Sonntag, 12. Juli 2026

Lektürentagebuch 12.7.26

Lektürentagebuch 12.7.26

Harry Graf Kessler setzt seine sehr
Persönlichen Erinnerungen mit denen
Seiner Mutter an den Kaiser welcher
Wilhelm I war fort was gut ordnet 

Zwar klingt es zunächst wie Bunte
Wenn verständnisvoll von der großen
Liebe des Kaisers erzählt wird einer
Bildschönen Prinzessin Radziwill die

Wilhelm da sie nicht standesgemäß
Aus keinem regierendem Haus kam 
Nicht heiraten durfte und stattdessen
Eine Augusta von Sachsen-Weimar

Gezwungenermaßen heiratete die auf
Den Knien Goethes groß wurde aber
Doch in der Erinnerung seiner Mutter
Blass alt und tratschig nur war über

Ihre entzückenden Pariser Kleider
Nur redete dies so ausführlich dabei
Dass jedes weitere Wort entbehrlich
Nach der Etikette deutlich verdeckte 

Erzählt so viel von Wilhelm der sich
Der Form halber alles verkniff aber 
Doch gerne unterhalten und dazu 
Noch abgelenkt wurde auf viele Art

Detailliert wird von französischen
Theaterstücken berichtet die bei der
Gräfin Lehndorff-Steinort im Salon 
In Bad Gastein gespielt wurden

Von der Mühsal eines Grafen Bülow
Den amüsierten Bemerkungen des
Kaisers dazu teils auf französisch 
Ohne seine Mutter zu erwähnen

Was unnötig ist weil er ihren Bericht 
Wiedergibt und sie erzählen lässt
Aber dennoch viel sagt wenn wir das
Gerücht dabei nicht ignorieren

Er wird vermutlich nie direkt etwas
Von dieser Liaison sagen aber wie
Der Kaiser sogleich entflammt war
Sich dies indirekt wieder bestätigte

Ist schon mehr als nur Andeutung
Natürlich spielte sein Vater wie die
Mutter Rollen in dem Stück bei den
Lehndorffs wo gut geputzt wurde 

Lehndorff-Steinort spielte nach dem
Tod von Kessler eine große Rolle im
Zweiten Weltkrieg hier nebenan war
Die Wolfsschanze das Hauptquartier

In Steinort war Ribbentrop einquartiert 
Lehndorff war im Widerstand um den
Grafen Stauffenberg nicht umsonst
War die Wolfsschanze der Ort an dem

Das Attentat geplant und versucht war
Diese Lehndorff-Steinort in deren 
Salon das Theater stattfand war die
Schwägerin des kaiserl Adjutanten 

Ein älterer Bülow bemüht sich zur
Unterhaltung des Kaisers ein jüngerer
Der Reichskanzler später wird gilt als
Unangenehmer Charakter wir sind

Auch wenn in Ems oder Gastein doch
Am preußischen Hof und dann kommt
Noch die österreichische Kaiserin was
Damals Sissi war in den Erinnerungen

Seiner Mutter hier vor und ihr ganzer
Auftritt groß schlank mit schwarz gold
In den Farben ihres Landes wie der
Kaiser ihr den Vortritt noch gibt

Das scheinen auf den ersten Blick
Geschichten noch aus einer anderen 
Welt von Adel Hof und Tratsch doch
Erzählt Kessler hier indirekt mehr

Woher sollte seine Mutter wenn sie
Nur eine hübsche Bekannte aus der
Kur war mit solcher Gewissheit vom
Emotionalen Leid Wilhelms wissen 

Kessler sagt es nicht und widerspricht
Öffentlich laut allen Gerüchten aber
Erzählt ganz im geheimen viel mehr
Als jede nur Behauptung belegte

Damit zeigt der rote Graf sich als
Ein genauer Kenner der höfischen
Sitten die manches nie aussprechen 
Dafür indirekt überdeutlich machen

Denke an meine liebe Freundin
Die auch preußische Prinzessin
Unsere Großmütter kannten sich
Aus Bremen noch lang ist es her

Über zwanzig Jahre vermutlich 
Die Ehen der Preußen darüber
Ließen sich viele Geschichten
Schreiben wie über die Liebe

