Samstag, 13. Juni 2026

Lustvoll

Lustvoll

Das Streben nach Lust sei das
Natürliche Bedürfnis des Menschen
Lehrte Epikur was viele später nur 
Oberflächlich hedonistisch fanden

Besonders die Religionen die ihr
Märchen von Himmel und Hölle
Wie dem jenseitigen Glück uns 
Verkaufen wollten empörten sich

Gottlos und sündig sei es bloß
Danach zu streben was Lust macht
Wurde Epikureern vorgeworfen weil
Sich manche lieber quälen wollten 

Doch warum wollen sich manche
Lieber quälen statt zu genießen
Um Höheres zu erreichen sagen sie
Was dann wohl ihre große Lust ist 

Wer meint es gäbe Götter deren
Befehlen er folge um nach dem
Tod in den Himmel zu kommen 
Hat also ein lustvolles Ziel auch

Ob ich dies auf Erden suche
Oder im Reich der Phantasie
Das der Aberglaube uns öffnet
Ist am Ende Geschmackssache

Finde es nur vernünftig dazu die
Natur wie sie ist zu nutzen um
Das zu würdigen was da ist weil
Alles am Ende nur Natur ist

Darum ist Sex natürlich lustvoll
Folgt Bedürfnissen unserer Natur
Wie es gut tut seiner Natur zu folgen
Kann solches nie schlecht sein

Nach Erfüllung streben wir alle
Wie wir diese definieren ist
Am Ende unsere Entscheidung
Was gut tut wird auch gut sein

Sicher ist nur es gibt kein Leben
Nach dem Tod weil dann nichts
Mehr lebt nach der Natur warum
Dieser völlig irrelevant für mich ist

Das ergibt sich aus dem natürlichen
Gegensatz von Leben und Tod wie
Eines nur ist wo das andere nicht ist
Was einmal begriffen alles erledigt

Alles andere ist nur Hokuspokus 
Wie lächerlicher Aberglaube jener
Die nicht logisch denken können
Seltsam genug eine Mehrheit sind 

Lebe darum lieber so lustvoll
Wie es meiner Natur möglich
Solange ich bin und entscheide 
Wann es Zeit ist zu gehen

jens tuengerthal 13.6.26

Lebenszähler

Lebenszähler

Was zählt im Leben wirklich
Sind es die strahlenden großen
Ereignisse für die wir alles andere
Auch unter Qualen ertragen 
Wie eine jubelnde Masse etwa
Höhepunkte die sich abheben 
Oder eher die stillen Momente
Um für sich bei sich zu sein
Überlege ich und neige als Leser
Eher den stillen Momenten zu
Andere leben für ihren Urlaub
Um irgendwohin zu fahren
Dann dagewesen zu sein
Was mir fern liegt der lieber
Der Welt lesend nah kommt
Statt überall Spuren zu lassen
Wäre auch im Leben am Ende
Weniger mehr um was bleibt
In Ruhe wirklich zu würdigen 
Statt nur herumzurasen was 
Infolge stille Schönheit zerstört
Überlege ich nicht mehr wirklich
Sondern lebe es lieber für mich
Der damit glücklicher ist wie
Völlig zufrieden statt ständig
Mehr und neues zu wollen
Lieber was ist in Ruhe genießt 
Was am Ende wirklich zählt
Weiß ich natürlich nicht aber
Werde zufrieden sein mit dem
Was ist und bleibt für mich
Damit noch allein zählt

jens tuengerthal 13.626

Liebestiefe

Liebestiefe

Ist Liebe das tiefste Gefühl
Frage ich mich und denke
An manche oberflächliche
Liebe die völlig spurlos 
Wieder verflog oder die
Vermeintlich ganz tiefen
Die zwar Spuren hinterließen 
Dennoch im Nichts verflogen 
Spätestens mit der nächsten
Wieder verschwunden sind
Oder leben noch alle Lieben
Weiter in mir zumindest die
Für immer und ewig sich
Voller Überzeugung einander
Versprochenen dann doch 
Bis sie im Schatten der neuen
Liebe ganz nebenbei dann
Einfach verloren geht weil 
Das Leben weitergehen muss 
Irgendwie mit oder ohne nur
Ob wir dann oberflächlich sind
Oder die Liebe immer nur
Aktuell tief ist und dann 
Mit der Zeit nach oben
An die Oberfläche kommt 
Was immer sie nun ist
Bleibt am Ende offen

jens tuengerthal 13.6.26

Nachtriesling

Nachtriesling 

Kurz vor Zwei im Crossroads doch
Auf einen Nachtriesling angekommen
Vor der Tür noch Tino begrüßt der
Die Terrasse noch fertig aufräumte

Drinnen dann Nina Selma und auch
Christoph der von oben kam jeden 
Auf seine Art gegrüßt bevor ich mit
Tisch in die Flaneurloge zog wo ich

