Donnerstag, 29. Oktober 2026

Liebeserkenntnis

Liebeserkenntnis

Im Spiegel der Liebe
Können wir uns sehen
So ist die Liebe ein steter 
Prozess der Prüfung
Bei dem wir uns selbst
Ganz nah am Gefühl
Hinterfragen müssen
Was ist davon echt
Wo finden wir uns
Im geteilten Gefühl
Wann entfernen wir uns
Von uns wie vom anderen
Warum Liebe eine stete 
Entwicklung zu etwas ist
Was sich wohl gut will
Gelegentlich gelingt es
Von dem wir nicht wissen
Wohin es führen wird weil
Egal war wir wollen auch
Die Liebe der anderen
Dazu notwendig ist also
Etwas das sich unserer
Kontrolle wie allem Wissen 
Entzieht mithin ist die Liebe
Ein ziemlich riskantes Spiel
Was vor allem Vertrauen 
Braucht um gelebt zu werden
Ohne jede Sicherheit und der
Doppelte Boden taugt auch
Wenig bei diesem großen
Abenteuer der Gefühle
Das unser ganzes Leben
Verändern wie bestimmen kann
Aber zumindest sehen wir uns
Dabei wirklicher als je was die 
Liebeserkenntnis so kostbar macht
Denke ich und dabei an die Liebsten
Mit denen ich es teilen durfte
Dankbar heute dafür es so
Vielfältig kennenzulernen 
Nicht damit aufhörte was 
Viel und mutig genug ist
Dankbar dafür zu sein
Wie vieles ich darin schon
Erkennen durfte von mir
Und manchmal von ihr
Wohin auch immer
Die Reise uns führt ist es
Wunderbar miteinander
Zumindest manchmal
Wie immer wieder erstaunlich
Voller Gefühl füreinander 

jens tuengerthal 28.10.26


Mittwoch, 28. Oktober 2026

Lebensfreude

Lebensfreude 

Ist Lebensfreude eine Frage
Der Haltung mehr als ganz
Konkreter dazu nötiger Dinge 
Braucht es Geld dazu oder
Ist dieses eher ein Hindernis
Bei der Suche nach Freude 
Frage ich mich und denke
Darüber nach was mir noch
Wirklich Freude schenkt die
Das Leben schöner macht
Früher schien es einfach
Liebe Freiheit Sex Geld
Heute wird es komplexer
Liebe ist immer noch schön
Aber spielt eine eher weniger
Gewichtige Rolle im Leben
Dafür sind Bücher wichtiger
Die auch Geld und Sex als
Maßstab der Zufriedenheit
Dauerhaft besser ersetzen
Guter Sex ist wunderbar
Aber doch eher sehr selten
Wie meist den Aufwand
Den viele dafür wollen
Im Verhältnis zu guter 
Lektüre kaum noch wert 
Genug Geld für Bücher ist
Schon nett aber macht unfrei
Die Bedingungen dafür
Lohnen selten wirklich
Weniger macht freier
Neue Bücher zu riechen
Gab früher Lebensfreude 
Seit der Zeit im Buchladen
Eher gruselige Erinnerung
Nichts mehr riechend ist es 
Längst egal für mich geworden
Schöne Bücher anzufassen
Einen Busen oder Schoss 
Lustvoll berühren zu dürfen
Schenkt viel Lebensfreude 
Zumindest in Erinnerung noch
Scheint heute alles relativ
Gemessen am Leid aber
Wer will schon ständig jammern
Also freuen wir uns höflich über
Kaum der Rede werte Kleinigkeiten
Das hebt die Stimmung etwas
Wir nennen es dann Lebensfreude 
Vielleicht ist das schon genug
Um glücklich zu bleiben
Überlege ich noch ein wenig
Zumindest schadet es nicht
Die Sonne im Herbst aber 
Schenkt echte Lebensfreude
Da fällt mir nicht mehr ein
Worüber zu meckern wäre

jens tuengerthal 28.10.26

Suizidzahlen

Suizidzahlen

Die Zahl der Suizide steigt was 
In Zeiten wie diesen verständlich ist
Wie hoch sie inzwischen sind bleibt
Dabei dennoch eher überraschend

