Dienstag, 3. März 2026

Versgedanken III

Versgedanken III

Weiter in Montaignes Essay über
Einige Verse von Vergil wo er hofft
Die Freiheit die er sich schreibend
Herausnimmt möge den Mut wecken

Sich über alle Tugenden hinweg die
Nur feige vorgeheuchelt wären als 
Ausgeburt unserer Mängel und Makel
Zu setzen um vernünftig zu werden 

Du musst deine Fehler erstmal selbst
Durchschauen damit du sie auch
Offenbaren kannst wer seine Fehler
Vor anderen verbirgt pflegt dies auch 

Vor sich zu tun weil sie diese nicht
Für verborgen genug halten solang 
Sie ihnen noch selbst sichtbar sind
Worüber ich hier schon schrieb

So würden sich die Krankheiten des
Körpers offenbaren in dem sie sich
Verschlimmern was uns Grippe schien 
Wird so in Wirklichkeit zur Gicht 

Dagegen werden die Krankheiten des
Geistes mit ihrer zunehmenden
Verschlimmerung immer dunkler noch
Der Kränkste spürt sie am wenigsten 

Eben darum müssten wir sie meint
Montaigne nachts der Brust entreißen
Um sie ans Tageslicht zu zerrn warum
Darüber reden schon helfen kann

Ihm sei jede Verstellung so zuwider
Dass er es meide sich Geheimnisse
Überhaupt anvertrauen zu lassen da
Er nicht abstreiten könne was er weiß

Verschwiegen wäre nur wer es von
Natur aus ist nie aus nur Pflicht wer
Den Fürsten dient müsse sowohl
Verschwiegen wie ein Lügner sein 

So findet er Lügen schlimmer noch
Als Unzucht treiben wer vor die Wahl
Zwischen Lastern gestellt würde
Käme wirklich in die Klemme erst 

Origines war vor die Wahl gestellt
Worden einen Götzen anzubeten oder
Sich von einem großen hässlichen
Afrikaner missbrauchen zu im lassen 

Er wählte die Götzen was wiederum
Die Kirchengeschichte sündhaft nennt
So hätten Frauen recht die lieber zehn
Männer als eine Messe nähmen

Sollte es ein Mangel an Zurückhaltung
Sein wie er die eigenen Fehler noch
Zu veröffentlichen bestünde doch nie 
Gefahr dass dies Schule mache

Schon Ariston hätte gesagt die
Leute fürchteten am meisten Stürme
Die ihre Häuser abdecken dabei sollte
Doch genau dies offenbart werden

Da wird das Gewissen ins Bordell
Geschickt und zugleich Biedermann
Gespielt selbst Verräter und Mörder
Hielten maskiert auf die Etiketten

Ganz im Sinne der Hugenotten die
Eine Ohrenbeichte ablehnen berichtet
Er in aller Öffentlichkeit gewissenhaft
Wie schon Augustinus Origines und 

Hippokrates gesteht er öffentlich die
Mängel seiner Lebensführung so
Hungere er danach sich bekannt zu
Machen egal wie vielen nur wahrhaft

Was meint zu gewinnen der alles um
Der Ehre Willen tut wenn er sich der
Welt in einer Maske zeigt und so sein
Wahres Wesen verbergen würde

Dazu erzählt er wie König Archelaos
Durch die Straße ritt und jemand über
Ihm Wasser ausgoß worauf ihm seine
Begleiter rieten er solle den bestrafen

Dieser meinte darauf der andere
Hätte das Wasser über dem nur
Ausgegossen für den er ihn hielt
Nicht über ihn das ginge ihn nichts an

Als Sokrates erzählt wurde es würde
Schlecht über ihn geredet sagte er nur
Alles falsch in ihm sei nichts von dem
Was sie ihm nachsagen würden

Wer ihm Montaigne schmeichelte er
Sei ein guter Steuermann bescheiden
Gar enthaltsam rühre ihn zu keinerlei
Dank wie umgekehrt auch bei einer

Beschimpfung als Verräter Dieb oder 
Trunkenbold ließe ihn das unberührt
Nur wer sich verkennt weidet sich am
Unverdienten Beifall noch nur nicht er 

Weil er in sein Innerstes schaut wisse
Er genau was ihm zukomme er 
Würde gern weniger gelobt aber dafür
Besser erkannt werden so könne er

Wohl für weise gehalten werden aber
Im Sinne einer Weisheit die er lieber
Torheit nennen würde so verdrießt es
Ihn wenn seine Essays den Damen

Für gewöhnlich nur als eine Art von
Einrichtungsgegenstand dienen den
Sie sich in ihren Salon stellen dabei
Dürfte dieses Kapitel nun endlich

Ihm Zutritt in ihre Privatgemächer
Geben er liebe ja den etwas intimeren
Umgang mit ihnen so böten die nur 
Öffentlichen Beziehungen weder 

Wonne noch Würze und gerade beim
Abschied flammt die Liebe zu den 
Dingen die wir lassen müssen heißer
Auf als je zuvor so sagt auch er den 

Spielen dieser Welt Lebewohl dies
Sei ihre letzte Umarmung aber um
Beim Thema zu bleiben statt noch
Sentimental zu werden fragt er gleich

Was der Geschlechtsakt dieser so
Natürliche nützliche ja notwendige
Vorgang den Menschen getan hat
Dass sie nicht ohne Scham von ihm

Zu reden wagen und ihn verbannen 
Aus allen ernsthaften Gesprächen
Keine Hemmung hätten wir töten 
Rauben und verraten zu sagen

Aber dabei murmeln wir nur zwischen
Den Zähnen meinen wir etwa desto
Weniger wir darüber redeten desto
Mehr könnten wir daran denken

Es sei doch ein Witz dass jene Worte 
Die am wenigsten genutzt werden
Zugleich die am besten verstandenen 
Seien geläufig wie das Wort Brot 

Dem Geschlecht was diese Sache am
Meisten betriebe sei auferlegt worden
Darüber beharrlichst zu schweigen 
Was die Damen lächelnd intim meint

So würde es noch als Verbrechen 
Gelten diesen Akt anzusprechen
Auch nur für eine Anklage was dem
Verbrecher sogar Freiheit schenkt

Ginge es da nicht wie mit jenen 
Büchern die weil sie verboten sind
Nur um so mehr verkauft würden 
Er halte es da lieber mit Aristoteles 

Der meinte Schamhaftigkeit gereiche
Noch der Jugend zur Ehre aber dem
Alter bringe sie nur Spott ein zitiert
Nun in der Antike gepriesene Verse 

Es irrt wer Venus zu sehr flieht
Wie wer zu sehr für sie erglüht
Oh Göttin die du über alles waltest
Nichts erquickliches entstünde je
Ohne dich und nichts erhöb sich
Zu den Gestaden hellsten Lichts

