Dienstag, 24. März 2026

Liebeslaster

Liebeslaster

Liebe als Laster 
Wäre manche Sünde wert
Denk ich unschuldig

jens tuengerthal 24.3.26

Loslassen

Loslassen

Loslassen können
Ist aller Freiheit Anfang
Festhält das Ende

jens tuengerthal 24.3.26

Verlassen

Verlassen

Verlass mich nicht sagt
Die Liebe Treue fordernd lass
Mich ziehen der Tee

jens tuengerthal 24.3.26

Fernstenliebe II

Fernstenliebe II

Als ich am 21.12. noch von der
Fernstenliebe dichtete war sie
Bloß theoretisch weil die Liebste
Relativ nah für Monate noch war 

Nun im Frühling wurde es praktisch
Wir sehen uns vermutlich erst im
Juni wieder und schreiben uns
Bis dahin voller Liebe täglich 

Finde es immer noch viel intensiver
Als alle Versuche in der Realität
Die gewöhnlich ernüchtert enden
Wenn sich Träume nicht erfüllen

Sehnsucht in die Ferne enttäuscht
Viel weniger Erwartungen mit der 
Realen Unvollkommenheit warum
Dante sie so erfolgreich betrieb

Als Neunjähriger sah er Beatrice
Einmal in Florenz danach blieb sie
Ewiger Traum und starb früh was 
Der Idealisierung Vorschub leistete

In Vita Nova beschreibt Dante so
In Versen und in Prosa auch jene
Reinigende Kraft der Liebe zu
Seiner idealen Liebe und Muse 

Dafür führt die früh verstorbene
Beatrice Dante dann in seiner
Göttlichen Komödie im Paradies
Wo sie von Vergil übernimmt

Der Traum dieser Liebe war der
Grund warum Dante seine Reise
Ins Jenseits überhaupt antrat so
Wird die ferne Liebste zum Ideal

Real war sie ja da einfach tot 
Schon länger nicht mehr sondern
Ein elend verfaulter Rest nur der
Eher gruselig als schön noch war

Spirituell überhöht noch dem alten
Aberglauben der jüdischen Sekte
Genannt Christentum verbunden
Gibt seine Muse ihm Grund zu sein

Kritisch aufgeklärt also aus der
Unmündigkeit des Aberglaubens
Befreit liegt mir aller Hokuspokus
Der sich spirituell nennt eher fern

Dennoch scheint mir diese Liebe
Zur fernen Liebsten als Dichter
Geradezu ideal und vollkommen
Weil ich sie nicht täglich ertrage

Die allerliebste Muse wird auch
Gerne nicht nur geistig verehrt
Sondern wenn mal da auch ganz
Konkret mit Lust dabei gevögelt

Theorie und Praxis ergänzen sich
In unserer Konstellation vollkommen
Der Geist findet erstmals sein Echo
Unser Sex am Ende langer Nächte 

Falls zufällig noch irgendwem der
Beteiligten etwas absteht oder sonst
Bereitschaft signalisiert nach unserer
Je Natur ist so ziemlich vollkommen

Nenne diese Liebe ohnehin lieber
Unvergleichlich was alle weiteren
Fragen dazu ausschließt alles was
Bleibt und ist vollkommen findet

Die Chance zu haben von den
Alltäglichen so gewöhnlichen
Umständen nicht behelligt zu
Werden hilft zu idealisieren

Wenn dir dann bei Gelegenheit
Die Liebste noch schreibt wie 
Wunderbar sie einschlief in der
Ferne nachdem sie sich selbst

In Gedanken mit mir befriedigte
Denke ich der Olle Dante war 
Doch ein armer Hund verglichen
Und fast denke ich an Peter Maffay 

Der sang noch … und sie war 17
Und es war das erste mal was
Heute schon eher nach Phantasie
Klingt als wirklich zu berühren

Nun als ich neun Jahre alt war
Wie Dante als er seine Beatrice
In Florenz nur sah bei der es dann
Zoom bei ihm machte war sie 17

Zumindest so ungefähr und der
Rest ist Dichtung und Wahrheit 
Denke ich als heutiger Dichter
Der damit sein Ideal gefunden

Da kann ich in Ruhe geduldig sein
Auf die zweimal drei Monate im Jahr
Mehr oder weniger jedenfalls in 
Denen wir Dante viel voraus haben

