Montag, 9. März 2026

Liebesfrieden

Liebesfrieden

In Frieden lieben
Ist mehr wert als jede nur 
Beziehung sein kann

jens tuengerthal 9.3.26

Krieg und Frieden

Krieg und Frieden

Zu Krieg und Frieden 
Enthalte ich mich lieber
Des Friedens wegen

jens tuengerthal 9.3.26

Teeblätter

Teeblätter 

Genießer trinken
Tee Teeblätter entfallen
Langsam zart Geschmack

jens tuengerthal 9.3.26

Hoffnungsgrün

Hoffnungsgrün

Mitten im Krieg gewinnt ein Grüner
Realo eine Wahl im Ländle bei der
Es weniger um internationale Politik
Ging als um Vertrauen in die Zukunft

Die CDU verspielt einen bequemen
Vorsprung durch Arroganz die sie
Auch mit Mühe nicht ausglich aber
Gewann dennoch spürbar hinzu

Der Wahlsieger Grüne verlor und
Gewann mit einem der eben nicht
Typisch Grün sondern Realo ist
Für bodenständige Politik steht

Ein Schwabe mit migrantischen
Wurzeln in der Türkei der dazu
Muslim ist kann dort gewinnen
Was ein gutes Zeichen auch ist

Die SPD die gerade wieder den
Feigen Pazifismus propagiert schafft
Mühsam noch die 5% Hürde was 
FDP und Linke nicht gelingen

Von verdoppelten Rechtsradikalen 
Sei lieber geschwiegen vielleicht
Begreift Merz endlich es braucht
Ein Verbot von Putins Truppe

Natürlich fallen in Krisenzeiten auch
Mehrheitlich ungebildete Männer auf
Schlichte Antworten der Populisten
Herein statt noch kritisch zu denken 

Darauf gibt es auch keine schnellen
Antworten sondern braucht Geduld
Vertrauen der Feigen zu gewinnen 
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen

Der Krieg und die Angst vor ihm
Die explodierenden Energiepreise
Stärken die Grünen die genau die
Richtige politische Antwort haben

Erneuerbare Energien machen uns 
Unabhängig vom Öl das keinerlei
Zukunft besser haben mehr sollte 
Grüne Politik hat eine Perspektive

Die CDU steckt fest im Sumpf der
Provinziellen Männlichkeit die den
Ton der Zeit nicht mehr trifft was 
Dafür Cem Özdemir perfekt tat

So gesehen zeugen die Ergebnisse
Von vernünftigen Wahlen im sonnigen 
Südwesten der Republik ob aber der
Kanzler daraus lernt ist ungewiss 

Inwieweit die Grünen nun merken
Mit vernünftigen bodenständigen
Realos können wir Wahlen noch
Gewinnen ist auch relativ offen

jens tuengerthal 9.3.26

Sonntag, 8. März 2026

Lektürentagebuch 8.3.26

Lektürentagebuch 8.3.26

Am Frauentag Mann zu lesen liegt
Zumindest nahe wenn dieser auf
Einen Sonntag fällt womit hier zwar
Thomas Mann Thema ist aber egal

Manchmal lese ich auch Frauen
In gut begründeten Ausnahmen
Sogar lieber aber prinzipiell lese ich
Sonntags am liebsten Mann

Ob dieser seiner nie ausgelebten
Neigung wegen auch weiblich war
Ist mir völlig egal weil er gut ist was
Bei der Betrachtung alleine zählt

Im heutigen 5. Kapitel Buddenbrooks
Ging es um die Frömmigkeit der alten
Konsulin nach dem Tod ihres Mannes
Wie die Folgen davon im Haus

Thomas ignorierte es höflich und
Christian beobachtete und machte 
Später im Club die Pfaffen nach nur 
Tony litt wirklich am frommen Geist 

Mit aller Vernunft wehrte sie sich
Gegen die klebrige Atmosphäre
Welche die Andachten am Morgen
Wie am Abend im Haus verbreiteten

Wagte einer der Pfaffen sie persönlich
Anzusprechen bekamen sie schnell
Die gebührende Quittung einer sehr
Schlagfertigen Tony Buddenbrook