Über 11.300 Fälle wurden gemeldet
Wie hoch die Dunkelziffer ist bleibt 
Dabei wie der Name nahelegt im
Dunkeln das keine Aufklärung sucht

Das sind mehr als zehnmal so viel
Wie im Straßenverkehr jährlich noch
Umkommen dort aber meist weniger
Mit Absicht noch nicht mal eventuell

Vergiftungen und Arzneimittel liegen
Dabei hoch im Trend was ich relativ
Naheliegend finde und viel besser
Als sich sonst Gewalt anzutun 

Es wird bei Berichten dazu immer
Eine Hilfsnummer genannt die
Betroffene anrufen können um
Sich vielleicht retten zu lassen

Eine der ganz großen Lügen
Die aber längst so normal ist
Dass keiner sie mehr bemerkt
Wie Bilder auf Zigarettenschachteln 

Dabei wissen wir doch ganz genau
Jeder weniger ist besser weil wir
Längst viel zu viele sind nur wer
Besser ginge sagen wir nicht

Hätte da einige Vorschläge denke ich
Beim Blick nach Westen oder Osten
Schweige aber dazu lieber weil ich
Natürlich niemandens Tod wünsche

Außer vielleicht mir manchmal mehr
Denn sich das volle Nichts mit seiner
Dauernden Leere zu gönnen hat im
Merz Deutschland immer mehr Reiz

Weniger ist mehr und danach kommt
Nichts mehr vor allem kein Stress 
Vielleicht musst du noch die Reste 
Kostenpflichtig entsorgen lassen was

Gemeinhin Beerdigung genannt und
Als Monopol aus dem Aberglauben
Noch hier seltsam behandelt wird
Statt locker darüber zu lachen lieber

Aber auch das geht dich dann wie
Alles übrige nichts mehr an du bist
Weg und erledigt damit befreit von
Allen Pflichten und Sorgen für immer

Es gibt also gute Gründe dafür und
Der Abgang kann gelassen wie auch
Zufrieden belächelt werden gerade
Angesichts dessen was noch kommt

Mit weniger Menschen bliebe mehr
Lebensraum für den Rest was aber
Natürlich keiner sagt lieber wird seid
Fruchtbar und mehret euch gepredigt 

Wie aber sind die Zeiten wirklich
In denen Nichts verlockender scheint
Als den Wahnsinn zu beenden
Überlege ich besser wohl nicht

Wenn Nichts mehr scheint als alles
Was noch bleibt oder zu erwarten 
Steht es nicht gut um uns alle aber
Darüber redet auch keiner gern

Zugunsten der Klicks und als 
Angepasst höflicher Mensch auch
Werden diese Verse hier beendet 
Leben geht noch weiter irgendwie

jens tuengerthal 28.10.26

Lektürentagebuch 27.10.26

Lektürentagebuch 27.10.26

Im Wettstreit mit den Meistern nennt
Antonio Forcellino das nächste Kapitel
Das die weitere Entwicklung des noch
Jungen Meisters Raffael erzählt

Es beginnt wieder in Città di Castello
Wo der nächste Auftrag einer reichen
Familie für ihre Hauskapelle ihn die
Vermählung Mariens neu malen lässt

Zuvor plaudert Forcellino noch etwas
Über die Konkurrenz von Città und
Perugia die beide in Umbriens Hügeln
Liegen und eng verwandt waren

Dieses Gemälde gilt auch als ein
Früher Raffael noch und wird in 
Der Kunstgeschichte als unter dem
Einfluss seines Lehrers Perugino

Entstanden geführt was angesichts
Des gleichen Motivs nahe lag war
Doch die Thematik ikonographisch
Vorgegeben jedoch zählt hierbei 

Die kleine Variation weit mehr als 
Es der vorgegebene Aufbau auf
Den ersten Blick ermöglicht hier 
Zeigt sich das große Talent bereits

Im einzelnen erläutert Forcellino uns 
Warum er Perugino nicht für den 
Lehrer Raffaels hält der nur mit
Dessen Vorbild einfach gut spielt