Als meine Mutter noch Tanzstunde
Mit den Prinzen hatte aber ihre Mutter
Ihr vorher schon sagte lass die Finger
Von den Prinzen die haben ein uraltes 

Hausgesetz das stärker ist als alle
Gefühle über das sich die Mutter 
Der Freundin hinweggesetzt hatte
Was noch für viel Ärger sorgte 

Gute Partie schlechte Partie
Alter Name große Familie aber 
Einsam real ist manches viel
Weniger glänzend als es scheint

Belasse es wie der Graf hier bei
Bloß anonymen Andeutungen die
Lesen kann wer die Beteiligten kennt
Geschichte kommt manchmal nah

Noch auf einige Seiten in den feinen 
Wie komischen Lebenslauf des
Heiligen Wonnebald Pück bei Ricarda Huch getaucht und herzlich gelacht

Zunächst erfahren wir wie Wonnebald
Bei den älteren Stiftsdamen in der
Umgebung seines neuen Bistums
Erregte Begeisterung bald auslöst

Wie er sich auch um diese Damen
Noch kümmert was ihn Lux zwar
Nicht vergessen aber zumindest
Zeitweise üppig ersetzen lässt

Dann gibt es neue Details aus dem
Leben des Maulwurfjägers wie auch
Schwiegervaters Christoph Bernkule
Der Schwänze abliefern muss um

Seine erfolgreiche Jagd zu beweisen
Wie sie einen fangen aber das junge 
Mädchen darob schrecklich weint 
Auch als der ein Grab dann bekommt

Sich nicht wieder beruhigen kann
Bis der lachende Großvater hier
Aufdeckt dass er die meisten der
Maulwurfsschwänze selbst bastelt 

Weil was zu fangen ist nicht reicht
Eine Familie zu ernähren so immer
Eine Zahl Maulwürfe bliebe die aber
Schädliche Insekten fressen würden

Wie diese Betrug der Behörden zum
Zerwürfnis mit dem Sohn führte der
Immer aufrecht sein wollte aber das
Gegenteil bei Wildererjagd erreichte

Wo der Mensch das Gleichgewicht
Der Natur stört ergab dies selten je
Gutes denke ich dabei lächelnd so
Werden halt Schwänze gebastelt

Mit feiner Ironie auf den Staat wie die
Vielen nutzlosen Beschäftigungen der
Zu viele nachgehen müssen schreibt 
Ricarda Huch hier und lässt lachen

Zum weinen traurig ist es eigentlich
Heute beschäftigen Job-Center eine
Ganze Industrie mit Dingen denen
Verglichen die selbst gebastelten 

Maulwurfsschwänze noch als eine
Höchst sinnvolle Tätigkeit scheinen
Warum die Umgehung des Staates
Wieder viel wichtiger künftig wird 

jens tuengerthal 12.7.26


Besonderheit

Besonderheit

Etwas besonderes zu sein
Für jemanden ist traumhaft
Besonders zu werden sollte
Daher erstrebenswert sein

Auch wenn alle gerne in ihren 
Yoga Kursen ihre Individualität
Noch ganz gelenkig zeigen ist
Die indische Sekte bestenfalls

Noch durchschnittlich wenn nicht
Ein Element kollektiver Verblödung
Bei der das kritische Denken endet 
Für erfundene seelische Gesundheit

Eine meiner wunderbaren Schwestern
Leitet eine Sonderschule sie sagt von
Sich sie unterrichtet besondere Kinder
Danach ist Behinderung besonders 

Zumindest unterscheidet sie vom nur
Durchschnitt was mich daran hindert
Wie alle zu sein macht besonders
Definiert Qualitäten dabei ganz neu

Spät erst erfuhr ich von meinen 
Geistigen Behinderungen die in
Vieler Hinsicht offensichtlich waren
Bevor ich es benennen konnte 

Die andere wunderbare Schwester 
Welche in Weichwaren für unsere
Rechenmaschinen macht ist dabei
Erfolgreich auch mit ADHS was 

Unsere Familie vom Vater erbte 
Der es nie so nannte nur eben
Besonders und anders als alle war
Dabei genial wenigen verständlich

Bin auch so ein spezieller Fall
Passe in kein Schema hinein
Manchmal genial aber immer
Zuverlässig chaotisch dabei

Besonderheiten zu erkennen
Sein Wesen individualisieren
Damit leben besonders zu sein
Könnte besser tun als Anpassung

