Sonntag, 17. Mai 2026

Lustperfektion

Lustperfektion 

Gibt es die perfekte Lust
Was macht sie wenn aus
Auf welchem Weg kann sie
Erreicht werden und was bleibt
Von der Lust wenn befriedigt
Ist sie dann erledigt oder
Schon wieder voller Hoffnung
Auf ein nächstes mal was 
Sie quasi unsterblich machte
Oder wäre sie perfekt wenn
Wir vollkommen befriedigt
Nichts anderes mehr wollen
Wäre perfekte Lust dann
Zufrieden einfach bleiben
Statt noch etwas wollen
Was auch schade wäre
Darum geht es vermutlich
Immer unperfekt weiter
Damit die Lust bleibt

jens tuengerthal 17.5.26

Liebesrisiko

Liebesrisiko

Liebe ist immer ein Risiko
Größtes GIück führt zur
Tiefsten Trauer was ohne
Jede Hoffnung uns lässt 
Bis wir wieder riskieren
Alles zu wagen um uns
Ganz darin zu verlieren
Also auf volles Risiko
Gehen um einander doch 
Noch zu finden einfach
Jedes Risiko ausblenden 
Weil es lohnender erscheint
Bis wieder alles verloren ist
Geht das vermutlich weiter
Bis wir nicht mehr sind nur
Manchmal lebt die Liebe
Länger als wir egal ob
Das Spiel dann endet

jens tuengerthal 17.5.26

Rieslingnacht

Rieslingnacht

Nach einem ersten Riesling Zuhause
Zu Königsberger Klopsen nun einen 
Zweiten im Crossroads den Selma
Bald brachte die mit Tino hier ist

An der Bar noch Volker mit seinem
Amerikanischen Freund Tino eine
Bekannte und drei Unbekannte am
Tisch vorm Fenster auch Bekannte 

Oben sind noch zwei dunkelhaarige
Damen ins Gespräch vertieft von
Denen eine gespenstisch hinter
Ihrem Pony verschwindet während

Die andere nur vom hinten brünette 
Zu erkennen ist und mehr zuhört 
Während Selma sich mit einer
Bekannten über die Bar unterhält 

Die Musik eher wechselhaft stört
Nicht weiter und Tino ist mit einer
Liste vor der Bar beschäftigt mehr
Ist auch mit Mühe nicht zu sehen

Eben mal wieder Blaulicht Richtung
Helmholtzplatz in blau-weiß also
Polizei was immer dort los ist hier
Wandert der Abend in die Nacht 

jens tuengerthal 17.5.27

Samstag, 16. Mai 2026

Lektürentagebuch 16.5.26

Lektürentagebuch 16.5.26

Auf der Reise ins Paradies schreibt
Heinrich mit Christine Gondela aus
Bamberg am 10. September 1802
Wohin sie mit Hindernissen gelangten

Sie hörten schon das Klappern des 
Rades an der Leiter des Wagens
Aber der Postillon meinte es würde
Noch dicke bis Bamberg halten

Zur Sicherheit wollten sie die nur
Zwei Meilen zu Fuß laufen und die
Kutsche sollte hinterher fahren doch 
Kaum liefen sie ein wenig lief schon

Wer hinter ihnen laut rufend her 
Die Achse war wieder gebrochen 
Der Wagen infolge umgefallen
Zum Glück direkt vor einer Schmiede

Herrlich aber noch sehr höflich wird 
Dabei umschrieben wie Heinrich den
Böhmischen Schmied verfluchte der
Vorher mangelhaft arbeitete auch die 

Versuche von positivem Denken um
Das Unglück besser zu ertragen sind
Sehr nett und scheinen ganz aktuell
Es hätte schlimmer kommen können 

Dabei macht sich der Bremer mit
Viel Selbstironie über sich lustig
Indem er sich ausmalt wie schlimm
Es doch noch hätte kommen können

Der Schmied und seine Leute halfen
Beim Aufrichten des Wagens und
Behoben den Schaden schnell wieder
Die Fahrt nach Bamberg ging weiter

Der Postillon meinte es gäbe wohl in
Bamberg hervorragende Werkstätten
Wie er ihnen später auch ein anderes
Als das gebuchte Hotel nahelegte

Sie aber blieben bei ihrem und fuhren 
Gut damit alles wäre gut und reinlich
Gingen dann noch durch die Stadt
In der sie bayerische Soldaten trafen 

Dies ist besonders wie auch dort noch
Berichtenswert weil nach dem gerade 
Reichsdeputationshauptschluss vom
Allerdings erst 25. Februar 1803 dann