Tränen-Trieschke wie ein Prediger 
Aus Berlin genannt wurde weil er
Bei seinen Andachten regelmäßig
In Tränen ausbrach wagte es noch

Tony einen doppeldeutig anzüglichen
Brief zu schicken obwohl er Zuhause
In Berlin Frau und viele Kinder hatte
Den Tony darauf ihrer Mutter vorlas

Fortan wurde Trieschke nicht mehr
Zum predigen in der Mengstraße
Geladen wo er vorher noch mit
Klothilde um die Wette gerne aß

Zusätzlich veranstaltete die Konsulin
Noch Sonntagsschule für Kinder die
Im Gartenzimmer stattfand und von
Kindern aller Klassen besucht wurden

Wie Jerusalem Abende bei denen
Gemeinsam zu erbaulichen Texten für
Einen Basar gehäkelt wurden dessen
Erlös der Mission in Jerusalem diente

Dort versammelte sich einige feine
Damen aus bester Familie aber auch
Einige einfachere Arme die Damen
Dort waren alle wie Mann treffend

Schreibt in dem Alter in dem sie sich
Schon um ihren Platz im Himmel wohl
Sorgten und darum war Tony dort
Auch eher fehl am Platze noch

Diese widerliche Frömmigkeit der
Wohlhabenden Witwen die sich
Gierige Prediger zunutze machen
Ist wunderbar humorvoll beschrieben

Auch der echte Zorn wie die teils
Verzweiflung von Tony ist grandios
Wie komisch beschrieben und lassen
Das System kritisch durchschauen

Tony war all dies zutiefst zuwider
Während Thomas weiter schwieg
Auch über die milden Gaben welche
Die Konsulin den Pfaffen stets gab 

Ebenso komisch geht es nun im 
Zauberberg weiter wo sich der
Relativ trunkene Mynheer Peeperkorn
Von Clawdia und Hans stützen lässt

Je zur rechten und zur linken der
Großen schweren Persönlichkeit
Mussten diese seinen Schwankungen 
Dabei hin und her gestoßen folgen

Er gönnte sich einen königlichen
Luxus damit sich stützen und
Führen zu lassen denn er hätte 
Mit etwas Mühe allein gehen können

Doch verschmähte er lieber noch die
Anstrengung die nur den Sinn hätte 
Haben können seinen Rausch den er
Genoss schamhaft zu verbergen

Doch schämte er sich dessen nicht
Sondern gefiel sich darin und machte
Sich so einen königlichen Spaß dabei
Seine dienenden Führer schwankend

Entsprechend äußert er sich wieder in
Brocken mit Kinder und Unsinn er 
Wäre natürlich nicht lächerlich sei es
Was Hans Castorp eifrig bestätigt

Er gäbe der klassischen Lebensgabe 
Nun das ihre ohne Zweifel indem er
Sich freimütig schwanken ließe was 
Mann mit wiederholtem ‘man’ sagte

Er habe ja auch seinen Teil aber trotz
Aller Betrunkenheit sei er sich doch 
Der Ehre bewusst eine Persönlichkeit
Ins Bett zu bringen so wenig

Vermöchte der Rausch über ihn der
Doch in Hinsicht von Format nicht
In Vergleich kommen könnte worauf
Pepperkorn Na du Schwätzerchen

Zu ihm sagt während er ihn noch
Frau Chauchat mit sich ziehend
Gegen das Treppengeländer stieß
Sie waren schwankende Gestalten 

Das Gerücht über das Nahen des 
Hofrats war ein leerer Schreckschuss
Vielleicht von der müden Zwergin
Um die Gesellschaft zu sprengen 

Als ihm dies deutlich wurde blieb
Peeperkorn stehen und wollte gleich
Umkehren um weiter zu trinken aber
Beide Seiten redeten ihm das aus

So ließ er sich wieder in Bewegung
Setzen was seine Masse verdeutlicht
Der malaiische Kammerdiener stand
Sie erwartend vor dem Apartment

