Freitag, 21. August 2026

Lektürentagebuch 21.8.26

Lektürentagebuch 21.8.26

In dem Kapitel Neptuns Lächeln hat
Stephen Greenblatt in dem Band
Dunkle Renaissance wunderbar auch
Über Liebe und Herzblut geschrieben

Wie ein Autor seine Figuren mit Herz
Leben lieben und leiden lässt wird an 
Den Figuren aus Marlowes Stücken 
Im Kontext seines Lebens erläutert

Was im Doktor Faustus begann der
Als Wissenschaftler auf der Suche
Ihm schon ähnlich war wie bereits
Die Grenze zum Atheismus berührt

Wird noch spannender in Edward II
Ein König aus dem 14. Jahrhundert
Wurde einer Affäre mit einem Mann 
Wegen abgesetzt und hingerichtet 

Das ist sehr spannend und spielt
Mit gleichgeschlechtlicher Liebe wie
Ihrer gesellschaftlichen Verurteilung 
Wie Neid und Macht im Hochadel

Dabei ist die Figur des Edward auch
Vielschichtig wie andere Figuren des 
Stücks welches die ideale Basis für
Eine queere Oper bieten könnte

Diese innige und intensive Nähe 
Unter Männern die aber noch nicht
Homosexualität genannt wurde die
Im Tudor England noch verboten

Hier zeigt Marlowe wieder eine für
Seine Zeit sehr mutige Darstellung
Einer gescheiterten Liebe und ihrer
Brutalen tödlichen Folgen am Ende

Dies wird um Berichte über die
Historische Figur Edward wie sie
In Berichten dargestellt ergänzt als
Schlimmer widernatürlicher Sünder

Wie Marlowe diese Figur aber viel
Differenzierter betrachtet könnte
Eine Neigung oder Tendenz zeigen
Für etwas was damals verpönt noch

Darüber berichtet Greenblatt hier 
Im großen kulturhistorischen Kontext
Was auch zum letzten Teil dieses
Kapitels wieder sehr gut passt

Es ist die Zeit der Pestepidemie in 
London die 1/12 der Bevölkerung
Der Stadt umbringt und wie infolge
Auch alle Theater schließen mussten 

Das Problem der Pandemie und wie 
Eine Gesellschaft mit noch weniger
Medizinischen Kenntnissen darauf
Reagiert scheint wieder hochaktuell

Marlowe besucht in dieser Zeit einen
Freund auf seinem Gut auf dem Land
Sie waren etwas gleich alt und auch
Geistig wohl sehr eng verbunden

In dieser Zeit schrieb er dort dann
Vermutlich im Dialog mit dem dort
Gutsherrn die Erzählung in Versen
Hero und Leander nach antikem 

Vorbild noch über eine große Liebe
Am Bosporus auf beiden Seiten
Zwischen Asien und Europa die im
Original tragisch traurig endet

Diese antike Geschichte erzählt
Greenblatt und wie sie Marlowe
Abwandelte gut enden ließ mit
Der erfüllten Leidenschaft sogar

So wird bei Marlowe die erfüllte
Körperliche Liebe zum höchsten
Glück des Lebens nach dem dann 
Nichts mehr kommen muss

Spannend ist seine Variante vom
Versuch über den Bosporus zu
Schwimmen auch im Winter weil
Er ihre Laterne sah die dann

Im Sturm im Original erlischt was
Den Schwimmer auf dem Weg zur
Geliebten ertrinken lässt während
Es bei Marlowe dafür eine sehr

Zart schwule Szene mit Neptun gibt 
Die in einigen Versen an den Rand
Des damals legalen schon ging der
Von Verehrung schöner Nacktheit

Dabei wunderbar zärtlich dichtet
Wie typisch schwule Bilder nutzt 
Es aber in der Erfüllung der beiden
Liebenden in der Lust enden lässt

So lässt Marlowe die tragische antike 
Liebesgeschichte einfach wunderbar
Glücklich enden was auch eine starke
Symbolik in Zeiten der Pest hat

Der Freund bei dem Marlowe die
Zeit auf dem Land verbringt ist ein
Walsingham Vetter zweiten Grades
Des Geheimdienstchefs in London

Auch der junge Walsingham der zuvor
Schon wie Marlowe Zeit im Knast
Wegen zu hoher Schulden verbrachte
Arbeitete für den Geheimdienst

Greenblatt fragt wie das verbindet
Wohin es führt was diese Tätigkeit
Mit dem Gewissen macht wie sich
Dies in seinen Stücken spiegelt

