Sonntag, 27. September 2026

Lektürentagebuch 27.9.26

Lektürentagebuch 27.9.26

Ein wenig Michel de Montaigne in
Seinen Essays im Dritten Buch der
Wunderbaren Ausgabe aus der
Anderen Bibliothek gelesen heute

Zu gerne nehme ich den großen
Dunkelblauen Band mit der goldenen
Schrift in die Hand und weiter ging es
Über einige Verse von Vergil zum Sex

Er fragt sich ob wir nicht viel seltener
Zum Hahnrei gemacht würden wenn
Wir es weniger befürchteten denn 
Ihrer Natur nach empfinden Frauen

Alle Verbote als Anreiz sie auch zu 
Übertreten und zitiert dazu Verse
Was du willst das tun sie nimmer
Aber was du nicht willst dafür immer

Denn zum Wandeln auf der Tugend
Öden Pfad sein alle sich seit je zu
Schad was die Praxis bestätigen kann
Eifersüchtig war wer selbst dazu neigt

So erzählt er von Messalina die ihre
Heimliche Affäre öffentlich machte
Damit ihr Mann der es nicht merkte 
Sie wirklich zur Kenntnis auch nahm

Jedoch ließ er sich nicht stören und
So verlor sie Geschmack und Spaß 
Daran worauf die Kaisergattin aber
Öffentlich einen anderen ehelichte

Sie hoffte durch sein Verwehren ihr
Begehren wieder zu wecken doch er
Ließ sie nun umbringen wie einige
Noch die unter ihrer Decke steckten

So erginge es den Schlafmützen 
Noch stets am übelsten es führe zu
Große Duldsamkeit oft zu Rache 
Wenn der Zorn plötzlich aufflammt

Was Vergil über die eheliche Lust 
Von Venus und Vulkan sagt träfe
Noch mehr auf die außereheliche
Heimliche Von Venus und Mars zu 

Hierzu zitiert er die Verse des Lukrez

So wühlt der waffenmächtige Mars
Als Herr des Krieges sich lechzend
Oft in deinen Schoß und erliegt des 
Sieges Gewalt ewiger Liebeswunde
Hebt den Blick zur Augenweide
Und erhebt während euer Atem
Sich an deinem Mund vereint
Dein heiliger Leib umfließe
Den Erschlafften und aus deinen
Lippen Göttin lass zärtlich süßen
Liebestrunkenen Labsal der Worte
Sich über ihn endlich ergießen

Wenn er sich die erhaben anmutigen 
Worte sagt und ihre Bilder überdenkt 
Hat er für die Worte und Witze der
Nachgeborenen nur Verachtung übrig

Die alten Dichter waren meint er so
Gut dass sie keine gesuchten Pointen
Brauchten eine nie nachlassende
Sinnliche Kraft erfüllte ihre Sprache

Nicht erst das Ende sei Epigramm 
Sondern alles von Kopf bis Fuß
Nichts wäre angestrengt schleppend
Alle wäre aus einem Guss dort

Diese Verse packten einen und
Rissen die Geister mit es sei nicht nur
Gut geschrieben sondern gut gedacht
Die Kühnheit der Vorstellung lasse

Dabei die Worte schwellen und in die
Höhe steigen sie seien das Produkt
Praktischer sinnlicher Erfahrung was
Spürbar deutlich ihm dabei würde

Plutarch meinte er habe lateinische
Wörter durch die Dinge gelernt es sei
Was Worte zeugt und verständlich so
Uns macht die nicht nur Wind sind

Sondern aus Fleisch und Blut bleiben
Der Sinn mache Worte verständlich 
Sie bedeuten mehr als sie sagen 
Selbst Unbedarften dämmere es dort

Kostbar werde die Sprache durch die
Art wie schöngeistige Autoren sie zu
Nutzen verstünden indem sie noch
Die Bedeutung dabei vertiefen

Die Sprache bekäme so eine neue
Bewegungsfreiheit doch immer mit
Sinn und Verstand was aber nur
Ganz wenigen gegeben sei

Was bei französischen Autoren 
Seiner Zeit deutlich werde sie seien 
Erbärmlicher Originalitätssucht viel
Eher verfallen die alles erdrückt 

Unsere Sprache meint er gäbe wohl
Tuch zur genüge nur an der nötigen
Verarbeitung mangele es deutlich
Dabei gäbe es genug Worte allein

Schon in der Sprache der Soldaten
Oder Jäger denn wie die Kräuter 
Veredele sich auch die Redeweise
Wenn sie einmal verpflanzt würde 

Bei einigen Worten von Vergil oder
Lukrez falle es uns heute schwer
Die ursprüngliche Ausstrahlung noch
Zu erkennen weil der Gebrauch die

Worte für uns abnutzte ihr Reiz 
Damit banal wurde so fänden sich
Auch in der Volkssprache vortreffliche
Wendungen und Bilder noch

Deren Schönheit mit dem Alter aber
Dahinwelke und deren Farben durch
Zu häufige Nutzung verblassen doch 
Verlieren sie nichts von ihrem Duft

