Montag, 28. September 2026

Lektürentagebuch 28.9.26

Lektürentagebuch 28.9.26

Das erste Kapitel des siebten Teils 
Der Buddenbrooks beginnt mit der
Taufe in der Breitenstraße bei der
Alles vorhanden ist was die gute 

Tante Madame Permaneder also Tony
In Tagen der Hoffnung vor sich sah
Viele Tassen mit kochend heißer
Schokolade füllt das Folgmädchen 

Mit Sahne noch auf dem ungeheuren
Teebrett mit vergoldeten Griffen 
Während Diener Anton einen großen
Baumkuchen in Stücke schneidet

Ordnet Mamsell Jungmann noch
Konfekt und frische Blumen in den
Silbernen Dessertschüsseln mit dem
Prüfenden Blick aus der Schulter

Dann wird fein aufgezählt wer der
Familie vertreten ist und wer nicht 
Welche alle noch dazugehören von 
Den großen Lübecker Familien

Dort wurde der Stammhalter des
Hauses Buddenbrook getauft was
Doch ein bedeutendes Ereignis wäre
In der vornehmen Gesellschaft

Es war im Frühling des Jahres 1861
Als der Erbe endlich kam der noch
Ganz unscheinbar aussieht dort vor
Seiner Taufe mit langen Wimpern 

Der Knabe lebt und es hätte nicht
Viel gefehlt dass es anders noch
Gekommen wäre hatte der Doktor 
Grabow zu Thomas danach gesagt

Woran nicht viel fehlte hatte Tom
Lieber nicht nachgefragt denn nun 
War das ersehnte Kind ja da und
Mehr musste er nicht verstehen

Die ganze Familie ist anwesend
Wird aufmerksam beschrieben
Bis zu Tiberius Mitbringsel dem
Riesigen ausgestopften Bären

Dieser hält jetzt eine Schale für
Die Visitenkarten zwischen den 
Bärigen Tatzen hat also auch
Einen guten Zweck im Haus

Die Paten sind ausgesucht aus
Der Verwandtschaft und dazu
Bürgermeister Overdieck als
Eher ferner und greiser Pate

Die Familie demonstriert dadurch
Ihren Aufstieg und ihre Rolle in
Der ehrenwerten Hansestadt Lübeck
Zeigt sich als eine der ersten damit

Der Junge wird Justus Johann Kaspar
Getauft die Paten zu ehren und alle 
Verwandten und Gäste küssen den 
Täufling der es geduldig erträgt

Dann kommt noch eine herrliche
Rede in Platt vom Speicherarbeiter
Grobleben der ganz rührend wie
Zu allen großen Festen gratuliert

Er kommt dann zum vermodern
Was wir alle noch müssten aber
Übergibt dann seine sich schon
Etwas entblätternden Rosen nicht

Ein wenig plattdeutsche Bindung
An die Basis wird höflich gespielt
So etwas gibt es wohl in allen großen 
Familien die darüber milde lächeln 

Zum Abschied küsst Tony ihren 
Bruder und verkündet ihre Freude
Über den Namen Johann der doch 
Zeige es ginge was bei Buddenbrooks

Wie fein gesponnen ist das wieder
Angesichts des schwachen Kindes
Wie dem bald Ende und Untergang
Scheint nochmal alles gut zu sein


Gut gelaunt lobt Settembrini nun
Im Zauberberg das Fahren zu dem
Er eingeladen wurde fordert Wehsal
Auf das eigene Leid angesichts der

Schönheit der Welt die sie umgibt
Was er mit seinem eher schäbigen
Lederhandschuh zeigt wie das
Unsympathische Ich zu vergessen

Diese typisch italienische Frechheit
Mit der Settembrini Wehsals ganze
Mühsal mit dem Leben hopps nimmt
Ist wunderbar wieder beschrieben

Sie hatten beste Fahrt freuten sich
An der Natur hielten irgendwann am
Waldrand von wo aus es zu Fuß nun
Weitergehen sollte zum Ziel

Langsam wurde das Geräusch hörbar
Mit zischen und brausen worauf nun
Settembrini meinte noch sei es eher
Schüchtern vor Ort sei es brutal laut

Pieter Peeperkorn ging voran auf
Den Arm von Clawdia gestützt und
Hinter ihnen Hans Castorp und die
Übrigen Herren am Ende der Malaie

Sie sprachen über den besonderen
Wald der malerisch eigentümlich ja
Exotisch doch unheimlich auch war
Flechten umsponnen alles dort