Eine kulturgeschichtliche Biografie
Über einen großen Autor der auch
Ein Mann des Geheimdienstes war
Leuchtet beides dabei tief aus

Was wie ein Thriller begann wie es
Zum Geheimdienstler passt wird 
Zum genauen Blick auf Motive des
Autors und seiner Neigungen dabei

Agententhriller aus der Zeit von 
Queen Elizabeth I verbunden mit
Einer tief blickenden literarischen
Biographie als Kulturgeschichte

jens tuengerthal 21.8.26



Höhlenbewohner

Höhlenbewohner

In uns ist unsere Geschichte
Wie die unserer Ahnen gespeichert
Was wieviel dabei ausmacht bleibt
Vermutlich unklar und differiert wohl
Je nach Natur und Neigung dazu 
Manche Menschen streben zum
Himmel und wollen gerne hoch hinaus
Andere bleiben lieber auf dem Boden
Der Tatsachen und leben auch
Ebenerdig lieber statt über den
Dingen ewig zu schweben
Und dann gibt es solche wie mich
Die lieber eine Höhle bewohnen 
Denen es wichtiger ist noch
Unterirdisch geborgen zu sein
Statt weite Aussicht zu haben 
Gleich einen Hobbit davon noch
Träumen sich ihre Wohnhöhle mit 
Büchern vollzustellen und darin 
Wie im Paradies leben können 
Lebten wir alle mehr nach unseren
Neigungen und unserer Natur
Wären viele glücklicher auch
Nebeneinander jeder für sich
Bin ein Höhlenbewohner ganz
Glücklich im unteren Bereich
Bleibe im Erdreich dabei für mich
Zufrieden wird wer weiß was
Dauerhaft noch gut tun kann 

jens tuengerthal 21.8.26

Morgendämmerung

Morgendämmerung

Am Morgen dämmerte es mir
Dass die Nacht schon vorbei ist
In der geschäftigen Kurpfalz
Nachdem ein Glas des feinen
Hiesigen Spätburgunders zur
Pasta mit Tomatensauce schon
Vollkommen genügte mich selig
Einschlafen zu lassen sogar
Wenig nach Mitternacht noch
Bei Licht angezogen aber hier
Begann sichtbar schon der Tag
Zwitscherten die Vögel im Garten
Brummte es von der Autobahn
War himmelblau zwischen weiß 
Schon oberhalb sichtbar und so
Wechseln hier Tag und Nacht
Fast unbemerkt noch

jens tuengerthal 21.8.26

Donnerstag, 20. August 2026

Radikalnormal

Radikalnormal

Radikale Ansichten werden plötzlich
Ganz normal und AfD wählen wird
Als bloße Opposition gegen die
Politische Klasse dargestellt statt
Klar zu erkennen dass wer Nazis
Wählt auch ein Nazi ist und alle die
Eine rechtsradikale Partei wollen
Rechtsstaat und Demokratie nicht nur
Gefährden sondern die Freiheit damit 
Bereits zerstören was keiner dem die
Freiheit wichtig ist mittragen kann 
Es darf nicht normal werden diese
Rechtsradikalen zu akzeptieren
Nazis alle zu nennen die sich für
Remigration einsetzen ist normal 
Wer dies toleriert ist gefährlich wie
Bereits Mittäter der Machtergreifung
Als hätte Deutschland nicht aus der
Geschichte gelernt geht es wieder
So los wie es vor 1933 begann
Darum seid wachsam und stärkt
Die demokratische Mitte die einzig
Für eine Zukunft in Freiheit steht 
Es darf nicht normal werden hier
Noch Rechtsradikale zu unterstützen
Unser Rechtsstaat braucht wohl eine
Radikale Verteidigung durch die
Demokraten statt falscher Toleranz

jens tuengerthal 20.8.26

Heimatgefühl

Heimatgefühl 

Bin in der Kurpfalz
In die ich eher nie wollte
Mit 16 zog ich hierher was
1986 war also vor 40 Jahren

Was verbindet mich mit hier 
Außer der Familie die hier lebt
Überlege ich und denke noch
An Schule Studium Lieben 

Einige der wichtigen Lieben im
Daran nicht ganz armen Leben
Fanden sich hier auch unter den 
Eingeborenen sogar zeitweise

Doch Heimatgefühl kam nicht auf
Nach dem Abitur wollte ich zum
Studium nach Norddeutschland
Kiel war unser Ziel damals noch