Er wird als ein Männchen von Mann
Beschrieben mit weißer Krawatte und
Schwarzseidenen Schuhen an den 
Füßen und nahm den Gebieter dort

Mit asiatisch devoter Verneigung
In Empfang bei der er die Hand
Nach Maßgabe großer Diener 
Sich neigend vor die Brust legte

Küsst euch ordnete Peeperkorn an 
Für Hans und Clawdia wobei der
Erstere sich ausdrücklich weigerte
Während Clawdia still verschwand

Hans nennt Peeperkorn dabei noch
Majestät als er den Stirnkuss ablehnt
Das wäre reiner Unsinn und da nun
Clawdia weg war durfte Hans gehen

Einen Moment aber sah Pepperkorn
Ihm noch nach aus der ganzen Höhe
Seiner Persönlichkeit die eine solche
Unbotmäßigkeit nicht gewohnt war

Wieviel Ironie und feiner Humor
Steckt wieder in dieser Szene die 
Dennoch alle mit Anstand dabei
Noch ihren Weg gehen lässt

Mann spottet und ist ironisch
Er macht sich auch lustig dabei
Aber er macht keinen lächerlich
Tut es stets mit gewählten Worten


Herrlich ist der Dialog zwischen
Potiphar und Dûdu bei dem dieser
Versucht den Zwerg geschickt zu
Prüfen der den Wissenden spielt 

Die Todesdrohung gemeinsam mit
Dem Ehrverlust haben dabei den
Hausherren geweckt und für den
Intriganten Zwerg eingenommen

Herrlich beschreibt Mann wie der
Fette Potiphar zeitweise ganz unter
Seinem Handtuch verschwindet dem 
Dûdu die Weile dabei lang schon wird 

Gerade wenn der Zwerg meint den 
Hausherren überzeugt zu haben
Prüft dieser klug neue Zweifel noch
Wiegt den Zwerg dabei in Sicherheit

Bis plötzlich wieder eine Frage kommt
Die alles infrage stellen könnte wie die
Warum ein kleiner hässlicher Zwerg 
Diese geheimen Dinge wissen sollte

Potiphar zeigt sich dabei seiner Figur
Als fetter schwammig träger Typ
Ganz entgegengesetzt strategisch
Klug gewitzt und dazu schnell auch

Es ist eine Freude diesen Dialog
Zu lesen in dem der wesentlich
Klügere Hausherr den intriganten
Zwerg immer wieder kritisch prüft

Wie dünn ist doch verglichen die
Biblische Geschichte wie reich
Malt Mann sie dafür wieder aus
Das ganze mit feinem Humor


Dreimal Mann am Frauentag tat
Gut und war eine Freude dabei
Dies ist Humor den ich liebe der
Nicht mit Schenkelklopfen nur

Die eigenen Vorurteile pflegen
Wie ein schlichtes Publikum mit
Erwartbaren nur bestätigt sondern
Doppelte hintergründige Gedanken 

Dies zeigt was Literatur groß macht
Warum wir diese so unbedingt im
Kulturellen Kanon brauchen statt
Vieler Plattheiten heutiger Tage 

jens tuengerthal 8.3.26

Frauenliebhaber

Frauenliebhaber

Liebhaber aller
Frauen oder nur einer
Dann über alles

jens tuengerthal 8.3.26

Frauentag

Frauentag

Frauentag ist nur
Einmal jährlich aber sie
Haben monatlich

Ihre Tage um
Menschen zeugen zu können
Verdient Dankbarkeit

An allen Tagen
Voller Liebe noch besser
Für alle dabei

jens tuengerthal 8.3.26

Frauentee

Frauentee

Frauentee gibt es
Mit ganz unterschiedlichen
Zutaten passt ja

jens tuengerthal 8.3.26

Frauenbewegung

Frauenbewegung

In einem der frühen Werner Comics
Antwortet Werner auf die Frage ob er
Für Frauenbewegung sei natürlich
Sei er dafür dass Frauen sich beim

Ficken auch bewegen würde was 
Kein emanzipierter Mann heute noch
Zu sagen oder zu denken wagte denn 
Natürlich sind wir alle Feministen

