Freitag, 28. August 2026

Lektürentagebuch 28.8.26

Lektürentagebuch 28.8.26

Zu Goethe Geburtstag liege ich auf
Dem hier nur improvisierten Diwan
Einige der alten Bände aus dem
Vergangen Jahrhundert bei mir

Von 1866 und 1869 sind die Bände 
Der hiesigen Familienbibliothek seit
Weit über hundert Jahren schon im
Besitz der Familie aber doch nicht 

Die handsignierten Erstausgaben
Aus der Bibliothek noch meines
Ururgrossvater dem Hofbibliothekar
Zu Gotha die meine Großeltern 1945

Auf der Flucht in Güstrow leider ließen
Doch alt genug sich des Alten würdig
Zu erinnern denke ich um nicht zu
Sehr an den Verlusten zu leiden

Beginne wie ich einst begann in den
Späten achtziger Jahren noch des
Vergangenen Jahrhunderts mit den
Lehrjahren des Wilhelm Meister

Im ersten Kapitel der Ersten Buches
Erwartet Barbara ganz aufgeregt ihre
Junge Herrin Marianne weil ein Paket
Mit Geschenken für beide kam 

Sie hat schon erlaubterweise die 
Siegel gebrochen und nachgeschaut
Was Norberg der junge aber reiche
Kaufmann seiner Geliebten schickte 

Er tat dies vermutlich wohlwissend
Um die Flatterhaftigkeit der Herzen
Junger schöner Damen die gerade im
Theater einen Offizier gespielt hat

Sie kommt herein und während die 
Aufgeregte Marianne ihr die Gaben
Präsentiert ist sie ganz desinteressiert 
Sagt sie werde ja auf sie hören

In Zukunft und überhaupt aber heute
Wo sie noch in Uniform hereinstürmt
Will sie ganz sich gehören und ihr
Herz an den Jungen verschenken 

Die alte Barbara versucht noch die
Wilde junge Frau aus der Uniform
Auszuziehen um ihr ein Kleid anstatt
Anzuziehen aber diese wehrt sich

In diesem Moment kommt Wilhelm
Der junge Kaufmannssohn herein 
Marianne fällt ihm um den Hals noch
In ihrer roten Uniform im Sturm

Elegant zieht Goethe sich hier aus
Der Szene lässt was geschah offen
Denn wer wagte dies zu beschreiben
Wir entfernen uns lassen sie allein

Im zweiten Kapitel ermahnt die Mutter
Am Morgen Wilhelm dass der Vater 
Ihnen den täglichen Theaterbesuch
Verbieten wolle es sei unnütz

Darauf beginnt eine Debatte zwischen
Mutter und Sohn was denn im Leben
Je nützlich wäre als das Vergnügen 
Wohin das viele Geld nur führe 

Er Wilhelm bräuchte weder das neue
Haus noch die englischen Möbel
Auch die Seidentapeten fände er
Völlig überladen und unnötig

Die Mutter bereut dann dass sie
Ihnen als Kindern das Puppentheater
Schenkte denn der Vater meint darum
Werde nichts mehr aus Wilhelm 

Begeistert erinnert sich Wilhelm nun
An das Theater seiner Kindheit den 
Vorhang wie ihre Stücke und will es 
Sogleich es einem Freund zu zeigen

Das dritte Kapitel beginnt mit den
Gedanken zur ersten Liebe welche
Die schönste sei und warum Wilhelm
Dabei dreifach glücklich gleich ist

Er lernt das große Glück dazu noch
Gegenseitig in vollem Umfang kennen
Teilt diese Freude mit der Liebsten die
Er zuerst im Theaterglanz noch liebte

Dabei geht Wilhelm sehr bedacht vor
Verrichtet alle Geschäfte pünktlich ist
Beim Abendessen unterhaltsam geht 
Erstmal nicht mehr ins Theater und

Verschwindet nur des Nachts ganz
Unauffällig aus dem Haus um so
Marianne nach der Vorstellung zu
Sehen die Nächte zu genießen

Dabei bringt er die Puppen mit und
Erzählt vom Puppenspiel aus seiner
Kindheit und die beiden spielen nun
Ganz verliebt mit den Puppen

Im vierten Kapitel erzählt Wilhelm
Wie er nach dem ersten mal das
Theater unbedingt wiedersehen
Wollte was der Vater erst verbat

