Lektürentagebuch 3.8.26
In Dunkle Renaissance weiter über
Christopher Marlowe gelesen von
Stephen Greenblatt zur Eroberung
Von London durch Tamerlan
Das Stück wurde ein voller Erfolg
Tausende strömten in das Theater
Der Theaterunternehmer wurde damit
Reich wie der erfolgreiche Tamerlan
Jener Schauspieler der damals
Den asiatischen Diktator und auch
Atheisten spielte heiratete später
Die Tochter des Theaterunternehmers
Er wurde zum reichen Unternehmer
Der mit Grundstücken handelte eine
Schule gründete die bis heute noch
Besteht und Absolventen nach dem
Damals berühmten Darsteller des
Tamerlan benannte der jedoch nie
Ein Ritter oder Sir wurde obwohl
Er später noch ein Gutshaus erwarb
Schauspieler genossen damals ein
Ansehen was eher dem von Huren
Nah denn als glänzend bekannt war
Verdienten aber zumindest gut
Auch Shakespeare wurde als ein
Schauspielunternehmer reich der
Ruhm der Stücke kam erst später
Marketing macht Kunst erst wertvoll
Der Hauptdarsteller wurde berühmt
Wie reich mit diesem einen Stück
Auch wenn er viele andere noch
Parallel teilweise auch spielte
Marlowe selbst blieb dabei noch
Weitergehend unbekannt erst Jahre
Später wurde das Stück auch unter
Seinem dann gedruckt den erst
Trotz des großen Erfolges in London
Kaum einer kannte was Greenblatt
Mit den Autoren von Drehbüchern
In heutiger Zeit auch vergleicht
Ein christlicher Gegner der sich über
Den Erfolg des Atheisten Tamerlan
Empörte die Botschaften erkannte die
Marlowe zwischen Zeilen verbarg
Schrieb ein Gegenstück als Anklage
Das aber beim Publikum durchfiel
Was das Genie Marlowe fesselte
Mit atheistischen Sprüchen dabei
Marlowe dürfte an dem Erfolg
Seines Stückes der sich auch
Der guten Besetzung verdankte
Selbst nahezu nichts verdient haben
Was Greenblatt nüchtern hier nur
Feststellt ist eben das Schicksal
Der Dichter die häufig erst der
Nachwelt bekannt mühsam nur
Bis heute in unkultivierter Welt
Überleben müssen ohne je den
Ruhm ihrer Dichtung zu genießen
Der für die Ewigkeit bleibt
So lesen wir heute noch gerne
Von Marlowe und kennen ihn
Während Schauspieler vergessen
Auch wenn sie heute Sir werden
Zum Glück war der Agent Marlowe
Der so mutig atheistisch schrieb
Nicht auf die Einnahmen als Dichter
Allein angewiesen was tragisch wäre
Heute werden Autoren dafür zu
Events mit Publikum gezwungen
Die diese erleben wollen was zum
Fernsehen aber nie zum Lesen passt
Es muss also wer Dichter wird zu
Allen Zeiten Gönner haben wie
Goethe mit seinem Carl August
Oder für den Staat sonst arbeiten
Weil Dichtung zu Lebzeiten der
Dichter selten einen Wert hat und
Früher sterben mehrt zwar den Ruhm
Bringt diesen aber auch nichts mehr
So ist das existentielle Schicksal der
Guten Schreiberlinge in einer stets
Auf Unterhaltung nur erpichten
Gesellschaft die geistlos bleibt
Eine Ehre ist es also zu Lebzeiten
Als Dichter relativ unbekannt noch
Zu bleiben sich nicht zu verkaufen
Verdient wird damit aber nichts
Sich damit abzufinden tröstet eher
Als auf seltenen Erfolg zu hoffen
Den meist Massenware nur hat
Für die Ewigkeit haben wir gelebt
jens tuengerthal 3.8.26