Das nur halbe übrige Jahre wird dann
In zweimal drei Monate separiert noch
Geteilt was lächerlich wenig scheint
Das dann Glück zu genießen

Habe als Dichter der sich niemals 
Amaßte auf Dantes Spuren zu sein
Es ganz konkret viel besser als er
Da gilt es die Zeit voller Sehnsucht

Mit Versen in die Ferne zu nutzen
Von denen sie sich liebkost fühlt
Wie der Rest zumindest amüsiert
Der Dichter ist im Paradies schon

Dies ohne darum alle Versuche
Vorher als Form von Hölle gleich
Benennen zu wollen es genügt ja
Die Gegenwart so zu genießen

Wohin auch immer Futur oder das
Plusquamperfekt uns noch ganz
Konkret verführen wollen sage ich
Am Ende einfach es ist was es ist

jens tuengerthal 24.2.26

Exzentrikerzuwachs

Exzentrikerzuwachs

Heute bekam die Andere Bibliothek 
Zuwachs mit Curzio Malaparte zog
Ein neuer Exzentriker in meine noch
Bescheidene Sammlung ein den ich
Auf dem Rückweg vom Einkauf bei
Gestehe es ohne rot zu werden Lidl
Die einen hervorragenden Riesling
Aus dem Rheingau und nun auch
Einen spanischen Bio Tempranillo
Im Programm haben was aber egal
Wurde als ich am Antiquariat in der
Prenzlauer Allee vorbei kam und der
Nicht unbekannte Antiquar mich auf
Einen neuen Schatz in seinem eher
Sonst großen Chaos aufmerksam
Machte eben jenen Curzio Malaparte 
Der 2007 in der Anderen Bibliothek 
Noch bei Eichborn erschien dieser
Vielfältige deutsch italienische Autor
Exzentriker Dandy Faschist Held 
Egozentriker Kommunist Wendehals
Der keine Sünde im Leben ausließ
Wie zugleich ein großer Reisender
Scharfer Beobachter und dabei noch 
Origineller Denker war noch in seinen
Teils völligen Fehlurteilen erhellend 
Ein Mann mit der angeblich schönsten
Villa auf Capri der auch Diplomat war
Bis er zu undiplomatisch wurde bin 
Nun gespannt auf mehr von diesem
Mann der eigentlich ganz deutsch
Kurt Erich Suckert hieß und von
1898 bist 1957 lebte für seine
Radikalen Romane berühmt wurde 
Wie immer umstritten auch war 

jens tuengerthal 23.3.269

Montag, 23. März 2026

Lektürentagebuch 23.3.26

Lektürentagebuch 23.3.26

Ausführlich schreibt Erwin Seitz in
Die Verfeinerung der Deutschen am
Ende über bürgerliche Lebenskünstler
Der Bourgeois und Bohemien vereine

Diese Zwischenform bei der die
Protestantisch geschäftigen Teile
Der Bourgeoisie auf die Lebenslust
Städtischer Bohemiens trifft

Dem heutigen Zeitgeist doch sehr
Entsprechend geht es um ein eher
Gebildetes Grünes Publikum das
Sein Leben bewusst gestaltet

Statt ständigem Konsum lieber 
Weniger ausgewählt ökologisch 
Um bewusst mit gutem Gewissen
Seinen Luxus genießen zu können

Dafür werden verschiedene Beispiele
Gebracht wie der Zeitgeist eines eher
Gebildeten städtischen Publikums
In dem der Flaneur lange schon lebt 

Dies beschreibt Seitz der auch in 
Berlin lebt treffend und zeigt so die
Konstruktiven Perspektiven einer
Entwicklung zur Verfeinerung

Maßvoller Konsum hochwertiger vor
Ort mit kurzen Wegen verkaufter
Nachhaltig produzierter Güter mit
Menschlicher Verbindung vor Ort

Diese Bourgeois Bohemiens auch
Abgekürzt BoBos genannt sind ein
Wichtiges künftiges Publikum das
Zwei Eigenschaften in sich vereine 

Der bürgerlich geschäftig liberale
Aspekt verbindet sich mit einer
Neuen Ästhetik beim Genuss die
Aus weniger wieder mehr macht

