Lektürentagebuch 7.3.26
Heute geht es lesend auf Reisen
Natürlich ohne dabei den geliebten
Diwan zu verlassen meinem dort
Schönsten Mittelpunkt der Welt
Beginne mit Montaigne und seinem
Tagebuch der Reise nach Italien die
Der kluge Franzose 1580 bis 1581
Mit Pferd und Dienern unternahm
Am 21. Juni 1581 war er früh schon
Aus Bagni della Villa abgereist unter
Wunderbaren Freundschaftsbeweisen
Der anderen Kurgäste dort
Über steile aber doch wohlgefällige
Berge voller Wälder gelangte er nach
Pescia wo es ein kleines Castello am
Gleichnamigen Fluss noch gäbe
Es läge auf Florentiner Gebiet und
Habe schöne Häuser offene Straßen
Wie berühmte Trebbiano Weine auch
Es liegt zwischen Olivenhainen
Die Einwohner seien für Frankreich
Begeistert weshalb ihr Wappentier
Ein Delphin noch sei nach dem dort
Mittagessen kamen sie durch eine
Schöne Ebene die reich an
Ansehnlichen Häusern wie auch
Schlössern sei so wollte er etwa
Sieben Meilen hinter Pescia den
Monte Catini mit seinen heißen
Quellen noch besuchen jedoch
Ließ er ihn zerstreut links liegen
Merkte es aber erst in Pistoia
Er stieg in dieser Stadt ab und
Wurde von Rispiglosis Sohn also
Aus dem dort ansässigen Adel
Besucht sie erwiesen sich die Ehre
Wer in Italien anders als mit den
Dort Mietpferden reise sei nach
Montaignes Sicht eher schlecht
Beraten sie seien viel günstiger
Von Pistoia aus kam er über Prato
Nach Castello wo er in einem dem
Palast des Herzogs gegenüber
Gelegenen Gasthaus zu Mittag aß
Dann sahen sie sich in Ruhe den
Garten des Palastes an dabei ging es
Ihm wie schon so oft zuvor die nur
Vorstellung übertraf die Wirklichkeit
Er hatte den Garten zuerst noch
Winterlich nackt gesehen und ihn
Sich darum wunderbar bunt noch
Geträumt gehabt was er nicht war
Nach dem Mittagessen erreichte er
Florenz wo er sich die öffentliche
Prozession mit dem Großherzog
In der Kutsche noch ansah
Neben viel Pomp gab es auch einen
Wagen mit einem vergoldeten Theater
Auf dem vier kleine Kinder spielten
Wie ein als Mönch verkleideter Mann
Dieser trug einen falschen Bart und
Stellte so den heiligen Franziskus dar
Er stand aufrecht und hielt die Hände
Wie wir es von den Bildern kennen
Der Heilige trug um seine Kapuze
Einen Kranz etliche Jungen der Stadt
Steckten in Rüstungen und einer gab
Den heiligen Georg dem sich dann
Auf dem Marktplatz ein Drache der
Von mehreren Männern unbeholfen
Gehalten wurde entgegenstellte und
Mit Riesengebrüll dabei Feuer spie
Der Junge jedoch ging diesem nur
Theaterdrachen fest entschlossen
Entgegen und stach ihn dann ab
Ein großes Straßentheater war es
Ein gewisser Gondi aus Lyon hat
Montaigne dort mit Liebe überhäuft
Zum Beispiel ließ er ihm einen ganz
Hervorragenden Trebbiano bringen
Dabei herrschte eine solche Hitze
Dass es sogar die Einheimischen
Noch überraschte er bekam dafür
Im Morgengrauen eine Nierenkolik
Diese machte ihm etwa drei Stunden
Noch zu schaffen er aß an dem Tag
Auch seine erste Melone und schon
Seit Anfang Juni gab es in Florenz
Gurken und Mandeln zu genießen
Dazu fand am 23. Juni auf einem
Schönen großen Platz ein großes
Wagenrennen nun statt als Attraktion
Alle Balkone waren beladen mit
Damen oben am Palast des Herzogs
Seine Frau und der Hofstaat während
Das Volk wie auch er auf Tribünen
An der Längsseite des Platzes saß
Das Wettrennen fand zwischen fünf
Leeren Wagen statt die den Obelisken
Dort umkreisen sollten entscheidend
Ist die dritte Runde für den Sieg dabei
Behielt der Wagen des Großherzogs
Immer die Führung bis zur 3..Wende
Dann steigerte Strozzi das Tempo
Er holte noch derart auf dass völlig
