Donnerstag, 26. Februar 2026

Lektürentagebuch 26.2.25

Lektürentagebuch 26.2.25

Bei John Berger über Goyas Maja
Bekleidet und unbekleidet gelesen
Die im Prado nebeneinander hängen
Und wie sie vermutlich entstanden

Es gibt zu diesen beiden Gemälden 
Aus dem Jahr 1797 viele Theorien
Die mehr oder weniger glaubwürdig
Und viel zur Geschichte erzählen

In Zeiten in denen amerikanische
Christen wieder Nacktheit im Netz
Zensieren und bestrafen lassen in
Den asozialen Netzwerken aktuell

Will hier als Lektürentagebuch nur
Der Theorie Bergers erstmal folgen 
Bevor es um andere Ideen dazu geht
Weil sie spannend schlüssig scheint

Wer diese Maja war ist unbekannt
Der Verdacht sie könnte auch die
Herzogin von Alba gewesen sein
Mit der Goya vielleicht etwas hatte

Führt so wenig weiter wie die Akten
Der Inquisition welche die nackte 
Maja als unzüchtig beschlagnahmte
Sie war erst 1930 im Prado zu sehen 

Wir wissen nicht wer sie wirklich war
Ob sie echt eine Maja war was im
Spanischen ein einfaches Mädchen
Aus den unteren Ständen bezeichnet

Auch die Spekulation ob sie so
Eine Geliebte oder Hure von Goya
Oder seinem Auftraggeber war führt
Nach Berger nicht wirklich weiter

Spannender findet er die analytische
Betrachtung des Bildes und was es
Uns über Goya und seine Ängste bis
Heute noch verraten kann 

Er betrachtet das Bild kritisch und
Stellt die These auf Goya habe zuerst
Die angezogene nach dem Modell
Das distanziert bleibt gemalt

Dann hätte ihn wie es Männern eben
Gerne so geht die Idee der Nackten 
Weiter verfolgt und er hätte sie als
Genaue Kopie der anderen gemalt 

Dies stützt er mit dem Blick auf den
Busen der Nackten der unnatürlich 
Nach oben gerichtet wäre was nur 
Der vorherigen Schnürung entspräche

Auch sieht er die nackte Maja eher
Als bösen sexuellen Geist der ihn 
In dunklen Träumen noch verfolgt
Warum ihre Formen verschwommen 

Etwa zu dicke Oberarme wie der
Seltsam verschobene Oberschenkel
Entsprächen nicht der sonst genauen
Exaktheit mit der Goya arbeitete

Diese Argumentation ist schlüssig
Passt aber nicht zu der Historie 
Nach der es für ein geheimes Kabinett
Gemalt wurde wofür anderes spricht

So etwa die Gelenke mit denen die
Beiden Bilder wie ein Altar verbunden
Noch waren was viel mehr für ein
Kabinettstück im Auftrag spricht

Die Größe beider Bilder aber hätte
Ein sehr großes geheimes Kabinett
Erfordert also ein Schloss mit vielen
Noch unbenutzten Räumen etwas

Dieses Bild sorgte 1815 dafür dass
Goya als anerkannter Hofmaler noch
17 Jahre später vor die Inquisition 
Zitiert wurde und seinen Titel verlor

Um die Zeit als das Bild entstand
Hat Goya die Herzogin die als Witwe
Sehr frei lebte mehrfach besucht
Gemalt also ihren Körper gekannt

Doch wird er sie nicht nackt gemalt
Haben dafür gab es Huren was eine
Heutige feministische Theorie eher
Vertritt die mich nicht ganz überzeugt

Zwar geht sie auf den Blick ein der
Großes Selbstbewusstsein verriete
Was aber auch für die Herzogin eher
Spricht als eine bezahlte Hure dabei

Die Tatsache aus den erstmal in
Einem profanen weiblichen Akt der
Kunstgeschichte dargestellten 
Schamhaaren abzuleiten hat dabei

Weniger für mich als die Beobachtung
Von Berger zur Psyche von Goya
Verschwundene Akten der Inquisition 
Sprechen für eine andere Theorie

