Montag, 23. März 2026

Lektürentagebuch 23.3.26

Lektürentagebuch 23.3.26

Ausführlich schreibt Erwin Seitz in
Die Verfeinerung der Deutschen am
Ende über bürgerliche Lebenskünstler
Der Bourgeois und Bohemien vereine

Diese Zwischenform bei der die
Protestantisch geschäftigen Teile
Der Bourgeoisie auf die Lebenslust
Städtischer Bohemiens trifft

Dem heutigen Zeitgeist doch sehr
Entsprechend geht es um ein eher
Gebildetes Grünes Publikum das
Sein Leben bewusst gestaltet

Statt ständigem Konsum lieber 
Weniger ausgewählt ökologisch 
Um bewusst mit gutem Gewissen
Seinen Luxus genießen zu können

Dafür werden verschiedene Beispiele
Gebracht wie der Zeitgeist eines eher
Gebildeten städtischen Publikums
In dem der Flaneur lange schon lebt 

Dies beschreibt Seitz der auch in 
Berlin lebt treffend und zeigt so die
Konstruktiven Perspektiven einer
Entwicklung zur Verfeinerung

Maßvoller Konsum hochwertiger vor
Ort mit kurzen Wegen verkaufter
Nachhaltig produzierter Güter mit
Menschlicher Verbindung vor Ort

Diese Bourgeois Bohemiens auch
Abgekürzt BoBos genannt sind ein
Wichtiges künftiges Publikum das
Zwei Eigenschaften in sich vereine 

Der bürgerlich geschäftig liberale
Aspekt verbindet sich mit einer
Neuen Ästhetik beim Genuss die
Aus weniger wieder mehr macht

Weniger Verpackung dafür mehr
Regionale ökologisch produzierte
Waren mit viel weniger Schadstoffen
Sorgen für mehr an gutem Gewissen 

Das hat seinen Preis der es dem
Wohlhabenden Publikum wert ist
Ein positiver Aspekt der natürlichen
Gentrifizierung für den Autor dabei

Andererseits sollten auch politisch
Sozialwohnungen gesichert werden
Städtisches Leben bezahlbar bleiben
Genossenschaft vor Investoren gehen

Eine wichtige Verbindung dabei von
Wirtschaft nun und Politik welche 
Die Zukunft städtischen Wohnens auf
Neue Art schön und attraktiv macht

Auch das eine Verfeinerung einer
Lebenskultur die wichtig ist und so
In den letzten Jahren entwickelte als
Neue Form der nachhaltigen Kultur

Diese ist technikaffin tolerant wie 
Für neue Lebensformen auch offen
Das Gegenteil von MAGA und AfD
Die jene wählen die Angst haben

Der urbane Instinkt zur Verfeinerung
Wirke seit 5000 Jahren in der Kultur
Habe sie weiterentwickelt auch wenn
Ängstliche immer bremsen wollten 

Spannend ist es als Flaneur auch
Teil dieser Bewegung zu sein wie
Diese weiter zu kultivieren um so
Zukunft neu zu gestalten auch

Vom städtischen Leben nach der 
Anderen Kulturgeschichte geht es
Zur Naturbeobachtung bei Selborne
Mit Reverend Gilbert White der im

Nun 12. Brief vom 14. November 
1767 an Thomas Pennant Esquire 
Schreibt wobei letzteres eine typisch
Angelsächsische Höflichkeitsform ist

Mit ihr werden bis heute Anwälte als
Angehängter Titel geehrt so freut er 
Sich zunächst dass der übersandte
Vogel kein gewöhnlicher Falco war

Mehr hätte es ihn nur noch gefreut
Wenn auch der Freund diesen nicht
Gekannt hätte was aber wohl ein zu
Schwieriges Unterfangen wäre

Sodann berichtet er von den Mäusen
Die er sich geholt und gut konserviert
Hätte wie ihrer Art zu leben dass die
Eichhörnchen farblich ähnliche Art

Ihre Nester am Feld oder in Disteln 
Sich baut und in den kleinen fein aus
Halmen geflochtenen Kugeln bis zu
Acht Junge Platz fänden und überlegt

Wie ihre Mutter sie wohl dort säugt
Keinesfalls passt sie in dieses so
Kunstvoll geflochtene Nest selbst
Mit hinein so fragt er sich ob sie es 

Wohl an einer Seite dazu aufreißt 
Diese Kugel mit acht Jungen fand er
Auf halber Höhe einer Distel selbst
Am Feldrand gut geschützt

Nicht gut genug um nicht von dem
Naturforscher entwendet konserviert
Zu werden aber vielleicht ist das der
Preis dieser Lektüre auch