Die kirchlichen Fürstentümer erst als 
Ersatz für an Frankreich verlorene 
Gebiete links des Rheins dann zur
Säkularisierung neu verteilt wurden 

So trat der Bischof von Bamberg
Der ein Fürst im Reich noch war 
Am 29. September 1802 zurück
Eine Reise im sich wandelnden Land

Dies wird im Buch teilweise durch
Eine kleine Fußnote bemerkt lohnt
Aber der weiteren Lektüre weil der 
Reichsdeputationshauptschluss die

Offizielle Auflösung des einst noch
Heiligen Römischen Reiches brachte
Ein Achsenpunkt der deutschen
Geschichte mit Folgen wohl ist

Das erste deutsche Reich hielt ohne
Am Anfang deutsch zu heißen von 
800 bis 1803 was die Geschichte vom 
Tausendjährigen Reich begründete

Das zweite noch von 1871 bis 1918
Also ganze 47 Jahre dabei während
Das 3. Reich nach 12 Jahren zum
Glück wieder Geschichte war

Um diesen wichtigen Wendepunkt 
Reisen beide durch das Reich und
Plagen sich teils mit Grenzen wie 
Dem Zustand der Straßen dabei

Bamberg selbst und die Gassen
Dort finden sie erstmal ziemlich
Dunkel und eng gehen lieber mit
Frischen ersten Trauben aus der

Altstadt an den Stadtrand und
Besteigen dann wie so gerne
Noch einen Hügel von dem die
Stadt zauberhaft wieder aussieht

Auf dem Weg zurück sehen sie
Pfälzische Soldaten den Dom
Betreten und folgen ihnen neugierig
Bis auf einmal laut die Tür knallt

Sie wähnen sich eingeschlossen
Rennen so schnell es geht zur Tür 
Überlegen ob sie schreien sollen
Aber die Tür war gottlob hier mal

Seltsam passend verwendet nicht
Verschlossen und heim ging es
Gerade noch rechtzeitig zum dann
Reichlichen Essen am Abend

Aus Mürzhofen berichtet von seinem
Spaziergang nach Syrakus der gute 
Johann Gottfried Seume Mitte Januar
Von stürmischer Wanderung noch

Durch hohen Schnee im Winter
Er schreibt es sei Mitte Januar
Die Alpen dann zu Fuß überqueren
Ist schon eine harte Prüfung

Doch kommt er im tiefen Schnee
Der ihm bis zur Wade reicht teils
Schneller teils langsamer vorwärts
Als die Fuhrwerke die er trifft

Berichtet von den Quellen der Wien
Wie anderer Flüsse die hier in ganz
Zauberhaften Tälern häufig Mühlen
Noch zum Nutzen aller antreiben.

Was ihm Grund genug gibt über 
Das Leben etwas zu philosophieren 
Was ihn zu dem klugen Schluss führt
Mal geht es schneller mal langsamer

Sehr erfreut berichtet er dafür vom
Anblick des jungen schönen Mädchen
Das ihn in der nächsten Pension mit
Teilnahme begrüßt was entschädigt

Ein kurzer Bericht über die nun
Alpenquerung im Winter was im
Sommer schon ein Abenteuer ist
Der ein Bild der Aufregung zeigt

Neben dem immer wieder im
Schnee verlorenen Weg zehrt
Auch die Angst vor Räubern
Dabei noch ständig an ihm

Im 28. Brief berichtet der Autor 
Johann Kaspar Riesbeck der 
Sich zur Tarnung als Franzose 
Ausgibt aus Wien und Umgebung

Zunächst aber kommt er auf den 
Ungeheuren Reichtum des Hauses
Lichtenstein wie des Fürsten Franz
Der reicher als alle an Besitz sei

Nennt ihn den reichsten Partikular
Was Privatmann eigentlich heißt
Weil seine unmittelbare Herrschaft
Im Reich mit Vaduz und Schellenberg

Unbedeutend sein und nur dazu
Dienten eine Stimme im Reichstag
Auch zu haben er verdiene allein
Zehnmal mehr als der reichste 

Engländer der Lord Cavendish wäre
Auch die Fürsten Esterhazy und
Schwarzenberg hätten wohl auch ein
Vielfaches an Einkommen noch

Verglichen mit denen in Neapel die
Pilati in seinem Reiseführer noch
Fälschlich als die Reichsten einstuft
Dem muss Riesbeck widersprechen

