Donnerstag, 16. Juli 2026

Lektürentagebuch 16.7.26

Lektürentagebuch 16.7.26

Schon in den frühen Morgenstunden
Mit Harry Graf Kessler und seinen 
Erinnerungen eines Europäers auf
Dem Diwan begonnen in Paris 

Hier erzählt er von der sich bereits
Wandelnden nationalen Stimmung
Unter der seine Mutter noch mehr
Zu leiden hatte als sonst schon

Die stolzen Franzosen stellten sich
Den räuberischen Deutschen die
Ihnen ihr Elsass Lothringen nahmen 
Mit starkem Gefühl klar entgegen

Seine Mutter war wie der alte Adel
Noch postnational und wie gerne
Schrieb ich hier schon gäbe es
Hoffnung diese Missgeburt wieder

Loszuwerden welche die Nation 
Die sich in Frankreich so gerne noch
Für Grande hält aber noch scheint
Die Menschheit zu unterentwickelt 

Schon vorher von neidischen Weibern
Mit Lästerei und Misstrauen bedacht
Bekam dies im neuen Nationalismus 
Eine hässliche neue Variante noch

Dazu die ewigen schlichten Männer
Die ihr nachstellten und sie auf ihr
Schönes Äußeres reduzierten aber
Ihr selten auch Verstand zutrauten

Unter diesen auch der spätere
Reichskanzler Bernhard Bülow
Der sich als Attaché in Paris bald
Anbiederte und sie anmachte

Die Abwesenheit ihres Mannes gleich
Nutzte noch zudringlicher zu werden
Als sie sich daraufhin Rat von einem
Frommen englischen Onkel holte 

Riet der ihr nur sie solle doch bitte
Ihr langes blondes Haar abschneiden 
Wie in Sack und Asche gehen so
Hätte sie den Versuch provoziert

Er erbittet Bülows Adresse die sie
Ihm leichtsinnigerweise noch gab 
Schickt ihm darauf fromme Traktate 
Wie zu allen Zeiten war Frau in Not

Allein auf sich gestellt und Bülow
Rächte sich bitterlich durch die
Behauptung sie hätte eine Liaison
Mit einem französischen General

Der auch spät gegrafte und gefürstete
Bülow der bei Harrys Mutter Alice
Nicht landen konnte behauptete ihr
Mann setze sie gewinnbringend ein 

Es lohnt dazu noch mehr über den
Vater und die politischen Intrigen der
Zeit zu lesen auch das Gerücht 
Harry sei von Wilhelm stammt wohl

Vom beleidigten Bülow der angeblich
Mit Weisung aus Berlin auf Alice dort
Angesetzt worden war und berichtete 
Das Misstrauen der Mutter hatte also

Gute Gründe und Alice litt wie alle
Schönen und noch dazu begabten 
Jungen Frauen am Neid anderer
Was mir als Mann unvorstellbar

Doch froh bin ich nicht mehr zu
Wissen oder mich dafür auch nur 
Zu interessieren was bestimmte 
Kreise noch über mich reden 

Sobald es einen Hof gibt und also
Persönlichkeiten ein Amt erben ist
Dieser widerliche Tratsch normal
Der manche Leben zerstörte

Auch darum ist dieser Tratsch über
Affären und Titel so wichtig was 
Auch immer Anlass der späteren
Nobilitierungen war weckten sie Neid

Sich aus allem raushalten ist meist
Die klügste Taktik bei Intrigen die 
Nie ein höheres Ziel als Macht zu
Sichern auf unsaubere Art dabei

Verständlich verteidigt hier Harry
Seine Familie gegen die Intrigen
Wie Gerüchte die Bülow verbreitete
Wie dieser wirklich war bleibt unklar

Es gibt zumindest gute Gründe nie 
Einer Partei anzugehören was eine
Gute Tradition meiner Familie auch ist 
Wie ekelhaft es wird ist sehr deutlich


Im Kapitel Goldene Knöpfe erläutert
Stephen Greenblatt in seinem Buch
Dunkle Renaissance die englische 
Klassengesellschaft am Beispiel