Wer den Musen ihre Liebesträume
Nähme beraubte sie ihrer schönsten
Spiele wie der edelsten Stoffe für
Ihre Werke die wenig nur behielten

Wer Amor die Dichtkunst nähme
Brächte ihn um seine beste Waffe
Er stünde undankbar da und hätte 
Vergessen wieviel er ihr schulde 

Er sei noch nicht so lange von der
Hofliste der Diener Amors gestrichen
Dass er dessen Macht vergessen
Noch wärmt sein Blut die alte Glut

Es bliebe eine Spur von Erregung
Möge diese Glut weiter schwelen
Sie nie in seines Lebens Winter fehlen
Ausgetrocknet und gebeugt bliebe

In ihm noch ein Rest vom alten Feuer
Wie das Meer sich nach dem Sturm 
Erst langsam wieder beruhigt dabei
Wirke die Macht Amors in Versen

Welche Finger hätten noch stärker 
Der Liebeszauber der Dichtung
Überflügelt die Liebe selbst nie
Sei Venus so schön wie bei Vergil

So umschlingt Venus ihren Gatten 
Vulkan und schon durchdringt die
Vertraute Flamme und Glut gleich
Mark und Bein und Blut wie neu

Die Wolken spaltet des Blitzes 
Jäher Strahl Feuer sprühend ohne 
Zahl bis Vulkan erschöpft vom
Liebesdienstn hingegossen liegt

Die Glieder nun schlaff dichtete 
Vergil lag er hingegossen in der
Gattin Schoß dazu meint aber
Montaigne einschränkend noch

Für eine verheiratete Venus hätte 
Der Dichter sie zu leidenschaftlich
Dargestellt sei doch die Ehe eher
Ein Vernunft gelenktes Geschäft 

Dort seien die Begierden nicht
Derart wild noch sondern eher
Abgestumpft und trübselig so sei
Die Liebe dort nur ein trüber Gast 

Diese hasse es wenn Verbindungen
Nicht ausschließlich um ihretwillen
Eingegangen werden und die Ehe 
Diente Familie und Vermögen erst

Du heiratest nicht für dich sondern
Für deine Nachkommen wie deine
Familie warum Ehen besser durch
Dritte als durch das Paar selbst

Ausgerichtet werden sollten weil
Eine solche Verbindung sich besser
Auf das Urteil anderer statt auf das
Eigene vernünftigerweise gründet 

Dies sei allen Liebeshändeln doch
Entgegengesetzt warum er es eine
Unzucht finde sich in der Ehe den
Ausschweifungen der Sinneslust

Ohne Verstand hinzugeben so solle
Nach Aristoteles der Mann die Frau
Nur zurückhaltend und zuchtvoll
Berühren dass sie nicht zu wild werde

Gleiches rieten auch die Ärzte eine
Zu heftige Wollust verderbe nur den
Samen und hemme die Empfängnis 
Warum der laue Geschlechtsverkehr

Wie er in der Ehe natürlich sei nur 
Mit beträchtlichen Abständen noch
Ausgeübt werden soll damit sich so
Die Inbrunst speichern könnte 

Hierzu zitiert er wieder Verse nach
Denen der Samen des Mannes nur 
Dann zur Zeugung taugt wenn der
Gattin Schoß ihn gierig in sich saugt

So kenne Montaigne keine Ehen die
Schneller in Schwierigkeiten gerieten 
Als jene die auf Schönheit und das
Liebesverlangen sich gründeten

Hierzu bedarf es nach seiner Sicht
Welche die Romantik umdrehte doch 
Ernsterer Fundamente sowie eines
Stets vorsichtigen Vorgehens dazu

Leute die meinen es täte der Ehe gut
Sie mit der Liebe zu verbinden seien
Wie jene die den Adel mit Tugend 
Verbinden wollen was zwei Dinge

Miteinander verbindet die teilweise
Verwandtschaft haben aber zwischen
Denen erhebliche Unterschiede doch
Bestehen darum besser getrennt

Erbe ersetze keine Erfahrung was
Montaigne nun noch an Beispielen
Aus der Antike weiter ausführt die
Belächeln wird wer ihn selbst liest

Montaigne erzählt dann noch eine
Geschichte vom Umgang mit dem
Adel in Calicut in Indien die auch
Komisch absurd sexuell wieder ist

Eine gute Ehe falls es sie gibt wie
Montaigne humorvoll einschränkt 
Hat weniger mit Liebe zu tun als
Mit Freundschaft sei eine stetige

Lebensgemeinschaft noch voller
Beständigkeit und Vertrauen mit
Einer Unzahl wechselseitiger Dienste
Wie Pflichten für eine gute Ordnung

Keine Frau die auf den Geschmack
Einmal kam möchte je die Rolle einer 
Geliebten ihres Gatten übernehmen
Als Ehefrau wohnt sie weit sicherer

In seinem Herzen denn als Geliebte
Fragst du den Gatten wessen Glück
Ihn mehr sorge wessen Unglück ihn 
Tiefer träfe wäre die Antwort klar

Dass gute Ehen so selten sind zeigt
Deren Wert und Würde sie sind das 
Gute Fundament der Gesellschaft
Das wir dennoch schlecht machen

Wir glichen den Vögeln die wenn im
Käfig alles tun herauszukommen aber
Wo frei versuchten hereinzukommen
Wozu er passend Sokrates zitiert

Der gefragt ob es besser sei zu
Heiraten oder nicht nur meinte
Was auch immer wir tun wir werden
Beides schon bald bereuen

Die Ehe sei eine Zweckgemeinschaft
Auf die das Wort zutrifft der Mensch
Ist dem Menschen entweder ein Gott 
Oder ein Wolf dazwischen wäre nichts 

Es müssten sich viele Eigenschaften
Verbinden eine Ehe aufzubauen was 
Den einfachen Geistern leichter fiele 
Er sei aber weniger dazu geeignet

Ohne diese wunderbaren wie weisen
Worte Montaignes zu kommentieren 
Verneige ich mich lächelnd vor seiner
Weisheit noch glücklich unverheiratet

jens tuengerthal 3.3.26

Lektürentagebuch 2.3.26

Lektürentagebuch 2.3.26

Über die Augen Claude Monets
In Das Kunstwerk von John Berger
Gelesen und über seinen präzisen 
Analytischen Blick dabei gestaunt 

Er beginnt mit einer Bemerkung von
Cézanne das Monet ein Auge sei das
Wunderbarste Auge seit es Maler gibt
Die er für völlig überschätzt hält

