Montag, 13. Juli 2026

Lektürentagebuch 13.7.26

Lektürentagebuch 13.7.26

Harry Kessler plaudert wunderbar in 
Den Erinnerungen eines Europäers
Weiter über das Leben in Kurorten
Diesmal ist es Bad Kissingen

Der bevorzugte Kurort Bismarcks
Der dort mit Familie weilte aber mit
Kesslers noch nicht bekannt war
Was er alsbald nachholte dazu

Seinen Sohn Herbert vorsprechen
Ließ und zum Tee bei ihnen bat 
Die quasi nebenan wohnten im
Auftrag des berühmten Vaters 

Der als Reichseiner bereits berühmte
Fürst wollte sie unbedingt treffen hatte
Sie schon auf dem Balkon gesehen
Wie vielleicht auch dort singen gehört 

Der eiserne Kanzler suchte so in einer
Zeit in der er bereits zahlreichen auch
Anfeindungen bei Hofe ausgesetzt 
War neue Verbündete zum Kaiser

Er sprach schon beim ersten Tee über
Die Lästereien denen seine Mutter am
Hof ausgesetzt wäre sprach also über
Sich und suchte deutlich Verbündete

Wie sehr der alte Kaiser die junge
Schöne Frau Kessler schätzte
Pfiffen ja schon die Spatzen von
Den Dächern im jungen Kaiserreich

Der tägliche Tee bei Bismarcks wurde 
Nun üblich morgens gab es schöne
Spaziergänge sein Vater mit ihm und 
Herbert Bismarck seine Mutter mit

Der Tochter Maria zum plaudern
Es wurde darüber geredet ob die
Eltern nach Berlin kommen sollten 
Sein Vater vielleicht Minister würde

Das ganze spielte sich im Jahre 1874
In Bad Kissingen ab es ist also die
Zeit des Kulturkampfes gegen die
Katholische Kirche und ihre Macht

Wer hat die Macht am Rhein was
Können die Preußen durchsetzen
Wo wehren sich die Katholiken mit
Zentrum im Parlament im Kampf

Bekommt der Staat die Hoheit über
Die Schulen einige waren aufgebracht 
Unter ihnen auch ein Kullmann der
Ein Attentat auf Bismarck verübte

Noch vor der Haustür nur wenige
Meter von ihrem Haus also und
Seine Mutter schickte ihn mit Blumen
Zu Bismarcks wo die Fürstin öffnete

Genau erinnert er sich daran dass
Diese einen Morgenmantel mit einem
Dicken Flicken unter dem Arm trug
Wie sie ihn zum Kanzler führt

Er übergibt der eindrucksvollen 
Persönlichkeit seine Blumen die mit
Buschigen Augenbrauen liegend noch
Grüße an seine Mutter bestellt

Das Verhältnis bestand noch fort dies 
Zu demonstrieren wie den schlichten 
Geist der junkerlichen Familie wie er
Es wörtlich schreibt druckt er noch

Mehrere Briefe von Maria Bismarck
Ab die eher schlichte Plauderei sind
Erstaunlich ist nur dass Harry meint er 
Müsse um die acht gewesen sein

Passenderweise was hier Zufall ist 
Fand dieses Attentat am 13. Juli 1874
In Bad Kissingen statt also genau
Heute vor 152 Jahren dabei blieb 

Der Reichskanzler zwar nur leicht
Verletzt mit viel Glück dafür bekam 
Attentäter Kullmann lebenslänglich 
Starb 1892 in Haft an Tuberkulose

Bismarck verschärfte infolge noch
Seine Politik des Kulturkampfes der
Sich gegen die Macht Roms richtete
Die er nicht mehr dulden wollte

Leider nur war der Reichskanzler 
Eines Kaisers von Gottes Gnaden
Nicht der Richtige um Deutschland
Früh zum Laizismus zu bringen

Weiterer Ausdruck dieser wohl eher
Atavistisch zurückgebliebenen Sicht 
Ist der furchtbare Berliner Dom den 
Wilhelm II nach Bismarcks Abgang 

