Lektürentagebuch 15.10.26
Über die Dichter des Spleen schreibt
Egon Friedell in der Kulturgeschichte
Der Neuzeit als Reaktion auf die sonst
Nüchternheit sei der Spleen ein Teil
Der englischen Seele was schon eher
Nach Aberglaube klingt denn wer soll
Mit Vernunft noch an die Existenz der
Erfundenen Seele glauben die bloß
Eine Gewohnheit aus der Dominanz
Des Aberglauben ist entsprechend
Geht es hier um Gruft und Gespenster
Poesie was bei Robert Blair 1743
Mit seinem Gedicht The Grave schon
Beginnt das in Blankversen schon
Variationen über Tod Sarg Mitternacht
Grauen und Geister anschlug
Aus derselben Zeit stammt Edward
Youngs Nachtgedanken zu Leben Tod
Und Unsterblichkeit oder Thomas
Grays Elegien geschrieben auf einem
Ländlichen Kirchfriedhof voll finsterer
Beklemmungen durchhaucht vom
Sanften Säuseln der Empfindsamkeit
Das hier schon erstmals spürbar wird
Genie des Spleen aber sei einsam
In pathologischer Dämonie Jonathan
Swift der Dechant von Sankt Patrick
Der für Gullivers Reisen bekannt ist
Dieser oft als Kinderbuch verkannte
Roman ist tatsächlich eine Kritik an
Der englischen Herrschaft in Irland
Mit aufklärerischen Elementen
Das Freidenkertum ist für Friedell das
Schlagwort des Zeitalters und deren
Vorläufer waren die Latitudinarier die
Im 17. Jahrhundert bereits alle
Konfessionellen Unterschiede der
Christlichen Sekten für unwesentlich
Erklärten und nur Grundwahrheiten
Der Heiligen Schrift als bindend sahen
John Toland versuchte in seinen
1696 erschienen Band Christentum
Nicht mystisch nachzuweisen dass
In den Evangelien nichts irgend
Unvernünftiges enthalten sei noch
Widernatürliches dort stände und
Sprach zuerst vom Freidenker er war
Ein konvertierter irischer Aufklärer
Anthony Collins schrieb dann 1713
A discourse of freethinking darüber
Noch ausführlicher und Woolston
Erklärte die NT Wunder allegorisch
Mathew Tindal vertrat in seiner
Abhandlung Christentum so alt wie
Die Schöpfung dass dieses als die
Natürliche Religion immer bestand
Christus habe nur was schon immer
Bestand wiederhergestellt dazu kam
Ab 1735 in Deutschland Johann
Christian Edelmann mit seinen eher
Antiklerikalen Schriften worin er die
Religionen als Pfaffenfund bezeichnet
Erregte aber damit weniger Aufsehen
Als mit seinem langen Bart was nun
An den Bart des Propheten denken
Lässt dagegen versuchte Hutcheson
Zuerst das Schöne wissenschaftlich
Zu analysieren und verteidigte darin
Die Kunst gegen die Theologie so sei
Das Schöne wie das Gute durch den
Untrüglichen inneren Sinn erkannt
Der also ohne Götter sein kann
Ähnlich begründete Graf Shaftesbury
Es zu Anfang des Jahrhunderts in
Seiner Ästhetik der Moral danach sei
Das Schöne mit dem Guten identisch
Der gemeinsame Maßstab ist dabei
Das Wohlgefallen wer nach dem
Schönen trachtet dem wird das Gute
Von selbst zufallen was auch für die
Sittlichkeit gelten würde diese beruht
Auf einer Art feinerem Sinn der so
Ausbildungsfähig wie bedürftig sei
Dem Geschmack darin gliche
Aufgabe des Menschen wäre es eine
Sittliche Virtuosität zu erlangen und
Der Böse ist danach nur ein Stümper
Wie Dilettant eine spannende Sicht
Das Wesen von Kunst und Ethik
Besteht in der Harmonie also der
Versöhnung von egoistischen und
Sozialen Empfindungen
So verglich der Dichter Pope in
Seinem Essay on man das Verhältnis
Zwischen den selbstsüchtigen und
Altruistischen Verhaltensweisen mit
Der Rotation unseres Planeten um
Seine eigene Achse und um die
Sonne dagegen ist Shaftesbury ein
Feinnerviger Aristokrat und dabei
Lebensartist einer der ersten Ästheten
Von dem eine gerade Linie hin zu
Oscar Wilde führe der sagte Laster
Und Tugend seien für den Künstler
Nur Materialien seines Werkes
Eine fast groteske Logisierung der
Ethik findet sich bei Wollaston der
Jede unmoralische Handlung als
Ein falsches Urteil sieht bei egal was
Während Mandelville in seiner Fabel
Über das Leben der Bienen einen
Modernen Staatszynismus vertritt
Das egoistische Streben einzelner
Sei so die Triebkraft für das Gedeihen
Des Ganzen was sehr schon nach
Adam Smith vorgreifend klingt
Charakteristisch für die englische
Philosophie sei aber David Hume
Seine epochenmachende Tat war
Die Auflösung des Kausalitätsbegriff
Er erklärt diesen auf der häufigen
Wiederholung derselben Erfahrung
Die Empirie lehre erst A dann B unser
Geist macht daraus erst A darum B
Aus dem post hoc werde damit ein
Propter hoc daher stamme auch die
Idee der Substanz die mit Merkmalen
Immer gleiche Vorstellungen verbindet
So sei das Ichbewusstsein daraus zu