Der wenigen Aufsteiger und wie
Gering ihre Chancen waren etwas
Zu werden außer Pfarrer oder noch
Seltener mal Universitätsprofessor

Dies wird an Beispielen erläutert
Die den Blick für die Verhältnisse
Wie ihre Enge zu der Zeit öffnen
Fragt nach den Aussichten die

Ein Schustersohn wie Christopher
Marlowe im noch elisabethianischen 
England hatte die Grenzen etwa der
Eigenen Herkunft zu überwinden

Hierbei bringt Greenblatt Beispiele
Wie Marlowe diese Unterschiede in 
Seinen Stücken das Massaker vom
Paris und Doktor Faustus thematisiert

Deutlich wird mir dabei auch dass 
Unser Urdeutsches Drama der Faust
Eine Story von Marlowe zuerst ist
Die Goethe nur gut deutsch gemacht

Ist das faustische Element einsamer 
Grübler einfach international wie die 
Standesprobleme sich überall ähneln
Wo Menschen Macht ausüben noch

Deutlich zeigt Greenblatt dass ein
System von Stipendien das nur zum
Pfarramt niederen Ranges oder mit
Glück zur Professur führte frustrierte


Dem Thema Mobilität widmet sich
Romedio Schmitz-Esser in Um 1500
Der Europa zur Zeit von Albrecht 
Dürer zu beschreiben versucht

Die Zeichnung von Dürer zeigt Schiffe
Im Hafen von Antwerpen der einer
Der wichtigsten der Epoche Dürer 
War 1520 mit seiner Frau zusammen 

In die Niederlande gereist schon seine
Gesellenreise hatte ihn an den 
Oberrhein geführt er war in Italien wie
Normal war solche Mobilität damals

Wird vom Autor hier gefragt und er 
Führt dazu zwei Theorien an die sich
Eher widersprechen aber beide zu
Extrem wird vermutet auch sein

Die Antwort ist tiefgehend und sagt
Es gab zwar im Mittelalter weniger
Mobilität aber immer auch und teils
In großen Netzwerken organisiert

Immer wieder bezieht er sich dabei
Auch auf die Reisen von Dürer ob
Nach Italien an den Oberheim oder
Wie 1520 in die Niederlande

Es gab die abhängigen an die Scholle 
Gebundenen Bauern die nicht reisten 
Der Adel reiste immer für Ehen Kriege
Zum Vergnügen für die Diplomatie

Reisen waren riskant aber konnten 
Auch hohen Gewinn bringen und
Lohnten wohl meistens warum sie
Per Schiff Pferd oder zu Fuß gingen

Schiff war die schnellste Form dabei
Pferde waren schneller als zu Fuß
20 Kilometer am Tag waren viel der
Zustand der Wege unterschiedlich

Das zersplitterte Reich hatte ständig
Zollstellen die zusätzlich aufhielten 
Darum brauche es Passierscheine 
Als Vorläufer heutiger Ausweise dabei

Schon die Familie Dürer die aus
Ungarn nach Nürnberg kam hatte
Mobilität bewiesen daneben gab es
Die Pilgerfahrten gern in Gruppen 

Die Formen der Mobilität hier an der
Schwelle vom Mittelalter zur
Renaissance waren unterschiedlich
Aber es gab sie notwendig immer

jens tuengerthal 16.7.26

Bibliotheksvollkommen

Bibliotheksvollkommen

Eine gute Bibliothek enthält alles
Was es zum guten Leben braucht
Zumindest kann sie das ohne zu
Großen Aufwand leicht ermöglichen

Natürlich haben unsere großen so
Wunderschönen klassischen alten
Bibliotheken noch mehr zu bieten
Aber inhaltlich bin ich relativ nah

Habe ich genug zu essen und
Kommt die Liebste regelmäßig
Noch vorbei ist alles perfekt dort
Muss nie wieder weg von hier 