Sich für Gleichberechtigung als Mann
Einzusetzen ist eine Frage der Ehre
Alles andere wäre auch unwürdig nur 
Was tun wenn Frau das gar nicht will

Nach aller Erfahrung gibt es kein
Rezept was auf alle passt die auch 
Mal das Gegenteil wollen dann hilft 
Die Formel Frau hat immer recht

Sich davor als Mann mit gebotener
Höflichkeit zu verneigen wäre dann
Eine Form der Frauenbewegung
Die keiner am Frauentag schadete

jens tuengerthal 8.3.26

Frauenlust

Frauenlust

Wie nah liegt es doch sich am
Internationalen Frauentag dessen
Sozialistische Wurzeln ignorierend
Um die Lust der Frauen zu bemühen

Es war mir immer eine Ehre mich
Um die Befriedigung der Liebsten
Auf jede denkbare Art zu bemühen
Was nicht immer erfolgreich war

Habe allerdings inzwischen den
Starken Verdacht dass dies sowohl
Am bemühen wie an der Absicht lag
Dabei einen Erfolg zu erzielen

Besonders gut dagegen war es
Für vermutlich beide wem es ohne
Jede Absicht natürlich gelang was
Nach der Natur nicht immer ging

Sicher hilft es auch praktisch sich 
Mit der weiblichen Anatomie vorab
Zu beschäftigen um zumindest
Wissen zu könnten was gut wäre

Doch viel wichtiger noch als alle
Technik scheint mir heute dabei
Das richtige Gefühl zu haben was
Kein Wissen der Welt lehren kann 

Dem Gefühl dabei zu vertrauen
Als sei es überprüfbares Wissen 
Ist die schwierigste Aufgabe für
Schlicht logisch denkende Männer

Dazu sollen wir zugleich ihr das
Gefühl geben begehrt zu werden
Ohne sie je damit zu bedrängen
Und nur dann wenn sie es will

Ob Mann dabei so tun sollte als ob
Er genau wüsste was er will oder
Ihr auch dabei die Führung weil 
Kompetenter überlassen sollte ist

So unterschiedlich wie jede Frau
Dabei etwas anders ist aber auch
Allen natürlich ähnlich was die
Gratwanderung gut beschreibt

Wenn es emotional passt wird
Alles richtig sein während da
Wo dieser Nähe fehlt jeder Versuch
Verlorene Liebesmüh immer bleibt 

Dabei kann helfen wie überall im
Komplexen emotionalen Leben
Frau die Führung zu überlassen
Nur ihr dabei zugleich das Gefühl

Zu geben sie werde erobert was
Wieder jede auf andere Art nach
Situation Gefühl Laune Wetter 
Oder sonst Umständen möchte

Wenn es danach gut war stimmte 
Wohl vorher alles womit Mann 
Zumindest aus der Vergangenheit
Für die Zukunft lernen könnte 

Zumindest theoretisch weil dies
Auch nur gilt wenn es die gleiche ist
Es also eine zweite Chance gibt 
Diesmal nicht alles falsch zu machen

Habe trotz mehr als einem Versuch
Nie ein Schema dabei entdecken
Können das Berechnung ermöglichte
Außer wenn sie will wird es gut sein

Darum versuche ich weiterhin voller
Liebe der weiblichen Lust zu dienen
Ohne zu wissen wie und dabei auf
Nichts als Gefühl zu vertrauen 

Zumindest fanden das nicht alle
Immer schlecht was etwas Hoffnung
Für die Zukunft machen könnte 
Wäre in der Lust etwas verlässlich 

Sich mit allem mir möglichen um
Die Lust von Frau zu bemühen 
Zeigt zumindest die gute Absicht
Ob es gelingt weiß keiner vorher 

Wenn es aber mal klappt und
Noch dazu beide zusammen
Zumindest gelegentlich kommen
Sollte Mann zufrieden dabei bleiben

jens tuengerthal 8.3.26

Frauenliebe

Frauenliebe 

Am Frauentag ist es angemessen
Die Frauenliebe zu bedichten ganz 
Im Sinne von Casanova der dafür
Ein Leben lang lebte und liebte