Dieser meinte Kinder und Alte 
Sollten was sie begehren nur 
Selten bekommen um es noch
Wirklich schätzen zu können

Dabei wäre es wohl geblieben
Wenn nicht ein Gehilfe des
Vaters zufällig vorbei kam der sich
An sein Kindertheater erinnerte

Es holte und eine Aufführung mit
Den Puppen begann und wie er
Wilhelm dann unter den Vorhang
Noch schlüpfte zu sehen wie alles 

In dieser magischen Theaterwelt
Entstanden was ihn nachdenklich
Machte er verstand nichts mehr weil
Ihm der Zusammenhang fehlte

In die Wahlverwandtschaften mit
Dem ersten Kapitel des ersten Teils
Dieses erotisch emotionalen Roman
Eingetaucht und darin versunken 

Eduard packt sein Gartenwerkzeug
In das dafür Futteral was schon ein
Wunderbar sinnlich doppeldeutiger
Beginn nach Setzen der Triebe ist

Bewundert die Gartenhütte die
Charlotte errichtete aber nennt sie
Eng zumindest für mehr dann eiern 
Beide noch etwas um das Thema 

Schließlich auf ihre Nachfrage was 
Mit ihm sei beginnt er ihr vom
Hauptmann zu erzählen dem Freund
Dem es gerade nicht gut ginge 

Er meint es wäre ideal ihn bei sich 
Im Schloss aufzunehmen doch hat
Charlotte Bedenken die sie beide
Lange hin und her wenden ohne

Eine gemeinsame Lösung zu finden
Dabei erinnert Charlotte Eduard an 
Ihre gemeinsame Liebesgeschichte
Wie sie erst anders verheiratet waren

Beide davon irgendwie freikamen
Ob durch Tod oder sonst und sich
Einander versprachen um in dem
Schloss von Eduard zu leben

Wie sie auf ihre Nichte Ottilie 
Verzichtete und ihre Tochter
In Berlin ließ damit sie sich
Ganz aufeinander konzentrieren

Da gehörte kein Dritter hinein
Wogegen Eduard argumentiert
Der Hauptmann störe nicht wäre
Nur eine gute Ergänzung dazu 

Charlotte bringt viele Argumente
Wie das ihr Glück gefährden könnte 
Die Eduard entkräften möchte dabei
Kommen erste Thesen zum Wesen 

Also was Mann und Frau danach
Wesensgemäß unterscheidet aber
Belegen gleich das Gegenteil auch
In der Art ihrer Argumente

Schließlich bittet Charlotte noch um
Bedenkzeit und Eduard will lieber
Gleich losen um zu entscheiden
Er will machen und sie bedenkt

Dann beruft sie sich auf ihr Gefühl
Den weiblichen Instinkt quasi was 
Die Situation spannend offen hält
Große Menschenkenntnis uns zeigt

Genial wie Goethe hier im Dialog
Die möglichen Krisen der Liebe
Zeigt und einen Roman um die
Liebe im Keim gleich beginnt