Ob Akzeptanz meiner eigenen
Behinderung also Besonderheit
Doch wieder nur Anpassung an
Schemen des Durchschnitts ist

Könnte dabei fraglich scheinen
Oder auch dahinstehen denn was
Verständnis erhöht tut auch gut
Damit ist es für mich gut

jens tuengerthal 12.7.26

Luftoffen

Luftoffen

Offene Luft heißt auf englisch
Open Air aber meint meist ein 
Gedränge im Gelände nur bei
Dem Berauschte vor Dixie Klos
Schlange stehen welche helfen
Die dicke Luft noch schlechter
Zu machen dennoch gelten solche
Events als hipp und ziehen Massen an
Die schon beim Gedanken daran
Eher mir die Luft rauben was
Immer sie sich davon erhoffen 
Die Klangqualität ist bescheiden
Jedes Telefon liefert besseren Sound
Mobile Boxen liefern es überall besser
Als die sogenannte Live Performance 
Dazu bezahlen viele sehr viel Geld
Um schlecht zu sehen und zu sitzen
Sich in Massen zu drängen wie all
Die anderen Idioten dort auch und
Sehen mehr Hinterköpfe als Kunst
Es ist der Kult des Happening bei
Dem sie dabei für viel Geld alles
Schlechte ganz großartig finden
Als würde die freie Luft verblöden
Zahlen sie für solchen Wahnsinn
Der in Berlin viele Bühnen hat
Noch Unsummen wie beim Fußball
Inzwischen meist nur oder doch
Zumindest am meisten dabei
Den Telefonbildschirm derjenigen
Vor sich ganz scharf zu sehen
Geben Geld aus um sich zu
Drängen in Massen die sie
Nicht aussuchen können mit
Denen sie nur Tickets teilen
Sind wohl alle verrückt dabei
Denke ich der das nie täte
Damit aber die Ausnahme ist
Lieber seine Ruhe genießt
Statt in schwitzender Masse 
Für ein Ticket viele Bücher
Sich kaufen könnte die ein
Leben bei mir bleiben statt
Wie ein Happening zu verhallen
Hätte ich nicht längst genug
Habe gern ein Dach über mir 
Ruhe zum Lesen ist mir viel
Wichtiger als Open Air Irrsinn
Wer immer hier wahnsinnig ist

jens tuengerthal 12.7.26

Sonntagsruhe

Sonntagsruhe

Die Sonntagsruhe ist geschützt
So muss büßen wer sie nicht hält
Mit dann Bußgeld wird bestraft
Wer störende Geräusche macht

Erlaubt sind nur leise Tätigkeiten
Wie Lesen Spazierengehen oder
Leider auch Fernsehen aber bitte
Nur bei Zimmerlautstärke dagegen

Ausdrücklich verboten ist am
Sonntag Hämmern Bohren lautes 
Staubsaugen was fragt was denn 
Leises Saugen überhaupt sein soll

Ob wer dabei noch an sonstige
Orale Vergnügen denkt im Sinne
Des Sonntags handelt ist nicht gewiss
Strohhalme sind wohl noch erlaubt

Rasenmäher Laubbläser Motorsägen
Sind sonntags völlig tabu einzig noch
Erlaubt wären leise Tätigkeiten auf 
Dem Balkon oder im Garten

Nehmen wir das ernst sollen Gärten
Nur noch Rentner haben die auch
Sonst genug Zeit haben für Lärm 
Aber bitte nicht sonntags was dann

Die beschäftigungslosen Rentner
In der Nachbarschaft überwachen 
In ihrem Wesen wohl auch liegt und
So ist für alle im Land gut gesorgt 

Die Sonntagsruhe gilt übrigens von 
Sonntag Mitternacht bis Mitternacht
Danach gilt die relative Nachtruhe
Was in Berlin wenige nur kümmert

Zumindest im städtischen Zentrum
Anders dagegen mag es noch am
Dörflichen Rand sein den darum
Viele als Oase der Ruhe bevorzugen

Die dann um Lärm zu machen gen
Mitte kommen und dennoch auch
Darum als Provinz erkennbar sind
In den vielen Dörfern Berlins 

