Dienstag, 27. Oktober 2026

Lesereisender

Lesereisender

Manche machen Leserreisen 
Auf den Spuren von Büchern
Folgen sie ihren Autoren oder
Deren Geschichten an die Orte

Der Handlung was damit alle
Phantasie zugunsten bloßer
Realität zerstört und ohne
Jeden Gewinn bei der Lektüre

Vielmehr rauben sie sich dadurch
Ganz viel was Lesen so schön
Wie Bücher reich und bunt macht
Nur um festzustellen so ist das

Manche sehr sensible Menschen
Merken noch sie hätten es sich 
Ganz anders vorgestellt aber
Nur die wenigsten spüren was

Ihnen als Leser verloren geht
Wenn sie plötzlich ein Bild
Von allem vor Augen haben
Kein Raum für Träume mehr ist

Wer das will kann auch Filme
Oder sonst bewegte Bilder sehen
Die Leser dagegen formen die
Landschaften und Räume erst

In ihrer Phantasie statt sich von
Eindrücken berieseln zu lassen 
Wer das braucht dem mangelt es
An Phantasie und Geist was 

Das Gedächtnis erlahmen lässt 
Warum die meisten auch nur noch
Filme sehen statt zu lesen und
Wählen statt aus einer Bibliothek

Sich einen Band zu nehmen bei
Einschlägigen Kanälen virtuell aus
Wovon sie sich berieseln lassen
Leser aber erleben lesend und 

Formen ihre Welt nach der eigenen
Phantasie die berieselt verkümmert 
Für solche geistigen Krüppel mögen
Leserreisen nette Ablenkung sein 

Die gebildet tut und unterhält 
Als Leser bleibt mir dies fremd
Muss nirgendwo mehr hin
Nur tief in Bücher eintauchen 

Überall hinreisen zu können
Die Welt als Leser zu erkunden 
Im kommenden Zeitalter der
Immobilität das nirgendwo mehr

Hin muss sondern lesend da war
Was andere so schön nie sehen
Aber was dichte ich da noch
Versteht ohnehin keine mehr

Dafür reichen mir die Bücher meiner
Bibliothek um überall gewesen zu sein
Eine Vorstellung der Welt zu haben 
So wie sie mir gefällt

jens tuengerthal 27.10.26

Erlesen

Erlesen

Lebe in einer Bücherwelt
Diese ist sehr erlesen
Natürlich der Inhalte wegen
Es bleibt nur was gut ist

Doch auch nach ihrer Erscheinung
In meine Bibliothek kommen nur
Gebundene Bände noch
Vorzüglich der Anderen Bibliothek 

Oder was halt geerbt wird
Aber auch da nur ausgewählt
Für den Buchmarkt bin ich
So gut wie tot und lieber

Ignoriere ich das meiste
Bis auf gelegentliche Funde
Im Antiquariat oder mal 
Auf Flohmärkten um

Alte Schätze zu bergen
Muss nicht alles haben
Sondern wähle genau aus
Mit welchen Büchern ich lebe 

Denn das große Glück an einer
Bibliothek ist sie formt sich mit
Der Zeit nach ihrem Bewohner
Gleich Prometheus lebe ich

In meiner Bücherwelt frei
Geformt nach meinem Bilde
Götter nicht zu achten in
Einem Haus das Menschen

Gebaut auch ohne jeden Gott
In einer Wohnung mit einer
Bibliothek um deren Inhalt
Nur kluge Köpfe mich beneiden

Liege zwischen schönen Bänden
Vor meinem elektrischen Kamin
Dessen Glut nichts höheres braucht
Zufrieden mit begrenzter Natur

In meiner erlesenen Welt ist
Versammelt was ich liebe
Hierher kommt nur was auch
Zu mir als Lektüre passt

jens tuengerthal 27.10.26

Lektürentagebuch 26.10.26

Lektürentagebuch 26.10.26

In der Nacht bis zum frühen Morgen
Wieder Johann Karl Wezel gelesen
Wo in Hermann und Ulrike besonders
Dramatische Briefe getauscht werden

In einem Brief den sie noch nicht über 
Ihren Boten vor dem Fenster an ihn
Gesandt hat überlegt sie noch wie ihr
Die Tante die Gräfin dringend rät allen 

