Dienstag, 17. März 2026

Lektürentagebuch 17.3.26

Lektürentagebuch 17.3.26

Die Verfeinerung der Deutschen hat
Erwin Seitz seine Kulturgeschichte 
Des Landes genannt die ich heute
Von meiner Liebsten selig bekam 

Schon im Vorwort schreibt er vom 
Alten Traum der Menschen der sie
Vom Schweren zum Leichten streben 
Lässt der Geschmeidiges hervorbringt

Nur bei den Deutschen scheint es ein
Weg in die Misere zu sein so gipfelt 
Die nationale Geschichte meist in den
Katastrophen des 20. Jahrhunderts

Seitz möchte die deutsche Geschichte
Entzerren nicht die jüngste vergessen
Sondern neue Wege entdecken die 
Zur Seite des Leichten auch führen

Er wollte anhand originaler Texte und
Quellen eine verborgene Ordnung der
Deutschen Geschichte zu entdecken
Die das gute Leben hier beförderte

Überrascht entdeckte er dabei dass 
Sich auch eine Kulturgeschichte auf
Das menschlich bürgerliche sieht
Auf die Verfeinerung der Deutschen

Dabei geht das Buch zurück bis zum
Ende der kleinen Eiszeit also etwa bis
9500 vor der Zeitrechnung als sich die
Heutige Flora nördlich der Alpen bildet

Was gab es einst zu essen und zu
Trinken bevor die Landwirtschaft um
5500 vdZ begann wie nach und nach
Dörfer und Städte entstanden 

Es entwickeln sich neue Sitten und
Künste die eine andere Lebensweise
Mit neuen Genüssen mit sich brachte 
Dabei geht es bis in die Gegenwart

Philosophisch wird betrachtet was die 
Urbedürfnisse und Sehnsüchte des
Menschen dabei sind was für uns zum
Schönen Leben alles dazu gehört 

Von Essen und Trinken Liebe und
Liebelei Freundschaft Geselligkeit
Kleidung und Wohnen Kunst und
Literatur Unternehmungslust Reisen 

Es ist der Weg zur Lebenskunst an 
Der die Deutschen beharrlich arbeiten
An das antike Erbe anknüpfend für 
Das Leben der Bürger in der Stadt

So wird an Bruno von Köln erinnert
Den Bruder Otto des Großen der
Um 960 die Grundlagen für das
Wirtschaftsbürgertum geschaffen hat

Oder Wolfram von Eschenbach der
Eine feinere Lebensart kavalierartig
In Versen uns vorstellte worin sich
Die Aristokraten auch wiederfanden

Seit dem hohen Mittelalter entstanden
Reihenweise liberale Stadtrepubliken
Nach 1617 wurde ein Martin Opitz zur
Leitfigur des nun Bildungsbürgertums

Wie die Reformation oder auch der
Preußische Militärstaat dabei noch
Das urbane Leben und die mündigen 
Bürger bremste aber nie stoppte

Schon Katharina von Bora die später
Luther hieß nahm sich das Motto der
Kulturellen Verfeinerung zu Herzen
So galt vermehre deine Interessen 

In der Einleitung wird am Beispiel
Des Scheiterns von Vanity Fair 2009
Gefragt ob es den Deutschen einfach
An Glamour fehle als Grund dafür

So sagte auch Goethe der hier mit
Einem Satz aus Wilhelm Meister
Zitiert wird dass der Charakter der
Deutschen alles schwer mache 

Andererseits schwärmte bereits 1333
Petrarca in Köln doch wie erstaunlich 
Kultiviert diese Barbaren wären wie
Schön und gepflegt die Frauen seien

Petrarca schrieb dies an seinen 
Freund Kardinal Giovanni Colona
In Avignon nahm es aber nicht in 
Sein Werk auf weil solch ein Bild

Vom angeblich unkultivierten Norden 
Nicht in das Weltbild italienischer
Frühhumanisten passte sondern
Das übliche nur über Deutschland

Dort sei es öd und frostig es gäbe
Keine erlesenen Weine und nur selten
Etwas wohlschmeckendes zu essen
Was die Deutschen selbst glauben

Es gibt die Neigung hier dennoch
Den Luxus zu kritisieren dafür strenge
Sitten zu fordern was dann zwischen
Kleinmut und Größenwahn schwankt

Deutschland sei topographisch ein
Reichgegliedertes Land an sich es
Hat Berge Flüsse und sogar Meer
Mit gemäßigt feuchten Klima dazu

Dies bringe viel Grün hervor in
Wäldern und Wiesen dabei sind
Einige Böden gut für Landwirtschaft
Hänge für den Weinbau dazu 

