Dienstag, 14. Juli 2026

Lektürentagebuch 14.7.26

Lektürentagebuch 14.7.26

Harry Graf Kessler berichtet in den
Erinnerungen eines Europäers aus
Der Zeit in Paris wie den Wohnungen
Seiner Eltern die schließlich in einem

Kleinen Palais zwischen den Champs 
Elyséea und Seine wohnten und wen 
Die Mutter dort alles empfing wozu er
Wieder aus ihren Erinnerungen zitiert

Wie sie jeden  Morgen gegen zehn
Empfing wer regelmäßig kam und
Sich dort wie benahm wobei er mit
Dem spanischen Botschafter beginnt

Wie ihr Mann alles versucht hätte sie
Zu einer großen Dame zu erziehen 
Aber sie doch immer zu direkt war
Die anderen spüren ließ was sie

Von ihrem Benehmen hält und wie
Dieser mit ihr redete als sei sie dumm
Weil er meinte Frauen bräuchten nur
Schön zu sein was völlig genüge

Wie sie diesem Gast gegenüber
Dann doch zu deutlich wohl ihr
Missfallen zeigte was Bankiers wie
Diplomaten am besten nie tun

Mehr schätzte sie den deutschen 
Botschafter in Paris einen Fürsten
Hohenlohe der mit Familie kam mit
Seinen erwachsenen Kindern dazu

Mit dem Sohn sang und musizierte
Die Mutter regelmäßig schätzte ihn 
Fürst Chlodwig war zwar klein an
Statur aber groß an Persönlichkeit 

Der richtige Mann ein großes und
Siegreiches Land zu vertreten aber
Die Fürstin passte nicht zu ihm denn 
Obwohl groß fehlte es ihr an Haltung

Dazu war sie nicht schön was doch 
Für eine Frau immer von Nachteil sei
Schreibt die wunderschöne Mutter mit
Spitzer Zunge dazu weil diese beim

Sprechen zu viel Zähne zeigte was
Keiner stehen würde aber ihre Tochter
Ganz genauso auch machte und sah
Gelegentlich eher abwesend aus

Sehr witzig und spitzzüngig wäre
Dagegen der uralte österreichische 
Botschafter Graf Beust und erzählt
Schöne komische Anekdoten die

Schmerzhaft schön auch auf seine
Attachés ausgedehnt wurden mit dem
Schwarzen leicht erotischen Humor
Den die Wiener so wunderbar zeigen

Von diesem kommt sie zum Pariser
Times Korrespondenten Oppert von 
Blowitz der aber nur aus Blowitz kam 
Dessen Feder aber gefürchtet war

Darum bemühten sich alle Damen
Um seine Gunst was ihn schließlich
Glauben ließ seine Hässlichkeit habe
Etwas pikantes sei unwiderstehlich 

Ganz anders wäre der Erbauer des
Suezkanals Ferdinand von Lesseps
Der von der Kaiserin schwärmte mit
Geradezu poetischen Worten

Als dann der Herausgeber des Figaro
Vorschlägt die große Sarah Bernhardt 
Zu besuchen die gerade Bildhauerin
War und eine ältliche Bekannte formte

Hier lästert sie ganz wunderbar über
Die affige Eitelkeit des damaligen
Superstars ohne alle Ironie dabei
Sie eigentlich nur peinlich findet

Wie sie sich mit Michelangelo noch
Vergleicht der nun im Grab rotiere
Den vielen albernen Gesten wie
Dem Preis für die schlechte Schau 

Dafür lobt Harrys Mutter dann auch
Einen Schauspieler über den die
Bernhardt vorher noch lästerte auch
Im Gespräch als sehr bescheiden 

Die spätere Gräfin Kessler zeigt sich
Also in ihren Erinnerungen schon sehr
Preußisch und menschlich noch dazu
Mit üblich höfischer Lästerei dabei

Mit was sollen sich Menschen die
Beruflich repräsentieren auch sonst
Beschäftigen denke ich dabei der den
Tratsch zu gut kennt und gern meidet

jens tuengerthal 14.7.26

Altherrenriege

Altherrenriege

Deutschland kommt nicht vorwärts
Investiert Milliarden in Rüstung und
Autobahnen was so vorgestrig ist
Wie Gasheizungen und Verbrenner