Spätestens bei diesem eher komisch
Konkurrenten Verhalten im Kleinen
Aber offenbart sich der Deutsche 
So schriebe wohl eher kein Franzose

Trotz des großen Reichtums sind die
Meisten Häuser hochverschuldet weil
Sie sich so viele Pferde wie Lakaien Tafeln und Spiele dazu leisteten 

So würde in Paris das Geld wohl mit
Mehr Geschmack verschwendet aber
Die Wiener hielten länger dabei durch
Ohne dabei wohltätig zu sein noch

Auch die Kunst profitiere nicht vom
Hiesigen Reichtum es würde bloß
Geschmacklos verschwendet außer
Der Lichtensteinschen Sammlung

Diese hätten mehr als 600 Meister auf
Ihre 12 Zimmer verteilt von Da Vinci
Bis Rubens wäre hier alles dabei aber
Das sei außer dem Hof auch alles

Dann beschreibt er sehr einfühlsam
Wie es typisch für Wien wäre dass sie
Essen bis sie kotzen müssen dies 
Dann täten um weiter zu essen

Die Musiken wären das einzige wo
Der Adel hier Geschmack zeigt viele
Häuser hätten eine eigene Bande
Musikanten was eine Kapelle heißt 

Es gäbe vier bis fünf große Orchester
Die alle unvergleichlich wären dabei
Sei die Zahl der Virtuosen gering aber
Die besten Orchestermusiker der Welt

Er hätte bis zu 40 Instrumente noch
Zusammenspielen hören und alle
Gäben einen richtigen reinen Ton
Was die Zuhörer völlig begeistert

Es gäbe gegen 400 Musikanten die
Sogar an einem Tag alle zusammen
Spielen würden zum besten der hier 
Musikantenwitwen in Harmonie noch

Eins der schönsten Schauspiele sein 
In den letzten Sommernächten die
Limonadenhütten das wären große
Zelte auf allen größeren Plätzen

Dort würde zur Nachtzeit Limonade
Ausgeschenkt es gäbe da hunderte 
Stühle mit Damen und Herren dazu
Spielen bei sonst Stille Musikanten

Wer die Equipagen von Wien sehen
Will sollte im Sommer ein Feuerwerk
Im Prater besuchen dieser wäre ein
Natürlicher Eichen und Buchenwald 

Gelegen auf einer Insel in der Donau
Deren oberer Teil die Leopoldstadt
Als große Vorstadt ist dort liegen 
Etwa 30 Hütten verstreut noch im

Schatten der Bäume mit Bänken und
Tischen wo es Essen und Trinken im
Überfluss noch gibt und wird täglich
Stark besucht aber bei einem

Feuerwerk besonderes merkwürdig
Etwa 12.000 Menschen würden sich
Versammeln dort Abendrot essen zur
Nacht strömt alles zu einer Wiese

Gegenüber dem Feuerwerk erhebt
Sich ein Amphitheater das von wohl
Einigen hundert sehr geschmückten 
Damen besetzt wird die glänzen 

Danach aber kämen bis zu 1500
Kutschen und sonst Fuhrwerke die
Aus dem Wald in die Stadt fahren
Alle direkt hintereinander dabei sind

Meistens herrschaftliche Equipagen 
Mit 4 bis 6 Pferden deren Anzahl sich
Auf etwa 3500 beläuft sowie 560 
Fiaker und 300 Stadtlohnwagen

Es gäbe trotz des starken Verkehrs
Keinerlei Unordnung so haben die 
Fußgänger besondere Wege das wird
Von Kürassieren mit Säbel bewacht

Es sei der Verkehr hier sehr ordentlich 
Nie würden mehr als 7 totgefahren 
Was weniger als 20 in Paris wären 
Froh wären wir um diese Zahlen heut

Das Feuerwerk zieht er allen anderen
Schauspielen vor sogar dem Theater
Er lobt dann einen besonders der
Seinen Konkurrenten verdrängte

Dieser wäre zwar besser gewesen
Aber war Italiener wurde als ein
Atheist beschimpft und war darum
Bald bei der Kaiserin erledigt

Zu den Sommerbelustigungen gehört
Auch der Augarten was ein schöner
Großer Park wäre der östlich an den 
Prater grenzt und ein Werk des

Kaisers wäre der ihn allen Menschen
Widmete aber es genießt ihn nur der
Feinere Teil des Publikums der Pöbel
Merkt selbst dass er nicht hin passt

Es sei ein englischer Garten für den
Der Kaiser keine Kosten scheute
Es gibt prächtige Pavillons mit allen
Erfrischungen im Sommer hier

