Freitag, 5. Juni 2026

Merzrequiem

Merzrequiem

Ist es schon an der Zeit
Das Requiem für den
Unbeliebtesten aller Kanzler
Anzustimmen fragt sich noch

Weil es bald schon zu spät ist
Sich vom Verlierer wirkungsvoll
Noch abzugrenzen aber noch
Die Angst vorm Vorsitzenden

Größer ist als der Mut zu nötigen 
Schritten von denen keiner gern
Den ersten wagt auch wenn die
Spatzen darüber schon schwatzen 

Die CDU in Sachsen-Anhalt ist
Auf dem Weg dazu gegen die AfD
Das Land zu verlieren weil Hass 
Reicher blüht als Vernunft in Ostelbien

Was mit Sachsen anfängt das
Wenig Hoffnung noch wem gibt
Schlimmer nur in Thüringen ist
Der rechtsradikalen Hochburg

Brannten auf der Wartburg nicht
Bücher schon hundert Jahre früher
Als auf dem heute Bebelplatz Berlins
Wo Luther einst den Teufel sah 

Weil der feige Kanzler lieber die
Methoden der Putinisten imitiert
Wie mit Trump erfolglos kuschelt
Sind die Aussichten bescheiden

Ohne etwas für Deutschland
Auf egal welcher Ebene zu
Erreichen ist die Bilanz wohl
In jeder Hinsicht zu mager 

Weil der lange Kleingeist
Nie über das Sauerland noch
Hinauswuchs ist er hoffentlich 
Bald erledigt und möge dann 

Von mir aus in Frieden ruhen
Dass die Opposition bereits das
Requiem auf diesen Kanzler
Jubelnd anstimmt ist natürlich

Wie die eigene Partei bereits
Gerüchte streut oder sich nur
Pro Forma um Zusammenhalt
Bemüht ohne zu begeistern

Bestätigt nun wirklich allen 
Wie schwer es der Versager hat
Den keiner mehr mag noch 
Jemand je wirklich wollte 

Das war es dann wohl
Deutschland hat besseres 
Als ein altes Auslaufmodell
Für seine Zukunft verdient

Amen

jens tuengerthal 5.6.26

Lebenslust

Lebenslust

Ist Lebenslust eine Frage der Haltung
Liegt es am eigenen Blick mehr oder
An den Umständen die Lust machen 
Oder jede rauben können überleg ich

Sich dem zu ergeben was ist könnte 
Einfacher erscheinen als seinen Weg
Unter allen Umständen zu gehen 
Auch wenn alles hoffnungslos scheint

Lange schon keine Lust mehr auf das
Alberne Spiel Leben gehabt was viel
Formell verwaltet damit sich genug
Bedeutend dahinter fühlen können

Einige leiten ihre Lebenslust aus dem
Aberglauben an eine unsterbliche
Seele her was noch alberner ist
Weil es in der Natur diese nicht gibt

Bringe es halt hinter mich weil ich
Wohl muss was mir noch weniger
Gefällt als der Aberglaube weil es
Einen Zwang damit ausdrückte 

Es mag Menschen geben die 
Zwänge lieben und die es erregt 
Gefesselt zu werden ich bin lieber
Frei statt ständig was zu müssen

Will nichts mehr müssen habe mit
Max Stirner dem klügsten der
Junghegelianer meine Welt allein
Auf mich gestellt außer mir ist nichts

Lust heißt auch lustvoll zu wollen
Also dem freien Willen zu folgen
Auf alle die dies negieren habe ich
Schon lange keine Lust mehr 

Lust kommt aus dem germanischen
Ist ein intensiv angenehmes Gefühl
Das Befriedigung erstrebt oder der
Arterhaltung und dem Überleben dient

Zur Lust treiben uns verschiedene
Antriebe unserer Natur biologisch 
Psychologisch sexuell sie zielt auf
Unmittelbaren Genuss im Moment

Die Lebenslust als zentrales Element 
Der Freude am Leben ist wie alle Lust
Stark emotional und weniger rational
Doch erfordert sie ein großes Wollen 

Die Fähigkeit dem ganzen Elend was
Das Leben zum größeren Teil ist
Selbst ein Ende zu setzen dürfte 
Die dauerhafteste Motivation sein

Weiter zu machen für Momente
Voller Lust die damit genügen sollen
Den ganzen Rest aufzuwiegen es
Als meine Freiheit zu sehen sich

Für das Leben zu entscheiden weil
Jede andere Methode eher noch von
Lächerlichem Aberglauben mit Zwang
Geprägt ist ernst gemeint zu sein

Nicht die Tabuisierung des Suizid
Die den Freitod pathologisiert rettet 
Auch nur ein Leben sondern macht
Vernünftige Menschen zu Idioten

Die größte Freiheit des Menschen
Über sein Leben und damit seine 
Existenz frei zu entscheiden ist
Der Weg zu echter Lebenslust 

Die Pathologisierung der Freiheit
Stellt alles Leben unter den Zwang 
Einer medizinischen Aussicht bei der
Halbgötter in Weiß entscheiden

Wer noch gesund und frei ist womit
Die Menschheit dauerhaft versklavt
Eine unwürdige Existenz führt deren
Ende viel verlockender erscheint