Eine schwere bizarre Entstellung war
Der verzauberte krankhafte Anblick
Es ging dem Wald nicht gut denn die
Flechte drohte ihn zu ersticken

Das Rumpeln und zischen wurde
Allmählich zum Getöse machte die
Vorhersage Settembrinis wahr dann
War der Blick auf die Schlucht frei 

Hier war das Höllenspektakel des
Wasserfalls nun sichtbar der über
Sieben oder acht  Meter herabfiel
Mit einem unsinnigen Lärm dabei

In diesem schienen sich alle nur 
Möglichen Geräusche und Laute 
Zu Donnern Zischen Gebrüll Gejohle
Tusch Krach Geprassel Gedröhn

Mit Glockengeläut noch zu mischen
Es wollten einen die Sinne vergehen 
Dicht traten die Besucher auf dem
Schlüpfrigen Felsengrund heran 

Betrachteten dabei feucht angeatmet
Wie angesprüht in Wasserdunst ganz
Eingehüllt die Ohren überfüllt vom 
Lärm dazu Blicke tauschend und mit

Verschüchtertem Lächeln die Köpfe
Schüttelnd das Schauspiel dieser
Dauerkatastrophe aus Schaum und
Geschmetter deren übermäßiges

Irres Gebrause sie betäubte ihnen
Furcht erregte und Täuschungen des 
Gehörs verursachte sie glaubten von
Überall Rufe und Posaunen zu hören

Peeperkorn entblößte sein Haupt
Dehnte die Brust in der Frische
Sie verständigen sich durch Blicke
Und Zeichen weil Worte unhörbar

Ihre Lippen formten Worte des 
Erstaunens und der Bewunderung
Die lautlos blieben nun verabredeten
Sich Castorp Settembrini und Ferge

Durch Kopfwinken die Höhe der
Schlucht zu ersteigen an deren Grund
Sie sich gerade befanden das Wasser 
Vom obersten Steg zu betrachten

Stufen führten sie hinauf die sie nun
Hintereinander erkletterten um dann
Von der Brücke oben zu winken über
Der Rundung des Falles schwebend

Sie alle wollten einen ruhigeren Platz
Für die Vesper suchen Peeperkorn
Aber wollte dort er war der Herr der
Regie und Befehlshaber damit

Schon die Wucht der Persönlichkeit 
Hätte den Ausschlag gegeben selbst
Wenn er nicht Veranstalter gewesen
Wäre das Format tyrannisch genug

Er wollte im Donner vespern das war
Sein großmächtiger Eigensinn wer
Nicht leer ausgehen wollte musste
Bleiben die Mehrzahl war unzufrieden

So breitete der Malaie das Picknick
An Ort und Stelle aus es drängten alle
Zur Verteilung saß auf Geröll und
Dem Geländer des Steges denn 

Stühle gab es nur für Peeperkorn und
Clawdia mit Tassen in der Hand wie
Dem Teller auf den Knien vesperten
Schweigend im großen Getöse

Peeperkorn trank Portwein aus einem
Silbernen Becher mit Monogramm
Dann begann er zu sprechen dabei
Konnte keiner irgendwas hören

Gestenreich sprach er tonlos nun
Wie in den luftleeren Raum alle die 
Es betroffen sahen dachten er würde
Dies nutzlose Tun sogleich beenden

Er aber fuhr fort mit Aufmerksamkeit
Fordernden Kulturgebärden und dabei
Schaute er wechselnd jeden an was 
Diese zwang ihm nett zuzunicken 

Nun stand er sogar auf in seinem
Zerdrückten fast fußlangen Mantel
Den silbernen Becher in der Hand
Barhäuptig mit aufgestelltem Kragen

Er versah die Undeutlichkeit seines
Tauben Toastes mit den bannenden 
Zeichen der Genauigkeit es waren
Die gewohnten Wendungen von ihm

Perfekt und Erledigt war von seinen 
Lippen dabei zu lesen nichts weiter
Er neigte sein Haupt schräg mit der
Zerrissenen Bitternis seiner Lippen

Das Bild des Schmerzenmannes war
Sichtbar dann blühten seine üppigen 
Grübchen wieder eine sybaritische
Schalkheit tanzender Gewänderraffe

Die heilige Unsittsamkeit eines
Heidenpriesters der den Becher
Kreisen lässt und dann austrinkt
Diesen dem Malaien nun reicht

Damit gab er das Zeichen zum 
Aufbruch alle verbeugten sich
Dankend gegen ihn und taten
Nach seinem Geheiß sofort