So hätten die Menschen über die
Jahrhunderte etwas daraus gemacht
Sie übernahmen Wissen aus der
Mediterranen Tradition erfanden neu 

Der Wechsel der Jahreszeiten mache
Die eigentliche Schönheit hier aus
Wird Alexander von Humboldt nach
Daniel Kehlmanns Vermessung zitiert 

Ein Treppenwitz der Weltgeschichte
War dass ausgerechnet das Heilige
Römische Reich Deutscher Nation 
Im Zuge der Reformation gegen

Die römische Dekadenz und Kultur
Wetterte um gut deutsch zu sein was
Wie bekannt meist katastrophal dann 
In zu langen brutalen Kriegen endete 

Große Teile des Landes wandten sich
Von verweltichter römischen Kirche ab 
Um skeptisch gegenüber der feineren
Zivilisation des Südens zu werden 

Doch sollten die Misanthropen nicht
Täuschen es gab parallel immer eine
Feine Esskultur und die Geselligkeit
Wie Gastlichkeit lobte schon Tacitus

Heute gäbe es wie länger durch
Den Kapitalismus und weltweite 
Bewegungen eine Tendenz zur
Vereinheitlichung in der Welt auch

Die Kultur des Kapitalismus sei
Paradox es soll tagsüber hart
Gearbeitet werden um abends dafür
Ausgiebig genießen zu können

Die geordnete Routine im Alltag soll
Durch hedonistisch-kommerzielle
Romantik der Freizeit entschädigt 
Werden wie Eva Illouz sagte 

Deutschland sei heute anders so
Hätte die Atmosphäre etwa bei der
WM 2006 auch viele Gäste verblüfft
Es wurde heiter und bezaubernd

Überall wurde öffentlich gefeiert 
Die Kanzlerin und der Fußballkaiser
Fielen sich öffentlich in die Arme es
War ein fröhliches Fest im Land

Zwar mache eine Schwalbe noch
Keinen Sommer aber scheinbar gibt 
Es unterschiedliche Traditionen die
Deutsche Kultur auch feiner machen

Im Deutschen leite sich das Wort fein 
Von Fee ab so gehört das Feenhafte
Wie das Feine zusammen mit dem
Zarten und dem Leichten dazu 

Verfeinerung meint die Bearbeitung
Des Rohen Groben und Schweren um
Geschmeidiges hervor zu bringen das
Sogar zauberhaft werden kann dann 

Kultivierung der Natur hängt mit der Entwicklung der Kultur zusammen da
Verfeinert sich die Zivilisation endlich
Gehen elementare Bedürfnisse vom 

Bereich des Notwendigen hin zum
Angenehmen Schönen Menschlichen
Essen und Trinken Kleidung Wohnung
Reise und Spiel werden zu Luxus

Der Charakter der Deutschen stände
Nicht für immer fest sie sind eine 
Historisch gewachsene Gruppe die
Neues dazu in sich aufnimmt

Der Weg der Verfeinerung über die 
Entwicklung und Kultivierung soll
Nun in diesem Band weiter verfolgt
Werden und ich bleibe gespannt 

jens tuengerthal 17.3.26


Definitionsgemäß

Definitionsgemäß 

Was definitionsgemäß ist
Verhält sich entsprechend
Dessen was es ausmacht

Definitionen sind wichtig um
Eine Verständigung zwischen
Menschen zu ermöglichen

Wer aus der gewohnten
Definition ausbricht macht
Sich damit unverständlich

Manchmal aber sorgt auch
Die Wortwahl für Klarheit
Ohne allen Zweifel dabei

Das deutsche Grundgesetz
Steht in der Tradition der
Deutschen Verantwortung

Demgemäß ist alles Recht
Im Schatten der Shoah zu
Lesen und auszulegen

Der Zionismus ist eine von
Theodor Herzl begründete
Bewegung für einen jüdischen Staat 

Sie ist eine Reaktion auf den 
Zunehmenden Antisemitismus 
Gewesen und kein Rassismus

Die Darstellung des Zionismus 
Als rassistisch ist das Produkt
Von palästinensischer Propaganda

Diese antisemitische Weltsicht als
Slogan zu übernehmen ist hier eine
Straftat und also so zu behandeln

Die Verbreitung der Propaganda
Der Terrorganisation Hamas ist
Ebenfalls eine Straftat hier

Die Beschlüsse der Linken welche 
Erben der SED bleiben sind also
Lügen wie Straftaten in Deutschland

Wer nicht Anzeige gegen diese
Antisemitischen Beschlüsse stellt
Macht sich damit zum Mittäter

Das Leben ist einfach für alle die
Definitionen kennen und verstehen
Alles ist klar logisch geregelt dann

jens tuengerthal 17.3.26

Zweifellos

Zweifellos

Klarheit ist etwas schönes
Sie erspart jeden Zweifel
Lässt weit blicken ohne
Sich im Nebel zu verlieren 