Wer den Menschen dagegen für frei
Damit auch mündig erklärt statt ihn 
Retten zu wollen gibt allein so der
Lebenslust noch eine Chance

Doch sind wir es lange gewohnt
Zu gehorchen statt kritisch zu denken
Bleiben damit unaufgeklärt unmündig 
Wie Kant schon 1784 schrieb 

Ein Umdenken wäre eine Befreiung
Ließe Menschen über ihr Leben
Endlich frei entscheiden was die
Lebenslust entscheidend erhöhte

Nur wenige pathologische Fälle
Unter denen die am Leben aus
Guten Gründen zweifeln können
Je die Entmündigung rechtfertigen

Was das Bundesverfassungsgericht
Schon für die Würde des Menschen
Feststellte gilt noch mehr für die
Freiheit zu sterben was aber wohl

Hörigen Narren unvorstellbar ist
Warum sie lieber sich krank nennen
Als ihre Freiheit zu genießen auch
Jederzeit gehen zu können 

Erst diese macht dauerhaft Lust
Auf das weitere Leben was sich 
Mündig für ein weiter so entscheidet
Statt vom Recht geführt zu werden

jens tuengerthal 5.6.26

Lustliebe

Lustliebe

Liebe schönen Sex wirklich
Wobei vermutlich schon
Strittig sein dürfte was als
Schön gilt das ist eben
Geschmackssache
Lässt sich kaum für alle
Auf einen Punkt bringen 
Manche lieben es hart 
Andere eher ganz zart
Oder wechselnd je nach
Aus- oder Eingang und
Stimmung wie Gefühl
Doch tut Liebe dem Sex
Wirklich gut oder fehlt 
Diesem dann Spannung
Geht die Erotik im großen 
Sumpf der Gefühle baden 
Für ein Wohlfühlgefühl das
Einander gerne glücklich
Machen will und als Liebe 
Natürlich altruistisch ist
Während geiler Sex auch
Wild und egoistisch um
Befriedigung stets ringt 
Wie meist diejenigen die
Vom gemeinsamen Kommen
Keine Ahnung haben sich
Für Sex nur mit Liebe
Aussprechen womit du 
Zumindest weißt woran
Du dabei wohl bist aber
Vermutlich hat auch diese 
Theorie viele Ausnahmen
Jene die es beschwören
Wie manche die es erleben
Weil bei der Lust wie auch
Mit Liebe alles möglich ist
Liebe kam alles relativieren
Auch die Bedeutung von Sex
Solange alle glücklich sind
Wird alles gut so sein sonst
Sollten sie miteinander reden
Um entspannt miteinander
Das mögliche zu genießen
Statt sich nur in oder mit
Anderen selbst zu befriedigen
Denn über Sex reden tut immer 
Besser als es nicht zu tun
Führt eher dazu als Schweigen
Es dabei mit Liebe zu tun
Ist sicher auch immer besser
Als lieblos nur zu vögeln 
Was dann selten mehr wird
Als schlichtes Ficken statt
Miteinander Sex zu haben
Manchmal hilft reden wirklich
Noch mehr zu finden

jens tuengerthal 5.6.26

Donnerstag, 4. Juni 2026

Lektürentagebuch 4.6.26

Lektürentagebuch 4.6.26

Während aus dem Himmel über Berlin
Der Sommerregen in den Frühling fällt
Wechselt bei Siri Hustvedt in den
Ghost Stories Dezember zu Januar

Dies noch dazu immer wieder und sie
Erzählt ihre Erinnerungen auch an
Weihnachten mit und Paul auf eine
Ganz zauberhaft zarte Art wieder

Wie glücklich kann der Mann sein
Der die große Liebe dieser Frau die
Auch über seinen Tod hinaus noch
Spürbar bleibt einmal gewonnen hat

Ob Liebe der ständigen Erneuerung
Gar der Bestätigung noch bedarf 
Könnte hier passend diskutiert werden
Ist aber nicht Siris Thema darum egal

Sie beginnt wie sie endet dies Kapitel
Philosophisch mit dem Satz dass 
Jedes Foto ein Dokument von Verlust 
Von etwas ist was nie wiederkommt

Alle Fotos auch einer Serie sind 
Unterschiedlich obwohl sie identisch
Aussehen weil die Zeit sich änderte 
Erinnert sie sich an ein Foto von Paul

Sie hatte es Heiligabend 2022 als
Paul im Sessel saß mit dem Schal
Den ihm Spencer geschenkt hatte
Der Mann ihrer Tochter Sophie

Dabei trug der den Pulli mit dem
Reißverschluss seinen Liebling
Indem sie ihn darum beerdigen
Ließ einen Scotch in der Hand

Er merkte nicht dass er fotografiert
Wurde seine Augen sind getrübt 
Der Mund schmerzlich verzogen
Sie sieht die Geister der Toten

Jene die nicht auf dem Bild sind
Aber seine Züge geprägt haben
Ruby und Daniel Sohn und Enkel
Er wusste dass er Krebs hatte

Dann stellt sie sich vor wie der 
Fünfzehnjährige Miles die Briefe
Seines Großvaters lesen wird ob
Sie dann auch schon ein Geist ist

