Freitag, 15. Mai 2026

Lektürentagebuch 15.5.26

Lektürentagebuch 15.5.26

Das Kapitel mit dem dritten Brief 
In dem sich noch ein weiterer von
Siri an Pauls Sohn Daniel versteckt
Aus den Ghost Stories gelesen

Hier setzt sich Siri Hustvedt 
Mit ihrem Brief auseinander und
Erläutert die tiefere Bedeutung
Einzelner Stellen daraus fein 

Auch die Geschichte der Konflikte 
Mit Daniel der noch vor Pauls
Erkrankung an Drogen starb die 
Auch sein kleines Kind töteten

Vieles liest sich dabei wie frisch dem
Lehrbuch der Psychoanalyse erst
Entsprungen was eher nervt mit
Schematischer Problemsuche

Die dann nur erwartbare Ergebnisse
Scheinbar logisch schlussfolgert ohne
Zu bedenken dass die behauptete
Natur auf Aberglaube nur beruht 

Unterbewusstsein und eine Seele
Existieren in der Natur natürlich nicht
Sie vorauszusetzen ist ein autoritärer
Glaubenssatz mit fatalen Folgen 

Das alte Problem der Psychoanalyse 
Der Sekte der postreligiösen typisch
New Yorker Intellektuellen und da ist
Siri lesen wie Woody Allen sehen

Nur ist es bei ihr kein Witz sondern
Zorniger Ernst und Verzweiflung die
Auf der Suche nach Antworten ist
Aus einer Welt die ihre Liebe verlor

Eine bekennende Feministin setzt
Sich kritisch mit sich und ihrer auch
Hingebungsvollen Liebe wie ihrer
Neigung zur Entschuldigung weiter

Auseinander könnte es scheinen
So weit so langweilig und bekannt
Doch schafft sie es immer wieder
Den Bericht literarisch zu machen

Zaubert in die erwartungsgemäße
Selbstüberschätzung der Frau die
Sich verkannt und schuldig fühlt
Und dies selbst kritisch nun sieht

Die Geschichte von den zwei
Formen der Liebe wo sich das
Mechanische und das organische
Vom Baum gegenüberstehen

Sie las ein Zitat von Paul das zum
Gedenken seines Todes erschien
In dem er über Liebe als Baum
Spricht und sie wörtlich zitiert

Die kluge Siri die alles ganz
Wissenschaftlich betrachtet
Von ihrem Mann zur Liebe zitiert
Möchte ihn dafür einfach küssen

Jenseits aller Glaubenssätze der
Psychoanalytischen Sekte ist dies
Sprudelnde echte Liebe die das
Eigene Erleben zur Literatur macht

Genau diese Aufhebung der Grenze 
Von einem historischen Erzählen zum
Literatur gewordenen Gefühl kann 
Alle Grenzen geistig aufheben 

Das macht Siri Hustvedt zu einer 
So großartigen wie großen Autorin
Die literarische Freiheit damit auch
Jenseits aller Grenzen neu definiert

Wie sie dann noch das Kompliment
An ihre Tochter Sophie zärtlich als
Die Weise einbaut ist zauberhaft
Lässt Liebe lebendig werden


Wieder nach Tahiti will Cook um
Schiff und Mannschaft zu erholen
Fährt darum nördlichen Kurs statt
Um Kap Hoorn gen Südafrika

Davon erzählt Christian Graf von 
Krockow in seinem großen Traum
Von Bildung schön plaudernd was
Nicht immer historisch stimmig ist

Aber sich nett liest und die guten
Pädagogischen Absichten des Grafen
Deutlich erkennen lässt darum auch
An dieser Stelle verzeihlich ist

Vor Tahiti kommen noch die
Osterinseln und sie bestaunen
Natur wie Kultur erwartungsgemäß
Da sind sie also auch gewesen 

Noch weitere Inseln die schon
Vorher entdeckt waren werden
Eher zufällig gefunden wie neu
Vermessen noch auf dem Weg

Tahiti wird wieder ein Liebestraum
Für Sam Gibson und Georg Forster 
Teilen sich zwei Schwestern die sie
Nach bestem Wissen verwöhnen 

Natürlich gibt es einen kleinen Konflikt
Mit Georgs Vater der sich als Pastor
Über den Hurenbock Sam aufregt
Aber Georg besteht dies entschlossen

Die lustvolle Beschreibung dieser
Nächte mit den Mädchen auf der
Insel wie ein dort noch beobachtetes
Manöver der Marine geben einen 

Guten Eindruck von der Vielfalt dort
Hunderte von Kanus mit weit über
7000 Mann Besatzung zeigen die
Andere Seite des Paradieses auch

Ganze 18 lustvolle Nächte verbringen
Die beiden Wahlbrüder mit ihren so
Zauberhaften Geliebten voller Lust
Sogar mit Cooks Genehmigung

Wie authentisch der Dialog des 
Ehemaligen Straßenjungen Korporal 
Gibson mit Forster über zärtliche Lust
Als echte Liebe war ist ungewiss 

Eher klingt es als würde ein vom
Feminismus geprüfter Mann die
Erotischen Geschichten lieber den
Heutigen Zeiten zu sehr anpassen

Aber selbst wenn das doch eher
Historisch unwahrscheinlich ist
Wird so zumindest auch diesen
Frauen hier Verständnis gezeigt