Es ist die Politik alter Herren die den
Wandel der Gegenwart wieder nicht
Mitbekommen haben und Milliarden
Verbrennen ohne eine Perspektive

Merz steht für diese Politikrentner
Die den vermeintlichen Aufbruch
Der CDU bestimmen der allein in
Konservative Erstattung uns führt

Der Bund hält weiterhin 12% an der
Commerzbank die Unicredit am Markt
Als italienische Bank nun übernahm
Zeit den Verkauf zu verhandeln

Doch der Geschäftsmann Merz ist
Keiner der gute Geschäfte macht
Er konserviert nur überholte Rezepte
Verschenkt Milliarden für Tankrabatte

Statt in erneuerbare zu investieren
Hofft er auf das Märchen der Fusion
Die noch in nichts realistisch ist und
Die führende deutsche Autoindustrie

Wird von Chinas Elektromobilität noch
Ganz nebenbei erledigt wie es unser
Grüner Wirtschaftsminister prophezeit
Hatte stattdessen bekommen wir nun

Vetternwirtschaft bei der die deutlich
Überforderte Ministerin der Firma des
Gatten lukrative Aufträge zuspielt was
Völlig vorgestrig kriminell dazu ist 

Dieser Kanzler der sich in Wimbledon
Zeigt bei deutschen Verlierern ist der
Größte Verlust für unser Land was 
Sich solche Politik nicht leisten kann 

Auf Arme einschlagen und illegal die
Europäischen Grenzen ohne eine
Lösung schließen ist seine Bilanz
Erlöst uns von der Altherrenriege

jens tuengerthal 14.7.26

Zeitreisender

Zeitreisender

Bin ein Zeitreisender und so
Ständig unterwegs in der Welt
Springe zwischen Jahrhunderten
Wie Vielflieger zwischen Kontinenten 

Nur verliere ich keine Reisezeit
Ein Griff in die Bücherstapel genügt
In andere Welten zu kommen die
Ständig irgendwo neben mir liegen

Manche fahren irgendwo hin
Um es gesehen zu haben was
Die Tiefe ihres Verständnisses
Offenbart es bleibt oberflächlich

Anschauung begreift nichts dazu
Braucht es Bildung und Bücher 
Die einen Zusammenhang erst
Zu und zwischen Dingen herstellen

Lektüre erläutert genau diesen
Lässt dazu noch weiter blicken
Als jeder Aussichtspunkt sonst
Nur wer liest kann verstehen

Wer gut belesen dann reist kann
An anderen Orten etwas erkennen
Alle anderen sind nur Touristen also
Im Dunkeln tappende Störenfriede

Weil Zeit natürlich beschränkt ist
Erspare ich mir die Reisezeit und
Gehe lieber lesend den Dingen auf
Den Grund statt nur davorzustehen

Erfahre mit einem Griff viel mehr
Vom Geist der Orte ausmacht als
Alle die nur da waren und das ohne
Sich vom Fleck rühren zu müssen

Geistige Mobilität bei endlich realer 
Immobilität ist unsere Zukunft wenn
Es noch eine geben soll manche
Begreifen es immer noch nicht

Doch egal wohin ich auch gehe 
Kann durch die Zeit nur reisen 
Wer über Lichtgeschwindigkeit hat
Oder es einfach geistig lesend tut

Weil E=mc² immer gilt bliebe von
Denen die beschleunigt reisen nie
Mehr als Energie noch übrig die ihre
Bemühte Bewegung auch verbraucht

Dagegen überwindet die radikale
Entschleunigung der Leser alle
Grenzen der Natur phantastisch
Lässt durch Zeit und Raum reisen 

So wurde ich als leidenschaftlicher
Leser mit einer Abneigung gegen
Alle oberflächlichen Reisen zum
Zeitreisenden der überall auch ist 