Wichtiger scheint ihm die Trauer in 
Monets Augen zu erkennen und zu
Ergründen wie sie von Photographie
Zu Photographie deutlicher hervortritt

Dieser Trauer wäre bisher zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt worden
Weil in der üblichen kunsthistorischen
Sicht dafür kein Platz ist weil der Blick

Auf den Impressionismus als Tor das
Die Kunst ins 20. Jahrhundert führte
Den Bruch mit dem bisherigen betont 
Was auf jeden Fall richtig wäre

So müsse die befreiende Wirkung des
Impressionismus erkannt werden von
Klaustrophober bürgerlicher Kultur
Des 19. Jahrhunderts klar sein

Dennoch könnten wir die Trauer in 
Den Augen von Monet nie vergessen
Sollte sie nicht historisch gesehen
Werden im Kontext seiner Erfahrung

Berger widmet sich zunächst dem 
Bild Impression soleil Levant nach
Dem der Kritiker Castagnary erst 
Den Begriff Impressionismus prägte

Das Bild zeigt den Hafen von 
Le Havre wo Monet als Kind
Aufwuchs dabei ist im Vordergrund
Die Silhouette eines Mannes

Der in einem Boot steht und eine
Andere Figur rudert über das Wasser 
Hinweg sind Masten und Kräne zu
Sehen in der Morgendämmerung 

Darüber aber tief am Himmel eine
Kleine orangefarbene Sonne der sich
Darunter im Wasser spiegelt es ist
Aber kein Bild der Morgenröte

Es ist ein Tag der beginnt wie der
Gestrige aufhörte die Stimmung
Erinnert Berger an Baudelaires 
Gedicht Die Morgendämmerung

Darin ist vom auf Schluchzen eines
Menschen die Rede der gerade erst
Geweckt wurde was aber mache die
Melancholie des Bildes noch aus

Warum löst ein Turner nicht gleiche
Empfindungen bei uns aus dazu meint
Berger es läge an der Malweise die es 
Impressionistisch mache in seiner Art

Transparenz dünner Farbschichten
Für das Wasser schimmere durch die 
Leinwand dazu rasche Pinselstriche 
Wie kräftig hineingesetzte Schatten

Die Reflexe die das Wasser aufhellen 
Optische Aufrichtigkeit bei zugleich
Unbestimmtheit der Gegenstände
Damit wirke es hinfällig trügerisch

Dazu zitiert er wieder Verse von
Baudelaire wonach die Gestalt einer 
Stadt rascher wechsle als das Herz
Eines Sterblichen aus Fleur du Mal

Was verändert sich fragt Berger wenn
Es beim Impressionismus alleine um
Impressionen gehe wie verändert das
Die Beziehung vom Betrachter zum

Betrachteten wenn jede Impression 
Ihrer Natur nach flüchtig ist sie nur ist
Was bleibt wenn die Landschaft schon
Verschwand oder sich verändert hat

Wie intensiv eine Impression ist lässt
Sich so wenig beweisen wie eine nur
Erinnerung worüber Monet immer
Wieder klagte wenn der Moment weg

So könne er kein begonnenes Bild
Vollenden wenn der Moment weg sei
Weil Wetter Licht Stimmung sich für
Immer für ihn verflüchtigt hätten 

Berger kommt nun zu dem beiden
Gemälde eines Fliederbusches in
Monets Garten in Argenteuil wobei
Eines bewölkt das andere sonnig war

Unter dem Baum ruhen drei Personen
Camille Monets erste Frau und Sisley
Mit seiner Frau sie sind fast nicht zu
Erkennen eher im Schatten zu ahnen

Die beiden Bilder werden durch das
Unterschiedliche Licht dabei belebt
Das Bild löst neue Empfindungen aus 
Es ist genau und ungenau zugleich 

Alles ist vom Spiel des Lichts dabei
Überschwemmt dabei ist gemaltes 
Licht im Gegensatz zum wirklichen
Eben genau nicht durchsichtig

Das gemalte Licht begräbt die
Landschaften wie Schnee doch fragt 
Berger beherrscht das Licht alles
Verneint es der Wirkung die das Bild

Auf jeden Betrachter hat wegen
Genauigkeit und Unbestimmtheit die
Wecken verschiedene Funktionen 
In unserem Gedächtnis erst

Visuelles Gedächtnis und Erinnerung 
Werden dabei getrennt ersteres prüft
Die Genauigkeit während letztere die
Ungenauigkeit sinnlich füllen würde 

Diese Erfahrung kann sogar einer
Halluzination gleichen der Sturz in
Die Vergangenheit mit der ständig 
Wachsenden Erregung ist eine

Rückkehr ein Abschied so einem
Orgasmus vergleichbar zuletzt
Scheint alles mit dem Flieder
Dabei wieder untrennbar verbunden 

So hätte es Monet auch gesagt
Der meinte das Motiv sei für ihn
Zweitrangig wichtig sei die Beziehung
Zwischen ihm und dem Motiv 

Impressionistische Bilder wecken
Direkte Empfindungen aber jeder
Bleibt mit diesen für sich allein was
Wenig schlüssig begründet hier ist

Gerade beim Impressionismus gibt es
Einen hohen harmonischen Konsens
Der Betrachter trotz der natürlich 
Völlig unterschiedlichen Empfindung

Zurück zur Trauer in Monets Augen
Kommend berichtet Berger dass der
Maler glaubte seine Kunst sei klar
Zukunftsweisend gliche dabei einer

Wissenschaftlichen Erfassung der
Natur was sich besonders bei dem
Bild seiner Frau Camille auf dem
Totenbett noch zeige die 1879 starb

Wie im Reflex hätte er beim Blick
Auf seine geliebte Frau gedacht
Welche Farben dazu nötig wären
Schrieb er dem Freund Clemenceau

Doch sei der Eindruck meint Berger
Ein völlig anderer es gäbe wenige
Bilder vom Totenbett mit dieser
Hohen Intensität und dem Ausdruck

Doch war er dem tiefen Gefühl das 
Seine Kunst auslöste gegenüber blind
Er hatte einen wissenschaftlichen
Anspruch korrekter Darstellung

Das gleiche meint Berger gelten auch
Für seinen Freund Zola der seine
Romane für so objektiv hielt als
Kämen sie aus dem Labor dabei

Käme ihre eigentliche Kraft aus dem
Tiefen Gefühl so kreiste Monets
Ganzes Werk was er nicht zugeben
Wollte um die Erinnerung zuerst

Seine berühmte Liebe zum Meer
In dem er begraben werden wollte
Wie die 1896 nochmal gemalten 
Klippen bei Dieppe die mit einem

Minimum farblicher Abstufung noch
Gemalt sei an dicken Honig erinnern 
Hier löst sich die Landschaft durch
Das Licht langsam auf was dann