Mit Selma die schon meinen guten
Rheingauer Riesling brachte dann 
Zusammen zur Umarmung eintraf 
Gleich die Beobachtung begonnen 

Die Stimmung ist ruhig ausgelassen 
Unten noch drei Stammgäste mit
Christoph und Nina am Stammtisch
Vor der Bar und vier junge Damen 

Ins Gespräch vertieft vorm Fenster
Schöner Anblick mit sich beschäftigt
Während oben noch drei Herren beim
Wein im Gespräch vertieft sind

Tino inzwischen wieder drinnen lässt 
Ein neuer weiblicher Gast mich ganz
Überrascht feststellen dass noch ein
Tisch oben voll besetzt schon war

Die drei jungen Damen sind attraktiv
Dreimal blond und einmal brünette 
Rauchen leuchtende E-Zigaretten
Und sind vermutlich auch so

Dann kommt ein Knabe aus der
Oberen Ecke der mit verkehrt herum
Aufgesetzter Schirmmütze viel von
Zonen-Gaby in weiblich hat

Noch so ein riesiger Knabe mit
¾ Cargo Hosen sucht die hier 
Örtlichkeiten auf und lässt vermuten
Dass dort bebrillte Basketballer sitzen

Die Musik eher getragen spacig
Klingt ein wenig nach Drogen der
Siebziger Jahre die Mädels zahlen
Die Nacht nimmt ihren ruhigen Lauf

jens tuengerthal 13.6.26

Freitag, 12. Juni 2026

Lektürentagebuch 12.6.26

Lektürentagebuch 12.6.26

Wieder unterwegs mit Franz Hessel
Auf der Rundfahrt in dem Band 
Spazieren in Berlin geht es vom 
Molkenmarkt auf einen stillen Platz 

Dort steht die älteste Kirche Berlins 
Die Nikolaikirche die sich darum bis
Heute mit der Marienkirche streitet
Aber das älteste Fundament hat

Es stammt noch aus dem Jahre 
1230 ist aber 1330 abgebrannt 
Dann wieder aufgebaut worden
Heute Teil des Märkischen Museum

Dort gibt es noch Erbbegräbnisse
Die von Schlüter geschaffen wurden
Die gotische Halle hat viel große und
Kleine Kapellen mit Denkmälern

Es finden sich alle Kunstepochen
Sie wurde protestantisch aber hätte
Noch etwas von der alten Pracht
Hessel fehlt nur der Weihrauch

Hier hätte auch der Ablasskrämer
Tetzel gepredigt umlagert vom ganzen 
Damaligen Tout-Berlin wie Hessel 
Ein wenig spöttisch hier erzählt

Der Platz war früher Nikolaikirchhof
Was zu den vielen Gräbern passte
Dort standen ein paar sehr alte
Häuschen die winzig und eng waren

Eines hier rühmte sich noch Berlins 
Kleinstes Haus zu sein es ist nur vom
Nachbarhaus zu betreten und bloße 
Drei Fenster breit davon gab es wohl

Noch einige im alten Berlin erzählt
Hessel sie sind heute Geschichte
Über den Mühlendamm geht es über
Die Inselbrücke nach Neukölln

Hier und gegenüber auf der großen 
Friedrichsgracht gibt es wieder einige 
Sehr alte Häuser doch ist der Wagen
Zu eilig um alles noch anzusehen 

Dort gäbe es das Relief eines Mannes
Der eine Tür trägt angeblich soll er an
Das Köpenicker Tor noch erinnern 
Deren Haspen dort aufbewahrt waren

Witziger findet er die Deutung die vom
Alten Schuster erzählt der hier lebte
Der ein Los in Friedrichs Lotterie sich
Kaufte und an seine Tür klebte

Als er nun wider Erwarten gewann 
Musste er die Tür zur Lotterie tragen
Diese Lotterie an der Friedrich gut
Verdiente und die Bürger viel kostete

Leitete wiederum Direktor Casalbigi
Der aus Casanovas Erinnerungen
Auch bekannt ist der selbst in Paris
Die erste Lotterie gegründet hatte

Aus Dankbarkeit für seinen Gewinn
Ließ der Schuster das Bild an seinem
Haus anbringen solche Sagen gibt es 
In Berlin noch einige zu erzählen

Im Vorbeifahren wirft er einen Blick
Auf die Brücken welche noch der
Stadtbaurat Hoffmann dem Berlin so 
Viel verdankt gebaut hat

Sie hätten das Neue dem Alten dabei
Angepasst ohne in Historismus zu
Verfallen wie unter Wilhelm II hier ist
Meisterwerk das Märkische Museum 

Cöllnischer Park hieße der Garten da 
Vor der Front der Museumsburg die
Verschiedene Stilperioden vereinigt 
Im Innern gibt es viel Heimatkunde