jens tuengerthal 28.8.26

Goethe 277

Goethe 277

Am 28. August 1749 wurde zu
Frankfurt der junge Goethe geboren
Noch quiekendes Baby ließ sich der
Große Dichter und Naturforscher
Wohl kaum schon erkennen
Dennoch feiern wir am 28.8.
Des großen Goethes Geburtstag
Dabei wären die ersten Verse
Sein literarischer Durchbruch
Doch viel wichtiger oder seine 
Entdeckung des noch unbekannten
Zwischenkieferknochen 1784
Gar das Erscheinen jenes Buches
Das mich zum Goetheverehrer macht
Der Wilhelm Meister 1795 was eine
Geistige Welt wunderbar kreierte
Andere nähmen den Werther der
Im September 1774 erschien mir
Aber bis heute immer fern lag
Vielleicht da mir zu gefährlich
Der Faust war wichtig noch für
Die eigene geistige Entwicklung
Der erschien in verschiedenen
Versionen und Bänden von 1772
Bis 1832 beim Faust II auch sein 
Ende schon nahte aber hier 
Sprechen wir ja eher von seinem 
Geburtstag und was mich mit dem
Immer noch aktuellen Jubilar an 
Seinem 277. Geburtstag verbindet
Waren beide Freimaurer also Brüder 
Belächelten es beide mit Abstand
Suchten diesen irgendwann auch
Wie von allen nur Vereinen lieber
Mehr er wurde noch Illuminat im
Verein den von Knigge prägte
Aber vermutlich eher mit seinem
Freund dem Herzog als Spion
Liebte die Frauen und die Liebe
Nahm seine Christiane die da noch
Vulpius hieß gerne von hinten im
Stehen am Sattelstuhl im Gartenhaus
Was dem Kenner anatomisch zeigt
Der schon mit Liebsten dort war
Sie meinten wirklich von hinten 
Was in den Versen dazu nur
Ganz vorsichtig angedeutet 
Aber auch nicht verschwiegen
Wie auch immer sie sich liebten
Was er davon in Rom einst lernte
Wo sein Sohn August später starb
Kennen sie sich damit zumindest
Dort aus alter Knabenliebe gut aus
Wie gerne hätte ich mit Goethe
Wie Alexander und Wilhelm von 
Humboldt am Frauenplan geplaudert 
Mit ihm und Schiller die Theorie der
Dichtung in Weimar neu debattiert
Die Anna Amalia Bibliothek geführt
Das Theater ganz klassisch gelassen
Naturforschung interessierte mich
Immer schon weniger als Dichtung
Die politische Philosophie im Faust II
Ist gerade heute wieder faszinierend 
Während alles sich ums Geld dreht 
Wo der Teufel Satelliten um die Welt
Kreisen lässt und in Washington die
Freiheit und der Geist der Aufklärung
Von einem stumpfen Idioten der mehr
Missbrauchstäter stets als je gut war
Verraten und zerstört werden 
Da wird der alte Goethe aktuell
Oder die Wahlverwandtschaften
Die sexuelle Biochemie mit der
Ewig ähnlichen Liebe verbinden
Immer wieder ist es mir eine Freude
Den Geheimrat zu lesen auch die
Verse an die Liebe aus Straßburg
Sesenheim um genau zu sein
Wo Friederike Briand lebte der er
In Willkommen und Abschied das
Schönste Ende der Liebesgeschichte
Doch welch Glück geliebt zu werden
Einst widmete wie oft war ich mit
Geliebten dort am romantischen Ort
Der zum Sturm und Drang gehört
Denn mit den Romantikern und
Besonders ihren schönen Frauen
Schäkerte und flirtete Goethe zwar
Gerne auch im Bad wie mit Bettina
Geborene Brentano später Arnim
Aber Goethe war wie Schiller ein
Kind der Aufklärung und blieb es
Forschte in der Natur nach Antworten
Statt Visionen zu vertrauen und der
Kult um das Genie galt zwar ihm
Aber entsprach ihm nicht der ein
Rastloser Suchender war der auch
Wie der Autor dieser Zeilen den 
Rheingauer Riesling über alles liebte
Und ihn auch als Kind schon kannte 
Etwa vom Weinbrunnen auf dem
Römer in Frankfurt wo sein Großvater
Mütterlicherseits Bürgermeister war
Goethe ist mehr als Weimar sein
Kosmos ist wirklich universell
An ihn zu denken eine Freude 
Auch und gerade wohl heute
Was sich nur hessisch reimt
Wie so manches im Faust
Goethe schwebte geistig in 
Höchsten Sphären ließ sich doch
Von keinem ganz vereinnahmen
Babbelte wie es ihm gefiel
Suchte das Seine im Zwischenraum
Den uns das Sein gewährt 

jens tuengerthal 28.8.26

Königstod

Königstod

Der König ist tot
Es lebe der König
Harald V von Norwegen
Wurde vom Leiden erlöst
Mit nun 89 Jahren war er
Seit 1991 seinen Vater
König Olaf V folgend
Im Amt und nach dem
Tod der Queen das älteste
Staatsoberhaupt in Europa
Harald der auf eigenen Wunsch
Eine bürgerliche heiratete war
Als sehr tolerant beliebt
Ihm folgte sein Sohn wie
Das bei Königen so ist
Außer sie werden gewählt
Der nun Haakon VII ist in
Auch für ihn schweren Zeiten
Nach der Lungentransplantation
Seine Frau Mette-Marit wie der
Verurteilung ihre Sohnes aus
Einer vorigen Beziehung wegen
Vergewaltigung König geworden
Lassen wir uns überraschen
Wie er das Land repräsentiert
Das sich gerade so beliebt noch
Machte während der Fußball WM 
Eines der reichsten der Welt ist
Lange schon auf erneuerbare
Energien setzt sozial stark ist
Der König ist tot
Es lebe der König