Fragt sich Siri und stellt sich vor
Wie Sophie dann sagt das ist deine
Mormor mit dir als Baby noch um
Zum Ticken der Uhr zu kommen

Die sie an ihrem Schreibtisch ticken
Hören kann und wie sehr sie es mag 
Die Zeit wegticken zu hören und so
Vergeht die Zeit wie im Fluge

Das norwegische Wort Jul steht für 
Weihnachten und heißt Rad was
Nichts mit dem Christentum noch
Zu tun hat wie ihr Vater ihnen sagte

Es geht bei Jul um das Rad der
Jahreszeiten wobei Kerzen die lange
Dunkelzeit im Norden erleuchten wie
Alles auch im Garten wieder kommt

Über die zwei Versionen der Zeit
Als Linie im einzelnen Leben und als
Rad das die Zyklen von Geburt und
Tod mit einschließt so idyllisch ist

Im ersten Jahr drückte sich ihr
Jüdischer Geliebter noch vor
Weihnachten in ihrer Familie
Das er im Jahr darauf erlebte

Dabei hätte er gedacht sie hätten 
Nicht mehr alle Tassen im Schrank
Wie sie sich an den Händen fassen
Um den Baum tanzen und sangen 

6 Erwachsene die sich wie kleine
Kinder aufführen mit der Zeit aber
Lernte Paul Auster die Rituale wie
Alle Mitglieder der Familie lieben

Eine Woche drängten sich die vier
Töchter später mit Männern und
Kindern im Haus der Eltern mitten
Im ländlichen Minnesota als Clan

Ihre Mutter fing schon im Oktober
Mit den Weihnachtsvorbereitungen an
Etwa ihren zwölf Sorten Keksen 
Heute findet es in Brooklyn statt

Sie feiern mit den News Yorker
Schwersten deren Familien und
Einigen engeren Freundinnen auch
Essen sie immer das gleiche

Schweinerippchen Preiselbeeren
Süßsauren Rotkohl Möhren Erbsen 
Salzkartoffeln und zum Nachtisch
Reispudding mit Schlagsahne

Dabei ist in einer Portion des Pudding
Eine Mandel versteckt und wer sie
Findet bekommt eine Belohnung
Jahrelang betrog ihre Mutter sie

Sorgte immer dafür dass wer die 
Mandel besonders verdiente sie 
Auch bekam wie etwa Paul im
Ersten Jahr seines Besuchs

Spät am Heiligabend als sie das
Ganze Chaos betrachtete schlug
Plötzlich die Trauer zu sie war nun
Allein es wäre nicht wie immer

Wie sie das Fest tagelang noch
Vorbereitete vom Silberputzen bis
Zum Blumen stecken für die Tafel
Denke ich auch an meine Mutter

Es machte ihr nicht mehr so viel 
Freude aber es gab ein Gerüst 
Um die Gesten ihrer Mutter in ihren 
Eigenen zu wiederholen

Neujahr feierten sie Miles ersten
Geburtstag und sie schwärmt von
Ihrem Enkel wie es nur Großmütter 
Können und erzählt Kinderspiele

Von einem alten Fax erzählt sie
Dass sie an Paul Auster sandte
Was nur eine Liebeserklärung war
Eine Wiederholung vergangener

Nachrichten mit ihrer dauernden
Liebe mit zärtlichen spielerischen
Worten betont und dazu noch als 
Beleg Kierkegaard zitiert

Der sagte Wiederholung sei Wille und
Mut anders als Erinnerung und das
Stimme natürlich so wiederhole sie
Nur was er schon wisse was aber

In der Wiederholung ihr Leben sei
Damit hätte er es dies süße Ding
Wie sie ihn am Ende nennt was ich
Rührend aber auch in dezent finde

Zum Ende des Kapitels zitiert sie
Noch aus Kierkegaards Novelle
Wiederholung wonach Wiederholung
Und Erinnerung dieselbe Bewegung 

Sind nur in entgegengesetzter
Richtung, das woran du dich erinnerst
Ist gewesen wird rückwärts wiederholt
Wiederholung aber erinnert vorwärts 

Ohne die Kategorie der Erinnerung
Löste sich das ganze Leben in einem
Leeren und inhaltslosen Lärm auf
Was für ein geniales Ende denk ich

Ein wunderschönes Kapitel was ganz 
Für sich heute stehen kann bevor ich
Das vorletzte ewig lange zur Politik
Mir noch antue lasse ich es stehen

Gedanken zur Zeit auf Fotos die
Dem Augenblick Ewigkeit verleihen
Oder ein Dokument des Verlustes
Für das was nie wiederkommt 

Traditionen aber in Familien pflegen
Die Erinnerung durch Wiederholung
Was zwar nie so wiederkommt aber
Im Ritual immer präsent noch ist

Kann Fotos als Dokumente des
Ewigen natürlichen Verlust sehen
Oder als Erinnerung die dadurch
Dem Lauf der Zeit entzogen ist

Dieses kurze Kapitel war so reich
Wie vielfältig bedeutend dass es
Solitär in der lyrischen Erinnerung
Der täglichen Lektüre stehen soll

jens tuengerthal 4.6.26

Lebenswert

Lebenswert 

Was macht ein Leben lebenswert
Geht es um Wohlstand und Konsum
Zählen dabei zuerst Gefühle oder
Am Ende nur nüchterne Zahlen 