Warum wurde ein in einem geheimen
Kabinett hängendes Bild zufällig von
Der Inquisition für einen Prozess 
Gegen einen Hofmaler genutzt 

Wieso verschwinden zufällig genau
Jene Akten die Aufklärung über die
Verhältnisse bringen könnten nun weil 
Vermutlich mächtigere Stellen daran 

Ein ausdrückliches Interesse hatten
Was der Hochadel der Herzöge von
Alba nah dem Königshaus das noch
Um Macht in Spanien rang war

All dies spricht eher für einen sowohl
Politischen wie geheim gehaltenen
Hintergrund dieses Prozesses der
Anderes lieber vertuschen wollte

Kann diese Vermutung aber auch
Nicht weiter belegen als Berger
Seine Theorie die offen lässt wer
Die Schöne auf dem Bild war

Es ist auch völlig egal wer sie war
Aber einen intriganten Prozess der
Inquisition finde ich spannender als
Eine feminin selbstbewusste Hure

Gegen diese Theorie von der
Kunsthistorikerin Sabine Poeschel 
Spricht die seltsame Malweise von
Goya aus der Berger seine ableitet

Vermute aus allem viel eher dass 
Die verschwundenen Akten der
Schlüssel zu einer darum engen 
Personalen Verbindung zum 

Hochadel sein könnten der dieses
Gemälde der freizügigen Ausreißerin
Lieber beschlagnahmt wissen wollte 
Wie Busenbilder einst von Kate 

Spannend über dies doppelte Bild
So lange nachzudenken vielleicht
Sollte ich einen Roman dazu mit der
Vielleicht wirklichen Story schreiben 


Von der spanischen Kunst am Ende
Des 18. Jahrhunderts geht es zur gut
Katholischen Kartenkunst des Olaus 
Magnus im frühen 16. Jahrhundert

In Die Wunder des Nordens wird
Beschrieben wie Olaus Magnus
Den Beginn seiner Arbeit an der
Karte auf 1527 datiert was heißt

Er war da schon viel Jahre weg
Aus Schweden woher nahm der
Theologe seine exakten Informationen 
Die später in seine Karte flossen

Auch die über 700 Kapitel seines
Buches über die Völker des Nordens
Musste seine Informationen irgendwo
Gefunden haben war er überall da

Tatsächlich ist Magnus 1519 im
Auftrag der Kirche zum Ablasshandel 
Im Norden unterwegs gewesen dabei
Wollte er den Norden vor Luther noch

Bewahren behauptete er später was
Eher unwahrscheinlich noch klingt
Zwei Jahre nach Beginn in Wittenberg
Wird Luthers Geist nicht schon am

Polarkreis gewirkt haben und so war
Die Reise eher Mission unter Heiden
Derer er sich vielfältig lobte wohl um
Weiterhin gut bezahlt zu werden

Auch welche Gründe ihn nach Oslo
Führten bleibt so unklar wie noch
Manche Geschichte um seine großen
Eigenen Reisen durch den Norden 

Doch lebte er in Danzig in einer sehr
Internationalen Stadt voller Seefahrer
Dort konnte er vieles erfahren auch
Was die mündliche Tradition betraf 

Viele der Sagen und Geschichten des
Nordens waren nie notiert worden
Immer Teil der mündlichen Tradition 
Von der er als Reisender profitierte

Auch in Venedig gab es sehr viele
Seefahrer und eine alte Tradition
Der Karten auf die er sich als Gast 
Stützen konnte was sicher half

Dennoch bleibt diese erste Karte 
Des ganzen Nordens eine ungeheure
Leistung in ganz vielen Hinsicht die
Das Buch dazu so spannend macht


Das dritte Kapitel über die Agonie
Des Barock beginnt Egon Friedell 
Mit einer Lobhymne auf Watteau
Als den Maler des Rokoko

Begeistert beschreibt er dessen
Farbenfrohe strahlende Bilder um 
Dann auf den armen einfachen Mann
Zu kommen der Watteau wirklich war