Heute leider durch den Leiter der
Auch das nervige Berlin Museum
Im Humboldt-Forum verantwortet 
Ideologisch pädagogisch ruiniert

Hessel erzählt wie schön es damals
Noch war und wünscht sich ein 
Museum für Berliner Interieur wo auch
Als Kuriosum der Wilhelminismus 

Seinen Platz fände ohne zu stören 
Vor dem Museum steht noch ein
Nachgemachter Roland nach dem
Brandenburger weil Berlin seinen 

Schon früh unter Kurfürst Friedrich II
Verlor den Bären der Stadt unter
Seinen Adler zwang und erzählt
Vom neuen Roland tief im Westen

Sie sehen den Abbruch der alten
Jannowitzbrücke beim Bau der
Neuen die es heute noch gibt sieht
Die Trümmerreste dort schwimmen 

Am Stadthaus sieht er den Bär von
Wrba der heute im Bärensaal des 
Auch von Hoffmann gebauten 
Stadthauses seinen Platz fand 

Nebenbei steht eine Replik auch
Im Tierpark dem Ost Berliner Zoo
Auf dem meine Tochter schon
Kletterte der Bär ist also bekannt

Warum er zum Stadtier wurde ist
Dabei unklar Hessel nennt es eine
Volksetymologie weil Berlin nichts mit
Bär zu tun hat Wendisch Wehr heißt

Ein solches Wehr verband noch in
Wendischer Zeit die Spreeufer so
Gab es schon vor dem Mühlendamm
Eine Verbindung der beiden Orte

An der Parochialkirche vorbei stehen
Ein paar alte abzureißende Häuser
Ein Spukhaus ohne Fenster und ein
Antikriegsmuseum das Hessel sehr

Liebevoll beschreibt mit Stahlhelmen
Als Blumentöpfe und schrecklichen
Bildern innen und darum auch hofft
Es finde einen würdigen Platz wieder

In der Jüdenstraße öffnet sich der
Durchgang zum großen Jüdenhof
Der kleine unweit von dort fiel schon
Der Straßenverbreiterung zum Opfer

Dort steht ein alter Akazienbaum
Unter dem die Juden als sie mal
Wieder vertrieben wurden ihr Gold
Vergraben haben sie wussten wohl

Bald würden sie wieder gebraucht
Sie hausten damals noch hinter 
Eisentoren und durften nur in ihrer
Zwangsuniform auf die Straße gehen

Das war ein Kaftan und spitze Hüte
Festen Wohnsitz durften sie nicht
Erwerben nicht auf Messen handeln 
Und mussten Schutzgelder zahlen

Offenbar gefiel es ihnen dennoch
Denn aus jeder Verbannung sind
Sie wieder zurückgekehrt schreibt 
Hier der selbst Berliner Jude Hessel

Der aber schon als Kind getauft
Wenig damit je zu tun hatte erzählt
Er erzählt die Geschichte von der
Hinrichtung des Hofjuden Lippold

Der auch Münzmeister Lippold
Wurde wegen Zauberei und Mord 
Angeklagt und gestand unter Folter 
Wurde dann öffentlich gevierteilt

Vor der Hinrichtung befragt ob
Sein Geständnis stimme widerrief er
Wurde im spanischen Stiefel gefoltert 
Gestand und wurde gevierteilt

Etwas Ghettoähnliches gäbe es
Heute an anderer Stelle schreibt
Hessel und meint das von vielen
Osteuropäischen Juden zuerst

Gewählte Scheunenviertel das
Zwischen Alexanderplatz und
Bülowplatz gelegen war wo es
Noch Männer mit langen Bärten

Wie Schläfenlocken gäbe und
Schwarzhaarige Fleischertöchter
Die noch Jiddisch reden was 
Heute eher in der Rikestraße

Noch in Prenzlauer Berg zu sehen
Ist wo die Lauder Foundation noch
Orthodoxe Rabbiner für den Osten
Ausbildet neben der Synagoge dort

Im Scheunenviertel aber hätten 
Auch Läden und Stehbierhallen
Hebräische Inschriften gehabt
Wären noch eine Welt für sich

Sobald sie akklimatisiert dann
Weiter nach Westen ziehen
Tun sie die Zeichen ihrer Eigenart ab
Was Hessel schade findet

Von einer Privatstraße erzählt er noch
Die neues Ghetto genannt doch findet
Er diese des Scherzes nicht würdig
Dort fände sich keiner im Kaftan


Noch einen Artikel im Katalog von 
Cassirer und der Durchbruch des
Impressionismus gelesen über die
Welt von Berlin und von dort in diese

Über das Tiergartenviertel schreibt 
Gesa Kessemeier unter dem Titel
Vom vornehmen Wohnviertel das
Seinen Rahmen durch Mode und