Die einen wollen Reisen um noch
Irgendwo gewesen zu sein andere
Bleiben lieber wo sie sind suchen
Erfüllung eher im naheliegenden

Der Wert des Lebens klingt nach
Preis und dem was sich lohnt wie
Alles im Leben seinen Preis hat
Auch der Tod und die Entsorgung

Oder ist wirklich wertvoll nur was
Unbezahlbar immer bleibt weil
Alles Eigentum Diebstahl ist die
Reichen enteignet doch gehören

Habe Frauen geliebt und Bücher
War mit ersteren gelegentlich auch
Mit letzteren aber immer glücklich
Was immer wer daraus lernen will

Ein Leben ohne meine Bibliothek
Schiene mir nicht sehr lebenswert
Aber wäre ohne Frage wohl möglich
Ohne Frauen wäre ich eher nicht

Dies liegt schon in der Natur die
Entstehung des Menschen in den
Körper der Frau verlagerte ohne
Zu fragen ob es ihr auch gefällt

Was mir wertvoll erscheint ist eine
Frage der Entscheidung auch so
Können sich alle Werte suchen oder
Auf einen Schatz noch hoffen

Darum kann ich mir die Welt machen
Wie sie mir gefällt ob nun nach Pippi
Oder Prometheus ist weniger wichtig
Als das glückliche Gefühl dabei

Dem Leser scheint die Ruhe als
Besonders lebenswert während
Andere gern Gesellschaft haben
Um sich unterhalten zu fühlen

Beides kann legitim sein wie es
Montaigne lebte im Turm für sich
Beim Wein gerne unter Leuten 
Seine Gedanken zu erproben

Alles auf einmal scheint schwierig
Doch die Flaneurloge belegt es geht
Beobachter und Teilnehmer zu sein
Ist zumindest zeitweise auch möglich

Was mein Leben am Ende wert war
Möchte ich so wenig bilanzieren wie
Überhaupt Gefühle vermessen denn 
Was bleibt wenn alles wertlos war

Ob ich noch zu Lebzeiten als ein
Lyrischer Chronist der Zeit erkannt
Werde oder das erst kommende 
Generationen merken ist unklar 

Lebenswert ist es unerkannt noch
Weiter zu bleiben außer unter ganz
Wenigen Kennerinnen noch dabei
Dann bleibt es wie es ist bis es endet 

Nach dem Ende ist alles egal warum
Es darauf ankommt vorher viel mehr
Zu genießen was bleibt und dieses
Glück mit Liebe auch noch zu teilen

Zumindest scheint mir das noch die
Lebenswerteste Form was bleibt
Mit Anstand hinter sich zu bringen
Wie dabei Gelassenheit zu wahren

jens tuengerthal 4.6.26


Liebestödlich

Liebestödlich

Die Liebe kann tödlich enden
Aus den Geschichten darüber
Wurde schon große Literatur 
Romeo und Julia der Werther

Tristan und Isolde wie Aida
Anna Karenina Madame Bovary
Wuthering Heights der Bronté
Vielleicht auch Effie Briest noch

Werthers Leiden haben eine ganze
Epoche geprägt und manchen 
Zum verfrühten Abgang verführt
Wobei fraglich ist wann es je passt 

Eine Gesellschaft die sich mit dem
Kult um langes gesundes Leben
Lieber beschäftigt als mit dem Tod
Neigt da zur Selbstüberschätzung

Beim Sex nennen die Franzosen
Den Höhepunkt la petite mort er ist
Dort weiblich nicht wie im deutschen 
Männlich was schon spannend ist

Die Deutschen sagen wenn sie
Davon überhaupt sprechen nur
Der Höhepunkt und der Tod den
Sie mehr fürchten als ihre Frauen

Ob das daran liegt dass die Mehrheit
Der Frauen nach ihrer Natur beim
Geschlechtsverkehr nicht kommen
Wenn sich keiner darum kümmert

Wäre auch eine spannende Frage
Zu der ich an dieser Stelle aber
Auf die Studie zum nervus pudendus 
Verweise weil es um Liebe geht

Gerade war ich in der Ausstellung von
Paul Cassirer und seinem Wirken für
Den Durchbruch des Impressionismus 
Der sich frisch geschieden erschoss

Kenne die Geschichten einiger Paare
Die sich in den Tod folgten ob nach
Ihrer Natur oder mit Nachhilfe dabei
Ist das schrecklich oder wunderschön

Findet die Liebe vielleicht im Tod
Ihren stärksten und schönsten 
Ausdruck den wir krank nennen
Weil wir Leben erhalten wollen

Habe zumindest in Gedanken schon
Einige mal den Werther gespielt auch
Wenn ich heute denke für die wie
Konnte ich nur daran denken

Andererseits ist die Bereitschaft auch
Sein Leben für die Liebe zu geben
Ausdruck intensivster Gefühle sicher 
Macht die Liebe zum kostbarsten

Darauf zu verzichten hieße die Liebe
In ihrer Größe zu relativieren wer 
Könnte das je wirklich wollen denn
Was macht Leben je wertvoller