Immer wieder dabei den Wind in 
Den Weiden in Gedanken vor mir
Schützte ich zu gerne alles Leben
In der so wundervollen Natur

White berichtet noch von einem
Gentleman der sich auch für Vögel
Interessierte und ihm einen eher
Seltenen deutschen Seidenschwanz

Zeigte den sein Diener schoss und
Enttäuscht war dass er ihm kannte 
Berichtet davon dass 1685 eine
Größere Population schon kam

Dann grübelt er noch über die spät
Geschlüpften Schwalben überlegt
Ob diese auch wandern oder eher
Irgendwo geschützt überleben 

Erzählt von der nordischen Sage 
Dass sie Unterwasser überlebten 
Fragt sich ob das möglich wäre
Was sie sonst im Winter hier tun 

Wieder ein schöner Brief der auch
Mit einer gehörigen Portion noch
An Selbstironie bezüglich des Falco
Den er ihm schickte Humor zeigt

jens tuengerthal 23.3.26

Wahlkonsequenz

Wahlkonsequenz 

Nach Wahlen fordern alle gerne
Besonders wenn sie verloren gingen
Konsequenzen dabei ist doch das
Ergebnis Konsequenz genug

Wenn nach längerer Regierungszeit
Eine Partei abgewählt wird ist das
Gut so demokratisch und normal
Niederlagen überstehen ist groß

Besonders die SPD ist groß darin
Ihr Führungspersonal bei nächster 
Gelegenheit zu demontieren was
Weniger nach Solidarität klingt

Wenn nun die Ex vom Ex-Kanzler
Die auch die Ex vom amtierenden
Verteidigungsminister ist diesen als
Vizekanzler vorschlägt ist das so

Peinlich wie es eben klingt doch 
Besser schwiegen alle dazu und
Machten ordentlich ihre Arbeit
Statt Stimmungen zu folgen

Wer Verantwortungsgefühl hat
Sollte diese in der Not übernehmen
Wer über andere redet zeigt damit
Nur eigene Bedeutungslosigkeit 

jens tuengerthal 23.3.26

Liebeslehre

Liebeslehre

Liebe lehrte mich
Ständig unzuverlässig
Ist ganz natürlich

jens tuengerthal 23.3.26

Zuverlässig

Zuverlässig

Zuverlässig sein
Wäre lässig für alle
Außer auf Dauer

jens tuengerthal 23.3.26

Sichertee

Sichertee

Einzig sicher ist
Täglicher Teegenuss als
Konstante für mich

jens tuengerthal 23.3.26

Mittestabil

Mittestabil

Die Pfalz hat gewählt
Keinerlei Überraschung
Bei der Leitung der Verwaltung 

Über 60% wählen stabile Mitte
CDU löst SPD ab nach genug
Skandalen im Vorfeld noch

Keine 20% rechtsradikale Populisten
Im Vergleich zu Europa noch stabil
Auch die USA stehen schlechter da

Die FDP wird wieder Geschichte
Nicht schreiben sondern bald nur
Noch eine liberale Erinnerung

München hat einen Grünen
Bürgermeister was lustig wird
Irgendwo schlug die SPD die CSU

Alles nicht weiter der Rede wert
Solange Deutschland weiterhin
In der Mitte so stabil bleibt ist gut 

Politik ist die gewählte Leitung der
Verwaltung auf verschiedenen
Ebenen zu verschiedenen Terminen

Das ist so langweilig wie es klingt
Braucht weniger Aufregung lieber
Weniger Lärm um nichts tut gut

jens tuengerthal 23.3.26

Sonntag, 22. März 2026

Lektürentagebuch 22.3.26

Lektürentagebuch 22.3.26

Bei Buddenbrooks einen Brief von
Thomas an seine Mutter gelesen der
Darin zuerst seine Zustimmung zur
Verlobung seiner Schwester Clara gibt

Seine Mutter hatte ihn als Chef der
Firma in Nachfolge des Vaters dazu
Nach Amsterdam geschrieben dabei
Ist der sonst so nüchterne Thomas

Voller Euphorie und Begeisterung
Erbittet nun die Zustimmung seiner
Mutter in selbiger Angelegenheit und
Dann erzählt er wie er seine Braut

Die Tonys Pensionatsfreundin Gerda
Arnoldsen aus Amsterdam ist dort
Traf und wie sie sich annäherten er
Die Zustimmung des Vaters erhielt

Erzählt wie er sie auf ihrer echten
Stradivari geigen hörte wie gut sich
Beide über Bücher unterhielten weil
Er als Buddenbrook natürlich nichts