Egal ob der Lotse dabei das bereits 
Sinkende Schiff nur verließ oder vom
Sich überschätzenden Kaiser dazu 
Gefeuert wurde neobarock baute

Maßstab für diesen völlig unförmigen
Koloss der eine schöne Kirche von 
Schinkel dort verdrängte war allein die
Kuppel größer als der Petersdom

Wir erleben ähnliche Peinlichkeit mit
Furchtbaren architektonischen Folgen 
Gerade in Washington keiner verriss
Den Wilhelminismus so wie Kessler

Ob Bismarck der leicht hysterische
Choleriker wie verantwortliche völlig 
Verfehlter Sozialpolitik an der wir bis
Heute noch leiden bedeutend ist oder

Zum Wilhelminismus einfach passte
Auch wenn Wilhelm II ihn feuerte sei 
Hier dahingestellt sicher aber wird
Der üble Intrigant auch überschätzt

Wieso aber Harry Kessler meint er
Wäre 1874 acht gewesen und
Maria Bismarck im August zum 9.
Für den kleinen Harry gratuliert 

Bleibt rätselhaft beim 1868 im April
In Paris geborenen Grafen der
Da noch keiner war aber doch zu
Gerne seine Mutter glänzen lässt 

Warum erzählt Kessler das auf eine
Wenig bescheidene Art was will er
Damit von sich zeigen in einem 1935
Erstmals erschienenen Band 

War hier das Lektorat schlampig oder
Verwirrt der rote Graf sein Publikum
Bewusst ein wenig über die gute alte
Zeit nachdem er schon 1918 nach

Links eher abgebogen war aber dafür
Später DDP Mitglied wurde also ein
Liberaler passend zur Herkunft war 
Jedenfalls 1933 nach Frankreich ging

Sicher spannend ist es hier die so
Wichtige Geschichte des Kampfes 
Von Bismarck mit Rom zu erleben 
Aus Sicht beteiligter Zeitgenossen

Stephen Greenblatt schreibt in seinem
Buch Dunkle Renaissance im zweiten
Teil von Kapitel 5 über die strahlenden
Studienjahre Christopher Marlowes

Mangels konkreter Belege aus der
Studienzeit von Marlowe wird nun
Das Treiben zunächst allgemein
Beschrieben und wie sie lernten

Hier stand das Erlernen der Kunst
Der Argumentation in fließendem
Latein im Mittelpunkt dazu traten
Die Studenten gegeneinander an 

Sie sollten auch zentrale Fragen
Des Glaubens argumentativ lösen
Ob Gott alles weiß es eine Hölle
Gibt was Mensch wissen kann 

Damit lernten sie zu Fragen auch
Positionen zu vertreten die noch im
Offiziellen England bestraft wurden 
Was den Verstand schärfen sollte

Daneben spielten sie auch Theater
Die Frauenrollen waren umstritten
Wurden aber teils auch gut belohnt
Etwa von Elisabeth wenn es gefiel

In dieser Zeit begann Marlowe neben
Einem zwölfstündigen Programm an 
Unterricht mit seiner Übersetzung von
Ovids Amores die er bei seinen 

Studien in der Bibliothek entdeckte
Fand dafür ein neues Versmaß das
Dem lateinischen ähnlicher war so
Die Verständlichkeit noch erhöhte

Teils sehr delikate Texte von den
Liebesabenteuern des Autors wurden
So erstmals in englische Verse für
Ausgewählte Leser gebracht

Das Buch erschien erst später auch
Gedruckt mit Marlowe als Übersetzer 
Wurde aber schon 1599 verbrannt
Weil es gegen gute Sitten verstieß 

Nun endlich kommt Greenblatt auf
Das vakante Thema Homosexualität
Zu sprechen über ein Gesetz aus
Der Zeit von 1533 unter Heinrich VIII

Dies bedrohte die Sodomie mit der
Todesstrafe ohne dabei konkreter 
Festzulegen was als solche galt 
Worüber Greenblatt philosophiert

Über die geteilten Betten von 
Studenten und auch Tutoren kommt
Der Autor zur gleichgeschlechtlichen
Lust welche so wohl natürlich war

