Lektürentagebuch 29.7.26
Heute morgen noch bis gegen sechs
Harry Graf Kessler aus Erinnerungen
Eines Europäers gelesen wo es um
Das Studentenleben in Bonn ging
Hier plaudert Harry nett über seine
Kreise in denen er sich bewegte wie
Die Dame von Norderney mit der er
Tanzte und sich amüsierte dabei
Er meint dann sie hätte ja vielleicht
Mehr werden können als eine nur
Kleine Studentenliebe wäre da nicht
Die Erinnerung an Paris noch in ihm
Ausführlich erzählt er von aber vom
Besuch im Corps Borussia in Bonn
Die ihn keilten wie die Einladung dort
Heißt zur bierseligen Versammlung
Deren studentische Regeln beim
Biertrinken beschreibt er detailliert
Von den Farben schwarz-weiß gut
Preußisch natürlich bis zu den dort
Versammelten Adeligen und Titeln
Dankbar war er seinem Vater der
Ihm strengstens verboten hatte
Dort jemals Mitglied zu werden
Weiß nicht ob das typisch für kluge
Bankdirektoren ist jedenfalls habe ich
Ähnliches bei einer junkerlichen sehr
Bekannten Familie auch erlebt
Er besucht sie auf dem Haus
Beschreibt ihren Bier Comment
Wie andere Regeln dieser sich
Schlagenden lächerlichen Bünde
Dabei enthält er sich weitestgehend
Jeder Wertung die Heinrich Mann
Schon platt genug im Untertan abgab
Es hat sich daran bis jetzt wenig
Wenn überhaupt je etwas geändert
Kenne diese Vereine aus Heidelberg
Auch meine Eltern waren in einer aber
Immerhin gemischten Turnverbindung
Da sie sich dort kennenlernten wo
Schon ihre Väter und Vorfahren sonst
Auch waren enthalte ich mich dazu
Als infolge gezeugter jeder Wertung
Harry wird von einem noch zu einem
Albernen Duell gefordert was keinem
Wirklich gefiel aber am Ende nie mehr
Stattfand da der andere verunglückte
Ob das schon Glück im Unglück ist
Sei hier dahingestellt zumindest kann
Harry es nicht unterlassen vorher
Zu erzählen wie er diesen noch
Beim Trinken nach Regeln unter
Den Tisch trank wonach dieser
Ihn noch in der Kutsche nach Hause
Fuhr und beide verunglückten
Ob die geplante Trunkenheitsfahrt ein
Versuchter Doppelsuizid war kann
Hier dahinstehen aber beschreibt den
Geist dieser Corps sehr deutlich
Sie saufen reden von Ehre und
Adel und sind stolz auf ihren großen
Einfluss in der Politik und haben
Die Hohenzollern dort hängen
Zumindest jene die Mitglied waren
Wie Wilhelm II der seinem Corps
Zu Bonn noch ein Bild von seinem
Großvater Wilhelm I dazu schenkte
Gemeinsam besaufen nach Regeln
Kameradschaft und Erziehung alles
Was sich Eltern für Kinder wünschen
Noch dazu ganz traditionell edel
Die Butzenscheiben im großen
Saal der Besäufnisse trugen die
Wappen der einzelnen Mitglieder
Bekannte ostelbische Namen darunter
Diese Organisationen die noch immer
Etwa in Heidelberg Leute keilen die
Dafür günstig wohnen können sind
So fragwürdig wie lächerlich dennoch
War ich auf einigen Festen dort oder
Auf den etwas im Schloss oder dem
Schwetzinger Schloss veranstalteten
Bällen die mich eher langweilten noch
Zum Glück war ich im Studium schon
Lange in der Loge da war der eher
Bierselige Vorläufer für mich nie eine
Verführung die Damen dort schon
Dafür haben wir im Studium dann den
Stammtisch anonymer Akademiker
Gegründet der sich Farben tragend
Ironischer Trinkregeln dazu gab
Da ich Bier nie sonderlich möchte
Noch in rauhen Mengen vertrug
Waren diese Spiele für mich eher
Intellektuell als Flaneur spannend
Die Logenbrüder dagegen zogen
Auch rituell immer Wein vor was mir
Vom Wesen immer näher lag als dies
Germanische Hopfengebräu je kam
Neben den Corpsstudenten lernt
Harry auch zivile kultiviertere
Verbindungen von Menschen nach
Region oder Geist kennen
Dabei kam es zum großen Konflikt
Zwischen dem Zentrum der früher
Katholischen Partei und Katholiken
Die den Kurs Bismarcks vertraten
Er stand als Protestant völlig daneben
Musste keine Partei ergreifen konnte
Zwischen beiden Seiten vermitteln
Was ihm persönlich gut gefiel
Der damalige Kulturkampf spaltete
Die Familien und wurde im Rheinland
Ganz erbittert geführt aber er durfte
Sich ganz gelassen enthalten
Kessler erzählt von den Besuchen
Auf den umliegenden Gütern und
Burgen die er unternahm und was
Für Menschen er dabei traf
Eine romantische Rheingeschichte
Mit Bootstour Gesang einer Diva die
Polnisch oder russisch war und mit
Den jüngeren Herren herrlich spielte
Gibt es auch noch um dieses erste
Studienkapitel gebührend im Geist
Der deutschen Romantik enden zu
Lassen was zu Bonn gut passt
Auf einige Seiten noch eingetaucht
Bei Ricarda Huch im so ironischen
Lebelauf des Wonnebald Pück der
Heute um Lux und Liebe ging
Nachdem Wonnebald damit leider
Keinen Erfolg hatte etwas zu erfahren
Was den Störer der Alraune verfluchte
Oder zumindest künftig abhielt
Erzählt sie Lando davon und dabei
Kommen sich ihre Münder näher und
Sie versinken umschlungen im Kuss
Worauf sie sich bald noch zu mehr
Nächtlichen Treffen verabreden wenn
Die Kinder schlafen und Lando gleich
Sobald seine Mutter tot oder gesund
Die schöne Lux nun heiraten will
Der Bischof von Geldsorgen gequält
Trifft sich wieder mit seiner Geliebten
Der Vorsteherin des Damenstiftes die
Ihre Damen stets moralisch so quält
Durch welchen Zufall der Natur auch
Immer wird Hermenegilde plötzlich
Schwanger was den Bischof entsetzt
Der die Kosten fürchtet sie aber dafür
Selig strahlen lässt worauf er sich
Nicht mehr traut zu sagen sie solle
Es doch besser wegmachen lassen
Was er zuerst vorsichtig versuchte
Seine Geldnot wird damit immer
Größer und er beschließt es mit
Beten in seiner Kirche zu versuchen
Vielleicht hätte Gott ja ein Einsehen
Bei dem Gebet in einer kleinen
Seitenkapelle entdeckt er eine
Heiligenfigur mit einer Krone aus
Edelsteinen die er an sich nimmt
Wieder will er Lux losschicken um
Die Steine in der Nachbarstadt zu
Versetzen die ihm alle Sorgen für
Die nächste Zeit nehmen würden
Dieser wunderbare Spott über den
Bischof und seine Kirche die vor
Reichtum überquillt wie der steten
Relativität des Gewissens infolge
Getragen von feiner Ironie die diese
Geschichte über alle Untiefen trägt
Ein wenig Blindheit der Liebe naht
Die nächste Katastrophe sicher
jens tuengerthal 29.7.26