Weniger Verpackung dafür mehr
Regionale ökologisch produzierte
Waren mit viel weniger Schadstoffen
Sorgen für mehr an gutem Gewissen 

Das hat seinen Preis der es dem
Wohlhabenden Publikum wert ist
Ein positiver Aspekt der natürlichen
Gentrifizierung für den Autor dabei

Andererseits sollten auch politisch
Sozialwohnungen gesichert werden
Städtisches Leben bezahlbar bleiben
Genossenschaft vor Investoren gehen

Eine wichtige Verbindung dabei von
Wirtschaft nun und Politik welche 
Die Zukunft städtischen Wohnens auf
Neue Art schön und attraktiv macht

Auch das eine Verfeinerung einer
Lebenskultur die wichtig ist und so
In den letzten Jahren entwickelte als
Neue Form der nachhaltigen Kultur

Diese ist technikaffin tolerant wie 
Für neue Lebensformen auch offen
Das Gegenteil von MAGA und AfD
Die jene wählen die Angst haben

Der urbane Instinkt zur Verfeinerung
Wirke seit 5000 Jahren in der Kultur
Habe sie weiterentwickelt auch wenn
Ängstliche immer bremsen wollten 

Spannend ist es als Flaneur auch
Teil dieser Bewegung zu sein wie
Diese weiter zu kultivieren um so
Zukunft neu zu gestalten auch

Vom städtischen Leben nach der 
Anderen Kulturgeschichte geht es
Zur Naturbeobachtung bei Selborne
Mit Reverend Gilbert White der im

Nun 12. Brief vom 14. November 
1767 an Thomas Pennant Esquire 
Schreibt wobei letzteres eine typisch
Angelsächsische Höflichkeitsform ist

Mit ihr werden bis heute Anwälte als
Angehängter Titel geehrt so freut er 
Sich zunächst dass der übersandte
Vogel kein gewöhnlicher Falco war

Mehr hätte es ihn nur noch gefreut
Wenn auch der Freund diesen nicht
Gekannt hätte was aber wohl ein zu
Schwieriges Unterfangen wäre

Sodann berichtet er von den Mäusen
Die er sich geholt und gut konserviert
Hätte wie ihrer Art zu leben dass die
Eichhörnchen farblich ähnliche Art

Ihre Nester am Feld oder in Disteln 
Sich baut und in den kleinen fein aus
Halmen geflochtenen Kugeln bis zu
Acht Junge Platz fänden und überlegt

Wie ihre Mutter sie wohl dort säugt
Keinesfalls passt sie in dieses so
Kunstvoll geflochtene Nest selbst
Mit hinein so fragt er sich ob sie es 

Wohl an einer Seite dazu aufreißt 
Diese Kugel mit acht Jungen fand er
Auf halber Höhe einer Distel selbst
Am Feldrand gut geschützt

Nicht gut genug um nicht von dem
Naturforscher entwendet konserviert
Zu werden aber vielleicht ist das der
Preis dieser Lektüre auch

Immer wieder dabei den Wind in 
Den Weiden in Gedanken vor mir
Schützte ich zu gerne alles Leben
In der so wundervollen Natur

White berichtet noch von einem
Gentleman der sich auch für Vögel
Interessierte und ihm einen eher
Seltenen deutschen Seidenschwanz

Zeigte den sein Diener schoss und
Enttäuscht war dass er ihm kannte 
Berichtet davon dass 1685 eine
Größere Population schon kam

Dann grübelt er noch über die spät
Geschlüpften Schwalben überlegt
Ob diese auch wandern oder eher
Irgendwo geschützt überleben 

Erzählt von der nordischen Sage 
Dass sie Unterwasser überlebten 
Fragt sich ob das möglich wäre
Was sie sonst im Winter hier tun 

Wieder ein schöner Brief der auch
Mit einer gehörigen Portion noch
An Selbstironie bezüglich des Falco
Den er ihm schickte Humor zeigt

jens tuengerthal 23.3.26

Wahlkonsequenz

Wahlkonsequenz 

Nach Wahlen fordern alle gerne
Besonders wenn sie verloren gingen
Konsequenzen dabei ist doch das
Ergebnis Konsequenz genug