jens tuengerthal 28.8.26

Wahre Liebe

Wahre Liebe

Die Wahrheit ist noch immer
Die Erfindung eines Lügners
Doch wahre Liebe soll es
Dennoch geben schon allein 
Weil die Liebe macht was
Sie will ohne zu fragen ob
Das wirklich sein kann
Dachte schon einige mal 
Das wäre die wahre Liebe
War wohl eher Täuschung
Sonst wäre sie wohl noch
Aber kann es das Wahre
Wirklich sein wenn doch 
Die Wahrheit noch immer
Erfindung eines Lügners war
Aber ich mir dennoch zu gern
Die Welt mache wie sie mir 
Hier und dort gefällt aber
Hinterher weiß ich sicher
Welche die wahre war
Weil es jene war die blieb 
Auch wenn diese die Liebe 
Vom Zufall der eigenen noch
Existenz abhängig macht
Was nicht das wahre ist
Wenn die wahre Liebe doch 
Im Traum unsterblich sein soll
Aber denke ich dabei an den 
Fliegenden Holländer weiß ich
Liebe kann kleine und große
Tode uns manchmal schenken 
Was immer davon bleibt war
Die die zuletzt war zumindest
Beim Ende noch da was 
Wahre Liebe sein könnte
Die Sitzenbleiber der Liebe
Ob das das wahre ist
Weiß ich nicht

jens tuengerthal 28.8.26

Donnerstag, 27. August 2026

Lektürentagebuch 27.8.26

Lektürentagebuch 27.8.26

Mit Egon Friedell weiter in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit über
Friedrich den Großen dabei kommt
Nun der Philosoph der er auch war

Weil Friedrich sein ganzes Leben lang
Von einem großen Leitgedanken noch
Getragen war sei er zum Helden des
Zeitalters geworden meint Friedell

Darum wären auch alle einzelnen
Handlungen im Gegensatz zu denen
Seiner gekrönten Rivalen ideenreich
Geistvoll und sinnerfüllt gewesen

Nun meint Friedell dieser bestände
In nichts anderem als Platons Idee 
Dass die Könige Philosophen und die
Philosophen Könige sein sollten

Zitiert dazu Walter Pater der meinte
Marc Aurel wäre ein so vortrefflicher
Kaiser gewesen da er der Philosophie
Platos folgte in einem Buch über Plato 

Marc Aurel war zuerst Stoiker und
Fern vieler platonischer totalitärerer
Ideen und Friedrich schätzte Epikur
Las noch zuletzt in Lukrez de rerum 

Dies erst macht den aufgeklärten
Absolutismus aus und nicht das er
Plato folgte was schlicht falsch ist
Hoffe es wird im folgenden besser

Die Definition dass Aufklärung die
Ausbreitung der Lichts bedeutet ist
Nach Kant zu kurz gegriffen und nur 
Eine Übersetzung des französischen

Im Abschnitt Genie meint Friedell der
Sich hier philosophisch dünn zeigte
Friedrich hätte sich schon allein durch
Seine Toleranz als Philosoph gezeigt

Dies sei weder Freidenkertum noch
Liberalismus so hätten die meisten
Freidenker einen unfreien Geist weil
Sie keine andere Weltsicht tolerieren

Dasselbe gilt für den üblichen
Liberalismus der liberal nur gegen
Liberale ist alle anderen Menschen
Aber wären Ketzer und Toren

Ihnen wird gegen ihren Willen die
Bessere Weltansicht aufgedrängt 
So wurde meint Friedell im Zeitalter
Friedrichs noch Aufklärung betrieben

So hätte es im 18. Jahrhundert überall
Diktatoren des Fortschritts gegeben
Welche die rückständige Menschheit
Zu ihrem Glück zwingen wollten

Als Beispiele nennt er hierfür dann
Peter den Großen Karl XII Josef II
Katharina II Kardinal Fleury und
Robespierre unter vielen anderen

So hätte der Marquis von Pompal in
Portugal ein Schreckensregiment der
Aufklärung errichtet diese Herrscher
Waren nur gewendete Finsterlinge 

Damit erhärtete sich die psychische
Tatsache dass Toleranz dem großen
Durchschnitt wesensfeindlich sei doch 
Friedrich war als Genie tolerant 