Die Bibliothek ist mir die Welt 
Alles was zählt findet sich hier
Bleiben verbrennt keine Energie
Aber schenkt viel Gelassenheit

jens tuengerthal 14.7.26

Lustrelativ

Lustrelativ

Nimmt die Lust im Alter
Relativ zur Potenz ab 
Dient Viagra mehr der
Überlegenen weiblichen Potenz
Als den männlichen Ego
Überlege ich und denke
Über relative Lust nach
Natürlich hab ich Lust
Auf meine Liebste aber
Nicht mehr immer eher
Gelegentlich auch mal
Kommt noch vor aber 
Lesen ist auch schön und
Ohne allen Stress auch
Wenn es mit Viagra
Immer noch geht 
Und ewig riesig steht
Frage ich mich ob die
Relative Lust nicht auch
Ein Gewinn an Freiheit ist
Zwar kann ich mich noch
Immer an jeder Frau freuen
Aber muss nichts mehr
Ihr oder mir beweisen 
Was das Gefühl dabei
Für Männer ab Mitte 50
Viel wichtiger plötzlich macht
Glaube bei Frauen ist es eher
Umgekehrt komische Natur 
Aber manchmal passt es ja
Denke ich und lache darüber
Nichts muss mehr aber
Alles kann mich mal

jens tuengerthal 14.7.26

Liebesrelativ

Liebesrelativ

Liebe ist absolut
Oder sie ist relativ egal
Doch wenn es im Leben
Mehr als eine Liebe gab
Stehen sie im Verhältnis 
Absolut wie relativ dabei
Natürlich ist die aktuelle
Immer die wichtigste
Oder schon lange egal
Dennoch prägen manche
Lieben mehr als andere
Einige verschwinden einfach
Völlig spurlos im Nichts
Andere erinnere ich bis heute
Auch wenn über 30 Jahre her
Gelegentlich bleibt Begehren 
Dann eher tiefes Gefühl doch 
All dies macht nie mehr oder
Weniger wertvoll in Erinnerung
Lange Liebe prägten auch
Wenn manche nie nah kamen
Das alles ist relativ relativ
Absolut ist in der Liebe nur
Die aktuelle ist die wichtigste
Alles andere ist nur relativ

jens tuengerthal 14.7.26

Montag, 13. Juli 2026

Lektürentagebuch 13.7.26

Lektürentagebuch 13.7.26

Harry Kessler plaudert wunderbar in 
Den Erinnerungen eines Europäers
Weiter über das Leben in Kurorten
Diesmal ist es Bad Kissingen

Der bevorzugte Kurort Bismarcks
Der dort mit Familie weilte aber mit
Kesslers noch nicht bekannt war
Was er alsbald nachholte dazu

Seinen Sohn Herbert vorsprechen
Ließ und zum Tee bei ihnen bat 
Die quasi nebenan wohnten im
Auftrag des berühmten Vaters 

Der als Reichseiner bereits berühmte
Fürst wollte sie unbedingt treffen hatte
Sie schon auf dem Balkon gesehen
Wie vielleicht auch dort singen gehört 

Der eiserne Kanzler suchte so in einer
Zeit in der er bereits zahlreichen auch
Anfeindungen bei Hofe ausgesetzt 
War neue Verbündete zum Kaiser

Er sprach schon beim ersten Tee über
Die Lästereien denen seine Mutter am
Hof ausgesetzt wäre sprach also über
Sich und suchte deutlich Verbündete

Wie sehr der alte Kaiser die junge
Schöne Frau Kessler schätzte
Pfiffen ja schon die Spatzen von
Den Dächern im jungen Kaiserreich

Der tägliche Tee bei Bismarcks wurde 
Nun üblich morgens gab es schöne
Spaziergänge sein Vater mit ihm und 
Herbert Bismarck seine Mutter mit

Der Tochter Maria zum plaudern
Es wurde darüber geredet ob die
Eltern nach Berlin kommen sollten 
Sein Vater vielleicht Minister würde

Das ganze spielte sich im Jahre 1874
In Bad Kissingen ab es ist also die
Zeit des Kulturkampfes gegen die
Katholische Kirche und ihre Macht

Wer hat die Macht am Rhein was
Können die Preußen durchsetzen
Wo wehren sich die Katholiken mit
Zentrum im Parlament im Kampf

Bekommt der Staat die Hoheit über
Die Schulen einige waren aufgebracht 
Unter ihnen auch ein Kullmann der
Ein Attentat auf Bismarck verübte

