Montag, 18. Mai 2026

Zeitgefühl

Zeitgefühl

Die Erde ist rund und dreht sich
Um sich selbst wie um die Sonne 
Was Tag und Nacht wie auch die
Jahreszeiten logisch uns bringt
Wäre die Natur der Maßstab
Wandelte sich die Zeit täglich
Tage wären länger und kürzer
Je nach Dauer des Lichts was 
Auch daran hinge wie nah
Oder fern wir dem Äquator
Was eine bloße Setzung ist
Statt Natur zu beobachten 
Verlasse mich darum lieber
Auf mein Zeitgefühl und
Entscheide selbst wann 
Die eigene Zeit um ist die
Auch relativ zur Geschwindigkeit
Welche das Licht völlig verwirrt 
Was immer vom Zeitgefühl bleibt

jens tuengerthal 18.5mm

Normalverrückt

Normalverrückt 

Wie verrückt bin ich schon
Der immer lieber ganz
Für sich bleibt statt auf
Andere noch zu hoffen
Was ist gerade noch normal
Ist es unter Wahnsinnigen 
Verrückt normal zu sein
Oder einfach normal verrückt 
Frage ich mich und weiß
Den Unterschied nicht mehr
Wer die Grundlagen seines
Lebens und Überlebens 
Nachhaltig weiter zerstört
Ist entweder lebensmüde
Oder ganz normal verrückt
Fliegt in den Urlaub aus Spaß
Verbrennt Kohlenwasserstoffe
Zur Energiegewinnung statt 
Wind Sonne und Luft zu nutzen
Findet tausende Verkehrstote
Normal gerne sogar noch besser
Als es früher einmal war aber
Was die große Mehrheit tut 
Auch wenn ohne nachzudenken
Kann doch nie verrückt sein
Die Masse kann nicht irren
Nichtmal wenn sie einen Irren
Gewählt haben wo auch immer
So etwas geschehen könnte 
Sagte hier keiner Washington
Vermutlich ist das alles nur 
Der normale Wahnsinn
Schon zu Ende bis wer 
Merkt was los ist

jens tuengerthal 18.5.26

Sonntag, 17. Mai 2026

Lektürentagebuch 17.5.26

Lektürentagebuch 17.5.26

Bei Buddenbrooks kam Besuch
Herr Permaneder aus München
Tonys Bekannter gab sich die Ehre
Und bemühte sich auf Hochdeutsch

Was er aus seiner Sicht vermutlich
Geradezu gestellt dabei sprach für
Norddeutsche völlig unverständlich
Zumindest zur Nachfrage nötigt

Schon die Begrüßung der von der
Ihr überreichten Karte auf der von
Noppe & Kompagnon das Noppe
Handschriftlich durchgestrichen war 

Leicht verwirrten älteren Dame war
Von feiner auch sprachlicher Komik 
Mit vielen kleinen Details die den
Bayern äußerlich genau beschreiben

Als er mit Stock und Hut ins schon
Lange bekannte Landschaftszimmer
Tritt dessen Einweihung den Auftakt
Des Romans schon bildete wie auch

Der Ort der dramatischen Werbung
Von Herrn Grünlich gewesen war 
Ein immer wieder Zentrum also ist
Um das sich der Roman dreht 

Die typisch bayerischen Accessoires
Knotenstock Hut mit Gamsbart dazu
Grüner Loden steife Hosen und feste
Stiefel goldene Uhrkette mit Gehänge

Zeigen den Fremden aus der Ferne
Der die Konsulin ein wenig befremdet 
Wie sie das Benehmen des Bayern
Und die Ausdrucksweise erstaunten 

Sie lässt Tony rufen die ihn schon
Kommen sah und nur rasch noch
Etwas Toilette gemacht hatte um
Besonders gut wirken zu können 

Die Konsulin lauscht Tony und dem
Herrn Permaneder dabei und freut 
Sich wenn sie etwas versteht dann
Kommt auch Tom noch zur Runde 

Der beim zweiten Frühstück schon
Auf die Familie gewartet hatte darauf
Lädt die Konsulin Permaneder dazu
Der sich mit dem Porter schwer tut 

Nun lässt die Konsulin gleich eine
Flasche Rotwein zum Frühstück
Kommen der Permaneder und Tom
Gerne und gut zusprechen

Zwischendurch kommt noch ein Bote
Mit einem Telegramm für Tom das
Dieser zur Kenntnis nimmt was
Herr Permaneder bewundernd merkt 

Tom und Permaneder unterhalten
Sich über geschäftliches und als 
Dieser sich nach zwei Stunden
Wieder verabschiedet ins Hotel

Lädt ihn die Konsulin ein doch
Im Haus zu wohnen es wäre
Platz genug was dieser gerne
Auch sehr schnell annimmt

