Freitag, 2. Oktober 2026

Dauerlauf

Dauerlauf

Menschen neigen seltsam dazu
Alles was Dauer hat zu idealisieren
Vom Marathonlauf bei dem historisch
Der Läufer danach tot umfiel der die
Etwas über 42 Kilometer lief um den 
Sieg zu melden in der Schlacht die 
Idee beruht auf der Legende des
Griechischen Boten Pheidippides 
Der im Jahr 490 vdZ mit der Nachricht 
Vom Sieg über die Perser aus der 
Stadt Marathon nach Athen lief aber
Dann erschöpft tot umfiel warum
Es vernünftig eigentlich wäre auf
Solchen Unsinn zu verzichten aber
Menschen bauen auch Kirchen und
Versprechen sich bei der Hochzeit
Ewige Treue sind also nach ihrer
Natur nicht vernünftig aber tun
Gern so als wäre es anders und
Idealisieren dafür auf Dauer alles 
Was irgend wiederholt passiert
Gleiches gilt in der Liebe die
Bis heute viele mit Lust noch
Verwechseln und sich dann
Über das enttäuschende Ergebnis
Wundern statt logisch zu denken
Das nichts dauerhaft reizvoll ist
Was sich einfach nur wiederholt
Wir dies nur höflich ertragen
Die sexuelle Spannung nach
Der Natur aber Wechsel braucht
Um mit neuen Reizen sich
Wieder frisch zu entfalten
Was dann Untreue genannt
Im gehorsamen Konsens 
Des herrschenden Aberglaubens
Denn mehr ist was wir Ehe 
Wie die Form sie zu leben nennen
Nie gewesen was aber natürlich
Keiner verliebt hören möchte
Es gibt ja auch Fälle bei denen
Zumindest dem Anschein nach
Liebe und Lust erhalten blieben
Wie bei meinen Großeltern wo
Nur die übrig gebliebene sich
Empörte als sie bei Nachforschungen
Entdeckte es war natürlich nicht so
Wie mir manche Geliebte schon 
Schwor bei ihr gäbe es Sex nur
In Verbindung mit Liebe was stets
Der Ausweis für Mängel in der Lust 
War die dafür dann attribuiert werden
Es geschähe ja alles aus Liebe
Wenn Liebe dran hängt wird es
Moralisch und überhaupt gut sein 
Was eine typisch menschliche Illusion
Der Verstärkung ist die meint mehr
Bringe auch immer mehr dabei ist
Weniger Gefühl die Basis für den
Aufregendsten Sex auch auf Dauer
Während zuviel Liebe alles erstickt 
Was sich aus der Natur einfach ergibt
Die Vernunft logisch erschließt
Aber was willst du mit Vernunft
Den Liebsten kommen in Fragen
Von Liebe und Lust lehrt die
Erfahrung besser zu schweigen
Denn schlimmer geht immer
Auf die Dauer siegt die Natur
Nach ihrem Wesen ja doch 

jens tuengerthal 2.10.26

Veränderungsgröße

Veränderungsgröße 

Habe nur zwei Sessel in meiner
Bibliothek umgestellt und doch
Ändert sich das Lebensgefühl
Wie der Blick vom Diwan aus 
Völlig steht plötzlich der Kamin
Wieder im herbstlichen Mittelpunkt
Scheint mir einzig passend 
Was lange noch undenkbar
Dafür einmal früher noch eine
Beziehungskrise auslöste die
Zum Glück kein Problem mehr ist
Was mich irgend tangiert aber 
Sichtbar kann die Stellung dabei
Manchmal kriegsentscheidend sein
Grund war eigentlich nur mein
Wunsch den Kamin zu sehen
Was die Gelegenheit bot auch
Nochmal zu saugen was sonst
Kaum der Rede wert wäre
Lieber verschoben stets wird 
Nun aber zeigt sich mir ganz
Deutlich die Veränderungsgröße
Welche das Sein im Raum als
Ganzes und überhaupt betrifft
Was ja nicht unbedeutend
Sein sollte denke ich der
Darin nur beschränkt Übung hat 
Entsprechend beim Umräumen
Wie noch mehr beim Saugen
Ins Schwitzen kam dies aber
Für das Ergebnis was einen
Früheren Zustand wieder
Hergestellt hat der aber auch
Etwas anders noch ist also
Für mich der gerne alles so
Lässt wie es ist gravierend 
Schon war in seiner Größe
Mit der ich nun glücklich lebe

jens tuengerthal 2.10.26

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Lektürentagebuch 1.10.26

Lektürentagebuch 1.10.26

In der Literaturka heißt Kapitel 3
In Die Fünf von Vladimir Jabotinsky
In dem es um das gleichnamige
Literatur Café in Odessa geht