Kontakt abzubrechen um dann in
Reaktion auf seinen Brief wiederum 
Das Gegenteil zu wollen und lieber
Mit ihm auf der Straße leben will

Als je diese Liebe aufzugeben ist
Wechselhaft und doch ganz sicher
Wie sie mit ihren jungen 17 im
Nächsten Brief ihm versichert

Beide Briefe bekommt er zusammen
Mit noch einem dazu zeigen sie das
Wechselhafte heiße Temperament 
Seiner wunderbaren Ulrike deutlich 

Zugleich erzählt sie wie ihre Tante
Die garstige Alte seine Briefe fand
Die sie hinter der Tapete versteckte
Sie noch strenger nun überwachte 

Er könne und brauche darum nicht
Mehr an sie zu schreiben aber sie
Würde bei nächster Gelegenheit
Fliehen um ihr Geld mit ihm zu teilen

Eine Stelle an der heute wohl jeder
Stockte und vor Betrug warnte aber 
In Romanen ist ja erlaubt was gefällt
Also auch das Vermögen zu teilen

Um so die künftige Liebe wie ein
Leben miteinander zu finanzieren 
Die Familiengründung zu planen
Was gerne auf die erste Lust folgt 

Zum Sex kommen sie immer noch
Nicht aber für die Folgen und ihr
Gemeinsames Leben planen sie 
Schon was sehr vernünftig klingt

Die Realität zeigt meist das Gegenteil
Mit oft gravierenden Folgen die so 
Selten noch erfreulich enden dafür
Macht der Liebesroman es umgekehrt 

Vielleicht spiegelt das auch zu gut
Den Geist der Aufklärung wieder
Der zwischen den Zeilen schwebt
Auch wenn manchmal unsichtbar


Mit dem bekannten Büchner Zitat
Friede den Hütten Feuer den Palästen 
Aus dem Hessischen Landboten 
Beginnt der nächste Abschnitt von 

Dreihundert Männer dem Band den 
Konstantin Richter über Aufstieg und
Untergang der Deutschland AG
Schrieb und in dem er global denkt

Wie dachten die großen Industriellen 
Wollten sie den Adel imitieren sich
Wirklich Paläste bauen oder blieben
Sie wenn auch wohlhabend bürgerlich

Beides kam wohl vor auch wenn die
Erinnerung an die eigene Herkunft
Noch großgeschrieben wurde blieb
Mancher sparsam und bescheiden

Von den Villen kommt er wieder zu
Den Hütten und der katastrophalen
Lage der Arbeiter und von da zu
Lasalle und Liebknecht wie der

Spaltung der Bewegung in die eher
Gemäßigten Lasellaner und die dafür 
Marxistischen Eisenacher zu denen
Bebel und Liebknecht gehörten 

Diese Spaltung ist bis heute weder
In der SPD noch in der sogenannten
Linken der Nachfolgerin der SED mit
Vernunft kritisch überwunden worden

Vermutlich wird ihre koalitionäre nun
Verbindung gegen das Kapital in
Berlin die Deutschen noch teuer zu
Stehen kommen aber egal soweit

Bebel zitiert Büchner nun riskant
Im preußischen Landtag was den
Zorn von Bismarck erregt der ihn 
Auf der Hubertusburg in Sachsen

Internieren ließ wo er aber mit seinem
Zellennachbarn Liebknecht dafür im
Garten Radieschen anbauen durfte 
Die aber wohl nicht gut gediehen

Ob das auch für den Sozialismus
Der beiden gemeinsames Kind bis
Heute gelten muss ist auch vielen
Scheinbar noch relativ unklar

Dafür stritten Otto und Daimler weiter
Wurden dafür auch ermahnt was die
Entwicklung nur geringfügig verzögert
Sie sollen künftig koordiniert arbeiten 

Nun verzockt sich die Deutsche 
Bank in Montevideo wie in Asien aber
Verdient gut an deutschen Sparern
Was sie schon häufiger verkannte 

Werner Siemens soll in der Akademie
Der Wissenschaften geehrt werden 
Als Reuters den Untergang eines 
Schiffs zum Kabellegen meldet 

An Bord war sein Bruder er erträgt
Die Ehrung eher aber am nächsten
Tag war es nur eine Ente und sie
Waren nur im Nebel verschwunden

Das mit dem Überseekabel bleibt
Schwierig auch als Werner Siemens
Es persönlich beaufsichtigt der Autor
Zitiert dazu abgewandelt Oscar Wilde

