Dienstag, 25. August 2026

Lektürentagebuch 25.8.2

Lektürentagebuch 25.8.26

In seiner Kulturgeschichte der Neuzeit 
Schreibt Egon Friedell über Bach und
Händel wie Friedrich den Großen als
Deutsche Ruhmestitel im Geisterreich

So hätte Händel auch erst im reifsten
Alter von italienischen Einfluss noch
Emanzipiert und die Kunstform der 
Fuge vokal auf den Gipfel geführt

So wie Bach es auf instrumentellen
Gebiet vollbrachte wie in seinen so
Reichen Chören etwa bei Israel der
Fast nur aus Fugen bestünde 

Zum ersten mal wurde versucht die
Masse auf die Bühne zu bringen dem
Volk eine Stimme zu geben was die
Dichtung erst im Tell und den Webern

Versucht hat gelang Bach vorher der
Die erwachende Kraft des deutschen 
Bürgertums und die tiefe Innigkeit des
Der Gottesliebe unsterblich machte 

In der monumentalen Kammerkunst
Bachs vermählen sich Schwung und
Schwere des Barock mit der Intimität
Und Introspektion des Rokoko ganz

Händel sei von den beiden derjenige
Der unproblematischer kantabler wäre
Als Psycholog dagegen war Bach viel
Mehr der Metaphysiker des Glaubens

Parallel zu Kant und Leibniz sieht
Friedell die beiden Händel als Meister
Des Makrokosmos in der Schöpfung
Während Bach kleinbürgerlich eng

Immer lebte aber ein noch größeres
Universalreich in seinem Inneren
Aufbaute wie Leibnitz und Händel 
Der Welt ihre Welt aufzwangen

Umspannten Kant und Bach in ihrer
Welt die ganze aber gemeinsam war
Bach und Händel das germanische
Tiefe Ethos das ihre Werke erfüllte 

Als riesige Doppelsonne bilden beide
Den einen Ruhmestitel Deutschlands 
Im Reich des Geistes während der
Andere Friedrich der Große war

Auf diesen kommt er im nächsten
Abschnitt unter der König zu sprechen
Zitiert dazu Carlyle der den fähigsten 
Mann im Lande finden wollte und ihn 

An die erste Stelle setzen um ihm dort
Gehorsam und Verehrung zu geben
Dann hätte das Land schon die ideale 
Regierung ein einfaches Rezept

Wie weit Deutschland davon gerade 
Entfernt ist macht eher zu traurig
Vertiefter darüber nachzudenken 
Geben wir die Hoffnung nicht auf

Zeigen uns doch die USA es könnte 
Im Sinne der Masse noch viel viel
Schrecklicher kommen wie auch der
Blick nach Russland bestätigt

Das einfache obige Rezept sei dazu 
Vortrefflich aber wie alle guten nur
Höchst selten auch befolgt dabei wäre
Es natürlich die Besten nach oben

Zu stellen die Klügsten Wissendsten
Stärksten die am weitesten voraus
Wie auch zurück schauen können 
Doch kam dies Ideal nur selten vor

Vielleicht ein Dutzend mal in der
Geschichte der Menschheit in drei
Jahrtausenden die wir überblicken 
Einer davon war Friedrich der Große 

Dies schreibt der Wiener Flaneur
Egon Friedell eben dort wo noch
Maria Theresia verehrt wird die
Friedrich eine der drei Erzhuren nennt

Die anderen waren die Pompadour
Wie Elisabeth von Russland gegen
Die er alle sieben lange Jahre noch
Krieg führte und seine Zähne verlor

So war das Jahr 1740 das Jahr des 
Regierungswechsels für Preußen
Aber auch für Russland Rom wo
Zaren und Päpste wechselten 

Einige meinten Friedrich verdanke
Den größten Teil seiner Erfolge dem
Sonderbaren Mann den er ablöste
Seinem Vater Friedrich Wilhelm I