Dort werden nach dem wöchentlichen
Konzert die Stühle im Weinsaal für 
Den Tanz zur Seite geräumt als die
Schöne rothaarige Marussja kommt 

Sie zieht ihre Mutter am Ärmel mit
Geht direkt auf den Erzähler zu und
Erklärt diese Frau wollte ihn unbedingt
Kennenlernen wäre nur zu schüchtern 

Anna Michailowna Milgrom wird nun
Vorgestellt und sie sei ihre Tochter
Aber sie könne nichts dafür worauf
Die Tochter die Mutter ermahnt 

Sie solle sich anständig benehmen
Und ging sich einen Kavalier wählen
Die Regel dass es eigentlich doch
Umgekehrt liefe galt für sie nicht

Weinsaal hieß der Raum nach einem
Relief von Reben und Trauben dort
Der Literatur- und Schauspielzirkel
Hatte eine ganze Villa für sich

Das Haus befand sich in bester
Lage zwischen Ober- und Hafenstadt
Der Autor beschreibt die Gegend dort
Wie die vornehme Umgebung

Das Haus erinnerte ihn an die Villen 
Die er in Sienna sah in der Zeit der
Zensur war die Literaturka eine Oase
Des freien Wortes noch aber keiner

Verstand warum die Obrigkeit dies 
Zuließ und es nicht schloss es war
Nicht direkt aufrührerisch aber dann
Indirekt doch in allem irgendwie

Das erstaunliche dort war aber nicht
Der Aufruhr sondern die friedliche
Verbrüderung der acht oder zehn
Volksstämme die in Odessa lebten 

Bald sollte sich das alles ändern
Aber zu Beginn des Jahrhunderts
Waren sie dort alle einträchtig was
Seltsam war weil sie zuhause alle

Getrennt voneinander lebten und
Sich untereinander nie einluden
Hier im Forum waren sie gemeinsam
Es kam auf die gleiche Seele nur an 

Die Mutter erwies sich von nahem
Als eine recht jugendliche Dame mit
Außerordentlich gütigen Augen und
Sie entschuldigte sich sofort für die 

Unverschämtheit ihrer Tochter sicher
Wolle er auch lieber tanzen was er
Zurückweist schon in der Schule hätte 
Der Tanzlehrer ihn rausgeworfen

Im Gespräch versuchte er erst galant 
Ihr gegenüber zu sein aber sie wehrt 
Gleich ab und erklärt ihr Mann hätte 
Seinen verstorbenen Vater gekannt

Sofort fragte sie ihn warum sich ein
So begabter junger Mann noch ohne
Beruf rumtreibe was eigentlich ein
Eher kränkender Auftakt hier war

Aber sie hatte ein Talent auch die 
Unpassendsten Dinge so irgendwie
Liebeswürdig zu sagen wie noch mehr
Ihre Tochter als dürfte sie alles

Er meint darauf er wäre doch seit
Vielen Jahren bei der Zeitung aber
Sie hielt Feuilletons schreiben für
Keiner anständige Lebensaufgabe

Ihr Mann würde ihn gerne in seinem
Kontor anstellen oder eine Kanzlei
Ein Mann könne doch nicht in der
Luft hängen ohne ein Einkommen

Er spürte dass jede Verteidigung
Hier zwecklos war als ergriffe ein
Mann diese Aufgabe nur weil sich
Nichts anderes gefunden hätte 

Worauf er zum Angriff übergeht
Er kenne ja zwei ihrer Kinder wie
Fruchtbar wären solche Ratschläge
Bei denen denn je gewesen

Worauf sie erklärt als Mutter könne 
Sie ihnen keine Ratschläge geben
Denn auf seine Mutter höre keiner
Dann hätten sie bald die Eltern satt

Zwischendurch kam Marussja und
Warnte ihn sie sei eine Demivierge
Bezaubere aber ließe sich auf keine
Romanze ein über ihre Mutter 

Falls jemand wie ich bei dem Wort
Demivierge stutzt sei ergänzt es
Kommt aus dem französischen was
Für Freizügigkeit genügen kann