Von Musik verstehe aber sonst alles
Ganz wunderbar wäre wie er so auch
Da Herr Arnoldsen Millionär wäre mit
Der beträchtlichen Aussteuer Gerdas

Für guten Kapitalzufluss für die Firma
Sorge auch wenn es natürlich zuerst
Um Liebe ginge freue ihn das als
Kaufmann mit guter Partie auch

Sie bräuchte ihm ihre Zustimmung
Nicht mehr zu schicken und schon
Im Sommer käme Gerda mit ihrem
Vater und der Schwester zu Besuch

So hat Thomas Buddenbrook als
Guter Kaufmann mit der Liebe auch
Etwas für die Firma getan und ist
Entsprechend euphorisch im Brief

Viel gäbe er darum schrieb er auch
Gleich am Anfang wenn er dabei die
Gesichter von Tony und ihr ob der
Überraschenden Neuigkeit sähe

Der Brief von Thomas ist datiert
Auf den 20. Juli 1856 und voller
Vorfreude auf den Sommer in dem 
Das Haus sich dann wohl füllen wird

Im Zauberberg geht Hans Castorp
Auf Krankenbesuch zu seinem neuen
Freund Mynheer Peeperkorn der nach
Dem Gelage vom Vortag darniederlag

So hatte den Malariakranken schon
Am Morgen ein Fieberanfall erwischt
Davon geschwächt lag er im Bett ließ
Aber Hans gerne kommen der zuvor

Den Malaien dazu gefragt hatte der
Ihn dann zu seinem Herren führte
Das Zimmer war edler ausgestattet
Die Betten mit Kirschholzrahmen

Auf dem Fußboden ein flauschiger
Teppich und vom Salon vor dem
Zimmer mit Pepperkorns Bett ging
Noch das Zimmer von Clawdia ab 

Auf dem Nachttisch des Holländers
Der auch krank noch majestätisch
Wirkte stand neben einer Flasche
Mit Chinin und Medikamenten noch

Eine Flasche Rotwein von dem er
Auch Hans gleich ein Glas anbot 
Clawdia gesellte sich bald dazu erst
Dies und das im Zimmer räumend 

Dann sich am Gespräch beteiligend
Worüber Hans lächeln muss der merkt
Wie diese sich fast wie eine Art von
Gouvernante sich dabei aufführt 

Die Dame möchte sichtbar nicht 
Das sie die Kontrolle verliert worüber
Beide Herren ungestört miteinander
Vielleicht sonst noch reden könnten 

Sehr engagiert erzählt Pepperkorn
Zunächst vom Chinin und wie dies 
Aus der Rinde gewonnen werde 
Wie dessen vielfältig guter Wirkung

Einmal im Referieren kommt der
Kranke vom Chinin zu einem aus
Anderer Rinde gewonnenes dort
Als Aphrodisiakum verwandten Mittel

Referiert dann darüber wie wenig wir
Über die Chemie und Wirkung der
Mittel bis heute wüssten die doch 
Wunder der Natur einfach wären 

Von den Alkaoiden kommt er zum
Strychnin als gefährlichen Gift das
Als Pfeilgift genutzt würde zur
Muskellähmung jedenfalls führt

Nach noch einigen Details zum 
Gift greift irgendwann Clawdia ein
Meinte Peeperkorn sei nun erschöpft 
Hans sollte jetzt besser gehen

Die offiziell Reisebegleiterin die
Zugleich Geliebte mal war nun
Vielleicht auch ist benimmt sich
Fast mütterlich autoritär dabei

Noch häufiger kommt es zu solchen
Besuchen oder auch gemeinsamen
Spaziergängen wenn Peeperkorn 
Gerade mal nicht zu krank ist

Dabei nehmen die üblichen teil wie
Wehsal und Ferge und sie treffen
Auch Settembrini und Naphta denen
Er Clawdia und Peeperkorn vorstellt

Das alles ist wieder mit wunderbarer
Ironie beschrieben und deutet ganz
Dezent den weiteren Verlauf an wie
Es die Beteiligten komisch karikiert

Thomas Mann bleibt der komischste
Wie humorvollste der deutschen
Autoren und schafft es aus kleinen 
Szenen große Erlebnisse zu zaubern

Weiter nun in der nahezu zeitgleich
Geschriebenen la recherche von 
Marcel Proust im Schatten junger
Mädchenblüte am Strand noch

Wunderbar erzählt der Erzähler von
Der sich nähernden Gruppe junger
Mädchen die er noch nicht wirklich
Als einzelne registriert hatte 