Unsicher war wer gewonnen hatte
Dabei feuerte das Volk den Wagen
Von Strozzi aus Leibeskräften an
Dies alles vor den Augen des Fürsten
Als am Ende gestritten wurde wer
Gewonnen habe ergriff das Volk
Wieder Partei gegen seinen Fürsten
So wurde Strozzi am Ende die Palme
Des Siegers zugesprochen jedoch
Wie Montaigne meinte zu Unrecht
Der palio dürfte 100 Taler wert sein
Ihm gefiel dieses Schauspiel viel mehr
Als jedes das er in Italien noch sah
Weil es ihn an die Wagenrennen der
Antike sogar noch sehr erinnerte
Am Vorabend von Sankt Johannes
Wurde der Dom im oberen Teil von
Zwei Reihen Lichtern angestrahlt und
Sie schossen von da Raketen ab
Anders als in Frankreich seien die
Johannisfeuer in Italien unüblich
Samstag kam dann der Johannistag
Das wichtigste Fest von Florenz
Dazu ließen sich sogar die jungen
Mädchen auf den Straßen sehen
Doch fand er keine große Schönheit
Unter ihnen was ich gut verstehe
Auf dem Platz des Palastes der mit
Gobelins reich behängt war eine
Tribüne errichtet worden auf der am
Morgen der Großherzog erschien
Neben ihm der Nuntius des Papstes
Viel weiter weg der Botschafter von
Ferrara nun zogen alle seine Länder
Städte und Castelli symbolisch vorbei
Die Verkleidungen wie auch die dabei
Überreichten Geschenke waren Teil
Der großen Zeremonie nach dieser
Kam noch eine solche zur Gaudi
Es folgte ein Festwagen mit einem
Großen Holzobelisken auf dessen
Stufen Knaben Engel oder Heilige
Darstellten auf dessen Spitze aber
Stand ein als Sankt Johannes
Verkleideter Mann der an eine
Eisenstange gebunden war diesem
Wagen folgten dann die Beamten
Als letzter Wagen kam einer auf dem
Junge Leute standen mit drei palii
Was Umhänge heißt und an die alten
Wettkämpfe der Städte erinnerte
Neben ihnen wurden die Berberrosse
Für die heutigen Wettrennen geführt
Von Stallknechten in den Farben ihrer
Besitzer als Herren höchsten Ranges
Die Hitze schien ihm nicht größer
Als in Frankreich aber er schlief um
Ihr zu entgehen dennoch auf einem
Tisch im Speisesaal den er bezog
Eine angenehmere Unterkunft
Hatte er leider nicht finden können
Der Fremde sei ein Florenz schlecht
Dran und er hoffte sich so auch
Vor den Wanzen im Bett zu retten
Von denen es hier überall wimmelt
Es gäbe wenig Fisch so werden
Forellen und andere nur von
Auswärts bezogen und nur mariniert
Er hätte aber gesehen wie einem
Giovan Mariano vom Großherzog als
Präsent lebendige Fische gebracht
Neben Wein und Brot schwammen
Diese in irdenen Kühlgefäßen
Montaigne hätte den ganzen Tag
An der Hitze gelitten noch
Die Vergnügungen welchen sich die
Franzosen in der Abendkühle nach
Dem Essen hingeben kämen dort
Eher davor noch lange Zeit
Am längsten Tag des Jahres findet
Das Abendessen oft erst Nachts statt
Zwischen sieben und acht bricht erst
Der Tag dort an
Nach dem Mittagessen kam nun das
Wettrennen der Berberrosse dabei
Gewann das Pferd der Kardinals de
Medici es lohne als Zuschauer nicht
Dort ständen sie nur an der Straße
Sähen Pferde vorbei rasen wie es
Bei Rennen heute noch ist dafür
Besuchte er am Sonntag endlich
Den Palazzo Pitti von den er noch
Berichtet was es dort zu sehen gäbe
Wie eine Mauleselin aus Marmor
Sowie noch eine antike Chimäre
Am Samstag war der Palast des
Großherzog geöffnet indem sich
Die Bauern drängten was immer
Sie dort noch zu sehen hofften
Aber in allen Ecken und Enden
Des Palastes wurde getanzt so
Vermitteln diese Leute ein Bild
Von Freiheit die es nicht mehr gibt
Zumindest einmal im Jahr dann
Zum Hauptfest der Stadt taten sie
So als sei es anders und Freiheit
Noch der Maßstab ihres Lebens
Vom Florenz am Ende des 16.
