Lektürentagebuch 12.7.26
Harry Graf Kessler setzt seine sehr
Persönlichen Erinnerungen mit denen
Seiner Mutter an den Kaiser welcher
Wilhelm I war fort was gut ordnet
Zwar klingt es zunächst wie Bunte
Wenn verständnisvoll von der großen
Liebe des Kaisers erzählt wird einer
Bildschönen Prinzessin Radziwill die
Wilhelm da sie nicht standesgemäß
Aus keinem regierendem Haus kam
Nicht heiraten durfte und stattdessen
Eine Augusta von Sachsen-Weimar
Gezwungenermaßen heiratete die auf
Den Knien Goethes groß wurde aber
Doch in der Erinnerung seiner Mutter
Blass alt und tratschig nur war über
Ihre entzückenden Pariser Kleider
Nur redete dies so ausführlich dabei
Dass jedes weitere Wort entbehrlich
Nach der Etikette deutlich verdeckte
Erzählt so viel von Wilhelm der sich
Der Form halber alles verkniff aber
Doch gerne unterhalten und dazu
Noch abgelenkt wurde auf viele Art
Detailliert wird von französischen
Theaterstücken berichtet die bei der
Gräfin Lehndorff-Steinort im Salon
In Bad Gastein gespielt wurden
Von der Mühsal eines Grafen Bülow
Den amüsierten Bemerkungen des
Kaisers dazu teils auf französisch
Ohne seine Mutter zu erwähnen
Was unnötig ist weil er ihren Bericht
Wiedergibt und sie erzählen lässt
Aber dennoch viel sagt wenn wir das
Gerücht dabei nicht ignorieren
Er wird vermutlich nie direkt etwas
Von dieser Liaison sagen aber wie
Der Kaiser sogleich entflammt war
Sich dies indirekt wieder bestätigte
Ist schon mehr als nur Andeutung
Natürlich spielte sein Vater wie die
Mutter Rollen in dem Stück bei den
Lehndorffs wo gut geputzt wurde
Lehndorff-Steinort spielte nach dem
Tod von Kessler eine große Rolle im
Zweiten Weltkrieg hier nebenan war
Die Wolfsschanze das Hauptquartier
In Steinort war Ribbentrop einquartiert
Lehndorff war im Widerstand um den
Grafen Stauffenberg nicht umsonst
War die Wolfsschanze der Ort an dem
Das Attentat geplant und versucht war
Diese Lehndorff-Steinort in deren
Salon das Theater stattfand war die
Schwägerin des kaiserl Adjutanten
Ein älterer Bülow bemüht sich zur
Unterhaltung des Kaisers ein jüngerer
Der Reichskanzler später wird gilt als
Unangenehmer Charakter wir sind
Auch wenn in Ems oder Gastein doch
Am preußischen Hof und dann kommt
Noch die österreichische Kaiserin was
Damals Sissi war in den Erinnerungen
Seiner Mutter hier vor und ihr ganzer
Auftritt groß schlank mit schwarz gold
In den Farben ihres Landes wie der
Kaiser ihr den Vortritt noch gibt
Das scheinen auf den ersten Blick
Geschichten noch aus einer anderen
Welt von Adel Hof und Tratsch doch
Erzählt Kessler hier indirekt mehr
Woher sollte seine Mutter wenn sie
Nur eine hübsche Bekannte aus der
Kur war mit solcher Gewissheit vom
Emotionalen Leid Wilhelms wissen
Kessler sagt es nicht und widerspricht
Öffentlich laut allen Gerüchten aber
Erzählt ganz im geheimen viel mehr
Als jede nur Behauptung belegte
Damit zeigt der rote Graf sich als
Ein genauer Kenner der höfischen
Sitten die manches nie aussprechen
Dafür indirekt überdeutlich machen
Denke an meine liebe Freundin
Die auch preußische Prinzessin
Unsere Großmütter kannten sich
Aus Bremen noch lang ist es her
Über zwanzig Jahre vermutlich
Die Ehen der Preußen darüber
Ließen sich viele Geschichten
Schreiben wie über die Liebe
Als meine Mutter noch Tanzstunde
Mit den Prinzen hatte aber ihre Mutter
Ihr vorher schon sagte lass die Finger
Von den Prinzen die haben ein uraltes
Hausgesetz das stärker ist als alle
Gefühle über das sich die Mutter
Der Freundin hinweggesetzt hatte
Was noch für viel Ärger sorgte
Gute Partie schlechte Partie
Alter Name große Familie aber
Einsam real ist manches viel
Weniger glänzend als es scheint
Belasse es wie der Graf hier bei
Bloß anonymen Andeutungen die
Lesen kann wer die Beteiligten kennt
Geschichte kommt manchmal nah
Noch auf einige Seiten in den feinen
Wie komischen Lebenslauf des
Heiligen Wonnebald Pück bei Ricarda Huch getaucht und herzlich gelacht
Zunächst erfahren wir wie Wonnebald
Bei den älteren Stiftsdamen in der
Umgebung seines neuen Bistums
Erregte Begeisterung bald auslöst
Wie er sich auch um diese Damen
Noch kümmert was ihn Lux zwar
Nicht vergessen aber zumindest
Zeitweise üppig ersetzen lässt
Dann gibt es neue Details aus dem
Leben des Maulwurfjägers wie auch
Schwiegervaters Christoph Bernkule
Der Schwänze abliefern muss um
Seine erfolgreiche Jagd zu beweisen
Wie sie einen fangen aber das junge
Mädchen darob schrecklich weint
Auch als der ein Grab dann bekommt
Sich nicht wieder beruhigen kann
Bis der lachende Großvater hier
Aufdeckt dass er die meisten der
Maulwurfsschwänze selbst bastelt
Weil was zu fangen ist nicht reicht
Eine Familie zu ernähren so immer
Eine Zahl Maulwürfe bliebe die aber
Schädliche Insekten fressen würden
Wie diese Betrug der Behörden zum
Zerwürfnis mit dem Sohn führte der
Immer aufrecht sein wollte aber das
Gegenteil bei Wildererjagd erreichte
Wo der Mensch das Gleichgewicht
Der Natur stört ergab dies selten je
Gutes denke ich dabei lächelnd so
Werden halt Schwänze gebastelt
Mit feiner Ironie auf den Staat wie die
Vielen nutzlosen Beschäftigungen der
Zu viele nachgehen müssen schreibt
Ricarda Huch hier und lässt lachen
Zum weinen traurig ist es eigentlich
Heute beschäftigen Job-Center eine
Ganze Industrie mit Dingen denen
Verglichen die selbst gebastelten
Maulwurfsschwänze noch als eine
Höchst sinnvolle Tätigkeit scheinen
Warum die Umgehung des Staates
Wieder viel wichtiger künftig wird
jens tuengerthal 12.7.26