Einer solchen Verneigung gegenüber
Allen Frauen aber schließe ich mich
Gerne an ohne auf Fakten zu pochen 
Besser sich verständnisvoll zu zeigen

Nach dem zeitgenössischen Geraune
Über die Zeit der Aufklärung nun die
Exakte Einteilung des Rokoko nach
Egon Friedell in dessen grandioser

Kulturgeschichte der Neuzeit der die
Entwicklung von Régence über den
Louis Quinze Stil bis zum danach
Louis Seize kulturhistorisch erläutert

So fragt Friedell ob der Zopf am Ende
Der Epoche als Mode nicht schon
Dessen Altersschwäche erkennen ließ
Ob er überhaupt noch dazu gehört

Herrlich beschreibt Friedell hier die
Erleichterung beim endlich Tod von
Louis les Grand nachdem sich ganz
Paris wieder dem Genuss hingab

So gelangte zunächst als Regent 
Für den noch minderjährigen Urenkel
Den späteren Louis Quinze Herzog
Philipp von Orleans an die Macht

Dieser Sohn der so berühmten 
Lieselotte von der Pfalz die durch ihre
Deftigen Briefe der Nachwelt noch
Bis heute in Erinnerung blieb über

Die Pariser später meinten auf ihrem
Grab stünde hier ruht die Mutter aller 
Laster war eher kein Kostverächter 
Galt eher als echter Wüstling war

Begabt bestechend liebenswürdig
Bei hoher Skepsis und Frivolität
Sah im eigenen Vergnügen die
Richtschnur allen Handelns

Er betrieb mit dem Laster einen 
Eigenen bizarren Kult was echter
Rokoko Stil auch ist wie auch
Zugleich typisch französisch war

Er bezeichnete die Genossen seiner 
Orgien als Galgenvögel und von allen
Lastern Geräderte und das große
Raffinement ihrer Ausschweifungen 

War bewundertes Stadtgespräch in
Paris und zu den fétes d’Adam die in
Saint Cloud veranstaltet wurden auch
Nackt Zutritt zu erhalten war der

Große Ehrgeiz aller Damen der Zeit
Mit seiner Tochter der so schönen
Wie temperamentvollen Herzogin von
Berry Verband ihn lustvolle Liebe 

Doch fand das niemand anstößig 
Wie Inzest in höchsten Kreisen noch
Eher üblich als die Ausnahme war
Die Grenzen waren aufgehoben

Friedell meint es entspreche dem
Greisenhaften Charakter dessen
Wie normal auch Kinderschändung
Im Rokoko noch verbreitet war

Dieses Urteil Friedells der sich
Selbst gerne noch mit zwölfjährigen
Balkanesischen Hürchen vergnügte
Was heute ein Verbrechen wäre

Zeigt wunderbar die Relativität
Aller moralischen Urteile denn 
Wer wagte solches heute noch
Zu denken zu sagen zu tun

Nette Anekdoten werden noch vom 
Betrunkenen Herzog erzählt der sein 
Reich von einer Hure einem Zuhälter
Einem Gauner und einen Besoffenen

Also ihm selbst administriert noch sah 
Verdrängte jedoch die Jesuiten vom 
Hof und tilgte zumindest einen Teil
Der wahnsinnig hohen Schulden

Als Voltaire es wagte im Drama 
Oedipe auf Blutschande anzuspielen
Beklatschte es der Herzog und
Genehmigte dem jungen Autor

Ein bedeutendes Jahresgehalt denn
Wie alle wirklich vornehmen und die
Meisten geistreichen war er gegen
Persönliche Angriffe unempfindlich 

Herrlich dieser Sprung in das Rokoko 
Voller Leidenschaft das auch schöne
Lustvolle eigene Erinnerungen an 
Das verträumte Saint Cloud weckte

jens tuengerthal 15.5.26

Perspektivlos

Perspektivlos

Perspektivlos zu sein klingt
Für die meisten schrecklich
Dabei tut es gerade so gut
Nichts mehr zu wollen oder
Irgendwohin zu müssen um
Ungestört zu bleiben in einer
Welt die ganz dringend von 
Allem viel weniger braucht
Menschen Wirtschaft Lärm
Bewegung Wachstum für 
Ruhe und Regeneration
Lieber zurückgezogen nun
Schrumpfte um niemanden 
Mehr zu schaden warum
Perspektivlos sein die beste 
Aller Perspektiven nun ist
Weniger immer mehr wird 
Außer natürlich beim Wald
Da verhält es sich umgekehrt 

jens tuengerthal 15.5.26

Zugezogen

Zugezogen

Schaue auf meine Vorhänge
Draußen scheint die Sonne
Dann bewölkt es sich wohl
Soweit ich es in meinem
Nur Fenster zum Hof sehe 
Die aber zugezogen sind
Während mein Blick über
Die Buchrücken um mich
Gleitet denke ich dass die
Welt zugezogen wie auch
Zurückgezogen mir gefällt
Viel schöner als in der nur
Wirklichkeit lebt es sich in
Büchern und geistigen Welten
Die mir immer näher sind 
Wie friedlich wäre die Welt
Lebten mehr zugezogen 
Um ihre Ruhe zu haben
Was paradiesisch ist
Für alle Leser

jens tuengerthal 15.5.26

Donnerstag, 14. Mai 2026

Lektürentagebuch 14.5.26

Lektürentagebuch 14.5.26

Bei Michel de Montaigne im III. Buch
Über einige Verse von Vergil weiter
Gelesen in denen es auch um die
Weibliche Sexualität und Moral geht