Wenn nach längerer Regierungszeit
Eine Partei abgewählt wird ist das
Gut so demokratisch und normal
Niederlagen überstehen ist groß

Besonders die SPD ist groß darin
Ihr Führungspersonal bei nächster 
Gelegenheit zu demontieren was
Weniger nach Solidarität klingt

Wenn nun die Ex vom Ex-Kanzler
Die auch die Ex vom amtierenden
Verteidigungsminister ist diesen als
Vizekanzler vorschlägt ist das so

Peinlich wie es eben klingt doch 
Besser schwiegen alle dazu und
Machten ordentlich ihre Arbeit
Statt Stimmungen zu folgen

Wer Verantwortungsgefühl hat
Sollte diese in der Not übernehmen
Wer über andere redet zeigt damit
Nur eigene Bedeutungslosigkeit 

jens tuengerthal 23.3.26

Liebeslehre

Liebeslehre

Liebe lehrte mich
Ständig unzuverlässig
Ist ganz natürlich

jens tuengerthal 23.3.26

Zuverlässig

Zuverlässig

Zuverlässig sein
Wäre lässig für alle
Außer auf Dauer

jens tuengerthal 23.3.26

Sichertee

Sichertee

Einzig sicher ist
Täglicher Teegenuss als
Konstante für mich

jens tuengerthal 23.3.26

Mittestabil

Mittestabil

Die Pfalz hat gewählt
Keinerlei Überraschung
Bei der Leitung der Verwaltung 

Über 60% wählen stabile Mitte
CDU löst SPD ab nach genug
Skandalen im Vorfeld noch

Keine 20% rechtsradikale Populisten
Im Vergleich zu Europa noch stabil
Auch die USA stehen schlechter da

Die FDP wird wieder Geschichte
Nicht schreiben sondern bald nur
Noch eine liberale Erinnerung

München hat einen Grünen
Bürgermeister was lustig wird
Irgendwo schlug die SPD die CSU

Alles nicht weiter der Rede wert
Solange Deutschland weiterhin
In der Mitte so stabil bleibt ist gut 

Politik ist die gewählte Leitung der
Verwaltung auf verschiedenen
Ebenen zu verschiedenen Terminen

Das ist so langweilig wie es klingt
Braucht weniger Aufregung lieber
Weniger Lärm um nichts tut gut

jens tuengerthal 23.3.26

Sonntag, 22. März 2026

Lektürentagebuch 22.3.26

Lektürentagebuch 22.3.26

Bei Buddenbrooks einen Brief von
Thomas an seine Mutter gelesen der
Darin zuerst seine Zustimmung zur
Verlobung seiner Schwester Clara gibt

Seine Mutter hatte ihn als Chef der
Firma in Nachfolge des Vaters dazu
Nach Amsterdam geschrieben dabei
Ist der sonst so nüchterne Thomas

Voller Euphorie und Begeisterung
Erbittet nun die Zustimmung seiner
Mutter in selbiger Angelegenheit und
Dann erzählt er wie er seine Braut

Die Tonys Pensionatsfreundin Gerda
Arnoldsen aus Amsterdam ist dort
Traf und wie sie sich annäherten er
Die Zustimmung des Vaters erhielt

Erzählt wie er sie auf ihrer echten
Stradivari geigen hörte wie gut sich
Beide über Bücher unterhielten weil
Er als Buddenbrook natürlich nichts

Von Musik verstehe aber sonst alles
Ganz wunderbar wäre wie er so auch
Da Herr Arnoldsen Millionär wäre mit
Der beträchtlichen Aussteuer Gerdas

Für guten Kapitalzufluss für die Firma
Sorge auch wenn es natürlich zuerst
Um Liebe ginge freue ihn das als
Kaufmann mit guter Partie auch

Sie bräuchte ihm ihre Zustimmung
Nicht mehr zu schicken und schon
Im Sommer käme Gerda mit ihrem
Vater und der Schwester zu Besuch

So hat Thomas Buddenbrook als
Guter Kaufmann mit der Liebe auch
Etwas für die Firma getan und ist
Entsprechend euphorisch im Brief

Viel gäbe er darum schrieb er auch
Gleich am Anfang wenn er dabei die
Gesichter von Tony und ihr ob der
Überraschenden Neuigkeit sähe