Eine Bibliothek enthält die Welt
Ist selbst eine solche in vielen 
Sie kann trösten aufregen wie
Wohlig entspannen die Liebe

Zu Büchern wecken und erhalten 
Lebe in einer gewachsenen wie
Über Jahre ersammelten Bibliothek
Damit sind alle meine Träume erfüllt

Sich dies als Bewohner einer
Bibliothek bewusst zu machen
Entspannt das Leben vollkommen 
Lebe so in meiner Traumwelt

Andere sind ewig unruhig und
Wollen unbedingt noch wohin
Bleibe lieber zufrieden in meiner
Bibliothek vollkommen erfüllt

jens tuengerthal 16.7.26

Postnationalball

Postnationalball

Das Verhalten der Argentinier nach
Dem Sieg über England im Fußball
Zeigt warum es keine Nationalelf 
Mehr geben sollte in Zukunft

Das Ausrollen eines politischen Plakat
Zum Besitz der Falkland Inseln zeigt
Imperialistisch nationales Verhalten 
Was das Gegenteil von sportlich ist

Dabei völlig dahingestellt ob der noch
Britische Besitz der Inseln nicht auch
Ausdruck vorgestrigen Imperialismus 
Schon lange ist was möglich scheint 

Es geht hier darum dass Argentinier
Engländer national erniedrigen wollen
Nach dem sportlich verdienten Sieg
Spieler die so etwas tun gehören 

Für den Rest der Weltmeisterschaft
In Konsequenz gesperrt was wohl
Große Teile der Mannschaft betrifft
Und Schluss mit nationalem Fußball

International bunt besetzte Vereine
Können Turniere veranstalten aber
Nur im Verein auf Dauer zeigt sich
Die Qualität eines Teams wirklich

Weg mit nationalen Wettbewerben 
Braucht keiner in einer postnationalen 
Welt die mehr Kooperation nötig hat
Statt lächerlich nationale Konkurrenz

Keine WM und keine EM mehr das
Thema hat sich erledigt mit dem
Totalen Ausverkauf in den USA 
Bunte Spiele der Vereine lieber

Die Pinguine in Falkland sollen
Auch künftig in Ruhe leben wenn
Nationen endlich Geschichte sind
Die korrupte FIFA wird aufgelöst

jens tuengerthal 16.7.26

Nachtschicht

Nachtschicht 

Manche legen mal eben eine
Nachtschicht ein wenn nötig
Kenne das aus dem Studium
Von der Arbeit im Krankenhaus
Wie von meinem Vater dem Arzt 
Der vorzugsweise wissenschaftlich
Die Nächte durcharbeitete um dann
Sehr wenig nur zu schlafen was
Ihn auch viel Kraft kostete 
Sein Leben vielleicht verkürzte
Andererseits verlor er Kraft als
Er dies nicht mehr musste was
Am Ende alle Fragen offen lässt
Irgendwann haben wir fertig 
Wie Trapattoni einst sagte
Dann ist es auch gut so und
Zumindest ewige Ruhe dafür
Was vielleicht kostbarer ist 
Als alle Mühen der Daseins
Bin gerne nachts ungestört
Bei der gedanklichen Arbeit
So führt die Ruhe den Dichter
Dichter zu sich um damit neue
Verse im Zwischenraum der
Stille wortreich zu finden

jens tuengerthal 16.7.26

Nachtarbeit

Nachtarbeit

Manche arbeiten nachts
Wie auch dieser Dichter 
Der die Ruhe liebt um so
Ungestört Verse zu schmieden
Sie schlafen dann am Tag
Nach getaner Nachtarbeit
Ob sie darum mehr oder
Weniger vom Tag haben
Könnte fraglich sein aber
Sicher habe ich viel mehr
Von der Nacht als wenn ich
Diese einfach nur verschlafe
Denke ich und schenke mir
Den Vormittag dafür gerne
Als gute Schlafenszeit falls
Gelegentlich auch mal nötig
Die relative Zeitverschiebung
Könnte fragen lassen ob ich
In Australien genauso arbeitete
Wohin ich vermutlich nie reise 
Was ich ohnehin lieber vermeide
Aber ich denke es wäre das gleiche
Um die Nachtruhe zu nutzen in
Ruhe Dichter und Denker zu spielen
Also zu anderen Zeiten zu leben 
Gegen den Rhythmus der Mehrheit
Was schon befreiend klingt für
Einen der gerne anders ist 
Um so bei sich zu sein bis
Die Sonne von Osten einfällt
Dunkle Ruhe wieder verdrängt
Mit durchsichtig lichtem Tag
So wurde mir auch das sonst
Frühstück zum Spätstück
Manchmal ist es besser
Es andersrum zu tun