Da offiziell verboten gibt es dazu 
Keine Quellen was aber dann im
Dunkeln unter den Bettdecken
Wirklich geschah ist etwas anderes

Marlowe vertrat dazu sehr freie 
Positionen wie aus einigen Versen
Ableitbar zugleich war aber die 
Freundschaft von Männern geschätzt

Männer die sich umarmten oder
Zur Begrüssung küssten auch von
Tiefer Liebe sprachen waren normal
Wie es auch Montaigne beschreibt

Marlowe soll laut Kyd vertreten haben
Dass Johannes und Jesus sich auf
Eine außergewöhnliche Art liebten 
Er sei der Alexis von Jesus gewesen

Falls Marlowe tatsächlich so etwas
Geäußert haben sollte mutmaßt hier
Greenblatt sehr vorsichtig könnte er
Eigene Erfahrungen beschreiben

Dies sind noch keine wirklichen
Beweise für die Neigung Marlowes
Aber nähert sich vorsichtig der 
Frage der sexuellen Neigungen

Wer auch immer mit wem in einem 
Bett alles schief als hätte es Mangel
An Betten gegeben im England unter
Elisabeth scherzt Greenblatt dazu

Es ist jedenfalls davon auszugehen
Dass die jungen Männer sich nicht
Nur im Bett gewärmt hätten sondern
Auch sonst Erfahrungen sammelten

Die Übersetzung des Ovid wie die
Präsenz des Themas im Theater
In der reinen Männergesellschaft 
Lässt mehr vermuten als wir wissen 

Ricarda Huch beschreibt weiter im
Lebenslauf des heiligen Wonnebald 
Pück mit viel Humor von seinen zwei
Neuen Freunden die natürlich auch

Zu den ersten der Gesellschaft dort
Gehörten und ihm im Alter nah waren 
Der Justizrat Doktor Gregorius
Schimmelmann ein Kunstkenner wie

Großer geschmackvoller Genießer 
Sowie der Medizinalrat Doktor Joseph
Maria von Boll der eher beschränkt 
Alle Konfessionen bei sich behandelte 

Aber alle die nicht Katholiken waren 
Dafür schneller sterben ließ außer sie 
Konvertierten noch rechtzeitig der von
Pück ständig Spenden auch wollte

Dazu kosteten die regelmäßigen
Abendessen der drei Herren mit dann
Bestem Wein mehr als Pück hatte
Was zur Geldnot schon genüge 

Schimmelmann sammelte als Kenner
Kunst und war mit dieser exquisit
Eingerichtet womit Wonnebald auch
Mithalten wollte und darum nun

Für viel Geld Kunst auch kaufte ohne
Ahnung davon zu haben nahm er was
Teuer war ihm darum gut erschien
Warf dafür viel Geld heraus

Dazu kam noch seine Geliebte die
Vorsteherin des Damenstiftes dort
Hermenegilde und sein Sekretär und
Schützling Lando die beide aus ganz

Unterschiedlichen Gründen große
Summen von ihm wollten für ihr je
Liederliches Leben und für sich
Was besonders die Dame betraf

So locker diese mit ihrem Liebhaber
Lebte so streng war sie mit den 
Damen ihres Stiftes was häufiger
Zu Beschwerden bei Wonnebald

Führte dem das Stift unterstand
Was er aber nur mit ihr besprach
Sie gelegentlich sogar freikaufte
Wenn die Verwandten Ärger machten 

Wonnebald Pück war also trotz des
Größeren Einkommens bald wieder
In Geldnot und dachte er müsse nun
Ein Wunder finden gut weiterzuleben 

Welch feine Kritik der Zustände steckt
In dieser kleinen Beschreibung wieder
Wie sich die Elite der Gesellschaft in
Gegenseitiger Konkurrenz verschuldet

Auch das Wesen nötiger Wunder um
Das teure weltliche Leben weiterhin
Finanzieren zu können offenbart eine
Der dunklen Seiten der Kirche hier

jens tuengerthal 13.7.26


Hitzeopfer

Hitzeopfer

Über 10.000 Opfer der Hitze sind
In Europa nun zu beklagen oder
Vielleicht eher zu bejubeln aus
Sicht der öffentlichen Haushalte