So wurden beide mit Philipp und
Alexander verglichen was absurd
Für Friedell ist dies würde auch nur 
Von der preußischen Historiographie 

Die alle preußischen Könige Genies
Nennen wie von der sozialistischen
Die keinen unter Königen genial findet
Doch in Wirklichkeit gab der Vater

Seinem Sohn nur das Werkzeug die
Armee in die Hand gegeben das zum
Instrument der Politik wurde nur nicht
Einen philosophischen Gedanken 

Dagegen hätte Philipp das ganze 
Konzept für Alexander entworfen
Des einen Denken machte den
Anderen erst so erfolgreich

Nach Friedell war Philipp der Dichter
Von Alexanders Asienzug und dieser
Nur der gut geschriebene Held des
Stückes des Dichters Philipp

Um ein differenziertes Urteil über 
Friedrich Wilhelm bemüht nennt
Friedell ihn eine paradoxe Genrefigur 
Mit einem patriarchalen Absolutismus 

Er mischte sich in alles ein und
Bestimmte so das Leben wie ein
Landesvater der seiner Kinder ganz
Gründlich dabei missverstand

Mittelmäßig sei er nur gewesen
Seine Fehler waren unverzeihlich wie 
Sein Geiz und Hass gegen alle
Künstlerischen Bestrebungen

Seine Tugenden Ordnungsliebe Fleiß 
Bescheidenheit taten niemandem gut
Sein gut ausgerüstetes Heer war nur
Das Ergebnis einer Marotte vom ihm

Er sammelte lange Kerls wie sein 
Nachbar August der Starke Porzellan
Oder Papst Lambertini schöne Drucke 
Die Werbemethoden waren grausam

Unter ihm lernten die Preußen noch
Schneller schießen als alle das war
Das Werkzeug auf dem Friedrich II
Seine virtuose Strategie entfaltete

Friedrich war in nahezu allem das
Genaue Gegenteil des Vaters er
Verabscheute den Krieg eigentlich
Dennoch führte er ihn viele Jahre

Sogar energischer und aggressiver
Als alle anderen dabei nennt er den 
Krieg eine Geißel der Menschheit
Er war auch kein Monarchist

Dies obwohl einer der stärksten
Wie siegreichsten seines Jahrhundert
Hat alle anderen Monarchen auch
Verspottet was sonderbar klingt

Nie wollte Friedrich als Monarch
Verehrt werden lieber als Philosoph
Friedrich Wilhelm war immer fromm 
Mit orthodoxem Kirchenglauben

Friedrich dagegen verachtete alle
Religionen mit souveräner Skepsis 
Die nur eine sehr schmale Grenze
Vom Atheismus noch trennte

Werke der Kunst und Philosophie 
Stellte er über alle Taten des ganz 
Praktischen Lebens war ein Meister
Diplomatischer Falschmünzerei

Er war raffinierter Feinschmecker 
Aller höheren Lebensgenüsse dabei
Nichts weniger als gesund im Sinne
Der normalen Menschen sondern 

Eine reizbare komplizierte wie
Widerspruchsvolle Natur von sehr
Labilem inneren Gleichgewicht
Auch körperlich zart und sensibel

Wie alle Genies war er meint Friedell 
Physiologisch minderwertig zugleich
Psychopathisch dabei beherrschte
Er seine Psychose durch sein Genie

Manche meinten er habe vom Vater
Arbeitsfreude und Pflichtgefühl geerbt
Aber der Fleiß der Genies ist ein völlig 
Anderer als beim sonst Durchschnitt

Die schlichten Menschen erledigten 
Einfach ihre Arbeit wie Bienen nach
Instinkt während Genies einer fast
Manischen Hingabe magisch folgen 

Der Weg den Friedell zu Friedrich
Wie dessen Genie geht ist ein
Sehr psychologisch feiner und so
Gibt er ihm noch viel Raum folgend

Damit beschäftige ich mich bald noch
Weiter wenn ich nicht Mann Schnitzler
Keyserling lese weil es ein neuer sehr
Spannender Blick auf Friedrich ist