Noch vor der Haustür nur wenige
Meter von ihrem Haus also und
Seine Mutter schickte ihn mit Blumen
Zu Bismarcks wo die Fürstin öffnete

Genau erinnert er sich daran dass
Diese einen Morgenmantel mit einem
Dicken Flicken unter dem Arm trug
Wie sie ihn zum Kanzler führt

Er übergibt der eindrucksvollen 
Persönlichkeit seine Blumen die mit
Buschigen Augenbrauen liegend noch
Grüße an seine Mutter bestellt

Das Verhältnis bestand noch fort dies 
Zu demonstrieren wie den schlichten 
Geist der junkerlichen Familie wie er
Es wörtlich schreibt druckt er noch

Mehrere Briefe von Maria Bismarck
Ab die eher schlichte Plauderei sind
Erstaunlich ist nur dass Harry meint er 
Müsse um die acht gewesen sein

Passenderweise was hier Zufall ist 
Fand dieses Attentat am 13. Juli 1874
In Bad Kissingen statt also genau
Heute vor 152 Jahren dabei blieb 

Der Reichskanzler zwar nur leicht
Verletzt mit viel Glück dafür bekam 
Attentäter Kullmann lebenslänglich 
Starb 1892 in Haft an Tuberkulose

Bismarck verschärfte infolge noch
Seine Politik des Kulturkampfes der
Sich gegen die Macht Roms richtete
Die er nicht mehr dulden wollte

Leider nur war der Reichskanzler 
Eines Kaisers von Gottes Gnaden
Nicht der Richtige um Deutschland
Früh zum Laizismus zu bringen

Weiterer Ausdruck dieser wohl eher
Atavistisch zurückgebliebenen Sicht 
Ist der furchtbare Berliner Dom den 
Wilhelm II nach Bismarcks Abgang 

Egal ob der Lotse dabei das bereits 
Sinkende Schiff nur verließ oder vom
Sich überschätzenden Kaiser dazu 
Gefeuert wurde neobarock baute

Maßstab für diesen völlig unförmigen
Koloss der eine schöne Kirche von 
Schinkel dort verdrängte war allein die
Kuppel größer als der Petersdom

Wir erleben ähnliche Peinlichkeit mit
Furchtbaren architektonischen Folgen 
Gerade in Washington keiner verriss
Den Wilhelminismus so wie Kessler

Ob Bismarck der leicht hysterische
Choleriker wie verantwortliche völlig 
Verfehlter Sozialpolitik an der wir bis
Heute noch leiden bedeutend ist oder

Zum Wilhelminismus einfach passte
Auch wenn Wilhelm II ihn feuerte sei 
Hier dahingestellt sicher aber wird
Der üble Intrigant auch überschätzt

Wieso aber Harry Kessler meint er
Wäre 1874 acht gewesen und
Maria Bismarck im August zum 9.
Für den kleinen Harry gratuliert 

Bleibt rätselhaft beim 1868 im April
In Paris geborenen Grafen der
Da noch keiner war aber doch zu
Gerne seine Mutter glänzen lässt 

Warum erzählt Kessler das auf eine
Wenig bescheidene Art was will er
Damit von sich zeigen in einem 1935
Erstmals erschienenen Band 

War hier das Lektorat schlampig oder
Verwirrt der rote Graf sein Publikum
Bewusst ein wenig über die gute alte
Zeit nachdem er schon 1918 nach

Links eher abgebogen war aber dafür
Später DDP Mitglied wurde also ein
Liberaler passend zur Herkunft war 
Jedenfalls 1933 nach Frankreich ging

Sicher spannend ist es hier die so
Wichtige Geschichte des Kampfes 
Von Bismarck mit Rom zu erleben 
Aus Sicht beteiligter Zeitgenossen

Stephen Greenblatt schreibt in seinem
Buch Dunkle Renaissance im zweiten
Teil von Kapitel 5 über die strahlenden
Studienjahre Christopher Marlowes

Mangels konkreter Belege aus der
Studienzeit von Marlowe wird nun
Das Treiben zunächst allgemein
Beschrieben und wie sie lernten

Hier stand das Erlernen der Kunst
Der Argumentation in fließendem
Latein im Mittelpunkt dazu traten
Die Studenten gegeneinander an 