Der Bildaufbau nahezu identisch
Nur die Positionen Marias und
Josephs getauscht und beide einen
Symmetrischen Tempel hinten

Doch während dieser bei dem
Angeblichen Lehrer ein starres
Gebäude war was den Tempel von
Jerusalem darstellen soll ist es

Bei Raffael ein lebendiges Gebäude
Mit Vorsprüngen und exakten Stufen 
Bereits im Stil der neuen Zeit gemalt
Die das Gemälde sichtbar belebt 

Der nächste Auftrag kommt nun
Aus Perugia wo er die Marienkrönung
Malen soll für eine Kapelle die zuvor
Schon Pinturicchio malte der selbst

Schüler von Perugino war aber längst 
Als Meister galt und die Dombibliothek
In Siena im Auftrag von Bischof 
Francesco Piccolomini ausmalte

Dafür hat er sich Vorzeichnungen
Von Raffael machen lassen was wohl
Übliche Sitte war ältere Künstler
Beauftragten jüngere Kollegen damit

Auch hier wählt Raffael wieder den 
Identischen Bildaufbau wie schon 
Vorher Pinturicchio aber übertrumpft
Diesen in Lebendigkeit und Farben

Er misst sich also mit zwei Meistern 
Seiner Zeit aber schafft es sie beide
In der Ausführung in den Schatten zu
Stellen zur Freude der Auftraggeber 

Hier gab es im Italien der Zeit was
Schon im vorigen Jahrhundert begann
Einen regelrechten Konkurrenzkampf
Unter den wohlhabenden Bürgern

Viel Geld zu verdienen war das eine
Aber die wirkliche Klasse zeigten die 
Reichen dieser Zeit weniger in ihren 
Yachten oder Autos natürlich als in

Der Fähigkeit junge Begabungen zu
Erkennen wie zu fördern und dieser
Kulturstreit um die schönsten Bilder
Wurde fast blutig ausgetragen

Hier stellte sich Raffael auch dem
Wettbewerb zwischen den Reichen
Schuf zum gleichen Motiv ähnliche
Die Vorgänger übertreffende Gemälde

Heute sind es die Sitze im Privatjet 
Die Längen der Yacht oder die PS 
Ihrer Luxuswagen gelegentlich aber
Auch Kunstwerke für Sammlungen 

Dabei musste zwischen den Künstlern
Keinerlei Konkurrenz bestehen die
Aufträge sprechen dagegen aber
Es widerlegt auch die Behauptung

Eines Lehrer Schüler Verhältnisses
Was alle von Vasari abschrieben der 
Es ohne Belege behauptete was aber
Niemand hinderte es zu übernehmen

Für ein Lehrer-Schüler Verhältnis gibt 
Es keinen Beweis dafür wie weit der
Angebliche Schüler beide übertraf 
Stehen dagegen die Bilder als Beweis

Eine wieder schöne Geschichte die
Dem Übergang zur Hochrenaissance
Zeigt und den veränderten Stil den ein
Junger Künstler mit Mut anwandte


Am Morgen wieder bis gegen Sechs
Johann Karl Wezel gelesen der nun in
Hermann und Ulrike eine neue erste
Begegnung mit viel Humor inszeniert

Während Heinrich Hermann sich beim
Warten auf eine Gelegenheit mit
Ulrike langweilt kommt es nach vielen 
Ihm lang gewordenen Monaten ganz

Überraschend dazu sie erscheint vom
Betteljungen geführt einfach vor der
Tür als er allein Zuhause ist und sie
Liegen sich gleich in den Armen

Überglücklich umarmen und küssen
Sich beide tun was eben Verliebte 
Nach langer Trennung so tun aber
Nebenbei reden sie auch noch

Sie hat noch Verstand genug ihm
Die Hälfte ihres Geldes zu geben
Erzählt ständig sie müsse gleich
Wieder weg und hätte nur eine

Viertelstunde höchstens Zeit aus
Der vor lauter Aufregung Liebe wie
Zwischendurch Zärtlichkeit bald
Eine halbe Stunde wurde und schon