Im November 1874 ist auch noch von 
Der Vollendung der Götterdämmerung 
Durch Richard Wagner zu berichten
Der 26 Jahre am Ring gearbeitet hat

Wie Bernhard Shaw bereits in der
Premiere die Kapitalismuskritik sah
Die andere noch lange übersahen
Lieber Germanenkult betrieben

So wandelt sich das Wagnerbild
Zwischendurch war auch Hitler
Gern gesehener Gast am Hügel
Heute trifft Weidel den Milch Müller


Für einen kurzen Abschnitt noch
Zu Egon Friedell der in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit von
Insularer Philosophie auf dem 

Kontinent Europa mit Humor aber
Großer Kenntnis und Tiefe wieder
Berichtet unter der Überschrift
Montesquieu und Vauvenargues

Erzählt vom Geist der Gesetze wie
Dem feinen Humor Montesquieus
Aber schwärmt noch mehr vom zu
Früh gestorbenen Marquis des

Vauvenargues von dem Voltaire
Sagte hätte dieser früher gelebt 
Wie er ihn vorher gekannt hätte er
Seine Romane anders geschrieben

Dieser enorme kulturhistorische
Einfluss wird auch im Detail noch mit
Feiner Ironie von Friedell gezeigt da
Neben Voltaire alle Sterne verblassen

jens tuengerthal 26.10.26

Aberglaubensbefreiungsfront

Aberglaubensbefreiungsfront

Tötet alle Götter
Die es nicht gibt 
Wenn nicht mehr ist
Was es nie gab
Macht das nichts
Aber befreit euch
Vom Aberglauben

Ist das Motto der anarchischen
Aberglaubensbefreiungsfront

Immer noch gibt es Menschen die
An höhere Wesen glauben als
Lebten wir nicht 300 Jahre nach
Der Aufklärung die uns aus der
Selbstverschuldeten Unmündigkeit 
Befreite durch nichts als Natur
Über und außer der nichts ist
Wie schon Epikur vor Christus lehrte
Die kritisch denken und prüfen
Lässt was vorher nur geglaubt
Noch steht in der Verfassung
In der Präambel sogar die
Verantwortung vor Gott geschrieben
Also einem höheren Wesen dessen
Existenz der Aberglaube behauptet
Das durch nichts beweisbar ist
Darum ist es nun dringend Zeit
Die Menschheit durch Aufklärung
Vom lächerlichen Aberglauben
Egal wo auf der Welt zu befreien
Weil Glaube nur unfrei macht
Das mündige Denken was aber
Die Verfassung voraussetzt
Grundsätzlich infrage stellt darum
Soll die Aberglaubensbefreiungsfront
Uns von all diesen Ballast befreien 
Damit Menschen auch wirklich
Aufgeklärt leben können sofern
Es ihnen dafür nicht wie Kant so
Treffend formulierte am nötigen
Verstand mangelt sie also einfach
Zu blöd sind zu erkennen warum
Der staatliche Laizismus notfalls
Mit Gewalt realisiert werden muss
Sofern es irgendwen auch nur 
Kritisch denken lehren würde
Was Hauptfach werden sollte 
An allen Schulen aber leider
Nichts an der nötigen Mündigkeit
Die kritisches Denken erst ermöglicht
Ändern wird und wo diese fehlt
Leute weiter lieber zu Heiligen 
Beten sich gen Mekka verneigen 
Anderen albernen Kult praktizieren 
Ist die Aberglaubensbefreiungsfront
Verlorene Liebesmüh weil kritisch
Denken kann nur wer sich befreit 
Über ausreichend Verstand verfügt 
Den Zusammenhang zu erkennen
Bis dies für mehr als ein halbes
Promille nachweisbar ist kann 
Die befreite Aufklärung sich alle
Mühe vermutlich sparen und lieber
Kluge Bücher lesen anstatt denen
Die es nicht begreifen wollen oder
Vermutlich können von der Freiheit
Die Aufklärung uns allen schenkt
Warum Kant ein Anarchisten war
Etwas zu erzählen weil sie es ohne 
Eigenes kritisches Denken nie 
Verstehen werden und also ist
Schweigen bis sie dich fragen
Warum du keine Angst vor dem Tod
Hast noch wer deine Freiheit je
Beschränken kann und warum
Alle Staaten lächerlich sind
Das Gebot der Stunde
Und also schweige ich und die
Aberglaubensbefreiungsfront
Bleibt ein bloßer Traum

jens tuengerthal 27.10.26

Montag, 26. Oktober 2026

Vitamingabe

Vitamingabe

Manche Menschen meinen
Wir bräuchten Vitamine noch
Zusätzlich zur Ernährung um
Länger am Leben zu bleiben