Auf dem Weg zur Tür sagt er Tom
Noch ein Kompliment für Tony was
Dieser sogleich überbringt worauf
Die angespannte Tony sofort sehr

Empfindlich reagiert und meint 
Es käme weniger auf die Form
Als auf den Inhalt von Herzen an
Worauf Tom gleich liebevoll ist

Auf Bitte der Konsulin wird er
Mit Gerda zum Dinner kommen
Gerne sogar weil er es unterhaltsam
Mit dem Bayern auch findet

Zuvor hatte er diesen schon
Zu sich in die Mengestraße 
Geladen ihn Gerda vorzuführen und
Ordert Boten für seinen Koffer

Wunderbar komisch karikiert hier 
Thomas Mann den Zusammenprall
Zweier Welten auch sprachlich die 
Er selbst so noch kennenlernte 

Das urwüchsig eingeborene trifft
Auf die steife bürgerliche Welt dazu
Noch Norden und Süden die sich
Sprachlich schon sehr fern sind

In einem wunderbaren Diskurs aus 
Dem Zauberberg sprechen sich
Settembrini und Naphta mit klugen
Anmerkungen und Spitzen die jede 

Schon Thema für eine Seminararbeit
Sein könnte gegenseitig Kompetenz 
Ab zu urteilen was auch literarisch mit
Viel Humor noch gespickt wurde

Da wird auf mittelalterliche Schriften
Von Naphta Bezug genommen was
Settembrini zu einem Vergleich mit
Dem Hildebrandslied wie auch der

Nibelungensage über den Mönch
Insan und den Rosengarten bringt 
Was an Dietrich von Bern erinnert in
Dessen Gefolge Insan nach Worms

Gereist war um am Kampf um den
Rosengarten der Brunhilde dort
Teilzunehmen den Dietrich von Bern
Gewann der je nach Version auch

Den unschlagbaren Siegfried besiegte
Wie Insan Volker von Alzey besiegte 
Und 52 weitere Kämpfer im Turnier
Schlug und so am Ende dann zum

Lohn 53 Rosenkränze und 53 Küsse
Von Brunhilde bekam der er mit dem
Rauen Bart ihr zartes Gesicht dabei
Völlig zerkratzte jedenfalls war am

Ende das reiche Burgund von
Dietrich von Bern geschlagen
Diesem zur Zahlung verpflichtet
Was Machtverschiebung uns zeigt

Nichts davon steht im Zauberberg
Aber es sind viele solcher zarten 
Andeutungen auch zum Ablass
Oder Luther noch hineingewoben

Den Reformator will Settembrini
Auch nicht verteidigen als Mensch
Aber dessen Freiheit hält er als
Humanist gegen die Inquisition hoch

So geht es ewig hin und her nur 
Hans Castorp bemerkt es fehlt 
Die geistige Spannung dennoch
Nichts neues zwischen beiden

Was Hans zum Vergleich mit dem
Stromkabel bringt auf dem keine
Spannung mehr wäre nach dem
Zuvor noch geistigen Feuerwerk 

Das hat eine so wunderbare Ironie
Wie tiefgründigen Humor zugleich
Dass die These Thomas Mann sei
Nur ein verklemmter Schwuler der

Sich nie ausleben konnte lächerlich
Wird verglichen denn mit wieviel
Witz und Humor pflügt dieser Mann
Seine geistigen Welten immer wieder

Vielleicht täte es der Welt besser
Sie schaute mehr auf Manns Humor
Im Werk statt aus seinem Leben
Probleme konstruieren zu wollen

Wer in 15 Jahren fünf Kinder zeugte
Die ohne Zweifel von ihm auch sind 
Wird mit seiner Frau Katia nicht nur
Literarisch geplaudert dabei haben

Aber das Privatleben des Autors ist
Ohnehin zum Verständnis seiner
Literatur nur bedingt von Belang
Besser wir lachten mehr über diese

Der Zauberberg ist in ganz vielem 
Wie besonders in diesen Dialogen
Eine Kulturgeschichte der Bildung
Des alten Europa voller Humor

Dies wieder mehr zu erkennen auf
Die Details zu schauen und sich
An diesem Feuerwerk zu freuen
Wäre Mann einzig angemessen

Stattdessen fahren heutige Autoren
Nach Sanary lesen Tratsch auf dem
Niveau des Boulevard aber verstehen
Den Witz ihrer Kultur nicht mehr

Lese lieber weiter sonntäglich Mann 
Freue mich an diesem Feuerwerk
Hoffe andere können auch noch
Darüber lachen statt über Mann 

Noch auf einige Seiten gen Balbec
Französische Küste der Normandie 
Mit Marcel Proust in den so zarten
Träumen junger Mädchenblüte