Der größte Teil der Opfer der Hitze
Ist über 65 damit im einem Alter
Das den Staat mehr kostet als noch
Erwirtschaftet was also lohnend ist

Warum also sollten die Regierungen
Etwas gegen die Hitze unternehmen
Sie gewinnen ja nur dabei was sich
In Städten ohne Bäume bald zeigt

Die Hitzeopfer sind damit ein Gewinn
Für die Regierungen und ihre immer
Klammen Haushalte so machen sie
Politik die den Trend noch verstetigt

Ob das Ende und also das Nichts
Nicht ohnehin verlockender ist als
Das weiter so unter den Bedingungen
Ist offiziell verpönt zu fragen

Das ist fern aller Menschlichkeit aber
Dafür sehr effektiv und lohnend was 
Die Frage stellt ob Ökonomie noch
Menschlich ist oder besser weg kann

Derweil sparen die Regierungen bei
Den Ärmsten weiter um die Reichsten
Nicht zu belasten die durch ihre Art zu
Leben das Problem noch potenzieren

Die Hitzeopfer zeigen uns was falsch
Läuft im asozialen Staat den keiner
Braucht darüber nachdenken kostet 
Das sparen wir uns bei der Hitze

jens tuengerthal 13.7.26

Sommerverhältnis

Sommerverhältnis

Liebe Frühling und Herbst
Zum Sommer habe ich eher
Kein Verhältnis er ist meist
Zu heiß zu trocken zu hell

Das beste was du im Sommer
Tun kannst ohne gleich wieder
Ins schwitzen zu geraten ist 
Abwarten und Tee trinken

Wenn Nichtstun die Devise ist
Mag ich den Sommer sehr denn 
Das liegt mir da hab ich Erfahrung
Nur wollen und machen passt nicht

Heiße Tage drinnen genießen statt
Etwas zu wollen entspannt einfach
Nichtstun täte allen viel besser und 
Hielte die Welt dabei ein wenig an 

Zu lernen wie wenig noch muss
Bücher ohne Strom konsumieren
Sich auf das Nichtstun völlig zu
Konzentrieren täte allen besser

Das einzige was im Sommer muss
Ist weniger und das langsamer was
Menschen von schlichtem Gemüt
Wie mir ganz besonders gut gefällt

Nutzen wir die heißen Tage um 
Nichts zu tun weil nichts muss
Aber alles in Ruhe noch Zeit hat
Es ist ja lange genug noch hell

jens tuengerthal 13.7.26

Bücherpolygamie

Bücherpolygamie

Lebe in einer offenen Beziehung
Mit den Bänden meiner Bibliothek
Nehme sie nach Lust und Laune
Genieße das Zusammensein mit
Ihnen voller Liebe und Hingebung

Wir vereinigen uns gerne geistig
So nah in mich kommt keine wie
Bücher die mein Denken berühren
Warum ich schlechte Bücher auch
Ohne jeden Skrupel weglegen kann 

Nah darf nur was gut ist aber das
Tollste an dieser Liebe ist sie kennt
Keinerlei Eifersucht oder Missgunst
Lese ich das eine geduldet sich das
Andere bis eine Laune es nach ihm 

Wieder greifen lässt und lese darum
Über hundert Bücher parallel weil ich
Keine Liebsten erledigen will sondern
Sie seitenweise genieße nach Laune
La recherche von Proust lese ich so

Seit über 28 Jahren geduldig immer
Mal wieder einige Seiten wie Kekse 
Die ich in den feinen Tee dazu tunke
So lebe ich in meiner Bibliothek mit
Den Liebsten zusammen und es ist

Die Bücherpolygamie die erfüllendste
Vorstellbare Beziehung und Liebe 
Denke ich dankbar dafür dass wir
Uns zusammen gefunden haben
Im Liebesleben eines Lesers

jens tuengerthal 13.7.26

Sonntag, 12. Juli 2026

Lektürentagebuch 12.7.26

Lektürentagebuch 12.7.26

Harry Graf Kessler setzt seine sehr
Persönlichen Erinnerungen mit denen
Seiner Mutter an den Kaiser welcher
Wilhelm I war fort was gut ordnet 