Der Javaner in Hut und Pelzkragen
Raffte die Reste des Mahls und das
Geschirr zusammen es ging zurück
Wie sie gekommen waren zur Straße

Peeperkorn hatte mit großer Geste
Gesprochen keiner hatte auch nur 
Ein Wort verstanden aber dafür seine 
Kulturgesten genau beobachtet

Es war völlig egal was die große
Persönlichkeit inhaltlich sagte seine 
Immer Luftblasen wirkten durch die
Gesten die er dabei noch vollzog

Der hier wunderbar verspottete 
Dichterkollege Hauptmann hatte
Die Karikatur erst übel genommen
Aber nach einem Brief verziehen 

Was sollte er auch tun gab er sich
Beleidigt war die Karikatur treffend
Lachte er darüber zeigte er Größe 
Mit etwas Verzögerung gelang es

Der damals schon Nobelpreisträger
Für Literatur Hauptmann hatte die
Schlechteren Karten dabei jedoch
Verteidigte ihn Stockholm indirekt

Thomas Mann bekam seinen
Nobelpreis darum nur für die
Buddenbrooks obwohl doch der
Zauberberg noch viel genialer war

Diese Kulturgeschichte des alten
Europa wurde einfach ignoriert weil
Einer der Jury Hauptmann noch
Hier engstirnig verteidigen wollte

Im Ergebnis zeigt sich damit nur 
Thomas Mann war auch diesen
Um Längen geistig überlegen aber
Manch menschliches macht klein 

jens tuengerthal 28.9.26



Bibliothekssklaven

Bibliothekssklaven

Große Bibliotheken sind etwas
Wunderbares für alle Leser scheint es
Denen die nicht genau hinschauen

Denn echte Bücherliebhaber
Leben mit Büchern statt sie
Auf Zeit zu erledigen was dem
Geist des Literaten widerspricht

Gruselig dagegen scheint denen
Die Bücher wirklich zärtlich lieben
Der Umgang der Bibliothekare mit
Ihren Schätzen auch wenn sie wohl

Manche verdienstvoll retteten wird
Die Masse abgestempelt wie mit
Einem Etikett versehen noch dazu
In Elefantenhaut eingebunden die

Sie elendig ersticken lässt und so
Sind die meisten Bände öffentlicher
Bibliotheken tote Massenware für 
Konsumenten die Inhalte fressen 

Statt je Bücher wirklich zu lieben
Was bedeutet mit ihnen zu leben 
Sie gelegentlich zur Hand zu nehmen
Über viele Jahre in ihnen zu leben

Statt sie wie Waren zu erledigen
Das ist für Serienkonsumenten
Die der Geist der Bücher nie berührt
Sie fressen schlichte Inhalte die zum
Ausmaß ihres Geistes gut passen

Auch wenn nicht alle Leser in den
Öffentlichen Bibliotheken so schlicht
Sein mögen ist der Umgang mit
Büchern dort für jeden echten 
Liebhaber der Welt der Bücher

Ein schmerzhaftes Sakrileg immer
Dagegen ist die eigene Bibliothek
Das kleine Paradies auf Erden das
Ein Leben lang aufgebaut wird um
Darin als glücklicher Leser zu leben

Danach kann sie sich auch in alle
Winde zerstreuen weil wer in ihr 
Selig lebte sie lesen konnte damit
Nicht mehr ist wie bei Montaigne

Wer einmal in seiner Bibliothek lebte
Dort seinen Mittelpunkt in Ruhe fand
Hat sich ein Universum erbaut und 
Mehr braucht es nie im Leben als

Das Leben als glücklicher Leser
Der auch hunderte Bücher noch
Parallel lesen kann weil es seine
Geistige Welt ist die ihm bleibt

Wer eine Bibliothek hat hat damit
Alles ihm mögliche im Leben erreicht
Kann sich gelassen zurücklehnen 
Um den Rest lesend zu genießen
Alles andere wird dann zur nur noch
Dekoration in der eigenen Bibliothek
Die wie alles ganz klein anfängt