Gewöhnlich als dekorativ erklärt
Würde aber Berger meint es ginge
Um etwas ganz anderes Monet löste 
Seine Erinnerungen im Honig auf

Der verzweifelte Wunsch alles zu
Retten mache das Bild so amorph
So flach wie zugleich bewegend
Wenn du erkennst um was es geht

Diese sehr psychoanalytische Sicht
Klingt für mich eher wie für diese
Sekte typisch nach Wahrheitsbesitz
Ist kein offener Blick auf das Werk 

So lehrreich und genial Berger in
Teilen Kunst betrachtet ist mir die
Anmaßung in der Interpretation
Hier zu eng psychoanalytisch


Etwas ganz ähnliches geschehe 
Bei den Bildern mit den Seerosen 
In seinem Garten in Giverny während 
Der letzten Lebensjahre 1900 bis 26

In diesen Bildern die er endlos noch
Überarbeitete angesichts der optisch
Unmöglichen Aufgabe Wasser und
Blumen mit Licht noch zu vereinen 

Hier war sein Ziel weder optisch noch
Dekorativ er wollte das Wesen seines
Gartens bewahren den er über alles
Liebte und so hätte der gemalte


Seerosenteich die Erinnerung an alle
Teiche in sich getragen was wieder
Eine der ganz billigen Schubladen
Der Sekte Psychoanalyse nur ist

Diese fast schlicht amerikanisch 
Klingende Muster das einem Film
Von Woody Allen entsprungen eher
Scheint erreicht Monets Kunst nicht

Ähnlich kommt Berger hier zum
Schluss sei dies der Kern des 
Widerspruchs den Monet als Maler
Lebte zwischen Zeit und Raum

Er wollte wissenschaftlich bewahren 
Aber schuf vergängliche Gefühle nur
Eben Impressionen die aber noch
Bis heute Menschen beglücken 

So ist im Gegenteil denke ich eher
Monet unsterblich geworden weil er
Echte Eindrücke eben Impressionen
Für die Ewigkeit schön einfing 

Entsprechend dieser Interpretation
Die völlig am Thema vorbeigeht nur 
Die sich selbst bestätigenden Theorie
Der Psychoanalyse bestätigt kommt

Berger hier zum Schluss allein 
Cézanne hätte begriffen was war
Hätte eine neue Form von Raum
Und Zeit in seinem Werk geschaffen 

Auch diese Ansicht teile ich nicht
Lasse es für heute mit diesem Kapitel
Über Monet gut sein was allerdings
Schlichte Schemen nur bestätigt

Die Psychoanalyse als Seite legt
Die Schemen ihres Aberglaubens 
Über alles ohne kritisch zu denken
Oder den einzelnen zu betrachten

Cézanne widersprechen gleich
Zu Beginn um ihn am Ende als
Hellsichtiger zu loben ist nicht
Wirklich schlüssig am Ende

Berger blickt vielfach tief und
Mit klugem Blick auf die Kunst
Bei Monet hat er sich aber um
Besonders zu sein vergaloppiert


Noch einige Seiten wieder mit
Begeisterung in die Wunder des
Nordens von Olaus Magnus getaucht
Aus der Anderen Bibliothek 

Wunderbar mit leichter Ironie dabei
Erzählen die Herausgeber wie der
Katholische Schwede mit seiner
Karte politisch alles versuchte 

Um den an hohen Norden den
Italienern schmackhaft zu machen
Etwas Island als doppelt so groß
Wie Sizilien ihnen beschreibt

Es soll diese wertvolle Region
Nicht einfach aufgegeben werden
Wie dem lutherischen Ketzern
Überlassen werden schrieb er

Indirekt auf der Karte und ganz
Wörtlich in einen Brief an den 
Papst mit dem er ein Exemplaru
Seiner Karte diesem sandte

Olaus macht so einerseits gerne
Werbung für seinen Norden will
Diesen andererseits für Rom noch
Vor Luther retten dazu auffordern

Dabei malt er Bilder von der großen
Schönheit und Bedeutung dieser
Gegend will andererseits zeigen 
Was wir militärisch möglich wäre

So soll die Legende dieser Karte 
Zugleich Neugier wecken auf den
Großen Reichtum dort auch an 
Bodenschätzen wie den Plan

Zu deren Eroberung entwickeln
Einen Schlüssel zum Norden als
Gebiet voller Kostbarkeiten geben
So Neugier und Moral aufwecken

Ein hoher Anspruch für die Karte 
Eines Vertriebenen der diese erst
Im Exil in Danzig und Venedig
Schrieb und in Bildern malte 

Letztlich blieb sein Bemühen beim
Papst und anderem erfolglos denn 
Zu fern lag Skandinavien doch von
Rom sich zu etwas aufzuraffen

Doch zeigt es die Vielfalt auch der
Absichten hinter der Karte die den
Geliebten Norden befreien wollte
Für den rechten katholischen Glauben


Ein neues Kapitel beginnt in der
Gesprungenen Liebe von Autor
Manfred Flügge mit der eingefügten
Biographie von Ulrich Hessel

Dieser liegen Aufzeichnungen von
Hessel zugrunde wie Aufnahmen
Von Tonbändern und erfolgten mit
Dessen persönlicher Genehmigung

Nach der Sicht von Franz von Henri
Helen und Stephan nun die vom 
Anderen größeren Sohn auf diese 
Liebe der 2003 in Paris verstarb

Sehr feinfühlig berichtet Ulrich hier
Von seiner Geburt am 27. Juli 1914
Also einen Tag bevor Österreich
Serbien den Krieg erklärte in Genf

Am dortigen Krankenhaus war eine
Tante von Ulrich als Schwester die
Seiner dabei unter der Narkose fast
Gestorbenen Mutter Helen beistand

Er wurde mit Zangen geholt was 
Zunächst zu einer Verformung seines
Kopfes und später zu einer Lähmung
Der linken Seite führen sollte

So war er eine schwere Geburt
Helen und die Tante blieben noch
Zur Erholung bis Oktober in Genf
Was ihnen übel genommen wurde

Im dann gerade begonnenen Krieg
Galt es im Rausch des Patriotismus 
Als feige in die neutrale Schweiz zu 
Gehen sie sollten ins Vaterland zurück

Seiner Mutter Helen erzählte ihm dass
Ihr in der Schwangerschaft noch die
Jungfrau Maria erschienen wäre und
Ihr gesagt ihr Sohn könne wie der ihre

Ewigen Ruhm erhalten müsste dafür
Aber einen Leidensweg auch gehen 
Worauf sie gesagt hätte alles aber
Bloß nicht das und sei erwacht