Nun hat er die Gruppe Mädchen 
Oder waren es schon junge Damen
Individualisiert und betrachtet sie
Dabei einzeln im Näherkommen

Spannend sind dabei die Wechsel
Seiner Urteile über das was da direkt
Vor ihm nun vorüberzieht wie ein
Sommerwind der stürmisch wird

Zunächst sucht er Merkmale die
Bestätigen diese Mädchen seien 
Distinguiert sozial gehoben einer
Oberen Klasse wie er zugehörig

Entschuldigt dabei sogar die Pelerine 
Die eine unpassend trägt damit dass 
Sie es nicht nötig hätte auf das bloß
Gewöhnliche Publikum hier zu achten

Sieht den dunklen Blick tiefer Augen
Mit dem eine ihn ansieht und fragt 
Sich dabei ob sie ihn wahrnimmt
Oder durch ihm durchschaut

So wie sie ihr Rad schiebt könnten 
Sie auch vom Velodrom kommen
Alle sehr junge Liebhaberinnen der
Dort Rennfahrer nur sein und schon

Verwandeln sich grazile Gestalten 
Der Schwarm junger edler Elfen aus 
Guter Familie in billige Flittchen ist
Ihr Benehmen nur noch respektlos 

Er sucht plötzlich innerlich Abstand
Um auf sich und seine edle Herkunft
Mehr zu achten sieht den Traum nun
Kritisch und fragt sich was wirklich ist

Fasziniert von ihrer Gruppe die nur
Auf sich achtet und alle anderen als
Störung wahrnimmt haben sie ein sie
Unsichtbar verbindendes Band 

Auch nachdem er sie individualisiert
Hat durch den nahen Blick bleibt das
Sie verbindende Band was alle außer
Ihrem Kreis ausschließt faszinierend 

Es ist meisterhaft wie Proust hier mit
Leichtigkeit aus einer kleinen Szene
Ein großes inneres Drama baut das
Auch soziale Konflikte umfasst 

jens tuengerthal 17.5.26

Unternehmungsunlust

Unternehmungsunlust

Viele unternehmen gerne was
Fahren irgendwo hin oder tun
Was Menschen auch in Massen
Gerne tun und folgen der Herde
Habe das früher auch gemacht
Weil ich dachte es gehört sich so 
Alle Menschen wollten das um
Etwas zu erzählen zu haben
Auch wenn mir schon schlecht
Wird beim Gedanken wegzufahren 
Reisen Stress und Übelkeit
Immer eher mir verursachte
Oder sie schauen Serien um
Sich berieseln zu lassen was
Sie entspannend finden
Machte mich nervös mit zu
Schnellen Bildern andere
Reden ständig mit anderen
Über alle Belanglosigkeiten
Wie Inhalte der Berieselung
Oder über Sex und Liebe 
Was zumindest noch relativ
Unterhaltsam sein kann
Geht es doch um den Kern
Ich aber bin anders
Irgendwie in allem
Habe eine Bibliothek
Was mich interessiert
Findet sich meist dort 
Den schönsten Sex
Durfte ich hier erleben
Es zieht mich nirgendwo
Mehr hin lieber bin ich da
Wo meine Bücher stehen
Reise lesend in ihnen
Bewege mich lieber
Geistig statt körperlich
Durch Raum und Zeit
Alles andere ist meist
Eher lästig außer noch
Besuche in Museen
In denen die Zeit steht
Lebe eine vollkommene
Unternehmungsunlust
Und das ist wunderbar
Habe die Welt um mich
In schönsten Büchern
Mehr braucht es nicht
Zufrieden zu bleiben
Meine Welt sind Bücher

jens tuengerthal 17.5.26

Lustperfektion

Lustperfektion 

Gibt es die perfekte Lust
Was macht sie wenn aus
Auf welchem Weg kann sie
Erreicht werden und was bleibt
Von der Lust wenn befriedigt
Ist sie dann erledigt oder
Schon wieder voller Hoffnung
Auf ein nächstes mal was 
Sie quasi unsterblich machte
Oder wäre sie perfekt wenn
Wir vollkommen befriedigt
Nichts anderes mehr wollen
Wäre perfekte Lust dann
Zufrieden einfach bleiben
Statt noch etwas wollen
Was auch schade wäre
Darum geht es vermutlich
Immer unperfekt weiter
Damit die Lust bleibt

jens tuengerthal 17.5.26

Liebesrisiko

Liebesrisiko

Liebe ist immer ein Risiko
Größtes GIück führt zur
Tiefsten Trauer was ohne
Jede Hoffnung uns lässt 
Bis wir wieder riskieren
Alles zu wagen um uns
Ganz darin zu verlieren
Also auf volles Risiko
Gehen um einander doch 
Noch zu finden einfach
Jedes Risiko ausblenden 
Weil es lohnender erscheint
Bis wieder alles verloren ist
Geht das vermutlich weiter
Bis wir nicht mehr sind nur
Manchmal lebt die Liebe
Länger als wir egal ob
Das Spiel dann endet

jens tuengerthal 17.5.26

Rieslingnacht

Rieslingnacht

Nach einem ersten Riesling Zuhause
Zu Königsberger Klopsen nun einen 
Zweiten im Crossroads den Selma
Bald brachte die mit Tino hier ist