Für Leser ist was gilt ein Paradies
Den Gärtnern eher ein Graus dann
Gelten Ausnahmen für den Tourismus
Wie lokale Sonderregelungen auch

So ist Sonntagsarbeit untersagt außer
In notwendigen Ausnahmefällen wozu
Scheinbar die Gastronomie auch zählt
Die damit ein Geschäft noch macht

Alle Stasi-Mitarbeiter die gerne auch
Die Nachbarn bewachen und verraten
Haben in Deutschland so eine Heimat
Dabei will sie doch keiner mehr hier

Verrat wird zum Volkssport gemacht 
Um den Sonntag zu schützen der nur
Den Kirchen noch heilig war was ein
Unsinn des Aberglaubens wäre

Doch auch der Sozialismus kannte 
Die Sonntagsruhe war sogar noch
Strenger mit touristischen Ausnahmen
Die Nachfrage hielt sich in Grenzen

Dies weil wir auf Arbeitstage folgend
Auch Ruhetage brauchen nach der
Natur uns nicht zu sehr zu erschöpfen 
Also wäre weniger immer mehr

Finde verordnete Ruhe schrecklich
Wie immer was alle tun sollen mir 
Ein Graus war vor dem ich fliehe 
Um Ruhe vor der Masse zu haben 

Dennoch liebe ich ruhige Sonntage 
Will auch nichts unternehmen da um
Sich noch abzulenken habe doch eine
Bibliothek voll schönster Ablenkungen

Würden Menschen weniger tun dafür
Mehr in Ruhe lesen täte das dem
Klima noch immer viel besser als
Alle halbherzigen Rettungsversuche

Werdet doch alle friedliche Leser
Es machte die Welt viel schöner
Denke ich und lasse alle Tage gern
Sonntag sein nur ohne Verbote 

jens tuengerthal 12.6.26

Nachttrunken

Nachttrunken 

Lustig ist es in der späten Nacht
In der Bar nüchtern zwischen lauter
Trunkenen Stammgästen oberhalb
In der Flaneurloge zu sitzen um den
Anderen zu lauschen die Unsinn sich
Erzählen wie darum konkurrieren wer
Den größten Blödsinn erzählen kann 
Nur das Barpersonal ist noch relativ
Nüchtern aber es zeigt sich hier dass 
Die Nacht nicht alles klarer macht
Nur über das gerade Fußballspiel 
Von Argentinien Schweiz wird noch
Relativ nüchtern debattiert während
Einer noch Geld holen geht raucht
Ein Nüchterner ausnahmsweise damit
Zumindest die Summe aller Laster 
So konstant bleibt wie der Pegel
Der anderen inzwischen hier ist
Was ein relatives Gleichgewicht
Unter den Gewichtigen herstellt
Bald wird es schon wieder hell

jens tuengerthal 12.7.26

Matchadanach

Matchadanach

Auf einen alkoholfreien Matcha-Drink
Noch ins Crossroads gegangen nach
Dem England Norwegen 2:1 leider
Geschlagen hat wie ich am Platz sah 

Dadurch spät angekommen doch 
Tino Mo und Volker waren noch da
Oben saß noch eine kleine junge 
Gemischte Gruppe unten noch sechs

Draußen zu später Stunde noch drei
Herren eine Dame brachte für Mo
Zwei Hemden und trinkt jetzt was
Im Gespräch mit einem Schauspieler

Zwei Damen am Stehtisch an der
Wand sind im Gespräch bei sich
Volker erzählt von seiner Punkzeit
Um zu erklären warum er niemals

ABBA hören würde zwischendurch
Erzählt er mir noch dass er nächste
Woche seine Mutter besucht nun
Bekommt er seinen Schlaf-Drink

Genieße den grünen Drink in der
Flaneurloge und lausche den hier 
Aufregenden Gesprächen doch noch
Kommt kein ABBA und Mo räumt auf 

jens tuengerthal 12.6.26

Samstag, 11. Juli 2026

Lektürentagebuch 11.7.26

Lektürentagebuch 11.7.26

Herrlich plaudert Harry Graf Kessler
Über die Familie seines Vaters in den
Erinnerungen eines Europäers dem
Buch über seine eigene Kindheit

Die Familie kam ursprünglich aus 
Sankt Gallen einer der Vorfahren
War ein Reformator der noch bei
Luther studierte ein andere war