Erklären dass wir unsere Eindrücke
Immer auf dasselbe Subjekt beziehen
Bildet sich der Begriff eines Trägers
Der Eindrücke der unveränderlich sei
Aber in Wirklichkeit nichts als ein
Bündel von Vorstellungen ist die sich
Nach den Gegebenheiten formen
Darum ist Hume auch gegen die
Vertragstheorie denn ehe sie einen
Staatskontrakt schließen könnten
Hätte sie schon die Not vereinigt
Die aus der Not dann gewonnene
Gewohnheit wird Gehorsam bewirkt
Ohne Vertrag dass Regierungen wie
Untertanen natürlich entstanden
Dies wäre alles typisch englisch
Wie auch die vorsichtig kurzsichtige
Betonung der Alleinherrschaft der
Empirie wie das immer Misstrauen
Gegen alle Metaphysik und Ideen
Ist tief konservativ erklärt alles einfach
Aus Gewohnheit wobei die Flachheit
In ihrer Schärfe fast tiefsinnig wird
Im Abschnitt Berkeley beginnt Friedell
Mit einer Bemerkung Weiningers aus
Geschlecht und Charakter dass die
Entscheidung zwischen Hume und
Kant auch Charakterologisch möglich
Sei indem der eine Werke von Makart
Und Gounod als das höchste sieht der
Andere Rembrandt und Beethoven
Er hält Hume für überschätzt zwar
Gehöre nicht viel dazu der größte
Englische Philosoph zu sein aber
Hume habe darauf keinen Anspruch
Er möchte diesen Ruhm lieber
Berkeley geben der zwar Engländer
Aber vom irischen Geist geprägt sei
Er hätte wahrhaft freie Philosophie
Dazu wäre sie höchst originell und
Schöpferisch paradox er lehrt zwar
Strengsten Minimalismus so sind
Abstrakte Ideen für ihn Erfindungen
Der Scholastik die eher verdunkelten
Dinge wären nicht abstrakt sondern
Konkret es gibt nur Vorstellungen
Vom einzelnen die sich aber aus
Verschiedenen Sinnesempfindungen
Zusammensetzen etwas sei wirklich
Nichts gäbe es nie Zustände sein
Die Verhältnisse dabei führt diese
Philosophie zu einem exklusiven
Spiritualismus und Idealismus denn
Alle Erscheinungen seien danach
Nichts als Vorstellungen Gottes
Diese gäbe Gott den einzelnen
Geistern mit den Zusammenhang aller
Von Gott produzierten Ideen nennen
Wir danach Natur dabei ist Kausalität
Die von Gott in uns hervorgerufene
Vorstellung der Reihenfolge Gott sei
Jederzeit imstande die Kausalität
Aufgrund seiner Allmacht zu ändern
Dann sprächen wir von Wundern
Danach gibt es nichts wirkliches
Außer Gott die Geister und Ideen
Damit wäre nichts als Aberglaube
Insofern dieser Unsinn durch die
Leugnung der unfreien Idee eines
Gottes widerlegbar ist bedarf der
Alberne Aberglaube keine Gründe
Weil ich so frei sein kann alles
Was ist ohne Gott zu begründen
Bedarf es seiner schlicht nicht mehr
Wovon Friedell leider nichts sagt
Zum Glück eroberte nicht die Idee
Von Berkeley in der Aufklärung
Europa sondern die Vernunft die
Ideenlehre kommt in der Romantik
Vom Sturm und Drang schreibt dann
Georg Siemens als einer der beiden
Gründungsdirektoren der Deutschen
Bank an seine Verlobte März 1872
Davon erfährt der überraschte Leser
Wie auch die Leserin in dem Buch
Dreihundert Männer von Konstantin
Richter über die Deutschland AG
Ihr Bild hat er neben den Briefbogen
Gelegt um wie er ihr schreibt der wohl
Nicht nur als Bankier ohne Erfahrung
Noch ist ihr hübsches Gesichtchen
Dabei vor Augen habe da ist die
Adressatin Elise Görz gerade 21
Jahre alt und war anfangs nicht
Besonders beeindruckt von Siemens
Er schreibt ihr was er doch für ein
Unglückliches Menschenkind sei
Mit großen Plänen und Entwürfen
Verzehrt von dem Gefühl etwas
Schönes und Bedeutendes zu leisten
Mit aber schwacher Kraft die weit
Hinter den Wünschen zurückbleibt
Das Missverhältnis zwischen der
Großen Phantasie und seiner Kraft
Die notwendig wäre mache ihn wohl
Manchmal unglücklich so wäre es im
Sturm und Drang einigen Dichtern
Auch ergangen dann überlegt er
Nochmal ob er zu schonungslos
Mit sich wäre aber findet seine
Verlobte solle wissen wie er empfand
Falls er den Eindruck des Unfertigen
Gemacht haben sollte lag das daran
Dass er höhere Ziele als andere habe
Sieht sich Direktor Siemens als Genie
Ist er ein Nachfahr empfindsamer
Poeten die am Leben litten wurde
Die Deutsche Bank aus dem Geist
Des Werther geboren fragt sich
Wohl kaum für Siemens ist der
Sturm und Drang ein Synonym für
Seinen ungebändigten Ehrgeiz der
Noch lange nicht befriedigt ist
Er will Großes erreichen und
Weltumspannend tätig sein hat keine
Scheu vor Risiken statt Briefromane
Plant er die Expansion seiner Bank
So tauchte der Geist der Lyrik
Heute in verschiedener Literatur auf
Wurde dann aber doch prosaisch
Es wollte einer gerne groß scheinen
jens tuengerthal 15.10.26