Zwar klingt es zunächst wie Bunte
Wenn verständnisvoll von der großen
Liebe des Kaisers erzählt wird einer
Bildschönen Prinzessin Radziwill die

Wilhelm da sie nicht standesgemäß
Aus keinem regierendem Haus kam 
Nicht heiraten durfte und stattdessen
Eine Augusta von Sachsen-Weimar

Gezwungenermaßen heiratete die auf
Den Knien Goethes groß wurde aber
Doch in der Erinnerung seiner Mutter
Blass alt und tratschig nur war über

Ihre entzückenden Pariser Kleider
Nur redete dies so ausführlich dabei
Dass jedes weitere Wort entbehrlich
Nach der Etikette deutlich verdeckte 

Erzählt so viel von Wilhelm der sich
Der Form halber alles verkniff aber 
Doch gerne unterhalten und dazu 
Noch abgelenkt wurde auf viele Art

Detailliert wird von französischen
Theaterstücken berichtet die bei der
Gräfin Lehndorff-Steinort im Salon 
In Bad Gastein gespielt wurden

Von der Mühsal eines Grafen Bülow
Den amüsierten Bemerkungen des
Kaisers dazu teils auf französisch 
Ohne seine Mutter zu erwähnen

Was unnötig ist weil er ihren Bericht 
Wiedergibt und sie erzählen lässt
Aber dennoch viel sagt wenn wir das
Gerücht dabei nicht ignorieren

Er wird vermutlich nie direkt etwas
Von dieser Liaison sagen aber wie
Der Kaiser sogleich entflammt war
Sich dies indirekt wieder bestätigte

Ist schon mehr als nur Andeutung
Natürlich spielte sein Vater wie die
Mutter Rollen in dem Stück bei den
Lehndorffs wo gut geputzt wurde 

Lehndorff-Steinort spielte nach dem
Tod von Kessler eine große Rolle im
Zweiten Weltkrieg hier nebenan war
Die Wolfsschanze das Hauptquartier

In Steinort war Ribbentrop einquartiert 
Lehndorff war im Widerstand um den
Grafen Stauffenberg nicht umsonst
War die Wolfsschanze der Ort an dem

Das Attentat geplant und versucht war
Diese Lehndorff-Steinort in deren 
Salon das Theater stattfand war die
Schwägerin des kaiserl Adjutanten 

Ein älterer Bülow bemüht sich zur
Unterhaltung des Kaisers ein jüngerer
Der Reichskanzler später wird gilt als
Unangenehmer Charakter wir sind

Auch wenn in Ems oder Gastein doch
Am preußischen Hof und dann kommt
Noch die österreichische Kaiserin was
Damals Sissi war in den Erinnerungen

Seiner Mutter hier vor und ihr ganzer
Auftritt groß schlank mit schwarz gold
In den Farben ihres Landes wie der
Kaiser ihr den Vortritt noch gibt

Das scheinen auf den ersten Blick
Geschichten noch aus einer anderen 
Welt von Adel Hof und Tratsch doch
Erzählt Kessler hier indirekt mehr

Woher sollte seine Mutter wenn sie
Nur eine hübsche Bekannte aus der
Kur war mit solcher Gewissheit vom
Emotionalen Leid Wilhelms wissen 

Kessler sagt es nicht und widerspricht
Öffentlich laut allen Gerüchten aber
Erzählt ganz im geheimen viel mehr
Als jede nur Behauptung belegte

Damit zeigt der rote Graf sich als
Ein genauer Kenner der höfischen
Sitten die manches nie aussprechen 
Dafür indirekt überdeutlich machen

Denke an meine liebe Freundin
Die auch preußische Prinzessin
Unsere Großmütter kannten sich
Aus Bremen noch lang ist es her

Über zwanzig Jahre vermutlich 
Die Ehen der Preußen darüber
Ließen sich viele Geschichten
Schreiben wie über die Liebe

Als meine Mutter noch Tanzstunde
Mit den Prinzen hatte aber ihre Mutter
Ihr vorher schon sagte lass die Finger
Von den Prinzen die haben ein uraltes 

