Lektürentagebuch 21.4.26
In Der große Traum von Bildung
Des Christian Graf von Krockow
Heute über Vater und Sohn Forster
Gelesen und ihren Weg zum Ruhm
Sehr gut recherchiert führt Krockow
In die Geschichte der Familie Forster
Ein die von der Herkunft her ganz
Erstaunlich der Coocks auch ähnelt
Nur gab es hier schon bevor der
Autor und Forscher Georg Forster
Bekannt wurde zwei Generationen
Von Akademikern im Kirchendienst
Unter Cromwell königstreu noch
Floh die Familie lieber nach Polen
Danzig suchte da dringend Siedler
Zur Entwässerung der Sümpfe
Das verschlug sie nach Preußen
Was damals noch Polen war schrieb
Der schlesischem Adel entsprungen
Krockow was mich etwas erstaunte
Sie landeten in Dörfern in der Nähe
Von Danzig wo der Vater wie auch
Georg geboren der Vater studierte
In Halle was damals Elite Uni war
Auch wenn dies beim heutigen Blick
Auf braunen anhaltinischen Sumpf
Wundert war es damals so wenig
Preußisch wie Danzig was dies erst
Nach der polnischen Teilung wurde
Als Friedrich nicht länger mehr nur
König in sondern von Preußen wurde
Was ein Graf Krockow wissen sollte
Beeindruckend ist der Bericht über
Die frühe sprachliche Entwicklung
Des Wunderkindes Georg der bald
Vom Vater zur Arbeit genutzt wurde
Diesen Zustand geraubter Jugend
Wie verlorener Kindheit klagt Krockow
Im Geist politischer Korrektheit wie sie
Unserer Zeit entspricht klar an
Ob dies dem Geist der Zeit von
Vater und Sohn Forster entspricht
Fragt Krockow nicht um dafür den
Cholerischen Vater anzuklagen
Dieser war zunächst Theologe im
Dorf beschäftigte sich aber lieber
Mit Naturkunde und kaufte viele
Bücher auch zur Bildung seines
So wissbegierigen Sohnes der
Alle Pflanzen und Tiere gerne
Benennen wollte und kaufte daher
In Danzig die Werke Linnées
Es gab sieben Geschwister von
Denen untypisch für die Zeit der
Frühen Aufklärung 6 überlebten
Georg war dabei der älteste
Die Aussagen über die Ehe wie vom
Vater beschriebene Krankheiten der
Eheleute und Georgs klingen eher
Nach unserer Psychoanalyse
So gut Krockow teilweise noch
Recherchiert so unpassend sind
Seine nur politisch korrekten
Bewertungen dabei immer wieder
Was mit psychoanalytischem Unsinn
Auf historischem Kontext schaut sieht
Selten über den Horizont dieser Sekte
Die in Wien begann hinaus schauen
Psychoanalyse ist keine Wissenschaft
Sondern eine postreligiöse Sekte die
Auf geaberglaubten Thesen aufbaut
Die nicht natürlich beweisbar sind
Dazu gehört zentral das behauptete
Unterbewusstsein das keinen Ort
Im Gehirn hat sondern der geglaubten
Seele dabei eher noch gleicht
Moralische Bewertungen außerhalb
Des historischen Kontext sind eher
Unseriös und machen damit die sonst
Gute Arbeit ohne Gewinn lächerlich
Das ist schade weil es völlig genügte
Die Fakten zu beschreiben mit denen
Sich Leser ein eigenes Bild machen
Moralische Verführung ist unnötig
Wie der Leser Kants begreift dass
Es auf das moralische Gesetz in uns
Allein und zuerst ankommt für ein
Moralisches Urteil sind diese
Autoritären Bewertungen der Sache
Eher abträglich als nützlich also
Sittlich wie tatsächlich nur peinlich
Besser ersparten wir sie uns
Vor allem aber entmündigt diese
Uns Leser als selbständig kritisch
Denkende Wesen denen dafür einer
Sagen muss wie es moralisch ist
Die rein faktische Gegenüberstellung
Der rechtlichen Situation statt ihrer
Schon moralischen Bewertung erst
Ermöglicht erst ein vernünftiges Urteil
Sowohl Forster wie Cook waren dem
Geist der Aufklärung verpflichtet die
Verschuldung des wohl manischen
Büchersammlers Forster wird wieder
Relativ einseitig moralisch beurteilt
Es fehlt dabei an Verständnis außer
Für die arme Mutter die keinerlei
Kulturelle noch Spuren hinterließ
Natürlich sind Frauen wichtig und
Soll ihre historische Rolle gerne auch
Kritisch betrachtet werden um künftig
Etwas noch besser zu machen
Dies den Leser einer Biographie von
Cook und Forster aber zu sagen ist