Sie sollten auch zentrale Fragen
Des Glaubens argumentativ lösen
Ob Gott alles weiß es eine Hölle
Gibt was Mensch wissen kann 

Damit lernten sie zu Fragen auch
Positionen zu vertreten die noch im
Offiziellen England bestraft wurden 
Was den Verstand schärfen sollte

Daneben spielten sie auch Theater
Die Frauenrollen waren umstritten
Wurden aber teils auch gut belohnt
Etwa von Elisabeth wenn es gefiel

In dieser Zeit begann Marlowe neben
Einem zwölfstündigen Programm an 
Unterricht mit seiner Übersetzung von
Ovids Amores die er bei seinen 

Studien in der Bibliothek entdeckte
Fand dafür ein neues Versmaß das
Dem lateinischen ähnlicher war so
Die Verständlichkeit noch erhöhte

Teils sehr delikate Texte von den
Liebesabenteuern des Autors wurden
So erstmals in englische Verse für
Ausgewählte Leser gebracht

Das Buch erschien erst später auch
Gedruckt mit Marlowe als Übersetzer 
Wurde aber schon 1599 verbrannt
Weil es gegen gute Sitten verstieß 

Nun endlich kommt Greenblatt auf
Das vakante Thema Homosexualität
Zu sprechen über ein Gesetz aus
Der Zeit von 1533 unter Heinrich VIII

Dies bedrohte die Sodomie mit der
Todesstrafe ohne dabei konkreter 
Festzulegen was als solche galt 
Worüber Greenblatt philosophiert

Über die geteilten Betten von 
Studenten und auch Tutoren kommt
Der Autor zur gleichgeschlechtlichen
Lust welche so wohl natürlich war

Da offiziell verboten gibt es dazu 
Keine Quellen was aber dann im
Dunkeln unter den Bettdecken
Wirklich geschah ist etwas anderes

Marlowe vertrat dazu sehr freie 
Positionen wie aus einigen Versen
Ableitbar zugleich war aber die 
Freundschaft von Männern geschätzt

Männer die sich umarmten oder
Zur Begrüssung küssten auch von
Tiefer Liebe sprachen waren normal
Wie es auch Montaigne beschreibt

Marlowe soll laut Kyd vertreten haben
Dass Johannes und Jesus sich auf
Eine außergewöhnliche Art liebten 
Er sei der Alexis von Jesus gewesen

Falls Marlowe tatsächlich so etwas
Geäußert haben sollte mutmaßt hier
Greenblatt sehr vorsichtig könnte er
Eigene Erfahrungen beschreiben

Dies sind noch keine wirklichen
Beweise für die Neigung Marlowes
Aber nähert sich vorsichtig der 
Frage der sexuellen Neigungen

Wer auch immer mit wem in einem 
Bett alles schief als hätte es Mangel
An Betten gegeben im England unter
Elisabeth scherzt Greenblatt dazu

Es ist jedenfalls davon auszugehen
Dass die jungen Männer sich nicht
Nur im Bett gewärmt hätten sondern
Auch sonst Erfahrungen sammelten

Die Übersetzung des Ovid wie die
Präsenz des Themas im Theater
In der reinen Männergesellschaft 
Lässt mehr vermuten als wir wissen 

Ricarda Huch beschreibt weiter im
Lebenslauf des heiligen Wonnebald 
Pück mit viel Humor von seinen zwei
Neuen Freunden die natürlich auch

Zu den ersten der Gesellschaft dort
Gehörten und ihm im Alter nah waren 
Der Justizrat Doktor Gregorius
Schimmelmann ein Kunstkenner wie

Großer geschmackvoller Genießer 
Sowie der Medizinalrat Doktor Joseph
Maria von Boll der eher beschränkt 
Alle Konfessionen bei sich behandelte 

Aber alle die nicht Katholiken waren 
Dafür schneller sterben ließ außer sie 
Konvertierten noch rechtzeitig der von
Pück ständig Spenden auch wollte

Dazu kosteten die regelmäßigen
Abendessen der drei Herren mit dann
Bestem Wein mehr als Pück hatte
Was zur Geldnot schon genüge 