Nahte das Unglück sie hören jemand
Kommen und ins Haus eindringen
An jede Tür klopfen und sie aufreißen 
Bis sie schließlich zu ihnen kamen

Es ist die schreckliche Tante die wohl
Früher zurück war sofort ahnte was 
Geschehen sein musste und Ulrike
Wieder einfangen wollte was sie

Mit einer Laterne in ihren dunklen 
Raum leuchtend in dem sie sich
Hinter dem Bett versteckten tat was
Auch immer sie vorher dort taten 

Sah die kreischende Tante Ulrike
Sofort und der mit ihr gekommene
Diener packte sie schneller als sich
Die beiden Verliebten wehren können

Verliebt scheint also nicht nur blöd
Sondern auch wehrlos zu machen
Darauf stürzt sich Hermann die
Arme Ulrike zu befreien auf die Tante 

Hermann wird von ihr erst noch 
Zurück gestoßen Zeit genug für den
Diener mit Ulrike zur Kutsche zu
Laufen und sie dort unterzubringen

In der Zeit rannte Hermann wieder
Der Tante hinterher die um Hilfe
Schrie im Treppenhaus worauf das
Personal kam und sie befreiten 

Die Tante verschwand schnell aber
Nachbarn und Diener hielten nun
Herrmann für verrückt geworden
Sperrten ihn in sein Zimmer

Der Doktor und seine Frau werden
Bei ihrer Rückkehr über dem neuen
Anfall von Wahnsinn bei Hermann
Informiert und gleich geht wieder

Das Gezeter der Frau los die den
Gefährlichen Hermann unbedingt
Ganz schnell los werden will während
Der besorgte Doktor Johann besucht

Dieser erzählt ihm die ganze wahre
Geschichte voller Vertrauen dabei
Verzweifelt und erschüttert und der
Gute Doktor glaubt ihm auch alles

Als seine Frau daraufhin wieder zetert
Wie manche Ehefrauen das so gerne
Tun erzählt der Doktor ihr Hermann
Sei nicht verrückt sondern verliebt

Sofort will sie wissen in wen und
Da der Doktor Hermanns Vertrauen
Nicht brechen will sagt er in sie 
Worauf sich ihr Verhalten ändert

Plötzlich ist die vorher garstige
Gattin die Liebe ganz und kümmert
Sich aus christlicher liebe natürlich 
Um den armen ihr nahen Kranken

Als Reaktion auf diesen kleinen
Zwischenfall soll Ulrike ins Stift
Wie vorher noch von ihrer Mutter
Abgeholt werden es ist zum

Verzweifeln tragisch und damit schon
Fast wieder komisch nun auch was 
Der Liebesgeschichte aus der Zeit
Noch der Aufklärung besser steht 

Die Unfreiheit der jungen Baronesse 
Welche aber alt genug zum Heiraten
Aus damaliger Sicht war empört aus
Der unserem und soll auch rühren

Die unmögliche Liebe der beiden
Welche keinen Beruf noch irgend
Eigenes Geld haben ist dabei zum 
Verzweifeln und bis heute realistisch

Die Liebe und das Glück in ihr hat
Eben ihren Preis wer den nicht
Leisten kann steht schnell allein
Auch wenn sie lieber betteln wollen

Welche Aussichten hat dieses so
Verliebte Paar vernünftig betrachtet
Warum auch der Lehrer und dazu 
Väterliche Freund Schlinger abrät

Wie kann es nach diesem Drama 
In einem Roman der Aufklärung
Der Standesgrenzen einreißt nun
Wohl weitergehen fragen wir uns

jens tuengerthal 27.10.26

Dienstag, 27. Oktober 2026

Lesereisender

Lesereisender

Manche machen Leserreisen 
Auf den Spuren von Büchern
Folgen sie ihren Autoren oder
Deren Geschichten an die Orte

Der Handlung was damit alle
Phantasie zugunsten bloßer
Realität zerstört und ohne
Jeden Gewinn bei der Lektüre