jens tuengerthal 28.8.26

Rückzugsglück

Rückzugsglück

Noli me tangere rühr mich nicht an 
Wurde bekannt als angebliche Worte
Jesu im Johannes Evangelium als 
Maria Magdalena den Auferstandenen
Den sie erst für den Gärtner hielt
Egal ob es den Typen real je gab 
Umarmen wollte also eigentlich aus
Sicht der kritischen Aufklärung nur
Typischer Hokuspokus den Kant in
Träume eines Geistersehers als 
Solchen abkanzelte der aber die
Kunstgeschichte viel beschäftigte 
Bis zu Picassos La Vie aus der
Blauen Periode das bis heute als
Dekoration und Poster beliebt ist
Ob es eher dem griechischen Original
Entsprach und halt mich nicht auf
Auf dem Weg zum erfundenen Gott 
Also nichts wie weg eher hieß mag
Noch von denen gestritten werden
Die an Auferstehung und ähnlichen 
Unsinn tatsächlich glauben nicht
Das Leben als endlich begreifen 
Aus alberner Angst vor dem Tod
Der uns mit Epikur nichts angeht
Die Visionen einer verlassenen
Geliebten tangieren mich auch
Nicht weiter als ihrer Natur nach
Unvernünftiger Humbug auf den 
Der Aberglaube gerne baut aber
Spannend ist es wenn ein Mann
Zu seiner Geliebten sagt
Rühr mich nicht an also alles
Körperliche Begehren zurückweist
Weil er sich in geistige Welten schon
Zurückzog die nichts sonst mehr
Bedürfen und in der uns alle
Sexuellen irdischen Reize eher
Fern liegen als nah kommen
Mann also frei ist von den Launen
Der weiblichen Sklaverei die zu
Familie und Fortpflanzung führt
All diese kranken Träume vom 
Wachstum der Menschheit die
Das Ideal vom mönchischen Leben
Mit geistiger Erfüllung überwand
Der alles Glück im Rückzug der
Erstmal unfruchtbar blieb fand
Mehr davon bräuchte die Welt
Sich wieder zu erholen um
Denen die blieben wieder zum
Paradies mit genug für alle
Zu werden die einfach den 
Geistigen Rückzug genießen
Statt wie angestochen auf die
Weiblichen Reize zu reagieren
So bekommt noli me tangere 
Einen Klang von Freiheit die 
Einfach ihre Ruhe genießt
Statt um etwas zu kämpfen
Weniger mehr sein lässt um 
Kein Sklave der Launen mehr
Sein zu müssen jemals was 
Bis heute eine Perspektive
Der Freiheit sein könnte und so
Lächle ich heimlich wenn ich
Lese ein Vierundachtzigjähriger
Überfuhr seine Frau aus Versehen
Ganz tragisch beim einparken
So haben beide nun wirklich
Ewige Ruhe im Rückzug
Welch ein Glück

jens tuengerthal 28.9.26

Sonntag, 27. September 2026

Lektürentagebuch 27.9.26

Lektürentagebuch 27.9.26

Ein wenig Michel de Montaigne in
Seinen Essays im Dritten Buch der
Wunderbaren Ausgabe aus der
Anderen Bibliothek gelesen heute

Zu gerne nehme ich den großen
Dunkelblauen Band mit der goldenen
Schrift in die Hand und weiter ging es
Über einige Verse von Vergil zum Sex

Er fragt sich ob wir nicht viel seltener
Zum Hahnrei gemacht würden wenn
Wir es weniger befürchteten denn 
Ihrer Natur nach empfinden Frauen

Alle Verbote als Anreiz sie auch zu 
Übertreten und zitiert dazu Verse
Was du willst das tun sie nimmer
Aber was du nicht willst dafür immer

Denn zum Wandeln auf der Tugend
Öden Pfad sein alle sich seit je zu
Schad was die Praxis bestätigen kann
Eifersüchtig war wer selbst dazu neigt

So erzählt er von Messalina die ihre
Heimliche Affäre öffentlich machte
Damit ihr Mann der es nicht merkte 
Sie wirklich zur Kenntnis auch nahm

Jedoch ließ er sich nicht stören und
So verlor sie Geschmack und Spaß 
Daran worauf die Kaisergattin aber
Öffentlich einen anderen ehelichte

Sie hoffte durch sein Verwehren ihr
Begehren wieder zu wecken doch er
Ließ sie nun umbringen wie einige
Noch die unter ihrer Decke steckten

So erginge es den Schlafmützen 
Noch stets am übelsten es führe zu
Große Duldsamkeit oft zu Rache 
Wenn der Zorn plötzlich aufflammt

Was Vergil über die eheliche Lust 
Von Venus und Vulkan sagt träfe
Noch mehr auf die außereheliche
Heimliche Von Venus und Mars zu 