Hausgesetz das stärker ist als alle
Gefühle über das sich die Mutter 
Der Freundin hinweggesetzt hatte
Was noch für viel Ärger sorgte 

Gute Partie schlechte Partie
Alter Name große Familie aber 
Einsam real ist manches viel
Weniger glänzend als es scheint

Belasse es wie der Graf hier bei
Bloß anonymen Andeutungen die
Lesen kann wer die Beteiligten kennt
Geschichte kommt manchmal nah

Noch auf einige Seiten in den feinen 
Wie komischen Lebenslauf des
Heiligen Wonnebald Pück bei Ricarda Huch getaucht und herzlich gelacht

Zunächst erfahren wir wie Wonnebald
Bei den älteren Stiftsdamen in der
Umgebung seines neuen Bistums
Erregte Begeisterung bald auslöst

Wie er sich auch um diese Damen
Noch kümmert was ihn Lux zwar
Nicht vergessen aber zumindest
Zeitweise üppig ersetzen lässt

Dann gibt es neue Details aus dem
Leben des Maulwurfjägers wie auch
Schwiegervaters Christoph Bernkule
Der Schwänze abliefern muss um

Seine erfolgreiche Jagd zu beweisen
Wie sie einen fangen aber das junge 
Mädchen darob schrecklich weint 
Auch als der ein Grab dann bekommt

Sich nicht wieder beruhigen kann
Bis der lachende Großvater hier
Aufdeckt dass er die meisten der
Maulwurfsschwänze selbst bastelt 

Weil was zu fangen ist nicht reicht
Eine Familie zu ernähren so immer
Eine Zahl Maulwürfe bliebe die aber
Schädliche Insekten fressen würden

Wie dieser Betrug der Behörden zum
Zerwürfnis mit dem Sohn führte der
Immer aufrecht sein wollte aber das
Gegenteil bei Wildererjagd erreichte

Wo der Mensch das Gleichgewicht
Der Natur stört ergab dies selten je
Gutes denke ich dabei lächelnd so
Werden halt Schwänze gebastelt

Mit feiner Ironie auf den Staat wie die
Vielen nutzlosen Beschäftigungen der
Zu viele nachgehen müssen schreibt 
Ricarda Huch hier und lässt lachen

Zum weinen traurig ist es eigentlich
Heute beschäftigen Job-Center eine
Ganze Industrie mit Dingen denen
Verglichen die selbst gebastelten 

Maulwurfsschwänze noch als eine
Höchst sinnvolle Tätigkeit scheinen
Warum die Umgehung des Staates
Wieder viel wichtiger künftig wird 

jens tuengerthal 12.7.26


Besonderheit

Besonderheit

Etwas besonderes zu sein
Für jemanden ist traumhaft
Besonders zu werden sollte
Daher erstrebenswert sein

Auch wenn alle gerne in ihren 
Yoga Kursen ihre Individualität
Noch ganz gelenkig zeigen ist
Die indische Sekte bestenfalls

Noch durchschnittlich wenn nicht
Ein Element kollektiver Verblödung
Bei der das kritische Denken endet 
Für erfundene seelische Gesundheit

Eine meiner wunderbaren Schwestern
Leitet eine Sonderschule sie sagt von
Sich sie unterrichtet besondere Kinder
Danach ist Behinderung besonders 

Zumindest unterscheidet sie vom nur
Durchschnitt was mich daran hindert
Wie alle zu sein macht besonders
Definiert Qualitäten dabei ganz neu

Spät erst erfuhr ich von meinen 
Geistigen Behinderungen die in
Vieler Hinsicht offensichtlich waren
Bevor ich es benennen konnte 

Die andere wunderbare Schwester 
Welche in Weichwaren für unsere
Rechenmaschinen macht ist dabei
Erfolgreich auch mit ADHS was 

Unsere Familie vom Vater erbte 
Der es nie so nannte nur eben
Besonders und anders als alle war
Dabei genial wenigen verständlich

Bin auch so ein spezieller Fall
Passe in kein Schema hinein
Manchmal genial aber immer
Zuverlässig chaotisch dabei