Zumindest manchmal theoretisch
Meint Halbjungfrau und beschreibt
Frauen die sich gerne öffentlich
Sehr freizügig geben aber real

Noch Jungfrauen also sexuell eher
Unerfahren sind was besonders
Lustig ist wenn es die Tochter die
Freizügig ist über ihre Mutter sagt

Zur Mutter sagt sie dafür sie sei
Verliebt und tanze den ganzen
Abend nur mit dem einen der leider
Einen Schnurrbart habe aber sie hoffe 

Der sei weich und kratze sie nicht
Was an ihre Aussage im Theater
Erinnert es gäbe keinen Studenten
In Odessa der sie noch nicht küsste

Dann kommt Annas Mann dazu der
Deutlich älter und füllig war mit
Glatt rasiertem Kinn und sie klagte 
Gleich dass er nicht ins Kontor wolle

Beim Gespräch über die Kinder
Unterscheidet Ignaz Albertowitsch
Diese danach ob sie Nudelsuppe
Oder Suppe mit Klößchen mögen

Bei den Nudeln sei es immer eher
Glückssache was du zu fassen
Bekämst bei Klößen kannst du dafür
Ganz sicher sein was du hast

Serjosha mag Nudelsuppe während
Der Torik genannte Viktor eher die
Klößchen vorzöge die sicher sein 
Dann fragt er was mit Lika wäre

Wo er ja schon fast alle kenne worauf
Anna nachdenklich sagte Lika sei kein
Gegenstand für ein Gespräch auf dem
Tanzboden was alles hier offen lässt 

jens tuengerthal 1.10.26

Bücherhöhlenmensch

Bücherhöhlenmensch

Bücher tragen den Geist der 
Aufklärung in die Welt sind schon
Darum so gut wie sie tun außer
Sie dienen Aberglaube und Hass 

Aberglaube macht unmündig wie
Damit unfrei ist das Gegenteil von
Aufklärung und zu bekämpfen
Die Freiheit zu verteidigen

Bücher die Hass und Neid stärken
Wie Mein Kampf oder Das Kapital
Waren Basis der altersschlimmsten
Massenmorde wohl der Geschichte

Maos rote Bibel wohl auch aber die
Liegt mir so fern wie Asien ist nie
Meine Kultur geworden darum für 
Die eigene Bücherhöhle egal

Damit können nur noch Die Bibel
Wie der Koran mithalten als Bücher
Des unfreien Aberglauben der ein 
Schade schon an und für sich ist

Dagegen ist die Thora bloß eine
Harmlose Familiengeschichte ohne
Visionen vom Weltuntergang dazu
Der uns so wenig angeht wie der Tod

Gute Literatur wie Texte im Geist
Des Humanismus der Aufklärung
Sind der schönste Aufenthaltsort
Wie immer die beste Gesellschaft

Wie ich früher nichtlesende Frauen
In meiner Nähe ertrug scheint nur 
Rätselhaft zeigt aber einfach die
Macht des Sex über die Vernunft

Doch spannender noch an dem
Wort Bücherhöhlenmensch ist
Die Kombination atavistischer mit
Kulturellen Eigenschaften dabei

Die Bibliothek die eine ausgesuchte
Bücherhöhle birgt ist Ausdruck von
Kultureller Reife und langer Lektüre
Erzählt so eine Lebensgeschichte 

Menschen ohne Bibliothek sind tot
Zumindest als geistige Wesen völlig 
Uninteressant für mich weiss ich der
Lieber unter Büchern als Menschen

Sein Leben verbringt und Massen
Lieber meidet wie bewegte Bilder
Bloß irritierend findet und darum
Diesen Zirkus einfach ignoriert

Der Höhlenmensch der ich auch bin
Dessen schönstes Ziel lange Zeit die
Engsten weiblichen Höhlen waren
Als Vorraum ins irdische Paradies

Liebt es sich in seine Bücherhöhle 
Zu verkriechen und findet dort
Alles wovon ich träumen konnte 
Baute sich solche schon als Kind

Wie ich schon als unreifer Knabe
Begann weibliche Höhlen voll
Zärtlicher Liebe erforschen zu wollen 
Diese waren und blieben mein Gral 

Heute ergänzt noch um den Bestand 
Der eigenen Bibliothek der zum Gral
Wie zu dessen Tempel mir wurde 
In dem ich als Leser selig lebe