Hierzu zitiert er die Verse des Lukrez

So wühlt der waffenmächtige Mars
Als Herr des Krieges sich lechzend
Oft in deinen Schoß und erliegt des 
Sieges Gewalt ewiger Liebeswunde
Hebt den Blick zur Augenweide
Und erhebt während euer Atem
Sich an deinem Mund vereint
Dein heiliger Leib umfließe
Den Erschlafften und aus deinen
Lippen Göttin lass zärtlich süßen
Liebestrunkenen Labsal der Worte
Sich über ihn endlich ergießen

Wenn er sich die erhaben anmutigen 
Worte sagt und ihre Bilder überdenkt 
Hat er für die Worte und Witze der
Nachgeborenen nur Verachtung übrig

Die alten Dichter waren meint er so
Gut dass sie keine gesuchten Pointen
Brauchten eine nie nachlassende
Sinnliche Kraft erfüllte ihre Sprache

Nicht erst das Ende sei Epigramm 
Sondern alles von Kopf bis Fuß
Nichts wäre angestrengt schleppend
Alle wäre aus einem Guss dort

Diese Verse packten einen und
Rissen die Geister mit es sei nicht nur
Gut geschrieben sondern gut gedacht
Die Kühnheit der Vorstellung lasse

Dabei die Worte schwellen und in die
Höhe steigen sie seien das Produkt
Praktischer sinnlicher Erfahrung was
Spürbar deutlich ihm dabei würde

Plutarch meinte er habe lateinische
Wörter durch die Dinge gelernt es sei
Was Worte zeugt und verständlich so
Uns macht die nicht nur Wind sind

Sondern aus Fleisch und Blut bleiben
Der Sinn mache Worte verständlich 
Sie bedeuten mehr als sie sagen 
Selbst Unbedarften dämmere es dort

Kostbar werde die Sprache durch die
Art wie schöngeistige Autoren sie zu
Nutzen verstünden indem sie noch
Die Bedeutung dabei vertiefen

Die Sprache bekäme so eine neue
Bewegungsfreiheit doch immer mit
Sinn und Verstand was aber nur
Ganz wenigen gegeben sei

Was bei französischen Autoren 
Seiner Zeit deutlich werde sie seien 
Erbärmlicher Originalitätssucht viel
Eher verfallen die alles erdrückt 

Unsere Sprache meint er gäbe wohl
Tuch zur genüge nur an der nötigen
Verarbeitung mangele es deutlich
Dabei gäbe es genug Worte allein

Schon in der Sprache der Soldaten
Oder Jäger denn wie die Kräuter 
Veredele sich auch die Redeweise
Wenn sie einmal verpflanzt würde 

Bei einigen Worten von Vergil oder
Lukrez falle es uns heute schwer
Die ursprüngliche Ausstrahlung noch
Zu erkennen weil der Gebrauch die

Worte für uns abnutzte ihr Reiz 
Damit banal wurde so fänden sich
Auch in der Volkssprache vortreffliche
Wendungen und Bilder noch

Deren Schönheit mit dem Alter aber
Dahinwelke und deren Farben durch
Zu häufige Nutzung verblassen doch 
Verlieren sie nichts von ihrem Duft

So lange die Nase noch fein genug ist 
Sie zu erkennen nur ihren Ruhm
Kann keiner mehr verstehen dann 
Gelehrte Werke seien zu spitzfindig

Sein Kammerjunge beschliefe sein 
Mädchen und verstünde sich darauf
Lest ihr ihm Hebraeus oder Ficino vor
Ist zwar von ihm die Rede dort aber

Er verstünde kein Wort davon auch
Selbst erkenne er bei Aristoteles sein
Tägliches Sinnen und Trachten nicht
Wieder er trägt den Talar Philosophie

Möge sich keiner darin verheddern
Wäre er vom Fach würde er so wie
Sie die Natur verkünsteln die Künste
Lieber wieder naturalisieren

Beim Schreiben schreibt er verzichte
Er weitgehend auf die Gesellschaft
Der Bücher und seine Erinnerung
Um seine Gedanken nicht zu stören 

Auch weil die großen Autoren ihn 
Zu sehr verzwergen würden eher
Hofft er das Publikum lese noch
Viel schlechtere vor und nach ihm

Ohne Plutarch aber käme er nicht aus 
Der sei in allem so bewandert und
Bietet sich zu jedem Thema an mit
Seiner großen reichen Schönheit

Es hilft ihm dass er zuhause unter
Hinterwäldlern quasi schriebe von 
Denen keiner ihn berichtigen oder
Helfen könnte keiner Latein versteht

