe er sich wohl zu schlecht

Alfred beschloss dies sei das letzte
Solcher Treffen gewesen dafür gab
Es eine Witwe in der Nachbarschaft
Die Mitte der fünfziger wohl war

Sie sorgte für viel Charity in der
Gemeinde und war sehr um Moritz
Bemüht angeblich wäre sie ja die
Beste Freundin seiner Frau gewesen

Einmal lud sie beide Brüder ein
Sie hatte eine Cousine auf Tel Aviv 
Zu Besuch die mit Alfred flirtete sie
Betrieb eine Pension im Westend

Nach diesem Abend bietet sie an
Die Brüder heimzufahren weil es
Etwas regnet was diese erfrischend
Nennen aber Moritz erkältet sich 

Nettes Geplauder aus dem Leben
Zweier älterer Herren die eng mit
Der jüdischen Gemeinde in Frankfurt
Noch verbunden waren ist es

Diesmal mit deutlich weniger Tempo
Auch die Ballung der Ereignisse
Nahm etwas ab aber es blieb noch
Ironisch und jüdisch humorvoll

Eine Mischung aus Frankfurter Kishon
Mit Anklängen von Amos Oz wobei 
Manch gut gedachtes auch von der
Nächsten Pointe erschlagen wird 

Das bringt sicher Lacher hat aber
Literarisch was von Schenkenklopfer
Wie das filmische Oeuvre des Autors
Bergmann der auch für Otto schrieb 

Dennoch bleibt es ein liebevoller Blick
Auf zwei Brüder und ihr Alter was mit
Viel Humor schön zu lesen ist noch
Warte ich auf die Palästinenserin


In Gesprungene Liebe noch ein wenig
Vom Bericht von Ulrich Hessel aus
Seiner Kindheit wie Manfred Flügge 
Sie sich vorstellt gelesen was nett war

Es tauchte der Pierre genannte Henri
Roché auf wie der Archäologe Herbert
Also die Protagonisten und Geliebten
Von Helen wobei er Henri direkt lobt

Finde es immer etwas bemüht wenn
Erwachsene Kindergeschichten wie
Deren Erleben beschreiben aber sie
Ergänzen die bekannten Geschichten 

Ob das nun zeigt dass es wirklich so
War oder die Erinnerung einfach nur
Voneinander abschrieb um ihr Leben
Mit dem Roman zu synchronisieren

Bleibt dabei so unklar wie manche
Geschichten um Hessels ihre Kinder
Wie die Geliebten von Helen doch 
Das Netz webt sich immer enger

Beschrieben wird Kindheit in Bayern
Kindliches Erleben des Hauses was 
Relativ gelungen mir erscheint wie
Der Blick auf die Erwachsenenwelt

Die Erfahrung von Angst und Strafe
Aber auch die Umkehrung wenn die 
Erwachsenen einen plötzlich ernst
Nehmen und sogar noch verteidigen

Dies tat Helen gegenüber Ulrich vor
Der bayerischen Lehrerin die ihn zu
Unrecht bestraft hatte aus seiner wie
Aus ihrer Sicht wohl auch noch

Damit erhält eine Geschichte große
Bedeutung die Erwachsenen wohl
Schon längst wieder vergaßen aber
Helen nahm ihre Kinder ernst

Interessant auch die Geschichte
Über Kadi also Stéphane Hessel
Den Helen verprügelte als er den
Plattenspieler beschädigte und

Das war wohl der Grund ihres
Zorns darüber log so dass Helen
Robert beschuldigte der beleidigt
Darauf weggefahren wäre

Helens hoher Sinn für Gerechtigkeit
Die sogar den jüngsten Sohn den 
Späteren Diplomaten und Kämpfer
Der Résistance verprügeln ließ 

Ihr impulsiver Charakter gemischt
Mit einem preußischen Sinn für 
Gerechtigkeit waren gewiss eine
Immer wieder explosive Mischung

jens tuengerthal 5.3.26

Liebesfrieden

Liebesfrieden

Liebe ist Frieden
Völlig unrealistisch
Zwischen Geschlechtern

jens tuengerthal 5.3.26

Bücherfrieden

Bücherfrieden

Zwischen Büchern herrscht
Vollkommener Frieden was
Besser zum Lesen

jens tuengerthal 5.3.26

Morgentee

Morgentee

Morgentee genügt
Ohne weitere Worte
Stille genießen

jens tuengerthal 5.3.26

Mittwoch, 4. März 2026

Versgedanken IV

Versgedanken IV

Weiter geht es mit den Gedanken
Zu einigen Versen von Vergil über 
Die Montaigne im gleichnamigen
Essay so wunderbar schreibt 