Alle Stände mischten sich hier 
Besonders Adel und Gelehrte und die
Damen trinken Kur sich im Neglischee 
Zu zeigen was die Herren genießen

Unter den öffentlichen Spazierplätzen
Ist der Wall am beliebtesten obwohl in
Praller Sonne oft gedrängt voll so
Machten die Bürgerlichen stets nach

Der Kirche zugleich eine Tour auf dem
Wall um die ganze Stadt wozu sie nur
Eine Stunde brauchen höhere Stände
Führten ihre Hunde dort gerne aus

Hunde seien ein großer Luxus hier
Mit dem gewetteifert würde wie mit
Equipagen und Kleidern dabei sind
Gerade besonders Spitze in Mode

Der Garten des Belvedere das einst 
Prinz Eugen besaß ist auch ein
Öffentlicher Spazierplatz heute dabei
Hat der Park nichts besonderes

Dagegen sei das Gebäude eines der
Merkwürdigsten der ganzen Stadt
Von dort hast du den Überblick
Der Palast enthält die kaiserliche 

Gemäldegalerie unten die Italiener
Von herausragender Qualität mit
Werken von Raffael bis Veronese
Besonders lobt er Corregios Cupido

Oben hängen die Niederländer von
Wouwerman Bergheim Rembrandt
Die Galerie wäre 3 Tage die Woche
Für jedermann unentgeltlich offen

Anstößige Gemälde sind mit grünen 
Vorhängen bedeckt die aber jeder
Nach Belieben öffnen kann dabei sind
Einige bei denen sich wohl der

Heilige Franz von Assisi in Dornen
Wälzen würde es sind auch Gruppen
Die du im Leben nirgends als hinter
Bettgardinen findest also Sex

Er sah es in einer Gruppe mit auch
Verschiedenen Damen und Fräulein
Die Herren zogen ungeniert auf und
Auch die Damen sahen genau hin

Zwar verbargen einige dabei ihr
Gesicht hinter Fächern aber diese
Hatten genug große Öffnungen und
Keine überwand sich wegzusehen

Eine halbe Stunde vom Wall liegt
Die Sommerresidenz der Kaiserin
Schönbrunn in sumpfiger Senke 
Er hielte es dort keine zwei Tage aus

Der Palast wäre sehr weitläufig und
In großem Stil gebaut die Meublierung
Dort sei kaiserlich aber einige Säle
Hätten Tapeten von Gobelin

In dem dort Tiergarten sei ein Elefant
Das merkwürdigste der aus Indien
Ein Geschenk des Statthalters von
Holland wäre das wertvoll ist

Der Kaiser hat sich im klassizistischen 
Stil eine Sala Terrena auf die Anhöhe 
Bauen lassen auf der seine Mutter
Besser ihr Schloss gebaut hätte 

Wenn die Kaiserin da ist sieht man
Außer Kapuzinern und alten Damen
Wenig schöne Welt der Garten ist zu
Jederzeit für jedermann offen

Der Palast aber nur  in Abwesenheit 
Der Kaiserin besonders reizvoll findet
Riesbeck Schönbrunn deutlich nicht
Er bevorzugt da den Kahlenberg

Dieser läge eine Stunde über der
Stadt an der Donau schon der Weg
Sei vortrefflich dorthin wo sich auch
Das Sommerhaus des Feldmarschalls 

Franz Moritz Graf von Lacy der im
Siebenjährigen Krieg gegen Preußen 
Kämpfte und Berlin besetzte befindet
Der einen englischen Garten hat

Auf der Spitze des Berges steht ein
Kamaldulenserkloster am schönsten
Punkt weit und breit davor gibt es
Bänke und Tische für die Damen

Denen ist der Eintritt in das Heiligtum
Ohne Erlaubnis des Erzbischofs noch
Verboten dabei haben die Mönche
Kleine Häuser mit eigenem Garten

Sie haben eine Aussicht auf die
Donau die einem Mönch wirklich
Unwürdig sei es liegt einem ganz
Wien von dort zu Füßen 

Vor da kannst du bis an die Grenzen
Österreichs bis nach Mähren Ungarn
Blicken auf dem von dort sichtbaren 
Berg von Enzersdorf wächst einer

Der besten Weine von Österreich
Er genießt den Ausblick sehr und 
Meint glücklich sei wer so wohnen
Dürfe aber der Mönch verneinte es 

Die Zellen seien beständig dem Wind
Ausgesetzt und im Winter noch kälter 
So brachte ihn der Mönch aus der
Verzückung wieder zurück