Ein Sonderling der sich aufgrund
Seiner Position genial entfaltete
Der sonst untergegangen wäre
In komplexen geistigen Welten lebte

Friedrich war anders als fast alle
Den meisten weit überlegen doch
Nach dem Durchschnitt betrachtet
Auf seine Art geistig behindert auch

Parallelen und Ähnlichkeiten zu sehen
Etwa zum von ihm sehr geschätzten
Lukrez auch zu Montaigne wie dem
Geist der Enzyklopädisten dazu

Es ist diese Lektüre auch wieder eine
Annäherung an Friedrich der in
Vielfältigen Biographien bei mir steht
Ein besonderes Genie seiner Zeit

jens tuengerthal 25.8.26


Wesenskonzentrat

Wesenskonzentrat 

Es gibt eine einfache Antwort auf
Fast alle gerade kritischen Fragen 
Der Menschheit und die lautet einfach
Weniger in allem auch von uns zuerst
Weil weniger weniger verbrauchen
Damit weniger verschmutzen 
Weniger der Welt damit schaden
Weniger Platz brauchen dafür 
Mehr Freiraum haben weil es
Leicht ist weniger zu werden
Wie weniger zu wollen statt
Immer mehr sich künftig lieber
Bescheiden um Wege zu finden
Wie alle auf Dauer besser leben
Weniger ist wirklich mehr und
Mehr braucht es von nichts mehr
Dafür viel weniger in allem was
Die Zukunft zu einem ruhigen
Sich unterbieten machen wird
Was allen besser tut als das
Vorige ewige Wachstum wir
Drehen den Spieß einfach um
Denkt immer daran wir leben
Nur einmal und Eigentum ist
Immer noch Diebstahl 

jens tuengerthal 25.8.26

Neuhardenberger

Neuhardenberger

Die Bundesregierung begibt sich nach
Vierwöchigem Kanzlerurlaub der per 
Ukka quasi verlängert wurde nun in 
Klausur ins Schloss Neuhardenberg

Dieser dem Sparkassenverband nun
Gehörige Gebäudekomplex mit dem
Wunderbaren Park und Gebäuden
Von Schinkel davor und dabei ist

Ein wunderbares Urlaubsdomizil 
Aber die Bundesregierung will ja
Hart arbeiten dort um Deutschland
Fit für die Zukunft zu machen

So wie Merz sie sich vorstellt also
Ohne großen Sozialstaat dafür mit
Fusionskraftwerken und noch weiter
Subventionierten Klimakillern oben

Ob das der richtige Ort dafür ist 
Ein schlechtes Omen wäre wie die
FAZ reißerisch auf Bild-Niveau titelte
Oder einfach nett naheliegend ist

Wie so vieles beim unbeliebtesten
Kanzler aller Zeiten noch unklar
Warum der Blick in die Geschichte
Des Ortes wohltuend sein könnte

Neuhardenberg hat eine lange
Geschichte bevor es seinen 
Heute wieder Namen bekam
Mit Mehrheit undemokratisch 

Heute lieber noch wählt wie 
So viele Orte in der Mark aber
War schon früher Tagungsort
Der Klausuren der Bundesregierung

Eigentlich hieß der Ort ursprünglich
Quilitz bis 1814 liegt heute im großen 
Landkreis Märkische Oderland und
Hat noch vier Ortsteile dazu

Erstmals erwähnt wurde der Ort 
1348 als Quilizc später Quilitz ein
Name altslawischer Herkunft der
Vermutlich schon viel älter ist

Kann bis auf die slawische Besiedlung 
Im 7./8. Jahrhundert zurückgeführt
Werden es heißt Ort an dem Leute 
Namens Kwila wohnen Kwilaheim

Der Name Kwila heißt Jammerer
Was ja hervorragend zu Merz passt
Um 1480 gab es in Quilitz noch drei
Rittergüter die jedoch später dann 