Ihm zumindest in dieser Hinsicht
Ein wenig nachgeeifert zu haben
Ist dem Flaneur eine große Ehre
Weil Frauen die Liebe verdienen

Ganz in diesem Sinne schreibt 
Auch Montaigne in seinem Essay
Über einige Verse von Vergil wo
Er den Damen ein Talent nach ihrer

Natur in diesem Bereich attestiert 
Von dem wir weniger begabten
Herren nur lernen könnten was 
Volle Zustimmung nur finden kann

Die große Kunst dabei ist wohl
Von ihnen als Mann zu lernen
Ohne zu meinen sie darum auch
Verstehen zu können was eher

Eine unmögliche Aufgabe ist
Also was keiner können muss
Auch weil es eine Gefühlsfrage
Eher ist als logisch erklärbar

Auf diesem zugegeben nach
Männlicher Natur schwierigen Weg
Hilft am ehesten noch sie zu lieben
Was keiner erklären können muss

So ist am Ende Frauen zu lieben
Vielleicht die beste Antwort darauf
Sie nie verstehen zu können aber
Dennoch das mögliche zu genießen

jens tuengerthal 8.3.26

Frühlingsriesling

Frühlingsriesling

Gegen Mitternacht im Crossroads 
Angekommen das gut gefüllt ist
Dunja an der Bar begrüßt wie auch
Selma und Tino hinter derselben

Sogleich brachte Selma meinen 
Guten Rheingauer Riesling kaum
Hatte ich in der Flaneurloge hier
Platz genommen alles ist gut so

Auch die Musik ist mitreißend schön
Zwischen Pop und Rock der frühen
80er bis späten 70er zum jung fühlen
Für uns etwas ältere Semester hier 

So gut und bekannt dass Selma und
Der Flaneur schon fast mitsangen 
Die Stimmung ist gehoben und auch
Tino witzelte schon ich hätte gestern

Unentschuldigt gefehlt verzieh mir 
Aber wieder Erwarten dass ich ohne 
Absicht Zuhause einschlief einzig
Ungewöhnlich ist dass Dunja heute

Vor der Bar direkt sitzt und nicht
Wie sonst am Tisch aber es ist ja
Gefühlt Frühling und da kann ja
Außergewöhnliches gewagt werden

Zumindest ist sie auch da wieder
Gut im Gespräch mit einem der
Herren von ihrem Tisch gerade
Kam noch eine Dame mit Herr

Sie trägt ein außergewöhnlich
Schickes Kleid er eine dunkle
Brille oben sitzen noch zwei Paare
Die miteinander beschäftigt sind

Die einen in den Sesseln mit
Worten die anderen auf dem
Sofa eng umschlungen eher
Mit Lippen und Fingern innig

Der Tag wandert nun in die Nacht
Tino klopft Eis und schüttelt neue
Drinks mit großer Hingabe passend 
Zum Rhythmus der Musik gekonnt 

jens tuengerthal 8.3.26

Samstag, 7. März 2026

Lektürentagebuch 7.3.26

Lektürentagebuch 7.3.26

Heute geht es lesend auf Reisen
Natürlich ohne dabei den geliebten 
Diwan zu verlassen meinem dort
Schönsten Mittelpunkt der Welt

Beginne mit Montaigne und seinem
Tagebuch der Reise nach Italien die
Der kluge Franzose 1580 bis 1581
Mit Pferd und Dienern unternahm

Am 21. Juni 1581 war er früh schon
Aus Bagni della Villa abgereist unter
Wunderbaren Freundschaftsbeweisen
Der anderen Kurgäste dort 

Über steile aber doch wohlgefällige
Berge voller Wälder gelangte er nach
Pescia wo es ein kleines Castello am
Gleichnamigen Fluss noch gäbe 

Es läge auf Florentiner Gebiet und
Habe schöne Häuser offene Straßen
Wie berühmte Trebbiano Weine auch
Es liegt zwischen Olivenhainen

Die Einwohner seien für Frankreich
Begeistert weshalb ihr Wappentier 
Ein Delphin noch sei nach dem dort 
Mittagessen kamen sie durch eine