Verkrieche mich gerne in meine
Bücherhöhle die idealerweise im
Keller unterirdisch noch läge weil ich
Ein nie Phantasy lesender Hobbit

Für den Rest meiner Tage bleibe 
Der sich lieber verkriecht um als
Leser seine Ruhe zu haben statt
Weiter in die Höhe zu streben 

Habe mit meiner Bücherhöhle wie
Der in ihr lebenden Bibliothek alles
Im Leben erreicht und bin zufrieden
Mehr Glück kann es nicht geben

Dies mit einer belesenen Geliebten
Zeitweise auch teilen zu können ist
Dann vollkommen wunderbar und
Erspart allen Beziehungsstress

Die beiden Varianten meiner liebsten
Höhlenforschung lesend und leckend
Wäre etwas zu kurz ist genug Glück
Im Leben alles erreicht zu haben

Darum dankbar für alles sage ich
Im Dunkeln ist gut munkeln wie
Leser sind glückliche Menschen
Ihnen steht die ganze Welt offen

Ohne je irgendwo hin zu müssen
Darf alles bleiben wie es ist und
Wo es ist ohne wen zu stören 
Denke ich vermutlich etwas naiv 

Liege selig auf meinem Diwan den ich
Mit manchem Traum teilen durfte vor
Der Anderen Bibliothek völlig erfüllt
Alles im Leben erreicht zu haben

Der Rest ist nun nur noch Zugabe
Kann sein muss aber nicht mehr
Nur noch zum abschließenden
Genuss als lustvolle Erinnerung

jens tuengerthal 1.10.26

Untergangsstimmung

Untergangsstimmung

Nahe dem Untergang fühlte sich 
Schon manche Generation die
Keine Perspektive mehr sah was
Seit der Antike schon vorkam 
Dabei meinten die Protagonisten
Immer gute Gründe zu haben
Für Menschenopfer oder auch
Hexenverbrennungen die aber
Entgegen anderslautender Gerüchte 
Mehr von Städten und neidischen
Nachbarn ausgingen als von Rom
Was mehr Hexen rettete wohl als
Von der Inquisition töten ließ aber
Der Aberglaube war auch immer 
Ausgang der Untergangsstimmung
Das alte Himmel und Hölle Spiel
Gerade wieder hilft uns das Doppel 
Aus trumpschen Irrsinn und dem 
Klimawandel das Ende nahe zu
Sehen wozu auch Putin im Kreml 
Oder aus dem Bunker noch sein
Scherflein beiträgt mit Atombomben
Nie waren die Zeiten so schlecht
Wie jetzt unter der Regierung Merz
Keiner hatte es bekanntlich so schwer 
Die jede Hoffnung und Perspektive
Den Deutschen nimmt und dafür
Falsche Antriebe subventioniert
Die Aussichten sind bescheiden
Gründe unter diesen Umständen
Noch weiterleben zu wollen sind
Nicht mehr wirklich erkennbar 
Jeder weniger rettet die Natur
Warum die CDU Regierung sich
Auch gegen liberale Sterbehilfe 
Weiterhin stellt sie wäre sonst
Vermutlich bald ganz allein
Denn ewige Ruhe klingt doch
Verlockender als das mimimi des
Unbeliebtesten aller Kanzler noch
Weiter ertragen zu müssen
Göring nahm eine Kapsel mit
Zyankali der Hinrichtung so 
Entgehen zu können es gibt
Immer einen besseren Ausweg
Auch wenn Politik als bloße
Leitung der Verwaltung kein
Zureichender Grund sein kann
Am Leben zu verzweifeln
Was sie meint zu regeln
Zumindest solange es noch
Genug gute Bücher gibt die
Das Grauen erträglich machen
Andere bevorzugen Sex um sich 
Zumindest befriedigt zu fühlen
Wobei dabei die Onanie als das
Günstigste und effektivste Mittel
Zeitweiser Zufriedenheit völlig 
Unterschätzt leider noch wird 
Denn die Liebe an und für sich
Ist wie das Paradies eigentlich 
Kostenlos und meist sicher als
Mittel gegen Untergangsstimmung
Und eine bessere Aussicht als 
Auf das eigene Geschlecht ist
Ohnehin nicht mehr zu erwarten 
Zufällige Ausnahmen werden
Dabei gerne belächelt aber
So in Summa ist es düster
Was zumindest sicher bleibt

jens tuengerthal 1.10.26