Von sich aus hätte Montaigne sogar
Der Weisheit die Ehe ausgeschlagen
Weil ihm jeder Zwang zuwider ist da
Er für so etwas nicht geeignet sei

Doch was immer er auch daherrede
Sitte und Brauch führten uns im 
Gewöhnlichen Leben doch am
Gängelband in den meisten Fällen

Er folgte dem vorgehaltenen Beispiel
Nicht dem freien Willen so hätte er 
Sich eigentlich nicht zur Ehe selbst
Entschlossen sondern wurde mehr

Hineingeführt es wären äußere 
Anstöße gewesen die ihn erst dazu
Bestimmten nicht nur unbequeme
Dinge können unter Umständen

Bei gewissen Bedingungen uns 
Abnehmbar werden weil der Mensch
Doch auf wackligen Füßen stände
Ist die Freiheit eine relative Größe

So wäre er als er zur Ehe bestimmt
Wurde dafür schlechter gerüstet noch
Gewesen und mit mehr Widerwillen
Als heute wo er es probiert hätte 

Für wie zügellos er auch gehalten
Würde befolge er die Gesetze der
Ehe strenger als er erwartet hätte 
Sogar als er es versprochen hat

Die Zeit sich dagegen aufzulehnen
Sei vorbei wenn du dir erstmal die
Ketten hast anlegen lassen denn 
Wer sich beugt solle seine Pflicht

Erfüllen statt darüber zu jammern
Ungerecht seien jene die diesen 
Handel nur eingingen um sich
Hinterher darüber zu beschweren

Sie machten ihr Leben nur schwer
Noch ungerechter aber sei jene 
Lebensregel die Frauen sich wie
Einen Orakelspruch heilig halten

“Diene deinem Mann als Obrigkeit
Misstrau dem Schurken aber jederzeit" 

Hieße es doch benimm dich mit
Geheuchelter argwöhnischer ja
Feindseliger Ehrerbietung was eher
Einer Kriegserklärung mehr gliche 

Er sei nicht gewieft genug nur das
Für billig zu halten was ihm so scheint
Bloß weil er des Aberglauben Feind
Verfalle er nicht dem Unglauben

Auch wer nicht immer seine Pflicht tut
Sollte sie wenigstens anerkennen so
Sei es Untreue eine Frau zu ehelichen
Ohne sich mit ihr zu verheiraten

Eine spannende These die viel Raum
Für Interpretationen noch lässt die 
Das miteinander erträglicher machen
Als Pflichterfüllung die Freude macht

Vergil stellte die Ehe als eine voller
Eintracht und gutem Einvernehmen 
Dar in der trotzdem nicht viel Treue
Herrsche was will er damit sagen

Sei es möglich dem Liebestrieb auch
Außerehelich zu frönen und dennoch
Ehelichen Pflichten nachzukommen 
Die Ehe knicken ohne sie zu brechen

Es zweige auch mancher Knecht
Manches vom Gut seines Herren 
Für sich ab ohne dass er darum
Eine Abneigung gegen ihn hätte

So könne Schönheit Gelegenheit
Auch Schicksal eine Frau zu einem
Anderen hinziehen ohne darum die
Verbundenheit zu ihrem Mann gleich

Völlig zu verlieren da Liebe und Ehe
Vorhaben sind die zwei verschiedene
Wege gehen sie kann sich einem 
Hingeben ohne ihn heiraten zu wollen 

Dies nicht nicht nur des Vermögens
Wegen sondern vielleicht auch seiner
Inneren Werte wegen wäre denn wer
Mit ihnen betrügt ihnen jemals treu 

Es gäbe wenige Männer die ihre
Geliebte heirateten und es nicht
Danach bereuten und das sogar
Bis ins Jenseits hinein noch

Welch missmutige Ehe führte etwa 
Jupiter mit der Frau die er vorher
Noch so draufgängerisch selbst
Umbuhlt hätte das nenne er

“In einen Hut scheißen und ihn sich dann aufsetzen" 

Er habe erlebt wie in einem ganz 
Ehrbaren Haus der Ehe die Liebe
Mit Schimpf und Schande noch 
Ausgetrieben wurde einfach weil