Nach der Besichtigung gaben sie
Den Mönchen ein Trinkgeld für
Einige Messe für sie was das übliche
Eintrittsgelder dort oben wäre

Sie eilten zurück zu ihren Damen
Hatten kalte Küche und Wein dabei
Der Tag war schön die Frauenzimmer 
Gut aufgelegt und so genossen sie

Es gibt noch andere öffentliche 
Spazierplätze darunter auch der
Kalvarienberg an dem die Eroberung 
Unter der Maske der Andacht noch

Weiter getrieben werden kann als an 
Öffentlichen Orten weil sich unter
Heiligen noch besser vor der Polizei 
Versteckt werden kann in Wien

Von Wien geht es nach Berlin aus 
Dem Jahre 1780 in das Jahr 1846
Zum Berlin Buch von Ernst Dronke
Auch aus der Anderen Bibliothek

Sehr feinfühlig schreibt Dronke über
Schlafstellen für die ärmeren Klassen 
Die ein Bett für die Nacht brauchen
Aber tagsüber bitte verschwinden 

Darum müssen viele Arbeiter die so
Billig wohnen auch ihre freien Tage
Außer Hause verbringen was selten
Nur von guten Folgen sein kann

Diese Nachtunterkunft bringt die
Armen oft in klägliche Situationen 
Vermieter sind oft misstrauisch
Wie in Fällen der Not hartherzig 

Wer nicht bezahlen kann fliegt raus
Sein Hab und Gut wird anstatt dann
Beschlagnahmt sie müssen dann 
Bei jedem Wetter draußen nächtigen 

Oft fallen sie so der Polizei in die
Hände und gehen dann rechtlos
Einer ewigen Strafe entgegen was
Manche freiwillig in Haft gehen lässt

Schlimmer noch sind die Verhältnisse
Bei armen Arbeitern welche Familie
Haben für die auch noch gesorgt
Werden soll in Familienhäusern

Es ist erschreckend wie spannend
Wenn Dronke den Blick auf die
Widrigsten Umstände wirft eine
Sozialgeschichte Berlins schreibt 

jens tuengerthal 16.5.26

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit

Habe mein Leben lang immer
Eine Meinung zu Themen gehabt 
Menschen danach beurteilt was
Sie zu bestimmten Fragen denken 

Bin in einer Familie von vielen
Besserwissern groß geworden
Als solche haben wir dann um
Fakten gestritten um zu siegen 

Erfolgreich war wer sich dabei
Mit seiner Meinung durchsetzte 
Bestimmte Fragen waren immer
Dementsprechend zu beantworten

Als ich einer Diskussion heute mit
Genug räumlichem Abstand in der
Flaneurloge folgen durfte dachte ich
Auch dazu eine Meinung zu haben

Es ging um die Beurteilung der DDR 
Hatte zu diesem Unrechtsregime
Schon immer eine Meinung die aber
Hier keinerlei Rolle mehr spielte

Der Abstand bewahrte mich davor 
Sich dazu äußern zu müssen was
Nur die tun sollten die es erlebten 
Was mir große Freiheit schenkte 

Nun mit noch mehr Abstand merke ich
Wie gut die Enthaltsamkeit tut um so 
Frei von jeder Meinung zu leben von 
Was alles mich das befreit künftig

Vielleicht lebt es sich viel besser
In völliger Meinungsfreiheit um sich
Den Rest des Lebens lieber in
Enthaltsamkeit nun zu üben

Als ich mich später verabschiedete
Bedankte ich mich für das lehrreiche
Zuhören und ließ mich aber nicht auf
Diskussion oder Bewertung dabei ein 

Sagte lieber die DDR könnte ich nicht
Bewerten weil ich als Wessi dort nie 
Gelebt hätte und fand es eine große
Befreiung für mich auch menschlich

Sich enthalten um nur zuzuhören 
Befreit von jeder vergänglichen nur
Meinung und macht das Leben dazu
Viel leichter und schöner noch

Da musste ich erst 55 Jahre alt
Werden um zu merken dass sich
Eine Meinung haben weniger lohnt
Als ganz entspannte Enthaltung

Das Leben wird viel gelassener
Muss mich über nichts mehr
Unnötig aufregen kann dafür mit
Vielmehr lächelnd gut leben

Zumindest was die DDR angeht
Habe ich keine Meinung mehr
Der ich nie dort gelebt habe und
Natürlich nichts von da vermisse