So lange die Nase noch fein genug ist 
Sie zu erkennen nur ihren Ruhm
Kann keiner mehr verstehen dann 
Gelehrte Werke seien zu spitzfindig

Sein Kammerjunge beschliefe sein 
Mädchen und verstünde sich darauf
Lest ihr ihm Hebraeus oder Ficino vor
Ist zwar von ihm die Rede dort aber

Er verstünde kein Wort davon auch
Selbst erkenne er bei Aristoteles sein
Tägliches Sinnen und Trachten nicht
Wieder er trägt den Talar Philosophie

Möge sich keiner darin verheddern
Wäre er vom Fach würde er so wie
Sie die Natur verkünsteln die Künste
Lieber wieder naturalisieren

Beim Schreiben schreibt er verzichte
Er weitgehend auf die Gesellschaft
Der Bücher und seine Erinnerung
Um seine Gedanken nicht zu stören 

Auch weil die großen Autoren ihn 
Zu sehr verzwergen würden eher
Hofft er das Publikum lese noch
Viel schlechtere vor und nach ihm

Ohne Plutarch aber käme er nicht aus 
Der sei in allem so bewandert und
Bietet sich zu jedem Thema an mit
Seiner großen reichen Schönheit

Es hilft ihm dass er zuhause unter
Hinterwäldlern quasi schriebe von 
Denen keiner ihn berichtigen oder
Helfen könnte keiner Latein versteht

In anderer Umgebung hätte er wohl
Besser geschrieben aber es wäre
Dann weniger seins worin aber sein
Hauptzweck besteht seines zu sein

Er würde ja Flüchtigkeitsfehler die
Ihm beim achtlosen Drauflosschreiben
Ständig unterliefen tilgen aber die
Unvollkommenheit sei sein Wesen 

Was diesem eingeboren sei zu tilgen
Wäre doch Betrug sagte ihm jemand
Er überlade die Sprache mit seinen 
Metaphern oder dieses Wort sei ein

Typisches Gascogner Gewächs oder
Diese Wendung sei zu gewagt denn 
Er scheue nicht vor Kraftausdrücken
Aus Frankreichs Gassen zurück

Jene die dies mit Grammatik noch
Bekämpfen wollten machten sich
Nur lächerlich oder diese Ausführung
Sei von keiner Sachkenntnis getrübt 

Gar diese widersprechen sich selbst
Seien geradezu hirnrissig oder hielten 
Die Leute zum besten die es ernst
Nähmen sage er gewiss aber ändere 

Nichts als Flüchtigkeitsfehler die aus 
Unachtsamkeit ihm entschlüpft doch
Nie Gewohnheitsfeier denn er rede
Doch immer so wie er auch schriebe

Er porträtiere sich nach dem Leben
Habe damit erreicht was er wollte
Jeder erkenne ihn in seinem Buch
Damit auch sein Buch in ihm

All diese Verse über Montaigne sind
Das Produkt von zwei Seiten aus
Einem Essays des Dritten Bandes 
Was zeigt wie gehaltvoll Michel ist

Noch immer habe ich das Gefühl
Nur einen kleinen Teil seines feinen
Humors den die Engländer besonders
Liebten die sie auch über die Zeit

Nach dem römischen Bannspruch
Der zu lange galt noch retteten die 
Er auch seiner Brieffreundin der
Schönen Queen Elisabeth I sandte

Es ist echtes Understatement wie es
Die feine englische Art zeigt was in
Diesen Zeilen deutlich wird und so
Hat Michel den Gentleman auch

Weit bevor er als Typ auftauchte 
Mitgeformt und zeigt viel von dem
Was als britischer Humor heute gilt
Den meine Großmutter so liebte

Hier gibt es eine große Nähe 
Zwischen dem Gascogner und
Den Briten die lange dort noch
Geherrscht hatten bis Johanna

Die französische Nationalfigur
Welche natürlich eine schöne
Wie mutige Frau war sie vertrieb 
Und die Normannen gab es ja auch 

Ohne nun über 1066 und die große
Schlacht von Hastings oder dem
Teppich von Bayeux hier zu dichten 
Ist erstaunlich wie reich Michel ist

Der Ruhm von Michel de Montaigne 
Hat gute Gründe in seinen Worten
Die Hans Stilett elegant übersetzte 
Ihn zu lesen lohnt immer auch für

Nur zwei Seiten die dem Flaneur
In seiner Bibliothek wieder genug
Zu denken für den Sonntag gab 
Dankbar solches lesen zu dürfen

Denke dabei auch an das Gespräch
Mit Karl Lagerfeld als ich einst noch
Eine Geliebte hatte die für Chanel
Lief was hier keine Rolle mehr spielt

Aber die sinnlich amouröse Nähe
Zu Michel offenbart denn mit Karl
Sprach ich über Montaigne noch
Von dem er einen Band hatte

Der angeblich aus dessen leider
In alle Welt zerstreuter Bibliothek
Noch stammte wie über die neue
Übersetzung und er wusste viel

Von Mode habe und hatte ich nämlich
Keinerlei Ahnung damals wie heute
Aber Philosophie der Renaissance
Lag mir schon damals eher nah