Sohn einander Dachdecker aus dem
Ländlichen Frankreich der nach Paris
Kam wo er schon 1721 an der ihn
Auszehrenden Schwindsucht starb

Er der nie zu den oberen gehörte
Von galanten Festen als kleiner
Hässlicher Mann nur träumen konnte 
Malte sie in vollkommener Schönheit

So sieht Friedell in ihm einen
Sterbenden wie sein ganzes Leben
Und Schaffen als die Euphorie eines
Schwindsüchtigen ohne Hoffnung 

Genau das wäre kennzeichnend
Für das Rokoko als Epoche das
Euphorie und Agonie des Barock
Sein wie Friedell treffend meint 

Sie sei der Sonnenuntergang der
Epoche und damit auch jene Zeit
Die Watteau am meisten liebte so
Sei liebend und sterbend wohl die

Formel die daa Rokoko am besten
Beschreibt meint Friedell was ich
Relativ gewagt aber spannend finde
Mit Tod und Leben hier spielend

Überhaupt sei das Rokoko ein
Zersetzender Stil der überwuchert 
Sumpfmotive setzten sich durch alles
Löst sich in später Fäulnis nun auf

Dabei von weicher Abendkühle noch
Durchweht in sterbendes blau wie 
Zartglühendes rosa getaucht malt
Friedell den Rokoko Geist treffend

Es breite sich eine fahle Stimmung
Von Herbst über die Menschheit die
Farben des Verwelkens bevorzugt
Ein Décadencestil par excellence

Alles ist müde gedämpft anämisch
Vor allem aber feminin raffiniert wie
Kindlich naiv zugleich obszön wie 
Die Frau eben sei meint Friedell

Verschleiert und bodoirhaft parfümiert
Geschminkt satiniert Konditorhaft 
Ohne männliche Tiefe Gediegenheit
Darum auch ohne alle Schwere

Schwebend und tänzerisch sei auch
Die wie durch ein Wunder von allen
Gravitationsgesetzen befreite neue
Architektur die es hervorbrachte

Immer vielsagend lächelnd aber
Selten nur eindeutig lachend so
Amüsant pikant kapriziös zugleich
Feinschmeckerisch witzig kokett

Auch anekdotisch pointiert plaudernd
Degagiert skeptisch und populär so
Wie komödiantisch und genrehaft 
Auch in den Karyatiden des Zeitalters 

Als solche bezeichnet er eigenwillig
Bach Friedrich den Großen Voltaire
Die er als Genrefiguren nur sieht was
Sonst Frauengestalten in Fassaden

So sei der späte Barock intim ist im
Edelsten Sinne ein Tapezierstil der
Nur gefallen und schmücken will
Große Worte unbequem skurril findet

Das Charaktergebäude sei nicht das
Palais sondern la petite maison ein
Mit allem privaten Luxus verziertes
Lusthaus das persönlich dabei bleibt

Unter Ludwig XIV war alles öffentlich
Diente der Präsentation nun beginnt
Ermüdet von 50 Jahren dauernder 
Galavorstellung der Rückzug wieder

Schon die Namen der Schlösser 
Deuten diesen Wechsel uns an 
Eremitage monrepos solitude wie
Sanssouci es wird liebenswürdig 

Bequeme Polsterstühle ersetzen nun
Die steifen Prunkmöbel Seidenkissen 
Bedecken die Kanapees zärtliche
Delikate Materialien überwiegen

So kamen Sekretäre mit Geheimfach
Oder Damenschreibtische auf alles
War mit wohlriechenden Essenzen
Imprägniert die Atmosphäre zählte

Eine besondere Note erhielt das
Rokoko Interieur durch dominante
Porzellan und Pastellkunst es zeigte
Den Charakter der Zeit verhaucht 

Johann Böttcher stellte 1709 das
Erste europäische Porzellan her
Im sächsischen Meißen als ihn 
August der Starke als Alchimist

Noch in Haft hielt und tatsächlich
Wurde es zu einer Art von Gold
Mit der Meißener Manufaktur nun
Bald folgten weitere Länder auch