Die Ärzte waren sich nicht sicher
Ob er leben konnte oder sollte 
Angesichts ihm drohender Leiden 
Aber Mutterliebe siegte über Zweifel 

So hätte ein behindertes Kind noch
Zu dieser Zeit als Schande gegolten
Schreibt Ulrich dazu doch die Tante
Hätte seiner Mutter beigestanden 

Dagegen hätte sein Vater sich zum 
Zorn seiner Mutter gleich Anfang
August bei seinem Regiment schon
Gemeldet und war damit weg

In der Aufregung der Einberufung 
Hatte Franz übersehen dass er
Noch drei Monate Zeit gehabt hätte
Was zu einer Entfremdung führte

In dieser schwierigen Ehe wie der
Erste Sohn dieser Ulrich schreibt 
War das der Anfang vom Ende schon 
Den sie nie verzeihen sollte

Der Mann ließ die Mutter nach der
Schweren Geburt im Stich und zieht
Zu früh in den Krieg weil er vor lauter
Aufregung unaufmerksam gelesen

Von einer ersten Begegnung mit
Vater Franz erzählt Sohn Ulrich als
Er ihm die Tür öffnete und dieser in
Uniform stramm einmarschiert wäre

Das wäre sonst gar nicht seine Art
Gewesen und ich überlege wie der
Krieg und der Dienst in der Kaserne
Das Wesen des zarten Franz verformt

Mit dem Dienstmädchen wäre es zum
Einkaufen was Schlange stehen hieß 
Gegangen erzählt wie er einmal die
Rationierte Milch dabei verschüttete 

Danach hätte er allein zurück in den
Laden gemusst um noch neue von
Der Verkäuferin zu erbetteln mit da
Höchstens vier Jahren schon viel

Der erste von ihm überlieferte Satz
War auf den Bäumen wächst Schnee
Über Süßstoff hätte er gestaunt aber
Niemand erklärte ihm was diesen 

Stoff süß machte und er schlief in
Einem weißen Bett mit einem schon
Hohen Gitter drumherum eines Tages
Wäre eine Hexe aus dem Ofen

Gekrochen gekommen die dann unter
Der Kommode verschwand und erst
Dann hätte er schreien können aber
Er musste weiter dort allein schlafen 

Solche Albträume hatte er noch öfter
Der konsultierte Arzt erklärte Helen
Daraufhin er würde mit acht Jahren
Epileptische Anfälle bekommen

Sein Großvater hätte als erster
Bemerkt dass mit ihm etwas nicht 
Stimmte worauf die Ärzte dann die
Linksseitige Lähmung diagnostizierten

Drei Jahre war er Einzelkind doch 
Seinem Gefühl nach hätte er schon
Immer einen kurzen Bruder gehabt
Doch Stephan wurde 1917 geboren 

Damals hätten sie in dem Viertel 
Zwischen Landwehrkanal und dem
Tiergarten gewohnt das alter Westen
Genannt wurde West-Berlin war

Stephan hätte sich selbst Kadi dann
Genannt was Dienstmädchen Emma 
Gleich übernahm der alle dann folgten 
Warum es sein Spitzname wurde

Schön ist auch die Anekdote wie
Emma als sie mal zur Polizei musste
Ihn und Stephan vor der Tür stehen
Ließ wo Polizisten am Fenster saßen

Diese würden ihn holen hatte Emma
Gesagt bevor sie hinein ging warum
Sie es nicht taten verstand er nie er
Wäre zu artig gewesen meinte Emma

So fragt er sich am Ende dieses 
Ersten Abschnittes der Autobiografie
Ob er vielleicht weniger artig hätte 
Sein sollen doch geholt zu werden 

Das ist der genaue aber auch feine 
Tiefe Blick auf sich den die Leser
Von Franz Hessel gut kennen da
Fällt der Apfel nicht weit vom Baum

jens tuengerthal 2.3.26

Liebesdauer

Liebesdauer 

Liebe dauert stets
Solange wir glauben es
Wäre welche da

jens tuengerthal 2.3.26

Montag, 2. März 2026

Kriegszeiten

Kriegszeiten

Kriegszeiten können
Überzeugungen schneller
Ändern als Worte

jens tuengerthal 2.3.26

Bibliothekstee

Bibliothekstee

Bibliothekstee
Erweitert Lesegenuss
Weiter um Wärme

jens tuengerthal 2.3.26

Freie Liebe

Freie Liebe

Kann es freie Liebe geben
Widerspricht dies nicht der
Natur der Liebe die sich bindet
Oder kann Liebe nur frei sein


Vorab das Gedicht Lebensmotto
von Louise Aston


Lebensmotto

Fromme Seelen, fromme Herzen,
Himmelssehnend, lebenssatt;
Euch ist rings ein Tal der Schmerzen,
Eine finst′ re Schädelstatt!
Mag in schreckenden Gesichten
Bang vor mir das Schicksal steh′ n;
Nie soll mich der Schmerz vernichten,
Nie zerknirscht und reuig seh′ n!
Freiem Leben, freiem Lieben,
Bin ich immer treu geblieben!

Leben - Meer, das endlos rauschend
Mich auf weiten Fluten trägt:
Deinen Tiefen freudig lauschend
Steh′ ich sinnend, sturmbewegt.
Stürzt Gewittersturm, der wilde,
Jauchzend sich in′ s Meer hinein,
Schau′ ich in dem Flammenbilde
Meines Lebens Wiederschein.
Freiem Leben, freiem Lieben,
Bin ich immer treu geblieben!

Liebe - von der Welt geächtet,
Von dem blinden Wahn verkannt,
Oft gemartert, oft geknechtet,
Ohne Recht und Vaterland;
Fester Bund von stolzen Seelen
Den des Lebens Glut gebar,
Freier Herzen freies Wählen
Vor der Schöpfung Hochaltar!
Freiem Leben, freiem Lieben,
Bin ich immer treu geblieben!

Und so lang′ die Pulse beben,
Bis zum letzten Atemzug,
Weih′ der Liebe ich dies Leben,
Ihrem Segen, ihrem Fluch!
Schöne Welt, du blühend Eden,
Deiner Freuden reicher Schatz
Giebt für alle Schicksals Fehden
Vollen, köstlichen Ersatz!
Freiem Lieben, freiem Leben,
Hab′ ich ewig mich ergeben!

