Lektürentagebuch 14.5.26
Bei Michel de Montaigne im III. Buch
Über einige Verse von Vergil weiter
Gelesen in denen es auch um die
Weibliche Sexualität und Moral geht
Da ich nicht ganz sicher bin wo ich
Das letzte Mal anhielt mache ich mit
Dem ersten Absatz weiter der schon
Zu komisch beginnt mit Mutmaßungen
Über die weibliche Unschuld die sie
Ganz leicht ohne jede Schuld dabei
Verlieren können oder sogar was
Montaigne noch schlimmer nennt
Ohne es zu bemerken auch hätten
Hebammen gelegentlich bei der
Überprüfung der Jungfräulichkeit
Eines Mädchens diese zerstört
Damit wieder die Jungfer ohne
Ihre Beteiligung mit bestem Willen
Quasi keusch durch eine Frau
Entjungfert oder selbst versehentlich
Wollten wir den Frauen verbieten
Für was wir nicht mal klare Worte
Haben würde das Ideal der weiblichen
Keuschheit schnell lächerlich werden
Erzählt dabei historische Beispiele
Für das Extrem weiblicher Treue
Stellt fest es hängt allein am Willen
Manche Männer nahmen es gerne hin
Betrogen zu werden aufgrund der
Guten und tugendhaften Gründe
Wenn sie so ihren Mann rettete
Oder dieser ließ es dezent zu
Andere Frauen führten sich ganz
Unordentlich auf aber seien doch
Von ordentlicherer Gesinnung als
Viele die nur den Schein wahren
Die einen beklagten sich weil sie
Ihr Leben vor der Mündigkeit noch
Der Keuschheit geweiht hätten also
Nicht mal wissen was sie verpassen
Andere klagen darüber dass ihre
Eltern oder die Not sie dazu zwangen
Sich vor ihrer Mündigkeit ganz der
Unzucht und dem Laster zu widmen
Trotz strenger Sitten in Ostindien
Dürfe sich dort jede verheiratete Frau
Dem hingeben der ihr einen Elefant
Zum Geschenk macht als Preis
Ob dies am langen Rüssel lag oder
Dazu diente reiche Männer allein zu
Privilegieren bleibt unklar Montaigne
Meint es läge am hohen Preis dafür
Dann hätte die Keuschheit jeder
Frau ihren Preis der dort eben ein
Elefant wäre was hier ein anderer
Vermutlich sein wird Leben eben
Der Philosoph Phaidon etwa hätte
Seine jugendliche Schönheit noch
Verkauft solange sie währte an jeden
Der dafür genug ihm auch zahlte
Damit verdiente er seinen Unterhalt
Wie Solon als Gesetzgeber noch
Den Griechinnen erlaubte auf Kosten
Ihrer Keuschheit etwas zu verdienen
Von dieser Sitte wiederum meinte
Herodot sie sei in Gesellschaften
Vor seiner Zeit üblich gewesen
Was soll da die Eifersucht bringen
Hat diese egal wie berechtigt je
Etwas Sinnvolles bewirkt glaubt
Irgendwer er könnte eine Frau durch
Vorsicht unter Verschluss noch halten
Er zitiert dass wenn sie wer noch
Bewacht und eingesperrt sich hält
Sie nur dem Wächter schöne Augen
Zuallererst dann machen wird
Neugier schade noch stets überall
Hier aber sei sie verhängnisvoll so
Sei es Torheit sich über Ungemach
Klarheit zu verschaffen gegen das
Es keine Arznei gäbe die es nicht
Nur noch schlimmer machte dessen
Schmach sich durch Eifersucht nur
Noch weiter ausbreitet die keiner je
Mit Erfolg noch rächen kann eher im
Gegenteil stürbe an Auszehrung ehe
Die Wahrheit der Untreue bewiesen
Wie elend geht es denen die finden
Wer dir die Untreue deiner Frau
Berichtet ohne zugleich Abhilfe auch
Anbieten zu können verdiente darum
Eher den Dolch als wer dich Lügner
Öffentlich bloß noch nannte was
Dem idiotischen Ehrgefühl selten
Vermittelbar ist über seine Hörner
Wird noch mehr verlacht als alles
Gute Ehefrauen oder gute Ehen
Werden nicht die genannt die es sind
Sondern nur jene über die nichts
Nachteiliges bereits bekannt ist
Männer sollten sich lieber etwas
Einfallen lassen um dieser auch
Lästigen Aufklärung zu entkommen
Die keinen Gewinn bringen kann
Römer die von einer langen Reise
Zurückkehrten schickten darum
Einen Boten voraus damit sie gewarnt
Er vor Überraschungen gefeit war
Gewisse Völker ließen aus dem
Gleichen Grund am Hochzeitstag
Priester die Pforte der Braut öffnen
Dem Ehemann dies zu ersparen
Wenn alle Welt darüber rede
Mache das doch nichts er kenne
Hundert Ehrenmänner die ganz ohne
Verlust an Ehre Hahnreie sein