Ihre Beweggründe zu verschieden
Sind getrennt könnten wir beiden 
Die so voneinander abweichen 
Ohne Schwierigkeiten huldigen 

Isokrates sagte Athen gefalle auf
Die Art wie Damen denen du 
Minnedienst leistest jeder liebe es 
Sie zu besuchen zum flanieren 

Eine Zeit dort zu verbringen aber
Niemand liebe sie derart sich dort
Niederzulassen sie zu ehelichen
Um sich immer dort anzusiedeln

Mit Befremden hätte er so manche
Ehemänner ihre Frau hassen sehen
Weil er ihr untreu war so sollten wir
Die Frauen nicht unserer Verfehlung

Wegen weniger lieben sondern sie
Aus Reue und Mitgefühl nur desto
Höher schätzen so könnte dies eher
Manche Ehe wohl noch retten

Vergil wollte sagen dass Ehe und
Liebe zwar unterschiedliche Ziele 
Verfolgten aber doch nebeneinander 
Bestehen könnten nach ihrer je Art 

Die Ehe habe den Nutzen der
Rechtmäßigkeit das Ansehen wie 
Die Beständigkeit für sich sei ein
Fades aber umfassendes Vergnügen

Dagegen gründe die Liebe allein
Auf Lust weshalb sie uns heftiger 
Wie zweifellos lebhafter kitzelt sie
Wird durch Schwierigkeiten entfacht

So müsse sie brennen und stechen
Wen Amors Pfeil nicht mehr entflammt
Habe ausgespielt die Zuneigung wie 
Das Begehren stumpfen ab wenn

Frauen in der Ehe zu ausgiebig
Ihren Männern zur Verfügung stünden
Welch Mühe gäben sich Platon und
Lykurg dies gesetzlich zu verhindern

Nichts anderes will vermutlich auch
Die katholische Kirche mit ihrer so
Absurden Sexualmoral die damit den 
Reiz auf Dauer nur erhalten soll 

Frauen lehnten zurecht die von 
Männern eingeführten Sittengesetze
Ab da sie ohne ihre Mitwirkung
Entstanden wären warum es nur 

Natürlich sei dass es zwischen
Männern und Frauen Reibereien 
Gäbe selbst wenn in vielem einig
Bleibt es stets turbulent und stürmisch 

Nach Auffassung von Vergil liege das
Daran dass wir sie völlig widersinnig
Behandelten angesichts der nun
Folgenden Tatsachen insbesondere

Sie sind im Lieben unvergleichlich
Fähiger als wir was schon ein Priester
Der Antike bezeugte der erst Frau und
Dann Mann auf beiderlei Art liebte 

Montaigne berichtet nun von dem
Kaiserpaar das meisterlich darin war
Er entjungerte zehn gefangene
Mädchen allein in einer Nacht

Sie dagegen öffnete 25 Männern 
Tür und Tor und wechselte sie nach
Bedarf und Begehr zuletzt erschöpft
Zwar aber voll vom Schaume blieb 

Unersättlich ihre heiße Pflaume
Zitiert Montaigne den Dichter hier
Als weiteres Beispiel berichtet er
Von einer Frau aus Katalonien

Die sich über die zu heftigen
Liebesattacken ihres Mannes
Beschwerte jedoch nicht wie er
Glaubt weil sie sich wirklich

Dadurch belästigt fühlte denn an 
Wunder glaube er in Glaubensfragen 
Allein als um die Herrschaft der 
Männer hierbei zu beschneiden 

Dies auch in dem Akt der das
Fundament der Ehe bilde damit zeige 
Dass Frau vor nichts halt mache
Sogar die Wonne der Lust zertrampelt

Er brachte dagegen vor dass er auch
An Fastentagen mindestens zehnmal 
Bräuchte was Montaigne entartet gar 
Viehisch nennt worüber dann die

Königin von Aragon bemerkenswert 
Urteilte nach reiflicher Beratung im
Staatsrat und festlegte in einer Ehe
Sei der gebotenen Zurückhaltung

Wie Mäßigung wegen sechsmal Sex 
Genug für einen Tag damit aber habe
Sie Bedarf und Begehr ihres eigenen
Geschlecht unberücksichtigt gelassen 

Gar geopfert um Maß zu halten das
Bequem und ständig eingehalten
Werden könnte worauf die Gelehrten
Fragten wie groß wohl das weibliche

Begehren wirklich ist wenn diese hohe
Zahl schon als Mäßigung galt dabei 
Hätte Solon schon es auf dreimal
Begrenzt Männer nicht zu erschöpfen