Lehrer des der Reformation nächsten
Habsburgers Maximilian II um dann 
Auf seinen Vater zu kommen der als
Ständig in Bewegung befindliches 

Ideal vom Sohn beschrieben wird
Der auch die notwendige Strenge
Walten ließ mit der er Harry Essen 
Was er nicht aufaß wieder servierte 

Dies grausame Spiel konnte so lange
Gehen bis er gehorchte worüber sich
Harry nicht weiter erregt es eher gut
Wie menschlich normal auch findet 

Da haben sich heute Anschauungen 
Gewandelt ob immer zum Glück
Würden einige vermutlich streiten
Harry ist da eher zurückhaltend

Sehr anschaulich auch beschreibt er
Die Kur der Eltern jeden Sommer in
Bad Ems und lässt die Mutter dabei 
Beschreiben wie Kaiser Wilhelm sie

Ansprach als der Vater gerade noch
Wasser vom Brunnen holte und wie
Die Freundschaft weiter langsam
Wuchs auch mit den Attachés

Dabei sind Graf Lehndorff und
Fürst Radziwill der Harry in Berlin
Wohl eine Hilfe am Anfang war
Der besonderen Erwähnung ihm wert

Es ist die Zeit vor Beginn des Krieges
Von 1870/71 der rasanten Flucht aus
Ems nach der Kriegserklärung durch 
Den französischen Botschafter dort

Was erstaunt denke ich an die
Emser Depesche von Bismarck
Die dieser aus Bad Kissingen noch
Sandte die Kessler nicht erwähnt

So lässt er seine selbstbewusste 
Mutter die um ihre Schönheit schon
Wusste wie ihre exquisite Pariser Garderobe natürlich beschreiben

Das hat eine gewisse nonchalance 
Sie weiß um ihre Schönheit setzt 
Diese auch bewusst ein tritt in ihrem
Salon als gefeierte Sängerin auf

Gleichzeitig wird sie als eher noch
Schüchtern beschrieben die lieber 
Zurückgezogen mit Büchern lebte
Statt gesellschaftlich zu glänzen 

Den Krieg verbringen sie in England 
Was dem Vater sicherer schien noch
Auf dem Gut eines ihrer Verwandten
Wo es sehr schlossig noch zugeht 

Der Vater leitet derweil wieder sehr
Erfolgreich die Londoner Filiale der
Hamburger Bank deren Anteile er
Schon von seinem Onkel erbte 

Als sie 1873 also nach dem Krieg
Wieder in Bad Ems kurten kam der
Inzwischen Kaiser wieder auf seine
Mutter zu und suchte den Kontakt

Sie zählt dann die Besucher ihres 
Kleinen Salons in Ems auf was sich
Wie ein höfisches Who-is-who liest
Prinz Heinrich Reuß, Grafen Arnim

Metzlers aus Frankfurt mit Töchtern 
Sonstige Grafen und Gräfinnen der
Alte Herr Hofmarschall Perponcher
Die Fürstenbergs Bernhard Bülow 

Jener der später Reichskanzler wurde
Ist intimer Freund des Baron Plessen 
Des besten Freundes ihres Mannes
Der auch über Leichen gehen würde 

Sie beschreibt ihn als herzlos wie
Skrupellos gescheit aber nicht zu sehr
Er war mittelgroß und sehr blond bis 
Zu den Augenbrauen mit völlig

Ausdruckslosen wässrigblauen Augen 
Sah uninteressant wie charakterlos 
Zugleich aus dagegen war Plessen
Auffallend intelligent und dunkelblond 

Enge Beziehungen hatten sie auch
Zur Familie Battenberg die in England
Später Mountbatten wurden damals
Großherzoglich hessisch auch waren 

Deren Aufstieg begann damals der 
Sie bald in europäischer Politik in den
Vordergrund bringen sollte dabei hat 
Seine Mutter mit Prinz Alexander von

Hessen vierhändig gespielt und ich
Denke an meine Großmutter die noch
Mit Prinz Louis Ferdinand in Bremen
Bridge und vierhändig auch spielte 

Aus dessen morganatischer Ehe 
Wiederum die Battenbergs als
Nachfahren einer Gräfin Hauke der
Morganatischen Gattin Alexanders 