Lasst eure Tugend euer Ungemach
Überstrahlen fordert Montaigne auf
Es wurden auch größere Männer
In den Schmutz schon gezogen
Jede hätte doch schon einen anderen
Zum Hahnrei gemacht doch die Natur
Zahlt stets mit gleicher Münze heim
Und gleich im Wechsel alles aus
So könnte Häufigkeit der Untreue
Die Bitterkeit abmildern die längst
Normalität geworden ist als sei sie
Ein fester Brauch der Völker heute
Weise hielten alle Süße wie alle
Bitterkeit der Ehe besser geheim
Was ihm als redseligen Menschen
Ganz natürlich schwerer falle
Frauen die Eifersucht durch bloße
Ratschläge vergällen zu wollen sei
Verlorene Liebesmüh ihr ganzes
Wesen sei natürlich davon geprägt
Weiß inzwischen es gibt auch ganz
Andere Fälle zumindest in Teilen
Ohne zu wissen mit welcher dann
Missgunst sie es kompensieren
Oft meint er befreiten sie sich davon
Durch eine Gesundung die noch
Mehr zu fürchten sei als die vorige
Krankheit weil sie es dann einfach
Auf ihre Männer übertragen und
Damit von allem geheilt werden
Er jedenfalls wisse nichts womit
Sie uns schlimmer noch quälten
Als mit der Eifersucht von allen
Ihren Gemütszuständen sei dieser
Der gefährlichste wie von all ihren
Körperteilen der Kopf es ist
So zittert er Pittakos der sagte
Jeder habe seine schwache Stelle
Bei ihm sei es der Kopf seiner Frau
Der voller Argwohn doch stecke
Keine Kraft sei stärker als der
Wahnsinn der Eifersucht einer Frau
So erlaubte der Stadtrat von Marseille
Einen Mann sich umzubringen um
Friede vor dem Toben seiner Frau
Finden zu können dieser krankhafte
Wahn böte keinen Ausweg als Flucht
Oder bedingungslose Unterwerfung
Gut kannte sich der aus der meinte
Eine gute friedliche Ehe werde
Zwischen einer blinden Frau und
Einem tauben Mann geschlossen
Nach aller Erfahrung scheint sich
An dieser Weisheit noch nie etwas
Geändert zu haben seit 1587 also
Der Fertigstellung dieses Essays
Der Zwang der den Frauen auferlegt
Laufe doppelt dem Ziel eher entgegen
Er macht die Nachstellenden hitziger
Wie die Damen hingebungsfreudiger
Wer den Wert der Festung steigert
Erhöht nur den Wunsch der Einnahme
Er fragt sich ob Venus selbst erst den
Wert ihrer Ware durch Sittengesetze
Geschickt nach Marktlage erhöhte
Diese zum Zuhälter machte weil die
Liebe sonst ein tumbes Vergnügen
Wäre ohne den Preis der Phantasie
Es sei schließlich immer das
Schweinefleisch was nur durch
Die Saucen unterschiedlich schmecke
Amor sei ein durchtriebener Gott
Er macht sich ein Vergnügen daraus
Gegen Frömmigkeit und Gerechtigkeit
Mit Leidenschaft zu kämpfen alle
Regeln seinen weichen müssen
Montaigne fragt sich ob wir nicht
Seltener zum Hahnrei würden wenn
Wir es weniger befürchten weil die
Frauen ihrer Natur nach alle Verbote
Als Anreiz der Übertretung nur sehen
Dazu werden in der Übersetzung
Von Hans Stilett hier noch die
Folgenden Verse treffend zitiert
Was du willst das tun sie nimmer
Alles was du nicht willst dafür immer
Zum Wandeln auf der Tugend Pfad
Sind alle sich seit je zu schade
Nach dem klugen Mann über die
Frauen nun mit Veronica Buckley
Eine kluge Frau über eine solche
Christina Königin von Schweden
Beginne den 2. Teil mit den Kapitel
Überquerung des Rubikon in dem
Band der Anderen Bibliothek der auch
In Details noch großartig beschreibt
Beginnt mit ihrer Flucht zu Pferde
Von Stockholm Richtung Dänemark
Obwohl ihr Cousin und jetzt König
Ihr die Marine angeboten hatte
Sie hätte in Begleitung mehrerer
Tausend Soldaten die nach Bremen
Was schwedisch war reisen können
Sie zog den wilden Ritt dabei vor
An der Grenze verabschiedete sie
Den größten Teil ihrer Begleitung
Bis auf vier Männer kürzte sich die
Haare im Stil der Männermode
Ab diesem Zeitpunkt trug sie Hosen
Ritt im Herrensattel und war schneller
Als all ihre vorher Pläne nahm zur
Tarnung den Namen eines sie dort
Begleitenden Grafen Dohna an aber
Brüskierte den dänischen König der
Mit Hofstaat und Frau zu ihr reiste
Als er ankam war Christina schon weg