So verknüpfe ich mit Montaigne auch
Sinnliche Erinnerungen an die schöne 
Wohnung im VII. über den Dächern
Mit den drei wunderschönen Damen

Aber hier geht es ja um Philosophie
Wie das Selbstbild von Montaigne
Der sich hier so wunderbar malte
Wie den Dichter noch belehrte

jens tuengerthal 27.9.26

Lebensphilosophie

Lebensphilosophie

Das Denken endet wo Angst beginnt 
Statt kritischer Vernunft dann herrscht 
Was häufig beim Tod so ist warum die
Vorherrschaft des Aberglauben kam 

Es braucht eine Todesphilosophie
Von der irrationalen Angst mit der
Kraft der Vernunft zu befreien die
Bloße Gefühle ersetzen kann

Diese gab es schon vor 2300 Jahren 
Als Epikur lehrte den Tod nicht mehr
Zu fürchten da er uns nichts anging
Zumindest solange wir noch leben 

Nichts an geht uns der Tod nach
Epikur weil wo er ist wir nicht mehr
Sind solange wir sind er nicht ist
Unser Sein also nicht tangiert 

Höchstens im Todesfall naher 
Angehöriger oder Liebster scheint
Dieser uns etwas anzugehen weil
Wir vermissen was vorher war

Der Schmerz des Todes den wir als 
Verständlich mitleidig gern verstehen
Ist nichts als billige Ego Pflege der
Verlassenen die nicht gönnen können

Es dauert ein wenig bis wir diese 
Philosophie in Konsequenz verstehen
Was das moralphilosophisch bedeutet
Nach dem kategorischen Imperativ

Dann aber können wir auch das Ende
Wie alles mit Liebe gönnen weil es
Alles mögliche Leiden damit beendet
Weniger verlockend sind Alternativen 

Sich philosophisch bewusst zu sein
Der Tod muss keine Angst machen
Dabei steht das Herz einfach still
Kein Gedanke formt sich in uns

So ist der Tod der Traum aller Leser
Von ewiger Ruhe einfach in dem
Nach der Natur nichts mehr geschieht
Also nichts was zu fürchten wäre

Mit diesem Wissen und also ohne
Allen Aberglauben lebt es sich gut
Wie gelassen noch dazu weil keine
Gefahr irgend Angst machen kann

Mehr als Nichts droht nie was dem
Tode wie dem Sterben allen sonst
Schrecken der zu Dummheiten nur 
Verführt nimmt in jedem Alter dabei

Weil nichts nichts macht macht auch
Der Tod dir nichts mehr aus und du
Kannst ihn künftig einfach gönnen
Weil Liebe gönnen können heißt

Einzig der Aberglaube phantasiert
Von Himmel und Hölle die noch
Angst vor dem Nichts machen
Das doch einfach nichts macht

Eine Lebensphilosophie die uns
Alle Angst vor dem Tod nimmt ist
Die größte Chance für freies Leben 
Nutzen wir sie bis zum Ende

jens tuengerthal 27.9.26

Alternativen

Alternativen 

Wer überleben will muss kämpfen
Wird uns suggeriert damit wir den
Unsinn der Idioten mitspielen die
Nur durch Kampf überleben können

Wirklich reich und glücklich ist nur 
Wer nichts mehr hat und muss auch
Vor seinem Gewissen gut sein kann
Statt irgendwen noch zu besiegen

Der Hass Kampf und Konkurrenz
Ist nicht notwendig und keiner muss
Irgendwen besiegen wollen denn wir
Können auch friedlich Nichtstun

Es ist genug für all da und das
Paradies ist nicht verschwunden
Sondern die ungestörte Natur die
Keine Rechnung uns schicken wird 

Sein ist bis es endet und dann ist
Einfach Ruhe und all der Aufwand
Um nichts mehr lohnte nie lieber
Nichtstun und das Ende erwarten

Die Konkurrenz und der Kampf um Öl
Ist lächerlicher Ausdruck davon stets
Energie liefern uns Wind Sonne wie
Die Gezeiten im Paradies einfach so

Elektromotoren haben eine Effektivität
Von 100% Verbrenner nicht mal 40%
Es gibt saubere Alternativen um das
Paradies der Welt zu erhalten

Wer noch auf Kohle Atom Verbrenner
Setzt wählt die schlechtere Alternative
Sollte für die Folgekosten auch haften 
Gäbe es reale Konkurrenz noch je

Frau Reiche wäre wohl arm müsste 
Sie für die von ihr verursachten 
Schäden ihrer Lobbyarbeit haften 
Was aber ziemlich gerecht wäre

In Wirklichkeit sichern wir nur weiter
Die Besitzstände der Besitzenden
Zu Lasten von Natur und uns allen
Meinen es wäre dabei unser Vorteil 

Eigentum war immer schon Diebstahl 
Die Natur gehört allen Menschen und
Grenzen sind eine Illusion der bloßen
Missgunst zu kleiner Geister noch

Es gibt Alternativen zum Eigentum 
Nichts ist Alternativlos und keiner
Muss kämpfen besser wäre wenn alle
Sich ganz gelassen entspannten 