Jahrhunderts geht es nach Rom
Im frühen in den Roman von
Francisco Delicado über Lozana
Die Andalusierin hatte es nach Rom
Verschlagen wo sie unter den vielen
Dort spanischen Huren lebte und
Arbeitete das Werk erschien 1528
Von der Originalausgabe gibt es
Nur noch ein Exemplar in Wien
In der kaiserlichen Bibliothek warum
Alle anderen verschwanden ist
Dem Übersetzer laut Vorwort nicht
Bekannt die Zeit der Herausgabe
Liegt historisch ein Jahr nach dem
Sacco die Roma als die Truppen
Von Karl V der König von Spanien
Wie des Heiligen Römischen Reichs
Die Stadt Rom plünderten und auch
Verwüsteten in Teilen dabei
Über den Autor ist wenig bekannt
Er war wohl Priester in Cordoba
Geboren lebte von 1523 bis 1527
In Rom blieb dort als Spanier
Von Übergriffen verschont ging aber
Danach nach Venedig wo er noch
Anspielungen auf den Sacco einbaute
Und ließ sie 1528 anonym drucken
Wann er in Venedig starb ist unklar
Nach dem großen Erfolg der Loranza
Gestand er seine Autorenschaft das
Buch ist voll dunkler Anspielungen
Der kurze Dialog der flüchtenden
Huren mit der Mutter eines Knaben
In dem Lozana die Andalusierin sich
Ärgert dass sie katalanisch mir ihr
Sprachen als sie mit Aquilarico ging
Darauf von seiner Mutter beschimpft
Sich ein wilder verbaler Kampf der
Damen neben dem Knaben ergibt
Der Mutter sagt sie sie sollte den
Knaben küssen sie wisse schon
Wo während die andere noch
In Valencia gebunden worden wäre
Wie Tiere sollten sie die Majorkesin
Behandeln und in Ketten lieber legen
Beim Hintern des Satan fragt sie
Was für Weibsbilder dies wohl sind
Mangels tieferer Kenntnisse im
Slang spanischer Huren in Rom
Lasse ich den wilden Dialog hier
Ohne weitere Kommentare stehen
Vom Rom des 16. Jahrhunderts
Geht es nach Wien im 18. von wo
Johann Kaspar Riesbeck in den
Briefen eines Franzosen schreibt
Der 25. Brief beginnt damit dass
Riesbeck meint wie der Körper
Brauche auch der Geist quasi
Gymnastische Übungen in Freiheit
Unnötiger Zwang mache nur den
Geist wie dem Körper schief und steif
Bei Griechen und Römern hätte unter
Allen Völkern der Geschichte die
Philosophie am wenigsten mit der
Religion in Verbindung gebracht
Vielleicht hat darum ihr Geist mehr
Schwung als jener der Ägypter
Oder der Babylonier und Kaldäer weil
Dort die Philosophie den Pfaffen noch
Allein gehörte die das gedankenlose
Volk alleine führen wollten warum
Das Wissen unter Hieroglyphen tief
Versteckt blieb so wie das neue Rom
Die Rundung der Erde und auch den
Kopernikus den Mönchen unterwarf
Alles bezog sich auf Religion und
Ginge es nach ihnen lägen wir noch
In der Dummheit des 11. Jahrhunderts
Auch nach der Reformation blieb es
Noch lange Brauch alles durch die
Brille der Religion zu sehen auch
Reformierte Pfaffen wollten lange
Herren aller Moralität noch sein
Die Freiheit zu denken sei auch
Gegen Luther und Calvin erst in
Ihren Jahrhundert also damit dem
Der Aufklärung verbreitet worden
Dabei hätten die Engländer ihre
Vorteile noch durch die Duldung
So vieler Sekten auch bis heute
Nach ihrer Verfassung wohl
Weil diese vielen uneinig sind
Könne keine Sekte das Volk
Als ganzes unterdrücken was
Die Deutschen bedenken sollten
Bevor Riesbeck sich nun den
Überall gelobten Wiener Schulen
As Kind von Maria Theresia wohl
Wie Joseph unterbreche ich nun
jens tuengerthal 7.3.26