An der Bar noch Volker mit seinem
Amerikanischen Freund Tino eine
Bekannte und drei Unbekannte am
Tisch vorm Fenster auch Bekannte 

Oben sind noch zwei dunkelhaarige
Damen ins Gespräch vertieft von
Denen eine gespenstisch hinter
Ihrem Pony verschwindet während

Die andere nur vom hinten brünette 
Zu erkennen ist und mehr zuhört 
Während Selma sich mit einer
Bekannten über die Bar unterhält 

Die Musik eher wechselhaft stört
Nicht weiter und Tino ist mit einer
Liste vor der Bar beschäftigt mehr
Ist auch mit Mühe nicht zu sehen

Eben mal wieder Blaulicht Richtung
Helmholtzplatz in blau-weiß also
Polizei was immer dort los ist hier
Wandert der Abend in die Nacht 

jens tuengerthal 17.5.27

Samstag, 16. Mai 2026

Lektürentagebuch 16.5.26

Lektürentagebuch 16.5.26

Auf der Reise ins Paradies schreibt
Heinrich mit Christine Gondela aus
Bamberg am 10. September 1802
Wohin sie mit Hindernissen gelangten

Sie hörten schon das Klappern des 
Rades an der Leiter des Wagens
Aber der Postillon meinte es würde
Noch dicke bis Bamberg halten

Zur Sicherheit wollten sie die nur
Zwei Meilen zu Fuß laufen und die
Kutsche sollte hinterher fahren doch 
Kaum liefen sie ein wenig lief schon

Wer hinter ihnen laut rufend her 
Die Achse war wieder gebrochen 
Der Wagen infolge umgefallen
Zum Glück direkt vor einer Schmiede

Herrlich aber noch sehr höflich wird 
Dabei umschrieben wie Heinrich den
Böhmischen Schmied verfluchte der
Vorher mangelhaft arbeitete auch die 

Versuche von positivem Denken um
Das Unglück besser zu ertragen sind
Sehr nett und scheinen ganz aktuell
Es hätte schlimmer kommen können 

Dabei macht sich der Bremer mit
Viel Selbstironie über sich lustig
Indem er sich ausmalt wie schlimm
Es doch noch hätte kommen können

Der Schmied und seine Leute halfen
Beim Aufrichten des Wagens und
Behoben den Schaden schnell wieder
Die Fahrt nach Bamberg ging weiter

Der Postillon meinte es gäbe wohl in
Bamberg hervorragende Werkstätten
Wie er ihnen später auch ein anderes
Als das gebuchte Hotel nahelegte

Sie aber blieben bei ihrem und fuhren 
Gut damit alles wäre gut und reinlich
Gingen dann noch durch die Stadt
In der sie bayerische Soldaten trafen 

Dies ist besonders wie auch dort noch
Berichtenswert weil nach dem gerade 
Reichsdeputationshauptschluss vom
Allerdings erst 25. Februar 1803 dann

Die kirchlichen Fürstentümer erst als 
Ersatz für an Frankreich verlorene 
Gebiete links des Rheins dann zur
Säkularisierung neu verteilt wurden 

So trat der Bischof von Bamberg
Der ein Fürst im Reich noch war 
Am 29. September 1802 zurück
Eine Reise im sich wandelnden Land

Dies wird im Buch teilweise durch
Eine kleine Fußnote bemerkt lohnt
Aber der weiteren Lektüre weil der 
Reichsdeputationshauptschluss die

Offizielle Auflösung des einst noch
Heiligen Römischen Reiches brachte
Ein Achsenpunkt der deutschen
Geschichte mit Folgen wohl ist

Das erste deutsche Reich hielt ohne
Am Anfang deutsch zu heißen von 
800 bis 1803 was die Geschichte vom 
Tausendjährigen Reich begründete

Das zweite noch von 1871 bis 1918
Also ganze 47 Jahre dabei während
Das 3. Reich nach 12 Jahren zum
Glück wieder Geschichte war

Um diesen wichtigen Wendepunkt 
Reisen beide durch das Reich und
Plagen sich teils mit Grenzen wie 
Dem Zustand der Straßen dabei

Bamberg selbst und die Gassen
Dort finden sie erstmal ziemlich
Dunkel und eng gehen lieber mit
Frischen ersten Trauben aus der