Der Brief von Thomas ist datiert
Auf den 20. Juli 1856 und voller
Vorfreude auf den Sommer in dem 
Das Haus sich dann wohl füllen wird

Im Zauberberg geht Hans Castorp
Auf Krankenbesuch zu seinem neuen
Freund Mynheer Peeperkorn der nach
Dem Gelage vom Vortag darniederlag

So hatte den Malariakranken schon
Am Morgen ein Fieberanfall erwischt
Davon geschwächt lag er im Bett ließ
Aber Hans gerne kommen der zuvor

Den Malaien dazu gefragt hatte der
Ihn dann zu seinem Herren führte
Das Zimmer war edler ausgestattet
Die Betten mit Kirschholzrahmen

Auf dem Fußboden ein flauschiger
Teppich und vom Salon vor dem
Zimmer mit Pepperkorns Bett ging
Noch das Zimmer von Clawdia ab 

Auf dem Nachttisch des Holländers
Der auch krank noch majestätisch
Wirkte stand neben einer Flasche
Mit Chinin und Medikamenten noch

Eine Flasche Rotwein von dem er
Auch Hans gleich ein Glas anbot 
Clawdia gesellte sich bald dazu erst
Dies und das im Zimmer räumend 

Dann sich am Gespräch beteiligend
Worüber Hans lächeln muss der merkt
Wie diese sich fast wie eine Art von
Gouvernante sich dabei aufführt 

Die Dame möchte sichtbar nicht 
Das sie die Kontrolle verliert worüber
Beide Herren ungestört miteinander
Vielleicht sonst noch reden könnten 

Sehr engagiert erzählt Pepperkorn
Zunächst vom Chinin und wie dies 
Aus der Rinde gewonnen werde 
Wie dessen vielfältig guter Wirkung

Einmal im Referieren kommt der
Kranke vom Chinin zu einem aus
Anderer Rinde gewonnenes dort
Als Aphrodisiakum verwandten Mittel

Referiert dann darüber wie wenig wir
Über die Chemie und Wirkung der
Mittel bis heute wüssten die doch 
Wunder der Natur einfach wären 

Von den Alkaoiden kommt er zum
Strychnin als gefährlichen Gift das
Als Pfeilgift genutzt würde zur
Muskellähmung jedenfalls führt

Nach noch einigen Details zum 
Gift greift irgendwann Clawdia ein
Meinte Peeperkorn sei nun erschöpft 
Hans sollte jetzt besser gehen

Die offiziell Reisebegleiterin die
Zugleich Geliebte mal war nun
Vielleicht auch ist benimmt sich
Fast mütterlich autoritär dabei

Noch häufiger kommt es zu solchen
Besuchen oder auch gemeinsamen
Spaziergängen wenn Peeperkorn 
Gerade mal nicht zu krank ist

Dabei nehmen die üblichen teil wie
Wehsal und Ferge und sie treffen
Auch Settembrini und Naphta denen
Er Clawdia und Peeperkorn vorstellt

Das alles ist wieder mit wunderbarer
Ironie beschrieben und deutet ganz
Dezent den weiteren Verlauf an wie
Es die Beteiligten komisch karikiert

Thomas Mann bleibt der komischste
Wie humorvollste der deutschen
Autoren und schafft es aus kleinen 
Szenen große Erlebnisse zu zaubern

Weiter nun in der nahezu zeitgleich
Geschriebenen la recherche von 
Marcel Proust im Schatten junger
Mädchenblüte am Strand noch

Wunderbar erzählt der Erzähler von
Der sich nähernden Gruppe junger
Mädchen die er noch nicht wirklich
Als einzelne registriert hatte 

Sie waren für ihn eine schwebende
Allen gemeinsame ganz wunderbare 
Schönheit die voller Bewegung als
Ganzes auf ihn zuschwebte

Diese zauberhafte Schwärmerei malt
Proust mit zärtlicher Schönheit aus in
Details die er zugleich wieder für den
Eindruck des Ganzen widerruft

Vielleicht war es keine zufällige
Fügung dass diese Mädchen alle
Schön waren in ihrer Reinheit die 
Noch nicht durch die komplizierten

Zustände eines gebildeten Geistes 
Wieder entstellt waren in ihrer so
Natürlichen Beweglichkeit die noch
Vom erst Aufstieg ihrer Familien

