Lektürentagebuch 7.10.26
Wenn die Liebste auf Reisen ist
Geht auch der Flaneur in seinen
Bücherurwald um sich dort ein
Wenig unterwegs umzuschauen
Beginnend mit dem Ehepaar Gondela
Auf der Reise ins Paradies die im Jahr
1802 am 18. September in Heidelberg
Aufbrachen nun in Königsbach sind
Von Heidelberg aus fuhren sie gegen
Sieben Uhr los gen Westen zunächst
Durch schöne Felder die voll standen
Mit französischem Weizen wie sie
Den Mais nannten und die Straße war
Prächtig mit schönen Bäumen
Vielfach auch Obstbäumen bestanden
Bis sie nach Edingen kamen
Dort zeigten sich erste Verwüstungen
Des Krieges gegen Frankreich noch
Von 1795 weiter ging es bis nach
Mannheim wo schon von weitem
Sichtbar der Wall geschleift wurde
Warum die Stadt nackt und offen
Vor ihnen lag damals direkt an der
Grenze zur Republik Frankreich
Mannheim selbst war im Krieg von
Den Österreichern befreit worden
Doch die vormals reiche schöne
Stadt war dafür bombardiert worden
Vermutlich durch Kanonen die so
Verwüstungen besonders auch am
Schloss am Ufer des Rhein das sie
Beschossen die Franzosen daraus
Zu vertreiben wobei auch viele Frauen
Wie Kinder die dorthin flüchteten zu
Schaden kamen oder starben was
Von Gondela sehr deutlich geschildert
Sie nehmen Quartier im Gasthof um
Auf neue Pferde zu warten die auch
Über den Rhein nach Frankreich
Fahren dürften was denen aus
Heidelberg von der dortigen Post
Nicht mehr erlaubt war sie fanden
Mannheim sehr trist und tot was
Zeigt wie wenig sich geändert hat
Auch nach den Verwüstungen im
Zweiten Weltkrieg wurde Mannheim
Wieder aufgebaut aber blieb für mich
Der aus Heidelberg kam immer tot
Die Gespräche in großer Runde beim
Essen waren interessant wobei die
Bürger sich trotz Anwesenheit einiger
Französischer Offiziere noch sehr frei
Wie frech über Franzosen empörten
Sie nahmen kein Blatt vor den Mund
Ihren Tisch saß ein stummer Maler
Vor und alle übten sich darum in der
Zeichensprache die sie auch lernten
Trotz Einladung doch ins Theater zu
Gehen waren sie entschlossen noch
Weiter nach Königsbach zu fahren
Dieser Ort liegt bei Neustadt in der
Pfalz was mit einer Kutsche die erst
Gegen vier ihre Pferde bekam doch
Ein ganzes Stück Weg noch war
Da aber Iffland schon in Berlin war
Die Namen auf dem Prospekt völlig
Unbekannt waren reizte es sie nicht
Auch sein Freund Beck der damals
Direktor des Mannheimer Theaters
Noch war abwesend und so ging
Die Fahrt über den Rhein weiter
Wo sie länger warten mussten
Die vorherige Floßbrücke war auch
Im Krieg zerstört worden und so
Mussten sie auf die Fähre warten
Durch den Zoll der Franzosen
Welche die Ausweise kontrollierten
Kamen sie schnell ihr neuer noch
Ganz junger Postillon raste darauf
Los gen Oggersheim wo die Republik
Den Zoll für eingebrachte Gûter dann
Erhob was sie auch vorgewarnt schon
Durch Frechheit gut erledigen konnten
Leider kassierte auch die Post noch
Gebühren für Wagen und Strecke
Dabei mussten sie wie für 3 Pferde
Zahlen was lange diskutiert wurde
Aber so eben geltendes Recht war
Dafür gelang es Heinrich Gondela
Ihren Stuhlwagen als Karren statt
Als Chaise verbuchen zu lassen
Weil diese dort noch unbekannt
So holte der kluge Bremer Kaufmann
Wie Senator sich wieder was vorher
Zu viel gezahlt wurde doch war es
Dadurch schon dämmerig als sie
Von in Oggersheim gen Königsbach
Bei Neustadt aufbrachen aber keiner
Dort kannte den Ort in dem Christine
Einst ihr Gut geerbt hatte vom Vater
Dieser war zeitweise als ein
Reichskammerrat in Frankfurt tätig
Was sie später über die Weinstraße
Auch noch besuchen wollten
Zuletzt waren sie noch auf ihrer
Hochzeitsreise dort gewesen was
Inzwischen über 15 Jahr her also
Noch zu vorrevolutionären Zeiten war
Die Straßen wurden ab Oggersheim
Schlecht bis miserabel und die nun
Beginnende Dunkelheit tat das ihre
Sich leichter zu verirren dort
Irgendwann ging es den Hardt hinauf
In immer steileren Straßen bis sie
Schließlich nach Königsbach kamen
Der Postillon vor ihrem Hof hielt
Sofort strömten die Leute zusammen
Die ihnen erzählten der Verwalter
Sei benachrichtigt und käme bald
Mit ihren bei ihm verwahrten Möbeln
Heinrich geht zuerst alleine in den
Hof und ins Haus und ist dabei
Schockiert über den Zustand wie
Die gähnende Leere dort drinnen
Er berät sich draußen mit Christine
Die dennoch bleiben will und dann
Kommt auch der Verwalter und bringt
Betten und frisches Brot ihnen mit
Gut gelaunt darf der junge Postillon
Soviel vom eigenen Wein trinken aus
Dem hiesigen Keller was er gerne tut
Sie machen es sich gemütlich
Der Verwalter hatte während des
Krieges ihre Möbel zu schützen
Diese bei sich untergebracht nach
Genug Wein gehen sie nach oben
In das kleine Schlafzimmer wo sie
Voller Freude feststellen dass alles
Noch in Ordnung ist auch der Wein
Noch um das Fenster wild rankt
jens tuengerthal 7.10.26