Altstadt an den Stadtrand und
Besteigen dann wie so gerne
Noch einen Hügel von dem die
Stadt zauberhaft wieder aussieht

Auf dem Weg zurück sehen sie
Pfälzische Soldaten den Dom
Betreten und folgen ihnen neugierig
Bis auf einmal laut die Tür knallt

Sie wähnen sich eingeschlossen
Rennen so schnell es geht zur Tür 
Überlegen ob sie schreien sollen
Aber die Tür war gottlob hier mal

Seltsam passend verwendet nicht
Verschlossen und heim ging es
Gerade noch rechtzeitig zum dann
Reichlichen Essen am Abend

Aus Mürzhofen berichtet von seinem
Spaziergang nach Syrakus der gute 
Johann Gottfried Seume Mitte Januar
Von stürmischer Wanderung noch

Durch hohen Schnee im Winter
Er schreibt es sei Mitte Januar
Die Alpen dann zu Fuß überqueren
Ist schon eine harte Prüfung

Doch kommt er im tiefen Schnee
Der ihm bis zur Wade reicht teils
Schneller teils langsamer vorwärts
Als die Fuhrwerke die er trifft

Berichtet von den Quellen der Wien
Wie anderer Flüsse die hier in ganz
Zauberhaften Tälern häufig Mühlen
Noch zum Nutzen aller antreiben.

Was ihm Grund genug gibt über 
Das Leben etwas zu philosophieren 
Was ihn zu dem klugen Schluss führt
Mal geht es schneller mal langsamer

Sehr erfreut berichtet er dafür vom
Anblick des jungen schönen Mädchen
Das ihn in der nächsten Pension mit
Teilnahme begrüßt was entschädigt

Ein kurzer Bericht über die nun
Alpenquerung im Winter was im
Sommer schon ein Abenteuer ist
Der ein Bild der Aufregung zeigt

Neben dem immer wieder im
Schnee verlorenen Weg zehrt
Auch die Angst vor Räubern
Dabei noch ständig an ihm

Im 28. Brief berichtet der Autor 
Johann Kaspar Riesbeck der 
Sich zur Tarnung als Franzose 
Ausgibt aus Wien und Umgebung

Zunächst aber kommt er auf den 
Ungeheuren Reichtum des Hauses
Lichtenstein wie des Fürsten Franz
Der reicher als alle an Besitz sei

Nennt ihn den reichsten Partikular
Was Privatmann eigentlich heißt
Weil seine unmittelbare Herrschaft
Im Reich mit Vaduz und Schellenberg

Unbedeutend sein und nur dazu
Dienten eine Stimme im Reichstag
Auch zu haben er verdiene allein
Zehnmal mehr als der reichste 

Engländer der Lord Cavendish wäre
Auch die Fürsten Esterhazy und
Schwarzenberg hätten wohl auch ein
Vielfaches an Einkommen noch

Verglichen mit denen in Neapel die
Pilati in seinem Reiseführer noch
Fälschlich als die Reichsten einstuft
Dem muss Riesbeck widersprechen

Spätestens bei diesem eher komisch
Konkurrenten Verhalten im Kleinen
Aber offenbart sich der Deutsche 
So schriebe wohl eher kein Franzose

Trotz des großen Reichtums sind die
Meisten Häuser hochverschuldet weil
Sie sich so viele Pferde wie Lakaien Tafeln und Spiele dazu leisteten 

So würde in Paris das Geld wohl mit
Mehr Geschmack verschwendet aber
Die Wiener hielten länger dabei durch
Ohne dabei wohltätig zu sein noch

Auch die Kunst profitiere nicht vom
Hiesigen Reichtum es würde bloß
Geschmacklos verschwendet außer
Der Lichtensteinschen Sammlung

Diese hätten mehr als 600 Meister auf
Ihre 12 Zimmer verteilt von Da Vinci
Bis Rubens wäre hier alles dabei aber
Das sei außer dem Hof auch alles

Dann beschreibt er sehr einfühlsam
Wie es typisch für Wien wäre dass sie
Essen bis sie kotzen müssen dies 
Dann täten um weiter zu essen

Die Musiken wären das einzige wo
Der Adel hier Geschmack zeigt viele
Häuser hätten eine eigene Bande
Musikanten was eine Kapelle heißt 

Es gäbe vier bis fünf große Orchester
Die alle unvergleichlich wären dabei
Sei die Zahl der Virtuosen gering aber
Die besten Orchestermusiker der Welt

Er hätte bis zu 40 Instrumente noch
Zusammenspielen hören und alle
Gäben einen richtigen reinen Ton
Was die Zuhörer völlig begeistert

Es gäbe gegen 400 Musikanten die
Sogar an einem Tag alle zusammen
Spielen würden zum besten der hier 
Musikantenwitwen in Harmonie noch