Da ich nicht ganz sicher bin wo ich
Das letzte Mal anhielt mache ich mit
Dem ersten Absatz weiter der schon
Zu komisch beginnt mit Mutmaßungen

Über die weibliche Unschuld die sie
Ganz leicht ohne jede Schuld dabei
Verlieren können oder sogar was
Montaigne noch schlimmer nennt

Ohne es zu bemerken auch hätten
Hebammen gelegentlich bei der
Überprüfung der Jungfräulichkeit
Eines Mädchens diese zerstört 

Damit wieder die Jungfer ohne
Ihre Beteiligung mit bestem Willen 
Quasi keusch durch eine Frau
Entjungfert oder selbst versehentlich

Wollten wir den Frauen verbieten
Für was wir nicht mal klare Worte
Haben würde das Ideal der weiblichen
Keuschheit schnell lächerlich werden

Erzählt dabei historische Beispiele
Für das Extrem weiblicher Treue
Stellt fest es hängt allein am Willen
Manche Männer nahmen es gerne hin

Betrogen zu werden aufgrund der
Guten und tugendhaften Gründe
Wenn sie so ihren Mann rettete 
Oder dieser ließ es dezent zu

Andere Frauen führten sich ganz
Unordentlich auf aber seien doch 
Von ordentlicherer Gesinnung als 
Viele die nur den Schein wahren

Die einen beklagten sich weil sie
Ihr Leben vor der Mündigkeit noch
Der Keuschheit geweiht hätten also
Nicht mal wissen was sie verpassen

Andere klagen darüber dass ihre
Eltern oder die Not sie dazu zwangen
Sich vor ihrer Mündigkeit ganz der
Unzucht und dem Laster zu widmen

Trotz strenger Sitten in Ostindien
Dürfe sich dort jede verheiratete Frau
Dem hingeben der ihr einen Elefant
Zum Geschenk macht als Preis

Ob dies am langen Rüssel lag oder 
Dazu diente reiche Männer allein zu
Privilegieren bleibt unklar Montaigne
Meint es läge am hohen Preis dafür

Dann hätte die Keuschheit jeder 
Frau ihren Preis der dort eben ein
Elefant wäre was hier ein anderer
Vermutlich sein wird Leben eben

Der Philosoph Phaidon etwa hätte 
Seine jugendliche Schönheit noch
Verkauft solange sie währte an jeden 
Der dafür genug ihm auch zahlte

Damit verdiente er seinen Unterhalt
Wie Solon als Gesetzgeber noch 
Den Griechinnen erlaubte auf Kosten
Ihrer Keuschheit etwas zu verdienen 

Von dieser Sitte wiederum meinte
Herodot sie sei in Gesellschaften
Vor seiner Zeit üblich gewesen
Was soll da die Eifersucht bringen 

Hat diese egal wie berechtigt je
Etwas Sinnvolles bewirkt glaubt 
Irgendwer er könnte eine Frau durch
Vorsicht unter Verschluss noch halten

Er zitiert dass wenn sie wer noch
Bewacht und eingesperrt sich hält 
Sie nur dem Wächter schöne Augen
Zuallererst dann machen wird

Neugier schade noch stets überall
Hier aber sei sie verhängnisvoll so 
Sei es Torheit sich über Ungemach
Klarheit zu verschaffen gegen das

Es keine Arznei gäbe die es nicht
Nur noch schlimmer machte dessen
Schmach sich durch Eifersucht nur 
Noch weiter ausbreitet die keiner je

Mit Erfolg noch rächen kann eher im
Gegenteil stürbe an Auszehrung ehe
Die Wahrheit der Untreue bewiesen
Wie elend geht es denen die finden

Wer dir die Untreue deiner Frau
Berichtet ohne zugleich Abhilfe auch
Anbieten zu können verdiente darum
Eher den Dolch als wer dich Lügner

Öffentlich bloß noch nannte was
Dem idiotischen Ehrgefühl selten
Vermittelbar ist über seine Hörner
Wird noch mehr verlacht als alles 

Gute Ehefrauen oder gute Ehen
Werden nicht die genannt die es sind
Sondern nur jene über die nichts 
Nachteiliges bereits bekannt ist

Männer sollten sich lieber etwas
Einfallen lassen um dieser auch
Lästigen Aufklärung zu entkommen
Die keinen Gewinn bringen kann

Römer die von einer langen Reise
Zurückkehrten schickten darum
Einen Boten voraus damit sie gewarnt
Er vor Überraschungen gefeit war

Gewisse Völker ließen aus dem
Gleichen Grund am Hochzeitstag
Priester die Pforte der Braut öffnen
Dem Ehemann dies zu ersparen

Wenn alle Welt darüber rede
Mache das doch nichts er kenne
Hundert Ehrenmänner die ganz ohne
Verlust an Ehre Hahnreie sein 

Lasst eure Tugend euer Ungemach
Überstrahlen fordert Montaigne auf 
Es wurden auch größere Männer
In den Schmutz schon gezogen

Jede hätte doch schon einen anderen
Zum Hahnrei gemacht doch die Natur
Zahlt stets mit gleicher Münze heim 
Und gleich im Wechsel alles aus