Schöne Ebene die reich an
Ansehnlichen Häusern wie auch
Schlössern sei so wollte er etwa
Sieben Meilen hinter Pescia den 

Monte Catini mit seinen heißen 
Quellen noch besuchen jedoch
Ließ er ihn zerstreut links liegen
Merkte es aber erst in Pistoia

Er stieg in dieser Stadt ab und
Wurde von Rispiglosis Sohn also
Aus dem dort ansässigen Adel
Besucht sie erwiesen sich die Ehre 

Wer in Italien anders als mit den 
Dort Mietpferden reise sei nach
Montaignes Sicht eher schlecht
Beraten sie seien viel günstiger

Von Pistoia aus kam er über Prato
Nach Castello wo er in einem dem
Palast des Herzogs gegenüber
Gelegenen Gasthaus zu Mittag aß

Dann sahen sie sich in Ruhe den 
Garten des Palastes an dabei ging es
Ihm wie schon so oft zuvor die nur 
Vorstellung übertraf die Wirklichkeit

Er hatte den Garten zuerst noch
Winterlich nackt gesehen und ihn 
Sich darum wunderbar bunt noch
Geträumt gehabt was er nicht war

Nach dem Mittagessen erreichte er
Florenz wo er sich die öffentliche
Prozession mit dem Großherzog
In der Kutsche noch ansah

Neben viel Pomp gab es auch einen
Wagen mit einem vergoldeten Theater
Auf dem vier kleine Kinder spielten 
Wie ein als Mönch verkleideter Mann 

Dieser trug einen falschen Bart und
Stellte so den heiligen Franziskus dar
Er stand aufrecht und hielt die Hände
Wie wir es von den Bildern kennen

Der Heilige trug um seine Kapuze
Einen Kranz etliche Jungen der Stadt
Steckten in Rüstungen und einer gab
Den heiligen Georg dem sich dann

Auf dem Marktplatz ein Drache der
Von mehreren Männern unbeholfen 
Gehalten wurde entgegenstellte und
Mit Riesengebrüll dabei Feuer spie

Der Junge jedoch ging diesem nur 
Theaterdrachen fest entschlossen 
Entgegen und stach ihn dann ab
Ein großes Straßentheater war es

Ein gewisser Gondi aus Lyon hat
Montaigne dort mit Liebe überhäuft
Zum Beispiel ließ er ihm einen ganz
Hervorragenden Trebbiano bringen

Dabei herrschte eine solche Hitze
Dass es sogar die Einheimischen
Noch überraschte er bekam dafür
Im Morgengrauen eine Nierenkolik

Diese machte ihm etwa drei Stunden
Noch zu schaffen er aß an dem Tag 
Auch seine erste Melone und schon 
Seit Anfang Juni gab es in Florenz

Gurken und Mandeln zu genießen
Dazu fand am 23. Juni auf einem
Schönen großen Platz ein großes 
Wagenrennen nun statt als Attraktion 

Alle Balkone waren beladen mit 
Damen oben am Palast des Herzogs 
Seine Frau und der Hofstaat während
Das Volk wie auch er auf Tribünen

An der Längsseite des Platzes saß 
Das Wettrennen fand zwischen fünf
Leeren Wagen statt die den Obelisken
Dort umkreisen sollten entscheidend

Ist die dritte Runde für den Sieg dabei
Behielt der Wagen des Großherzogs
Immer die Führung bis zur 3..Wende 
Dann steigerte Strozzi das Tempo

Er holte noch derart auf dass völlig
Unsicher war wer gewonnen hatte 
Dabei feuerte das Volk den Wagen
Von Strozzi aus Leibeskräften an 

Dies alles vor den Augen des Fürsten
Als am Ende gestritten wurde wer 
Gewonnen habe ergriff das Volk 
Wieder Partei gegen seinen Fürsten

So wurde Strozzi am Ende die Palme
Des Siegers zugesprochen jedoch
Wie Montaigne meinte zu Unrecht 
Der palio dürfte 100 Taler wert sein