In düsteren Zeiten bin ich
Dankbar für alle Klarheit
Die zumindest etwas noch
Zweifellos macht im Leben

Die Linke bekennt sich nun
Offen zu ihrem Antisemitismus 
Damit weiß endlich jeder woran
Wir bei den Erben der SED sind

Herr Müller von Müllemilch eine
Bekannte rechte Umweltsau fordert
Aus der Schweiz zum Bündnis der
CDU mit seiner Freundin Alice auf 

Wie gut ist es die Dinge so deutlich
Klar zu sehen und zu wissen der
Feind steht rechts und links manche
Kälber wählen ihre Schlachter noch

Weiter an eine Mehrheit für die Guten
Zu glauben wird immer schwerer aber
Leben ist ja zum Glück endlich auch
Wenn nicht helfen wir halt nach

jens tuengerthal 17.3.26

Montag, 16. März 2026

Liebesfund

Liebesfund 

Liebe findet sich
Oder erledigt sich noch
Schneller als gedacht

jens tuengerthal 16.3.26

Drohpartner

Drohpartner 

Partner bedrohen
Im überflüssigen Krieg
Könnte Dummheit sein

jens tuengerthal 16.3.26

Teegenug

Teegenug

Genug Tee ist gut
Besser als zuwenig am 
Ende ohne Tee

jens tuengerthal 16.3.26

Versgedanken VIII

Versgedanken VIII
Zur Keuschheit 

Die Pflicht zur Keuschheit meint
Montaigne in seinem Essay zu
Einigen Versen des Vergil sei ein
Weites Feld was von Fontane der

Kenner märkischer Literatur kennt wo
Es der Vater Briest zu seiner Tochter
Auf der Bank wiederholt noch sagt
Dies hier war 300 Jahre vor der Effi

Er fragt sich was die Frauen denn 
Nach unserem Willen zügeln sollten
Den ihren etwa das wäre doch wohl
Ein recht biegsames Ding noch

Viel zu agil sei er für Fesseln wie auch
Die Träume sie manchmal so weit mit
Sich reißen können dass sie nie mehr 
Davon loskommen es überstiege so

Die Macht der Keuschheit selbst die
Ja ein Weib sei sich der Gelüste wie
Begierden zu erwehren wollen wir
Andererseits alles nach ihrem Willen

Zulassen was geschähe uns dann
Stellt euch das Gedränge um den
Vor der den Vorzug erhielte sich
Wie ein Jagdfalke blind tragen ließ

Dabei auf der Hand von jeder säße
Die ihn begehrte so hätten skythische
Frauen Sklaven und Gefangenen die
Augen ausgestochen um sich ihrer

So unerkannt hemmungsloser noch
Bedienen zu können was keiner sah
Welch ungeheure Macht hat dabei
Die Gelegenheit wenn wer sich fragte

Was in der Liebe die erste Rolle spielt
Würde er antworten den rechten 
Augenblick zu ergreifen und auch die 
Zweite und dritte Rolle dabei

Alles vermag die Gelegenheit dabei
Hätte es ihm oft an Glück gefehlt aber
Zuweilen auch an Draufgängertum
Doch Gott bewahre meint Montaigne

Den vor Übel der sich darüber noch
Lustig heute zu machen wagt so
Müssen wir zurzeit gerade in der
Liebe noch bedenkenloser sein

Alles würde mit der Leidenschaft
Entschuldigt er jedoch habe eine
Abergläubische Angst eine Frau
Zu verletzen weil er sie achtet

Überhaupt verlöre das Geschäft
Allen Glanz sobald wir es ohne 
Ehrerbietung betreiben so gefiele
Es ihm wenn Mann dabei zugleich

Den schüchternen Jüngling wie 
Einen ergebenen Diener spielt
Nicht jedoch in Liebesdingen sei
Er selbst von unbeholfener Scheu 

Diese habe ihm verschiedentlich
Schon geschadet wie auch einige
Blaue Flecken eingebracht was
So hat nicht zu seinem Wesen passt

Doch was sein wir schon anderes
Als Zwiespalt und Zwist je doch 
Abgewiesen werden tut ihm dabei
Ebenso weh wie abzuweisen

Jemanden zu belästigen belastet
Ihn derart dass es äußerst ungern
Wenn er muss nur tut lieber schickt
Er andere dann noch vor

Der Versuch bei den Frauen ein
Verlangen zu zügeln dass sie von
Natur aus als brennend empfinden
Sei eine reine Narretei noch immer

Wo sich etliche ihres jungfrâulich
Kalten Sinnes lobten könne er
Darüber nur lachen denn dieses
Schneckenhaus sei zu unglaubhaft