Kunst erhält erzählt über die
Viktoriastraße 35 die mehr als
35 Jahre lang die Adresse der
Kunsthandlung Cassirer war

Durch Monet und Manet zu Money
Wollte Cassirer dort kommen wurde 
Bereits 1899 gewitzelt es war damals
Das eleganteste und wohlhabendste

Wie gleichzeitig kunstsinnigste Viertel
Mit eleganten Sandsteinhäusern im
Französischen Villenstil das einzig
Vornehme Viertel in ganz Berlin

Hier gab es Berliner Kultur auch trotz
Wilhelm II und hier blühte sie auch auf
Rathenau etwa lebte Viktoriastraße 3
In Sichtweite von Cassirer noch

Paul Cassirer den Max Liebermann
Einen Charmeur von bezwingendem
Talent nannte passte perfekt hierhin
Er wollte seine Nachbarn begeistern

Bald zog Cassirer auch privat aus
Charlottenburg ins Tiergartenviertel 
Lange lebte er mit Blick auf die
Matthäikirche dort dazu gibt es

Im Katalog eine Karte die zeigt wer
Dort alles lebte und handelte mit
Allein schon 44 Erläuterungen dazu
Welche die Kunstdichte zeigen

Nahezu nichts davon steht heute 
Noch an diesem Ort wo Philharmonie
Gemäldegalerie mehr ausstellen als
Noch neue Kunst je handeln

Den Anfang machte ein Onkel von
Max Liebermann Adolph Liebermann
Mit seiner Villa mit eigener Galerie
Mit Oberlicht von 1872 bis 1876

Der Salon Cassirer und sein Erfolg
Zog weitere Händler und sonst im
Kreativen Bereich tätige in das Viertel
Berliner Dependancen kamen hierher 

Auch Kunstmöbel wurden bald hier
Gehandelt so zogen etwa bald die
Deutschen Werkstätten mit ihrem
Leiter Lucian Bernhard dort hin

Die Reformkleid Pionierin Fia Wille
Eröffnete mit ihrem Mann dort ein
Geschäft wie als Highlight das
Hohenzollern Kunstgewerbehaus

Ab 1911 fand es sich im Viertel
Mehr und mehr an Antiquitätenhandel
Inneneinrichtung wie etwa auch
Leni Michels Fougner als Meisterin

Mehr als 35 Privatsammlungen die
Zum Teil der Öffentlichkeit zugänglich
Auch waren finden sich dort um die
Jahrhundertwende schon

Herausragend war die Sammlung des 
Textilindustriellen Hermann Simon der
Die Nofretete nach Berlin brachte die
Von Alfred Messel gebaute Villa war

Ein Kunstwerk an sich alles hatte dort
Den idealen Platz gefunden der
Unternehmer Eduard Arnhold feierte 
Als bester Kunde Cassirers bei sich

Den Impressionismus sein Haus
Stand wo heute die Gemäldegalerie
Ihren Platz gefunden hat zeigte alles
Manet Monet Pissaro Sisley Degas

Renoir Liebermann von Uhde im
Saal mit eigenem Oberlicht dazu
Meinte Tschudi 1909 die Sammlung 
Sei die künstlerisch wertvollste

Auch Margarete Oppenheim die
Cézanne besonders liebte aber auch
Manet und van Gogh wurde zwar
Lange für verrückt gehalten aber

Ab den Zwanziger Jahren wurde ihr
Früher Mut sehr bewundert der nur 
Seinem Geschmack gefolgt war
Der ihre Sammlung berühmt machte

Das Ehepaar Julie und Julius Elias 
Hatten ihre Wohnung voller Monet
Manet Renoir Munch Liebermann
Corinth oder Slevogt dort auch

Der Kunst folgten ganz exklusive 
Modesalons etwa Gerson mit dem
Sammler Hermann Freudenberg
Es kamen die Stars der Szene

Dort kleidete sich auch die Frau
Von Cassirer Tilla Durieux ein bei
Johanna Marbach Olga de Bayer
Clara Schultz die Kleidkunst kam

Cassirers Galerie wurde von dem
Architekten und Designer Henry
Van der Velde modern ausgestattet 
Paul Cassirer machte die Bauleitung 

Ende der Zwanziger Jahre hatte das
Tiergartenviertel seinen Zenit erreicht 
Doch im Herbst 1929 kurz nach dem
Freitod von Eduard Simon begann

Das Ende der Tiergartenkultur und
Die Kunst wanderte nach Amerika
Die Nationalsozialisten zerstörten 
Jenes kunstsinnige Viertel komplett

Heute sind nicht mal die Spuren 
Des Viertels noch zu erkennen 
Es wurde von Nazis abgerissen
Für deren wahnsinnige Projekte