Schimmelmann sammelte als Kenner
Kunst und war mit dieser exquisit
Eingerichtet womit Wonnebald auch
Mithalten wollte und darum nun

Für viel Geld Kunst auch kaufte ohne
Ahnung davon zu haben nahm er was
Teuer war ihm darum gut erschien
Warf dafür viel Geld heraus

Dazu kam noch seine Geliebte die
Vorsteherin des Damenstiftes dort
Hermenegilde und sein Sekretär und
Schützling Lando die beide aus ganz

Unterschiedlichen Gründen große
Summen von ihm wollten für ihr je
Liederliches Leben und für sich
Was besonders die Dame betraf

So locker diese mit ihrem Liebhaber
Lebte so streng war sie mit den 
Damen ihres Stiftes was häufiger
Zu Beschwerden bei Wonnebald

Führte dem das Stift unterstand
Was er aber nur mit ihr besprach
Sie gelegentlich sogar freikaufte
Wenn die Verwandten Ärger machten 

Wonnebald Pück war also trotz des
Größeren Einkommens bald wieder
In Geldnot und dachte er müsse nun
Ein Wunder finden gut weiterzuleben 

Welch feine Kritik der Zustände steckt
In dieser kleinen Beschreibung wieder
Wie sich die Elite der Gesellschaft in
Gegenseitiger Konkurrenz verschuldet

Auch das Wesen nötiger Wunder um
Das teure weltliche Leben weiterhin
Finanzieren zu können offenbart eine
Der dunklen Seiten der Kirche hier

jens tuengerthal 13.7.26


Hitzeopfer

Hitzeopfer

Über 10.000 Opfer der Hitze sind
In Europa nun zu beklagen oder
Vielleicht eher zu bejubeln aus
Sicht der öffentlichen Haushalte

Der größte Teil der Opfer der Hitze
Ist über 65 damit im einem Alter
Das den Staat mehr kostet als noch
Erwirtschaftet was also lohnend ist

Warum also sollten die Regierungen
Etwas gegen die Hitze unternehmen
Sie gewinnen ja nur dabei was sich
In Städten ohne Bäume bald zeigt

Die Hitzeopfer sind damit ein Gewinn
Für die Regierungen und ihre immer
Klammen Haushalte so machen sie
Politik die den Trend noch verstetigt

Ob das Ende und also das Nichts
Nicht ohnehin verlockender ist als
Das weiter so unter den Bedingungen
Ist offiziell verpönt zu fragen

Das ist fern aller Menschlichkeit aber
Dafür sehr effektiv und lohnend was 
Die Frage stellt ob Ökonomie noch
Menschlich ist oder besser weg kann

Derweil sparen die Regierungen bei
Den Ärmsten weiter um die Reichsten
Nicht zu belasten die durch ihre Art zu
Leben das Problem noch potenzieren

Die Hitzeopfer zeigen uns was falsch
Läuft im asozialen Staat den keiner
Braucht darüber nachdenken kostet 
Das sparen wir uns bei der Hitze

jens tuengerthal 13.7.26

Sommerverhältnis

Sommerverhältnis

Liebe Frühling und Herbst
Zum Sommer habe ich eher
Kein Verhältnis er ist meist
Zu heiß zu trocken zu hell

Das beste was du im Sommer
Tun kannst ohne gleich wieder
Ins schwitzen zu geraten ist 
Abwarten und Tee trinken

Wenn Nichtstun die Devise ist
Mag ich den Sommer sehr denn 
Das liegt mir da hab ich Erfahrung
Nur wollen und machen passt nicht

Heiße Tage drinnen genießen statt
Etwas zu wollen entspannt einfach
Nichtstun täte allen viel besser und 
Hielte die Welt dabei ein wenig an 

Zu lernen wie wenig noch muss
Bücher ohne Strom konsumieren
Sich auf das Nichtstun völlig zu
Konzentrieren täte allen besser

Das einzige was im Sommer muss
Ist weniger und das langsamer was
Menschen von schlichtem Gemüt
Wie mir ganz besonders gut gefällt