Dieser Aberglaube begründet sich
Wie jener an Heilige oder Götter
Aus der Natur aus sich selbst aber
Im naturwissenschaftlichen Gewand

Wie jeder gute Glaube kann dieser
Berge versetzen und Meere teilen
Allerdings glauben es bei Vitaminen
Anhänger als wissenschaftlich real

Dabei unterscheidet sich der Glaube 
In seiner Seriosität nicht von den der
Impfgegner an Chips von Bill Gates
Nur sein Markt ist noch größer

Ob ich nicht glauben würde dass 
Vitamine helfen würden werde ich
Von entstetzten Gläubigen gefragt 
Natürlich soweit Natur sage ich dann

Zitiere dazu gerne meinen Vater der
Als guter Arzt und Wissenschaftler
Vitamingabe für Humbug erklärte
Nur durch Nahrung ginge es gut

Die isolierten Vitamine hielt er
Sogar für eher karzinogen weil
Sie in der Natur nicht vorkämen
Er starb am Herzschlag mit 83

Was weder das Gegenteil belegt
Noch für Vitamine spricht ihm aber
Manches noch ersparte was uns 
In dunklen Zeiten noch bevorstand 

Ob gehen besser ist als bleiben
Muss jeder für sich entscheiden
Auch wenn jede zweifelt gilt dies
Nichts ist immer weniger als etwas

Nur den Glauben Glauben zu nennen
Statt ihn für Wissenschaft zu halten
Täte in vielen Fällen besser denn so
Können Vitamine Berge versetzen

Ob es damit zu einer Herrschaft der
Vernunft über die Dummheit des
Aberglauben der jeder Glaube ist
Noch kommt bleibt weiter unklar

So fragwürdig jede Herrschaft ist
Die Macht ausüben will über andere
So sicher ist doch immer noch die
Menschliche Dummheit fast aller 

Ob also kommende Generationen
Die es besser wissen könnten einen
Neuen Aberglauben erfinden oder
Aufgeklärt kritisch denken ist unklar

So wird es mit den Vitaminen wohl
Ewig weitergehen und besonders
Schwört unter den Freundinnen eine
Impfgegnerin natürlich auf diese

Und wer nun meint mit dem doch 
Sicheren Untergang der Menschheit 
Stürbe auch die Dummheit aus so
Lebt auch dieser Irrtum wohl weiter

jens tuengerthal 26.10.26

Gutgewinnt

Gutgewinnt 

Die Guten gewinnen wieder
Demokratische Wahlen was
In Brasilien wie Serbien schon
In der Nacht jubeln ließ
Verbreitet sich als gute Nachricht
Lässt Menschen endlich nach
Dunklen Zeiten unter der
Herrschaft der Mafia wie
Verbrechern vom Clan
Trump oder Putin wieder
Gewählte Freiheit bejubeln
Das ist einfach wunderbar
Sich an dieser Hoffnung
In dunklen Zeiten zu freuen
Ist noch ein kleines Licht
Gegen die Weltmächte
Aber das Märchen der Welt
Kann erst enden wenn die 
Guten gewonnen haben
Hoffen wir weiter denn 
Manchmal hilft es damit
Am Ende Gut gewinnt

jens tuengerthal 26.10.26

Lektürentagebuch 25.10.26

Lektürentagebuch 25.10.26

Am Sonntag Buddenbrooks lesen
Dazu die Spekulatius in den Tee tief
Tunken und den Kamin hier flackern 
Sehen ist ideal herbstlich wohl

So also tat ich im Schlafsack gut 
Gewärmt und las das Kapitel von 
Der Wahl von Thomas zum Senator 
Im ehrwürdigen Rathaus zu Lübeck

Davor standen ganz verschiedene
Teile der Bevölkerung und sprachen 
Über die Aussichten der drei noch
Verbliebenen Kandidaten oben

