Lektürentagebuch 30.9.26
Die Tatarenwüste von Dino Buzzati
Fand nach Umwegen des Antiquars
Heute endlich ihren Weg zu mir der
Vierte Band der Anderen Bibliothek
Es ist der 333. Band der Bibliothek
Der die Wiederentdeckung eines fast
Vergessenen italienischen Autors hier
Verspricht der 1906 geborene Buzzati
Dieser entstammt einer noblen alten
Venezianischen Familie die aber der
Professur des Vaters wegen in Milano
Lebte er aber kam in Belluno zur Welt
Dort hatte die Familie ihren Landsitz
Nahe San Pellegrino wo die heißen
Sommer verbracht wurden doch bald
Nach der Geburt geht es zurück
Er wuchs noch in großbürgerlichen
Verhältnissen auf in denen Bildung
Viel galt und hatte früh schon einen
Lesekreis mit seinem besten Freund
Sie lasen Joseph Conrad Franz Kafka
Thomas Mann Poe mehr als Italiener
Die Stärksten sprachlichen Spuren
Bei ihm zunächst noch hinterlässt
Buzzati studierte Jura was sein Vater
Auch an zwei Universitäten lehrte
Trat aber vor Ende des Studiums
Schon beim edlen Corriera in Dienst
Diese da auflagenstärkste Zeitung
Italiens residierte in einem uralten
Palazzo der Buzzati beeindruckte
Aber seine erste Zeit war mühsam
Beim Feuilleton flog er bald raus
Als er eine Ballerina der zweiten
Reihe mit der dritten verwechselte
Wurde dann Gerichtsreporter
Der Roman ist die Meditation eines
Moralisten über die Vergänglichkeit des Lebens und beginnt auch so
Mit dem Abschied von der Mutter
Nichts tröstliches weiß er dieser
Zum Abschied noch zu sagen und
Reitet die ersten Kilometer mit einem
Fett gewordenen Jugendfreund
So sieht Giovanni Drogo den Freund
Freut sich über seine Freiheit nach
Der Akademie und an der Uniform
Die er mit großem Stolz anlegte
Durch ein einsames und bizarres
Gebirge reitet der junge Leutnant
Giovanni Drogo seinem scheinbar
Immer weiter in Ferne entrückenden
Ziel entgegen einer abgeschiedenen
Festung mit Blick auf die legendäre
Weiße Steinödnis an der Grenze zu einem bedrohlichen Reich tritt er
Seinen Wachdienst an hier wartet er
Heroisch in militärischmonotoner
Routine auf das große Ereignis die Konfrontation mit dem Tatarenheer
Giovanni Drogo verwartet nun in der
Tatarenwüste sein Leben die Festung
Wird ihm Sinn und Schicksal zugleich
Im ersten Kapitel liegt sie noch fern
Immer weiter scheint es zu gehen
Kein Ziel kommt in Sichtweite und
Zunächst weiß auch keiner von
Irgendeiner Festung dort
Schließlich zeigt ein Landstreicher
Sie ihm in noch großer gerne Ferne
Das Pferd ist schon völlig erschöpft
Der Weg scheint surreal weit weg
Am Vortag der Kriegserklärung von
Mussolini 1940 ist Die Tatarenwüste
Ein Kultbuch als überwältigende
Existenzialistische Lebensparabel
Deren magisch reale Bilder entfalten
Einen Sog der die absurde Fatalität
Dieser tatarischen Festung wo sich Jahre entleeren echt werden lässt
Eine faszinierende Sprache die vom
Geist des Existentialismus beeinflusst
Camus zutiefst beeindruckte zog auch
Den Autor dieser Verse in den Bann
Das Kapitel 2 in dem Roman Die Fünf
Von Vladimir Jabotinsky ist mit dem
Namen Serjosha überschrieben den
Der Erzähler dort auch kennenlernte
Als er das Theater aus dem letzten
Kapitel verließ in dem ihm noch
Jemand erzählt hatte dass die schöne
Rothaarige Jüdin Milgrom hieß war es
Ihm eingefallen dass er bereits ein
Mitglied der Familie Milgrom kannte
Es wäre im Sommer am Strand wo
Er bei Freunden zu Gast war
Während die anderen noch schliefen
War er zum Meer gegangen hatte das
Boot zum Wasser gezogen um dann
Festzustellen dass die Dolle für das
Eine Ruder beschädigt war als ein
Wie er schätzte etwa sechzehn
Jahre alter Gymnasiast an der
Uniform erkennbar auftauchte
Dieser wäre anders als er sehr
Geschickt und bastelte sogleich
Eine neue Dolde und schnitzte
Sie mit seinem Finnmesser zurecht
Während des Ruderns sprach der
Knabe wie ein alter Seemann über
Tote Delphine oder die Uniformen
Der Gymnastinnen welche dabei
In Lila eng anliegend die Figur noch
Betonten und andere Geschichten
Von seiner Familie und den Versen
Die er über Marussjas Passagiere
Machen muss so werden dort die
Männlichen Gäste der Schwester
Wohl aus der Universität genannt
An der ihr Vater Professor ist
Der Erzähler erfährt warum
Serjosha heute schwänzem musste
Weil er in Latein an die Tafel sollte
Was ja heute überhaupt nicht ging
Sie rudern unter immer wieder
Ausschöpfen des Bootes bis zum
Hafen wo er ihm ein Essen noch
Versprach was köstlich wurde
Serjosha lud ihn dazu ein zwar
Ohne Gabel aber es gab feine
Sesamkringel die der Junge noch
Besonders gekonnt belegte
Dann Fisch den sie mit den
Fingern von den Gräten aßen
Zum Nachtisch versanken sie
In Wassermelonen glücklich
Es sei das köstlichste Mal je
Gewesen erinnert sich der Erzähler
Dann besuchen sie noch eine Bar
Am Ende kommt noch ein Freund mit
Deren Gespräch verschlief er zwar
Ganz entspannt vom hin rudern noch
Erschöpft aber sollte den Inhalt dann
Später im Literatur Café erfahren
Dorthin geht es dann im nächsten
Kapitel auf das ich mich schon freue
Rasant humorvoll und gut erzählt ist
Diese Geschichte aus Odessa
Serjosha wechselt für einzelne Sätze
Ins französische spricht im Hafen
Mit einigen derbes griechisch und
Benutzt viele Ausdrücke im Dialekt
Diese eigene Sprache des alten
Odessa setzt sich aus russischen
Jiddischen englischen italienischen
Wie typischem Slang zusammen
Die Worte wären teils unmöglich
Zu übersetzen werden dann aber
In den Anmerkungen humorvoll
Erläutert was spielerische Tiefe zeigt
Ein vielfältig geniales Buch was mit
Viel Spaß eine alte Welt wieder leben
Lässt und den Erzähler dabei doppelt
Als Beobachter und Teilnehmer zeigt
jens tuengerthal 30.9.26