Immerhin fanden Kunst und Kultur
Hier mit Kulturforum Philharmonie
Wie Neuer Nationalgalerie und bald
Berlin Modern eine neue Heimat

jens tuengerthal 12.6.26

Bücherparadies

Bücherparadies

Das Paradies ist eine Erfindung
Der Juden in der babylonischen 
Gefangenschaft um damit allen 
Angehörigen ihrer Familie die
Rückkehr in die Wüste wieder
Schmackhaft zu machen wurde 
Der Garten Eden als Ideal eines
Vollkommenen Lebens erfunden
Was über 2500 Jahre her ist von
Den Anhängern einer Sekte die
An der Levante siedelten bevor
Sie nach dem Sieg deportiert 
Im freien Babylon sich wohler
Fühlten teilweise schon zur dort
Sekte mit oberster Göttin auch
Glücklich lustvoll konvertierten
Was die Bewahrer der jüdischen
Stammeskultur verhindern wollten 
Dazu erfanden sie das Paradies
Als wiedergefundene Schrift
Eine weltfremde Idee vom
Vollkommenen Garten die von
Der Rückkehr aus dem realen
Paradies Babylon mit seiner auch
Sexuellen Freiheit träumen ließ
Dennoch funktionierte es seltsam gut
Wurde von den später gegründeten
Sekten Christentum und Islam
Die auch ein Problem mit Sex haben
Noch übernommen weil es wohl 
In deren chauvinistisches Denken 
Zu gut hinein passt da es um die
Rechtfertigung männlichen Erbes ging
Was nach der Natur nicht beweisbar
Warum bei den Germanen auch die
Häuser in weiblicher Linie stets 
Weitergegeben wurden was leider
Wieder zu viele im Schlepptau der
Griechisch-römischen Sekte vergaßen 
Darum wurde es ein Garten weil 
Deportierte Priester aus der Wüste
Von einem Volk von Hirten es sich
So passend träumten ich aber als
Gottloser Großstädter der Gärten
In meist lästiger Erinnerung hat
In westlichen Vorstädten aufwuchs
Sage und bin mir dabei aus langer
Erfahrung völlig sicher das Paradies
Ist eine eigene Bibliothek die den
Geist wirklich reich macht wie
Überall hin entführen kann mit
Genug Phantasie zum schönsten Ort
Der Welt für alle Leser wird was
Diejenigen sich träumen die nicht
Lesen ist dabei völlig egal denn 
Wer eine Bibliothek hat hat damit
Immer genug zu lesen und was 
Unbelesene Idioten noch wollen
Wird dann völlig egal werden
Es bleibt die Bibliothek immer
Das schönste Paradies mir 

jens tuengerthal 12.6.26

Rückzug

Rückzug 

Früher habe ich noch Kämpfe
Ausgefochten um Prinzipien 
Wie notfalls auf Leben und Tod
Weil es mir so wichtig schien

Heute habe ich lieber meine
Ruhe statt noch zu streiten 
Oder auf Siege zu hoffen
Genieße was noch bleibt

Der Rückzug in meine geliebte
Bibliothek genügt mir völlig als
Aussicht für ein gutes Leben
Mehr ist keiner Aufregung wert

Vielleicht ist der Rückzug immer
Das beste Mittel um Kriege so
Dauerhaft zu verhindern statt 
Sich durch das Leben zu kämpfen

Ob ich kämpfe oder nicht
Leben endet wenn es soweit ist
Alles was ich bis dahin genossen
War besser als jeder Kampf je

Brauche keine anderen Leute
Ist meist eher anstrengend
Habe gerne meine Ruhe
Rückzug ist mein größter Sieg 

Manche suchen noch Extreme 
Wollen Berge die Natur oder sich 
Im Wettkampf noch besiegen ich
Aber ziehe mich lieber zurück

Bleibe als Flaneur ein Beobachter
Bin lieber kein Teilnehmer dabei
Manchmal noch muss ich es mir
Noch sagen es nicht zu vergessen

jens tuengerthal 12.6.26

Donnerstag, 11. Juni 2026

Lektürentagebuch 11.6.26

Lektürentagebuch 11.6.26

Mit Franz Hessel geht die schöne
Rundfahrt durch Berlin weiter der
Er als Schüler und Kenner der Stadt 
Noch schöne Anekdoten hinzugefügt

Als der Verkehrsturm am Potsdamer 
Platz der die älteste Ampel war grün
Wird fahren sie an den Tortempeln 
Entlang die es nicht mehr gibt

Über den Leipziger Platz geht es
Wo die Generale Brandenburg und
Wrangel über das Wetter reden wie 
Der Berliner Volkswitz schön dichtet

Sie bewundern das nun Warenhaus 
Wertheim gegenüber von KPM der
Königlichen Porzellan Manufaktur
Die heute Unter den Linden sitzt 