Ob wir sterben oder nicht ist egal
Weniger auch Menschen wäre mehr 
Raum für alle die übrig blieben noch
Wie weniger in allem mehr wäre 

Erbe wird abgeschafft zugunsten des
Kollektiven Naturerbes weil die Welt
Allen gemeinsam immer gehört jede
Baustelle muss grün ersetzt werden 

Keine Versiegelung mehr ohne ein
Gleiches Maß an neuen Bäumen
Bei Straßen davon ein dreifaches
Für Versiegelung Lärm und Luft

Alle Autobahnen und Straßen im Land
Müssten entsprechend ersetzt werden
Den Schaden wieder auszugleichen
Was nur billig und gerecht wäre

Es gibt gute Alternativen zum ewigen
Höher schneller breiter mit weniger
Außer bei Bäumen die uns mehr
Lebensqualität schenken immer

Aber diese wachsen natürlich ganz
Alleine wenn wir sie lassen und den
Lebensraum wieder freigeben was
Der Weg zum Paradies für uns ist

Keine Verbrenner mit Milliarden an
Steuern belohnen sondern lieber
Alternativen bezahlbar machen um
Eine Chance in Zukunft zu haben

Es gibt viele Alternativen zum Leben 
Wie wir es vielfach noch führen und
Der Tod ist nur die bequemste weil 
Jeder weniger mehr für alle auch ist

Die Alternative zum Sein ist einfach
Nicht mehr sein ist Ruhe und Frieden
Statt Kampf Schmerz und Mühe lieber
Mehr Lebensraum wieder freigeben

Das Ende ist nicht schrecklich bloß 
Einfach nichts mehr und gut ist was
Vielfältig verlockender als Sein ist
Etwas Gutes dazu noch tut 

Weniger werden ist ein hehres Ziel
Dafür Orden für Kinderlose die ein
Vorausschauendes Leben führen
Denn weiter so ist keine Alternative

Es gibt eine Alternative zum Sein
Das verlockend bequeme Nichts
Wer Verantwortung fühlt bleibt da
Bessere Alternativen gibt es nicht

jens tuengerthal 27.9.26

Liebeswissen

Liebeswissen

Was weiß ich von der Liebe
Kann ich von Wissen reden
Wenn es um Gefühle geht
Auch wenn ich ganz sicher bin

Genau weiß ich doch wen ich
Liebe und denke auch zu wissen
Warum es so ist bis es sich ändert
Was selten noch zu verstehen ist

Als Wissen oder Kenntnis wird 
Üblicherweise ein Bestand von 
Fakten Theorien und Regeln 
Verstanden die sich durch den 

Höchstmöglichen Grad an Gewissheit 
Auszeichnen so dass von Gültigkeit 
Oder Wahrheit ausgegangen wird
Was immer diese wirklich sein soll

Als die Erfindung eines Lügners 
Bestimmte Formen des Wissens 
Wie dessen Speicherung gelten als Kulturgut einer Gemeinschaft

Zwar bin ich mir meiner Liebe gewiss
Aber beweisbar ist sie doch nie und
Fakten Theorien und Regeln sind
In der Liebe an sich eher untauglich 

So halte ich es in der Liebe wie auch
Sonst gerne mit Michel de Montaigne
Und seinem Wahlspruch Que sais-je
Denn was weiß ich schon davon

jens tuengerthal 27.9..26

Samstagsrieslingstimmung

Samstagsrieslingstimmung

Am Samstag oder eigentlich schon
Sonntag gegen Viertel vor eins im gut
Gefüllten Crossroads angekommen
Tino noch vor der Tür begrüßt

Drinnen dann Dunja den hessischen
Cowboy wieder Volker Selma Nina
Und noch mehr vom hier Publikum 
Kaum in der Flaneurloge meinen Platz 

Eingenommen als Selma schon den 
Riesling brachte alle sind munter am
Plaudern und teils unten verteilt aber
Oben sitzt noch ein Paar beim Aperol

Die höre ich nur und sah Selma sie
Bedienen aber sie sitzen unsichtbar
Umme Ecke am Sofa und könnten 
Eventuell auch noch mehr sein 

Tino ist nach dem Aufräumen draußen
Weiter drinnen schüttelnd beschäftigt
Die Musik ist älter und gut bekannt
Die Stimmung ist gelassen gut 

Ein paar Gläser fielen um aber die
Hier Stammgäste sorgen schon
Wieder für Ordnung und wischen
Was noch feucht war selbst auf

jens tuengerthal 27.9.26

Samstag, 26. September 2026

Lektürentagebuch 26.9.26

Lektürentagebuch 26.9.26

Mit Maria Theresias Tod beginnt
Johann Kaspar Riesbeck in seinem 
Dreißigsten Brief eines reisenden 
Franzosen aus der Anderen Bibliothek 

Wir haben also um den 29. November
Des Jahres 1780 noch neun Jahre
Vor der französischen Revolution 
Berichtet Riesbeck was er hier nicht 

Berichten würde das könnte besser
In allen Zeitungen noch nachgelesen
Werden nennt sie zumindest noch
Die beste Mutter bis zum letzten