Konkurrenz für die deutschen
Manufakturen wurde die von der
Pompadour ins Leben gerufene
Manufaktur in Sèvres sogar in

England versuchten sie es selbst
Besonders John Wedgwood erfand
Ein nach ihm benanntes Material
Es kam zur Porzellanmanie Europas

Alles wurde irgendwie noch mit
Porzellan verkleidet wie verziert was
Ihr das fragile aparte elegante spröde
Damit den Geist des Rokoko nahm

So beschreibt Friedell das Rokoko
Spürbar begeistert teilnehmend
Was dem Teetrinker verständlich ist
Der den Rückzug liebt denke ich

Er trifft den Geist einer Zeit die
Nicht für die Ewigkeit baute uns 
Teure Sanierungsfälle von zarter 
Schönheit noch hinterlassen hat

jens tuengerthal 26.2.26

Freiheitsentscheidung

Freiheitsentscheidung

Freiheit ist eine Entscheidung
Weil ich entscheiden kann bin ich frei
Auch die Unfreiheit zu wählen
Ist Teil umfassender Freiheit

Ob und wie die Freiheit staatlich
Beschützt werden kann ist dabei
Immer wieder fraglich auch nach
Erfahrung mit autoritären Staaten

Grenze meiner Freiheit ist die der
Anderen spannend wird das konkret 
Was ist noch erlaubt was gehört zum
Schutz aller dabei dringend verboten

Ist die Verbreitung von Lügen zur
Täuschung der Wähler wie unter
Trump in den USA üblich von der
Meinungsfreiheit noch gedeckt

Kann ein Bewusstsein relativer
Wirklichkeit Wahrheit beanspruchen
Oder ist diese stets die Erfindung
Eines Lügners in Wirklichkeit nur

Kann sich wer vom Aberglauben
Gefesselt ist es gäbe eine höhere
Macht oder Götter noch frei nennen 
Ist deren Entscheidung je frei

Darf frei wählen nur wer frei ist
Also keiner Beschränkung unterliegt 
Wen schlösse das langfristig aus von
Der Möglichkeit in Freiheit zu leben

Die Bedingungen dessen definieren
Was Freiheit ausmacht kann helfen 
Ihren ganzen Umfang zu erkennen
Wie gleichzeitig Grenzen setzen

Zwischen dieser Spannung nach
Freiheit suchend durch das Leben
Zu balancieren ist vermutlich normal
Bleibe am Ende halt etwas unklar

jens tuengerthal 26.2.26

Kulturfreiheit

Kulturfreiheit

Darf der Staat den Kurs der Kultur
Bestimmen oder niemals tut er es
Nicht automatisch immer wo er zahlt
Fragt sich im Streit nach der Berlinale

Darf sich der Kulturstaatsminister nun
Als größter Sponsor in die Führung
Der Berlinale mischen die diesmal
Häufiger wegen Antisemitismus auffiel

Nicht die Jury um Wim Wenders 
Oder Siri Hustvedt standen hier
Unter Verdacht gerade ersterer
Bemühte sich um eine Trennung

Doch warum kommt es zu Protesten
Wieso bekommt ein Flüchtling einen
Preis den er nutzt Propaganda für die
Antisemitische Hamas zu machen 

Die Hamas sind klar islamistische
Terroristen ihre Unterstützung ist
In Deutschland ein Verbrechen die
Propaganda für sie zählt mit dazu 

Die Lüge vom Genozid in Gaza der
Von der Hamas gezielt verbreitet wird
Dient der Diskriminierung von Israel
Wie der Relativierung eigener Schuld

Dies mag in der islamischen Welt
Der normale Antisemitismus sein
In Deutschland hat der nichts verloren
Wer es hier tut gilt als Terrorist

Es ist keine Frage freier Kultur wenn
Der Sponsor seine Zahlungen an die
Einhaltung der Rechtsordnung knüpft
Terrorpropaganda ist kein Multikulti

Wenn ein Terrorist zum Preisträger
Eines Wettbewerbs wird der schon
Vorher Propaganda machte muss
Die Leitung diesen Fehler erklären