Ihm gefiel dieses Schauspiel viel mehr
Als jedes das er in Italien noch sah 
Weil es ihn an die Wagenrennen der
Antike sogar noch sehr erinnerte 

Am Vorabend von Sankt Johannes
Wurde der Dom im oberen Teil von
Zwei Reihen Lichtern angestrahlt und
Sie schossen von da Raketen ab

Anders als in Frankreich seien die
Johannisfeuer in Italien unüblich 
Samstag kam dann der Johannistag
Das wichtigste Fest von Florenz

Dazu ließen sich sogar die jungen
Mädchen auf den Straßen sehen
Doch fand er keine große Schönheit
Unter ihnen was ich gut verstehe

Auf dem Platz des Palastes der mit
Gobelins reich behängt war eine 
Tribüne errichtet worden auf der am
Morgen der Großherzog erschien

Neben ihm der Nuntius des Papstes
Viel weiter weg der Botschafter von
Ferrara nun zogen alle seine Länder
Städte und Castelli symbolisch vorbei

Die Verkleidungen wie auch die dabei
Überreichten Geschenke waren Teil
Der großen Zeremonie nach dieser
Kam noch eine solche zur Gaudi

Es folgte ein Festwagen mit einem
Großen Holzobelisken auf dessen 
Stufen Knaben Engel oder Heilige 
Darstellten auf dessen Spitze aber

Stand ein als Sankt Johannes
Verkleideter Mann der an eine 
Eisenstange gebunden war diesem
Wagen folgten dann die Beamten

Als letzter Wagen kam einer auf dem
Junge Leute standen mit drei palii
Was Umhänge heißt und an die alten
Wettkämpfe der Städte erinnerte

Neben ihnen wurden die Berberrosse
Für die heutigen Wettrennen geführt
Von Stallknechten in den Farben ihrer
Besitzer als Herren höchsten Ranges

Die Hitze schien ihm nicht größer 
Als in Frankreich aber er schlief um
Ihr zu entgehen dennoch auf einem
Tisch im Speisesaal den er bezog

Eine angenehmere Unterkunft
Hatte er leider nicht finden können
Der Fremde sei ein Florenz schlecht
Dran und er hoffte sich so auch

Vor den Wanzen im Bett zu retten
Von denen es hier überall wimmelt
Es gäbe wenig Fisch so werden
Forellen und andere nur von 

Auswärts bezogen und nur mariniert
Er hätte aber gesehen wie einem
Giovan Mariano vom Großherzog als
Präsent lebendige Fische gebracht

Neben Wein und Brot schwammen 
Diese in irdenen Kühlgefäßen 
Montaigne hätte den ganzen Tag
An der Hitze gelitten noch 

Die Vergnügungen welchen sich die
Franzosen in der Abendkühle nach
Dem Essen hingeben kämen dort
Eher davor noch lange Zeit

Am längsten Tag des Jahres findet
Das Abendessen oft erst Nachts statt
Zwischen sieben und acht bricht erst
Der Tag dort an 

Nach dem Mittagessen kam nun das
Wettrennen der Berberrosse dabei
Gewann das Pferd der Kardinals de
Medici es lohne als Zuschauer nicht

Dort ständen sie nur an der Straße
Sähen Pferde vorbei rasen wie es
Bei Rennen heute noch ist dafür
Besuchte er am Sonntag endlich

Den Palazzo Pitti von den er noch
Berichtet was es dort zu sehen gäbe 
Wie eine Mauleselin aus Marmor
Sowie noch eine antike Chimäre 

Am Samstag war der Palast des
Großherzog geöffnet indem sich 
Die Bauern drängten was immer
Sie dort noch zu sehen hofften

Aber in allen Ecken und Enden
Des Palastes wurde getanzt so
Vermitteln diese Leute ein Bild
Von Freiheit die es nicht mehr gibt

Zumindest einmal im Jahr dann 
Zum Hauptfest der Stadt taten sie
So als sei es anders und Freiheit
Noch der Maßstab ihres Lebens


Vom Florenz am Ende des 16. 
Jahrhunderts geht es nach Rom 
Im frühen in den Roman von
Francisco Delicado über Lozana