Nun wo wir all das wissen und die
Natürliche Begehr der Frauen kennen 
Verordnen wir dennoch den Damen
Unter Strafdrohung Enthaltsamkeit 

Keine Leidenschaft sei größer und
Dennoch sollen die Frauen ihr 
Widerstehen wie dem schlimmsten
Aller Frevel schlimmer noch als

Ketzerei oder Vatermord wir Männer
Aber geben uns ihr ohne alle eigenen
Schuldgefühle hin von Frauen aber 
Verlangten wir noch Keuschheit

So wollten wir sie meint Montaigne
Sie heiß und kalt zugleich die Ehe
Wie wir sie führen ist kaum dazu
Geeignet diese Glut zu dämpfen

Das Glied des Mannes für das sie 
Teuer bezahlte gehört längst ihr 
So wurde dem Philosophen Polemon 
Der Prozess von seiner Frau gemacht

Weil er seinen Samen auf einem
Unfruchtbaren Acker verströmte
Der in ihren fruchtbaren Schoss
Doch viel eher noch gehörte

Von Kindheit an gäben wir dem
Weiblichen Geschlecht das ganze
Rüstzeug der Liebe aber sie sollen 
Dies bitte nur keusch benutzen

Ob sich an diesen Beobachtungen 
Aus dem 16. Jahrhundert das sich
Noch auf die Antike bezieht je
Etwas geändert hätte ist fraglich

Angeblich sind wir gleichberechtigt
Aber die Spiele und Erwartungen
Sind heute noch die gleichen was 
An unserer Natur auch liegen könnte 

Den Geschlechtsverkehr vollziehen
Wir noch wie in der Steinzeit auch
Die Natur unserer Gefühle ist die
Selbe noch wie zu allen Zeiten 

Der Mann muss sich zumindest
Teilweise dazu aufrichten und ist
Davon bald schon ganz erschöpft
Die Frau dagegen kann immer noch

Interessanterweise bestätigte was 
Montaigne damals dachte auch die
Neurologische Forschung zum
Weiblichen Nervus Pudendus 

Die weibliche Potenz ist danach
Der männlichen nicht nur im Alter
Weit überlegen er ist nach seiner
Natur nur ein Schwächling verglichen 

Vielleicht könnte es manches noch
Verändern einschließlich des 
Männlichen Balzgehabes wenn
Wir uns das bewusster machen

Männer könnten sich bemühen
Frauen wirklich zu befriedigen 
Auf welche Art wo auch immer
Statt mit Schwänzen zu protzen

Was dem Kult um die automobile
Schwanzverlängerung endlich
Erledigte für echte Lust nach der
Wir nach unserer Natur auch streben 

jens tuengerthal 4.3.26


Lektürentagebuch 4.3.26

Lektürentagebuch 4.3.26

Im 9. Brief von Gilbert White an 
Thomas Pennant Esquire aus der
Erkundung von Selborne scheint es 
Erstmal um Klatsch nur zu gehen 

Erfahre näheres zum Besitz des 
Wolmer Forest und verschwistertes
Alles Holt die von der Krone zeitweise
Verliehenes Privileg sind wer es hatte

Das eine der Brigadegenel Howe und
Seine Gattin Ruperta die wiederum 
Eine Tochter von Prinz Ruprecht von 
Der Pfalz also aus Heidelberg wohl

Allerdings war sie eine uneheliche 
Tochter was immer uns das über die 
Beschaffenheit des Waldes und die
Moralischen Zustände in ihm lehrt

Zumindest konnten die unehelichen
Töchter britischer Generäle heiraten
Sofern diese kurpfälzische Prinzen
Zum Vater noch irgendwo hatten

Mit Margaret Hughs sowie noch ein
Mister Mordaunt aus Peterborough 
Der die verwitwete Lady Pembroke 
Heiratete und ihre Sohn Lord Stawel

Tauchen die ach so britischen Namen 
Des anderen königlichen Privileg für 
Die Wälder nahe Selborne auf die
Uns noch weiter beschäftigen

Während ich das las musste ich an
Die Bremer Großmutter denken die 
Als junges Mädchen in England noch
Lebte und einige der Ladys kannte

Von der erbte meine Mutter einen
Pembroke Table der klappbar ist
So zu unterschiedlichem Einsatz
Im Haushalt meiner Mutter kommt

Welche Geschichten hätte sie wohl
Zu diesen Familien erzählt die sie
Vermutlich dem Namen nach kannte
Von ihren Touren mit den Ladies