Hätte diese Leitung noch Kultur
Charakter und Verantwortung hätte
Sie nach diesen Ereignissen längst
Ihren eigenen Rücktritt angeboten 

Wer das nicht merkt und dafür einen
Wim Wenders und Siri Hustvedt in
Diese peinliche Lage bringt muss
Zur Verantwortung gezogen werden 

Verbreitung von Terrorpropaganda
Ist in Deutschland eine Straftat und
Diese zu verhindern ist keine Zensur
Befreit die Kultur von Islamisten

Scheinbar sind große Teile der
Kulturszene politisch zu naiv die 
Zusammenhänge zu erkennen bisher
Daher braucht es klare Führung nun

Wer Terroristen unterstützt oder den
Islamistischen Terror relativiert wird 
Damit selbst zum Terroristen mit allen 
Strafrechtlichen Konsequenzen auch

Das ist keine Frage der kulturellen
Meinungsfreiheit mehr sondern ein
Gebot des Schutzes vor Terror damit
Kultur wieder Freude uns schenkt

jens tuengerthal 26.2.26

Liebesrausch

Liebesrausch

Liebesrausch endet 
Eher schmerzvoll verkatert 
Sagt Erinnerung

Manchmal überlebt
Liebe die Beteiligten
Dann war alles gut

jens tuengerthal 26.2.26

Terrorkultur

Terrorkultur

Kultur und Terror
Keine gute Verbindung
Zeit sich zu trennen

jens tuengerthal 26.2.26

Teerausch

Teerausch

Der Teerausch kommt wohl
Kannenweise vor aber
Schadet noch keinem 

jens tuengerthal 26.2.26


Mittwoch, 25. Februar 2026

Lebensbücher III

Lebensbücher III

Drei große Romane habe ich schon
Im ersten Teil der Lebensbücher hier 
Erwähnt doch war das nur ein kleiner
Ausschnitt wie die Spitze des Eisberg

Es begann mit den Kinderbüchern
Danach kam eine Phase von eher
Schlechten Jugendbüchern die hier
Getrost verschwiegen werden können 

Von Schloss Schreckenstein über
TKKG und ??? war alles mit dabei
Was keiner Erwähnung mehr wert ist 
Dann kam Agatha Christie die ich

Als kluge ältere Engländerin schätzte
Die meiner Omi gefühlt sehr glich 
Wie Sherlock Holmes eine Zeit aber
War nie ein großer Krimi Fan 

Die Mutter meiner ersten längeren 
Beziehung war Buchhändlerin und
Hörte gerne Tom Waits sie brachte
Einiges was uns wenig interessierte 

Damals waren die noch relativ neuen
Körperlichen Experimente wichtiger
Als gemeinsame Lektüre die ich heute
Für die schönste Vorstellung halte

Die erste Literatur bekam ich dann
Von meinem Patenonkel mit 15 zur
Konfirmation schenkte er mir einige
Bände Hemingway mit Biographie

Sein Vater hatte ja noch mit Ernest
Und Picasso um die Wette in Paris
Gesoffen und viel Spaß gehabt der
Zufällig mein Großvater auch ist 

Der kleine Bruder meines Vaters 
War immer so ein Hemingway Typ
Auch gewesen wofür ich ihn erst 
Bewunderte und lange nacheiferte

Als ich merkte dass ich ganz anders
In allem einfach bin ließ beides nach
Was vermutlich allen gut tat aber so
Prägte Hemingway mich schon früh

Toll und männlich wollte ich auch sein 
Cool ohnehin und so waren Ernest
Wie mein Onkel die richtigen Vorbilder
Mit 15 und zu lange weiter noch

Die nächste Entdeckung mit 16 war
Gabriel Garcia Marquez dabei war
100 Jahre Einsamkeit mein Anfang 
Liebte ihn und er war mir auch fremd

Las einige Südamerikaner auch was
Humboldt darüber schrieb hörte die
Reiseberichte meines Vaters und
Wusste immer ist nicht meine Welt

In der Schule lasen wir einiges was
Leider genau darum auch weniger 
Begeisterung bei mir weckte halt
Schullektüre wurde erst später gut