Der Sohn und Kaiser Joseph II wäre
Nur Sohn gewesen und hätte seine
Mutter beweint also doch nur der
Übliche Mist zu Trauerfällen halt

Obwohl der angebliche Franzose 
Riesbeck hier doch anmerkt welch 
Erleichterung ihr Tod für Joseph
Den aufgeklärten Kaiser wohl war

Darauf erzählt er noch einiges über 
Das Familienleben im kaiserlichen 
Hause so hätte etwa die Kaiserin
Maria Theresias die Freuden des

Ehebettes in vollem Maße genossen 
Aber die Wollust musste bei ihr in den
Schranken von Ehre und Religion 
Bleiben schenkte ihren Kindern Liebe 

Gerne hätte sie viele Enkel gehabt 
Blieb immer ganz Mutter auch die
Ihren erwachsenen Kindern noch
Wo nötig strenge Verweise gab

Auch ihren großen Sohn den Kaiser 
Korrigierte sie weiter auch öffentlich 
Wenn sie es gerade für nötig hielt
Liebte es Briefe der Kinder zu lesen

Alle ihre Kinder wären gut versorgt
Eines war Königin von Frankreich
Die berühmte Marie Antoinette die
Später noch den Kopf leider verlor

Diese mag zwar keine so strenge
Ökonomin wie ihr Bruder der Kaiser
Sein aber zumindest war sie so gut 
Erzogen dass es keinen Anlass

Zur Klage in Frankreich über sie gab 
Was neun Jahre später schon anders
Sich anhörte gegen die Dubarry wäre
Die Königin noch sparsam gewesen

Alle ihre Geistlichen und Bedienten
Scheinen sich nun Geldsorgen zu
Machen ohne ihre Gönnerin die so
Lange großzügige für sie sorgte

Dies nutzt er um vom Zustand der
Länder des Hauses Habsburg-
Lothringen zu berichten das zu den 
Vier ersten europäischen gehört 

Aber immer nur eine mittlere Macht 
Gewesen wäre auch als die Sonne 
In seinem Reich nie unterging was 
Über Karl V gern gesagt wurde 

Dazu brauchten sie die Unterstützung
Von Englands Macht und Hollands 
Geld um bedeutend zu bleiben so
Meinten manche es gliche einer

Umgedrehten Pyramide und neige
Darum entsprechend zum Schwanken
Österreichs Erblande selbst wären 
Nur etwas größer als Frankreich

Dazu komme Ungarn Böhmen und
Vieles noch mehr auch wäre die Natur
Dem Land noch günstiger als sie es
Frankreich je war was fraglich scheint

Bodenschätze und Landwirtschaft
Werden dazu genauso verglichen 
Zwar sei Österreich rein tatsächlich
Wohl in der Menge überlegen aber

Es fehle der Zugang zum Meer wie
Schiffbaren Flüsse die das Land
Erst wirklich wertvoll machten dort
Ungarn sei der wichtigste Teil

Hier fällt Riesbeck auf dass Menschen
Umso weniger tun je mehr sie Natur
Schon ohne Mühe für sie sorgte denn 
Wozu sollte sich dann wer mühen 

Vieles bliebe im reichen Ungarn noch
Ungenutzt und sie wüssten nichts
Von guter Düngung und mehr so 
Liege mehr als die Hälfte brach

Besonders beim Wein sei viel mehr
Möglich wäre nicht der Export so sehr
Beschränkt zugunsten der schlechten
Österreichischen Weine noch

Die Franzosen könnten dafür dem 
Österreichischen Adel dankbar sein
Dass seine unkluge Zollpolitik dem
Französischen Wein einen Markt lässt

Weil die Ungarn ihren guten Wein
Nicht exportieren dürften saufen sie
Selbst viel zuviel davon würden drum 
Selten alt und verfielen auch früh

Kein Land der Welt sei von so vielen
Verschiedenen Menschenarten noch
Bewohnt meint Riesbeck es gäbe dort
Tataren Slawen Ungarn Kumaner

Sekler und Jazygier mit jeweils ganz
Unterschiedlichen Sitten er sieht sie
Als Abkömmlinge der Skythen mit
Einem slawischen Einschlag dazu 

Nichts was einer heute noch ohne
Als rechtsradikal zu gelten schriebe
Wenn er hier von Gattungen schreibt 
Dazu kämen deutsche Kolonisten 

Alle diese bunten Völker von denen
Er nur die deutschen Siedler noch
Ausnimmt seien noch Barbaren also
Ohne jede verfeinerte Kultur noch

Für sie hat die Regierung bisher
Fast nichts getan im Gegenteil
Hat sie deren Sitten weiter verdorben 
Europa erbte dafür den Balkan 

So seien die Kroaten von mutigen 
Soldaten zu tückischen Räubern 
Geworden betrügerisch feige auch
Wenn schon immer diebische dabei

Viele Kroaten liefen heute auch zu
Den Türken schon über um dann
Das eigene Vaterland zu plündern
Ebenso Slawonier und Ungarn