Eine süße Geschichte erzählt sie
Noch als sie im Regen nach Hause
Kam von der Promenade ihre Zofe rief
Weil der Salon schon gut gefüllt war

Kamen ihr Mann und Prinz Heinrich
Ersterer mit einer Tasse Tee der
Letztere mit ihren Pantoffeln aus 
Ihrem Schlafzimmer angelaufen

Im Halbdunkel verwirrt stellte sie
Dem Prinzen Heinrich die Tasse
Auf den Kopf und meinte er solle 
Stillhalten ihn für einen Diener haltend 

Das ganze gab großes Gelächter
Bei der Aufklärung passte aber zu
Dem was seine Mutter schon vom
Prinzen Heinrich Battenberg schrieb

Der damals schon verklärte Kaiser 
Vom Alter der Großvater der Mutter
Knüpfte ein enges Verhältnis zu ihr
Um das sich Legenden rankten

Der Kaiser nannte seine Mutter
Sottichen nach einem von ihm
Erfundenen Spitznamen sie redeten
Dabei kaum über Politik je

Dafür um so mehr über Menschen
Etwa seine Mutter die schöne Königin
Louise er liebte wohl die Frauen aber
Sie hätte ihn nur im Alter gekannt

Da wäre er seiner Frau treu geblieben
Berichtet seine Mutter deren Bild noch
Lange nach seinem Tod auf dem
Schreibtisch Unter den Linden stand

Zu mehr lässt sich Harry Kessler noch
Nicht hinreißen zitiert darum ganz
Offiziell formell auch aus den 
Erinnerungen seiner Mutter

Eine gute Gelegenheit hier eine
Lesepause einzulegen um noch
Kleinigkeiten zum Spätstück um
Kurz vor acht nun einzukaufen

jens tuengerthal 11.7.26

Geruhsam

Geruhsam

Ganz geruhsam kann es
In Zukunft überall zugehen
Wenn wir endlich begreifen
Wachstum und Konkurrenz

Sind vorbei und von gestern 
Gefragt ist nachhaltige Kooperation
Mit der sich älter werdende
Gesellschaften versorgen

Ohne Kinder weil die keiner
In Zukunft mehr braucht wenn 
Schrumpfen unser Ziel ist um
Platz für alle wieder zu haben

Erledigen sich Reichtum und Erbe
Alles fällt wieder allen zu auch ohne
Ideologischen Sozialismus einfach
Der Vernunft der Natur folgend 

Eigentum kann Diebstahl sein ohne 
Um seines kleinlich zu fürchten und
Keiner muss keinen mehr bescheißen
Was dann guter Deal genannt wird

Eine so gute Welt ist möglich auch
Wenn nur ohne Trump Thiel Musk 
Die auch irgendwann sterben sonst
Wird der Natur dabei eben geholfen 

Gehen wir es geruhsam nun an
Wie Rentner statt hektisch immer
Neues und anderes zu wollen tut 
Dies der Erde auch viel besser

jens tuengerthal 11.7.26

Fußballideologie

Fußballideologie

Fußball wird gerne mit Ideologie
Noch verknüpft was sich an den 
Rassistischen Ausfällen mancher
Verlierer auch jetzt wieder zeigt

Diese WM darfst du eigentlich
Keine Freude am Fußball haben
Weil Trump ein faschistischer Diktator 
Sie als seine Spiele verkauft

Zugegeben fällt mir die politisch 
Korrekte Ignoranz viel leichter
Seit Deutschland ausgeschieden ist
Doch bin ich ja Europäer wie dazu

Nachfahre des fränkischen Reichs
Karl der Große und so ihr wisst schon
Darum war ich gestern für Frankreich
Marokko sind Nachfahren der Mauren

Die einst Spanien besetzten als es
Noch kultiviert und tolerant war nicht
Links wie rechts antisemitisch warum
Montaignes Vorfahren von da flohen

Als es angeblich einmal befreit warum
Es ein leichtes ist im Halbfinale für 
Frankreich gegen Spanien zu sein
Auch wenn beide Europa doch sind

Heute Abend dann wieder es schwer
Bin von Kindesbeinen an durch die
Großmutter und Mutter anglophil aber
Doch bitte nicht beim Fußball

Kane oder Haaland deutscher Trainer
Oder Wikinger Außenseiter wird es
Schlacht der Normannen um England
Was einfach nur Fußball doch ist 