jens tuengerthal 16.7.26

Lust(un)gewiss

Lust(un)gewiss 

Gibt es sichere Wege zur Lust
Bei der beide Befriedigung finden
Am besten noch zusammen kommen
Frage ich mich der das früher normal
Heute außergewöhnlich findet aber
Nicht weniger genießt wenn es so
Kommt der einen oder dem anderen
Was sicher auch am Alter liegt in dem
Alle Kräfte langsam schwinden wozu
Wir mit manch Mitteln dazu beitragen 
Aber davon abgesehen geschieht
Die Lust meist im Kopf und ist der
Rest vom Sex stärker durch diesen
Als durch den Körper bestimmt
Warum das ungewisse des ob
Den Sex so reizvoll macht vorm 
Ersten mal um sich dessen sicher 
Gerne wieder zu verschwinden
Was manche Liebe am Lustverlust
Scheitern lässt was schade ist warum
Ungewissheit der Lust gut tun kann
Aber was ist schon sicher dabei
Denke ich und setze lieber weiter 
Auf bewährtes mit Gefühl weil es
Am häufigsten glücklich machte

jens tuengerthal 16.7.26

Liebes(un)gewiss

Liebes(un)gewiss 

Sicher liebe ich meine Liebste
Bin mir meiner Liebe gewiss
Wie ich es früher bei denen war
Die nun nicht mehr aktuell sind

Doch wie sicher ist die Gewissheit 
Ist sie nur eine Illusion aufgrund
Hormoneller Blendung die alle 
Vernünftigen Zweifel ausräumt

Vertraue auf meine Liebe ganz
Was wäre es auch sonst für ein
Nur halbes Gefühl denk ich ohne
Es kritisch zu hinterfragen dabei

Gewissheit beinhaltet ein Wissen
Dass es genau so ist und sein soll
Doch kann ich davon beim Gefühl
Je reden oder ist das Selbstbetrug

Vielleicht aber ist die Ungewissheit
Ein wichtiger Teil der Liebe die uns
Hilft auch ohne alle Vernunft noch
Weiter an ihren Bestand zu glauben

Dann wäre Liebe so wie der sonst 
Aberglaube eine Glaubensgewissheit
Wofür mehr spricht als alle Vernunft
Die Liebe zu beweisen versucht

Sie bleibt immer ungewiss aber wir
Können an sie glauben als wäre sie
Je sicher was glücklich genug macht
Auch Schatten der Liebe zu ertragen

Ohne jeden Zweifel zu lieben ist ein
Wunderbares Glück aber zu leben
Ohne jeden Zweifel wäre gefährlich
Dazwischen überlebt die Liebe
Manchmal zumindest

jens tuengerthal 16.7.26

Mittwoch, 15. Juli 2026

Halbfinale 2

Halbfinale 2

England gegen Argentinien heute
Im Liebling wo drinnen noch ganz
Erstaunlich viel Platz war während
Es sich draußen schon eng drängte

Ob das Spiel heute spannender wird
Als die Mühsal der Franzosen gestern 
Welche die Spanier mit Leichtigkeit
Verdient 2:0 besiegten ist fraglich

Kane und Messi tauschen Wimpel
Tuchel kaut Kaugummi in den USA 
Anpassung an lokale Bräuche und
Argentinien stößt an schon haben

