Lektürentagebuch 28.3.26
Wieder auf der Reise ins Paradies
Mit Heinrich und Christine Gondela
Dem Bremer Ehepaar in der Kutsche
Das am 7. September 1802 aus Eger
Berichtet wie die Reise von Carlsbad
Aus war wo sie erstmal zwei Stunden
Von fünf bis sieben auf ihre Pferde
Noch warten mussten die sie aber
Nutzten um zu lesen wer alles im
Städtischen Journal als Gäste neu
Gemeldet wurde teilweise noch mit
Allen Titeln des Gatten wie bei einer
Dame aus Prag von Familie oder ein
Herr Offizier von und zu aus Preußen
Amüsieren sich dezent über die dort
Titelprotzerei noch bis zur Abfahrt
Die Fahrt wird ziemlich frisch bei
Steifem Westwind und führt sie in
Die offene Ebene über grausam
Schlechte Straßen die sie zu sehr
Langsamer vorsichtiger Fahrt zwingen
Zum Glück hört der Kutscher auf sie
Fährt sehr achtsam diesmal sonst
Drohte ein Umkippen der Kutsche
Durch die Gewitter der letzten Tage
War der lehmige Boden aufgeweicht
Die Räder versanken teilweise fast
Oder flog über Steine welche die
Bauern aus ihren Feldern auf die
Landstraße werfen was den Weg
Noch beschwerlicher machte es
Wäre ein ständiges Ruckeln nur
Ein Halt an einer Poststation dann
Um die Pferde zu wechseln wird
Mit viel Humor beschrieben wie sie
Im Dienstraum des Postillons dort
Der zugleich auch sein Wohnraum
Mit Frau Tochter und Gesinde nun
Warten mussten bis sie sich wieder
Auf ihren Wagen setzten weil es
Völlig unerträglich war wie der Mann
Seine Frau und diese die Tochter in
Einem fort ankeifte mit denen sie in
Dem einen Raum gewartet hatten
Auf dem Weg kamen sie noch am
Kloster Culm vorbei was sich nicht
Finden lässt aber am Weg durchs
Egerland liegt die Wallfahrtskirche
Maria Kulm die vermutlich gemeint
War denn es werden die Bauern
Wie vor allem schönen Bäuerinnen
Beschrieben die dorthin unterwegs
So seien besonders die Damen sehr
Geschmückt und ausstaffiert gewesen
Die sie am Wegesrand sitzen sahen
Als sie ihre Schuhe wieder anzogen
Die wohl sehr gläubigen Damen
Waren bis dahin barfuß gepilgert
Machten die Wallfahrt zum Feiertag
Maria Geburt die Herren trugen Schuh
Eger sehen sie schon lange vor sich
Aber dann dauert es noch ewig bis
Sie die Stadtmauer erreichen müssen
Vorher noch Hügel umfahren und
Durch enge Hohlwege fahren um
Dann durch ein grausenerregendes
Uraltes Stadttor nach Eger zu kommen
Das sehr schön beschrieben wird
Uralte Renaissancegebäude neben
Lichteren neueren Bauten wäre alles
Sehr harmonisch und ansehnlich auch
In ihrem Gasthof bekamen sie ein
Großes geräumiges Zimmer aber
Machen sich gleich auf den Weg um
Das Schloss noch zu besichtigen
Nachdem sie gegen sechs ankamen
Dies war der Ort an dem Wallenstein
Mit seinen Getreuen 1634 ermordet
Wurde aber das Schloss war gegen
Ende des Krieges noch von den
Schweden zerstört worden die ja
Auch in Prag reichlich Kunst raubten
So ist nicht mehr viel zu sehen die
Räume wären nach oben offen
Ein angeblich noch im Rathaus
Befindliches Wallenstein Portrait
Konnten sie nicht sehen weil der
Bürgermeister schon gegangen
Sonst fand sich dort niemand
Der einen Schlüssel zum Rathaus
Hatte und so gingen sie nach dem
Reichlichen Essen früh schlafen
Am nächsten Tag schon sollte es
Nach Franken bis Bayreuth gehen
Warum sie früh los wollten und so
Zeitig erschöpft zu Bett gingen
Dieser immer wieder ironische