Im übrigen lehrte schon der kluge
Michel de Montaigne dass sich die 
Enthaltsamkeit gerade etwa im Krieg
Mehr lohnen kann als bloße Meinung

Der aus einer ursprünglich jüdischen
Aus Spanien vertriebenen Familie 
Kommende Denker war katholisch
Beriet aber Heinrich von Navarra

In der Zeit der Hugenottenkriege
War das eine selten mutige Position
Die so allen Schlachten entging
Sich aus der Politik zurückzog

Das als früherer Bürgermeister von
Bordeaux welcher die Stadt durch
Die Katastrophe der Pest brachte
In der er den besten Freund verlor

Die Verteidigung der Meinungsfreiheit
Braucht während alle in Netzwerken
Ihre Meinung veröffentlichen viel mehr
Freiheit von jeder Meinung noch 

Nur wer nicht in den engen Schranken
Vorgefasster Meinung sich bewegt
Kann Verständnis füreinander finden
Was lohnender sein könnte auf Dauer

jens tuengerthal 16.5.26

Ossigespräch

Ossigespräch

Durfte heute in der Flaneurloge
Einem Gespräch zwischen zwei
Ossis lauschen über Erinnerungen
An die DDR und die Beurteilung 
Von deren Untergang warum es
Dazu kam wobei einer der schon
Erwachsen zur Wende war der
Aus einer oppositionellen Familie
Kam versucht das Scheitern mit
Freiheit und System zu begründen
Während der andere weiterhin mit
Verschwörungstheorien versucht
Das System zu rechtfertigen was 
Sehr spannend zu hören ist ohne
Die Teilnehmer hier zu benennen
Kann ich dabei entgegengesetzte
Standpunkte hören die sich aber
Über wiederum geteilte Erinnerungen
Immer wieder finden was eine
Spannende Sicht als Beobachter
Der daran nicht beteiligt war ist
Die Enthaltsamkeit des Flaneur
Trainiert der eigentlich eine Meinung
Dazu sonst wohl hätte aber durch
Den unbeteiligten Abstand daran
Glücklich gehindert ist was viel
Lehrt und erstaunlich spannend ist
Nun zu Anekdoten wechselt was
Die Gegensätze verschwimmen lässt
Wie schön ist es doch als Flaneur
Mit viel Abstand die Geschichte
Wie ihr Erleben mit Erinnerung ohne
Etwas dazu zu meinen zu erleben 

jens tuengerthal 16.5.26

Flaneurlogenriesling

Flaneurlogenriesling

Gegen halb eins im Crossroads 
Angekommen und nach der 
Begrüßung von Martha Tino und
Phil I in der Flaneurloge meinen 

Wie immer Platz eingenommen
Weil das dazwischen was alles
Im Blick hat ohne irgendwo hier 
Dabei sein zu müssen ideal ist

Während andere Gäste wie etwa
Roy der schon da war oder auch
Christoph der eben kam lieber das
Gespräch suchen hält der Flaneur

Gerne Abstand vom hier Theater
Die Runden zu beobachten was 
Einen immer unterschiedlichen
Reiz nach je Teilnehmern hat

Nun sind neben den üblichen
Stammgästen nur noch zwei
Gemischt geschlechtlich am Ende 
Der Bar aufgedreht fröhlich

Die Musik ist gemischt interessant
Aber keiner lässt sich hier vom zu 
Schnellen gerade Beat stören nur
Phil arbeitet noch schneller dabei

Während Tino mit Martha auf der
Anderen Seite der Bar wieder Pat
Und Patachon angeregt spielt was 
Ein schöner Anblick immer ist

jens tuengerthal 16.5.26

Freitag, 15. Mai 2026

Lektürentagebuch 15.5.26

Lektürentagebuch 15.5.26

Das Kapitel mit dem dritten Brief 
In dem sich noch ein weiterer von
Siri an Pauls Sohn Daniel versteckt
Aus den Ghost Stories gelesen

Hier setzt sich Siri Hustvedt 
Mit ihrem Brief auseinander und
Erläutert die tiefere Bedeutung
Einzelner Stellen daraus fein 

Auch die Geschichte der Konflikte 
Mit Daniel der noch vor Pauls
Erkrankung an Drogen starb die 
Auch sein kleines Kind töteten

Vieles liest sich dabei wie frisch dem
Lehrbuch der Psychoanalyse erst
Entsprungen was eher nervt mit
Schematischer Problemsuche

Die dann nur erwartbare Ergebnisse
Scheinbar logisch schlussfolgert ohne
Zu bedenken dass die behauptete
Natur auf Aberglaube nur beruht 