In wenigen Tagesritten kam sie nach
Hamburg brüskierte dort den Senat
Weil sie bei ihrem jüdischen Bankier
Statt auf Einladung der Stadt wohnte
Sie begründete das frech damit auch
Jesus habe doch immer mit Juden
Verkehrt das könne nicht falsch sein
Der Hamburger Senat schluckte es
Auch bei ihrer Abreise stieß sie
Wieder alle offiziellen Stellen der
Hansestadt vor den Kopf und war
Einfach rasant wieder verschieben
Reiste weiter in die Niederlande
Traf eine große Gelehrte die
Ihr vorher lange gepriesen aber
Zwischen den Frauen entstand nichts
In Den Haag besuchte sie die großen
Werkstätten der dortigen Maler in der
Nachfolge von Rubens wurde auch
Von einem Schüler gemalt
Weiter ging die Reise nach Antwerpen
Wo sie als Gast residierte und dabei
Über ihre Verhältnisse gut lebte aber
Wartete auf die Einladung nach Rom
Dies zog sich alles noch hin auch des
Krieges von Spanien und Frankreichs
Wegen wie des alten Papstes der den
Winter wohl nicht mehr überlebte
Sie gab weiter mehr Geld aus als
Sie für ihre Reise noch hatte war
Gewohnt großzügig gegen alle
Hatte einen kleinen Hofstaat schon
Sie schmiedete verschiedene
Politische Pläne für Europa und sich
Die teilweise schon wahnhaft wirken
Zumindest viel Phantasie belegen
Dann zog sie auf Einladung nach
Brüssel wo zuerst im geheimen nur
In der Kapelle neben ihrem Zimmer
Ihre Konversion stattfand
Ohne Drama und ohne Show wie
Noch ganz im Geheimen bis der
Papst endlich starb und darauf
Sein Nachfolger gewählt wurde
Diesen kannte sie schon was den
Weiteren Weg erleichterte auch
Kam das nötige Geld endlich
Sie konnte sich auf den Weg
Nach Rom machen mit vorheriger
Station in Linz wo noch die große
Öffentliche Konversion gefeiert wurde
Sie sich dem Papst brieflich unterwarf
Nach der öffentlichen Konversion war
Sie abends noch im Theater und soll
Gesagt haben wie passend morgens
Eine Farce und abends eine Komödie
Der Weg wurde lang musste die im
Winter verschneiten Pässe der Alpen
Möglichst umgehen und reiste dann
Im langen Zickzack gen Süden
Rom brauche die Zeit noch um
Alles für ihren Empfang dort auch
Vorbereiten zu können aber dann
Überschritt sie endlich den Rubikon
Im Schloss des Herzog von Orsini
Mit dem sie lange weltlich plauderte
Inmitten zauberhafter Olivenhaine
Feierte sie ihren 29. Geburtstag
Noch auf einige Seiten die dann
Doch wieder mehr wurden zu den
Ghost Stories von Siri Hustvedt mit
Dem dritten Liebesbrief an Paul
Wie sie diesen Brief in Minnesota
Auf der alten Schreibmaschine ihres
Vaters noch tippte und plötzlich große
Sehnsucht nach mechanischer Welt
Statt digitaler Gegenwart hat wie sie
Paul konsequent noch bis zum Ende
An seiner Schreibmaschine lebte
Erzählt von der seltsamen Suche
Nach Normalität sucht sie im Leben
Ohne Paul und die Müllbeutel etwa
Werden kleiner und füllen sich nun
Langsamer doch bleibt es unwirklich
Die Zärtlichkeit mit der sie ihn Liebster
Nennt in diesen Briefen die einfach
Ohne lange Überlegung geschrieben
Erklären warum sie von drei Briefen
Immer redeten und die Zeiten alle
Verdrehten in ihrer Erinnerung wie
Sie sich noch selbst täglich vom
Abgrund der Nichts rufen muss
Wenn sie nur in eine Höhle kriechen
Im Dunkeln liegen bleiben will ohne
Noch etwas erledigen zu müssen
Beschreibt sie die Macht des Nichts
Das sich in uns ausbreitet und in
Jedem Moment auftauchen kann
Dann alle noch Normalität nimmt
Nur die Sehnsucht nach Nichts bleibt
Das ist so tief und schön beschrieben
Als Gegensatz der einsamen Leere
Der Liebesbrief mit der Erinnerung an
Ihren Heiratsantrag an ihn
Er kam zurück und wollte sie ganz
Mit ihr zusammenziehen aber sie
Machte den Heiratsantrag weil es
Beide nun wollten und wussten
Das ist vermutlich einfach so
Wie es für sie war aber die Art
Und Offenheit mit der sie es dann
Erzählt ist ganz große Literatur
Sie kreiert damit einen eigenen
Sprachlichen Raum aus Erinnerung
Ihrer Liebe der magisch weiter lebt
Eine neue Wirklichkeit so schafft
jens tuengerthal 14.5.26