In anderer Umgebung hätte er wohl
Besser geschrieben aber es wäre
Dann weniger seins worin aber sein
Hauptzweck besteht seines zu sein

Er würde ja Flüchtigkeitsfehler die
Ihm beim achtlosen Drauflosschreiben
Ständig unterliefen tilgen aber die
Unvollkommenheit sei sein Wesen 

Was diesem eingeboren sei zu tilgen
Wäre doch Betrug sagte ihm jemand
Er überlade die Sprache mit seinen 
Metaphern oder dieses Wort sei ein

Typisches Gascogner Gewächs oder
Diese Wendung sei zu gewagt denn 
Er scheue nicht vor Kraftausdrücken
Aus Frankreichs Gassen zurück

Jene die dies mit Grammatik noch
Bekämpfen wollten machten sich
Nur lächerlich oder diese Ausführung
Sei von keiner Sachkenntnis getrübt 

Gar diese widersprechen sich selbst
Seien geradezu hirnrissig oder hielten 
Die Leute zum besten die es ernst
Nähmen sage er gewiss aber ändere 

Nichts als Flüchtigkeitsfehler die aus 
Unachtsamkeit ihm entschlüpft doch
Nie Gewohnheitsfeier denn er rede
Doch immer so wie er auch schriebe

Er porträtiere sich nach dem Leben
Habe damit erreicht was er wollte
Jeder erkenne ihn in seinem Buch
Damit auch sein Buch in ihm

All diese Verse über Montaigne sind
Das Produkt von zwei Seiten aus
Einem Essays des Dritten Bandes 
Was zeigt wie gehaltvoll Michel ist

Noch immer habe ich das Gefühl
Nur einen kleinen Teil seines feinen
Humors den die Engländer besonders
Liebten die sie auch über die Zeit

Nach dem römischen Bannspruch
Der zu lange galt noch retteten die 
Er auch seiner Brieffreundin der
Schönen Queen Elisabeth I sandte

Es ist echtes Understatement wie es
Die feine englische Art zeigt was in
Diesen Zeilen deutlich wird und so
Hat Michel den Gentleman auch

Weit bevor er als Typ auftauchte 
Mitgeformt und zeigt viel von dem
Was als britischer Humor heute gilt
Den meine Großmutter so liebte

Hier gibt es eine große Nähe 
Zwischen dem Gascogner und
Den Briten die lange dort noch
Geherrscht hatten bis Johanna

Die französische Nationalfigur
Welche natürlich eine schöne
Wie mutige Frau war sie vertrieb 
Und die Normannen gab es ja auch 

Ohne nun über 1066 und die große
Schlacht von Hastings oder dem
Teppich von Bayeux hier zu dichten 
Ist erstaunlich wie reich Michel ist

Der Ruhm von Michel de Montaigne 
Hat gute Gründe in seinen Worten
Die Hans Stilett elegant übersetzte 
Ihn zu lesen lohnt immer auch für

Nur zwei Seiten die dem Flaneur
In seiner Bibliothek wieder genug
Zu denken für den Sonntag gab 
Dankbar solches lesen zu dürfen

Denke dabei auch an das Gespräch
Mit Karl Lagerfeld als ich einst noch
Eine Geliebte hatte die für Chanel
Lief was hier keine Rolle mehr spielt

Aber die sinnlich amouröse Nähe
Zu Michel offenbart denn mit Karl
Sprach ich über Montaigne noch
Von dem er einen Band hatte

Der angeblich aus dessen leider
In alle Welt zerstreuter Bibliothek
Noch stammte wie über die neue
Übersetzung und er wusste viel

Von Mode habe und hatte ich nämlich
Keinerlei Ahnung damals wie heute
Aber Philosophie der Renaissance
Lag mir schon damals eher nah

So verknüpfe ich mit Montaigne auch
Sinnliche Erinnerungen an die schöne 
Wohnung im VII. über den Dächern
Mit den drei wunderschönen Damen

Aber hier geht es ja um Philosophie
Wie das Selbstbild von Montaigne
Der sich hier so wunderbar malte
Wie den Dichter noch belehrte

jens tuengerthal 27.9.26

Lebensphilosophie

Lebensphilosophie

Das Denken endet wo Angst beginnt 
Statt kritischer Vernunft dann herrscht 
Was häufig beim Tod so ist warum die
Vorherrschaft des Aberglauben kam 