Leer und wie zu vermieten sieht das
Lange preußische Herrenhaus aus 
Mangels Herren sollen dort nun etwas
Staatsrat und Volkswohlfahrt drin sein

Auch das Kriegsministerium daneben
Sei ziemlich ehemalig selbst die nun
Reichswehrangelegenheiten werden
Anderswo inzwischen erledigt

Wie Spielzeug von Fürsten in deren
Schlössern und Gärten stehen noch
Die steinernen Soldaten in den alten
Uniformen dort oben herum 

Während überm Postministerium an
Der nächsten Ecke Giganten eine
Mächtige Weltkugel schleppen die
Hoffentlich nicht herunterfällt 

Sie gehört zu den Schrecken des 
Vergangenen Jahrhunderts die nun
Überall weggeputzt werden all dies 
Könne dann in ein zu gründendes

Museum für neowilhelminische
Architektur wohin vieles was jetzt
An Prunk noch herumsteht kommt
Entsorgt werden meint Hessel

In Brandenburg ist ja Platz genug
Den Berliner Dom am besten gleich
Mitentsorgen die peinliche Fehlgeburt 
Die unser Weltkulturerbe versaut

Das beste am Postministerium sei
Die Sammlung von Verkehrsmitteln
Postkutschen und Eisenbahnen in 
Miniatur vor allem alte Briefmarken

Angenehm rund käme dort aber die
Mauerstraße daher die diese Welt der
Rechten Winkel abrundet sie zeigt
Die Strecke der alten Stadtmauer dort

So hat sich der Soldatenkönig der die
Friedrichstadt so hübsch in Reih und 
Glied bauen ließ über diese aus dem
Rechten Winkel fallende geärgert

Auch rundlich käme zur rechten nun
Die Betlehemskirche wie zur Linken 
Schleiermachers Wirkungsstätte die
Dreifaltigkeitskirche aber weiter geht's

Vor den gewaltigen ganz nackten
Steinmädchen am Warenhaus Tietz 
Biegen sie zum Gendarmenmarkt 
Ab schon von weiten leuchten die 

Beiden Kirchenkuppeln und das
Flügelpferd auf dem Schauspielhaus
Gegen den staubblauen Himmel nun
Wird dort gehalten und Hessel starrt

Auf den Bühneneingang wo er als 
Schüler Schlange stand um die hehre
Darstellerin der Jungfrau von Orleans
Noch herauskommen zu sehen

Die Fremden schauen dafür die
Beiden Kirchen mit den berühmten
Gontardschen Kuppeltürmen am
Deutschen und französischen Dom an

Dabei sind die Türme noch wesentlich 
Staatlicher als die Kirchen die älter 
Sich schüchtern unter ihnen ducken
Was zum preußischen Geist passe

Dazwischen von Schinkel gebaut das
Prächtige Schauspielhaus was eine
Wunderbare Einheit dafür bildet mit
Der großartigen Freitreppe davor

Die nutzte zu seiner Zeit aber nur 
Der Hofstaat das einfache Publikum
Hatte unten einen eigenen Weg dafür
Steht der Begas Schiller etwas eher

Unglücklich vor dem Ganzen er wäre
Vermutlich lieber ein bemooster Trion
Im Brunnen geworden als in der Toga
Mit Damen am Sockel dort zu stehen

Den Fremden wird die Preußische 
Staatsbank die alte noch königliche 
Seehandlung gezeigt während er
Lieber zur Weinhandlung schielt 

Lutter & Wegner gibt es heute wieder
Dort verkehrte schon E.T.A. Hoffmann 
Der um die Ecke auch wohnte war
Richter am heute Jüdischen Museum 

Um die Ecke biegend kommen sie
Zum Hausvogteiplatz wo früher die
Politischen Gefangenen inhaftiert
Waren sind nun viele Geschäfte 

Altertümlich wäre noch der Grundriss
Hier beginnen Wallstraßen und der
Alte Fischwerder das dritte Berlin
Am Hospital der Grauen Schwestern

Doch der Wagen fährt gen Norden
Vorbei an der Reichsbank einem
Werke Hitzigs noch der auch die 
Börse gebaut hat im Renaissancestil

Der den bescheidenen Klassizismus 
Letzter Schinkelschüler nach 1870
Dann ablöste zwar noch besser war 
Als was danach kam aber schon 

Das Wilhelminische Spiel mit alten 
Stilen vorbereitet hat was dann als
Grauen über Berlin sich trotzig legte 
Noch unschuldig dagegen sei die

Modifizierte Gotik die Schinkel in 
Der Friedrichswerderschen Kirche 
Im schönen Klinkerbau verwandte 
Das sei brav altpreußisch noch

Sieht mehr pflichtgetreu als fromm
Noch aus lässt eher an üb immer
Treu und Redlichkeit als an Mystik
Denken im warmen nordischen Ton