Damit verderben sie nur ihren Handel
In Dingen der Liebe denn wer sich
Ungefragt entschuldigt klagt sich an
Solange sie noch gut bei Atem sind

Umgekehrt ging es einem Edelmann
Aus seiner Nachbarschaft der dort
Der Impotenz angeklagt wurde wozu
Er passende Verse zitiert

Weil sein winzig Möhrchen
Welk und abgeschlafft im
Gewand sich nicht mal 
Mehr halbwegs noch strafft

So schwor er nach der Hochzeit
Den Verdacht zu widerlegen 
Er letzte Nacht seine Frau noch
Zwanzigmal geritten sei doch

Wenig später war das Grund genug
Ihn der völligen Ahnungslosigkeit zu
Überführen und seine frische Ehe
Darum wieder aufzulösen

Wesen sich jene Frauen rühmen
Ist völlig belanglos denn von Tugend
Oder Enthaltsamkeit könnte ohne
Jede Versuchung nicht die Rede sein

Solange nicht gegen Versuchungen
Angekämpft werden müsse diese 
Müssten sie also zugegeben um
Ihnen widerstanden zu haben 

Was natürlich nur für jene gelten
Die es mit der Beteuerung ihrer
Unzulänglichkeit und Kälte ernst
Meinen und dies zeigen wollen

Diejenigen die es nur sagen deren
Augen sie aber Lügen strafen denn 
Sie müssten immer gegen den Strich
Gebürstet werden sehe er als Witz 

Solche Maskeraden und Mätzchen
Täuschten nur Trottel zwar säße bei
Diesen Frauen die Lüge auf dem 
Thron der Ehre aber wer erstmal

Durch die Hintertür ginge gelange
Doch zur Wahrheit dabei warnt er 
Obwohl ein Verfechter dieser vor
Offenherzigkeit und Freimut stets

Außer diese entspringt einem völlig
Unbefangenen kindlichen Gemüt 
Dient diese den Damen nie zur
Zierde und ist in der Liebe eher

Fehl am Platz da sie dort schnell
Zur Schamlosigkeit ausarten wenn
Wir die  Wunschvorstellungen der
Frauen nicht eindämmen können 

Was wollen wir dann von ihnen
Keuschheit zumindest im Tun
Es gäbe Taten genug welche ihre 
Unberührtheit berühren ohne dass

Es Außenstehenden je zur Kenntnis
Kommt denn gerade was niemand
Sieht bei ihnen ziemlich oft geschieht
Was den Argwohn wecken sollte

Die von Frauen verschwiegen Sünden 
Sein die schlimmsten dazu die Verse
Dass eine Nutte die er kauft ihn doch 
Weitaus weniger aufregen würde

So gäbe es sogar Handlungen durch
Die Frauen ihre Unschuld ohne jede
Schuld verlieren würden und was 
Schlimmer noch ohne es zu merken

So habe manche Hebamme schon
Welche die Jungfräulichkeit prüfen
Sollte diese aus Versehen Ungeschick
Oder Zufall dabei erst entjungfert

Es ist manchen beim Nachsehen ob 
Das Jungfernhäutchen heil vorhanden
Dieses abhanden gekommen andere
Verletzten es beim Herumspielen 

Das Tun was wir ihnen verbieten
Wollen wüssten wir nicht einmal
Genau zu umschreiben sondern 
Machen allgemein unklare Gesetze

Schon die Idealvorstellung von ihrer
Keuschheit sei lächerlich als Beispiel
Bringt er Fattua die Frau des Faunus
Die sich nach der Hochzeit nie wieder

Vor irgendeinem Mann sehen ließ
Oder die Frau des Hieron die nicht 
Roch wie stinkend der Atem ihres
Gatten war weil sie dachte Männer

Sein eben alle so und so sollen sie
Uns zufrieden zu stellen folglich
Unsichtbar und empfinungslos sein
Was auch keiner wollen kann

Gestehen wir also ein dass der 
Wichtigste Prüfstein für ihre noch
Einhaltung der Treuepflicht der Wille
Allein ist wofür er Beispiele bringt

jens tuengerthal 16.3.26

Anfangsende

Anfangsende

Allem Anfang wohnt ein Ende inne
Das uns die Grenzen deutlich zeigt
Sterben liegt in unserer Natur auch
Wenn der Tod uns nichts angeht

Nichts lohnt noch zu beginnen
Besser wäre viel weniger doch
In allem für unsere Ruhe die am
Ende das höchste Ziel stets bleibt 

Statt ekelhaft esoterischem Kitsch 
Der Hesse Jünger lieber kritisch
Denken gegen den Strom der
Trägen denkfaulen Masse die gern