Das Volk müsse die Regeln erst 
Langsam einsehen was viel mehr
Geduld noch bräuchte sonst werden
Sie zu mürrischen tückischen Sklaven

Der Wilde dem nur eine Polizei noch
Vorgesetzt würde nehme nur die
Laster an vor denen sie ihn doch
Schützen sollte noch wird grausam

Allein die Religion meint Riesbeck
Könne Wilde verfeinern was aber 
Eine contra dictio ist weil Religion
Schlichter atavistischer Brauch ist

Genau der Aberglaube egal welchen
Namen er trägt demoralisiert doch die
Menschen nur weil sie nicht mehr 
Dem kategorischen Imperativ folgen

Aber auch Riesbeck meint Einsicht
Erst macht den Untertan dauerhaft
Gehorsam und willig aber er hatte
Den Kant wohl noch nicht gelesen

Bei Wilden trete die Religion dann 
An die Stelle der Überzeugung
Doch genau diese Grundsätze hätte 
Die Regierung in Ungarn verfehlt

Spannend wie Riesbeck auf die vielen
Völker Österreichs blickt und dies in 
Einer Weise formuliert die heute wohl
Als rassistisch verpönt wären 

Denke an meine Erfahrungen mit
Balkanesinnen und dem was
Thomas Mann Slawinnen nannte
Die intensiv und nah auch waren 

Schweige aber dazu lieber nicht
Wie Riesbeck den Stereotypen 
Des Rassismus zu verfallen und
Staune leise vor mich hin

jens tuengerthal 26.9.26

Gelassenheiter

Gelassenheiter

Gelassenheit ist ein Geschenk
Wer dazu neigt sich aufzuregen
Weiß es besonders zu schätzen
Unberührt davon zu leben statt 
Fast am Herzschlag zu sterben 
Warum die große Kunst bleibt
Dinge vorbei segeln zu lassen
Abzuwarten solange es nur geht
Nichts zu tun mit großem Genuss
Was dem Flaneur als bloßem
Beobachter mehr liegt als der
Immer gern aufgeregten Politik
Die davon lebt bedeutend zu sein
Zumindest dafür gehalten zu werden
Auch wenn real völlig unwichtig was 
Hilft sich wieder bewusst zu machen
Denn eigentlich ist Politik nichts als
Langweilige Leitung der Verwaltung
Die so tut als wäre sie bedeutend
Schenken wirklich wichtige Dinge
Mehr Ruhe und Gelassenheit warum
Alles andere kaum der Rede wert ist
Denke ich und lache über alles weil 
Lachen die lustvollste Medizin bei
Depressionen immer wieder wäre
Könnten wir es so einfach um die
Gelassenheit heiter zu halten

jens tuengerthal 26.9.26

Altersvorbereitung

Altersvorbereitung 

Im Jugendwahn gefangen vergessen
Die meisten sich auf das Alter noch
Gehörig vorzubereiten und werden
Jugendliche spielend überrascht

Die Alten im Jugendwahn finde ich
Fast so peinlich wie Kittelschürzen
Noch schlimmer wenn sie ihre längst
Welkende Jugend künstlich erhalten

Von Botox bis Silicon und Straffung
Gibt es einiges was verlogen noch
Die falschen Ideale hochhält statt
Im Glück der Reife zu schwelgen

Auch die Nacktrasur schwimmt auf
Dem pädophilen Trend der keine 
Befriedigung kennt und krank reizt
Warum tun Menschen sich das an 

Viel entspannter lebt es sich doch
Mit der Natur als gegen sie denn 
Alte die jung bleiben wollen werden
Immer scheitern und lächerlich

Dagegen werden diejenigen die
Sich auf das Alter gut vorbereiten 
Genießen können was kommt wie
Dessen Schönheit auch würdigen

Habe schon als lesender Teenie 
Angefangen die Freuden eines
Guten Lesesessels mit Tee zu lieben
Was optimale Vorbereitung wohl ist

Heute stehen in meiner Bibliothek
Zwei Lesesessel und ein Diwan
Der sich nachts zum Bett wandelt
Wie der Staub der Jahre bleibt

Langsam Einstauben wie grau mit
Den noch bleibenden Haaren werden
Ist mit der Natur gehen und es lieben
Vorbereitet darauf Staub zu werden 

Nicht die Natur noch bekämpfen
Sich einen falschen Anschein geben
Sondern mit ihr gehen und lustvoll
Dabei genießen was eben kommt

Zwei Lesesessel ein Diwan wie genug
Gute Bücher um mich mit dazu lange 
Warm haltenden Thermoskannen
Bin ich gut aufs Alter vorbereitet

Hatte mit älteren Frauen schon immer
Den besten Sex und fand junge eher
Anstrengend und nervig was passt
Um mehr zu genießen was kommt

Mit nun Mitte fünfzig werde ich nur 
Noch älter und verbringe damit den
Größten Teil der Zeit die ich noch
Habe mit allem dann alt zu sein