Hessel erzählt noch vom Erzengel
Der über den Portal einen Drachen
Tötet und fragt sich ob die eleganten 
Damen der Modehäuser gegenüber

Lieber den Drachentöter sehen als 
Helden und Verteidiger oder einen
Verträumt in die Ferne blickenden
Engel noch viel lieber sehen würden 

Die kleine Tour durch Alt-Berlin muss
Etwas eilig ausfallen aber Hessel 
Berät anstatt was es zu sehen gäbe
Was heute nicht mehr ist anstatt

Kann der Fremde dann den Nachbau
Auf DDR Platten mit alter Fassade im
Nikolaiviertel sehen der Rest ist weg
Sie fahren durch die Brüderstraße 

Dort steht das Nicolaihaus des
Berühmten Berliner Verleger das
Einst ein Hort der Aufklärung war
Als Friedrich Nicolai dort lebte

Hier wurde es zum gesellschaftlichen
Mittelpunkt von Berlin dort gab es zu
Hessels Zeiten ein Lessing Museum
Er empfiehlt dazu die Tagebücher der

Nicolai Enkelin Lily Partei die später
Dort wohne wo heute der ekelhafte 
Alexanderplatz alles schöne verdrängt
Im Nicolaihaus liebte ich mal wen

Doch besichtigt habe ich es leider
Trotz der Zuneigung zur Aufklärung
Noch nie vielleicht sollte ich das mal 
Zumindest literarisch auch vertiefen 

Von da aus geht es zu Petrus also
Dem Heiligtum der Fischer von 
Alt-Cölln auf der anderen Seite
Wie vom Spittelmarkt die Rede ist

Der nach dem dort Spital heißt aber
Erzählt noch einiges zu der Figur die
Kein Meisterwerk wäre aber dafür
Schöne Geschichten noch hätte

Plaudert vom Cöllnischen Fischmarkt
Wo früher das Rathaus auch stand 
Auch das Narrenhäuschen dass der
Ausnüchterung diente ist leider weg

Jedoch gäbe es am Fischmarkt das
Gasthaus zum Nussbaum was heute
Im Nikolaiviertel steht noch mit den 
Zeichnungen von Zille der dort malte

Das Original wurde bei einem der
Bombenangriffe zerstört auch vor
Dem ähnlichen Nachbau steht ein
Nussbaum und hängen Zille Bilder

Weiter geht es über den Mühlendamm
Die Brücke die Cölln und Berlin noch
Verband und trennte als es noch
Zwei waren die sich auch schlugen

Die bronzenen Markgrafen dort
Albrecht der Bär und Waldemar
Bräuchte es für ihn dort nicht sie
Stehen ja schon an der Siegesallee

Letztere ist heute der 17. Juni mit
Etwas weniger militärischem Pomp
Aber immer noch zu viel für mich
Mit Kanonen auf der Siegessäule

Der Mühlendamm soll hübsch wohl
Gewesen sein im Gebäude der alten
Mühle sei nun die Sparkasse und
Bald werde es ganz abgerissen 

Am Molkenmarkt fällt ihm das Palais
Ephraim auf des berüchtigten Bankier
Von Friedrich dem Großen zu dem er
Den Berliner Volksmund noch zitiert

“Von außen schön, von innen schlimm 
Von außen Friedrich innen Ephraim”
Das Haus war zu Hessels Zeit noch
Behörde und ist heute Museum

Um den Molkenmarkt lag die älteste
Ansiedlung von Berlin hier gab es
Zu Hessels Zeiten noch die letzte
Erhaltene mittelalterliche Gasse 

Er beschreibt nun den berühmten
Krögel der so berühmt ist dass ihr
Wagen hält und aussteigen lässt 
Sie ist seit 1935 schon Geschichte

Die alte Gasse musste dem Neubau 
Der Münze weichen die später
Zum Standort diverser Clubs wurde
Aber Hessel erzählt Geschichten

Zum mittelalterlichen Berlin wie
Der Unehre der dort tätigen Damen
Berichtet vom Museum dort wie dem 
Neuen wilden Freibad ganz nah

Schön ist wie Hessel die ganz alte
Berliner Geschichte mit Berichten
Vor Ort noch verbindet somit die
Fahrt mit Fußnoten versieht 

Dabei tauchen Orte auf die es heute 
Schon nicht mehr gibt und andere
Werden im alten Kontext gezeigt
Der vieles der Stadt verstehen lässt

Mit seiner fein spöttischen Ironie
Macht er sich über das deutsche
Wesen im Wilhelminismus lustig 
Erklärt aber auch die Entstehung

Wenn schon Berlin dann auch weiter
Dachte ich und zog Berlin eine
Literarische Einladung aus dem
Wagenbach Verlag aus roter Reihe