So könnte Häufigkeit der Untreue
Die Bitterkeit abmildern die längst
Normalität geworden ist als sei sie 
Ein fester Brauch der Völker heute

Weise hielten alle Süße wie alle
Bitterkeit der Ehe besser geheim
Was ihm als redseligen Menschen
Ganz natürlich schwerer falle

Frauen die Eifersucht durch bloße
Ratschläge vergällen zu wollen sei 
Verlorene Liebesmüh ihr ganzes
Wesen sei natürlich davon geprägt 

Weiß inzwischen es gibt auch ganz
Andere Fälle zumindest in Teilen
Ohne zu wissen mit welcher dann 
Missgunst sie es kompensieren

Oft meint er befreiten sie sich davon
Durch eine Gesundung die noch
Mehr zu fürchten sei als die vorige
Krankheit weil sie es dann einfach

Auf ihre Männer übertragen und
Damit von allem geheilt werden
Er jedenfalls wisse nichts womit
Sie uns schlimmer noch quälten

Als mit der Eifersucht von allen
Ihren Gemütszuständen sei dieser
Der gefährlichste wie von all ihren
Körperteilen der Kopf es ist

So zittert er Pittakos der sagte 
Jeder habe seine schwache Stelle
Bei ihm sei es der Kopf seiner Frau
Der voller Argwohn doch stecke 

Keine Kraft sei stärker als der
Wahnsinn der Eifersucht einer Frau
So erlaubte der Stadtrat von Marseille
Einen Mann sich umzubringen um

Friede vor dem Toben seiner Frau
Finden zu können dieser krankhafte
Wahn böte keinen Ausweg als Flucht
Oder bedingungslose Unterwerfung 

Gut kannte sich der aus der meinte 
Eine gute friedliche Ehe werde
Zwischen einer blinden Frau und
Einem tauben Mann geschlossen 

Nach aller Erfahrung scheint sich
An dieser Weisheit noch nie etwas
Geändert zu haben seit 1587 also
Der Fertigstellung dieses Essays

Der Zwang der den Frauen auferlegt
Laufe doppelt dem Ziel eher entgegen
Er macht die Nachstellenden hitziger
Wie die Damen hingebungsfreudiger

Wer den Wert der Festung steigert
Erhöht nur den Wunsch der Einnahme
Er fragt sich ob Venus selbst erst den 
Wert ihrer Ware durch Sittengesetze

Geschickt nach Marktlage erhöhte
Diese zum Zuhälter machte weil die 
Liebe sonst ein tumbes Vergnügen
Wäre ohne den Preis der Phantasie 

Es sei schließlich immer das
Schweinefleisch was nur durch
Die Saucen unterschiedlich schmecke
Amor sei ein durchtriebener Gott 

Er macht sich ein Vergnügen daraus
Gegen Frömmigkeit und Gerechtigkeit
Mit Leidenschaft zu kämpfen alle 
Regeln seinen weichen müssen

Montaigne fragt sich ob wir nicht
Seltener zum Hahnrei würden wenn 
Wir es weniger befürchten weil die 
Frauen ihrer Natur nach alle Verbote 

Als Anreiz der Übertretung nur sehen 
Dazu werden in der Übersetzung
Von Hans Stilett hier noch die
Folgenden Verse treffend zitiert

Was du willst das tun sie nimmer
Alles was du nicht willst dafür immer 
Zum Wandeln auf der Tugend Pfad
Sind alle sich seit je zu schade

Nach dem klugen Mann über die
Frauen nun mit Veronica Buckley
Eine kluge Frau über eine solche 
Christina Königin von Schweden

Beginne den 2. Teil mit den Kapitel
Überquerung des Rubikon in dem
Band der Anderen Bibliothek der auch
In Details noch großartig beschreibt

Beginnt mit ihrer Flucht zu Pferde
Von Stockholm Richtung Dänemark
Obwohl ihr Cousin und jetzt König
Ihr die Marine angeboten hatte

Sie hätte in Begleitung mehrerer
Tausend Soldaten die nach Bremen
Was schwedisch war reisen können
Sie zog den wilden Ritt dabei vor

An der Grenze verabschiedete sie
Den größten Teil ihrer Begleitung
Bis auf vier Männer kürzte sich die
Haare im Stil der Männermode

Ab diesem Zeitpunkt trug sie Hosen 
Ritt im Herrensattel und war schneller
Als all ihre vorher Pläne nahm zur
Tarnung den Namen eines sie dort

Begleitenden Grafen Dohna an aber
Brüskierte den dänischen König der
Mit Hofstaat und Frau zu ihr reiste
Als er ankam war Christina schon weg

In wenigen Tagesritten kam sie nach
Hamburg brüskierte dort den Senat
Weil sie bei ihrem jüdischen Bankier 
Statt auf Einladung der Stadt wohnte

Sie begründete das frech damit auch
Jesus habe doch immer mit Juden 
Verkehrt das könne nicht falsch sein
Der Hamburger Senat schluckte es

Auch bei ihrer Abreise stieß sie 
Wieder alle offiziellen Stellen der
Hansestadt vor den Kopf und war
Einfach rasant wieder verschieben

Reiste weiter in die Niederlande
Traf eine große Gelehrte die
Ihr vorher lange gepriesen aber
Zwischen den Frauen entstand nichts