Dies lustvoll zu genießen scheint mir
Der beste Weg weiterzuleben wie ich
Es schon immer geliebt habe also mit
Diwan Lesesessel Tee und Keksen 

jens tuengerthal 26.9.26

Herbstliebesleben

Herbstliebesleben 

Das Liebesleben im Herbst
Des Lebens und des Jahres
Hat eine gewisse Ähnlichkeit
Du denkst immer es könnte 
Vielleicht die letzte Chance sein
Bevor alle Blätter gefallen sind
Aber du hast auch genug
Erfahrung nichts mehr zu 
Erwarten sondern kannst
Es mit der dabei nötigen
Gelassenheit angehen
Was etwas Aufregung raubt
Aber bei milden Temperaturen 
Dafür mehr Erfolg verspricht
Unnötige Nervosität erspart
Wie das Schwitzen im Sommer 
Ist der Herbst die beste Zeit
Liebe einfach zu genießen
Ohne sich verrückt zu machen
Kommen wir so nahe dem Ende
Schönsten Höhepunkten näher 
Zumindest sage ich mir das lieber
Denn mehr bleibt ja nicht als 
Die sich im Herbst noch finden
Ohne jede Hoffnung passiert
Am Ende nichts schlimmes
Und könnte gut werden

jens tuengerthal 26.9.26

Herbstfreitagsriesling

Herbstfreitagsriesling

Am ersten Freitag im Herbst gegen
Eins im Crossroads angekommen
Wo Tino gerade im Gespräch ist aber
Mo mir kaum da den Riesling brachte

Die Bar ist mit vier Herren und Dunja
Am Anfang gut besetzt davon einige
Stammgäste und Wiederkehrer ein
Gemischtes Paar vorm Fenster noch

Oben höre ich noch Herren die ich
Bisher aber nicht sah eben lachte
Dort eine Frau es bleibt rätselhaft
Bis ich schaue wer noch da ist

Der Hesse aus der Gegend von
Rodgau wieder mit Cowboyhut
Redet gut hörbar und grüßt freundlich
Dunja plaudert mit jungem Herrn 

Mo arbeitet und redet dabei ersteres
Ohne Pause während Tino für ganz
Gewichtige Worte die Arbeit kurz
Unterbricht dafür Dunja bedient

Die Musik dudelt etwas unruhig
Im Hintergrund aber stört die hier
Engagierten Redner nicht weiter
Inzwischen ging noch einer 

jens tuengerthal 26.9.28

Lektürentagebuch 25.9.26

Lektürentagebuch 25.9.26

Ein frühreifer Meister soll Raffael
Gewesen sein der bereits mit zwölf
Nach dem Tod des Vaters in dessen 
Werkstatt arbeitete und lernte

Wie Antonio Forcellino in seiner
Biographie Raffael berichtet aber
Vor der Übernahme standen noch
Zahlreiche Prozesse seines Onkels

Über drei Instanzen stritt er sich mit
Der Witwe von Giovanni Santi um
Deren Unterhalt die auch Stiefmutter 
Des jungen Genies noch war

Vom Tod Raffaels Vater 1494 bis ins
Jahr 1500 gingen die Prozesse bei
Denen sich die reichsten Familien
Von Urbino untereinander stritten

Doch der wohlhabende Bartolomeo 
Unterlag in allen Instanzen und war
Verpflichtet worden der Witwe seines 
Bruders weiter Unterhalt zu zahlen

In dieser Zeit lernte und arbeitete
Der junge Raffael bereits lange mit
In der von den Mitarbeitern weiter
Geführten Werkstatt des Vaters

Dabei stritt sein Onkel Bartolomeo 
Auch für das Recht seines Neffen
Die Werkstatt des Vaters weiterhin
Zu führen wie zu übernehmen

Sein besonderes Talent zeigte sich
Darin nach Forcellino dass er schon
Mit 17 den ersten Auftrag bekam
Was dann das nächste Kapitel wird 


Egon Friedell widmet sich in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit nun
Den unsittlichen Pflanzen und dem
Naturforscher Karl von Linné 

Dieser schrieb sein komplettes
Systema naturae in der er sämtliche
Pflanzen und Tiere in eine strenge 
Binäre Nomenklatur einordnete

Alle mit je zwei lateinischen Namen
Bezeichnete nach Gattung und Art
Welche die Verwandtschaft zeigen
Dazu noch klare knappe Diagnosen

Auch die Mineralien ordnete er so
Die Flora die er so nannte gliederte
Er in zwitterblütige und getrennt
Geschlechtliche Pflanzen genau auf

Er unterschied ob männliche und
Weibliche Blüten auf derselben oder 
Auf verschiedenen Pflanzen dabei
Vorkommen was klar sexuell war

Diese Einteilung brachte ihm viele
Anfeindungen wegen ihres eher
Schlüpfrigen Charakters weil einige
Pflanzen im Konkubinat leben

Diese skandalösen Zustände wurden
Als Verleumdung der Blumen und der
Schöpfung also Gottes betrachtet der
Nie solche Unzucht zulassen würde

Einige meinten ein so unkeusches
System sei der Jugend nicht zumutbar
Auch dass er den Menschen in die
Gruppe der Primaten einordnete

Empörte religiöse Menschen zutiefst
Nun meint Friedell Linné wäre aber
Nicht darwinistisch orientiert gewesen
Sondern bekannte sich zur Schöpfung