Beginne dort mit Durs Grünbein
Berlin ist ein Sack würde er sagen
Viel Geschichtsgerümpel und dazu
Jede Menge urbaner Plunder darin 

Er malt viele treffende sehr lyrische
Bilder von Berlin die zu betrachten
Lohnt warum ich sie im folgenden
Teils auch in Verse dazu packe 

Manche Prinzipien hätte Berlin
Vor allem preußische doch hat
Der Sack zum Glück ein Loch und so
Fällt das meiste wieder unten heraus

Gut träfe es sich hier zu leben denn 
Sei nicht das menschliche Leben
Selbst so ein löchriger Sack fragt er 
Berlin sei kollektiver Schlendrian

Das westöstliche Sumpfgebiet aus
Frühstücks Cafés und Hinterhöfen
Mit Klitschen die sich Firma nennen
Berlin sei ein Manöverfeld nur 

Von großstädtischem Ausmaß dabei
Durchzogen von unsichtbaren Fronten
Die Kurze genannt werden dabei ein
Strengliniertes Gebilde eigener Art

Ordnungsämter und Kinderspielplätze
An deren Rand sich arbeitslose Väter 
Versammeln die einst Soldaten waren
Heute nur Zeitung einfach lesen

Berlin war militärisch-industriell war
Weltgeist und seine Austreibung ein
Steinerner Aggregatzustand einst die
Hochburg Angestellter Mitteleuropa

Zentrale des sachlichen Realismus
Kapitale aufquellender Reiche noch
Aus der ein Trümmerhaufen für 
Verlorene Seelen wurde die heute

Zum föderalen Rückzugsgebiet wurde 
Als Mottensofa am Straßenrand mit
Etwas tief Unterirdischen wie stets
Ein Labyrinth noch dazu

Berlin sei ein Vakuum das sich immer
Von neuem fülle egal womit sofern es
Nur Unterhaltungswert hat und Musik 
Dazu gespielt wird als Metropolis

Berlin ist der ganz große Bluff
Täglich gebrochener Versprechen 
Eine Stadt die alles doppelt hat
Damit auch das Deutsche Ost West 

Abendland und Morgenland zugleich
Siamesisches Zwillingspaar das nur
Wenig gemeinsam hat außer dem
Verkehr und den Namen als Stadt 

Berlin sei Paradies für Hochstapler 
Wie die Händler heißer Luft was zur
Politik der Hauptstadt auch gut passt
Worauf er berlinerisch noch zitiert

Der einzige Stil im Stillosen war hier
Immer das große Krawallschlagen
Wie sich dann gegenseitig Anöden
Heiner Müller nannte Berlin noch

Das Letzte der Rest sei Vorgeschichte
Sollte Geschichte stattfinden wird
Berlin der Anfang sein sagte Müller
Was Grünbein hier auch zitiert 

Hier nahm die deutsche Geschichte
Die schlimmstmögliche Wendung die
Kläglich wie ein Satansfurt endete 
Dichtet Grünbein zutreffend

Schreibt von Ernst Jünger und
Gottfried Benn der über Berlin sagte
Es liege wie Angkor im Urwald die
Fahrten dahin seien Expeditionen

Unternommen halb aus Wehmut
Halb aus Neugier bis heute noch
Zieht es Menschen nach Berlin
Wie Grünbein einst aus Dresden

jens tuengerthal 11.6.26

Gartenphilosophie

Gartenphilosophie

Im Garten des Epikur trafen sich
Männer und Frauen und trieben
Entsprechend seiner Lehre lustvoll
Philosophie und ließen es sich dabei
So gut wie möglich gehen was mir
Viel näher liegt als jede Qual mit
Autoritären Meinungen die sich in 
Herrenrunden durchsetzen wollen
Weil wir natürlich verschieden sind
Befruchten sich unsere Geister auch
Im Austausch ohne gleich wieder an 
Sex dabei denken zu wollen der nur
Teil der überall Natur ist und also so
Genossen wird wie Brot oder Käse
Zu Wasser und Wein nebenbei halt
Denn auch wenn Gärten meiner
Natur als Allergiker ferner liegen 
Als Bibliotheken immer nah ist die
Idee sich im Garten zu sehen um
Miteinander zu philosophieren wie
Teil der überall Natur zu sein auch
Ohne Geschlechter zu trennen wie
Die Lust als Teil der Natur zu sehen
Zu schön sich an Pollen zu stören
Auch darum weil wenn alles Natur ist
Eins natürlich aus dem anderen im 
Sinne natürlicher Kausalität folgt die
Keine höheren Kräfte erfinden muss
Um mit dem was ihre Natur ist auch
Auf Dauer noch glücklich zu sein 
Weil einfach alles ist was es ist

jens tuengerthal 11.6.26