Sie waren für ihn eine schwebende
Allen gemeinsame ganz wunderbare 
Schönheit die voller Bewegung als
Ganzes auf ihn zuschwebte

Diese zauberhafte Schwärmerei malt
Proust mit zärtlicher Schönheit aus in
Details die er zugleich wieder für den
Eindruck des Ganzen widerruft

Vielleicht war es keine zufällige
Fügung dass diese Mädchen alle
Schön waren in ihrer Reinheit die 
Noch nicht durch die komplizierten

Zustände eines gebildeten Geistes 
Wieder entstellt waren in ihrer so
Natürlichen Beweglichkeit die noch
Vom erst Aufstieg ihrer Familien

Die schon den Sport für sich als
Freude entdeckten ohne gleich
Zuviel kritisch denken zu müssen
Was natürliche Schönheit entstellte 

Fasziniert von der Schönheit der
Mädchen und ihren dabei ganz
Natürlichen Bewegungen ordnet
Der Erzähler sie sogleich sozial ein

Gehören sie zu seiner Klasse auch
Waren es nur Aufsteiger die erst
Den Luxus langsam entdeckten 
Noch nicht von ihm geprägt waren

Sie zogen wie ein leuchtender Komet 
Über die Mole den andere nicht weiter
Berühren können sie ignorierten alle
Anderen und waren nur beieinander

Herrlich beschreibt Proust hier den 
Alten Bankier für den seine Gattin
Einen Platz nahe dem Musikpavillon 
Ganz fürsorglich besorgt hatte die 

Zwischendurch wegging ihm eine
Zeitung zu besorgen aus der sie ihm
Dann vorlas ihm aber auch Momente
Allein gönnte für das Gefühl einer

Noch bestehenden Selbständigkeit
Also in allem vollkommen zart für den
Feinen älteren Herren sorgt über den
Dann eines der Mädchen springt 

Dabei streift sie seinen Sonnenhut
Was eines der Mädchen aus der
Gruppe mit rauher Stimme dann
Kommentierte der Greis täte ihr leid

Diese und andere Ereignisse auf dem
Weg am Erzähler vorbei beginnen die
Gruppe so zu individualisien die nun
Ihre Wanderung wieder aufnahmen

Er bricht damit die Schwärmerei
Lässt schon ahnen was von diesem
Mangel an Benehmen zu erwarten
Zeigt wie unnahbar sie dennoch sind

jens tuengerthal 22.3.26


Sexualmoral

Sexualmoral

Braucht es eine Sexualmoral
Oder bleibt dies besser privat
Wer könnte die Natur regeln
Wem dienen Grenzen dabei

Religionen regeln zu gerne
Das Sexuelle was etwa die
Stupiden Christen in den USA 
Am liebsten gleich ausblenden

So wurde dort schlichte Nacktheit
Zum Tabu das als sündig gilt darum
Einer strengen Zensur unterliegt
Der alle sich irgendwie nähern

Soziale Netzwerke und ihre private
Zensur nach amerikanischen Muster
Spielen mit dieser sexuellen Moral
Auf widerlich amerikanische Art halt

Ist es eine Frage moralischer Macht 
Diese Frage juristisch zu regeln was
Verrät es über natürliche Bedürfnisse
Kann Moral diese je verändern 

Werden mehr oder weniger Menschen
Homosexuell wenn ich diesen Teil der
Natur bestrafe was als lächerlich von
Allen kultivierten Menschen verlacht

Erhöht eine strenge sexuelle Moral
Den Reiz dieser Nebensache noch
Deutlich und dient damit eher der
Fortpflanzung als Religion sonst

Funktioniert das sexuelle Wesen also
Schlicht dialektisch statt eine noch
Vernünftige Sicht zur Natur zu finden
Die uns dabei das Denken abnimmt

Warum verhalten wir uns heute nach
Der sexuellen Befreiung wieder so
Naiv und doppelmoralisch dabei
Wird nur anderes dabei pönalisiert

Könnte ein offener Umgang auch
Kommunikativ mit dem Thema Sex
Das ganze vernünftig entspannen
Statt ständige Hysterien zu suchen 

Die wechselnde sexuelle Moral ist
Eher eine Mode die mit Verboten
Den Reiz wieder erhöhen soll statt
Vernünftig Befriedigung zu suchen

Weil jede Wiederholung irgendwann
Langweilig wird werden neue Extreme
Gesucht es noch reizvoll zu halten
Die einen tun es fürs Geschäft dabei

Andere verdienen am Verbot mehr 
Lächerlich ist jeder Versuch die
Natürlichen Bedürfnisse noch zu
Beschränken statt sie sein zu lassen