Reisebericht über die teilweise
Unerträglichen Zustände für die
Reisenden ist ganz wunderbar
Es gibt ein Bild was Reisen zu
Beginn des 19. Jahrhunderts noch
Für ein Abenteuer war und welch
Unbill Reisende ertragen mussten
Weiter im gleichen Jahr geht es nun
Mit dem Spaziergang nach Syrakus
Von Johann Gottfried Seume dem
Dritten Band der Anderen Bibliothek
Am zweiten Weihnachtsfeiertag
Kommt Seume in Wien an aber
Erzählt vorher schon in Stockerau
Echt Wienerisch gegessen und
Das ist besonders erstaunlich
Geschlafen zu haben an der
Stadtgrenze scheint er den dortigen
Zöllnern verdächtig die ihn und
Seinen Tornister komplett filzen
Weil sie ihn für einen Juden halten
Der Juwelen schmuggelt dafür
Lassen sie ihn eine Strafe zahlen
Weil er gegen etwas verstieß wovon
Keiner wissen konnte wonach es
Verboten sei versiegelte Briefe
In die Stadt einzuführen deren er
Aufgrund der Empfehlungsschreiben
Zahlreiche bei sich hatte und dann
Durchsuchen sie auch ihn noch
Tasten die Nähte seiner Hose bis
Zur heiligen Naht ganz oben ab
Aber alles wie die Durchsuchung
Immer mit hervorragender Höflichkeit
Dann müssen sie ihre Pässe abgeben
Alles sollen sie bei der Abreise wieder
Erhalten und Seume erzählt wie er
Die Besuche nach seinen vielen
Empfehlungsschreiben abstattete
Erzählt aber von den meisten erst
Nichts weil sein Leser sie ja alle
Wohl besser kennen würde und
Geht dann zu Füger und schwärmt
Dabei muss es sich um den Maler
Heinrich August Füger handeln einen
Bekannten Maler des Klassizismus
Der nach seiner Italienreise 1783
Nach Wien kam und sich dort dann
Endgültig niederließ zentrale Figur
Der Wiener Kunstszene wird ab 1795
Direktor der Akademie der Künste ist
Dessen Bilder und ihre Wiedergabe
Von Szenen des Homer wie der
Antike beschreibt er mit großem
Enthusiasmus und viel Begeisterung
Auch sei Füger sehr sympathisch
Der sie nebenbei empfing sich dabei
Zeit nahm aber sie auch alleine
Einfach schauen ließ was ihm gefiel
Die Nähe zur eigenen Lektüre er
Hatte die klassischen Bänder die
Er mit sich trägt bei der Filzung
Noch beschrieben passt gut
Weitere Bilder von Füger sieht er
Noch bei einem Grafen Fries der
Mit viel Enthusiasmus auch der
Hiesigen Akademie verbunden wäre
Am Ende des ersten Abschnittes
Den ich heute nur las berichtet er
Vom enttäuschenden Besuch im
Nationaltheater in der Burg wie
Am Kärntnertor wo sie abwechselnd
Spielen würden so sei Brockmann
Dort völlig isoliert als einzig großer
Rutsche darum im Niveau herab
Johann Hieronymus Brockmann
War einer der bedeutendsten Wiener
Schauspieler an der Burg der sie
Zeitweise auch als Direktor leitete
Sehr lustig macht er sich über die
Schauspielerinnen die bestenfalls
Noch als Äbtissinnen taugten dort
Auf der Bühne peinlich waren
Er sah das Trauerspiel Regulus
Dabei könnte es sich um die Version
Von Heinrich Joseph von Collin
Handeln die zufällig 1802 erschien
Dies amüsierte ihn trotz mäßiger
Schauspieler sehr weil es eines
Seiner liebsten historischen Themen
Behandelte und es wäre gut gemacht
Im übrigen wäre er dort mehr als nur
Zuschauer gewesen und nicht als
Rezensent warum seine Kritik hier
Vielleicht etwas mäßig nur wäre
Herrlich ist es so mit einem der
Intellektuellen und Autoren der
Zeit in das kulturelle Wien um
Das Jahr 1802 einzutauchen
jens tuengerthal 28.3.26