Den Pensionsfreundinnen aus dem
Hause Nelson den Nachbarn noch
Der jungen Elizabeth Windsor die
Sie als Kind im Garten schaukelte 

Ob sie Gilbert White gelesen hatte
Der sicher in Nelsons Bibliothek stand
Vermutlich eher nicht denke ich aber
Wer weiß sie konnte überraschen 

Die Gemahlin von General Howe
Erreichte ein hohes Alter überlebte
Ihren Mann um Jahre hinterließ eine
Sammlung mechanischer Objekte 

Diese interessanten Dinge hatte
Einst ihr Vater konstruiert der sowohl
Angesehener Mechaniker Künstler
Wie ein Kriegsheld noch war

Darunter befand sich eine äußerst
Komplizierte Uhr die neuerdings im
Besitz von Mister Elmer aus Farnham 
In Surrey wäre dem dort gefeierten

Maler von Jagdszenen was uns viel
Über die beiden Wälder nun verrät
Doch kommt er einen Absatz später
Vom englischen Tratsch zur Sache

Die beiden Gebiete seien obwohl
Nur durch einen schmalen Streifen
Land getrennt völlig verschieden
Wie es mehr kaum je sein könnte

Der Holt bestünde aus dickem eher
Schlammigen Lehm mit gut Torf auf
Dem die Eichen prächtig wachsen
Die zu langen starken Bretter würden 

Während Wollmer sandige Wüste sei 
Der Holt messe etwa zwei Meilen von
Norden nach Süden wie westöstlich
Habe Wälder Wiesen und Landhaus

Dieses große Haus sei zugleich
Der Wohnsitz der mit dem Privileg
Beliehenen erstaunlicherweise würde 
Wild zwischen beiden nie wechseln 

Derzeit sei der Wildbestand im Holt 
Durch Wilderer stark ausgedünnt die
Keine Drohung verscheuchen kann
Das Jagdfieber scheint angeboren

General Howe hätte einmal deutsche 
Wildschweine Sauen und Büffel in
Seinem Wald ausgewildert doch die
Gegend wehrte sich und tötete sie

In diesem Frühling also 1784 sei eine
Große Partie von 1000 Eichen im Holt 
Geschlagen wovon angeblich ⅕ dem
Privilegierten Lord Stawel gehörten 

Er beanspruchte auch noch das
Abgeschlagene Astwerk aber die
Armen der Gemeinden behaupteten
Es gehöre ihnen und holten es sich 

So hätten sie mit einem Wagen ganze
40 Klafter Holz sich geholt und seine
Lordschaft klagte daraufhin gegen
48 der Holzdiebe noch immer

Geschlagen wurde das Holz im Winter
Also Februar bis März solange die 
Bäume noch nicht im Saft standen
Was ein mir bekannter Ausdruck ist

Heute wären die Wasserwege die
Zum Abtransport nötig sind auch
Viel näher noch als früher da waren
Es zur Themse 18 Meilen noch

Ein Weg der mit Holzfuhrwerken
Noch sehr aufwendig zu bewältigen
War wurde durch den Ausbau von
Kanälen deutlich erleichtert


Michel Bergmanns Frankfurter Roman
Herr Klee und Herr Feld über die 
Brüder Kleefeld in ihrer Villa im
Frankfurter Westend erreichte mich

Über Umwege meiner Tochter als 
Weihnachtsgeschenk der Frankfurter 
Cousine erst etwas verzögert musste
Dann auch erstmal hier ankommen

Wo kämen wir auch hin wenn alle
Neulinge gleich verschlungen würden 
Ginge es nicht darum mit Büchern
Zusammenzuleben was Zeit braucht

Nun aber das erste Kapitel dieses 
Herrlichen Romans aus jüdischem
Milieu das mit sich hadert natürlich
Begonnen über die zwei Brüder

Die beiden Brüder leben seit dem
Tod der Ehefrau von Moritz dem
Früheren Professor für Psychologie 
In der Westend Villa zusammen

Alfred der andere Bruder war ein
Schauspieler der irgendwann in
Mittelmäßigen Dracula Filmen noch
Mitwirkte nun mietfrei wohnen darf

Moritz der ein Linker war bis die
Linke zu antisemitisch wurde und
Studenten mit Pali-Fetzen um den
Hals vorm jüdischen Professor saßen 