Es braucht keinerlei sexuelle Moral
Der kategorische Imperativ genügt
Alle Fragen umfassend zu klären
Der Rest kann dann dahinstehen

jens tuengerthal 22.3.26

Geschichtsmoral

Geschichtsmoral

Und die Moral von der Geschicht
Ist ein Zitat von Wilhelm Busch
Der im Sonntagsbad damit warnt
Nicht zwei in einer Wanne zu baden 

Das ist herrlich und auch komisch
Die typische Moral mit dem noch
Erhobenen Zeigefinger der damit
Mahnend Moral erreichen wollte 

Selbst in den Siebzigern groß
Geworden badete ich mit den
Freunden beiderlei Geschlechts
Was auch sinnlich schön war

Doch spannender als diese heute
Eher historische Pädagogik die mein
Vater aber als Kunst noch liebte bleibt
Die Frage nach historischer Moral

Dabei nicht nur was früher noch als 
Moralisch galt sondern vielmehr wie
Auf einer Metaebene die Betrachtung
Der Geschichte moralisch wirkt

Moral verändert sich im Laufe der Zeit
Manches wird liberaler anderes dafür
Moralisch strenger beurteilt während
Jeder theoretisch heute alles tun kann 

Der historische Weg zur Freiheit der
Bei den Epikuräern beginnt hat noch
Manch seltsame Wege fern aller Logik 
Bis zum heutigen Tag eingeschlagen

Sich dessen bewusst zu sein kann
Helfen die Geschichte zu verstehen
Warum Kant ein Anarchist schon war
Die Aufklärung noch so aktuell ist

Es weniger Romantik als Vernunft
Wie kritisches Denken noch braucht
Nur mehr Gefühl dafür wie Menschen
Den Mut zur Freiheit wieder finden

So kann die Beschäftigung mit der
Moral der Geschichte uns helfen
Die Zukunft moralisch zu gestalten
Mit möglichst großer Freiheit dabei 

Wie betrachten wir heute was war
Worin prägt uns die Vergangenheit
Für vernünftige Urteile bis in die
Gegenwart übersteigt also Zeiten

Kann ich überhaupt moralisch je
Urteilen ohne einen Blick in die
Geschichte die moralische Werte
Begründet und verständlich macht

Gestaltet somit die Beschäftigung
Mit Geschichte auch die Zukunft
Weil sie moralische Urteile erst
Auf eine vernünftige Basis stellt

Die Diskussion über die künftige
Bedeutung der Geschichte wird
Dabei wichtig sein für unsere
Freiheit im Umgang damit

Geschichte kritisch sehen lernen
Ist die beste Möglichkeit auch künftig
Historische Verantwortung zu leben
Damit Geschichte gerecht zu werden 

jens tuengerthal 22.3.26

Lebensmoral

Lebensmoral

Welche Moral braucht das Leben
Braucht es überhaupt eine oder
Lebt sich ohne viel besser weil
Diese nur den Genuss noch stört 

Moral ist die Gesamtheit aller in
Einer Gesellschaft geltenden Werte
Die menschliches Handeln als gut
Oder auch schlecht bewerteten

Sie basiert meist auf Traditionen 
Wie dem Aberglauben der sich 
Dabei dann Religion nennt ohne
Inhaltlich mehr bieten zu können

Was moralisch ist wird dann von
Einer Mehrheit akzeptiert die es
Als verbindlich für alle verkündet 
Um eine Gemeinschaft zu werden

Die Basis der moralischen Urteile
Auf denen unsere Moral steht ist
Also weniger vernünftig als mehr
Esoterisch transzendenter Unsinn

Darum wird nicht jede Moral wertlos
Manches ist traditionell gewachsen
Hat darum einen historischen Wert
Der auch ethisch gutes bewirkt 

Aber jede Definition der Lebensmoral
Beginnt im Gefühl für das was gut ist
Wie das kategorisch gültig sein soll
Bleibt so rätselhaft wie der Imperativ

Den Kant als Maßstab moralischen
Handelns unwiderlegt absolut setzte
Vernünftig und logisch dagegen ist
Weil er aus dem Verhältnis folgert

So hat der Königsberger Philosoph
Eine absolute Logik für etwas auf
Schwammig emotionaler Basis
Geschaffen als moralischen Kompass

Im Verhältnis zu anderen könnte der
Näherungswert des deutlich älteren 
Kategorischen Imperativ genannt KI
Unser Leben ohne Gesetz ordnen 

Wie das Gewissen als Maß für die
Gültigkeit jeder Norm ohnehin deren 
Nur relative Gültigkeit uns zeigt was
Den Menschen große Freiheit schenkt