Das Genie toleriert alles weil es alles
Davon latent in sich trägt weiß sich 
Allen anzupassen weil es eigene
Schöpferische Phantasie besitzt

Er übte echte Toleranz die darin 
Besteht jede fremde Individualität 
Anzuerkennen tolerierte daher auch
Die Reaktion war sogar als Oberhaupt

Der deutschen Protestanten noch
Toleranter gegen die Jesuiten und
Duldsamer als der Kaiser der Klöster Schloss ließ er sogar abgebrannte

Katholische Kirchen wieder aufbauen
Obwohl er voreingenommen war mit
Abneigung gegen die Kirche hatte er
Verständnis für andere Anschauungen

Friedrich konnte sich allen praktischen
Bedingungen anpassen war zäh und
Konservativ in der Theorie aber sehr
Beweglich in der Anwendung dafür

Genial war auch seine hemmungslose
Aufrichtigkeit eine auf dem Thron fast
Unmöglich scheinende Eigenschaft
Auch im Verhältnis zur Wahrheit

Zeigte sich dies deutlich er konnte 
Als Politiker die ganze Welt hinters
Licht führen und wollte darin alle seine
Gegner noch übertreffen und dennoch

War er im Zeitalter hohler Lügen einer
Der ehrlichsten Menschen die lebten
Unwahrheit war für ihn quasi nur die
Fachsprache in seinem Beruf

Bei dem was ihm ernst und wichtig
War zeigte er Wahrheitsliebe und
Unbarmherzige Selbstkritik warum er
In der Erinnerung vieler so gut ist

So erklärte dieser geniale Feldherr
Der einzige Ruhm der diesen wert sei
Wäre der des Schriftstellers wie er auf
Feldzügen noch an Versen feilte

Gegenüber Literaten von Rang
Sah er sich als Schüler der von
Ihrer Kunst profitieren konnte aber
Die Jagd als Sport verabscheute

Selbst seine Erlasse waren glänzende
Bonmots etwa den Kirchenräuber frei
Sprach der meinte die Jungfrau hätte 
Ihm das Silber persönlich geschenkt 

Aber für alle Zukunft verbat von der
Heiligen Jungfrau Geschenke noch 
Anzunehmen oder die Untersuchung
Zu einem Offizier der mit seiner Stute

Sodomie getrieben haben soll mit
Den Worten beendete das Schwein
Sei zur Infanterie zu versetzen was
Auch für seine Knabenstreiche gilt

Dabei war er nie bösartig sondern
Von unverwüstlicher Kindlichkeit
Wie ein künstlerischer Spieltrieb
Der alles und nichts ernst nimmt

Hierin wie in so vielem noch war 
Friedrich Voltaire sehr ähnlich
Ihre sonderbare Freundschaft
Ist eines der geistreichsten Kapitel

Der Geschichte des 18. Jahrhunderts 
In ihrer Korrespondenz nachzulesen
Französischer Pfeffer und preußisch
Salz waren aufeinander angewiesen

Sie hoben sich gegenseitig waren 
Eine scharf beißende Mischung die
Jeden Philister zu bitteren Tränen
Immer wieder reizen auch konnte 

Verwickelt paradox und doch so
Klar und durchsichtig nennt Friedell 
Den Charakter Friedrichs an dem
Es für demokratische Historiker

Nichts mehr zu entlarven gibt der
Sich in seiner Selbstkritik sogar
Schlechter machte als er war dessen
Motiv Ehrgeiz war wie er zugibt

Ein König der aus psychologischer
Neugier in den Krieg zieht wie aus 
Theaterleidenschaft und dem Wunsch
Selbst in die Zeitung zu kommen

Der dies im Brief an Jordan von 1740
Auch ganz offen eingesteht mit einem
Freimut und einer bizarren Koketterie
Die naive Glanzsucht echtes Rokoko 

Friedrich war kein ernster Mensch
Also nicht in der Realität gefangen
Unernst dagegen ist der geistige der
Sein Leben von oben betrachtet

Er nimmt sein Leben mal mit Humor
Dann wieder tragisch aber nie ernst
Der humoristische und der tragische
Aspekt haben dieselbe Wurzel

Es sind zwei polare und darum auch
Komplementäre Formen des gleichen
Weltgefühls dazu gehört auch das
Nicht ernst nehmen des Daseins 

Tragik wie Humor fußen auf der tiefen
Überzeugung von der Nichtigkeit der
Welt und ihrer Vanität warum Friedrich
Wahrhaft tragisch und ironisch ist