Vielmehr rauben sie sich dadurch
Ganz viel was Lesen so schön
Wie Bücher reich und bunt macht
Nur um festzustellen so ist das

Manche sehr sensible Menschen
Merken noch sie hätten es sich 
Ganz anders vorgestellt aber
Nur die wenigsten spüren was

Ihnen als Leser verloren geht
Wenn sie plötzlich ein Bild
Von allem vor Augen haben
Kein Raum für Träume mehr ist

Wer das will kann auch Filme
Oder sonst bewegte Bilder sehen
Die Leser dagegen formen die
Landschaften und Räume erst

In ihrer Phantasie statt sich von
Eindrücken berieseln zu lassen 
Wer das braucht dem mangelt es
An Phantasie und Geist was 

Das Gedächtnis erlahmen lässt 
Warum die meisten auch nur noch
Filme sehen statt zu lesen und
Wählen statt aus einer Bibliothek

Sich einen Band zu nehmen bei
Einschlägigen Kanälen virtuell aus
Wovon sie sich berieseln lassen
Leser aber erleben lesend und 

Formen ihre Welt nach der eigenen
Phantasie die berieselt verkümmert 
Für solche geistigen Krüppel mögen
Leserreisen nette Ablenkung sein 

Die gebildet tut und unterhält 
Als Leser bleibt mir dies fremd
Muss nirgendwo mehr hin
Nur tief in Bücher eintauchen 

Überall hinreisen zu können
Die Welt als Leser zu erkunden 
Im kommenden Zeitalter der
Immobilität das nirgendwo mehr

Hin muss sondern lesend da war
Was andere so schön nie sehen
Aber was dichte ich da noch
Versteht ohnehin keine mehr

Dafür reichen mir die Bücher meiner
Bibliothek um überall gewesen zu sein
Eine Vorstellung der Welt zu haben 
So wie sie mir gefällt

jens tuengerthal 27.10.26

Erlesen

Erlesen

Lebe in einer Bücherwelt
Diese ist sehr erlesen
Natürlich der Inhalte wegen
Es bleibt nur was gut ist

Doch auch nach ihrer Erscheinung
In meine Bibliothek kommen nur
Gebundene Bände noch
Vorzüglich der Anderen Bibliothek 

Oder was halt geerbt wird
Aber auch da nur ausgewählt
Für den Buchmarkt bin ich
So gut wie tot und lieber

Ignoriere ich das meiste
Bis auf gelegentliche Funde
Im Antiquariat oder mal 
Auf Flohmärkten um

Alte Schätze zu bergen
Muss nicht alles haben
Sondern wähle genau aus
Mit welchen Büchern ich lebe 

Denn das große Glück an einer
Bibliothek ist sie formt sich mit
Der Zeit nach ihrem Bewohner
Gleich Prometheus lebe ich

In meiner Bücherwelt frei
Geformt nach meinem Bilde
Götter nicht zu achten in
Einem Haus das Menschen

Gebaut auch ohne jeden Gott
In einer Wohnung mit einer
Bibliothek um deren Inhalt
Nur kluge Köpfe mich beneiden

Liege zwischen schönen Bänden
Vor meinem elektrischen Kamin
Dessen Glut nichts höheres braucht
Zufrieden mit begrenzter Natur

In meiner erlesenen Welt ist
Versammelt was ich liebe
Hierher kommt nur was auch
Zu mir als Lektüre passt

jens tuengerthal 27.10.26

Lektürentagebuch 26.10.26

Lektürentagebuch 26.10.26

In der Nacht bis zum frühen Morgen
Wieder Johann Karl Wezel gelesen
Wo in Hermann und Ulrike besonders
Dramatische Briefe getauscht werden

In einem Brief den sie noch nicht über 
Ihren Boten vor dem Fenster an ihn
Gesandt hat überlegt sie noch wie ihr
Die Tante die Gräfin dringend rät allen 

Kontakt abzubrechen um dann in
Reaktion auf seinen Brief wiederum 
Das Gegenteil zu wollen und lieber
Mit ihm auf der Straße leben will