Im Dreißigjährigen Krieg zerstört 
Wurden danach kaufte 1682 das
Haus Brandenburg über Dorothea
Die 2. Frau des Großen Kurfürsten 

Die Güter für ihre Kinder wieder auf
Nachdem diese Linie des Hauses
Brandenburg-Schwedt ausstarb
Vergab Friedrich der Große das

Gut als Dotation nach der Schlacht
Von Kunersdorf an seinen Retter dort
Den Rittmeister der Zietenschen
Husaren General von Prittwitz

Ein Großbrand zerstörte im Juni 1801
Den halben Ort der dann nach Plänen
Von Schinkel neu aufgebaut der auch
Eine Kirche und einen Tempel baute

Zehn Jahre später 1811 verkaufte der
Sohn die Güter wieder an die dann
Preußische Krone um sich dafür lieber
Güter in Schlesien zu kaufen wovon

Die Prittwitzens heute nichts haben 
Dafür ging vier Jahre später das Gut 
Quilitz Alt Rosental und Lietzen an 
Den Staatskanzler von Hardenberg

Dieser ließ aber Quilitz nach sich in 
Neu-Hardenberg umbenennen legte 
Park und Schloss dort neu an dafür
War das Gut im Nationalsozialismus 

Ein Nest des Widerstandes nach dem
Attentat vom 20. Juli 44 sollte der
Damalige Gutsherr Graf Hardenberg
Von der Gestapo verhaftet werden

Er versuchte sich dem durch seinen
Freitod zu entziehen der misslang
Worauf er im KZ Sachsenhausen
Landete aber den Krieg überlebte

Als Mitglied des Widerstandes war er 
Schon von den Nationalsozialisten
Im Krieg enteignet worden nach dem
Krieg benannte sich der Ort dann in

Marxwalde zu Ehren von Marx um
Es wurde zum sozialistischen Muster
Dorf die NVA stationierte dort noch
Eine Jagdfliegergeschwader

Nach der Wende von 1989 benannte 
Sich der Ort 1991 wieder um in nun
Neuhardenberg 1996 dann nach der Rückübertragung an die Hardenbergs

Veräußerte die Familie es an den
Sparkassen und Giroverband die
Alles aufwändig sanieren ließen 
Dies wurde 2002 feierlich eingeweiht 

Das Schloss wurde 1785 bis 1790 von
Joachim Bernhard von Prittwitz erbaut
Dann 1820 bis 1822 von Hardenberg 
Nach Plänen Schinkels aufgestockt 

So wurde es zum klassizistischen
Landschloss das bis heute noch steht
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es
Eine Schule und später Kulturzentrum 

Vor dem Gutshaus steht die ganz
Wunderbare nach Plänen Schinkels
Gebaute Dorfkirche in der die liebe 
Tita Hardenberg ihrem Habsburger

Sich vermählte deren Kinder dann
Zeitweise mit meiner Tochter in einer
Schule in Berlin noch waren selbst
Durfte ich Neuhardenberg auch

Schon in zauberhafter Gegenwart
Besuchen und den Ort genießen bei
Einem kulturellen Happening dort
Mit einer Lesung von Tucholsky

Ob dieser Ort sich darum besonders
Für eine Klausur nach vier Wochen
Kanzlerferien eignet wage ich nicht
Zu beurteilen zumindest waren

Schon einige Kanzler auch dort dem
Preußischen Staatskanzler Fürst
Hardenberg noch mitgezählt ob diese
Tradition Merz steht scheint fraglich