Am Ende seines Lebens als dann 
Alter Fritz wird er wie alle Großen
Goethe Kant Ibsen Tolstoi Rembrandt
Michelangelo unwirklich gespenstisch

Transzendent wie transparent schon
Zur Hälfte Bürger einer anderen Welt
Er wird einsam und will neben seinen 
Windspielen begraben werden

Ein Wunsch den ihm erst spät
Helmut Kohl dann erfüllte auch
Wenn Friedrich zweifellos Fehler
Hatte jubelte das Zeitalter ihm zu

Friedell nennt ihn den zugleich
Stärksten menschlichsten weisesten
Närrischsten von allen war zugleich
Caesar und Don Quijote Hamlet

Wie Fortinbras in einer Person
Begeisterte ganz Europa das
Sich an seiner Vielfalt freute 
Alle auf ihre ganz eigene Art

Das sehr subjektive Bild Friedells 
Ist im philosophischen bisher dünn
Ein wenig einseitig aber dennoch
Von einer tiefen Klarsicht dabei

Die Schlamperei mit Plato passt
So wenig zu Friedrich wie hier 
Den Lukrez nicht zu nennen der
Das atheistische Genie zeigt

Andererseits ist der romantische 
Geniegedanke zur Beschreibung
Des aufgeklärten Absolutismus
Des Freimaurers Friedrich amüsant

jens tuengerthal 27.8.26

Überlebenszeit

Überlebenszeit

In Zeiten wie diesen noch weiter
Leben zu wollen scheint immer
Absurder braucht es doch dringend
Weniger Menschen und wird was 
Noch bleibt immer mehr zur Qual
Die sich auch noch rechnen soll
Damit es sich für alle lohnt aber
Auch der Tod hat seinen Preis
Wird niemandem leichtgemacht
Aus verlogen christlicher Moral
Die das unselbstbestimmte Leben
Nach dem Aberglauben hoch hält 
Was real immer weniger lohnt
Längst sind wir zu viele und
Jeder weniger ist eine Erleichterung
Was natürlich keiner sagt weil wir
Vermeintlich Empathie haben
Zumindest noch hoffen dass
Wer auch an uns denkt dabei
Statt frei zu entscheiden
Solange wir es noch können
Machen wir pflichtbewusst weiter
Bis irgendwann nichts mehr geht
Gründe zu wollen gibt es keine
Weiter zu ertragen noch weniger
Darum werden wir ständig mit
Idiotischen Aufgaben beschäftigt 
Damit keiner merkt wie wenig
Noch bleibt was lohnen könnte
Aber zum Glück wissen wir ja
Alles Sein ist endlich

jens tuengerthal 27.8.26

Bücherhöhlenmensch

Bücherhöhlenmensch

Manche träumen von einer großen
Terrasse oder einem Garten um sich
Dort stundenlang zu beschäftigen 
Begrünen mit Liebe ihren Balkon
Gehen lieber raus als rein wo ihnen
Ohne Beschäftigung langweilig wird
Fand Gartenarbeit schon immer lästig 
Bin lieber drinnen als draußen statt
Action habe ich lieber meine Ruhe
Ungestört in Büchern zu versinken 
Scheint Ruhe in der Bücherhöhle mir 
Viel reizvoller als die meisten sonst
Begegnungen mit den üblichen
Langweilern ohne geistige Tiefe 
Bin ein Bücherhöhlenmensch
Dort vollkommen zufrieden
Gelegentlicher Besuch einer 
Geliebten kann nett sein sofern
Nicht zu lange und zu dumm
Tiefe emotionale Beziehungen
Verursachen nur Stress der vom
Genüsslichen Lesen ablenkt ohne
Dafür Gewinn an Erkenntnis je
Zu bringen dafür Ruhe zu rauben 
Der Bücherhöhlenmensch bleibt
Gerne für sich und muss nicht
Irgendwohin noch jemals reisen 
Die Welt steht ja in Büchern um mich
Lieber erkunde ich sie lesend als
Noch irgendwohin zu müssen
Die Ökobilanz ist jungfräulich
Lebten alle so ging es uns besser
Wir lebten in stiller Lesewelt
Vermehrten uns weniger um
Dafür mehr unsere Ruhe zu haben
Dem Bücherhöhlenmenschen
Sollte die Zukunft gehören 
In einer friedlichen Welt