Die Spannung stieg und Gerüchte
Nahmen ihren Lauf wer es nun wohl 
Würde Hagenström Buddenbrook oder Kistemaker standen zur Wahl

Es war drei Wochen nach dem Tod
Von Konsul James Möllendorpf also
Noch genau fristgemäß denn binnen
Vier Wochen musste das Amt wieder

Gemäß der alten Gesetze des Senat
Der alten und freien Hansestadt 
Besetzt werden und so stand am
Kühlen Februar Mittag die Menge

Im Schneematsch vom Seemann
Über Packer zu sonst Bürgern und
Inmitten eine Dame im feinen Mantel
Mit Stiefelchen die den Schleier

Voll vor ihr Gesicht unter dem Hut
Gezogen hatte lauschte den immer
Wieder aufflammenden Gerüchten
Glühte innerlich der Kälte zum Trotz

Dann hörte sie das sichere Gerücht 
Als die Boten vor die Tür traten dass 
Hagenström gewählt sei und wollte
Schon betrübt wieder heimgehen 

Als sie sah die rot gewandelten Boten
Liefen die Breite Straße hinunter und
Plötzlich war allen klar Buddenbrook
War zum Senator gewählt worden

Die Dame lief so schnell sie konnte 
In die gleiche Richtung los überholte
Schneller laufend als es eine Dame
Gerade noch durfte aber vermutlich

Völlig aufgeregt die Straßen hinunter
Bis zu dem Haus ihres Bruders
Lief die Treppen hinauf und rief
Thomas zu er sei gewählt denn 

Die Dame war Tony Buddenbrook
Inzwischen Frau Permaneder aber
Geschieden und der auch schon
Etwas blasse Thomas freute sich

Mit seiner Wahl verkündete sie
Zugleich Hagenström sei dabei
Durchgefallen was ihr vermutlich
Mindestens genauso wichtig war

Nichts ist Tony so wichtig wie die
Gesellschaftliche Stellung ihrer
Familie der Buddenbrooks dafür
Steht sie auch Stunden in der Kälte

Am nächsten Tag schon es war der
Auf den Freitag folgende Samstag
Im Februar 1862 leistete Thomas
Seinen Eid als Senator in Lübeck


Im Zauberberg also weiter beim
Sonntäglichen Thomas Mann beginnt 
Der große Stumpfsinn wie ich mich
Langsam dem Ende damit zuneige

Schon der Name des Kapitels zeigt
Den großen Humor von Mann der
Sich noch mehr im nun folgenden
Gespräch mit Hofrat Behrens zeigt

Dieser sucht Hans bei der Visite
In seiner Balkonloge auf um ihm
Seine neuste Theorie zu dessen
Gesundheit oder Krankheit hier

Ausführlich zu begründen und mit
Seinen üblichen Sprüchen dabei
Darzulegen was wohl die letzte
Gelegenheit wäre von ihm zu lesen

Wie Mann hier nebenbei ankündigt
So als Regisseur im eigenen Roman
Mehr denn als sonst Erzähler auftritt 
Zum Genuss der Lektüre also rät

Dieser direkte Dialog mit dem Leser 
Die Offenlegung der eigenen Karten 
Im Spiel der Erzählung hat viel von
Dem für Mann typisch dezenten Witz

Es geht langsam auf das Ende zu
An das ich lieber noch nicht denke
Wo Hans wie mein Urgroßvater auf
Den Feldern des Krieges verschwand

Behrens begründet dann warum er
Davon ausgeht dass Hans noch
Temperatur vermutlich nicht mehr
An der geheilten Tuberkulose liegt

Nach seiner Theorie die Hans eher
Gelassen gelangweilt zur Kenntnis
Nimmt könnten es bei ihm heilbare 
Streptokokken sein und darum

Kündigt er sogleich für den nächsten 
Tag eine Blutentnahme an er würde 
Zur Ader gelassen wie Behrens es 
In seiner rheinisch deftigen Art sagt

Schon bald werde er dann munter
Ins Feld springen und im Flachland
Seinen Dienst tun können weil er
Als geheilt entlassen werden kann

Hans nimmt das zur Kenntnis und
Wirklich war er nach Clawdias nun
Abreise in Stumpfsinn verfallen
Betrachtete das Geschehen eher

Dieses und die Moden im Berghof
Dem Sanatorium das Behrens leitet
Sind das nächste Thema gerade ist
Fotografie wieder sehr in Mode