Die Andalusierin hatte es nach Rom
Verschlagen wo sie unter den vielen
Dort spanischen Huren lebte und
Arbeitete das Werk erschien 1528

Von der Originalausgabe gibt es
Nur noch ein Exemplar in Wien
In der kaiserlichen Bibliothek warum
Alle anderen verschwanden ist

Dem Übersetzer laut Vorwort nicht
Bekannt die Zeit der Herausgabe
Liegt historisch ein Jahr nach dem
Sacco die Roma als die Truppen 

Von Karl V der König von Spanien
Wie des Heiligen Römischen Reichs 
Die Stadt Rom plünderten und auch
Verwüsteten in Teilen dabei

Über den Autor ist wenig bekannt
Er war wohl Priester in Cordoba
Geboren lebte von 1523 bis 1527
In Rom blieb dort als Spanier

Von Übergriffen verschont ging aber
Danach nach Venedig wo er noch
Anspielungen auf den Sacco einbaute
Und ließ sie 1528 anonym drucken 

Wann er in Venedig starb ist unklar
Nach dem großen Erfolg der Loranza
Gestand er seine Autorenschaft das
Buch ist voll dunkler Anspielungen

Der kurze Dialog der flüchtenden
Huren mit der Mutter eines Knaben
In dem Lozana die Andalusierin sich
Ärgert dass sie katalanisch mir ihr

Sprachen als sie mit Aquilarico ging
Darauf von seiner Mutter beschimpft
Sich ein wilder verbaler Kampf der
Damen neben dem Knaben ergibt

Der Mutter sagt sie sie sollte den 
Knaben küssen sie wisse schon
Wo während die andere noch
In Valencia gebunden worden wäre

Wie Tiere sollten sie die Majorkesin
Behandeln und in Ketten lieber legen
Beim Hintern des Satan fragt sie
Was für Weibsbilder dies wohl sind 

Mangels tieferer Kenntnisse im
Slang spanischer Huren in Rom
Lasse ich den wilden Dialog hier
Ohne weitere Kommentare stehen


Vom Rom des 16. Jahrhunderts
Geht es nach Wien im 18. von wo
Johann Kaspar Riesbeck in den 
Briefen eines Franzosen schreibt 

Der 25. Brief beginnt damit dass
Riesbeck meint wie der Körper
Brauche auch der Geist quasi
Gymnastische Übungen in Freiheit

Unnötiger Zwang mache nur den
Geist wie dem Körper schief und steif
Bei Griechen und Römern hätte unter
Allen Völkern der Geschichte die

Philosophie am wenigsten mit der
Religion in Verbindung gebracht
Vielleicht hat darum ihr Geist mehr
Schwung als jener der Ägypter

Oder der Babylonier und Kaldäer weil
Dort die Philosophie den Pfaffen noch
Allein gehörte die das gedankenlose
Volk alleine führen wollten warum

Das Wissen unter Hieroglyphen tief
Versteckt blieb so wie das neue Rom 
Die Rundung der Erde und auch den
Kopernikus den Mönchen unterwarf

Alles bezog sich auf Religion und
Ginge es nach ihnen lägen wir noch
In der Dummheit des 11. Jahrhunderts
Auch nach der Reformation blieb es 

Noch lange Brauch alles durch die
Brille der Religion zu sehen auch
Reformierte Pfaffen wollten lange
Herren aller Moralität noch sein

Die Freiheit zu denken sei auch
Gegen Luther und Calvin erst in 
Ihren Jahrhundert also damit dem
Der Aufklärung verbreitet worden 

Dabei hätten die Engländer ihre
Vorteile noch durch die Duldung
So vieler Sekten auch bis heute
Nach ihrer Verfassung wohl

Weil diese vielen uneinig sind
Könne keine Sekte das Volk
Als ganzes unterdrücken was
Die Deutschen bedenken sollten 

Bevor Riesbeck sich nun den
Überall gelobten Wiener Schulen
As Kind von Maria Theresia wohl
Wie Joseph unterbreche ich nun

jens tuengerthal 7.3.26