Besonderheiten zu erkennen
Sein Wesen individualisieren
Damit leben besonders zu sein
Könnte besser tun als Anpassung

Ob Akzeptanz meiner eigenen
Behinderung also Besonderheit
Doch wieder nur Anpassung an
Schemen des Durchschnitts ist

Könnte dabei fraglich scheinen
Oder auch dahinstehen denn was
Verständnis erhöht tut auch gut
Damit ist es für mich gut

jens tuengerthal 12.7.26

Luftoffen

Luftoffen

Offene Luft heißt auf englisch
Open Air aber meint meist ein 
Gedränge im Gelände nur bei
Dem Berauschte vor Dixie Klos
Schlange stehen welche helfen
Die dicke Luft noch schlechter
Zu machen dennoch gelten solche
Events als hipp und ziehen Massen an
Die schon beim Gedanken daran
Eher mir die Luft rauben was
Immer sie sich davon erhoffen 
Die Klangqualität ist bescheiden
Jedes Telefon liefert besseren Sound
Mobile Boxen liefern es überall besser
Als die sogenannte Live Performance 
Dazu bezahlen viele sehr viel Geld
Um schlecht zu sehen und zu sitzen
Sich in Massen zu drängen wie all
Die anderen Idioten dort auch und
Sehen mehr Hinterköpfe als Kunst
Es ist der Kult des Happening bei
Dem sie dabei für viel Geld alles
Schlechte ganz großartig finden
Als würde die freie Luft verblöden
Zahlen sie für solchen Wahnsinn
Der in Berlin viele Bühnen hat
Noch Unsummen wie beim Fußball
Inzwischen meist nur oder doch
Zumindest am meisten dabei
Den Telefonbildschirm derjenigen
Vor sich ganz scharf zu sehen
Geben Geld aus um sich zu
Drängen in Massen die sie
Nicht aussuchen können mit
Denen sie nur Tickets teilen
Sind wohl alle verrückt dabei
Denke ich der das nie täte
Damit aber die Ausnahme ist
Lieber seine Ruhe genießt
Statt in schwitzender Masse 
Für ein Ticket viele Bücher
Sich kaufen könnte die ein
Leben bei mir bleiben statt
Wie ein Happening zu verhallen
Hätte ich nicht längst genug
Habe gern ein Dach über mir 
Ruhe zum Lesen ist mir viel
Wichtiger als Open Air Irrsinn
Wer immer hier wahnsinnig ist

jens tuengerthal 12.7.26

Sonntagsruhe

Sonntagsruhe

Die Sonntagsruhe ist geschützt
So muss büßen wer sie nicht hält
Mit dann Bußgeld wird bestraft
Wer störende Geräusche macht

Erlaubt sind nur leise Tätigkeiten
Wie Lesen Spazierengehen oder
Leider auch Fernsehen aber bitte
Nur bei Zimmerlautstärke dagegen

Ausdrücklich verboten ist am
Sonntag Hämmern Bohren lautes 
Staubsaugen was fragt was denn 
Leises Saugen überhaupt sein soll

Ob wer dabei noch an sonstige
Orale Vergnügen denkt im Sinne
Des Sonntags handelt ist nicht gewiss
Strohhalme sind wohl noch erlaubt

Rasenmäher Laubbläser Motorsägen
Sind sonntags völlig tabu einzig noch
Erlaubt wären leise Tätigkeiten auf 
Dem Balkon oder im Garten

Nehmen wir das ernst sollen Gärten
Nur noch Rentner haben die auch
Sonst genug Zeit haben für Lärm 
Aber bitte nicht sonntags was dann

Die beschäftigungslosen Rentner
In der Nachbarschaft überwachen 
In ihrem Wesen wohl auch liegt und
So ist für alle im Land gut gesorgt 

Die Sonntagsruhe gilt übrigens von 
Sonntag Mitternacht bis Mitternacht
Danach gilt die relative Nachtruhe
Was in Berlin wenige nur kümmert

Zumindest im städtischen Zentrum
Anders dagegen mag es noch am
Dörflichen Rand sein den darum
Viele als Oase der Ruhe bevorzugen