In Den Haag besuchte sie die großen
Werkstätten der dortigen Maler in der
Nachfolge von Rubens wurde auch
Von einem Schüler gemalt

Weiter ging die Reise nach Antwerpen
Wo sie als Gast residierte und dabei
Über ihre Verhältnisse gut lebte aber
Wartete auf die Einladung nach Rom

Dies zog sich alles noch hin auch des
Krieges von Spanien und Frankreichs
Wegen wie des alten Papstes der den
Winter wohl nicht mehr überlebte

Sie gab weiter mehr Geld aus als 
Sie für ihre Reise noch hatte war
Gewohnt großzügig gegen alle
Hatte einen kleinen Hofstaat schon

Sie schmiedete verschiedene
Politische Pläne für Europa und sich
Die teilweise schon wahnhaft wirken
Zumindest viel Phantasie belegen

Dann zog sie auf Einladung nach
Brüssel wo zuerst im geheimen nur
In der Kapelle neben ihrem Zimmer
Ihre Konversion stattfand

Ohne Drama und ohne Show wie
Noch ganz im Geheimen bis der
Papst endlich starb und darauf
Sein Nachfolger gewählt wurde

Diesen kannte sie schon was den
Weiteren Weg erleichterte auch
Kam das nötige Geld endlich
Sie konnte sich auf den Weg 

Nach Rom machen mit vorheriger
Station in Linz wo noch die große 
Öffentliche Konversion gefeiert wurde 
Sie sich dem Papst brieflich unterwarf

Nach der öffentlichen Konversion war
Sie abends noch im Theater und soll
Gesagt haben wie passend morgens
Eine Farce und abends eine Komödie

Der Weg wurde lang musste die im
Winter verschneiten Pässe der Alpen
Möglichst umgehen und reiste dann
Im langen Zickzack gen Süden

Rom brauche die Zeit noch um
Alles für ihren Empfang dort auch
Vorbereiten zu können aber dann
Überschritt sie endlich den Rubikon

Im Schloss des Herzog von Orsini
Mit dem sie lange weltlich plauderte
Inmitten zauberhafter Olivenhaine
Feierte sie ihren 29. Geburtstag

Noch auf einige Seiten die dann 
Doch wieder mehr wurden zu den
Ghost Stories von Siri Hustvedt mit
Dem dritten Liebesbrief an Paul

Wie sie diesen Brief in Minnesota 
Auf der alten Schreibmaschine ihres 
Vaters noch tippte und plötzlich große
Sehnsucht nach mechanischer Welt

Statt digitaler Gegenwart hat wie sie
Paul konsequent noch bis zum Ende
An seiner Schreibmaschine lebte
Erzählt von der seltsamen Suche 

Nach Normalität sucht sie im Leben
Ohne Paul und die Müllbeutel etwa 
Werden kleiner und füllen sich nun
Langsamer doch bleibt es unwirklich 

Die Zärtlichkeit mit der sie ihn Liebster 
Nennt in diesen Briefen die einfach
Ohne lange Überlegung geschrieben
Erklären warum sie von drei Briefen

Immer redeten und die Zeiten alle
Verdrehten in ihrer Erinnerung wie
Sie sich noch selbst täglich vom
Abgrund der Nichts rufen muss 

Wenn sie nur in eine Höhle kriechen 
Im Dunkeln liegen bleiben will ohne
Noch etwas erledigen zu müssen
Beschreibt sie die Macht des Nichts 

Das sich in uns ausbreitet und in
Jedem Moment auftauchen kann
Dann alle noch Normalität nimmt
Nur die Sehnsucht nach Nichts bleibt

Das ist so tief und schön beschrieben
Als Gegensatz der einsamen Leere 
Der Liebesbrief mit der Erinnerung an
Ihren Heiratsantrag an ihn 

Er kam zurück und wollte sie ganz
Mit ihr zusammenziehen aber sie
Machte den Heiratsantrag weil es 
Beide nun wollten und wussten

Das ist vermutlich einfach so
Wie es für sie war aber die Art
Und Offenheit mit der sie es dann
Erzählt ist ganz große Literatur

Sie kreiert damit einen eigenen
Sprachlichen Raum aus Erinnerung
Ihrer Liebe der magisch weiter lebt
Eine neue Wirklichkeit so schafft