Studierte dann doch hier im alten 
Heidelberg was dafür nicht so ganz
Ungeeignet sein soll zumindest falls
Du das richtige hier studierst

Hab nun ach nur Juristerei hier 
Studiert was zu einem Anarchisten 
Natürlich nie passen konnte aber
Zumindest Denken noch lehrte 

Wieder hier zur Mutterpflege nach
Inzwischen 26 Jahren Berlin sitze ich
Zwischen den Kirschholzmöbeln der
Eltern und ihren Gemälden der Ahnen

Frage mich was Heimat ausmacht ob
Es naheliegt oder eher fern und was 
Am Ende noch davon zählt und bleibt
Wenn wir immer weniger werden

Zutiefst bildungsbürgerlich sind hier
Bücher überall und das übliche mit
Ahnen und Biedermeier am liebsten
In warmer Kirsche gemütlich

Offen immer gewesen für Freunde
Wie Fremde und doch verschlossen
Für die unteren Schichten ohne es
Je so vor irgendwem zu sagen

Hatten es manche noch schwerer zu
Bestehen wo es anderen schon von
Familie her natürlich leicht fiel weil
Jeder unter seinesgleichen bleibt

Doch auch dabei nicht als gewöhnlich
Nur eben mit der geistigen Waffe der
Bürger dem Geist durch Bildung der
Sie sich besonders fühlen ließ

Darin und zwischen Lexika die Welt
Genau zu bestimmen wuchs ich auf
Heimat ist ein Bücherregal um das
Bilder der Ahnen hier noch hängen 

Zärtlichkeit und Nähe war dabei
Weniger wichtig als Haltung und
Etwas besser zu wissen um so im
Immer Wettbewerb etwas zu gelten

Welche Heimat mein großes Herz hat
Das gerne alle lieben würde es auch
Lange bei vielen noch versuchte ist
Unklar auch in der Kurpfalz

Uchte liegt mir gefühlt näher als es
Wiesloch nebenan je war obwohl ich
Ersteres real nicht mal kenne was 
Zeigt wie relativ Heimat sein kann

In Uchte war meine Großmutter
Während des Krieges mit ihren 
Kindern also meiner Mutter auch
Mehr kenne ich da nicht außer

Die Geschichten der Liebsten
Welche dort im Kindergarten war
Heimat ist überall da wo meine
Gerade Bücher noch stehen

jens tuengerthal 20.8.26

Kurpfalzregen

Kurpfalzregen

Herrlich auf zwanzig Grad abgekühlt
An einem grauen Regentag lässt sich
Die Kurpfalz gut aushalten heute von
Draußen plätschert es im Garten am
Teich mit der Brücke darüber kann
Mäßiges Sommerwetter so gut tun
Fast frühherbstlich fühlt es sich an
Sieht es nach der langen Dürre auch
Aus nun scheint wieder die Sonne
Aber bei milden Temperaturen ein 
Ganzjähriger früher Herbst täte gut
Statt dieser ewigen Schwankungen 
Angenehm mild eben gemäßigt
Wie es zu unserer Zone passt
Zeigt sich mal wieder erwartbar
Weniger ist doch mehr

jens tuengerthal 20.8.26

Lektürentagebuch 19.8.26

Lektürentagebuch 19.8.26

Der Teufelspakt ist Kapitel 16 in 
Dunkle Renaissance betitelt und
Stephen Greenblatt spielt mit diesem auf doppelte Weise auf Marlowe an

Zum einen wird der Teufelspakt mit
Mephisto in seinem Doktor Faustus
Dabei detailliert thematisiert zum
Anderen Marlowes Tätigkeit als Agent

Dieser auch Teufelspakt der ihm
Freiheit und Wohlstand brachte
Sein Examen in Cambridge noch
Rettete gefährdete andere Leben 

Die zitierten teils auch sexuellen
Anspielungen im Faustus sind sehr 
Spannend und legen die Brücke zu
Goethes Faust nah der kopiert hat

Als erster schuf Marlowe in seinem 
Faustus eine differenzierte Figur die
Mit dem Bösen und dem Leben ringt 
Dabei aber den Tod nicht fürchtet 

Dafür bekommt er von Mephisto
Nachdem er durch Studien alles
Wissen schon errang wie Faust
Die Macht im Geisterreich dazu

Greenblatt überlegt mit kritischem
Blick auf den Text inwieweit dieser
Von Marlowes eigener Tätigkeit als
Agent noch geistig beeinflusst war 

Gedanken über Macht Wissen und
Geld werden in der Zeit erläutert
Zeigen auch die dunkle Seite des 
Lebens in der Renaissance noch