Abgesehen davon dass Aberglaube
Nie Natur wie sie ist widerlegen kann 
Ist die Behauptung unsinnig weil 
Darwin erst 100 Jahre später lebte 

Der erwachende Natursinn ist Thema
Des nächsten Abschnitts der gleich
Feststellt dass der Hauptsitz des 
Aufgeklärten Denkens England war

Dieses war aufgeklärt praktisch wie 
Naturwissenschaftlich fundiert von wo
Die hier hochbedeutsam genannte 
Institution der Freimaurer ausging

Die erste Großloge gründete sich
Bereits 1717 ihr Name erinnert an
Die gewerkschaftlichen Verbindungen
Aus denen sie hervorging behauptet 

Friedell was nicht ganz stimmt denn
Die ersten Logen hießen nach den 
Kneipen in denen sie sich trafen also
Ganz prosaisch zum Bratrost aber

Erinnere an alte Dombauhütten die 
Durch ganz Europa zogen und ihr
Ideelles Ziel war die Errichtung des
Salomonischen Tempels aus den 

Brüdern die sich als Bausteine sahen 
Ihren Platz im Tempel danach suchten 
Es ging um allgemeine Duldung und
Menschenliebe dabei mit Toleranz

Ferner sei England der Geburtsort
Des modernen Naturgefühls dazu
Entwarf Langley 1728 in seinen 
Neuen Grundsätzen der Gartenkunst

Das erste Programm des englischen
Gartens die sich klar gegen die
Geometrische Parktradition stellte 
Von Versailles die Natur verkrüppele

Es werden keine geraden Reihen
Von Bäumen mehr geduldet alles
Soll irregulär wirken und wild aber
Typisch Rokoko künstlich erzeugt

Noch immer ist die Natur dort eine
Theaterdekoration wie im Barock
Was William Kent in seinen fermes
Ornées dann auch verwirklichte 

Montesquieu den Friedell den ersten
Großen Anglomanen Frankreichs
Nennt verwandelte nach seiner
Rückkehr aus England den Park

Seines Stammschlosses in einen 
Englischen Garten auch die damals
Beliebten Wirtschaften zeugen von
Dem erwachenden Natursinn 

Dabei kostümierten sich vornehme
Damen und Herren als Weinschenke
Bauern Jäger Fischer und spielten
Ganz einfaches Landleben nach

Schlittenfahrten werden gemacht und
Klopstock besingt den Eislauf dafür
Trugen die Damen im Sommer die
Breiten Strohhüte der Schäfer

Es ist ein kokettieren mit der Natur
Noch nicht die romantische Sicht
Sondern die idyllische gastliche mit
Lämmern Bächlein und Wiesen

Das höchste Lob der Natur ist noch
Angenehm die Natur wird vor allem
Als Spenderin von Genüssen geliebt
Das Hochgebirge ist noch verhasst

Samuel Johnson nennt noch 1755
In seinem Dictionary den Engländer
Wie ein Weltwunder bestaunten die
Berge kranke Auswüchse der Natur

So beschreibt er die schottischen
Highlands als abschreckend karg 
Auch Hallers Alpengedicht wäre 
Eher moralisch politisierend gewesen

Der moderne Engländer ist um diese
Zeit bereits fix und fertig mit Spleen
Cant über Business wie der typischen
Nüchternheit gepfeffert mit Ideen 

Es wird Tiefe durch Gründlichkeit und
Bedeutung durch Klarheit ersetzt sie
Sind so fromm wie geschäftstüchtig
Glauben an Feiertagen an Gott

Während der Woche an Physik und
Den neuen Börsenbericht und beides
Mit der gleichen Inbrunst im Wechsel
Mal die Bibel dann die Bilanzen

Nach dem Tod von Queen Anne fiel
Die Krone dem Kurfürsten von
Hannover zu wodurch es wieder eine
Personalunion mit dem Kontinent gab

Georg I war geistig so unbedeutend 
Wie seine drei Namensvettern die ihm
Noch folgten konnte kein Englisch 
Verständigte sich mit Küchenlatein

Sein Premierminister war dafür
Robert Walpole der ihm die Mehrheit
Im Unterhaus durch Bestechung noch
Sichern konnte und entsprechend

Herrschte große Korruption die
John Gay in seiner Beggars Opera
Satirisch verewigt hat die zugleich
Eine Parodie auf die modische

Italienische Oper noch war als bei
Der Premiere ein Couplet über die
Bestechung nach demonstrativem
Applaus wiederholt wurde hatte 

Premier Walpole Geist genug noch
Eine zweite Wiederholung zu fordern 
Was ihm den Beifall dann brachte
Im Parlament trugen ihn die Whigs

Ein kurzer Blick in Friedells große 
Kulturgeschichte der Neuzeit bringt
Immer wieder neue Tiefe und zeigt
Die großen Zusammenhänge auf

Es ist eine Freude dies mit den 
Kleinen Wertungen und Urteilen die
Völlig unwissenschaftlich sind zu 
Lesen und so ein doppelter Genuss

jens tuengerthal 25.9.26