So muss wer große Gefühle hat wohl
Gelegentlich am Rand balancieren um
Ihnen genug Format zu geben auch
Länger als nur ein Leben zu halten

Die Liebe ist eine tödliche Krankheit
Bei der es naturgemäß auch ist wenn
Sie gelegentlich tödlich endet fraglich
Bleibt nur wie wir Krankheit definieren 

Ob denen die nie solches fühlen
In ihrer Natur etwas fehlt sie nie
Wirklich liebten ist der Frage wert
Ob Mangel zur Behinderung wird 

Will und muss dies nicht entscheiden
Aber sich fragen wie gesund normal
Noch ist könnte den Horizont auch
In der Liebe intensiv erweitern 

jens tuengerthal 4.6.26

Lektürentagebuch 3.6.26

Lektürentagebuch 3.6.26

Eine neue Avantgarde ist der Titel des
Essay von Daniel Zamani im Katalog
Der Ausstellung Cassirer und der
Durchbruch des Impressionismus 

Zamani ist seit 2024 künstlerischer
Direktor des Museum Burda in
Baden Baden und hat in Cambridge
Wie in Paris Kunstgeschichte studiert

Spannender ist noch der Untertitel
Der vom Dreigestirn des deutschen 
Impressionismus spricht was hier
Max Liebermann Max Slevogt und

Schließlich Lovis Corinth waren die
Alle vom Salon Cassirer vertreten zu
Den Gründungsmitgliedern auch der
Berliner Secession gehören welcher

Wiederum Liebermann lange vorstand
Während Cassirer auf Wunsch von
Liebermann der erste Sekretär war
Also mit direktem Draht zur Moderne

Zamani schildert hier ausführlich wie
Cassirer über gute Verträge sowohl
Slevogt wie Corinth an Berlin band
Wie Liebermann zentraler Stern war

Welche Bedeutung dabei die allein
Schon über 2500 Werke umfassende
Sammlung auch der französischen
Impressionisten bei Liebermann hatte

Die wichtigsten Werke von Manet
Monet Degas und anderen Franzosen 
Wurden bei Cassirer vorher gezeigt 
Sein Netzwerk war sehr bedeutend

Liebermann war ein zentral wichtiger
Künstler im Salon Cassirer allein
2300 seiner Werke weisen die noch
Erhaltenen Geschäftsbücher nach

Er selbst erwarb zahlreiche Werke
Seiner bedeutenden Sammlung über
Den Salon von Paul Cassirer schon in 
Der ersten Ausstellung im Salon 1898

Hingen Zeichnungen von Liebermann
Neben denen von Degas und Meunier
Den er auf seiner Paris Reiser mit 
Direktor von Tschudi kennenlerne

Allein bei der Eröffnungsausstellung
Zeigten sie 55 Werke Liebermanns
Noch vom Naturalismus bis zum
Neuesten Impressionismus auch

Kritiker lobten Liebermanns Umgang
Mit dem Licht insbesondere in den
Ausstellungen wurde Manet zum
Schwerpunkt der auch in den privaten

Sammlungen von Liebermann wie
Cassirer eine dominante Rolle hatte
Die er über Paul Durand-Ruel erwarb
Seinem wichtigsten Pariser Händler

Die Ankunft von Max Slevogt wie 
Lovis Corinth in Berlin und deren
Rolle in der Berliner Secession führte
Zu einer Erweiterung des Blickes 

So wurden gegen die offizielle Kunst
Im Kaiserreich deren Werke ab 1900
In Berlin heller und französischer auch
Nahm die Berliner Secession Corinths

Salome die in München noch barbusig
Einen Skandal verursachte gerne an 
War auch im Salon Cassirer 1903/04
In einer Ausstellung noch zu sehen

So stellt Zamani in seinem Essay die
Zusammenhänge des Dreigestirn des
Deutschen Impressionismus treffend 
Dar hätte aber mehr sagen können

Der erfolgreichste Perlenfischer hat
Bernhard Echte dessen Nimbus 
Verlag auf die Erforschung der Arbeit
Von Paul Cassirer spezialisiert ist

Sein Essay im Katalog genannt über
Paul Cassirer und die junge Kunst
Vor dem Ersten Weltkrieg geht es und
Wirft einen neuen Blick auf Cassirer

Echte berichtet wie Paul Cassirer im
Alter von 27 mit seinem zwei Jahre
Jüngeren Cousin Bruno 1898 die
Kunst- und Verlagsanstalt gründete

Paul war damit so jung wie das 1871
Gegründete Deutsche Reich alles
Strebt nach Veränderung nur der
Kaiser Adel und Militär bleiben eher

Dem Mittelalter geistig noch verhaftet 
Die rückwärtsgewandte Ästhetik der
Verspäteten Nation die Dürer verklärte
Passte nicht mehr in die neue Zeit

So finden Bewegungen zur Freiheit
In der Kunst aus Europa auch in 
Deutschland unter Künstlern erste
Anhänger die Widerstand wagen 

Es lag die Gründung der Secession
In Berlin in der Luft doch noch kurz
Vorher kommt die erste Ausstellung
Der Cassirer Cousins in ihrem Salon