Vom Eiapopeia sich einlullen lässt
Im beschissen konventionellen Leben 
Das so verzichtbar zugleich auch wie
Wenig bemerkenswert noch ist

Aber mehr bleibt meist nicht von der
Welt und ihren groß gedachten Ideen
Als die glückliche Aussicht darauf das 
Zumindest alles ein Ende doch hat 

Danach bleibt nichts von uns und
Alles wird egal sich dessen bewusst
Zu sein ist die große Freiheit statt 
Hokuspokus im Zauber zu suchen

jens tuengerthal 16.3.26

Beziehungsweise

Beziehungsweise

Eifersucht sei nun wirklich die
Hirnrissigste aller Leidenschaften 
Die nur zerstört worum sie sich sorgt
Wusste Montaigne schon ganz genau

Dennoch rechtfertigen manche sie 
Noch bis heute als Ausdruck großer
Gefühle obwohl sie das Gegenteil von
Liebe die bedingungslos gönnt ist

Doch was wäre weise in Fragen
Der Liebe die gern närrisch macht
Überlege ich abstrakt und konkret
Gerade wieder als Täter und Opfer

Wenn die verheiratete Geliebte den 
Ehemann lieber schonen will der zu
Alt schon wäre fragt sich ob diese
Sozial gedachte Lüge moralisch ist

Könnte ein an sich unmoralisches
Verhalten allein durch die Absicht
Doch moralisch werden und was
Ist daran überhaupt zu verurteilen 

Halte sexuelle Treue nur für eine
Frage der Vereinbarung sie ist sowohl
Abdingbar wie damit nur relativ gültig 
Fraglich wer was wie warum beurteilt

Sexualmoral ist zumeist ein Produkt 
Des Aberglaubens das auf Macht 
Über Körper durch den Geist zielt
Eine Art von psychischer Sklaverei

Wo Liebe bedingungslos gönnt wie
Es ihrer Natur entspricht würde sie
Herrschaft über andere Körper so
Ablehnen wie verbundene Erwartung

Bei der Beurteilung der Frage was
Moralisch richtig ist kann es nie um
Nur konventionelle Gefühle gehen
Was alle tun muss nicht gut sein 

Liebe verdient als bedingungsloses
Gefühl absolute Aufrichtigkeit wer
Dabei lügt ist nicht mehr glaubwürdig
Könnte logisch argumentiert werden

Andererseits wird aus Liebe handeln
Wer das möglichst Beste für alle will 
Ob dies die Lüge damit rechtfertigt
Dürfte relativ bedeutend so werden

Kann die Wahrheit welche stets die
Erfindung eines Lügners logisch ist
Höheren Wert haben als der Wunsch
Es allen dabei gut gehen zu lassen 

Welche Rolle spielt dabei die Zeit
Wenn der relativ alte Gatte der
Geliebten sich irgendwann einfach
Nach der Natur von allein erledigt

Kann dann der moralische Wert des
Friedens in einer Scheinwelt höher 
Sein als der relativen Wirklichkeit
Oder diktiert das die Trägheit nur

Wie frei und glücklich ist dagegen
Wer so etwas nicht entscheiden muss
Sondern es Beziehungsweise lieber
Stehen lässt und einfach abwartet

Vom Ethos her schiene mir eine
Offene Variante vernünftiger weiser
Wie damit sicherer aber dies nicht
Entscheiden zu müssen ist befreiend 

Beziehungsweise scheint mir immer
Mehr das Abwarten als alle Prinzipien 
Um zu genießen was noch bleibt wie
Die Eifersucht einfach hirnverbrannt

Natürlich ist es völlig lächerlich heute
Wie im vergangenen Jahrhundert die
Sexuelle Treue mit Liebe zu verbinden
Halt so ein romantischer Scheiss nur

Den anderen in der Gefangenschaft
Dieser niederen Gefühle zu halten
Statt ihm die Chance zu geben ein 
Relativ freies Leben zu führen

Scheint verglichen mir eher schlecht
Doch auch hier Flaneur zu bleiben
Nur zu beobachten statt zu beurteilen
Könnte die große Freiheit sein

Was die Geliebte vor ihrem Gewissen
Verantwortet ist ihre Entscheidung
Nur da zu sein genügt da völlig um
Gemeinsam genießen zu können

Beziehungsweise scheint mir heute
Viel weniger und viel mehr zugleich
Was keiner weiß macht keinen heiß
Es dabei zu belassen ist gut so

Der Flaneur lebt nach seiner Natur
Gerne ein Leben im Verborgenen
Womit beziehungsweise einfach
Nichts zu tun gut harmoniert 

jens tuengerthal 16.3.26

Sonntag, 15. März 2026

Lektürentagebuch 15.3.26

Lektürentagebuch 15.3.26

Bei Buddenbrooks kommt es im
Sechsten Kapitel zur Verlobung 
Von Clara Buddenbrook mit dem
Pastor Sievert Tiburtius aus Riga