Eins der schönsten Schauspiele sein 
In den letzten Sommernächten die
Limonadenhütten das wären große
Zelte auf allen größeren Plätzen

Dort würde zur Nachtzeit Limonade
Ausgeschenkt es gäbe da hunderte 
Stühle mit Damen und Herren dazu
Spielen bei sonst Stille Musikanten

Wer die Equipagen von Wien sehen
Will sollte im Sommer ein Feuerwerk
Im Prater besuchen dieser wäre ein
Natürlicher Eichen und Buchenwald 

Gelegen auf einer Insel in der Donau
Deren oberer Teil die Leopoldstadt
Als große Vorstadt ist dort liegen 
Etwa 30 Hütten verstreut noch im

Schatten der Bäume mit Bänken und
Tischen wo es Essen und Trinken im
Überfluss noch gibt und wird täglich
Stark besucht aber bei einem

Feuerwerk besonderes merkwürdig
Etwa 12.000 Menschen würden sich
Versammeln dort Abendrot essen zur
Nacht strömt alles zu einer Wiese

Gegenüber dem Feuerwerk erhebt
Sich ein Amphitheater das von wohl
Einigen hundert sehr geschmückten 
Damen besetzt wird die glänzen 

Danach aber kämen bis zu 1500
Kutschen und sonst Fuhrwerke die
Aus dem Wald in die Stadt fahren
Alle direkt hintereinander dabei sind

Meistens herrschaftliche Equipagen 
Mit 4 bis 6 Pferden deren Anzahl sich
Auf etwa 3500 beläuft sowie 560 
Fiaker und 300 Stadtlohnwagen

Es gäbe trotz des starken Verkehrs
Keinerlei Unordnung so haben die 
Fußgänger besondere Wege das wird
Von Kürassieren mit Säbel bewacht

Es sei der Verkehr hier sehr ordentlich 
Nie würden mehr als 7 totgefahren 
Was weniger als 20 in Paris wären 
Froh wären wir um diese Zahlen heut

Das Feuerwerk zieht er allen anderen
Schauspielen vor sogar dem Theater
Er lobt dann einen besonders der
Seinen Konkurrenten verdrängte

Dieser wäre zwar besser gewesen
Aber war Italiener wurde als ein
Atheist beschimpft und war darum
Bald bei der Kaiserin erledigt

Zu den Sommerbelustigungen gehört
Auch der Augarten was ein schöner
Großer Park wäre der östlich an den 
Prater grenzt und ein Werk des

Kaisers wäre der ihn allen Menschen
Widmete aber es genießt ihn nur der
Feinere Teil des Publikums der Pöbel
Merkt selbst dass er nicht hin passt

Es sei ein englischer Garten für den
Der Kaiser keine Kosten scheute
Es gibt prächtige Pavillons mit allen
Erfrischungen im Sommer hier

Alle Stände mischten sich hier 
Besonders Adel und Gelehrte und die
Damen trinken Kur sich im Neglischee 
Zu zeigen was die Herren genießen

Unter den öffentlichen Spazierplätzen
Ist der Wall am beliebtesten obwohl in
Praller Sonne oft gedrängt voll so
Machten die Bürgerlichen stets nach

Der Kirche zugleich eine Tour auf dem
Wall um die ganze Stadt wozu sie nur
Eine Stunde brauchen höhere Stände
Führten ihre Hunde dort gerne aus

Hunde seien ein großer Luxus hier
Mit dem gewetteifert würde wie mit
Equipagen und Kleidern dabei sind
Gerade besonders Spitze in Mode

Der Garten des Belvedere das einst 
Prinz Eugen besaß ist auch ein
Öffentlicher Spazierplatz heute dabei
Hat der Park nichts besonderes

Dagegen sei das Gebäude eines der
Merkwürdigsten der ganzen Stadt
Von dort hast du den Überblick
Der Palast enthält die kaiserliche 

Gemäldegalerie unten die Italiener
Von herausragender Qualität mit
Werken von Raffael bis Veronese
Besonders lobt er Corregios Cupido

Oben hängen die Niederländer von
Wouwerman Bergheim Rembrandt
Die Galerie wäre 3 Tage die Woche
Für jedermann unentgeltlich offen

Anstößige Gemälde sind mit grünen 
Vorhängen bedeckt die aber jeder
Nach Belieben öffnen kann dabei sind
Einige bei denen sich wohl der

Heilige Franz von Assisi in Dornen
Wälzen würde es sind auch Gruppen
Die du im Leben nirgends als hinter
Bettgardinen findest also Sex

Er sah es in einer Gruppe mit auch
Verschiedenen Damen und Fräulein
Die Herren zogen ungeniert auf und
Auch die Damen sahen genau hin