Ein umfangreiches Kapitel das ich
Teils in der Bahn und teils hier in 
Der Kurpfalz las regte zu vielen 
Gedanken über geistige Macht an

jens tuengerthal 20.8.26

Mittwoch, 19. August 2026

Go West

Go West

Eingeklemmt im Flixzug geht es
Quer durch Deutschland von Berlin 
Bis nach Heidelberg und dann weiter
Regional in die Kurpfalz mal wieder
Die Frau Mama zu versorgen wofür
Die Qual der Reise eben nötig ist
Sitze hier schwitzend noch vom 
Gepäck schleppen auf meinem Platz
Gerade kam der Schaffner die hier
Tickets am Telefon zu prüfen und
Unterhält sich auf türkisch mit den
Nachbarn im Gang gegenüber
Es ist nicht Deutsche Bahn aber
Sehr locker und offen in grün
Die Asiatin neben mir ist sehr
Höflich aber nicht gesprächig
Was der Dichter zu schätzen weiß
Der Zug rattert über die Gleise
Aus teils offenen Fenstern weht
Frische Luft durch den Wagen
So lässt es sich aushalten
Wenn der Flaneur reisen muss

jens tuengerthal 19.8.26

Reisetage

Reisetage

Reisetage sind ein Elend
Du bist noch nicht da aber
Auch schon nicht mehr hier
Sitzt auf gepackten Koffern 
Wartest auf die Abreise um
Irgendwo anzukommen aber
Bist erstmal unterwegs und
Das im Schweiße deines 
Angesichts von dem es tropft
Wie von Himmel auch weil
Du auf die Ankunft wartest
Und es natürlich regnet
Während du schwer nur mit
Dem nötigsten bepackt dich
Auf den Weg machst und also
Im nirgendwo wirklich erstmal
Viel zu lange unterwegs bist
Der Weg sei das Ziel meinen 
Die spirituell angehauchten
Spinner dazu dann gerne
Für mich wäre weniger davon
Eher mehr als jede Reise
Wer macht so etwas noch
Freiwillig ohne zu müssen
Denke ich und verzichtete 
Zu gerne für alle Ewigkeit
Um zu bleiben wo ich bin
Und hingehöre in meiner
Bibliothek statt unterwegs 
Aber es hilft ja nichts denn 
Bald geht es los

jens tuengerthal 19.8.26

Urlaubsverlängerung

Urlaubsverlängerung 

Unser aller Kanzler
Den keiner den ich kenne
Je wählte noch weniger wollten
Dafür alle ermahnt mehr zu arbeiten
Um den Wohlstand zu erhalten hat
Sich seinen Urlaub noch verlängert
Was angemessen scheinen muss
Da doch keiner soviel wie er schon 
Ertragen musste wie uns dafür der
Spiegel in den er täglich schaut
Sein Resthaar korrekt zu legen 
Offenbarte und damit für ihn eher
Das Gegenteil erreiche ihn zum
Gespött der Nation machte der
Am Burnout zu leiden scheint
Warum sein baldiger Rücktritt
Mit der Verlängerung näher liegt
Als viele noch zu hoffen wagen
Zumal er selbiges noch voller
Überzeugung forderte als er
Oppositionsführer war und die
Ministerpräsidentin der Pfalz
Die früher noch das Rheinland
Davor hatte als das Klima noch
Nicht das Land im Griff hatte
Ihren Urlaub nach der Flut
An der Ahr nur unterbrach
Während sich der bald wohl
Ehemalige Kanzler nicht mal
Beim größten Waldbrand zeigt
Scheint sein Abgang wohl längst 
Beschlossene Sache der CDU 
Die immer lauter opponiert
Er hat es bestimmt am schwersten
Von allen Kanzlerinnen und nie
War eine so unbeliebt vor ihm
In so kurzer Zeit warum wohl
Die Urlaubsverlängerung der
Einstieg in den Ausstieg ist
Falls dieser Kanzler noch etwas
Spürt von der Stimmung sollte 
Er bald den Ruhestand wählen
Gerne auch mit Krankengeld
Wegen psychischer Überlastung 
Missgunst tat noch keinem gut
Finanziert mit einer ganz neuen
Kerosinvermögenssteuer an der
Sich unser aller noch Kanzler
Dann wohl auch beteiligte 
Mit neuem Bürgergeld 
Weiß aber nicht ob es ihn 
Dabei am härtesten träfe
Wie sonst immer

jens tuengerthal 19.8.26