Es braucht eine Todesphilosophie
Von der irrationalen Angst mit der
Kraft der Vernunft zu befreien die
Bloße Gefühle ersetzen kann

Diese gab es schon vor 2300 Jahren 
Als Epikur lehrte den Tod nicht mehr
Zu fürchten da er uns nichts anging
Zumindest solange wir noch leben 

Nichts an geht uns der Tod nach
Epikur weil wo er ist wir nicht mehr
Sind solange wir sind er nicht ist
Unser Sein also nicht tangiert 

Höchstens im Todesfall naher 
Angehöriger oder Liebster scheint
Dieser uns etwas anzugehen weil
Wir vermissen was vorher war

Der Schmerz des Todes den wir als 
Verständlich mitleidig gern verstehen
Ist nichts als billige Ego Pflege der
Verlassenen die nicht gönnen können

Es dauert ein wenig bis wir diese 
Philosophie in Konsequenz verstehen
Was das moralphilosophisch bedeutet
Nach dem kategorischen Imperativ

Dann aber können wir auch das Ende
Wie alles mit Liebe gönnen weil es
Alles mögliche Leiden damit beendet
Weniger verlockend sind Alternativen 

Sich philosophisch bewusst zu sein
Der Tod muss keine Angst machen
Dabei steht das Herz einfach still
Kein Gedanke formt sich in uns

So ist der Tod der Traum aller Leser
Von ewiger Ruhe einfach in dem
Nach der Natur nichts mehr geschieht
Also nichts was zu fürchten wäre

Mit diesem Wissen und also ohne
Allen Aberglauben lebt es sich gut
Wie gelassen noch dazu weil keine
Gefahr irgend Angst machen kann

Mehr als Nichts droht nie was dem
Tode wie dem Sterben allen sonst
Schrecken der zu Dummheiten nur 
Verführt nimmt in jedem Alter dabei

Weil nichts nichts macht macht auch
Der Tod dir nichts mehr aus und du
Kannst ihn künftig einfach gönnen
Weil Liebe gönnen können heißt

Einzig der Aberglaube phantasiert
Von Himmel und Hölle die noch
Angst vor dem Nichts machen
Das doch einfach nichts macht

Eine Lebensphilosophie die uns
Alle Angst vor dem Tod nimmt ist
Die größte Chance für freies Leben 
Nutzen wir sie bis zum Ende

jens tuengerthal 27.9.26

Alternativen

Alternativen 

Wer überleben will muss kämpfen
Wird uns suggeriert damit wir den
Unsinn der Idioten mitspielen die
Nur durch Kampf überleben können

Wirklich reich und glücklich ist nur 
Wer nichts mehr hat und muss auch
Vor seinem Gewissen gut sein kann
Statt irgendwen noch zu besiegen

Der Hass Kampf und Konkurrenz
Ist nicht notwendig und keiner muss
Irgendwen besiegen wollen denn wir
Können auch friedlich Nichtstun

Es ist genug für all da und das
Paradies ist nicht verschwunden
Sondern die ungestörte Natur die
Keine Rechnung uns schicken wird 

Sein ist bis es endet und dann ist
Einfach Ruhe und all der Aufwand
Um nichts mehr lohnte nie lieber
Nichtstun und das Ende erwarten

Die Konkurrenz und der Kampf um Öl
Ist lächerlicher Ausdruck davon stets
Energie liefern uns Wind Sonne wie
Die Gezeiten im Paradies einfach so

Elektromotoren haben eine Effektivität
Von 100% Verbrenner nicht mal 40%
Es gibt saubere Alternativen um das
Paradies der Welt zu erhalten

Wer noch auf Kohle Atom Verbrenner
Setzt wählt die schlechtere Alternative
Sollte für die Folgekosten auch haften 
Gäbe es reale Konkurrenz noch je

Frau Reiche wäre wohl arm müsste 
Sie für die von ihr verursachten 
Schäden ihrer Lobbyarbeit haften 
Was aber ziemlich gerecht wäre

In Wirklichkeit sichern wir nur weiter
Die Besitzstände der Besitzenden
Zu Lasten von Natur und uns allen
Meinen es wäre dabei unser Vorteil 

Eigentum war immer schon Diebstahl 
Die Natur gehört allen Menschen und
Grenzen sind eine Illusion der bloßen
Missgunst zu kleiner Geister noch

Es gibt Alternativen zum Eigentum 
Nichts ist Alternativlos und keiner
Muss kämpfen besser wäre wenn alle
Sich ganz gelassen entspannten 