Unterbewusstsein und eine Seele
Existieren in der Natur natürlich nicht
Sie vorauszusetzen ist ein autoritärer
Glaubenssatz mit fatalen Folgen 

Das alte Problem der Psychoanalyse 
Der Sekte der postreligiösen typisch
New Yorker Intellektuellen und da ist
Siri lesen wie Woody Allen sehen

Nur ist es bei ihr kein Witz sondern
Zorniger Ernst und Verzweiflung die
Auf der Suche nach Antworten ist
Aus einer Welt die ihre Liebe verlor

Eine bekennende Feministin setzt
Sich kritisch mit sich und ihrer auch
Hingebungsvollen Liebe wie ihrer
Neigung zur Entschuldigung weiter

Auseinander könnte es scheinen
So weit so langweilig und bekannt
Doch schafft sie es immer wieder
Den Bericht literarisch zu machen

Zaubert in die erwartungsgemäße
Selbstüberschätzung der Frau die
Sich verkannt und schuldig fühlt
Und dies selbst kritisch nun sieht

Die Geschichte von den zwei
Formen der Liebe wo sich das
Mechanische und das organische
Vom Baum gegenüberstehen

Sie las ein Zitat von Paul das zum
Gedenken seines Todes erschien
In dem er über Liebe als Baum
Spricht und sie wörtlich zitiert

Die kluge Siri die alles ganz
Wissenschaftlich betrachtet
Von ihrem Mann zur Liebe zitiert
Möchte ihn dafür einfach küssen

Jenseits aller Glaubenssätze der
Psychoanalytischen Sekte ist dies
Sprudelnde echte Liebe die das
Eigene Erleben zur Literatur macht

Genau diese Aufhebung der Grenze 
Von einem historischen Erzählen zum
Literatur gewordenen Gefühl kann 
Alle Grenzen geistig aufheben 

Das macht Siri Hustvedt zu einer 
So großartigen wie großen Autorin
Die literarische Freiheit damit auch
Jenseits aller Grenzen neu definiert

Wie sie dann noch das Kompliment
An ihre Tochter Sophie zärtlich als
Die Weise einbaut ist zauberhaft
Lässt Liebe lebendig werden


Wieder nach Tahiti will Cook um
Schiff und Mannschaft zu erholen
Fährt darum nördlichen Kurs statt
Um Kap Hoorn gen Südafrika

Davon erzählt Christian Graf von 
Krockow in seinem großen Traum
Von Bildung schön plaudernd was
Nicht immer historisch stimmig ist

Aber sich nett liest und die guten
Pädagogischen Absichten des Grafen
Deutlich erkennen lässt darum auch
An dieser Stelle verzeihlich ist

Vor Tahiti kommen noch die
Osterinseln und sie bestaunen
Natur wie Kultur erwartungsgemäß
Da sind sie also auch gewesen 

Noch weitere Inseln die schon
Vorher entdeckt waren werden
Eher zufällig gefunden wie neu
Vermessen noch auf dem Weg

Tahiti wird wieder ein Liebestraum
Für Sam Gibson und Georg Forster 
Teilen sich zwei Schwestern die sie
Nach bestem Wissen verwöhnen 

Natürlich gibt es einen kleinen Konflikt
Mit Georgs Vater der sich als Pastor
Über den Hurenbock Sam aufregt
Aber Georg besteht dies entschlossen

Die lustvolle Beschreibung dieser
Nächte mit den Mädchen auf der
Insel wie ein dort noch beobachtetes
Manöver der Marine geben einen 

Guten Eindruck von der Vielfalt dort
Hunderte von Kanus mit weit über
7000 Mann Besatzung zeigen die
Andere Seite des Paradieses auch

Ganze 18 lustvolle Nächte verbringen
Die beiden Wahlbrüder mit ihren so
Zauberhaften Geliebten voller Lust
Sogar mit Cooks Genehmigung

Wie authentisch der Dialog des 
Ehemaligen Straßenjungen Korporal 
Gibson mit Forster über zärtliche Lust
Als echte Liebe war ist ungewiss 

Eher klingt es als würde ein vom
Feminismus geprüfter Mann die
Erotischen Geschichten lieber den
Heutigen Zeiten zu sehr anpassen

Aber selbst wenn das doch eher
Historisch unwahrscheinlich ist
Wird so zumindest auch diesen
Frauen hier Verständnis gezeigt