Sie stellen ab 1. November 1898 
Degas Meunier und Liebermann aus
Zwei Monate später gehört letzterer
Zu den Gründern der Secession

Liebermann wird zu deren ersten
Präsidenten gewählt Bruno und Paul
Cassirer werden erste Sekretäre 
Übernehmen damit die Leitung

Diese Koalition führt zu einer ganz
Epochalen Wende in der Kunst die
Auch nach Ende der Partnerschaft 
Von Bruno und Paul weiter wirkt 

Paul wird als Kunsthändler wie als
Sekretär der Berliner Secession
Zum nimmermüden Promoter seiner
Künstler und bringt ständig neues 

Tonangebend waren in der Secession
Liebermann Leistikow Corinth und
Slevogt und Paul beobachtete alles
Junge Talente brachten neue Ansätze

Die Berliner standen dabei in enger
Korrespondenz mit München und
Europa wie den Großen des 
Französischen Impressionismus

Auch zu Künstlern anderer Länder
Gab es immer enge Verbindungen
Cassirer war damit an der Quelle
Der Entwicklung der neuen Kunst 

Entdeckte er ein Talent gab er ihm
Eine eigene Bühne er dachte dabei
International schaute nach Qualität
Glaubte an die Idee vom Genie

Die revolutionäre Definition dessen 
Was Kunst ausmacht kam von Zola
Ein Kunstwerk ist ein Winkel der Natur
Gesehen durch ein Temperament 

Damit verschob sich der Blick von
Der objektiven Wiedergabe hin zur
Originalität der Persönlichkeit die zum
Zentrum ästhetischer Qualität wurde 

So betrachtet Echte Cassirer mit
Blick auf die einzelnen Künstler die
Paul Cassirer entdeckte und groß
Machte über seine Ausstellungen

Am Anfang steht dabei van Gogh als
Erste herausragende Entdeckung 
Cassirer erkannte das Besondere
Machte 1901 die erste Ausstellung

Dabei kombinierte er ihn mit den 
Albtraum Blättern von Alfred Kubin
So wurde van Gogh seine wichtigste
Wie lukrativste neue Entdeckung

Bis 1914 machte er 10 Ausstellungen
Mit Werken von van Gogh wobei noch
Unklar ist was ihn diesen entdecken
Ließ Müller-Graefe oder Leistikow

Auch als Munch 1901 wieder nach
Berlin kam nahm er sofort Kontakt
Auf der wie van Gogh den Anfängen
Des Impressionismus entwachsen

Von keinem Künstler zeigte Cassirer 
1903 bis 1908 mehr Ausstellungen 
Als von Munch auch wenn er keinen
Persönlichen Draht zu ihm fand

Cézanne hatte er bereits 1900 das
Erste mal ausgestellt und hielt trotz
Verständnisloser Kritiken an ihm fest
Er war Träger einer Weltanschauung

Die seiner am ähnlichsten war
Sie war für ihn der Durchbruch
Zum rein malerischen niemand hatte 
Die Koordinaten der realen Welt

So weit verschoben wie Cézanne
Er zeigte dass durch alle Wandlung
Der Substanzkern erhalten bleibt
Über die Kunst hinaus zu weisen 

Unter dem Nachwuchs der Secession
Fiel ihm besonders Karl Walser auf
Der Tagträumer mit ironischer Naivität
Auch Liebermann schätzte Walser

Zu den Künstlerfreunden Walsers 
Zählte der Bildhauer Georg Kolbe 
Den Cassirer bald ausstellte der
Die Totenmaske Cassirers nahm

Auch Gaul und Barlach zeigen die
Besondere Leidenschaft Cassirers
Für Plastik beide schätzte er sehr
Barlach erwarb er auch für sich

Der Kontakt war anfangs schwierig
Wurde aber zur innigen Freundschaft
Bei beiden fand Paul ganz zu sich 
Hielt sie für etwas ganz besonderes

Beckmann der titanisch malte hat
Eine Revolte in der Secession 1910
Angeführt die Liebermann absetzte 
Aber Cassirer diplomatisch löste 

Durch eine Erweiterung der Gremien
Tage nach dem Aufstand zeigte er
Im Salon eine Ausstellung Beckmann 
Als wäre nie etwas gewesen

Im Juli 1910 zeigte der Salon erstmals
Eine Ausstellung Oskar Kokoschkas
Mit fast 50 Arbeiten von ihm einer
Verbindung durch Herwarth Walden

Walden war Herausgeber des Sturm
Den in Wien Karl Kraus vertrieb die
Ersten Nummern mit Zeichnungen
Von Kokoschka in Portraits 

Kokoschka ärgerte sich sehr über 
Cassirer der zur Eröffnung auf
Hochzeitsreise mit Tilla Durieux ging
Auch die Parallelaktion von Walden 

Der Cassirer als Finanzier für den 
Sturm gewinnen wollte scheiterte 
Paul gründete stattdessen mit Pan
Eine eigene Wochenzeitschrift

Kokoschka stellte nun in Waldens
Sturm Galerie aus erst 1918 genau
Am 9. November wurde die große 
Einzelausstellung dort eröffnet

Von da an gab es einen neuen
Exklusivvertrag was bis in die 20er
Zu einer stabilen Kooperation führte
Die sogar relativ eng dann wurde 