jens tuengerthal 14.5.26

Alles Idioten

Alles Idioten

Die Deutschen sind doch alles 
Idioten denke ich als einer davon

Früher sangen sie sogar noch
In ihrer Hymne sie sein über alles 

Was wir uns heute zum Glück für
Einigkeit und Recht und Freiheit

Brüderlich mit Herz und Hand
Lieber ersparen weil es noch

Andere stören könnte und
Schlichter Unsinn auch ist

Denn wo auch immer nun
Deutsche Zunge stottert

Stöhnt lispelt raunt reimt ist
Malle deutscher als Ostpreußen

Was es nur noch als Erinnerung
Im nirgendwo irgendwo gibt

Wie Schlesien und Pommerland
Das schon im Kinderlied abgebrannt

Von deutschen Frauen Wein und
Gesang singt auch keiner mehr

Die ersten beiden also vergessen
Auch aus historischen Gründen

Wo bleibt das Mutterland neben 
Dem Vaterland heute fragt sich

Uneinig bleibt das Land weiter dafür
Heute selig auch wiedervereint

Doch noch immer fahren diese Idioten
Verbrenner und zerstören was schön

Deutsche Wälder bedeckten einst 
Das wunderbar friedliche Land

Am Vatertag besaufen sich Männer
Die häufiger totgefahren werden

Immer peinlich wird es wenn die
Deutschen Kollektiv Heimat rufen 

Peinlicher nur sind die Nachbarn
Die sind auch noch stolz darauf

Die Deutschen wenn sie sich so 
Nennen sind aber alles Idioten 

Werdet weniger Nation dafür freier 
Als Menschen riet schon Goethe

Statt vieler Idioten gab es immer auch
Einzelne kluge Köpfe die zählen allein

Die Deutschen bleiben stets Idioten
Nur manche sind einzeln erträglich 

jens tuengerthal 14.5.26

Lusterfüllung

Lusterfüllung

Was ist Erfüllung in der Lust
Überlege ich und versuche mich
An das schönste Gefühl dabei
Zu erinnern was immer dann
Kam wenn du dir gegenseitig
Gleichzeitig Befriedigung schenkst
Was ich früher für normal hielt
Ist tatsächlich eine eher seltene 
Ausnahme die noch schöner
Wenn mit Gefühl verbunden
Das häufiger ein Hindernis ist
Was für viele unvorstellbar
Warum es der Erfüllung gut
Täte sie unabhängig zu sehen
Statt Lust und Moral miteinander
Zu vermischen was meist eher
Davon zeugt dass Erfüllung
Miteinander unbekannt ist
Darauf nicht zu hoffen ist
Besser als Grenzen zu setzen
Weil die Moral dann zum
Anstatt der Erfüllung wird
Dabei erwartungslos bleiben
Ist wohl das Rezept was die
Erfüllung am ehesten ermöglicht
Alles andere wird danach eher
Egal und beliebig was auch
Die Erfüllung einfach macht
Der Rest erledigt sich allein 
Aber die Liebe kann stärker
Als jede Lust sein warum viele
Nie Erfüllung miteinander finden
Aber vielleicht ist das auch egal
Wenn sie glücklich damit sind
Denn mehr kann auch keine 
Erfüllung miteinander erreichen 

jens tuengerthal 14.5.26

Liebestreu

Liebestreu

Was heißt Treue in der Liebe
Geht es dabei um ein Gefühl
Oder sexuelle Konventionen
Die meist Untreue genannt
Ohne sich um das Gefühl
Dabei weiter zu kümmern
Zerbricht manche Liebe an
Der polygamen Natur die
Manche unterschiedlich
Auslegen und so große 
Gefühle leicht verspielen
Was keinem gerecht wird
War wenn ich liebe immer
Den Gefühl treu was für mich
In der Liebe entscheidend ist
Spannend wird diese Frage
Bei geheimen Geliebten die
Offiziell ein anderes Leben
Führen aber einem Teil mit
Anderen finden was ich auf 
Beiden Seiten kennenlernte
Es gibt auf diesem Gebiet 
Wenig was es nicht gibt
Wage nicht darüber moralisch
Zu urteilen sondern denke
Erlaubt ist was gefällt und
Wenn ich liebe gönne ich
Der Geliebten alles ohne 
Bedingungen zu stellen die
Für viele aber Voraussetzung
Der Liebe sind was für mich
Macht und Herrschaft mit
Liebe verwechselt was 
Keinem von beiden gut tut
Wichtiger als wer mit wem
Wann welchen Sex hat ist 
Verlässlichkeit im Gefühl 
Die dabei nur auf Sex statt
Auf Liebe schauen haben
Mit beidem eher Probleme
Was immer schade ist und 
Lieber verleihe ich der Liebe
Flügel als sie je wen zu fesseln
Damit sie frei zueinander fliegt

jens tuengerthal 14.5.26

Vorfeiertagsriesling

Vorfeiertagsriesling

Vor dem morgigen Feiertag ist das
Crossroads wieder gut gefüllt erst
Tino Phil I Christoph und Martha
Unten begrüßt kaum oben in der

Flaneurloge angekommen kam
Schon Phil I mit dem Riesling
Welch Service für Stammgäste
Dann kam auch noch Melanie

Die Musik ist klassischer Rock
Mit gerade heißen Riffs was zur
Sonst ruhigen Stimmung kontrastiert
Einige Gäste wechseln unten Tische

Oben zwei Gruppen und ein Paar 
Die aus der Ecke sehe ich erst im
Abgang was kein zu großer Verlust
Neben den bekannten Gesichtern

Im Kommen und Gehen ist gerade
Etwas Unruhe entstanden was gut 
Zumindest zur Musik passt aber die
Übrigen Gäste nicht weiter stört

Nun klingt es nach Freddy Mercury
Also Queen Klassiker was ein guter
Grund ist auf King Charles und den 
Sir Rod Stewart zu trinken während

Die Stimmung sich wieder beruhigt
Blödelt Tino mit Gästen rum während
Phil I nebenbei noch höflich kassiert
Draußen ist Regenwetter wieder

Oben ist nur noch das Paar was
Keines ist sondern eine Dame mit
Zwei Herren die in ich weiß nicht 
Was nun für die obere Etage reden

Die sehr dunkelhaarige obenrum
Eher sommerlich leicht bekleidete
Dame wendet den Kopf zwischen
Ihren beiden Herren hin und her