Die dann um Lärm zu machen gen
Mitte kommen und dennoch auch
Darum als Provinz erkennbar sind
In den vielen Dörfern Berlins 

Für Leser ist was gilt ein Paradies
Den Gärtnern eher ein Graus dann
Gelten Ausnahmen für den Tourismus
Wie lokale Sonderregelungen auch

So ist Sonntagsarbeit untersagt außer
In notwendigen Ausnahmefällen wozu
Scheinbar die Gastronomie auch zählt
Die damit ein Geschäft noch macht

Alle Stasi-Mitarbeiter die gerne auch
Die Nachbarn bewachen und verraten
Haben in Deutschland so eine Heimat
Dabei will sie doch keiner mehr hier

Verrat wird zum Volkssport gemacht 
Um den Sonntag zu schützen der nur
Den Kirchen noch heilig war was ein
Unsinn des Aberglaubens wäre

Doch auch der Sozialismus kannte 
Die Sonntagsruhe war sogar noch
Strenger mit touristischen Ausnahmen
Die Nachfrage hielt sich in Grenzen

Dies weil wir auf Arbeitstage folgend
Auch Ruhetage brauchen nach der
Natur uns nicht zu sehr zu erschöpfen 
Also wäre weniger immer mehr

Finde verordnete Ruhe schrecklich
Wie immer was alle tun sollen mir 
Ein Graus war vor dem ich fliehe 
Um Ruhe vor der Masse zu haben 

Dennoch liebe ich ruhige Sonntage 
Will auch nichts unternehmen da um
Sich noch abzulenken habe doch eine
Bibliothek voll schönster Ablenkungen

Würden Menschen weniger tun dafür
Mehr in Ruhe lesen täte das dem
Klima noch immer viel besser als
Alle halbherzigen Rettungsversuche

Werdet doch alle friedliche Leser
Es machte die Welt viel schöner
Denke ich und lasse alle Tage gern
Sonntag sein nur ohne Verbote 

jens tuengerthal 12.6.26

Nachttrunken

Nachttrunken 

Lustig ist es in der späten Nacht
In der Bar nüchtern zwischen lauter
Trunkenen Stammgästen oberhalb
In der Flaneurloge zu sitzen um den
Anderen zu lauschen die Unsinn sich
Erzählen wie darum konkurrieren wer
Den größten Blödsinn erzählen kann 
Nur das Barpersonal ist noch relativ
Nüchtern aber es zeigt sich hier dass 
Die Nacht nicht alles klarer macht
Nur über das gerade Fußballspiel 
Von Argentinien Schweiz wird noch
Relativ nüchtern debattiert während
Einer noch Geld holen geht raucht
Ein Nüchterner ausnahmsweise damit
Zumindest die Summe aller Laster 
So konstant bleibt wie der Pegel
Der anderen inzwischen hier ist
Was ein relatives Gleichgewicht
Unter den Gewichtigen herstellt
Bald wird es schon wieder hell

jens tuengerthal 12.7.26

Matchadanach

Matchadanach

Auf einen alkoholfreien Matcha-Drink
Noch ins Crossroads gegangen nach
Dem England Norwegen 2:1 leider
Geschlagen hat wie ich am Platz sah 

Dadurch spät angekommen doch 
Tino Mo und Volker waren noch da
Oben saß noch eine kleine junge 
Gemischte Gruppe unten noch sechs

Draußen zu später Stunde noch drei
Herren eine Dame brachte für Mo
Zwei Hemden und trinkt jetzt was
Im Gespräch mit einem Schauspieler

Zwei Damen am Stehtisch an der
Wand sind im Gespräch bei sich
Volker erzählt von seiner Punkzeit
Um zu erklären warum er niemals

ABBA hören würde zwischendurch
Erzählt er mir noch dass er nächste
Woche seine Mutter besucht nun
Bekommt er seinen Schlaf-Drink

Genieße den grünen Drink in der
Flaneurloge und lausche den hier 
Aufregenden Gesprächen doch noch
Kommt kein ABBA und Mo räumt auf 

jens tuengerthal 12.6.26