Lektürentagebuch 6.3.26
Gilbert White schreibt in seiner
Erkundung von Selborne im 10. Brief
An Thomas Pennant Esquire über
Die Vögel der Region spannend
Unglücklicherweise hätte er nie
Nachbarn gehabt deren Studien
Sie zur Naturkunde führten so dass
Er aus Mangel an Weggefährten
Die seinen Fleiß anspornten oder
Seine Aufmerksamkeit schärften
Darum nur magere Fortschritte in
Einem Wissensgebiet machte dass
Ihn eigentlich von Kindheit an schon
In Beschlag genommen hätte darum
Berichten über Rauchschwalben die
Irgendwo in Kältestarre gefunden
Nie größere Beachtung geschenkt
Doch hätte ihm ein Geistlicher von
Mauerseglern erzählt die Arbeiter im
Frühen Frühjahr im Kirchturm fanden
Sie schienen tot erwachten aber am
Feuer zu neuem Leben er steckte sie
Um sie zu retten in eine Papiertüte die
Er am Küchenfeuer aufhängte wo sie
Dann leider erstickten während ein
Anderer gebildeter Mann ihm erzählte
In Brighton in Sussex seien in einem
Wintersturm große Stücke aus den
Dort Kalkklippen abgebrochen worin
Einige Leute Schwalben gefunden
Hätten die er aber leider selbst nicht
Gesehen hätte aber andere hätten
Ihm dies versichert dieses Jahr seien
Zuerst am 11. Juli aufgetaucht als
Die Hausschwalben bereits flügge
Wurden und beide brüten zweimal
Im Vorjahr seien nach seinem Notizen
Noch am 18. September welche
Geschlüpft er fragt sich ob eine so
Späte Brut nicht eher für Unterschlupf
Sprechen würde als für Migration so
Blieben einige junge Hausschwalben
Noch bis 29. September in ihrem Nest
Doch am 5. Oktober waren alle weg
White fragt ob es nicht erstaunlich sei
Mauersegler oder Turmschwalben
Verließen uns vor Mitte August aber
Hausschwalben bis Oktober blieben
Einmal hätte er sie sogar noch im
November mit Wacholderdrosseln
In einem Schwarm fliegen sehen also
Sommervögel und Wintervögel
Von einem kleinen gelben Vogel der
Bei ihnen noch keinen Namen hätte
Den Ray Fliegenfänger nenne der
Fange seine Beute im Flug ohne
Dabei je den Boden zu berühren
Kehrt er immer auf seinen Posten
Wieder zurück der höher gelegen
Er gehe von mehr als einer Art aus
Mister Stillingfleet frage sich dagegen
Ob Mönchsgrasmückem Zugvögel
Sind woran kein Zweifel bestünde
Für ihn denn sie tauchten in den
Ersten schönen Apriltagen alle auf
Einmal auf und sein im Winter nie
Anzutreffen sie seien phantastische
Sänger von ganz zarter Schönheit
In den Moorgründen brüteten jeden
Sommer große Mengen Schnepfen
Es sei sehr unterhaltsam dann die
Männchen zu sehen und zu hören
Noch hätte er keine Gelegenheit
Gehabt eine der erwähnten Mäuse
Zu besorgen sie kämen im Herbst
Dann könnten sie die Art prüfen
Stark vermute er dass es mehr als
Zwei Arten von Wasserratten gibt
Ray sagt sie hätte nach Linné eine
Art Schwimmhäute an den Füßen
Er hätte aber in ihrem Fluss eine
Entdeckt die keine hätte trotzdem
Ein exzellenter Schwimmer und
Taucher sei er legte gerne eine vor
Den Falco den er ebenfalls hier
Bereits erwähnte werde er ihm
Bald nach Wales schicken in der
Hoffnung er möge ihm verzeihen
Falls er ihn schon kennen sollte
Wie er ihn noch nicht kannte doch
Seien es etwas verstümmelte Reste
Er lebte im Moor und jagte Enten
Wie Schnepfen wenn diese da und
Als er geschossen wurde zerrupfte
Er gerade erst eine Krähe aber er
Entspricht keinen englischen Falken
Auch in der Ausstellung ausgestopfter
Vögel in Spring Gardens war er nicht
Zu entdecken er hätte ihn an die
Wand der Scheune genagelt entdeckt
Diese Rückwand sei das Museum
Der Leute hier so liege Selborne in
Einer zergliedert uneinheitlichen
Landschaft mit darum vielen Vögeln
Dieser feine britische Humor der
Eher indirekt kommt zwischen den
Sonst so guten Naturbeschreibungen
Ist wirklich besonders liebenswert
Begonnen mit der Auslegung der
Carta Marina der Olaus Magnus die
Widmung an die Stadt Danzig voranstellt im Juni 1539 in Venedig
Es sei die Auslegung der neuen Karte
Des alten Gotenreiches wie anderer
Länder des Nordens samt all der dort