Melanie am Fenster im seriösen
Gespräch mit einer älteren Dame
Wieder chic im hellen Trenchcoat
Der Rest der Bar plaudert schön 

Eben kamen noch zwei Herren
Mit vier unterschiedlich voluminösen
Damen die nun oben in der Ecke
Lachen und bemerkbar bleiben

Ein Schauspieler mit Zopf im auch
Seriösen Gespräch mit Tino ringt
Mit deutlicher Aussprache um
Aufmerksamkeit draußen Blaulicht

Volker und Christoph bilden eine
Herrenrunde an den Bar und Martha
Ist mit einer Dame im Gespräch
Unten noch ein Paar in der Ecke

Insofern dieses vollkommen mit
Sich beschäftigt ist spielt es für 
Den Verlauf der Nacht keine
Weitere Rolle wie das Blaulicht

jens tuengerthal 14.5.26

Mittwoch, 13. Mai 2026

Lektürentagebuch 13.5.26

Lektürentagebuch 13.5.26

In den Ghost Stories von Siri Hustvedt
Das Kapitel Hold on weiter gelesen 
Mit den beiden Liebesbriefen an Paul Nachdem er sie verlassen hatte

Dazu noch die zarte und zauberhafte
Liebesgeschichte dieser zwei Dichter 
Die sich fanden gelesen und bin
Davon so gerührt wie von den Details

Kleine politische Notizen am Rand 
Wie sie in Paris 1981 im  Marais
Bei einem Freund alle auf der Straße
Tanzten den Sieg des Sozialisten

Über die Rechtsradikale Le Pen zu
Feiern wie sie bei Obamas tanzte
Beim Schreiben des Buches noch
Hoffte im November zu tanzen

Was leider nichts wurde weil der
Kleine primitive kriminelle Makler 
Wieder zum Präsident gewählt wurde 
Der die Welt gegenwärtig noch quält 

Auch wie Sophie auf dem College 
Beim Sieg von Obama tanzte fließt
Als Detail der Liebesgeschichte
Von Paul und Siri hier mit ein

Wie beide in der U-Bahn Station noch
Heulten es das doch noch nicht
Gewesen sein kann mit ihnen auch
Wenn sie ganz viel vergessen hatte 

Die Sage ihrer Liebe hat die Zeit 
Der Trennung auf höchstens 5 Tage
In der Erinnerung beider reduziert
Die Briefe belegen es waren zehn

Mindestens zehn denn im nächsten
Kapitel taucht dann noch der eine
Ominöse dritte Brief wieder auf
Was immer dieser dann beschwört

Sie erklärt den ersten weil sie ihm
Ihre Liebe noch ganz ausdrücklich 
Erklären musste was bisher nur
Durch Küsse oder konkludent 

Durch Zeichen der Liebe geschah
Die sie aussprechen wollte um dann
Im zweiten von ihrer Migräne noch
Zu schreiben und Erinnerungen

Zärtlich wundervoll weiblich aber
Beschreibt sie ihr dann wieder 
Zusammenkommen was damit 
Begann dass er dann ganz wollte

Also zusammenziehen und der 
Einzige Mann mit dem sie vorher
Zusammengelebt hatte war ihr 
Vater es war also ein Schock

Auf diesen Schock bei dem sie
Mit ihrer Freiheit noch rang kam
Von ihr nur wenn sie heirateten 
Worauf Paul meinte ist okay

Wie sie als nordischer Blitz als erstes
Nachdem sie bei ihm einzog sein
Typisch männliches Bad putzte sich
Dort wohl fühlen zu können künftig

Bei dieser kleinen Erinnerung an den
Alltag der Liebenden denke ich an die
Geliebten hier der letzten 16 Jahre als
Irgendwie immer und doch nie Single

Das Bad putzten einige die auch hier
Zeitweise lebten und nie wurde es so
Wenn ich das gelegentlich tat was 
Für unterschiedliche Talente spricht

Paul Auster fragte Siri Hustvedt beim
Putzen er dachte sie sei Bohemiens
Und sie darauf schreibt was sie nie
Wieder in diesem Männerbad wollte

Vom Duschen Pissen oder Kacken
An was ich bei Siri zugegeben nie
Dachte bisher und darüber staunte 
Weil manches uns verbogen scheint

Wieder begeisterte mich diese so
Ausnehmend kluge wie feinfühlige 
Autorin die dann wo nötig auch ganz
Deutlich wird etwa beim Männerbad

Lebe seit vielen Jahren mit großer
Toleranz in einem solchen was nun
Manche zum putzen anregte und
Andere schlicht ignorierten bin

Noch nicht sicher was mir dabei 
Näher kam und sympathischer war
Am Ende zeigt sich was bleibt
Dreck ist nicht der Rede wert

Nach der großen Liebesgeschichte
Noch ein wenig in Bowmans herrlich
Komisch englischen Ein Glücksritter 
Über die englischen Jahre des 

Fürsten von Pückler-Muskau der als
Freund holder Weiblichkeit für seinen
Geschmack bekannt Kulturgeschichte 
Aus der Anderen Bibliothek wieder ist

Dieser war nach England gegangen
Um eine reiche Frau zu finden die
Es ihm ermöglichte Gut Muskau mit
Seinem Garten weiter zu halten