Einer solchen Verneigung gegenüber
Allen Frauen aber schließe ich mich
Gerne an ohne auf Fakten zu pochen 
Besser sich verständnisvoll zu zeigen

Nach dem zeitgenössischen Geraune
Über die Zeit der Aufklärung nun die
Exakte Einteilung des Rokoko nach
Egon Friedell in dessen grandioser

Kulturgeschichte der Neuzeit der die
Entwicklung von Régence über den
Louis Quinze Stil bis zum danach
Louis Seize kulturhistorisch erläutert

So fragt Friedell ob der Zopf am Ende
Der Epoche als Mode nicht schon
Dessen Altersschwäche erkennen ließ
Ob er überhaupt noch dazu gehört

Herrlich beschreibt Friedell hier die
Erleichterung beim endlich Tod von
Louis les Grand nachdem sich ganz
Paris wieder dem Genuss hingab

So gelangte zunächst als Regent 
Für den noch minderjährigen Urenkel
Den späteren Louis Quinze Herzog
Philipp von Orleans an die Macht

Dieser Sohn der so berühmten 
Lieselotte von der Pfalz die durch ihre
Deftigen Briefe der Nachwelt noch
Bis heute in Erinnerung blieb über

Die Pariser später meinten auf ihrem
Grab stünde hier ruht die Mutter aller 
Laster war eher kein Kostverächter 
Galt eher als echter Wüstling war

Begabt bestechend liebenswürdig
Bei hoher Skepsis und Frivolität
Sah im eigenen Vergnügen die
Richtschnur allen Handelns

Er betrieb mit dem Laster einen 
Eigenen bizarren Kult was echter
Rokoko Stil auch ist wie auch
Zugleich typisch französisch war

Er bezeichnete die Genossen seiner 
Orgien als Galgenvögel und von allen
Lastern Geräderte und das große
Raffinement ihrer Ausschweifungen 

War bewundertes Stadtgespräch in
Paris und zu den fétes d’Adam die in
Saint Cloud veranstaltet wurden auch
Nackt Zutritt zu erhalten war der

Große Ehrgeiz aller Damen der Zeit
Mit seiner Tochter der so schönen
Wie temperamentvollen Herzogin von
Berry Verband ihn lustvolle Liebe 

Doch fand das niemand anstößig 
Wie Inzest in höchsten Kreisen noch
Eher üblich als die Ausnahme war
Die Grenzen waren aufgehoben

Friedell meint es entspreche dem
Greisenhaften Charakter dessen
Wie normal auch Kinderschändung
Im Rokoko noch verbreitet war

Dieses Urteil Friedells der sich
Selbst gerne noch mit zwölfjährigen
Balkanesischen Hürchen vergnügte
Was heute ein Verbrechen wäre

Zeigt wunderbar die Relativität
Aller moralischen Urteile denn 
Wer wagte solches heute noch
Zu denken zu sagen zu tun

Nette Anekdoten werden noch vom 
Betrunkenen Herzog erzählt der sein 
Reich von einer Hure einem Zuhälter
Einem Gauner und einen Besoffenen

Also ihm selbst administriert noch sah 
Verdrängte jedoch die Jesuiten vom 
Hof und tilgte zumindest einen Teil
Der wahnsinnig hohen Schulden

Als Voltaire es wagte im Drama 
Oedipe auf Blutschande anzuspielen
Beklatschte es der Herzog und
Genehmigte dem jungen Autor

Ein bedeutendes Jahresgehalt denn
Wie alle wirklich vornehmen und die
Meisten geistreichen war er gegen
Persönliche Angriffe unempfindlich 

Herrlich dieser Sprung in das Rokoko 
Voller Leidenschaft das auch schöne
Lustvolle eigene Erinnerungen an 
Das verträumte Saint Cloud weckte

jens tuengerthal 15.5.26

Perspektivlos

Perspektivlos

Perspektivlos zu sein klingt
Für die meisten schrecklich
Dabei tut es gerade so gut
Nichts mehr zu wollen oder
Irgendwohin zu müssen um
Ungestört zu bleiben in einer
Welt die ganz dringend von 
Allem viel weniger braucht
Menschen Wirtschaft Lärm
Bewegung Wachstum für 
Ruhe und Regeneration
Lieber zurückgezogen nun
Schrumpfte um niemanden 
Mehr zu schaden warum
Perspektivlos sein die beste 
Aller Perspektiven nun ist
Weniger immer mehr wird 
Außer natürlich beim Wald
Da verhält es sich umgekehrt 

jens tuengerthal 15.5.26