So relativiert der KI jede Moral die der
Aufgeklärte Mensch an sich misst um
Dem Gewissen folgen zu können das
Oberster Maßstab damit in uns wird 

Am Ende scheint es viel weniger an 
Lebensmoral zu brauchen als mehr
Bewusstsein für die Verantwortung 
Moralisch urteilen zu können noch

Sapere aude nannte Kant in seiner
Beantwortung der Frage was denn 
Aufklärung sei es also habe den Mut 
Dich deines Verstandes zu bedienen 

Dem ist bis heute nichts anderes
Hinzuzufügen warum es gut ist es
Sich einmal einfach zu machen
Kant darin folgen und gut ist

Dafür dürfen wir dann auch den 
Ganzen religiösen Wahnsinn der
Jeder Moral logisch schadet als 
Moralisch irrelevant vergessen

jens tuengerthal 22.3.26

Liebesmoral

Liebesmoral

Muss die Liebe moralisch sein
Welche ist es und welche nie
Wer darf darüber jemals urteilen Frage ich mich und merke dabei

Das meine wunderbare Liebe 
Nach dem Urteil ganz vieler
Wohl unmoralisch ist weil die
Liebste ihren alten Mann mit

Dem jüngeren Geliebten betrügt
Was gut so und auch in vieler
Hinsicht wohl verständlich ist
Zumal mehr Männer genau das

Mit jungen Geliebten auch tun 
Aber ein moralisches Urteil
Hängt ja nach Kant nicht am
Verhalten der anderen sondern

Daran was Gesetz für jedermann ist
Was jede Frau einschließen soll
Egal wie chauvinistisch Sprache
Hier mal wieder benutzt nur wird 

Wie mehr Frauen als Männer sich
Fühlen und darum nun solidarisch 
Gegen Männer sind die solches tun
Womit ich nichts zu tun habe der

Als Flaneur nur Beobachter bleibt
Doch fragte ich mich was alle die
Moralisch über die Liebe urteilen
Wohl zu unserer Liebe sagten 

Wäre das Urteil kategorisch wohl
Vernichtend und dennoch 
Lieben wir uns ganz aufrecht
Und es fragt sich ob es ein

Faires moralisches Urteil zur
Liebe überhaupt geben kann
Ist nicht schon die Idee der
Monogamie ein krankes Diktat 

Aus dogmatischen Aberglauben
Hat die Liebe vielleicht immer recht 
Ist es das Recht der Liebe einfach
Dem Gefühl zu folgen wo es kommt

Jede Beziehung enttäuscht und lässt
Die Leidenschaft abkühlen auf Dauer
Geliebte erzeugen Spannung lassen 
So die Liebe besser weiter leben

Aber ohne sich in Detailfragen hier 
Zu verlieren fragt sich schon vorab
Ob Liebe moralisch beurteilt werden
Kann von egal wem und etwas dabei

Allgemeingültig ist oder alles stets
Vereinbarungssache bleibt auch
Weil Beteiligte anders urteilen als
Dritte und sich fragt was zählt

Würde mich gerne dazu enthalten
Als Flaneur daneben stehen und alles
Mit Liebe in Ruhe beobachten doch 
Bin ich zum Beteiligten geworden 

Weiß nicht was immer gilt in der
Liebe oder für jeden unter allen
Umständen noch Gültigkeit hat
Aber bin sicher wir lieben uns

Weil die Liebe immer richtig ist
Egal was irgendwo Recht ist
Sage ich lieber nichts dazu
Egal was nun moralisch wäre

Vielleicht wäre weniger Moral
Aber mehr Liebe besser für alle
Oder weniger sichere Urteile dafür
Mehr Möglichkeiten Liebe zu leben

Weiß es nicht und beobachte es
Als zugegeben Beteiligter weiter
Zumindest ohne moralisches Urteil
Aber voller Liebe sicher dabei

jens tuengerthal 22.3.26

Samstag, 21. März 2026

Lektürentagebuch 21.3.26

Lektürentagebuch 21.3.26

Samstags reise ich ja gerne
Natürlich nicht wirklich sondern 
Lesend in den dazu wunderbaren
Bänden der Anderen Bibliothek

Reale Reisen dieses ökologisch
Mehr als fragwürdige Hobby für
Menschen ohne geistige Welten
Die ständig Ablenkung brauchen 

Sind für Leser die noch dazu in 
Einer Bibliothek leben wirklich
Ein vorgestrig asoziales Hobby
Mit unverantwortlichen Folgen 

Da lese ich lieber in Ruhe während
Die Narren durch die Welt laufen
Entdecke so neue geistige Welten
Oder bewege mich in vertrauten 