Als je diese Liebe aufzugeben ist
Wechselhaft und doch ganz sicher
Wie sie mit ihren jungen 17 im
Nächsten Brief ihm versichert

Beide Briefe bekommt er zusammen
Mit noch einem dazu zeigen sie das
Wechselhafte heiße Temperament 
Seiner wunderbaren Ulrike deutlich 

Zugleich erzählt sie wie ihre Tante
Die garstige Alte seine Briefe fand
Die sie hinter der Tapete versteckte
Sie noch strenger nun überwachte 

Er könne und brauche darum nicht
Mehr an sie zu schreiben aber sie
Würde bei nächster Gelegenheit
Fliehen um ihr Geld mit ihm zu teilen

Eine Stelle an der heute wohl jeder
Stockte und vor Betrug warnte aber 
In Romanen ist ja erlaubt was gefällt
Also auch das Vermögen zu teilen

Um so die künftige Liebe wie ein
Leben miteinander zu finanzieren 
Die Familiengründung zu planen
Was gerne auf die erste Lust folgt 

Zum Sex kommen sie immer noch
Nicht aber für die Folgen und ihr
Gemeinsames Leben planen sie 
Schon was sehr vernünftig klingt

Die Realität zeigt meist das Gegenteil
Mit oft gravierenden Folgen die so 
Selten noch erfreulich enden dafür
Macht der Liebesroman es umgekehrt 

Vielleicht spiegelt das auch zu gut
Den Geist der Aufklärung wieder
Der zwischen den Zeilen schwebt
Auch wenn manchmal unsichtbar


Mit dem bekannten Büchner Zitat
Friede den Hütten Feuer den Palästen 
Aus dem Hessischen Landboten 
Beginnt der nächste Abschnitt von 

Dreihundert Männer dem Band den 
Konstantin Richter über Aufstieg und
Untergang der Deutschland AG
Schrieb und in dem er global denkt

Wie dachten die großen Industriellen 
Wollten sie den Adel imitieren sich
Wirklich Paläste bauen oder blieben
Sie wenn auch wohlhabend bürgerlich

Beides kam wohl vor auch wenn die
Erinnerung an die eigene Herkunft
Noch großgeschrieben wurde blieb
Mancher sparsam und bescheiden

Von den Villen kommt er wieder zu
Den Hütten und der katastrophalen
Lage der Arbeiter und von da zu
Lasalle und Liebknecht wie der

Spaltung der Bewegung in die eher
Gemäßigten Lasellaner und die dafür 
Marxistischen Eisenacher zu denen
Bebel und Liebknecht gehörten 

Diese Spaltung ist bis heute weder
In der SPD noch in der sogenannten
Linken der Nachfolgerin der SED mit
Vernunft kritisch überwunden worden

Vermutlich wird ihre koalitionäre nun
Verbindung gegen das Kapital in
Berlin die Deutschen noch teuer zu
Stehen kommen aber egal soweit

Bebel zitiert Büchner nun riskant
Im preußischen Landtag was den
Zorn von Bismarck erregt der ihn 
Auf der Hubertusburg in Sachsen

Internieren ließ wo er aber mit seinem
Zellennachbarn Liebknecht dafür im
Garten Radieschen anbauen durfte 
Die aber wohl nicht gut gediehen

Ob das auch für den Sozialismus
Der beiden gemeinsames Kind bis
Heute gelten muss ist auch vielen
Scheinbar noch relativ unklar

Dafür stritten Otto und Daimler weiter
Wurden dafür auch ermahnt was die
Entwicklung nur geringfügig verzögert
Sie sollen künftig koordiniert arbeiten 

Nun verzockt sich die Deutsche 
Bank in Montevideo wie in Asien aber
Verdient gut an deutschen Sparern
Was sie schon häufiger verkannte 

Werner Siemens soll in der Akademie
Der Wissenschaften geehrt werden 
Als Reuters den Untergang eines 
Schiffs zum Kabellegen meldet 

An Bord war sein Bruder er erträgt
Die Ehrung eher aber am nächsten
Tag war es nur eine Ente und sie
Waren nur im Nebel verschwunden