Wilhelm Lehmbruck war 1911 von
Der Berliner Secession ausgestellt
Worden und Cassirer versuchte gleich
Einen Exklusivvertrag zu bekommen

Doch war Lehmbruck zu introvertiert 
Überließ Cassirer nur die Grafik in 
Vertretung die ihm besonders gefiel
In ihrer Eigenart auch faszinierte

Das besondere Talent von Cassirer
Künstler zu entdecken wie an sich 
Auch zu binden wird im Essay gut 
Mit Blick auf diese Verbindung gezeigt

jens tuengerthal 3.6.26

Mittwoch, 3. Juni 2026

Wadenbeißerchen

Wadenbeißerchen

Bin mit einem hellen Labrador
Aufgewachsen im Elternhaus
Dessen Nachfolger im Alter
Wurde wieder ein heller Labrador 

Mit dem wuchs meine Tochter
Bei den geliebten Großeltern
Auf doch auch der ist wie diese
Zur Hälfte schon Geschichte 

Nie würde ich einen Hund oder
Sonst Viehzeug wollen habe genug
Bücher mich nie zu langweilen
Finde Haustiere in der Stadt lästig

Hatte einst eine Liebste die
Ihren kleinen Kläffer vermisste
Den ich bloß nie hier haben wollte
Sie war schon anstrengend genug 

Manche mögen kleine Hunde 
Finde sie eher lästig immer
Große Hunde in der Stadt auch
Immer nervig überflüssig dazu

Bald starb zum Glück der Hund 
Die Frage stellte sich nie mehr
Wer Tiere hält mag Sklaverei und
Hat wohl keine geistigen Welten

Dachte ich immer und fragte mich
Ob Thomas Mann das Gegenteil
Beweisen könnte aber vermute
Er war Opfer seiner Kinder

Für Flaneure haben Hunde wie
Franz Hessel wunderbar schrieb
Strategische Vorteile die aber durch
Lästige Nachteile schnell aufgewogen 

Betrachte ich unseren Bundeskanzler
Den mittlerweile allen peinlichen Merz 
Sehe ich einen großen schlanken der
Kleines Wadenbeißerchen stets blieb

Dies könnte zeigen die Größe allein
Macht noch keinen zur großen
Persönlichkeit die selten ist wer auf
Kosten anderer sich nur profiliert 

Manchmal beobachte ich Damen mit
Windhunden von denen einige ihren 
Viechern in Wesen und Gestalt eher
Ähneln andere das Gegenteil sind

Hundegeschichten kenne ich viele
Fast alle sind eher langweilig dabei
Der Vergleich mit Menschen liegt fern 
Nur Wadenbeißerchen mochte ich nie

Dass der Isnogud Kanzler Merz nun
Seinen Wadenpuhler alleine zur UN
Nach New York schickte um einen
Ständigen Sitz zu erbetteln zeigt viel

Hat der der es am schwersten hat
Schon alles aufgegeben oder falsche
Prioritäten als Mahner der Nation den
Keiner mehr ernst nehmen kann

Bleibt halt ein Wadenbeißerchen das
Sich auf Kosten schwächerer allein
Bereichert was peinlich genug im
Sauerland Europa nicht verstand

So können Hunde uns manches
Über das Wesen der Menschen
Lehren wie vor allem sich besser
Nie irgend Viecher zu halten

jens tuengerthal 3.6.26

Dienstag, 2. Juni 2026

Lektürentagebuch 2.6.26

Lektürentagebuch 2.6.26

Weiter in der Zeit der Aufklärung über
Den Lawschen Krach in Frankreich
Dieser führte zum völligen Konkurs
Von Frankreich unter Ludwig XV

Darüber schreibt gewohnt klug
Egon Friedell in der Kulturgeschichte 
Der Neuzeit mit schönen kulturellen
Zusammenhängen noch dazu

Sie wurde zur größten öffentlichen
Katastrophe die Frankreich vor der
Revolution erlebt hat ausgelöst durch
Den reichen Schotten John Law

Law hatte die eigentlich richtige Idee 
Als zweifellos finanzielles Genie das
Kapitel der großen Banken nicht mehr
In Edelmetall allein auszudrücken 

Es wurden auch noch Naturwerte
Und Arbeitskräfte berücksichtigt
Damit konnten sie Kredit bekommen
Wie Bankbillets ungedeckt ausstellen

Seine nach diesen Prinzipien 1716
Gegründete Privatnotenbank die
Später zur königlichen wurde gab
Schon im 3. Jahre 40% Dividende

Seine Compagnie des Indes die zur
Ausbeutung von Kanada und auch
Louisiana dienen sollte zog bald die
Ersparnisse ganz Frankreichs an sich 

Ihre Mississippi Aktien stiegen bald
Auf das vierzigfache des Nennwerts
Die Spekulation überschritt da alle 
Grenzen Law bot 1719 dem Staat an

Ihn auf einen Schlag zu sanieren
Indem er sämtliche Steuern in Pacht
Nahm so wurde er 1720 dann zum
Finanzminister Frankreichs ernannt

Er setzte so viele Scheine in Umlauf
Dass sie bald das achtzigfache allen 
In Frankreichs umlaufenden Geldes
Repräsentierten nur leider brachten