Mit 17 hatte ich eine zwei Jahre
Ältere Freundin was ich aus guter 
Erfahrung immer bevorzugte die
Vom Gegenteil bestätigt wurde

Da kam Thomas Mann zu mir und
Wurde beginnend mit Buddenbrooks
Zu meiner literarischen Heimat erst
In dünner Fischer Ausgabe noch

Damit hatte ich alle Romane die
Stück für Stück gelesen wurden
An was ich mich erst noch etwas
Gewöhnen musste aber dann

Immer mehr in diese Welt tauchte
Während andere Tolkien lasen
Liebte ich Mann und rauchte Pfeife
Hatte bald einen Lesesessel auch

Irgendwas von Ikea vermutlich der
Lag ja in Walldorf direkt vor der Tür
Ging mit der Freundin die schon
Ein Auto hatte auf Flohmärkte 

In Konkurrenz mit meinem Freund
Gleichen Namens begann dann
Der Ehrgeiz zu sammeln und
Tollere Funde noch zu machen

Dabei unterlag ich meistens der
Ein halbes Jahr jünger und eher
Unerfahren auf Flohmärkten war
Aber manchmal machte auch ich

Große Neid erweckende Funde 
Etwa auf unserem Dachboden noch
Wo die Bibliothek der Urgroßmutter 
Die in ihrem Haus verbrannte zum

Auslüften deponiert waren so kam ich
Zu schönen Klassiker Ausgaben oder
Einer kommentierten Ausgabe von
Hitlers unsäglichen Mein Kampf was

Nicht zu lesen war auch nur die
Billige Taschenbuchausgabe der
Urgroßmutter war ein peinliches Ding
Was leider irgendwann verschwand

Vermute zu wissen wer es damals
An sich nahm kann es aber weder
Beweisen noch ist es wichtig der
Typ war so schlecht wie überflüssig

Bei Besuchen in Frankfurt erst mit
Der Freundin mit Auto wie später
Mit dem eigenen entdeckte ich
Zweitausendeins was Bibliothek

Wie Sammelleidenschaft noch
Zusätzlich weiter wachsen ließ
Gab einige überraschende Pakete
Voller Bücher die gut waren

Arbeitete viel im Krankenhaus um
Die große Jean Paul Ausgabe zu
Erstehen die dort herauskam aber
Nicht wirklich verschlungen wurde 

Gleiches gilt für André Gide der
Auch als ganzes zu mir zog aber
Für den ich über Hessel und Roché
Nun brennen könnte bin gespannt

Auch daher kamen Pakete mit der
Bibliothek Suhrkamp zu mir die so
Einige wunderbare Werke brachten
Wie Aitmatovs Dschamilja die mir

Der Vater voller Begeisterung stets
Nahe legte wie griechische Sagen 
Der Schwab zog irgendwann zu mir
Aber blieb eher ungelesen auch

Klassiker Ausgaben kamen in noch
Einzelnen Bänden vom Großvater
So entdeckte ich etwa Heine zu 
Anfang der neunziger Jahre schon

Vom ersten Geld was ich damals
Als Journalist noch in der Schule
Beim Radio verdiente kaufte ich
Goethes Dichtung und Wahrheit

War hin und weg und entdecke
Bald den Wilhelm Meister und
Fühlte mich ihm so verwandt
Wie zugleich gut erkannt auch

Sehr lang wurde die Karriere
Beim Radio dann nicht doch 
Sie brachte noch einigen Zuwachs
Aber es blieb noch überschaubar

Auf dem Flohmarkt fand ich in 
Dieser Phase Anfang der neunziger
Die da schon hundert Jahre alte
Ausgabe von Casanova mein Leben

Ein Schnäppchen da noch in üblem 
Zustand der sich bisher nicht besserte
Der Bruder des Grand Orient aus der
Loge in Lyon kam mir vielfältig nah

Er liebte die Frauen wirklich und
Schreibt mit viel Gefühl über sein
Bemühen auch um ihr Glück was
Ihm scheinbar stets wichtiger war