Nutzen wir die heißen Tage um 
Nichts zu tun weil nichts muss
Aber alles in Ruhe noch Zeit hat
Es ist ja lange genug noch hell

jens tuengerthal 13.7.26

Bücherpolygamie

Bücherpolygamie

Lebe in einer offenen Beziehung
Mit den Bänden meiner Bibliothek
Nehme sie nach Lust und Laune
Genieße das Zusammensein mit
Ihnen voller Liebe und Hingebung

Wir vereinigen uns gerne geistig
So nah in mich kommt keine wie
Bücher die mein Denken berühren
Warum ich schlechte Bücher auch
Ohne jeden Skrupel weglegen kann 

Nah darf nur was gut ist aber das
Tollste an dieser Liebe ist sie kennt
Keinerlei Eifersucht oder Missgunst
Lese ich das eine geduldet sich das
Andere bis eine Laune es nach ihm 

Wieder greifen lässt und lese darum
Über hundert Bücher parallel weil ich
Keine Liebsten erledigen will sondern
Sie seitenweise genieße nach Laune
La recherche von Proust lese ich so

Seit über 28 Jahren geduldig immer
Mal wieder einige Seiten wie Kekse 
Die ich in den feinen Tee dazu tunke
So lebe ich in meiner Bibliothek mit
Den Liebsten zusammen und es ist

Die Bücherpolygamie die erfüllendste
Vorstellbare Beziehung und Liebe 
Denke ich dankbar dafür dass wir
Uns zusammen gefunden haben
Im Liebesleben eines Lesers

jens tuengerthal 13.7.26

Sonntag, 12. Juli 2026

Lektürentagebuch 12.7.26

Lektürentagebuch 12.7.26

Harry Graf Kessler setzt seine sehr
Persönlichen Erinnerungen mit denen
Seiner Mutter an den Kaiser welcher
Wilhelm I war fort was gut ordnet 

Zwar klingt es zunächst wie Bunte
Wenn verständnisvoll von der großen
Liebe des Kaisers erzählt wird einer
Bildschönen Prinzessin Radziwill die

Wilhelm da sie nicht standesgemäß
Aus keinem regierendem Haus kam 
Nicht heiraten durfte und stattdessen
Eine Augusta von Sachsen-Weimar

Gezwungenermaßen heiratete die auf
Den Knien Goethes groß wurde aber
Doch in der Erinnerung seiner Mutter
Blass alt und tratschig nur war über

Ihre entzückenden Pariser Kleider
Nur redete dies so ausführlich dabei
Dass jedes weitere Wort entbehrlich
Nach der Etikette deutlich verdeckte 

Erzählt so viel von Wilhelm der sich
Der Form halber alles verkniff aber 
Doch gerne unterhalten und dazu 
Noch abgelenkt wurde auf viele Art

Detailliert wird von französischen
Theaterstücken berichtet die bei der
Gräfin Lehndorff-Steinort im Salon 
In Bad Gastein gespielt wurden

Von der Mühsal eines Grafen Bülow
Den amüsierten Bemerkungen des
Kaisers dazu teils auf französisch 
Ohne seine Mutter zu erwähnen

Was unnötig ist weil er ihren Bericht 
Wiedergibt und sie erzählen lässt
Aber dennoch viel sagt wenn wir das
Gerücht dabei nicht ignorieren

Er wird vermutlich nie direkt etwas
Von dieser Liaison sagen aber wie
Der Kaiser sogleich entflammt war
Sich dies indirekt wieder bestätigte

Ist schon mehr als nur Andeutung
Natürlich spielte sein Vater wie die
Mutter Rollen in dem Stück bei den
Lehndorffs wo gut geputzt wurde 

Lehndorff-Steinort spielte nach dem
Tod von Kessler eine große Rolle im
Zweiten Weltkrieg hier nebenan war
Die Wolfsschanze das Hauptquartier

In Steinort war Ribbentrop einquartiert 
Lehndorff war im Widerstand um den
Grafen Stauffenberg nicht umsonst
War die Wolfsschanze der Ort an dem

Das Attentat geplant und versucht war
Diese Lehndorff-Steinort in deren 
Salon das Theater stattfand war die
Schwägerin des kaiserl Adjutanten 

Ein älterer Bülow bemüht sich zur
Unterhaltung des Kaisers ein jüngerer
Der Reichskanzler später wird gilt als
Unangenehmer Charakter wir sind