Weniger Aufklärung noch sachlich
Von Bedeutung sondern Propaganda
Das wird heute so erwartet von
Frauen und verkauft sich wohl
Am Buchmarkt besser aber wird
Gegenstand und Zeit nicht gerecht
Krockow schreibt gut und lesbar
Kenntnisreich wie unterhaltsam
Aber historisch ist das wohl eher
Schädlich als ein kritisches Bild
Dies nicht nur weil der Flaneur als
Autor und Büchersammler besonders
Viel Verständnis für beide Forster hat
Sondern aus historischem Verstehen
Sicher schreibt Krockow hier eher
Als Autor denn als Wissenschaftler
Ist dieser Erzählstil wohl populär aber
Klärt nicht auf sondern vernebelt nur
Sich ein Bild von der Zeit zu machen
Ist es wichtig in die Zeit zu gehen
Nicht fälschlich zu vereinfachen was
Keine korrekte Sicht uns liefert
Auch moralische Urteile aus der
Gegenwart verbieten sich da sie nur
Der Selbstdarstellung des Autors hier
Dienen statt die Zeit zu betrachten
Nach der leichten Frustration über
Krockows Fehler und Schlamperei
Lieber dem guten Friedell zugewandt
Der sich genau in die Zeit fühlt
In der Kulturgeschichte der Neuzeit
Von Egon Friedell über das Rokoko
Als Epoche der Feminisierung unter
Dem Thema Schönheitspflästerchen
Gelesen und wie diese geradezu ideal
Den kranken moribunden Geist des
Rokoko offenbaren das gesund und
Kräftig für blass und kränklich ablehnt
So wurden Perücken und Gesichter
Grau oder blass gepudert obwohl
Viele früher noch Leben erlebten
Du ab vierzig schon alt warst
Dies spiegelt sich auch in der
Mode wie in den Farben wieder
Die in dieser Zeit beliebt waren
Rosa Pastell bis Flohfarben
Von der tragischen Maske des Rokoko erzählt Friedell einiges
Anhand der kranken Kostüme
Mit geschnürten Taillen oder
Den natürliche Bewegung völlig
Unmöglich machenden Reifröcken
Wie Schuhen mit hohen Absätzen
Die natürliche Bewegung verhinderten
Dieser zumindest eher behinderten
Solche konkreten Bilder aus der Zeit
Die eine konkrete Vorstellung vom
Leben geben gibt Friedell wertfrei
Wer seiner sicher ist muss nicht
Aus der Zeit fallen um zu urteilen
Was manchen wohl schwer fällt
Die lieber aus der Zeit völlig fallen
Dann ergeben sich wie bei Krockow
Moralisch unpassende Urteile ohne
Einen Bezug zum Geist der Zeit
Die damit unglaubwürdig werden
Friedell enthält sich lieber ganz um
Die Zeit verständlich zu zeigen was
Leser erst kritisch urteilen lässt also
Aufgeklärt frei statt bevormundet
So erzählt Friedell noch weiter zur
Spiegelleidenschaft des Rokoko mit
Der sie Räume unendlich machten
Wie sich selbst zu sehr betrachteten
Unter Theatrokratie erzählt Friedell
Warum das Theater als dabei ganz
Natürliche Lust zur Prostitution überall
Kultiviert wurde und zentral war
In diese Epoche ideal passte die sich
Gerne um der Lust wegen verkaufte
Was nach Friedell zum Theater als
Kunst der Prostitution perfekt passt
Friedell philosophiert dabei noch
Ganz nebenbei zur Prostitution als
Natürliche Neigung aller die sich
Gerne nackt zeigen wollen auch
Das ist klug und baut eine Brücke
In die Gegenwart auch seiner
Eigenen Erfahrungen mit seiner
Vorliebe für Kinderhuren vom Balkan
Sicher wäre dieses Verhalten gegen
Das Nabokovs Lolita erwachsen war
Heute kriminell doch bleibt Friedell
Historisch präzise genialer als alle
Dies alles kann ohne jedes dabei
Unnötige moralische Urteil betrachtet
Werden aber weitet deutlich den
Horizont ist also echte Aufklärung
Spannend ist was auch Friedell an
Verschiedenen Stellen bedachte wie
Eine Epoche der Unvernunft die
Stärkste Aufklärung uns brachte
Stelle immer wieder fest Friedell
Lohnt betrachtet Geschichte stets
Historisch aus ihrer Zeit statt nur
Gegenwärtig moralisch zu urteilen
Solches Verhalten offenbart nur
Die Enge des eigenen Horizont
Gibt keinen Blick in die Zeit und
Klärt damit niemanden weiter auf
Mit Friedell dagegen zeitgemäß
Schauen ist eine Befreiung die
Aufgeklärt tiefer blicken lässt als
Viele Diskurse unserer Zeit kamen
jens tuengerthal 22 4.26