Sie sollte dann bitte auch seine
Eigentlich geliebte Frau die eine
Geborene Hardenberg war tolerieren 
Was immer schwieriger für ihn wurde

Unter großem finanziellen Aufwand
Stürzte er sich von Saison zu Saison
In das Gesellschaftsleben auf den
Gütern und in London 

Die letzte Saison hatte er schon mit
Henriette Sontag verplempert die
Später ihren Grafen heiratete aber
Sehr eng mit Pückler-Muskau war

Doch nach einigen Artikeln die seine
Absichten als kontinentaler Jäger
Britischer Schürzen offenlegten
Sanken seine Chancen weiter

Trotz bereits herunter geschraubter
Ansprüche erfährt er nur Ablehnung
Verärgert zwischendurch auch seine
Frau noch was ihn sehr beunruhigt 

Dann taucht in London plötzlich
Leticia Bonaparte auf eine Nichte 
Von Napoleon die mit einem Iren
Verheiratet ist der sie inzwischen

Nach London schickte weil sie seiner 
Politischen Karriere durch kleinere
Provokationen störte und diese Dame
Kündigt Pückler-Muskau nun ihren 

Selbstmord am Abend mit einer
Flasche Opium an falls nicht ihr
Geliebter mit ihr nach Italien ginge
Es folgt also das nächste Drama

Die lapidare Art wie Peter James 
Bowman über die tödlichen Tragödien
Der Liebe schreibt ist so britisch kühl
Dass noch jedes Drama komisch wird

Denke an meine eigenen großen 
Dramen der Liebe zurück über die
Heute leichter zu lachen ist als im
Moment emotionaler Beteiligung

Bowman lesen hilft die großen
Tragödien der Liebe mit einem
Feinen englischen Lächeln eher
Unbeschadet noch zu überstehen

Nach dem britischen Humor noch
In den herrlich komischen Roman
Hermann und Ulrike eingetaucht
Von Johann Karl Wezel von 1780

Der schildert wie Hermann nach
Der Ankunft in Dresden zuerst vom
Friseur besucht wird der ihn nun
Als Pudermeister adonisieren soll

Er will nun persönlich die Briefe
Überbringen seines Lehrers um 
So Anerkennung und mehr noch 
Vor Ort finden zu können so

Wie diese Versuche zu denen er
Gefühlt schön wie ein Königssohn 
Aufbricht eine wunderbare sich 
Sozialkritik aus der Zeit treffend sind

Des Absolutismus voller Ironie der
Protagonist Hermann geht dabei
Davon aus mit Briefen seines Lehrers 
Schwinger stets willkommen zu sein 

Schon beim ersten Besuch noch
Wegen Aufstieg am Hof degradiert
Wird er beim nächsten höflich aber
Mit Versprechungen nur vertröstet 

Euphorisch schwärmt Hermann dann
Von der Schönheit am Elbufer wo die
Paläste beiderseits hinauf wachsen
Wie es Dresdner von dort gern sagen

So faszinierend fand ich Dresden nie 
Der ich in Heidelberg studierte es ist
Ganz nett aber dafür ist der Dialekt
Unerträglich genug fern zu bleiben

Schließlich zieht ihn sein Führer mit
Vor der katholischen Kirche natürlich
Die nur für das Fürstenhaus war das
Mit der polnischen Krone konvertierte

Oder vielleicht auch nur für sie was 
Ein weites Feld im Aberglauben ist
Wird er angebettelt und verschenkt
Naiv beim Ansturm der Kinder alles

Nun hofft er um weiterhin gut im
Reichen Dresden leben zu können
Auf Erfolg der Briefe seines Lehrers
Schwinger ohne Zweifel morgen

Es ist ein feiner teilweise böser 
Spott über die Zustände im wenig
Aufgeklärten Absolutismus der Zeit
Mit viel feinem Humor dabei 

Der Stil lässt mich teilweiser an den 
Späteren Jean Paul denken der aber
Schon Kind der Romantik auch war
Während Wezel kritisch aufklärt 

Was sonst literarisch nur Diderot
Mit so treffender Schärfe beschrieb
Wird hier plötzlich ganz deutsch was
Der Szene zusätzliche Komik verleiht

Er spottet über die Dresdner Eitelkeit
Wie über Zustände im Absolutismus 
Wo eine Berühmtheit der deutschen
Provinz schon in Dresden nichts galt 

Warum Goethe den guten Wezel nicht
Weiter würdigte ist mir ein Rätsel
Seine Nähe zum Hof könnte ihn bei
Der Lektüre peinlich berührt haben

jens tuengerthal 13.5.26

Aberglaubensfrei

Aberglaubensfrei

Tage vor Feiertagen sind
Immer wie Freitage und
Geben schon fast frei 
Auch mitten in der Woche
Also Mittwochs wie heute
Wo zufällig der 13. ist
Was also Freitag der 13.
Für alle mit Aberglauben 
Wohl wäre der zeigt das 
Glück überwiegt deutlich
Den lächerlichen Aberglauben
Wenn Tage ihre Tage haben
Als ob Zählung bedeutend
Für das Sein an sich wäre
Bringt ein bloßes Gefühl hier
Mehr Aufklärung als alle
Sonst überlegene Vernunft
Denke ich lachend und
Freue mich am heutigen
Freitag den 13. der noch
Dazu ein Mittwoch bleibt

jens tuengerthal 13.5.26