Beginne heute mit dem Ehepaar
Heinrich und Christine Gondela
Auf der Reise ins Paradies mit der
Kutsche durch Deutschland 1802

Diese sind auf ihrer Fahrt mit der
Eigenen Kutsche von Bremen über
Göttingen Braunschweig
Dresden nach Carlsbad gekommen

Es ist Montag der 6. September 1802
Der Tag beginnt nach Gewittern der
Nacht verhangen trüb ohne noch
Viel Hoffnung auf eine Besserung

Doch schon nach dem reichlichen 
Frühstück riss der Himmel auf die
Beiden machten sich auf den Weg
Um Carlsbad doch zu erkunden

Herrlich ironisch aber dabei doch 
Bremisch trocken schreiben sie über
Den Ort in der inzwischen Nachsaison
Wo eigentlich nichts mehr los ist

Von den beiden wichtigsten Straßen 
Im Zentrum der Stadt die um ihnen
Größe zu verleihen auch noch Platz
Wie Wiese genannt wurden ohne das

Eine oder andere davon zu sein noch
Sondern was andernorts höchstens
Eine etwas breitere Straße wäre wird 
Es im engen Tal der Töpel so genannt 

Nahezu nichts war los im Ort und
Die meisten Geschäfte waren in 
Der Nachsaison schon geschlossen 
Nur aus einem Laden schaute einer

Wie viele touristische in Orte heute
Wird Carlsbad in der sommerlichen
Saison von einem vielfachen ihrer
Etwa 4000 Einwohnern überrannt 

Außerhalb dieser aber herrscht
Eher provinzielle Tristesse im Tal
Das von dunklen Tannen bestanden
Die keine helle Aussicht bieten

Sie besichtigen die beiden Häuser
Die als eine Art von Kurhaus dort
In der Saison wöchentlich wechselnd
Bälle und Unterhaltung bieten

Irgendwo mussten die dort Erholung
Oder Gesundung suchenden ja ihre
Kurschatten finden was die Gondelas
Amüsiert betrachten und berichten 

Sie probieren auch die Quellen die
Teilweise sogar heiß sprudelten den
Ort als Kurort berühmt machten den
Auch Goethe ab 1785 besuchte

Regelmäßig fuhr der Dichter bis
1825 als ihn dort eine Liebe noch
Mit über 75 enttäuschte von Weimar
Im Sommer nach Carlsbad in Böhmen 

Zur Wirkung der Quellen halten sich
Die Gondelas lieber zurück was auf
Den kurzen Aufenthalt höflich dann
Noch geschoben werden kann

Bei inzwischen Sonnenschein sind
Für den Nachmittag noch weitere
Ausflüge geplant zu besonderen
Aussichten und Orten die dort der

Reiche schottische Lord Findlater
Der sonst mit seinem Freund bei
Löschwitz Weinbau auch betrieb
Am Hammerberg errichten ließ

Dieser englische Garten mit einem
Tempel aus Holz an wunderbarer
Aussichtsstelle war gerade erst vor
Ihrer Ankunft vollendet worden 

Für einen anderen Freund oder auch
Liebhaber des Lords worauf die Art
Der Formulierung hindeutet wurde 
Eine Bank unter einer Buche gebaut

Berauschend fanden die Gondelas
Carlsbad eher nicht auch sei die
Umgebung mit Felsen und Tannen 
Ohne Sonne doch eher düster

Dankbar für den Sonnenschein am
Spätsommertag sagt der Bericht was
Die Gondelas von diesem für sie eher
Böhmischen Dorf halten fast nichts

Schön hätten sie es nochmal gehabt
Den Tag auch genossen aber dort
Häufiger hinfahren werden sie wohl
Weniger und sagen es sehr höflich 

Erinnere mich wie wir zu Zeiten der
Ersten Verlobten noch also bevor ich
Die 30 erreichte die mich dann schon
In Berlin erwischten dorthin von ihren 

Freunden aus dem Klüngelumkreis
Zu einem Ball geladen wurden aber
Nicht nur meiner geringen Qualitäten
Als Tänzer wegen darauf verzichteten 

Die feine hanseatische Ironie mit der
Das Ehepaar Gondela berichtet hat
Großen Witz bis heute und erzählt
Genug nichts später zu bereuen


Nun begleite ich wieder den guten
Johann Gottfried Seume auf seinem
Spaziergang nach Syrakus der noch
Auf dem Weg nach Wien berichtet

Auch dieser frühe Reisebericht der
Anderen Bibliothek es ist der 3. Band
Erst 1985 gewesen ist von 1802 also
Aus dem gleichen Jahr wie Gondelas 