Ob wir sterben oder nicht ist egal
Weniger auch Menschen wäre mehr 
Raum für alle die übrig blieben noch
Wie weniger in allem mehr wäre 

Erbe wird abgeschafft zugunsten des
Kollektiven Naturerbes weil die Welt
Allen gemeinsam immer gehört jede
Baustelle muss grün ersetzt werden 

Keine Versiegelung mehr ohne ein
Gleiches Maß an neuen Bäumen
Bei Straßen davon ein dreifaches
Für Versiegelung Lärm und Luft

Alle Autobahnen und Straßen im Land
Müssten entsprechend ersetzt werden
Den Schaden wieder auszugleichen
Was nur billig und gerecht wäre

Es gibt gute Alternativen zum ewigen
Höher schneller breiter mit weniger
Außer bei Bäumen die uns mehr
Lebensqualität schenken immer

Aber diese wachsen natürlich ganz
Alleine wenn wir sie lassen und den
Lebensraum wieder freigeben was
Der Weg zum Paradies für uns ist

Keine Verbrenner mit Milliarden an
Steuern belohnen sondern lieber
Alternativen bezahlbar machen um
Eine Chance in Zukunft zu haben

Es gibt viele Alternativen zum Leben 
Wie wir es vielfach noch führen und
Der Tod ist nur die bequemste weil 
Jeder weniger mehr für alle auch ist

Die Alternative zum Sein ist einfach
Nicht mehr sein ist Ruhe und Frieden
Statt Kampf Schmerz und Mühe lieber
Mehr Lebensraum wieder freigeben

Das Ende ist nicht schrecklich bloß 
Einfach nichts mehr und gut ist was
Vielfältig verlockender als Sein ist
Etwas Gutes dazu noch tut 

Weniger werden ist ein hehres Ziel
Dafür Orden für Kinderlose die ein
Vorausschauendes Leben führen
Denn weiter so ist keine Alternative

Es gibt eine Alternative zum Sein
Das verlockend bequeme Nichts
Wer Verantwortung fühlt bleibt da
Bessere Alternativen gibt es nicht

jens tuengerthal 27.9.26

Liebeswissen

Liebeswissen

Was weiß ich von der Liebe
Kann ich von Wissen reden
Wenn es um Gefühle geht
Auch wenn ich ganz sicher bin

Genau weiß ich doch wen ich
Liebe und denke auch zu wissen
Warum es so ist bis es sich ändert
Was selten noch zu verstehen ist

Als Wissen oder Kenntnis wird 
Üblicherweise ein Bestand von 
Fakten Theorien und Regeln 
Verstanden die sich durch den 

Höchstmöglichen Grad an Gewissheit 
Auszeichnen so dass von Gültigkeit 
Oder Wahrheit ausgegangen wird
Was immer diese wirklich sein soll

Als die Erfindung eines Lügners 
Bestimmte Formen des Wissens 
Wie dessen Speicherung gelten als Kulturgut einer Gemeinschaft

Zwar bin ich mir meiner Liebe gewiss
Aber beweisbar ist sie doch nie und
Fakten Theorien und Regeln sind
In der Liebe an sich eher untauglich 

So halte ich es in der Liebe wie auch
Sonst gerne mit Michel de Montaigne
Und seinem Wahlspruch Que sais-je
Denn was weiß ich schon davon

jens tuengerthal 27.9..26

Samstagsrieslingstimmung

Samstagsrieslingstimmung

Am Samstag oder eigentlich schon
Sonntag gegen Viertel vor eins im gut
Gefüllten Crossroads angekommen
Tino noch vor der Tür begrüßt

Drinnen dann Dunja den hessischen
Cowboy wieder Volker Selma Nina
Und noch mehr vom hier Publikum 
Kaum in der Flaneurloge meinen Platz 

Eingenommen als Selma schon den 
Riesling brachte alle sind munter am
Plaudern und teils unten verteilt aber
Oben sitzt noch ein Paar beim Aperol

Die höre ich nur und sah Selma sie
Bedienen aber sie sitzen unsichtbar
Umme Ecke am Sofa und könnten 
Eventuell auch noch mehr sein 

Tino ist nach dem Aufräumen draußen
Weiter drinnen schüttelnd beschäftigt
Die Musik ist älter und gut bekannt
Die Stimmung ist gelassen gut 

Ein paar Gläser fielen um aber die
Hier Stammgäste sorgen schon
Wieder für Ordnung und wischen
Was noch feucht war selbst auf

jens tuengerthal 27.9.26