Eher wirkt der Ort eine Nummer zu
Groß für den noch amtierenden 
Sauerländer vom Dienst aber schön 
Haben sie es dort fast wie Urlaub

jens tuengerthal 25.8.26

Liebesgeschichte

Liebesgeschichte

Wenn Liebe um Macht kämpft
Miteinander wie gegeneinander
Hat sie sich erledigt dann gibt es
Nichts mehr zu diskutieren was
Viele dennoch tun angeblich um
Die Beziehung zu retten die es
Dann schon nicht mehr gibt
Wäre wer ehrlich sie ist dann
Einfach eine Liebesgeschichte
Von vielen und keiner weiteren
Worte mehr wert außer erledigt
Was eigentlich schade aber wohl
Die Natur der Sache ist denn
Liebe ist bedingungslos und
Will einander so gut oder ist
Geschichte und erledigt was
Es leichter macht vieles was
Einmal war für erledigt zu erklären

jens tuengerthal 25.8.26

Lektürentagebuch 24.8.26

Lektürentagebuch 24.8.26

In Joseph und seine Brüder versucht 
Mut mit Magie Joseph zu gewinnen
Wie es ihre Dienerin Tabubu ihr gleich
Geraten und angeboten hatte

Mit Mann in der Nacht begonnen 
Wie dabei köstlich über die Zutaten
Des magischen Liebestrank amüsiert
Die wie aus der Hexenküche klangen 

Die dunkelhäutige afrikanische Frau
Ist die Hohepriesterin der Magie die
Auf dem Dach des Frauenhauses
Nun auch zubereitet werden soll

Auch der Weg den Mut dorthin mit
Einer Fackel in der Hand die sie dabei
Wild schwingt begleitet von einer der
Nebenfrauen nimmt wird dramatisch

Die Nebenfrau mahnt die aufgeregte
Mut zur Vorsicht und Langsamkeit
Will ihr darum die Fackel abnehmen 
Wogegen Mut sich mit Kraft wehrt

Dabei gerät sie ins Schwanken und
Wäre mit der Fackel beinahe die steile 
Treppe zum Dach wieder herunter
Gefallen aber die andere fängt sie 

Oben erwartet Tabubu sie nackt 
Bis auf Gürtel um die Lenden wie
Unter ihren schweren schwingenden
Brüsten mit wallendem grauen Haar

Die Hohepriesterin der Liebe die das
Endlich Glück erzwingen will hat sie
Schon erwartet im westlichen Wind
Der dort oben gerade noch weht 

Zum Glück weht weil sonst der üble 
Gestank des um das Feuer hier noch
Liegenden faulenden Fleisches was 
Eine Zutat ist alles wohl verpestete

Tabubu begrüßt sie mit offenen Armen
Aber unterbricht ihre magische Arbeit
Dabei nicht damit der Zauber auch
Ganz ordentlich vorbereitet wird

Herrlich wie Mann hier das magische
Ritual mit allem Hokuspokus darum
Beschreibt mit dem Mut die Liebe von 
Joseph endlich erzwingen will

Die ganz ernsthafte Beschreibung
Des lächerlichen Hokuspokus im ganz
Biblischen Stil ist voller feiner Ironie 
Gegenüber allem Aberglauben

Doch zeigt der Blick von außen wie
Lächerlich eigentlich jeder Glaube
Mit seiner Tendenz zur Magie ist
Aber beschreibt es ganz ernsthaft

Die hohe Kunst von Thomas Mann
Die lächerlichsten Situationen noch
Mit großem Ernst zu beschreiben
Bewährt sich auch hier wieder


Heute auf dem Fußweg durch das
Verschlafene Walldorf noch zwei
Neue Bände in einer Kiste gefunden
Die vor einer Haustür hier stand

Eduard von Keyserlings Wellen sowie
Arthur Schnitzlers Traumnovelle was
Anlass genug ist die beiden Funde
Gleich durch Lektüre zu würdigen

Beginne mit Eduard von Keyserlings 
Wellen das eine Liebesgeschichte auf
Der Kurischen Nehrung beschreibt 
Fast Heimat des baltischen Grafen 

Die Geschichte spielt um die vorletzte
Jahrhundertwende noch und in der 
Sommerfrische treffen Aristokraten
Mit Künstlern nah zusammen

Die Generalin von Palikow und ihre
Gesellschafterin Malwine von Bork 
Kommen erhitzt im Wohnzimmer an
Und giften sich gleich an auf ganz