Es wird berichtet wie sich die Gäste
Oder Patienten mit Begeisterung in
Diese stürzten und die Dunkelkammer
Im Haus nun ständig belegt war

Es wurden sogar kleine eigene 
Laboratorien mit natürlich schwarzen
Vorhängen auf den Zimmern dazu 
Eingerichtet bis die Hausleitung dies 

Nach einem beinahe tödlichen Unfall
Sich verbat bei Tisch wurden die
Neuesten Aufnahmen gezeigt dann 
Kam der Blitz plötzlich in Mode 

Erstarrte Gesichter von geblendeten 
Menschen galten dabei als Ausdruck 
Großer Lebendigkeit und wurden 
Bei den Mahlzeiten laut belacht

Wer schon länger da war wie Hans
Merkte die Wiederkehr der Moden
Wie deren Abschwächung nach
Ablauf der üblichen Zeit es scheint

Kündigt sich zwischen diesen Zeilen
Schon an als sei nun alles erzählt
Vom Leben auf dem Zauberberg
Was wir lange so nah erlebten 


Im Kapitel Der Fremdling in seinem
Roman Die Fünf schildert uns nun
Vladimir Jabotinsky die Begegnung
Mit einem seltsamen Passagier wie 

Die wechselnden Herren um die
Schöne Marussja genannt wurden
Der hoher Offizier zur See und dazu
Russe war also ein Fremder für sie 

Zuvor wird noch sein Amt vorgestellt
Was einen komisch langen Titel hat
Sich um die gesundheitliche Sorge
Besonders armer Juden kümmerte

Nach einem der Besuche bei dem ihn
Marussja begleitet hatte und wieder
Mit ihrer Fähigkeit im Umgang mit
Kindern glänzte fahren sie zusammen

Er beschreibt wie sich Marussja auf
Dem Rückweg an ihn kuschelt der
Den Arm um sie gelegt hatte was 
Damals der Mode entsprach als ob 

Er diese zärtliche Nähe sogleich
Entschuldigen wollte die nichts zu
Bedeuten hätte und überredet ihn 
Sie zu Runizki noch zu begleiten

Dort hatten sie einen sehr schönen
Abend mit der Familie und auf dem
Rückweg erfährt er dann dass dieser
Besuch der Anlass des Streits war

Diesen hatte er schon bemerkt als
Er Anna und Marussja getroffen hatte
Diese fürchtete sich vor Runizki weil
Dieser als Seemann und Russe

Völlig anders wäre was Anna mit der
Er längst das wohl vertrauteste
Verhältnis ihm kurz darauf erzählte
Sie sieht ihn als eine Gefahr

Was für eine Gefahr er wäre konnte 
Sie dabei nicht genau sagen es war
Wohl der untrügliche mütterliche
Instinkt der die Gefahr schon witterte

Dass Marussja ihn heiraten werde
Oder seinem Drängen nach Monaten
Auf See zu sehr nachgäbe fürchtete 
Sie dabei aber ausdrücklich nicht

Ganz nebenbei bemerkt der Erzähler
Dass Anna und Marussja wohl da
Schon genau wussten wen sie einmal
Heiraten würde wovon er nichts ahnte

Beim ausschütteln der Sofakissen 
Sagte sie zu ihm wen Marussja mal 
Heiratet wüssten sie und ihre Tochter
Genau und auch er könnte es schon

Längst wissen wenn er nur mal eine
Schärfere Brille tragen würde was an
Eindeutigkeit nicht zu übertreffen ist
Der letzte Satz des Kapitels war


Fast hätte ich noch die zwei schönen
Kapitel in Hermann und Ulrike von
Johann Karl Wezel vergessen die nun
Wirklich der Rede verliebt wert waren

Im einen kam nach der Tristesse in 
Der er auf Ulrike wartete und nur noch
Arbeitete um Karriere zu machen und
Beiden eine Zukunft zu finanzieren

Der Frühling und plötzlich zog es 
Hermann der Heinrich heißt wieder
Raus und so wanderte er mit der
Menge aus der Stadt zu einem

Wasserfall und an Mühlen vorbei
Was ja schon der Inbegriff von
Romantik und Freiheit zugleich ist
Das Wasser rauschte und schwoll