Louise Aston (1814 - 1871)



Zurück zur anfänglichen Frage
Kann zumindest festgestellt werden
Louise Aston hat diese Idee gelebt 
Vor 200 Jahren schon also lange

Vor der sexuellen Revolution die
Mehr auf freien Sex aus war wie
Schon ihr Motto zeigte dass wer 
Zweimal mit der gleichen pennt

Schon zum Establishment gehöre 
Was heute eher nur banal klingt
Sicher müssen viele Regionen der
Welt diese Freiheit erst für sich

Wieder entdecken wie in Persien
Der muslimischen Welt überhaupt
In allen Regionen religiöser Dominanz 
Die von Männern beherrscht werden

Es gab schon andere Formen des
Zusammenlebens wie etwa bei den
Germanen oder in Babylon wo es eine
Weibliche oberste Göttin noch gab 

Darum prägten die Juden auch
Die Sage vom Sündenpfuhl Babel
In dem Frauen nach weiblicher
Natur ohne männliche Dominanz

Ihre Sexualität frei ausleben schon
In der Gründungssage dem Epos
Von Gilgamesch eine Frau Lehrerin
Für Liebe und Lust sein soll

Erst bei der Frau lernt der Held dann
Worauf es ankommt im Leben was
Das Gegenteil der patriarchalen
Schöpfungsgeschichte klar ist

Priester des Monotheismus lehrten
Frau sei aus Adams Rippe gemacht
Was männliche Dominanz aus der
Natur sagenhaft belegen sollte 

Die ihre Macht mit der Treue der
Frauen sichern wollten damit die
Natürlich überlegene weibliche
Potenz unnatürlich beschränken 

Dort folgte das Erbrecht nur der
Weiblichen Linie weil allein diese
Nach der Natur sicher war während
Männliche Erblinien Treue brauchen

In der germanischen Kultur galt ein
Natürliches weibliches Erbrecht weil
Deren Abstammung natürlich sicher
Alleine war sie trugen den Schlüssel

Ihrer Häuser die sie an eine Erbin
Weitergaben während die Männer
Alle drei Jahre der Wirtschaft der 
Felder entsprechend Hof und Frau

Wechseln mussten um damit eine
Form von Gerechtigkeit zu erreichen
Die Kinder hatten verschiedene Väter 
Die Mütter standen für Kontinuität

Was nach der Natur allein sicher war
Wir kennen es aus der Formel des
Mater semper certam est nachdem 
Nur die Mutter immer sicher war

Dagegen galt der Vater nur durch
Die Ehe als solcher ausgewiesen
Eine hypothetische Fiktion die noch
Bis heute im Recht vorgesehen ist

Dabei ist sie eigentlich nichts als
Eine Offenbarung dessen um was 
Es bei ehelicher Treue als Moral geht
Die Sicherung des männlichen Erbe

So hat was wir für Moral halten die
Unserer Natur entspräche einen
Männlichen machtpolitischen Grund
Der natürlicher Neigung widerspricht

Dazu kommt noch dass die weibliche
Natur der männlichen weit überlegen
Ist in Hinsicht der sexuellen Potenz
Die mit der Menopause noch zunimmt

Genau das Gegenteil aber wird mit
Weiblicher Keuschheit von Frauen
Selbst gegen ihre Natur inszeniert
Die bloß männliches Erbe sichert

Die Art wie wir Beziehungen führen
Dient nur der Sicherung männlicher 
Macht gegen die natürliche Neigung
Was zu krankhaften Folgen führt

Hier ist an Klitorektomie oder den 
Keuschheitsgürtel zu denken aber
Auch die Treueformel der Ehe die
Gegen die Natur das Erbe sichert 

Gemeinsam mit anderen kranken
Ritualen der Beschneidung hat diese
Kultur in monotheistischen Sekten 
Bis heute noch bei uns Bestand

Frauen die Treue fordern sind also
Keine romantischen Kinder der Liebe
Sondern Opfer anerzogener Muster 
Die männliche Macht sichern sollen

Ob Eifersucht ein natürliches Gefühl
Oder eine anerzogene Sitte nur ist die
Moralisch aufgeladen wurde möglichst
Noch im spirituellen Kontext um so

Das männliche Erbrecht und damit
Eine patriarchale Struktur zu sichern 
Könnte auch den weiblichen Blick auf
Die Schönheit der Romantik ändern

Liebe als Gefühl jenseits aller nur 
Macht sichernden Strukturen die
Eine Gesellschaft entwirft ist ein
Bedingungsloses gut wollen

Dieser kritischen Blick auf das
Was romantische Liebe genannt wird 
Könnte die Liebe wirklich befreien von 
Konventionen die der Macht dienen

Dann könnte Liebe endlich wirklich
Bedingungslos sein und so gut tun
Wie über Muster in Beziehungen
Die Frauen diskriminieren neu

Nachdenken lassen damit wir
Endlich wieder zur freien Liebe
Nach der Natur finden und die
Patriarchale Konventionen

Damit überwinden können
Um uns befreit davon zu lieben 
Wie es dem Wort entspräche
Dann könnte es freie Liebe geben

Diese wäre ein wunderbares Glück
Was wirklich bedingungslos wäre
Einander dauerhaft gut tun könnte
Vielleicht wäre es den Versuch wert

Doch vermutlich haben beschränkte
Männer mehr Angst vor dem Verlust
Patriarchaler Macht als echte Lust 
Freie Liebe mit Frauen zu genießen

jens tuengerthal 2.3.26

Versgedanken II

Versgedanken II

Weiter geht es mit den Gedanken zu
Einigen Versen von Vergil die ich
Gestern als Lektürentagebuch noch
Betrachtete was auch richtig war

Hatte lächelnd Montaigne gelesen
Aber wie immer geht es bei ihm um
Philosophie und denkt er dazu über
Die Verhältnisse nach und Verse

Benutzt er nur als Ablenkung um
Nicht über Sex und Liebe darüber
Schreiben zu müssen was dann
Mit der Ehe zum Thema wird

Das ist der Humor wie zugleich
Die Bescheidenheit Montaignes
Der gerne Understatement übt 
Außer bei seinem Adel natürlich

Dessen Wert trägt er gerne noch
Vor sich her war er doch erst der
Zweite der Familie der als solcher
Leben kann und darf da braucht es 

Scheinbar noch etwas Marketing
Um bei Hof etwas zu gelten auch
Wenn er zu gerne betont wie lästig
Ihm die Reisen nach Paris sind

Andererseits war es auch eine wohl
Lohnende Ehre königlicher Berater
Sein zu dürfen der er vermutlich gern
Folgte nur halt bescheiden tat 

So dürfen die Leser bei Montaigne
Fein unterscheiden zwischen dem
Understatement aus Überzeugung
Und der typisch adeligen Koketterie

Der Geist könne sich noch feurig
Begeistern doch drückt der eher
Noch umgekehrte Zustand seiner
Gesundheit ihn natürlich nieder

Vergessen will er zumindest das
Leiden in den Ruhepausen um
Noch das mögliche zu genießen
Haltet die Stirn frei von Kummerfalten