Vornehme Art mit Bösartigkeiten bei
Der die Generalin Malwine unterstellt
Alles gegen sie zu verteidigen worauf
Diese schweigt und hinaus schaut

Ein Moment der Ruhe bevor ihre
Tochter die Treppe hinunter kommt
Das Mädchen draußen den Tisch
Für das Abendessen schon deckt 

Auch die Kinder die beiden Mädchen
Lolo und Nini wie der sechzehnjährige
Enkel Wedig kommen nun dazu die
Mädchen bildschön und rothaarig

Der Junge etwas blass und eher
Schwächlich bekommt eine extra
Portion was bissig kommentiert wird
Die Tochter Baronin von Buttlär 

Gesellt sich zu den beiden und
Regt sich über die Gräfin auf die
Ihren Grafen verlassen hat und
Den Maler geheiratet hätte 

Solchen Leuten womöglich am
Strand zu begegnen sei doch
Eine unmögliche Peinlichkeit
Außerdem gefährlich dazu

Weil die Gräfin so schön sei
Fürchtet sie um die Moral ihres 
Gatten worauf die Generalin als
Ihre Mutter sie deutlich ermahnt

Dann ein Aufschrei weil Malwine
Die Gräfin mit dem Maler am
Strand auftauchen sieht sofort
Werden die Kinder ins Bett geschickt

Nach Ermahnung der Generalin dass 
Diese einfach zu ignorieren sei und
Ihnen als ehrwürdigen Festungen
Des Adels nichts anhaben könnte 

Wird zur Gräfin Doralice und dem
Maler Hans Grill übergeblendet
Ihrem Geplauder am Strand wie
Den kurzen Begegnungen

Sie verstehen sich auch nicht ganz
Reden aneinander vorbei und sind
In verschiedenen Welten die von 
Der Vergangenheit geprägt sind 

Durch kleine Gesten der Verliebtheit
Überbrücken sie was sie trennt noch
Doch verstehen sich in vielem nicht 
Es ist eine seltsame Spannung dort

Bald soll noch der Verlobte einer
Der Töchter und der Baron der Gatte
Dazu kommen der noch auf dem
Gut die Ernte beaufsichtigen muss 

Die Tochter beschwert sich über das
Diebische Personal auf dem Gut 
Gespräche unter Adeligen fein 
Beobachtet und scharf skizziert 

Eduard Graf von Keyserling aus dem
Damals russischen Kurland stammt
Aus altem baltischen Adel und kannte
Genau was er hier fein seziert noch

Berühmt ist das Gemälde von ihm
Das Lovis Corinth schuf mit dem er
In München befreundet war was den
Von der Syphilis gezeichneten zeigt

Er studierte Rechtswissenschaft ohne
Je einen Abschluss zu machen lebte
In der Münchner Boheme und starb 
Im Alter von 63 blind und krank dort


Die Traumnovelle Arthur Schnitzlers
Beginnt mit kindlichem Vorlesen wie 
Dem darüber schon einschlafen der
Gemeinsamen Tochter dabei

Nun mahnte das eingetretene
Fräulein noch das Kind den Eltern
Eine gute Nacht zu wünschen denen 
Sie die Lippen zum Kuss darauf bot 

Die beiden deren Hände sich eben
Noch auf der Stirn des Kindes trafen
Unterhalten sich über einen gerade
Gemeinsam besuchten Maskenball

Beide hatten dort nach anderem noch
Ausschau gehalten und waren dann
Doch wieder beieinander gelandet
Worüber sie nun auch plaudern

Bei Austern und Champagner noch
Hatten sie sinnlich um sich gebuhlt
Dieses Spiel auf rascher Fahrt noch
Fortgesetzt bis sie bei sich ankamen

Nach dem sinnlichen Liebesglück
Das intensiver war als alles was sie
Sie seit langem miteinander hatten
Wartet wieder der Alltag auf sie