Dazu klappert dann die Mühle am
Rauschenden Bach und es wird 
Das romantische Liedgut wach
Was die Aufklärung nicht kannte

Während er allein am Hang für 
Einen Moment überlegt sich in 
Die brausende Tiefe zu stürzen
Lenken ihn Kinder davon ab

Auf dem Rückweg dann als er
Eine bildschöne junge Frau neben
Einer schnarchenden Alten sieht
Direkt an einer Mühle überlegt er 

Noch im Vorbeigehen ob so nicht
Ulrike fast aussah sie es vielleicht
Sein könnte und während er noch
Überlegt ob der sich umdrehen soll

Da hört er seinen Namen rufen und
Erkennt im gleichen Moment Ulrike
Sie stürmen aufeinander los und
Fallen sich glücklich in die Arme 

Aber der Müllerbursche wohl schon
Gewarnt weckt die Alte vielleicht
Hätte er die schöne Ulrike auch zu
Gerne so in den Arm genommen 

Die Alte zetert zerrt Ulrike Weg und
Der Müllersbursche eilt ihr zuhilfe
Hebt sie hoch und trägt sie ins Haus
Gegen zwei konnte Hermann nicht

Er beschließt ein wenig von der
Mühle entfernt im Wald zu warten
Ihnen in die Stadt zu folgen um
Ihre Adresse herauszufinden

Doch besteigt die garstige Alte
Bald mit Ulrike eine Kutsche er
Versucht ihnen noch zu folgen
Verliert aber bald ihre Spur wieder

Als er nun in die Stadt kommt
Lauert ihn gleich einer der Bettler auf
Die er als er noch Geld hatte immer
So großzügig bedacht hatte

Er gibt ihm ein wenig aber fragt ihn
Ob er die Fuhrwerke kenne darauf
Meint dieser alle wie sie hier in
Dresden nur fahren was er wolle 

Darauf erzählt Hermann von der
Kutsche mit Ulrike und der Alten 
Der Straßenjunge weiß sofort wer
Das ist und wo die Baronesse wohnt

Gegen ein Entgelt verspricht er nun
Briefe zwischen beiden zu liefern 
Die das Thema des nächsten Kapitels
Werden mit vielen Liebeserklärungen

Beide erzählen sich ausführlich ihre
Bis dahin Geschichte was nur bei
Ulrike in Briefform geschieht weil die
Von Hermann wir Leser miterlebten

Zumindest jene die Hermann und
Ulrike von Beginn an lasen während
Dafür Ulrike von der garstigen Tante
Wie ihrer großen Dummheit erzählt

Das ist alles ganz nett und lässt sich
Nach dem Wein in frühen Stunden
Am Morgen gut lesen ist aber doch
Etwas schlicht erwartungsgemäß

Werde weiter berichten wenn auch
Vielleicht weniger detailliert denn 
Als Einschlaflektüre ist der Roman
Aus der Aufklärung doch sehr gut

Interessant ist wie Wezel hier schon
Eine Generation vor Dickens und
Also vor der industriellen Revolution
Wie der sozialen Entwicklung infolge

Das Talent und die Begabung der
Armen hier des Straßenjungen also
Thematisiert und diesen damit zum
Träger der Geschichte auch macht

Brücken über die Klassen baut damit 
Ulrikes Schicksal als völlig verarmte
Baronesse die auf den guten Willen 
Der Verwandten angewiesen ist zeigt

Freiheit hängt an finanzieller Freiheit
Wer sich nicht anpasst und eigene
Emotionale Wege gehen will wird
Dabei aussortiert ist fast wie heute

Das sind sozial interessante Sichten
Die Klassengrenzen überschreiten
Wie sozialen Zwang damit aufheben 
Plötzlich die Welt völlig verändern

Eine solche Geschichte geschrieben
Noch im Zeitalter des Absolutismus
Die literarisch Grenzen überschreitet
Ist auch darum politisch spannend

Diese Stärke wiederum lässt mich
Über die teils literarische Schwäche
Großzügig hinwegsehen es kann 
Eben nicht jeder wie Goethe konnte 

Der schenkelklopfende Humor ist
Dabei einem Henrich Mann ähnlicher
Da fehlt die wirkliche Größe die sich
Bei Thomas Mann oder Goethe zeigt