Das mit dem Überseekabel bleibt
Schwierig auch als Werner Siemens
Es persönlich beaufsichtigt der Autor
Zitiert dazu abgewandelt Oscar Wilde

Im November 1874 ist auch noch von 
Der Vollendung der Götterdämmerung 
Durch Richard Wagner zu berichten
Der 26 Jahre am Ring gearbeitet hat

Wie Bernhard Shaw bereits in der
Premiere die Kapitalismuskritik sah
Die andere noch lange übersahen
Lieber Germanenkult betrieben

So wandelt sich das Wagnerbild
Zwischendurch war auch Hitler
Gern gesehener Gast am Hügel
Heute trifft Weidel den Milch Müller


Für einen kurzen Abschnitt noch
Zu Egon Friedell der in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit von
Insularer Philosophie auf dem 

Kontinent Europa mit Humor aber
Großer Kenntnis und Tiefe wieder
Berichtet unter der Überschrift
Montesquieu und Vauvenargues

Erzählt vom Geist der Gesetze wie
Dem feinen Humor Montesquieus
Aber schwärmt noch mehr vom zu
Früh gestorbenen Marquis des

Vauvenargues von dem Voltaire
Sagte hätte dieser früher gelebt 
Wie er ihn vorher gekannt hätte er
Seine Romane anders geschrieben

Dieser enorme kulturhistorische
Einfluss wird auch im Detail noch mit
Feiner Ironie von Friedell gezeigt da
Neben Voltaire alle Sterne verblassen

jens tuengerthal 26.10.26

Aberglaubensbefreiungsfront

Aberglaubensbefreiungsfront

Tötet alle Götter
Die es nicht gibt 
Wenn nicht mehr ist
Was es nie gab
Macht das nichts
Aber befreit euch
Vom Aberglauben

Ist das Motto der anarchischen
Aberglaubensbefreiungsfront

Immer noch gibt es Menschen die
An höhere Wesen glauben als
Lebten wir nicht 300 Jahre nach
Der Aufklärung die uns aus der
Selbstverschuldeten Unmündigkeit 
Befreite durch nichts als Natur
Über und außer der nichts ist
Wie schon Epikur vor Christus lehrte
Die kritisch denken und prüfen
Lässt was vorher nur geglaubt
Noch steht in der Verfassung
In der Präambel sogar die
Verantwortung vor Gott geschrieben
Also einem höheren Wesen dessen
Existenz der Aberglaube behauptet
Das durch nichts beweisbar ist
Darum ist es nun dringend Zeit
Die Menschheit durch Aufklärung
Vom lächerlichen Aberglauben
Egal wo auf der Welt zu befreien
Weil Glaube nur unfrei macht
Das mündige Denken was aber
Die Verfassung voraussetzt
Grundsätzlich infrage stellt darum
Soll die Aberglaubensbefreiungsfront
Uns von all diesen Ballast befreien 
Damit Menschen auch wirklich
Aufgeklärt leben können sofern
Es ihnen dafür nicht wie Kant so
Treffend formulierte am nötigen
Verstand mangelt sie also einfach
Zu blöd sind zu erkennen warum
Der staatliche Laizismus notfalls
Mit Gewalt realisiert werden muss
Sofern es irgendwen auch nur 
Kritisch denken lehren würde
Was Hauptfach werden sollte 
An allen Schulen aber leider
Nichts an der nötigen Mündigkeit
Die kritisches Denken erst ermöglicht
Ändern wird und wo diese fehlt
Leute weiter lieber zu Heiligen 
Beten sich gen Mekka verneigen 
Anderen albernen Kult praktizieren 
Ist die Aberglaubensbefreiungsfront
Verlorene Liebesmüh weil kritisch
Denken kann nur wer sich befreit 
Über ausreichend Verstand verfügt 
Den Zusammenhang zu erkennen
Bis dies für mehr als ein halbes
Promille nachweisbar ist kann 
Die befreite Aufklärung sich alle
Mühe vermutlich sparen und lieber
Kluge Bücher lesen anstatt denen
Die es nicht begreifen wollen oder
Vermutlich können von der Freiheit
Die Aufklärung uns allen schenkt
Warum Kant ein Anarchisten war
Etwas zu erzählen weil sie es ohne 
Eigenes kritisches Denken nie 
Verstehen werden und also ist
Schweigen bis sie dich fragen
Warum du keine Angst vor dem Tod
Hast noch wer deine Freiheit je
Beschränken kann und warum
Alle Staaten lächerlich sind
Das Gebot der Stunde
Und also schweige ich und die
Aberglaubensbefreiungsfront
Bleibt ein bloßer Traum