Die Kolonien nichts ein und so wurde
Das Publikum misstrauisch und es
Kam zum Run auf die Staatsbank
Die Scheine verloren ihren Wert

So musste 1721 der Bankrott erklärt
Werden und Law floh nach Venedig 
Wo er acht Jahre später in Armut
Verstarb ein bestrafter Bankier 

Ob dieser in der ökonomischen
Realität so seltene Fall schon
Grund genug zum Jubel gibt
Sei hier da irrelevant offen gelassen

Der Lawsche Krach fand dann im
Zweiten Teil des Faust Verwendung
Aus dem Friedell hier zitiert als ein
Handel des Mephisto der einen 

Großen Zettelschwindel erfand der
Den Kaiser ruiniert und die Menge
Die gutgläubig folgt wird dabei im
Narren personifiziert der alles verliert 

Doch war Laws System kein Märchen
Sondern hatte reale Gegenwerte in 
Boden- und Sachwerten nur wurden
Diese wie Friedell schreibt von den 

Unfähigen Kräften nicht fruktifiziert
So wurden die gesunden Prinzipien
Für einen Kredit von einer gierigen
Regierung maßlos überspannt

Auch überstieg das ganze System
Die wirtschaftliche Fassungskraft
Des Publikums völlig warum dies 
Sich kopflos närrisch benahm

Von Jonathan Israel unter dem Titel 
Spinoza und die Aufklärung ein
Kluges Essay im Katalog des DHM
Zu Was ist Aufklärung? gelesen

Dort wird Spinozas radikal neues
Wie konsequentes Denken was ihm
So viele Gegner und Feinde wie sonst
Keinem Aufklärer einbrachte erläutert

Zwar lässt er Gott und Religion zu
Aber nur neben einer Allnatur die 
Konsequent nach Naturgesetzen
Einfach kausal immer funktioniert

Sie ist das wovon heute auch alle 
Wissenschaft ausgeht die so heißt
Nicht nur Aberglauben verbreitet 
Wie es die MAGA Narren tun 

Auch an jesuitischen Hochschulen
Wird solche Wissenschaft gelehrt
Nur der Aberglaube noch als quasi
Bonus Material für Narren dazu

Es gibt danach keine Wunder mehr
Wie auch jede höhere Begründung
Einer Moral überflüssig wurde sein 
Denken legte die Grundlage für

Die Radikalaufklärung wie sie sich
Unter den Bösen Philosophen fand
Wie Philipp Blom seinen klugen Band
Über dieses Tafelrunde noch nannte

Mit Diderot und Baron Holbach die
Moral im Gegensatz zu Voltaire ohne
Gott konsequent dachten warum sie
Voltaire nouveaux spionistes nannte 

Dieses Denken das nur die Natur
Als Maßstab anerkennt war aber
Schon älter als Spinoza was Israel
Hier leider völlig noch ignoriert 

Es taucht zuerst in der Philosophie
Von Epikur auf die uns vor allem
Durch das Versgedicht des Lukrez
Das de rerum natura bekannt ist

Dieses Denken hat Spinoza nur 
Weitergedacht und auf den noch
Herrschenden Aberglauben wieder
Angewandt wie später dann noch

Radikaler Holbach und Diderot auch
Mit dem daraus erst konsequenten 
Volonté général der von Holbach noch
Stammt nicht etwa von Rousseau

Weil diese konsequent folgerten und
Moral zu Ende dachten wie Kant es
Später in den Kritiken auch tat nannte
Der Gläubige Voltaire seine Freunde

Radikalaufklärer nouveaux spionistes 
Was er mit adeligen Privilegien lieber
Noch ablehnte was seit Kant nun 
Bewiesen Gott schadet der Moral

Weil es allein auf das Gewissen
Dafür ankommt und die Annahme 
Einer höheren nur geaberglaubten
Autorität dies ausschließt

Dieses Denken des 18. Jahrhunderts 
In der Tradition des Garten von Epikur
Der Männer und Frauen aufnahm
Ist heute nötiger als je zur Freiheit

Längst haben wir schon Demokratie
Wie Republiken erreicht die Spinozas
Vordachte schon aber immer noch
Gilt der Aberglaube als völlig normal

Diese Rechtfertigung der Herrschaft
Von Gottes Gnaden aber ist in der
Freiheit der Demokratie überflüssig
Schadet der Moral sogar eher

Einzig die Prinzipien der Toleranz
Gegenüber alten Traditionen können 
Noch eine radikale Bekämpfung
Dieses Unfug hier verhindern

Der humorvolle Diderot hat den
Nouveaux spionistes einen Artikel
In der Enzyklopädie gewidmet was
Angesichts der Zensur mutig war

Darin unterscheidet er die alten 
Von den neuen Spinozisten die
In allem konsequente Materialisten
Sonst Spinozisten in allem glichen

Eine große Freude ist es doch die
Spuren von Epikur mit seiner ganz
Konsequenten Ethik nach der Natur
In der Aufklärung wieder zu finden

Den albernen Aberglauben endlich 
Überwinden damit Menschen aus
Sich heraus moralisch handeln
Wäre eine so nötige Aufklärung

jens tuengerthal 2.6.26