Die schon den Sport für sich als
Freude entdeckten ohne gleich
Zuviel kritisch denken zu müssen
Was natürliche Schönheit entstellte 

Fasziniert von der Schönheit der
Mädchen und ihren dabei ganz
Natürlichen Bewegungen ordnet
Der Erzähler sie sogleich sozial ein

Gehören sie zu seiner Klasse auch
Waren es nur Aufsteiger die erst
Den Luxus langsam entdeckten 
Noch nicht von ihm geprägt waren

Sie zogen wie ein leuchtender Komet 
Über die Mole den andere nicht weiter
Berühren können sie ignorierten alle
Anderen und waren nur beieinander

Herrlich beschreibt Proust hier den 
Alten Bankier für den seine Gattin
Einen Platz nahe dem Musikpavillon 
Ganz fürsorglich besorgt hatte die 

Zwischendurch wegging ihm eine
Zeitung zu besorgen aus der sie ihm
Dann vorlas ihm aber auch Momente
Allein gönnte für das Gefühl einer

Noch bestehenden Selbständigkeit
Also in allem vollkommen zart für den
Feinen älteren Herren sorgt über den
Dann eines der Mädchen springt 

Dabei streift sie seinen Sonnenhut
Was eines der Mädchen aus der
Gruppe mit rauher Stimme dann
Kommentierte der Greis täte ihr leid

Diese und andere Ereignisse auf dem
Weg am Erzähler vorbei beginnen die
Gruppe so zu individualisien die nun
Ihre Wanderung wieder aufnahmen

Er bricht damit die Schwärmerei
Lässt schon ahnen was von diesem
Mangel an Benehmen zu erwarten
Zeigt wie unnahbar sie dennoch sind

jens tuengerthal 22.3.26


Sexualmoral

Sexualmoral

Braucht es eine Sexualmoral
Oder bleibt dies besser privat
Wer könnte die Natur regeln
Wem dienen Grenzen dabei

Religionen regeln zu gerne
Das Sexuelle was etwa die
Stupiden Christen in den USA 
Am liebsten gleich ausblenden

So wurde dort schlichte Nacktheit
Zum Tabu das als sündig gilt darum
Einer strengen Zensur unterliegt
Der alle sich irgendwie nähern

Soziale Netzwerke und ihre private
Zensur nach amerikanischen Muster
Spielen mit dieser sexuellen Moral
Auf widerlich amerikanische Art halt

Ist es eine Frage moralischer Macht 
Diese Frage juristisch zu regeln was
Verrät es über natürliche Bedürfnisse
Kann Moral diese je verändern 

Werden mehr oder weniger Menschen
Homosexuell wenn ich diesen Teil der
Natur bestrafe was als lächerlich von
Allen kultivierten Menschen verlacht

Erhöht eine strenge sexuelle Moral
Den Reiz dieser Nebensache noch
Deutlich und dient damit eher der
Fortpflanzung als Religion sonst

Funktioniert das sexuelle Wesen also
Schlicht dialektisch statt eine noch
Vernünftige Sicht zur Natur zu finden
Die uns dabei das Denken abnimmt

Warum verhalten wir uns heute nach
Der sexuellen Befreiung wieder so
Naiv und doppelmoralisch dabei
Wird nur anderes dabei pönalisiert

Könnte ein offener Umgang auch
Kommunikativ mit dem Thema Sex
Das ganze vernünftig entspannen
Statt ständige Hysterien zu suchen 

Die wechselnde sexuelle Moral ist
Eher eine Mode die mit Verboten
Den Reiz wieder erhöhen soll statt
Vernünftig Befriedigung zu suchen

Weil jede Wiederholung irgendwann
Langweilig wird werden neue Extreme
Gesucht es noch reizvoll zu halten
Die einen tun es fürs Geschäft dabei

Andere verdienen am Verbot mehr 
Lächerlich ist jeder Versuch die
Natürlichen Bedürfnisse noch zu
Beschränken statt sie sein zu lassen

Es braucht keinerlei sexuelle Moral
Der kategorische Imperativ genügt
Alle Fragen umfassend zu klären
Der Rest kann dann dahinstehen

jens tuengerthal 22.3.26