Fand seine linken Ansichten im Alter
Im Judentum wieder und zelebrierte
Darum nun den Schabbes und lebte 
Eine religiöse Light Version dazu

Alfred findet das eher lächerlich
Macht aber als Untermieter des 
Bruders ein wenig ironisch mit
Was sich schon im Äußeren zeigt

Moritz trägt eine Kippa und ganz
Professoral dazu die Strickjacke
Alfred erscheint mit Schabbesdeckel
Wie er seinen dunklen Hut nennt

Dazu trägt er einen bunten Kaftan
Aus Seide und die Brüder geben 
Sich nichts in ihren beständigen
Spitzen die sie aufeinander schießen

Nach dreißig Jahren im Hause
Kleefeld kündigt die Haushälterin
An ihrem 65. Geburtstag unklar
Ob das in Rente gehen heißt

Ihre Tochter hatte zeitweise mit
Im Dachgeschoss gelebt wo
Frau Stöcklein ihre Zimmer hatte
War aber dann etwas abgerutscht

Kommt gelegentlich inzwischen
Voll tätowiert und Mutter von vier
Kindern von drei Männern aus ihrer 
Kommune im Vogelsberg vorbei

Alfred lebte im ständigen Kampf
Mit Frau Stöcklein die aus Nidda
Schon damals kräftig ins Westend
Gekommen war um zu bleiben

Die Geschichte ist rasant komisch
Erzählt gleicht in manchen der 
Dialoge der Brüder eher einer
Komödie im jiddischen Milieu 

Das ist lustig und lädt auch zum
Weiterlesen ein zumal ich auch
Gespannt bin wie es mit der neuen
Palästinensischen Haushälterin wird 

Vertraute Atmosphäre familiärer
Konflikte im bürgerlichen Gewand 
Ein wenig klamaukig schon aber
Auf liebevolle Art schön erzählt

Das jüdische Frankfurt in dem der
Autor auch groß wurde war und ist
Eine eigener kulturelle Welt in der
Uralten Bankenmetropole noch


Noch ein wenig von Frankfurt aus
In die Wunder des Nordens von
Olaus Magnus getaucht wo es um
Die Übersetzungen des Textes ging

Die Erläuterungen zur Karte sind in 
Unterschiedlichen Versionen wohl
Parallel 1539 erschienen und könnten
Aus der Feder Olaus Magnus sein

Was an der Art der Übersetzung 
Für Olaus persönlicher Handschrift 
Spricht und welche Unterschiede
Sich auch inhaltlich zeigen ist eine

Weitere aufregende Geschichte um
Den katholischen Flüchtling aus
Schweden in Venedig die tiefer noch
In seine Schaffensweise blicken lässt

Die Autoren mutmaßen ob ihm die
Drucker oder sonst Venezianer was
Naheliegender ist dabei noch halfen
Die Superlative inflationär machten 

Wie es dir Italiener lieben werden 
Städte als allergrößte oder schönste
In ganz Europa beschrieben was für
Den deutschen Markt weniger taugte

Ob die vielem auch grammatischen
Fehler der deutschen Version mehr
An der Unkenntnis der Drucker oder
An Olaus Deutsch lag bleibt unklar 

Er hatte zehn Jahre in Danzig noch
Gelebt dort wurde deutsch noch als
Sprache von Hanse und Reich
Gesprochen doch war er dort meist

Unter Schweden und Humanisten
Diese wiederum plauderten Latein 
So ist die lateinische Version auch
Die korrekteste und fließendste

Aus dieser wiederum wurde dann
Die deutsche Version übersetzt wie 
Die italienische die manche Details
Für mehr Übertreibungen wegließ

Dahingestellt ob Olaus als Übersetzer
Seiner selbst mit den Varianten den
Regionalen Charakter genau traf
Waren die gleichen Vorurteile wohl

Schon vor 500 Jahren weit verbreitet
Wurden zum Marketing genutzt das
Jeweilige Publikum auf seine Art für
Die Sache des Nordens zu begeistern

Den Deutschen wurde eher exakt 
Berichtet wie es in Skandinavien
Wäre die Italiener sollten dagegen
Auch emotional begeistert werden

Beide Versionen sind sichtbare
Varianten des lateinischen Originals
Die Sprache wenn nicht schwedisch
In der Olaus als Humanist dachte

Spannend wie eine Übersetzung 
Des eigenen Textes durch einen
Flüchtling im 16. Jahrhundert die
Regionalen Eigenheiten spiegelt

jens tuengerthal 4.3.26