jens tuengerthal 27.8.26

Mittwoch, 26. August 2026

Liebeslohn

Liebeslohn 

Lohnt die Liebe je
Außer als Prostitution
An der einige gut verdienen
Wie manche in der Ehe 
Wenn das noch Liebe ist
Die dauerhaft Sicherheit
Dafür einigen beschert 
Ansonsten aber geht es
Eher um ein Gefühl
Was sich nicht rechnen muss
Die danach fragen haben
Haben Liebe nie verstanden
Die bedingungslos gut will
Was Lohn genug wäre
Ohne nachzurechnen
Ginge es nicht auch
Immer um Macht
Mit der manche mehr
Andere weniger spielen
Wer sich durchsetzen will 
Liebt nicht mehr sondern
Steht im Kampf der Geschlechter
Meist auf verlorenem Posten 
Hat mit Liebe nichts zu tun
Aber nichts lohnt mehr als
In eine Liebe zu investieren
Außer wir wollen Gewinn 
Dann lassen wir es besser
Es lohnt nicht dass Wort Liebe 
Für Kämpfe zu nutzen wie
Materielle Interessen noch 
Weiter Liebe zu nennen
Aber wer nichts mehr will 
Niemanden mehr braucht
Keine materiellen Interessen 
Mit viel Gefühl verfolgt wie 
Ohne Erwartungen bleibt
Für die kann es sich lohnen
Ganz auf Gefühle zu setzen 
Was vermutlich sehr selten 
Für ganz wenige nur gilt
Ansonsten lohnt Liebe auch
Als Erfahrung die stärkt wie
Flexibilität lernen lässt was
Über sonst Krankheiten zur
Aufmunterung gesagt wird 
Um eine Erfahrung reicher
Ist jedenfalls wer überlebt
Ob sich das gelohnt hat
Verbietet die Liebe zu fragen
Was am Ende alles klärt 

jens tuengerthal 26.8.26

Lektürentagebuch 26.8.26

Lektürentagebuch 26.8.26

Weiter ging der große Zauber auf dem
Dach des Frauenhauses wo fast nackt
Die dunkelhäutige Tabubu das große 
Rituelle Opfer der Liebe nun vollzieht

Unter großen Beschwörungen wird 
Muts und Josephs Haar symbolisch
Wie real in der Flamme verschmolzen 
Die Liebe zur Vereinigung zu zwingen

Darauf wird noch der gefesselte Hund 
Geopfert und sie wühlen in dessen 
Eingeweiden den Zauber zu wecken
Dabei stinkt es ganz gruselig dazu 

Magischer Hokuspokus der die Liebe
Zumindest den Körper zwingen will
Aber nur eine tote Seele berührt sie
Wird lustvoll kalte Lippen küssen

Dies wird Mut bewusst und sie klagt
Über die niedrige Zuflucht aus dem
Afrikanischen Busch die sie wählte 
Weil ihr Herz unter Zwang steht 

So endet das Kapitel über das Ritual
Was Tabubu für sie veranstaltete dem
Ein Hund geopfert wurde mit einer 
Schluchzenden Mut dabei im Arm

Der Kebse Meh der Nebenfrau die
Sie vom Dach hinunter führt völlig
Erschüttert von der Erkenntnis dass
Kein Zauber echte Gefühle weckt


Wieder in die Wellen getaucht von 
Eduard von Keyserling und damit
Zum Erwachen des Morgens auf
Die kurische Nehrung gekommen

Joralice erwacht sehr früh noch vor
Der Morgendämmerung und  die 
Frühere Gräfin Köhne-Jasky liegt 
Wach und denkt an ihr Leben

Wie der Graf sie gewählt hatte um
Sie dann zur Comtesse zu erziehen
Ihr seine Erwartungen zu unterstellen
Die ihr immer weniger Raum ließen 

Als der Graf seine Stelle am Hof in
Dresden verlor aufgrund einer Intrige
Wie er immer wieder betonte ging es
Auf das Schloss auf dem Land zurück 

Der Graf war viel älter als sie und
Sagte ihr was sie wollen sollte und
Unterstelle ihr seinen Willen dem nicht
Ganz zu genügen er sich entschuldigt

Die perfide indirekte Art des Adels 
Der durch indirekte Erwartung erzieht 
Mit Unterstellungen nur zum besten
Seine Mitglieder dabei erzieht