Der hatte war auf Empfehlung eines 
Kollegen der die gute Küche erinnerte
Im Hause Buddenbrook auf dem Weg
Zurück nach Riga Station gemacht

Es passte der Pastor mit dem langen
Gelben geteilten Backenbart perfekt
Zur ruhigen etwas größeren Clara
Die gerade 19 Jahre geworden war

Wunderbar beschreibt Thomas Mann
Den Weg dorthin und wie sich der nur
Kurz geplante Aufenthalt immer weiter
Nach hinten Tag für Tag verschiebt

Wie er dann bei einem Spaziergang
Vor der Stadt und einem Ausflug zum
Dort Gartenlokal Clara fragt und diese 
Mit entschiedenem Ja nun antwortet

Ist so zauberhaft zart beobachtet
Wie das Gespräch das Tiburtius 
Danach im Landschaftszimmer mit
Der erschöpften Konsulin sucht

Auch diese stimmt gerne zu weil 
Sie die Verbindung für gesegnet hält
Schreibt nur noch ihrem Sohn Tom 
Der in Amsterdam ähnliches sucht

Davon aber erfahren wir erst im
Nächsten Kapitel dann im Brief 
Von Tom aus Amsterdam an seine
Frau Mama für nächsten Sonntag

So geht bei Buddenbrooks gerade
Alles seinen guten geordneten Gang
Will es scheinen bevor die nächsten
Ereignisse das Leben verändern

Im Zauberberg das Kapitel über
Mynheer Peeperkorn des weiteren
Begonnen und sich dort an der
Eleganz des Diskurses gefreut

Hier tritt der große Humorist und
Bürger Thomas Mann gleich zu
Beginn aus dem Kapitel das er
Erzählt und offenbart sich als

Erzähler der es schon besser weiß 
Etwa wie lange der Holländer diese 
Beeindruckende Persönlichkeit noch
Im Berghof bleibt und ob er abreist

Doch trotz ganz neugieriger Fragen 
Erfahren wir Leser noch nichts über
Den Abgang des gewichtigen Mannes
Der in den Kolonien so reich wurde

Ob er vom tropischen Wechselfieber
Dahingerafft wurde lässt Mann sich
Als inszenierender Autor neugierig
Fragen aber verrät noch nichts vorab 

Wozu du die Ungeduld spottet er mit
Viel Humor das nicht alles auf einmal
Da ist bleibt die Bedingung im Leben
Wie in der Erzählung und gegen die

Natürlichen Bedingungen wird sich
Doch wohl keiner auflehnen wollen
Spottet Mann dazu so will er der Zeit
Soviel Ehre geben wie es das Wesen

Der Geschichte uns noch erlaubt 
Viel sei es ohnehin nicht mehr es
Ginge geradezu holterdiepolter oder
Weniger lärmend gesagt husch husch 

Schon Jahre wären sie jetzt hier oben
Ihn schwindelt ob dieses Lastertraums
Ohne Opium und Haschisch es würde 
Der Sittenwächter ihn einst verurteilen 

Doch absichtlich stellte er der sonst
Schlimmen Vernebelung ganz viel
Verstandeshelligkeit darum entgegen
Mit logischer Schärfe seien darum

Das möge doch Anerkennung finden
Köpfe wie Settembrini und Naphta
Zum Umgang gewählt worden statt 
Sich mit lauter Peeperkorns noch

Weiter zu umgeben in ihrer steten
Undeutlichkeit was jedoch zu einem
Vergleich führt der nach dem Format
Zugunsten des letzteren ausginge

So gestand sich Hans Castorp in
Seiner Loge eingewickelt liegend
Dass seine beiden überartikulierten
Erzieher verzwergten verglichen

So neigte Hans dazu sie zu nennen
Wie die Persönlichkeit ihn trunken
Aus königlicher Laune nannte also
Schwätzerchen und sich glücklich

Pries dass die hermetische Pädagogik
Ihn mit einer echten Persönlichkeit in
Berührung noch gebracht hatte dass 
Diese Persönlichkeit nebenbei noch

Clawdias Reisebegleiter war und die
Eigenen Pläne gewaltig störte war
Ein Punkt für sich der aber die ganze
Bewertung von ihm nicht beeinflusste

Er ließ sich nicht beirren in seiner
Achtungsvollen wenn auch mal
Kecken Teilnahme für einen Mann
Von Format nur weil dieser mit