Da laufen 22 Jungens einem Ball mit
Mehr oder weniger Talent hinterher 
Völlig egal wer da gewinnt denk ich
Mit Vernunft ohne Leidenschaft

Aber wen interessiert noch Fußball
Ohne Leidenschaft ganz vernünftig 
Lese ich lieber ein gutes Buch egal
Wer welches Spiel dabei gewinnt

Das nationale Denken ist völlig
Lächerlich wie alle Wettbewerbe
Jede Konkurrenz ist peinlich aber
Spaß soll es auch schon sein

Weiß ehrlich gesagt noch nicht
Was ich davon halten soll und
Ignoriere es sehr aufmerksam
Mit weniger Ideologie hoffentlich

jens tuengerthal 11.7.26

Tagundnachtliebe

Tagundnachtliebe

Liebe die Nacht weil sie Gedanken
Unabgelenkt Freiheit dann schenkt 
Aber liebe auch den frühen Morgen
Wenn das Licht sich Bahn bricht was
Nach durchwachter Nacht schön ist
Zu schlafen liebe ich auch sehr um
Erholt verträumt zu erwachen wenn
Der Körper genug davon hat doch 
Wie beides zu vereinbaren ist bleibt
Hier leider noch offen frage mich nur
Ob Vormittage nicht völlig überschätzt
Werden im öffentlichen Ansehen 
Verglichen mit Nacht und Morgen
Diese eher langweiliger Zeit welche
Die meisten nur hinter sich bringen
Nicht besser verschlafen würde um
Der Liebe zum Rest freier zu folgen
Was auch den Vorteil hätte weniger
Gewöhnliche Menschen zu treffen
Die bloß mit der Zeit gehen statt sie
Nach Laune zu gestalten weil nichts
Muss aber alles kann wann es will 
Vielleicht lohnt es sich freier mit
Der Zeit umzugehen so mehr
Freie Zeit zu finden was sich
Fast wie Freizeit dann anhört
Die denen die ihrer Berufung folgen
Zu jeder Zeit Erfüllung ist
Aber nur der Natur dabei folgt 
Um so mehr Zeit wir uns nehmen
Desto mehr haben wir davon
Während wir diese verlieren 
Wo wir noch etwas zu müssen meinen
Gar am Ende Zeit sparen wollen
Was verlorene Liebesmüh ist
Denke ich in der Nacht und dabei
Noch nicht an den nächsten Tag
Der alleine kommt und geht

jens tuengerthal 11.7.26

Liebeskontinuum

Liebeskontinuum

Bleibt Liebe für immer
Wie wir es uns versprechen
Oder verflüchtigt sie sich
Ganz natürlich wieder

Nutzt die Zeit die Liebe eher ab 
Oder vertieft sie sich mit der Zeit
Ist wohl die große Frage die stets
An den Umständen dabei hängt 

Sind wir glücklich miteinander
Wächst war uns verbindet meist
Wo wir frustriert sind suchen wir
Immer mehr Gründe zu gehen

Wo wir lieber gehen war die Liebe
Wohl eher flüchtig fraglich bleibt
Was sie bleiben lässt um ein 
Geteiltes Kontinuum zu werden

Vermutlich zählt dabei was uns 
Glücklich macht dann wäre das
Glück der Maßstab der Liebe
Diese am Ende Glückssache

Ein Kontinuum aus etwas flüchtigen
Wie dem Glück zu bauen scheint
Riskant wie unzuverlässig darum
Versprechen wir uns das Gegenteil 

Was bleibt war gut und alles andere
Erledigt sich wieder was es mit genug
Abstand leicht erscheinen lässt aber
Leider selten der Realität entspricht

Wer nun seine Liebe festhält sorgt
Dafür dass sie schneller flüchtet
Dennoch tun es die meisten weil wir
Gerne behalten was wir lieben

Wo es dennoch ein Kontinuum gibt
Sollten wir die Chance nutzen und
Die Liebe frei fliegen lassen damit
Sie bleiben kann was selten gelingt 

So träumen wir mehr vom großen 
Kontinuum aber tun dabei alles es
Zu verhindern weil die Liebe nach
Ihrem Wesen seltsam paradox ist

jens tuengerthal 11.7.26