Aber als soziale literarische Studie
Für den Geist der Aufklärung die
Sich mit sozialen Fragen bereits
Beschäftigt bedeutend und lohnend. 

jens tuengerthal 25.10.26

Sonntag, 25. Oktober 2026

Winterschläfrig

Winterschläfrig 

Die schönste Zeit beginnt
Nun wird es früher dunkel
Der Kamin erfüllt seinen Zweck
Als wärmendes Licht und die
Klügsten Säugetiere verschlafen
Die dunkle Zeit im Jahr ganz
Fressen sich vorher noch eine
Ordentliche Speckschicht an 
Davon zehren zu können 
Es lädt diese Zeit ein zum
Weniger statt immer mehr
Genießen wir besser in Ruhe
Zuhause warm eingekuschelt
Statt noch auf Reisen zu gehen
Wer eine Bibliothek hat hat es
Noch leichter dabei weil genug
Zu lesen immer da ist für den
Rückzug in die Höhle denke ich
Im Schlafsack und blicke auf
Den Kamin der elektrisch flackert 
Mehr arbeiten und das Wachstum
Fördern fordert der Kanzler und
Will dafür weniger geben was
Zum Wesen des Sauerländers
Perfekt passt und ihn beschreibt
Dabei braucht die Welt gerade 
Von allem viel weniger doch
Täte nichts besser als ein sehr
Ausgedehnter Winterschlaf statt
Weihnachtskonsum oder Reisen
Bleiben wir am besten zuhause 
Genießen was uns bleibt gelassen
Verschlafen die schlechten Zeiten 
In denen Verbrecher wie Trump
Im Westen oder Putin im Osten
Unheilige Allianzen schmieden
Ziehen uns in eine Höhle zurück
Kuscheln vielleicht miteinander
Aber genießen ansonsten einfach
Die Ruhe im Winterschlaf denn 
Nichts braucht die Welt dringender
Als Ruhe und Gelassenheit um
Dunkle Zeiten zu verschlafen

jens tuengerthal 25.11.26

Zeitumstellungsfreude

Zeitumstellungsfreude

Zweimal im Jahr wird an der Uhr
Gedreht und ich finde es wunderbar
Weil uns diese Umstellung wie heute
Zeit schenkt dir wir wunderbar dabei

Verschlafen können und weil sie auch
Zugleich noch an die Relativität der
Zeit wie allen Seins erinnert die wir
Nur einen kleinen Platz am Rande

Der Milchstraße im unendlich großen
Universum einnehmen merken wie
Leicht verstellbar zufällig doch alles
Immer ist was wir gerne für absolut

Wie immer gültig halten und so könnte 
Die Zeitumstellung uns jedesmal
Wieder daran erinnern wie wenig je
Sicher ist und was es nur bedarf um

Alles auf den Kopf zu stellen wieder
Wer hat an der Uhr gedreht ist denn
Die Zeit nicht absolut und was heißt
Das für Tage die länger Nächte nun

Nach der Natur auch werden aber
Zugleich etwas in uns verschieben
Manche bilden sich alle Jahre wieder
Empört ein die Zeitumstellung sei

Gesundheitsschädlich aber wer das
Ernsthaft meint bei denen ist schon
Alle Hoffnung auf Vernunft verloren
Die fürchten auch durch Impfungen

In Aliens verwandelt zu werden sind
Nicht weiter ernst zu nehmen dienen
Nur dem Amüsement noch künftig
Vor allem wenn diese dann noch

Regelmäßig in den Urlaub jetten
Wo die verstellte Zeit normal ist
Aber sich in Deutschland empören 
Weil sie merken wie relativ alles ist

Da freu ich mich doch lieber wenn
Die relative Zeit mir bewusst wird
Damit die Frage nach dem Absoluten 
Ihre nur relative Gültigkeit offenbart

Nichts ist für immer und am wenigsten
Wir Menschen die wir gewöhnlich
Sterbliche Natur sind die selten nur 
Hundert Jahre mal erreicht dann aber

Zum Ende hin wieder kindlich wird 
Pflege braucht und wenig nur allein
Bewerkstelligen kann weil keiner so
Einfach an der Lebensuhr mehr dreht

Am lustigsten ist dabei für mich dass 
Die Winterzeit Normalzeit heißt aber
Sommerzeit schon verstellt ist was
Fragt war denn normal dann noch ist

jens tuengerthal 25.10.26