Frau Chauchat von der er sich nur 
Einmal in einer turbulenten Nacht
Einen Bleistift lieh mit ihm eine
Gemeinsame Reisekasse führte

Das lag nicht in seiner Art wobei
Mann damit rechnet dass mancher 
Oder vor allem manche daran noch
Anstoß nehmen werden ohne alles 

Verständnis für solchen Mangel an
Temperament es also lieber sähen
Wenn er Peeperkorn gehasst oder
Zumindest gemieden haben würde 

Statt ihn noch zu besuchen wenn
Wenn er vom Wechselfieber geplagt
Mal wieder flach lag und mit ihm zu
Plaudern was nur Hans Beitrag meint 

So ließ Hans mit der Neugier eines
Bildungsreisenden das Wesen dieser
Persönlichkeit auf sich wirken auch
Wenn es an Ferdinand Wehsal 

Der demütig noch Hans Castorps
Paletot trug erinnern könnte denn 
Sein Held war kein Wehsal so waren
Elendstiefen nicht seine Sache je

Er war und diese Stelle ist wieder
Genial eben kein Held was hieß er 
Ließ sein Verhältnis zum Männlichen
Nicht durch die Frau bestimmen

Seinem Grundsatz getreu ihn nur so
Darzustellen wie er ist stellt er fest
Dass Hans es ablehnte sich gegen
Sein Geschlecht aufbringen zu lassen

Er wollte sich nicht durch bloße
Romanhafte Einflüsse um die
Gerechtigkeit gegen das eigene
Geschlecht bringen lassen

Auch wollte er die Bildungserlebnisse
In dieser Sphäre nicht verpassen was 
Den Frauen missfallen mag wie es
Auch Clawdia offensichtlich verärgerte

Dies zeigte sie durch ihr Verhalten
Doch machte ihn diese Eigenschaft
Zum tauglichen Streitobjekt auch der
Pädagogik von verschiedenen Seiten

Bin wieder restlos begeistert mit
Wieviel Humor und Bildung Mann 
Hier auf zwei Seiten ein wahres
Feuerwerk der Persönlichkeit zündet 

Im Kreise der großen bürgerlichen
Romane der 20. Jahrhunderts nun
Noch ein wenig auf die Suche nach
Der verlorenen Zeit gemacht also

Weiter mit Prousts la recherche im
Schatten junger Mädchenblüte auf
Der Strandpromenade von Balbec
Weil sein Freund Saint Loup leider

Größere Teile der Zeit abwest
Beobachtet der Protagonist und 
Ich-Erzähler die Strandpromenade 
Mit um diese Zeit vielen Gästen

Da fällt ihm eine Gruppe junger
Mädchen auf die ihn verzaubern
Eine schiebt ihr Rad während eine 
Andere Golfschläger dabei trägt

Wunderbar wird beschrieben wie
Die Kurgesellschaft sie ins Auge
Nimmt teils mit ihrem Lorgnons
Die sich in der tiefen Sonne spiegeln 

So sitzen sie reihenweise vor dem
Pavillon und bald werden die Objekte
Der Beobachtung in noch freier erster
Reihe zu Subjekten des Beobachtens

Liebe und infolgedessen Furcht sei
Eine der stärksten Triebfedern des 
Menschen zu gefallen zu verblüffen 
Oder unsere Verachtung zu zeigen

Es ist erstaunlich immer wieder wie
Proust vom leichten Geplauder über
Standschönheiten in Balbec plötzlich
Zu emotionalen Tiefen wechselt

Er lullt uns Leser gekonnt mit der
Strandstimmung ein die von lokaler
Schönheit plätschernd schwärmt um
Dann solche Hämmer zu bringen

jens tuengerthal 15.3.26

Liebesrechnen

Liebesrechnen

Mit Liebe rechnen
Lohnt eher selten weil es
Nicht einfach aufgeht

jens tuengerthal 15.3.26

Verkalkuliert

Verkalkuliert

Wer sich im Krieg mal 
Verkalkuliert kann eben
Alles verlieren

jens tuengerthal 15.3.26

Sonntagstee

Sonntagstee

Sonntags trinke ich
Den gleichen Tee wie immer
Vanille tut gut

jens tuengerthal 15.3.26

Habermasstab

Habermasstab

Jürgen Habermas ist tot. Er starb mit
96 Jahren in einem heute fast schon
Biblischen Alter durfte er gehen 
Statt vieler lauwarmer Worte sei hier
Der vielfältige Autor der Maßstäbe
In Philosophie Demokratie wie dem
Denken über den Diskurs setzte 
Vorab zitiert nichts erinnert besser
Danach erzähle ich unsere kleine
Begegnung und Diskussion noch in 
Heidelberg vergangenes Jahrhundert


"Der einzige Patriotismus, der uns dem Westen nicht entfremdet, ist ein Verfassungspatriotismus."