Beschreibt Keyserling der selbst als
Graf geboren den hohen elterlichen 
Erwartungen nach Wien wie später
Nach München entflohen war genial

Wir tauchen in das Schlafzimmer ein
Das sie mit dem Maler Hans Grill teilt 
Für den sie den Grafen und das gute 
Schloss auf dem Land verließ 

Dort liegt die Gräfin Doralice wach
Denkt daran wie Hans auftauchte 
Um sie zu portraitieren als ein
Günstling des alten Grafen

Natürlich verliebt sich Hans in 
Doralice und leidet an seinem
Schlechten Gewissen dem Grafen
Gegenüber will für Klarheit sorgen

Sie quälte es nicht so aber er wollte
Um der Liebe willen Klarheit schaffen
Fürchtete sie würden irgendwann von
Ihm ertappt was er vermeiden wollte

Wie gut kenne ich diesen Drang zur
Aufrichtigkeit um dem echten Gefühl
Gebührenenden Raum zu geben in
Dem es sich so schnell wieder verliert

Sie zögerte noch und dann kam der
Alte Graf ihnen zuvor verkündete ihr
Sie werde froh sein die Sitzungen
Würden endlich ein Ende haben

Das mit dem Portrait würde ja nichts
Er habe Grill nach Hause geschickt
Da plötzlich verkündet sie ihm dass 
Sie dann mit Hans gehen würde

Sehr fein beschreibt Keyserling die
Szene wie er die Uhr aus der Tasche
Zog nur Allons allons sagt mit einem
Kreideweißen Gesicht und sonst 

Die formale Haltung bewahrt sagte
Wann der Zug ginge sonst nichts
Sie hörte dabei ihr Herz schlagen und
Grill sagte dazu nur natürlich

Eine feine Beobachtung noch im
Morgengrauen lässt sie vor sich ihr
Liebesleben an sich vorbei ziehen
Das Grauen der formalen Welt

Wie gut kennen ich diese Welt auch
Die alles tut die Contenance noch
Zu wahren aber kaum noch Zugang
Zu den eigenen Gefühlen dabei hat

In vielem von vorbildlicher Korrektheit
Wissen sie sich höflich zu benehmen 
Aber verkümmern unter der Fassade
Oft emotional bis zur Depression

Wie vielen Damen von Familie bin ich 
Näher begegnet gelegentlich auch
Emotional und wie einsam fern blieb
Jede eine Gefangene dieser Welt

Sehr fein beschreibt Keyserling diese
Welt die durch indirekte Unterstellung
Viel mehr Zwang ausübt als durch
Direkt ausgesprochene Worte dabei

In der Traumnovelle Arthur Schnitzlers
Geht es auch um verborgene Welten
Fridolin und Albertine plaudern über
Geheime verborgene Sehnsüchte

Erzählen sich wie sie an andere 
Dachten und schon fast weg waren
Wenn die anderen zugegriffen hätten 
Was dann aber doch nicht geschah

Bei Albertine war es der junge
Dänische Offizier vom Nachbartisch
Für Fridolin das fünfzehnjährige junge
Mädchen am dänischen Strandhaus

Beide berichten sich von der hohen
Intensität des Absoluten das alles
Auch zwischen ihnen plötzlich hätte 
Ändern können ohne zu wissen wie

Sie wecken ein wenig Eifersucht aber
Versprechen sich es das nächste mal
Eher zu erzählen wozu auch immer
Da wird Fridolin ganz plötzlich zum

Hofrat nebenan gerufen der einen 
Herzanfall hat und sie reagiert darauf 
Fast ärgerlich und meint du willst fort 
Worauf er erwidert ich muss wohl

Eine hohe erotische Spannung des
Beinahe was sie noch um eine
Geschichte um den schönen jungen
Mann vor ihrem Fenster erweitert

Wie sie mit diesem wenn er es nur
Gewagt oder gefragt hätte alles wohl
Getan hätte er aber nur am nächsten
Tag keusch um ihre Hand anhielt 

Worauf sie ja sagte weil er es war
Worauf er noch eine eher spekulative 
Frage stellt der sie klug mit Liebe
Auszuweichen weiß so beginnt der

Traum von fremder Lust zwischen
Dem Ehepaar seinen Lauf zu nehmen 
Spürbar knistert es schon deutlich
Zwischen den Zeilen hier weiter

jens tuengerthal 26.8.26