Den Trübsinn sollen wir durch
Scherze uns noch aufheitern
Verkniffene Gesichter fliehen 
Aus denen nur Dünkel spricht

Tugendhaftigkeit sei eine fröhliche 
Einnehmende Eigenschaft diejenigen
Die sich über die Zügellosigkeit seiner
Schriften empörten nur sehr wenige

Nicht über die Zügellosigkeit ihrer
Eigenen Gedanken die Stirn runzeln 
Müssten wären sie offen und ehrlich
Sie sehen es wie er aber tun beleidigt

Was zu fühlen sich wer nicht schäme
Sollte er sich nicht schämen zu sagen
So hasse er einen mürrischen Geist
Der lieber beim widerwärtigen bleibt

Sie seien wie Schmeißfliegen die auf
Glatten Grund keinen Halt finden die
Darum lieber den Dreck aufsuchen
Er sage alles was er auch tue

Gedanken die er nicht öffentlich
Aussprechen dürfe sein ihm zuwider
Die schlimmste seiner Handlungen
Sei nicht so schrecklich wie diese 

Auch noch verschweigen zu wollen
Statt schüchtern im Gestehen der
Eigenen Verfehlungen wären wir es
Besser vorher schon im Begehen

Der Wagemut zum Unrecht erhält 
Durch den sich dazu zu bekennen 
Ein Gegengewicht so würde keiner 
Mehr tun was er sonst verschwiege

Er hoffe die große Freiheit die er
Sich beim Schreiben nehme in 
Menschen den Mut zu eigener 
Freiheit wecken würde über die

Feige nur vorgeheuchelten Tugenden
Hinweg diese Ausgeburt unserer
Mängel und er durch seine eigene
Maßlosigkeit zur Vernunft führe

Du musst Fehler durchschauen ehe
Wer sie offenbaren kann wer es vor
Anderen verbirgt tut es auch vor sich 
Sie verhüllen es vor ihrem Gewissen

Warum bekennt niemand seine Laster
Weil sie ihnen noch immer verfallen 
Nur wer erwacht kann von seinen
Albträumen auch erzählen

Das geniale moralische Bekenntnis
Zur Offenheit statt Lüge und der so
Üblichen Verstellung die keinem 
Dabei noch gerecht werden kann

Montaigne nimmt gerne Umwege
Um an geistige Ziele zu gelangen
Er plädiert für große Ehrlichkeit auch
Vor sich selber um dabei frei zu sein

jens tuengerthal 1.3.26

Lektürentagebuch 1.3.26

Lektürentagebuch 1.3.26

Bei Buddenbrooks starb im Mai nun
Sechzigjährig Onkel Gotthold nach
Einer Nacht mit Herzkrämpfen leidend
In Gegenwart seiner vier Damen 

Also seiner Töchter wie seiner Gattin
Die er nie hätte heiraten sollen und
Thomas Buddenbrook den ein Bote
In der Mengstraße benachrichtigte

Christian war nicht mitgegangen da 
Erst spät aus dem Club zurück sich
Nicht danach fühlte und so leistete
Thomas allein den Familiendienst

Der ältere Sohn des Konsuls hatte
Sich ganz in sein Schicksal gefügt
Halsbonbons aus einer Blechdose
Gegessen statt Familienzwist

Gerne hatte er für eine Zeit dann
Das Konsulat der Niederlande das
Thomas ihm anbot übernommen
Sich aus dem Zwist herausgehalten

Anders dagegen seine Töchter die
An den überlieferten Kindertagen
Stets Gift gegen Tony oder Christian
Sprühten um festzustellen wie ähnlich

Die kleine Erika doch rosig wie sie sei
Dem Betrüger Grünlich wäre oder
Gegen Klothilde neidvoll gifteten beim
Mittagessen und dem Tee danach 

Gegen den guten Tom fanden sie
Nichts aber dafür schnell heraus
Dass es zwischen ihm und Christian
Nicht zum besten mehr stünde

Als Tom des Nachts am Sterbebett
Seines Onkels eintraf aber standen
Sie nur weinend um dieses während
Tom über seinen Onkel nachdachte

Wie wenig gut er es gehabt hätte
Aber es sich mit seiner Eigenwilligkeit
Den Laden zu heiraten auch unnötig
Schwer im Leben gemacht hätte 

Wie es eben ihre Pflicht auch sei 
Rücksicht zu nehmen auf all die
Gewohnheiten ihrer kleinen Stadt
Statt einfach eine Stüwing zu heiraten

So dachte Tom am Sterbebett seines
Onkels noch und wie die Dinge so
Lagen wurde er dann eben königlich 
Niederländischer Konsul wie der Vater

Tony war erfreut und stolz wieder das
Wappen des Konsuls am Haus in der
Mengstraße zu sehen und freute sich
Während Thomas auf Reisen ging

Nach Amsterdam und damit in die
Niederlande fuhr der frischgebackene
Konsul der sich gerade am Sterbebett
Seines Onkels Gedanken zur Ehe

Noch gemacht hatte und so deutet
Mann schon an was von dieser Reise
Die unklar wie lange dauern sollte
Möglicherweise zu erwarten ist

Das ist eine wunderbare Inszenierung
Dessen was nun kommen wird was 
Im Sinne der Tradition von Thomas
Als Erben der Firma zu erwarten ist


Im Zauberberg wendet sich der durch
Den Schlingel oder wie Settembrini es
Sagen würde Schalk Hans Castorp 
Wie Clawdia wieder völlig versöhnte

Pepperkorn an seine Tafelrunde wo
Demoralisation Lethargie Stumpfsinn
Um sich griff und die Gäste Allotria
Trieben wie eine Klasse ohne Aufsicht

Mehrere waren am einschlafen da
Ergriff Pepperkorn die Zügel wieder
Rief die Herrschaften mit erhobenem 
Zeigefinger als Lanze Degen Fahne

Zur Aufmerksamkeit wieder was klang
Wie mir nach wer keine Memme ist
Sofortige Wirkung der Straffung zeigte
Er nannte alle und hielt zum Dienst an

Er sprach Worte zu seinen Gästen
Deren Undeutlichkeit durch die Größe 
Seiner Persönlichkeit ausgeglichen
Zwingende Macht ausübten

Das Fleisch beginnt er es sei nun mal 
Unterbricht sich mit erledigt erlaubt 
Sich dann doch schwach zu sagen
Aber er appelliere an sie eindringlich

Der Schlaf den er ehre sei eine der
Klassischen Lebensaufgaben doch
Sollten sie sich Gethsemane erinnern 
Wozu er die biblische Stelle zitiert

So waren alle tief ergriffen das etwa
Frau Stöhr schluchzte Frau Magnus 
Seufzte während sich Staatsanwalt 
Paravant zum Widerwort genötigt sah 