Er ist Arzt und sie Hausfrau und
Junge Mutter dazu beide sind
In der Gewohnheit gefangen voll
Leidenschaftlicher Sehnsucht

Genial inszeniert Schnitzler hier in
Wenigen Seiten schon eine sehr
Emotional wie sexuell aufgeladene
Stimmung die rätselhaft dabei bleibt 

jens tuengerthal 25.8.26

Montag, 24. August 2026

Staatskapitalismus

Staatskapitalismus

Der Staat soll wie ein Unternehmen
Effektiv gewinnorientiert funktionieren 
Wie zugleich verlässliche Identität
Für privates Engagement bieten 

Groß wurde ich noch mit den 
Zuverlässigen Staatsunternehmen
Wie Bundespost und Bundesbahn
Die pünktlich kamen und lieferten 

Dann verkündeten uns die großen
Unternehmensberater die nun den
Staat als besten Kunden entdeckten 
Das sei doch alles ineffektiv noch

Der Staat müsse sich künftig rechnen
Wie Maggie der Kapitaldrache es von 
London aus Europa vormachte und
So wurden Staaten zu Unternehmen 

Erzählt wurde uns wir würden als 
Kunden dann wie Könige behandelt
Real funktionierte immer weniger
Bereicherten sich einige immer mehr

Will in keinem Unternehmen leben
Das auf Effektivität getrimmt seine 
Leistungen für höheres Shareholder
Value immer weiter reduzierte noch

Das teuerste im Staat übrigens sind
Die Menschen und würden wir uns
Diese für KI künftig sparen würde
Noch mehr im Leben entbehrlich

Von allem weniger sollte die klare 
Perspektive der Zukunft nun sein 
Um auch klimatisch zu überleben
Dabei sei der Staat konkurrenzlos

Geld verleiht nur noch der Staat
Also EZB und Bundesbank was die 
Macht am Markt sehr angenehm
Damit wieder verschieben würde

Alle Vermögen über eine oder zehn
Millionen werden verstaatlicht und
Im übrigen ist Eigentum ohnehin
Diebstahl machen wir uns frei davon

Staat braucht weder Konkurrenz
Noch irgend Kapitalismus er soll
Allein zuverlässig funktionieren wie
Seine Bürger sicher versorgen fertig

jens tuengerthal 24.8.26

Liebeskommunikation

Liebeskommunikation

In der Liebe kommunizieren wir mit
Viel Gefühl was selten vernünftig wird
Sich dafür gerne völlig missversteht
In sicherer Erwartung des Gegenteils 
Sind wir überzeugt genau zu wissen 
Was die oder der Liebste will denn 
Schließlich kennen wir uns ja nicht nur
Sondern lieben uns noch dazu was 
Als Basis von Verständnis uns gilt
Dabei bleiben wir mit unserem Gefühl
Immer allein weil es unseres ist und
Nichts ist gewiss in der Liebe aber
Wir sind der Liebe wegen die wir ja
Als höchstes der Gefühle teilen vom
Gegenteil völlig überzeugt dabei was
Basis der meisten Missverständnisse 
Immer wieder ist klug wäre es darum
Miteinander offen zu reden statt für
Enttäuschte Erwartungen Vorwürfe 
Im Entliebungsalbum zu sammeln
Aber lieben wir noch genug wenn
Die Liebe uns nicht blöd macht
Wir noch vernünftig denken können
Überlege ich und fürchte darum
Es bleibt immer schwierig weil
Die Liebe ist wie sie ist

jens tuengerthal 24.8.26

Freiheitsliebe

Freiheitsliebe

Solange die Liebe zur Freiheit
Größer ist als der Schmerz
Mit dem Liebe uns zerreißt 
Wird sie am Ende siegen um
Das Leben weitergehen zu lassen
Wo nicht endet einfach alles
Liebe Freiheit Schmerz Leben
Ob es besser ist ohne bleibt so
Unklar wie alles dabei besser
Doch wer darüber nachdenkt
Lebt zumindest in Freiheit
Was mehr als Nichts immer ist
Noch lange kein Ende fand