Zwar verbargen einige dabei ihr
Gesicht hinter Fächern aber diese
Hatten genug große Öffnungen und
Keine überwand sich wegzusehen

Eine halbe Stunde vom Wall liegt
Die Sommerresidenz der Kaiserin
Schönbrunn in sumpfiger Senke 
Er hielte es dort keine zwei Tage aus

Der Palast wäre sehr weitläufig und
In großem Stil gebaut die Meublierung
Dort sei kaiserlich aber einige Säle
Hätten Tapeten von Gobelin

In dem dort Tiergarten sei ein Elefant
Das merkwürdigste der aus Indien
Ein Geschenk des Statthalters von
Holland wäre das wertvoll ist

Der Kaiser hat sich im klassizistischen 
Stil eine Sala Terrena auf die Anhöhe 
Bauen lassen auf der seine Mutter
Besser ihr Schloss gebaut hätte 

Wenn die Kaiserin da ist sieht man
Außer Kapuzinern und alten Damen
Wenig schöne Welt der Garten ist zu
Jederzeit für jedermann offen

Der Palast aber nur  in Abwesenheit 
Der Kaiserin besonders reizvoll findet
Riesbeck Schönbrunn deutlich nicht
Er bevorzugt da den Kahlenberg

Dieser läge eine Stunde über der
Stadt an der Donau schon der Weg
Sei vortrefflich dorthin wo sich auch
Das Sommerhaus des Feldmarschalls 

Franz Moritz Graf von Lacy der im
Siebenjährigen Krieg gegen Preußen 
Kämpfte und Berlin besetzte befindet
Der einen englischen Garten hat

Auf der Spitze des Berges steht ein
Kamaldulenserkloster am schönsten
Punkt weit und breit davor gibt es
Bänke und Tische für die Damen

Denen ist der Eintritt in das Heiligtum
Ohne Erlaubnis des Erzbischofs noch
Verboten dabei haben die Mönche
Kleine Häuser mit eigenem Garten

Sie haben eine Aussicht auf die
Donau die einem Mönch wirklich
Unwürdig sei es liegt einem ganz
Wien von dort zu Füßen 

Vor da kannst du bis an die Grenzen
Österreichs bis nach Mähren Ungarn
Blicken auf dem von dort sichtbaren 
Berg von Enzersdorf wächst einer

Der besten Weine von Österreich
Er genießt den Ausblick sehr und 
Meint glücklich sei wer so wohnen
Dürfe aber der Mönch verneinte es 

Die Zellen seien beständig dem Wind
Ausgesetzt und im Winter noch kälter 
So brachte ihn der Mönch aus der
Verzückung wieder zurück

Nach der Besichtigung gaben sie
Den Mönchen ein Trinkgeld für
Einige Messe für sie was das übliche
Eintrittsgelder dort oben wäre

Sie eilten zurück zu ihren Damen
Hatten kalte Küche und Wein dabei
Der Tag war schön die Frauenzimmer 
Gut aufgelegt und so genossen sie

Es gibt noch andere öffentliche 
Spazierplätze darunter auch der
Kalvarienberg an dem die Eroberung 
Unter der Maske der Andacht noch

Weiter getrieben werden kann als an 
Öffentlichen Orten weil sich unter
Heiligen noch besser vor der Polizei 
Versteckt werden kann in Wien

Von Wien geht es nach Berlin aus 
Dem Jahre 1780 in das Jahr 1846
Zum Berlin Buch von Ernst Dronke
Auch aus der Anderen Bibliothek

Sehr feinfühlig schreibt Dronke über
Schlafstellen für die ärmeren Klassen 
Die ein Bett für die Nacht brauchen
Aber tagsüber bitte verschwinden 

Darum müssen viele Arbeiter die so
Billig wohnen auch ihre freien Tage
Außer Hause verbringen was selten
Nur von guten Folgen sein kann

Diese Nachtunterkunft bringt die
Armen oft in klägliche Situationen 
Vermieter sind oft misstrauisch
Wie in Fällen der Not hartherzig 

Wer nicht bezahlen kann fliegt raus
Sein Hab und Gut wird anstatt dann
Beschlagnahmt sie müssen dann 
Bei jedem Wetter draußen nächtigen 

Oft fallen sie so der Polizei in die
Hände und gehen dann rechtlos
Einer ewigen Strafe entgegen was
Manche freiwillig in Haft gehen lässt

Schlimmer noch sind die Verhältnisse
Bei armen Arbeitern welche Familie
Haben für die auch noch gesorgt
Werden soll in Familienhäusern

Es ist erschreckend wie spannend
Wenn Dronke den Blick auf die
Widrigsten Umstände wirft eine
Sozialgeschichte Berlins schreibt 

jens tuengerthal 16.5.26

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit

Habe mein Leben lang immer
Eine Meinung zu Themen gehabt 
Menschen danach beurteilt was
Sie zu bestimmten Fragen denken 