Dies sei ein Irrtum alle seien noch
Frisch und munter flott fidel und bei
Der Sache mit Herz und Sinn es sei
Ein außerordentlicher Abend doch

Niemand denke bisher an Schlaf er 
Könne sich auf seine Gäste verlassen
Worauf Pepperkorn perfekt vorzüglich
Ausruft und Champagner bestellte 

So verwandelte sich seine großartige
Physiognomie von gotisch Schmerz
Verzerrt zu üppig blühend heiter sogar
Ein sybaritisches Grübchen zeigt sich

Die Sybariten waren im antiken
Griechenland für Wollust und Völlerei
Wie ihren Hang zum Luxus bekannt 
Was hier gerade wunderbar passt

Zum Champagner gibt es dann noch
Leckereien die Gäste zu verzücken
Statt zu spielen gaben sie sich dem
Seligen Nichtstun nun hin wozu sie

Zusammenhanglos schwätzten was
Zwar voller Gefühl aber dank genug
Rausch ein völlig unverständlicher
Galiamathias Kauderwelsch wurde 

Da alle im gleichen Zustand störte
Sich keiner daran herrlich werden 
Die trunkenen Bekannten beschrieben 
Wie was noch alles dazu kommt

Pepperkorn Hans und Clawdia sind
Bei einem Schweizer naiv spritzigen
Roten angekommen den die große
Persönlichkeit becherweise säuft

Noch bis 1 Uhr dauert die Festsitzung
Dabei waren die Männer wesentlich
Erschöpfter als die Frauen noch die
Teils auf Schößen Platz nahmen 

Pepperkorn zeigt sich dabei in jede 
Ihm nah kommende Weiblichkeit
Verliebt küsste zwischendurch auch
Clawdia immer wieder die Hand

Gegen zwei Uhr kam die Nachricht
Hofrat Behrends nähere sich in Gewaltmärschen worauf Panik
Ausbrach und die Flucht begann

Pepperkorn bekam erst wieder einen
Königlichen Koller wurde dann aber
Von Hans und Clawdia beruhigt dass
Es ohnehin einmal enden müsse 

So willigte er ein sich ins Bett bringen
Zu lassen von den beiden für das gute
Labsal des Schlafes und die Orgie 
Endet nach sechs Stunden schnell

Wortwahl und Inszenierung dieser
Szene durch Thomas Mann ist von
So viel Humor und Ironie getragen 
Dass ich wieder lachend es las 

Kenne keinen so meisterhaft elegant 
Ironischen Autor wie Mann der auch
Ein Besäufnis noch mit kultureller
Eleganz bürgerlich komisch macht


In Joseph und seine Brüder kam nun
Die Szene in der das Gift das Dûdu
Der gehässige Zwerg dem Potiphar 
Einträufelte langsam doch wirkte

Der Zwerg ist dem Herr des Hauses
Eigentlich zuwider der sich durch
Dessen Rede von Ehre genervt fühlt
Diese Gefühle hatte er als Eunuch 

Nicht wirklich er fand es einfach lästig
Sich damit zu beschäftigen doch war
Der kluge Mann nicht ahnungslos
Schon der Wunsch von Mut die

Joseph vom Haus entfernen wollte
Hatte ihm gezeigt welche Gefahr 
Drohte zumal er nach seiner Natur
Muts Bedürfnisse nicht befriedigte

Darüber wie gefährlich unbefriedigte
Frauen für die männliche Ruhe sind
Könnte lange philosophiert werden
Besser aber ist es dies zu in lassen

Die Gefahr die von unzufriedenen
Männern ausging war historisch
Vermutlich meist größer dabei aber
Sind Eunuchen deutlich im Vorteil

Was der Zwerg über Joseph sagte
Der weil unverheiratet und zugleich
Nicht kastriert eine Gefahr wäre 
Hätte er lieber weiter verdrängt

So hatte er der eigentlich eher
Niemanden hasste nun einen 
Tiefen Hass auf den nervigen Zwerg
Der seine Ruhe störte damit 

Auch die Andeutung eines
Verrats den Mut und Joseph
Begangen haben könnten fand
Er als nervige Ruhestörung

Der keine Bedürfnisse dieser Art
Kannte wie Eifersucht musste sich
Mit lächerlicher Ehre beschäftigen 
Was herrlich ironisch beschrieben

Der Tropfen des widerlichen Dûdu
Hatte anders noch gewirkt als dieser 
Es geplant und gedacht hatte aber
Wirkte und störte damit die Ruhe

Nachdem die wunderbar böse hier
Als strunzdumme Handwerker von 
Mann in Potiphars Gedanken dabei
Beschriebenen Masseure weg sind

Ruft er den Zwerg näher zu sich
Weil er was er zu sagen hätte doch
Kaum laut brüllen wolle darum nun
Sagen solle was wirklich los sei

Die schlichte biblische Geschichte 
Wird hier mit viel Gefühl für die
Emotionalen Details nach der je
Unterschiedlichen Natur erzählt

Wie immer so gerne ironisch
Plaudert Mann dabei und lässt
Den Verräter unangenehm dumm
Dastehen während der genervte

Potiphars mit großer Weisheit
Darüber nachdenkt wie er aus 
Dieser lästig unangenehmen Situation
Noch möglichst heil herauskommt

Ein kurzer Abschnitt von vielleicht
Vier Seiten offenbart so viel an 
Menschenkenntnis wie Humor im
Umgang mit Sexualität dazu

Ein Eunuche der gerne seine
Ruhe haben möchte fühlt sich
Durch Intrigen die er durchschaut
Eigentlich nur gestört und belästigt 

Er hat Verständnis für die Bedürfnisse
Seiner Frau wie seines Vorstehers
Aber fühlt sich dadurch belästigt
Darum muss er nun darauf reagieren

Schon die Begrüßung mit der er
Den Zwerg näher ruft zeugt von
Humor in dieser Situation noch
Bestätigt ihn als Sittenwächter

Aber tut dies mit der Betonung
Dass niemand ihn zu diesem Amt
Berufen hätte erniedrigt also Dûdu 
Den er vorher nur der da nannte

Hintergründig klug bereitet Mann 
So den Gipfel der Intrige vor und
Lässt Potiphar dabei gut aussehen
Als einen der seine Ruhe will

Der Witz und die Tiefe auch in der
Kleinsten Konversation noch die
Psychologisch klug dabei über das
Menschliche nachdenkt ist genial

jens tuengerthal 1.3.26

Sonntag, 1. März 2026

Freiheitsliebe

Freiheitsliebe

 Liebe in Freiheit 
Gewinnt ihre Größe ganz
Ohne Fesseln nur 

jens tuengerthal 1.3.26