"Diskurse herrschen nicht. Sie erzeugen eine kommunikative Macht, die die administrative nicht ersetzen kann, sondern nur beeinflussen kann."

"Wahrheit nennen wir den Geltungsanspruch, den wir mit konstativen Sprechakten verbinden. Eine Aussage ist wahr, wenn der Geltungsanspruch der Sprechakte, mit denen wir, unter Verwendung von Sätzen, jene Aussage behaupten, berechtigt ist."

"Zwischen Kapitalismus und Demokratie besteht ein unauflösliches Spannungsverhältnis; mit beiden konkurrieren nämlich zwei entgegengesetzte Prinzipien der gesellschaftlichen Integration um den Vorrang."

"Solidarität ist keine Nächstenliebe, aber erst recht keine Konditionierung zum Vorteil einer Seite. Wer sich solidarisch verhält, ist bereit, sowohl im langfristigen Eigeninteresse wie im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, kurzfristig Nachteile in Kauf zu nehmen.”

Jürgen Habermas (18. Juni 1926 bis
14. März 2026)


Statt langer Geschichten über sein
Wirken sei hier die wesentlich doch
Kürzere unseres Zusammentreffens
Erzählt das in Heidelberg stattfand

Noch zu Anfang meines Studiums
Hatte die Fachschaft Jura zum
Vortrag in die Alte Aula geladen
Den historischen Saal am Uniplatz

Habermas hielt dort einen Vortrag
Indem er die diskursiven Grundlagen
Unserer Verfassung begründete
Damals noch weniger Flaneur als

Gefühlt noch Radio Journalist saß ich
Sehr weit vorne und suchte nach dem
Vortrag den Diskurs mit der Ikone
Ohne viel von ihm gelesen zu haben

Mit der Frechheit meiner noch frühen 
Zwanziger fragte ich den schon da
Guru der Kommunikation wie sich die
Diskurstheorie denn mit der in der

Präambel stehenden Gottesbindung
Also der Verantwortung vor Gott die
Väter und Mütter des Grundgesetzes
Wohl noch im Diskurs antrieb 

Der sichtlich überraschte Habermas
Meinte wenn das dort stünde dann
Müssten wir es eben streichen um
Zum Diskurs damit zurückzufinden

Damit hatte er die Lacher im Saal 
Auf seiner Seite nicht jedoch seinen
Ebenfalls anwesenden und da bereits
Uralten Lehrer Gadamer der wohl

Für alle überraschend widersprach
Meinte Jürgen das sei weder eine
Konsistente noch logische Antwort
Werde so dem Thema nicht gerecht

Unsere Dreierdiskussion ging weiter
Dabei sah ich mich plötzlich in der
Mir fremden Rolle des Verteidigers 
Transzendenter Bezüge im GG

Nichts lag mir auch damals schon
Mitglied des Grand Orient de France
Ferner als nicht den Laizismus zu
Verteidigen sondern den Status quo

Lieber hätte ich Habermas einfach
Zugestimmt aber hatte leider schon
Widersprochen damit das ganze
Nicht alle langweilte wurde ich mit

Habermas und Gadamer zum Essen
Danach beim Italiener in der Nähe
Eingeladen wo ich die Ehre hatte
Zwischen beiden zu sitzen

Irgendwann nach Wein und Essen
Gestand ich inhaltlich ganz seiner 
Meinung zu sein es stimme nur leider
Formal juristisch wohl nicht ganz

So sagte ich ahnungslos im zweiten 
Semester zum berühmten Habermas
Und Gadamer unterstützte mich nun
Langer Geschichte kurzer Sinn ich

Stritt mit Habermas obwohl ich doch 
Eigentlich seiner Meinung war was
Ihn so freute und rührte dass er
Meinte er werde sich damit noch

Weiter beschäftigen und einige Jahre
Später las ich von seinem Diskurs mit
Dem späteren Großinquisitor genannt
Papa Ratzi der auch Bayer war

Das war aber nie meine Absicht und
Hätte ich die dunklen Folgen geahnt
Nie hätte ich diese Frage gestellt da
Europa laizistisch wird oder nicht ist

Habermas war einer von den Guten
Der geistig auf der Seite doch der 
Kritischen Aufklärung stand und ich
Narr lotste ihn auf das glatte Parkett

Von Aberglauben und Gottesbezug
Der wohl schlimmste Schaden den ich
Als Jura Student geistig verursachte
Der Rest ist nicht der Rede wert

So erinner ich Jürgen Habermas sehr
Positiv wie zugleich peinlich für mich
Habemus Habermas ist Geschichte
Bleiben wir auch künftig im Diskurs

jens tuengerthal 14.3.26