jens tuengerthal 27.10.26

Montag, 26. Oktober 2026

Vitamingabe

Vitamingabe

Manche Menschen meinen
Wir bräuchten Vitamine noch
Zusätzlich zur Ernährung um
Länger am Leben zu bleiben

Dieser Aberglaube begründet sich
Wie jener an Heilige oder Götter
Aus der Natur aus sich selbst aber
Im naturwissenschaftlichen Gewand

Wie jeder gute Glaube kann dieser
Berge versetzen und Meere teilen
Allerdings glauben es bei Vitaminen
Anhänger als wissenschaftlich real

Dabei unterscheidet sich der Glaube 
In seiner Seriosität nicht von den der
Impfgegner an Chips von Bill Gates
Nur sein Markt ist noch größer

Ob ich nicht glauben würde dass 
Vitamine helfen würden werde ich
Von entstetzten Gläubigen gefragt 
Natürlich soweit Natur sage ich dann

Zitiere dazu gerne meinen Vater der
Als guter Arzt und Wissenschaftler
Vitamingabe für Humbug erklärte
Nur durch Nahrung ginge es gut

Die isolierten Vitamine hielt er
Sogar für eher karzinogen weil
Sie in der Natur nicht vorkämen
Er starb am Herzschlag mit 83

Was weder das Gegenteil belegt
Noch für Vitamine spricht ihm aber
Manches noch ersparte was uns 
In dunklen Zeiten noch bevorstand 

Ob gehen besser ist als bleiben
Muss jeder für sich entscheiden
Auch wenn jede zweifelt gilt dies
Nichts ist immer weniger als etwas

Nur den Glauben Glauben zu nennen
Statt ihn für Wissenschaft zu halten
Täte in vielen Fällen besser denn so
Können Vitamine Berge versetzen

Ob es damit zu einer Herrschaft der
Vernunft über die Dummheit des
Aberglauben der jeder Glaube ist
Noch kommt bleibt weiter unklar

So fragwürdig jede Herrschaft ist
Die Macht ausüben will über andere
So sicher ist doch immer noch die
Menschliche Dummheit fast aller 

Ob also kommende Generationen
Die es besser wissen könnten einen
Neuen Aberglauben erfinden oder
Aufgeklärt kritisch denken ist unklar

So wird es mit den Vitaminen wohl
Ewig weitergehen und besonders
Schwört unter den Freundinnen eine
Impfgegnerin natürlich auf diese

Und wer nun meint mit dem doch 
Sicheren Untergang der Menschheit 
Stürbe auch die Dummheit aus so
Lebt auch dieser Irrtum wohl weiter

jens tuengerthal 26.10.26

Gutgewinnt

Gutgewinnt 

Die Guten gewinnen wieder
Demokratische Wahlen was
In Brasilien wie Serbien schon
In der Nacht jubeln ließ
Verbreitet sich als gute Nachricht
Lässt Menschen endlich nach
Dunklen Zeiten unter der
Herrschaft der Mafia wie
Verbrechern vom Clan
Trump oder Putin wieder
Gewählte Freiheit bejubeln
Das ist einfach wunderbar
Sich an dieser Hoffnung
In dunklen Zeiten zu freuen
Ist noch ein kleines Licht
Gegen die Weltmächte
Aber das Märchen der Welt
Kann erst enden wenn die 
Guten gewonnen haben
Hoffen wir weiter denn 
Manchmal hilft es damit
Am Ende Gut gewinnt

jens tuengerthal 26.10.26