Wunderlichen Dinge zu Lande wie im
Wasser auch die bisher noch nie so
Klar beschrieben worden sind dies
Zum Lob der Stadt Danzig in Preußen
Wie zum allgemeinen Nutzen neu
Herausgegeben von Olaus Magnus
Götzis aus Linköping 1539 nun in
Venedig mit päpstlichem wie auch
Venezianischen Privileg für ihn
Danach sei der Nachdruck bei hoher
Strafe wie Pein also Folter auf zehn
Jahre verboten und dies Privileg sei
Von allen solange zu respektieren
Er widmete dies den umsichtigen
Edlen ehrenwerten Herren dem
Burggrafen Bürgermeister und Rat
Der königlichen Stadt Danzig nun
Dies weil er in früheren Jahren so
Freundlichen Aufenthalt und ruhige
Wohnung in Danzig gehabt hätte wie
Von ihnen mit Gunst geehrt wurde
So wolle er ihnen seine Dankbarkeit
Erweisen weil er nicht weniger in der
Schuld der Stadt als seines eigenen
Vaterlandes stehe was hiermit sei
Dies um sie in großer Anzahl in allen
Teilen und Kreisen der deutschen
Nation zu verbreiten zu der Danzig
Zu dieser Zeit noch zählte
Damit was bisher unbekannt blieb
Von allen Lesern wohlwollend zur
Kenntnis genommen würde auch als
Zeichen seiner ewigen Dankbarkeit
Weil er es erst dank ihrer Hilfe selbst
Zustande brachte bittet er nun die
Frucht seiner jahrelangen Mühen
Wohlwollend auch anzunehmen
Er habe keinen Zweifel dass seine
Arbeit der Stadt mehr Nutzen bringe
Als wenn er sie mit Gold und Silber
Überhäufen würde doch überlässt er
Allen Umsichtigen und Weisen dies
Selbst zu erkennen und empfehle
Sich ihnen voller Dankbarkeit aus
Dem Palast des Patriarchen Venedigs
Dem Leser erklärt Magnus noch die
Tafel und das Büchlein werden in 9
Große Buchstaben ABC geteilt wie in
Viele kleine nach abc was nun folgt
Zu den Erläuterungen komme ich
Bei der Lektüre mit Karte morgen
Oder die nächsten Tage in dem fast
500 Jahre nun alten Werk
Kapitel 3 in Michael Bergmanns
Roman Herr Klee und Herr Feld
Gelesen und noch etwas darüber
Gelächelt wie Frau Stöcklein auszog
Diesen Auszug beobachtete Alfred
Einen seiner drei täglichen Zigarillos
Auf dem Balkon rauchend erfreut
Er hatte sich nun daran gewöhnt
Sein Bruder hatte darauf bestanden
Dass in seinem Haus nicht geraucht
Würde und sich damit durchgesetzt
Inzwischen liebte Alfred es so auch
Bergmann beschreibt dann hier
Detailliert was Alfred alles vom
Balkon der Villa im Westend noch
Beobachten kann erwartungsgemäß
Den Umzug machte der als schlicht
Muskulös beschriebene Freund der
Tochter mit einem Transporter voller
Aggressiver Graffiti was wieder gut
In der Vorurteilskiste Erwartungen
Mit Lachen bestätigen soll falls es
In diesem Stil weitergeht werde ich
Die Palästinenserin nicht treffen
Vermutlich brauchen Otto Filme
Diese ständigen Schenkelklopfer
Die alle Vorurteile bestätigen was
Literarisch weniger bereichert
Die Brüder Kleefeld dürfen nun
Ein wenig Pause bei mir machen
Lesezeit ist zu kostbar um sie mit
Schlichten Mustern zu verbringen
Vermute aber als Verfilmung wäre
Dies Buch aus dem jüdischen Leben
In Frankfurt sehr erfolgreich und
Könnte Vorurteile beseitigen helfen
Im Buch nervte noch der Enkel
Von Frau Stöcklein also der Sohn
Von Susanne aus der Kommune
Im Vogelsberg typisch antiautoritär
Am Ende rief noch Freundin Norma
Die sich um Moritz bemüht an und
Bot sogleich ihre Hilfe im Haus an
Sie könnte auch eines ihrer Mädchen
Zur Unterstützung im Haushalt zu
Den Brüdern schicken und Stella
Ihre Freundin erkundigte sich noch
Nach Alfred ob es ihm gut ginge
Der kleine Einblick ins jüdische Leben
In Frankfurt darf nun ein wenig auf
Mascha Kaleko pausieren bis mich
Die Neugier ins Westend wieder ruft
Noch ein wenig bei Egon Friedell in
Der Kulturgeschichte der Neuzeit über
Die Chinoiserie gelesen die damals
Gerade ganz große Mode war
Vor der Entdeckung von Böttcher war
Porzellan aus China bezogen und die
Meißner Waren wurden lange noch
Als chinesisch ausgeben was aber
Kein Geschäftstrick sondern im
Zeitgeist begründet noch war so galt