Auch wenn in Ems oder Gastein doch
Am preußischen Hof und dann kommt
Noch die österreichische Kaiserin was
Damals Sissi war in den Erinnerungen

Seiner Mutter hier vor und ihr ganzer
Auftritt groß schlank mit schwarz gold
In den Farben ihres Landes wie der
Kaiser ihr den Vortritt noch gibt

Das scheinen auf den ersten Blick
Geschichten noch aus einer anderen 
Welt von Adel Hof und Tratsch doch
Erzählt Kessler hier indirekt mehr

Woher sollte seine Mutter wenn sie
Nur eine hübsche Bekannte aus der
Kur war mit solcher Gewissheit vom
Emotionalen Leid Wilhelms wissen 

Kessler sagt es nicht und widerspricht
Öffentlich laut allen Gerüchten aber
Erzählt ganz im geheimen viel mehr
Als jede nur Behauptung belegte

Damit zeigt der rote Graf sich als
Ein genauer Kenner der höfischen
Sitten die manches nie aussprechen 
Dafür indirekt überdeutlich machen

Denke an meine liebe Freundin
Die auch preußische Prinzessin
Unsere Großmütter kannten sich
Aus Bremen noch lang ist es her

Über zwanzig Jahre vermutlich 
Die Ehen der Preußen darüber
Ließen sich viele Geschichten
Schreiben wie über die Liebe

Als meine Mutter noch Tanzstunde
Mit den Prinzen hatte aber ihre Mutter
Ihr vorher schon sagte lass die Finger
Von den Prinzen die haben ein uraltes 

Hausgesetz das stärker ist als alle
Gefühle über das sich die Mutter 
Der Freundin hinweggesetzt hatte
Was noch für viel Ärger sorgte 

Gute Partie schlechte Partie
Alter Name große Familie aber 
Einsam real ist manches viel
Weniger glänzend als es scheint

Belasse es wie der Graf hier bei
Bloß anonymen Andeutungen die
Lesen kann wer die Beteiligten kennt
Geschichte kommt manchmal nah

Noch auf einige Seiten in den feinen 
Wie komischen Lebenslauf des
Heiligen Wonnebald Pück bei Ricarda Huch getaucht und herzlich gelacht

Zunächst erfahren wir wie Wonnebald
Bei den älteren Stiftsdamen in der
Umgebung seines neuen Bistums
Erregte Begeisterung bald auslöst

Wie er sich auch um diese Damen
Noch kümmert was ihn Lux zwar
Nicht vergessen aber zumindest
Zeitweise üppig ersetzen lässt

Dann gibt es neue Details aus dem
Leben des Maulwurfjägers wie auch
Schwiegervaters Christoph Bernkule
Der Schwänze abliefern muss um

Seine erfolgreiche Jagd zu beweisen
Wie sie einen fangen aber das junge 
Mädchen darob schrecklich weint 
Auch als der ein Grab dann bekommt

Sich nicht wieder beruhigen kann
Bis der lachende Großvater hier
Aufdeckt dass er die meisten der
Maulwurfsschwänze selbst bastelt 

Weil was zu fangen ist nicht reicht
Eine Familie zu ernähren so immer
Eine Zahl Maulwürfe bliebe die aber
Schädliche Insekten fressen würden

Wie dieser Betrug der Behörden zum
Zerwürfnis mit dem Sohn führte der
Immer aufrecht sein wollte aber das
Gegenteil bei Wildererjagd erreichte

Wo der Mensch das Gleichgewicht
Der Natur stört ergab dies selten je
Gutes denke ich dabei lächelnd so
Werden halt Schwänze gebastelt

Mit feiner Ironie auf den Staat wie die
Vielen nutzlosen Beschäftigungen der
Zu viele nachgehen müssen schreibt 
Ricarda Huch hier und lässt lachen

Zum weinen traurig ist es eigentlich
Heute beschäftigen Job-Center eine
Ganze Industrie mit Dingen denen
Verglichen die selbst gebastelten 

Maulwurfsschwänze noch als eine
Höchst sinnvolle Tätigkeit scheinen
Warum die Umgehung des Staates
Wieder viel wichtiger künftig wird 

jens tuengerthal 12.7.26