So gesehen war er mir ein guter
Lehrer und die Frauen zu lieben 
Statt sie nur zu benutzen entsprach
Auch mehr meiner Natur oder 

Vielleicht auch dem was meine
Mutter mich lehrte der ich so
Ähnlich wie verwandt auch war
Die früh Frauengruppen leitete 

Seine Reisebeschreibungen und 
Abenteuer sind nett aber doch
Weniger reizvoll als viele andere
Casanova las ich der Liebe wegen

Über die Freimaurer wuchs mein
Interesse an Büchern noch weiter
Auf verschiedenen Gebieten aber
Blieb bis in die Gegenwart auf

Gute Literatur immer konzentriert
Fontane tauchte früh auf und wurde 
In verschiedenen Phasen treuer 
Freund mir was mit der Effi begann

Die Österreicher entdeckte ich über
Joseph Roth im Deutsch LK der
Fand bald zahlreiche Nachbarn
Noch bis in die Gegenwart auch

Kafka ist da vollständig wohl aber
Begeisterte mich nie wirklich der
Von früh an die Ironie von Mann 
Also Gipfel der Sprache liebte 

Unter die Österreicher zähle ich
Auch die alten Ungarn von denen
Einige sehr gut bei mir ankamen 
Meist noch aus kuk Zeiten erzählend

Warum auch Kafka als gebürtiger
Böhme bei den Österreichern noch
War zu den Kukasiern zählt wie
Roth der Galizier natürlich auch

Einige Engländer und Engländerinnen
Die besten Franzosen natürlich da
Wuchs die Zuneigung langsam erst
Auch ein paar Amerikaner noch

Siri lag mir gleich mehr als Paul
Mit 17 auch lernte ich mit meinem
Vater in Amsterdam bei einer so
Nicht geplanten Übernachtung

Die unerträgliche Leichtigkeit
Des Seins von Kundera kennen
Verschlang es später fasziniert
Ein Buch über Liebe Lust und Leben

Die Unsterblichkeit von Kundera
Fand ich später geistig spannender
Philosophisch tiefer als diese etwas
Eigene Liebesgeschichte in der

Unerträglichen Leichtigkeit die
Jules und Jim im Sozialismus spielt 
Ohne geistig so spannend zu sein 
Weil Kundera eben Böhme ist

Max Frisch der Homo Faber wie 
Dürrenmatt fand ich wunderbar
Obwohl mein Vater schon so
Euphorisch davon geschwärmt

Von Rilke schwärmte er auch
Zitierte den Panther zu gerne noch
Ungefragt vergaß den Anfang nie
Aber fand Rilke kitschig langweilig

Passend zu kitschig langweilig ist
Auch Hermann Hesse da in einer
Sehr kurzen esoterischen Phase
Alles verschlungen und gelangweilt 

Als Dichter ist Hesse unerträglich
Ein nur menschlicher Coelho der
Gut über Literatur schrieb zumindest
Mit Thomas Mann befreundet war

Irgendwann kamen auch die 
Großen Russen zuerst Tolstoi
Dann Dostojewski später auch
Der feine Vladimir Nabokov


Am Ende sollen Tucholsky der mit
Schloss Gripsholm und Rheinsberg 
Zwei prägende Liebesgeschichten 
Schrieb die Lust auf vieles machten 

In Rheinsberg war ich häufiger nun
Mit verschiedenen Damen dabei doch 
Frisch verliebt war ich da nie aber
Wer weiß was noch kommen könnte

Wie Siegfried Lenz und Günter Grass
Nicht unerwähnt bleiben ohne eines
Ihrer Werke besonders zu betonen
Hessel lese ich viel lieber noch

Ob ich suche was mir ähnelt
Oder gerade das Gegenteil will
Bin ich nicht ganz sicher bisher 
Vielfältig spannend kommt mir vor 

Was ich gerade in Gedanken wieder
Las und finde es gut so ein so buntes 
Leben gelebt zu haben und werde
Nun gegen halb acht etwas ruhen

jens tuengerthal 25.2.26