China im Rokoko als ein Musterland
Der Weisheit und der Kunst dazu
Anfang der 18. Jahrhunderts kamen
Die Chinoiserien in Mode also Bilder
Vasen Skulpturen Papiertapeten wie
Lackwaren und Seidenarbeiten
Auch Romane entführten den Leser
In jenes Märchenreich wo ein Volk
Glücklich heiter unter seinen hoch
Gelehrten Führern paradiesisch lebte
Historiker und Philosophen an deren
Spitze Voltaire stand verherrlichten
China als vortrefflichstes Land auch
Seiner Sitte und Verwaltung wegen
In den Gärten wurden Pagoden wie
Teehäuschen und Glockenpavillons
Errichtet selbst der modische Zopf
Habe noch chinesische Wurzeln
Auch der damals besonders beliebte
Pfau hatte etwas chinesisches war
Zugleich ein echtes Rokoko Tier also
Dekorativ bizarr theatralisch genrehaft
Über dieses Zeitalter der Petitessen
Ließe sich sagen was Diderot 1765
Als bereits ein neuer Geist herrschte
Über Boucher gesagt hatte der ein
Viel zu kleinliches Minenspiel habe
Der Begriff la siécle de petitesses
Stammt von Voltaire es habe überall
Nur charmanten Nippes gebracht
Der Barock schrie und plakatierte
Wo das Rokoko flüstert und dämpft
Beide seien schnörkelhaft aber im
Barock war es leidenschaftlich noch
Was im Rokoko ein diskret zierliches
Fragezeichen ist während im
Französischen Hochbarock noch
Die Regel tyrannisch herrschte
War Normwidrigkeit eine Sünde am
Geist während im Rokoko die Begriffe
Bizarr und geistreich verbunden sind
Es gleichsam spielerisch noch zugeht
Korrektheit und Symmetrie waren
Der Maßstab aller Werte noch im
Cartesianischen Zeitalter dagegen
Wandte sich das Genre Rocaille
Was der prägende Stil des Rokoko
Wurde mit seiner Vorliebe für die
Kaprice unerwartetes willkürliches
Paradoxe eher bewusst nach Innen
Sie wären in der Philosophie vielleicht
Halbe Atheisten gewesen in der Kunst
Aber waren sie schon ganze es reizte
Die Abweichung und der Sprung
Als eine italienische Dame einmal ein
Köstliches Fruchteis verzehrte tat es
Ihr leid dass dies keine Sünde wäre
Es gab eine Passion für Illegitimes
Diese steigerte sich nicht selten bis
Zur Perversion in keinem Zeitalter
War Flagellantismus so verbreitet
Als Neigung sich selbst zu quälen
Will jetzt nicht über unser Zeitalter
Abgesänge abstimmen aber die
Neigung zu BDSM hat auf eine
Erstaunliche Art zugenommen
Dies nicht erst seit dem grauenvoll
Schlechten Buch fifty shades das
Keines Wortes wert ist sondern im
Geist der Menschen seit Jahren
Er wurde zur Massenpsychose doch
Sollte daran erinnert werden dass
Hochkulturen in später Phase eine
Neigung zur Perversion noch hätten
In aller Kultur stecke nach Friedell
Ein Stück an Perversion weil sie
Das Gegenteil von Natur eben sei
Was auch für die Perücke galt
Dies zeige sich bei alternden
Kulturen noch verstärkt weil der
Bereich des normalen erfüllt ist
Die Phantasie will darüber hinaus
Keine der alten Kulturen freute sich
An gesunden Verhältnissen noch
Das alte Rom erinnert besonders
An das Rokoko auch beim Sex
Dafür zitiert Friedell nun als Beispiel
Martial und Juvenal für römische
Sitten die schon ziemlich locker
Wie lustvoll waren lange Zeit
So schreibt auch Voltaire in der
Verehrungswürdigen Enzyklopädie
In dem Artikel Divorce Scheidung
Diese stamme vermutlich aus der
Gleichen Zeit wie die Ehe aber er
Glaube die Ehe sei einige Wochen
Älter noch was Juvenal über Rom
Nahezu wortgleich schon berichtete
Auch die Zirkusspiele hätten in den
Öffentlichen Hinrichtungen eine
Entsprechung bis in höchste Kreise
Gehabt es war halt etwas pervers
So beschreiben zahlreiche der
Augenzeugen die hohen Damen
Gerieten durch die Erregung dabei
Bis zum Orgasmus sogar noch
Spannend ist dabei zu betrachten
Wie die sexuelle Vorliebe von Friedell
Für kindliche balkanische Huren
Ihn heute als kriminell diskreditierte
Werden unsere Zeiten also wieder
Moralischer und ist dieser relative
Maßstab je tauglich zur Bewertung
Der Zukunft einer Hochkultur
jens tuengerthal 6.3.26