In dem mit Znaym überschriebenen
Nächsten Abschnitt geht es von Prag 
Wo er nichts gesehen hätte wie er 
Dem Freund gesteht aber auch ob

Schinken oder Wurst gegessen wurde
Ziemlich egal ihm sein kann es von da
Nichts weiter zu erzählen noch gäbe
Weiter in Richtung Wien bei Sonne

Es geht vorbei an Kolin wo Daun Friedrich erstmals schlug 1757 im
Noch frischen siebenjährigen Krieg
Prompt findet er es angenehm dort 

Die Sachsen werden den Preußen 
Wohl ewig den Überfall nachtragen
Dabei war er strategisch so nötig
Darum lieber kein Wort weiter dazu

Dort hört er in einer Gastwirtschaft
Wo er wieder etwas belangloses aß
Was er uns dennoch erzählt ein ihm
Unbekanntes Instrument spielen

Weder Zither noch Lauthe erinnerte
Es ihn klanglich an die Balalaika wie
Das Böhmische ihn klanglich an das
Russische noch erinnert das er kennt

Die Straße von Prag nach Wien 
Scheint ihm die befahrenste in 
Ganz Europa zu sein so viele
Wagen mit Waren sah er dort

Wunderbar lästert er über die so
Schlechten Wirtshäuser in Böhmen
Aber es geht auch in Deutschbrot 
Noch ähnlich übel weiter dort war

Entweder vom Militär ausgebucht
Oder er musste mit Hebräern wie er
Die jüdischen Händler nennt eng
Auf dem Stroh noch schlafen

In Iglau sah er einen schönen hellen
Markt der von nahen wie fast alles im
Leben wie Seume weise meint eher
Mäßig wirkte warum Abstand lohne

Er berichtet von zwei Pyramiden 
An der Grenze von böhmischen
Wie mährischen Ständen errichtet
Zur Zeit von Maria Theresia noch

Ihm schien in Mähren herrsche mehr 
Liberalität und Bonhomie als noch in
Böhmen in Stannern dann fanden sie
Das erste gute Wirtshaus seit Prag

Berichtet von der dort Wollmanufaktur 
Die alles zu niedrigen Preisen anbot
Wer zu Fuß unterwegs sei müsse sich
Huronisch helfen was handfest heißt

Mehr Sorgen machen ihm die noch
Einquartierung gewisser weißer dann 
Schwarz besattelter Tiere die in Polen
Wie Italien gut gedeihen sollen

Es ist ihm im übrigen einerlei ob er
Sich auf Daunen oder Stroh wälzt
In Znaym musste er erstmals Wein 
Trinken weil es kein Bier mehr gab

Die liebliche Gegend gefällt ihm hier 
Möchte er wohl wohnen schreibt er 
Weingärten und Klöster rahmen sie
Es gäbe sogar römische Ruinen 

Auf der Grenze von Mähren nach
Österreich fand er kein Zeichen nur
Die Wege seien deutlich schlechter
Viel gut Boden würde mit Wein eher

Verdorben als sinnvoll genutzt spricht
Hier der unkultivierte Germane eher
Aus ihm als der kultivierte Römer als
Philanthrop dabei nicht als Trinker 

Am Ende berichtet er von Münzen
Die wenig oder kein Gold enthielten
Was an Preußen zur Zeit noch von
König Friedrich II eher erinnerte 

Eine spannende Erinnerung in der
Heute EU an die finanzielle Vielfalt
Schon allein im deutschen Reich
Der föderalen Monarchien


Seume kurz vor Wien verlassen 
Um bei Johann Kaspar Riesbeck 
Über die Gelehrten in Wien zu lesen
Im 26. Brief voller Spott und Ironie

Wer in Wien nicht als Gerber noch
Schmutzige Finger habe oder als
Klempner sei Gelehrter oder sonst
Schneider die nichts unterscheide

Zumindest kein Wissen denn hier
Nennen sich alle Gelehrte die einmal
Ihrer Liebsten schlechte Verse reimen
Egal ob sie etwas lehren könnten 

So macht er sich nebenbei auch über
Maria Theresia und Joseph lustig die
Jeden der etwas gelehrt sei belohnen
Eine Sammlung von Narren hätten 

Das ist ironisch politisch gewagt wie
Spöttisch über die Habsburger da
Zustände die das Reich auch schon
Bald gegen Napoleon untergehen ließ 

Doch diese noch vor der Revolution
Verfasste mutige Kritik beobachtet
Die kritischen Zustände im Reich
Sehr genau und aufmerksam dazu 

jens tuengerthal 21.3.26