jens tuengerthal 24.8.26

Sonntag, 23. August 2026

Liebeserledigung

Liebeserledigung

Manchmal erledigt sich Liebe 
Dann wird es einfach egal weil
Nichts mehr ist was noch weiter
Der Rede wert wäre wie gut
Wenn das gleichzeitig geschieht
Kann dazu geschwiegen wegen
Schmerzvoll wo nicht nur Worte
Gibt es dann auch keine mehr
Jenseits der Stille bleibt dann
Einfach nichts mehr was eine
Befreiung sein könnte wenn
Wer schon so frei ist aber dann
Ist es nicht weiter der Rede wert
Warum es besser ist dazu einfach
Zu schweigen weil längst egal
Von nichts kommt nichts mehr
Und dann ist es auch besser so
Denke ich und schweige nicht
Oder nun doch

jens tuengerthal 23.8.26

Lektürentagebuch 23.8.36

Lektürentagebuch 23.8.36

Egon Friedell blickt humorvoll in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit 
Auf Österreich unter Kaiser Karl VI
Den Vater von Maria Theresia

Austria blieb von den religiösen
Bewegungen der Zeit fast völlig
Unberührt Karl war friedfertig und
Gutmütig aber aus Friedells Sicht 

Von stumpfem kaltem schwerfälligen
Geist und Temperament in der Politik
Eher zögernd und unzuverlässig auf
Unbequeme Fragen murmelte er nur 

Völlig unverständlich hielt in Sitten wie 
Bei der Religion am Bewährten fest so
Wurde am Hof noch spanische Tracht
Also ganz in schwarz getragen

Auch das spanische Zeremoniell galt 
Weiter im devoten Stil er wurde auf
Knien danach begrüßt und er wurde 
Kniend bei Tisch noch bedient

Die Pragmatische Sanktion war die
Fixe Idee seines Lebens in die er alles
Investierte und ließ dafür den Rest
Völlig verkommen auch wenn ihn 

Prinz Eugen noch ermahnt hatte doch 
Lieber Hunderttausend Mann für ein
Heer aufzuwenden als mit aller Welt
Verhandlungen dazu zu führen

Karl VI war großer Theaterliebhaber
Ließ  prachtvollere Stücke aufführen 
Als Europa jemals wieder sah war
Selbst Musiker und Komponist dabei

So wirkte er bei Hauskonzerten wie
In der Oper häufig mit dabei war das
Italienische am Hofe wie in der Musik
Noch völlig dominant es wirkte am

Hof mit Johann Josef Fux noch der
Größte Musiktheoretiker wie der auch
Größte Operndichter mit seinem so
Strengen Gradus ad Parnassum

Dazu kam noch Pietro Metastasio
Der drei Generationen Komponisten
Die Texte lieferte alles bei ihm ist mit
Schillerndem Salonlack überzogen 

Friedell nennt es glatt rund sanft süß
Abgeschliffen und verschwommen
Er verwendet erstmals die Dreiteilung 
In zwei Rezitative und lyrische Arie

Der italienischen Mode entsprechend
Italienisierten noch viele Musiker ihre
Namen und der bel canto die aus
Italien importierte Bravourarie war es

Namen wie Amati Guarneri und auch
Stradivari bezeichnen eine nie wieder
Erreichte Meisterschaft im Geigenbau
Die bis heute noch ihren Ruf trägt

Der Florentiner Cristoforo erfand 1711
Das Piano e forte oder Hammerklavier
Das andere Instrumente verdrängte 
Die opera seria trat neben die neue

Opera buffa deren berühmteste die
Serva padrona von Pergolesi ist und
Rousseau schrieb mir le devin du
Village die erste komische Oper

Sie brachte ihm glänzenden Erfolg
Die steifen Arien wurden durch eher
Spielerische Chansons ersetzt bei der
Ernsten Oper brillierte Rameau dafür

jens tuengerthal 23.8.26