Bin in einer Familie von vielen
Besserwissern groß geworden
Als solche haben wir dann um
Fakten gestritten um zu siegen 

Erfolgreich war wer sich dabei
Mit seiner Meinung durchsetzte 
Bestimmte Fragen waren immer
Dementsprechend zu beantworten

Als ich einer Diskussion heute mit
Genug räumlichem Abstand in der
Flaneurloge folgen durfte dachte ich
Auch dazu eine Meinung zu haben

Es ging um die Beurteilung der DDR 
Hatte zu diesem Unrechtsregime
Schon immer eine Meinung die aber
Hier keinerlei Rolle mehr spielte

Der Abstand bewahrte mich davor 
Sich dazu äußern zu müssen was
Nur die tun sollten die es erlebten 
Was mir große Freiheit schenkte 

Nun mit noch mehr Abstand merke ich
Wie gut die Enthaltsamkeit tut um so 
Frei von jeder Meinung zu leben von 
Was alles mich das befreit künftig

Vielleicht lebt es sich viel besser
In völliger Meinungsfreiheit um sich
Den Rest des Lebens lieber in
Enthaltsamkeit nun zu üben

Als ich mich später verabschiedete
Bedankte ich mich für das lehrreiche
Zuhören und ließ mich aber nicht auf
Diskussion oder Bewertung dabei ein 

Sagte lieber die DDR könnte ich nicht
Bewerten weil ich als Wessi dort nie 
Gelebt hätte und fand es eine große
Befreiung für mich auch menschlich

Sich enthalten um nur zuzuhören 
Befreit von jeder vergänglichen nur
Meinung und macht das Leben dazu
Viel leichter und schöner noch

Da musste ich erst 55 Jahre alt
Werden um zu merken dass sich
Eine Meinung haben weniger lohnt
Als ganz entspannte Enthaltung

Das Leben wird viel gelassener
Muss mich über nichts mehr
Unnötig aufregen kann dafür mit
Vielmehr lächelnd gut leben

Zumindest was die DDR angeht
Habe ich keine Meinung mehr
Der ich nie dort gelebt habe und
Natürlich nichts von da vermisse

Im übrigen lehrte schon der kluge
Michel de Montaigne dass sich die 
Enthaltsamkeit gerade etwa im Krieg
Mehr lohnen kann als bloße Meinung

Der aus einer ursprünglich jüdischen
Aus Spanien vertriebenen Familie 
Kommende Denker war katholisch
Beriet aber Heinrich von Navarra

In der Zeit der Hugenottenkriege
War das eine selten mutige Position
Die so allen Schlachten entging
Sich aus der Politik zurückzog

Das als früherer Bürgermeister von
Bordeaux welcher die Stadt durch
Die Katastrophe der Pest brachte
In der er den besten Freund verlor

Die Verteidigung der Meinungsfreiheit
Braucht während alle in Netzwerken
Ihre Meinung veröffentlichen viel mehr
Freiheit von jeder Meinung noch 

Nur wer nicht in den engen Schranken
Vorgefasster Meinung sich bewegt
Kann Verständnis füreinander finden
Was lohnender sein könnte auf Dauer

jens tuengerthal 16.5.26

Ossigespräch

Ossigespräch

Durfte heute in der Flaneurloge
Einem Gespräch zwischen zwei
Ossis lauschen über Erinnerungen
An die DDR und die Beurteilung 
Von deren Untergang warum es
Dazu kam wobei einer der schon
Erwachsen zur Wende war der
Aus einer oppositionellen Familie
Kam versucht das Scheitern mit
Freiheit und System zu begründen
Während der andere weiterhin mit
Verschwörungstheorien versucht
Das System zu rechtfertigen was 
Sehr spannend zu hören ist ohne
Die Teilnehmer hier zu benennen
Kann ich dabei entgegengesetzte
Standpunkte hören die sich aber
Über wiederum geteilte Erinnerungen
Immer wieder finden was eine
Spannende Sicht als Beobachter
Der daran nicht beteiligt war ist
Die Enthaltsamkeit des Flaneur
Trainiert der eigentlich eine Meinung
Dazu sonst wohl hätte aber durch
Den unbeteiligten Abstand daran
Glücklich gehindert ist was viel
Lehrt und erstaunlich spannend ist
Nun zu Anekdoten wechselt was
Die Gegensätze verschwimmen lässt
Wie schön ist es doch als Flaneur
Mit viel Abstand die Geschichte
Wie ihr Erleben mit Erinnerung ohne
Etwas dazu zu meinen zu erleben 

jens tuengerthal 16.5.26