Die Engländer den Ball Argentinier 
Foulen viel aber England bleibt eher
Vorsichtig doch erste Ecke für die
Three Lions weiterhin viele Fouls

Messi im Abseits es geht hart weiter
Mick Jagger ist im Stadion zu sehen
Wirkt angestrengt dann mal wieder 
Ein Torschuss der Engländer harmlos 

Messi wieder im Abseits weiter geht
Es rustikal hin und her Freistoß für
Argentinien führt zur Ecke Trinkpause
Weiter geht es und England stürmt

Aber kommt selten weit nun Freistoß
Für England Kopfball verpasst schade
Ständige Fouls der Argentinier und
Wieder Foul an Bellingham nun 

Gelb für Anderson nach Foul an 
Messi der Freistoß führt zum
Abstoß es bleibt spannend nun
Bekommt ein Argentinier Gelb für

Trikotzupfen in voller Fahrt Kane hat
Bisher 7 Ballkontakte Messi 31 und
Es gibt drei Minuten dazu und nun 
Halbzeit es sei ein Drecksspiel

Wird in der Pause analysiert brutal
Aber schön spannend zwei Chancen
Für die Argentinier nach englischer
Schlamperei aber ohne Folgen

Wieder eine gelbe für Argentinien
Romero war dran England stürmt 
Nun machen die Argentinier Druck
Tor für England durch Gordon 54.

1:0 für England nach einem ganz
Wunderbaren Konter mit Flanke 
Direkt vors Tor dann ein gefährlicher
Konter gerade noch abgewehrt

Sir David Beckham wird beim Jubel
Mit Victoria Beckham gezeigt nun
Bemüht sich Argentinien und England 
Mauert Argentinien wechselt offensiv

Wieder Ecke für Argentinien ohne
Folgen und nun Ecke andere Seite
Gerade noch gerettet wieder kurze
Trinkpause mit üblicher Werbung

Gordon geht für Konsor raus und
Argentinien wechselt dreifach 
Schon geht es stürmisch weiter
Wieder eine englische Glanzparade

Schon wieder mit Riesenglück aber
War Abseits wieder stürmisch dann
Foul für England jetzt wechselt 
Tuchel zwei Abwehrspieler ein

Eine echte Abwehrschlacht und
England wehrt noch erfolgreich ab
Wieder Ecke und dann Tor für 
Argentinien durch Fernandez 85.

In der ersten Minute der Nachspielzeit
Köpft Martinez das 2:1 so schnell 
Kann sich das Glück wandeln und
Argentinien gewinnt verdient mit 2:1

Zwar hatte ich wie die meisten dort
Für England gehofft aber das starke
Powerplay der Argentinier hat sie zum
Verdienten Sieg geführt so ist Fußball

jens tuengerthal 15.7.26

Lektürentagebuch 15.7.26

Lektürentagebuch 15.7.26

Schon am frühen Morgen gegen fünf
Las ich noch von Harry Graf Kessler 
In den Erinnerungen eines Europäers
Über Taufen und Attentate 

Zunächst wird ausführlich von der 
Taufe seiner Schwester erzählt für 
Die der Kaiser unbedingt Pate auch
Sein wollte was im Kaiserreich eine

Große Ehre natürlich war darum
Wurde alles in Baden Baden wo sie
Den Sommer in einer Villa verbracht
Auf den Besuch vorbereitet der

Kaiserlichen Hoheit wie sogleich
Ein Termin für die Taufe vereinbart
Zu dem alles mit Kornblumen schön 
Geschmückt war weil der Kaiser sie

So sehr liebte wozu Harry wieder
Seine Mutter zitiert die Wilhelm
Den Sohn von Königin Luise als einen 
Ganz großen Romantiker beschrieb

In beidem jedenfalls meinem Vater
Sehr ähnlich der ansonsten eher
Weniger kaiserlich meist auftrat
Was vermutlich auch besser so war

Für majestätische Inszenierungen im
Preußischen Stil war eher noch mein
Grotepater genannter Großvater der
Preußische Kadett kam da wohl durch

Ob Wilhelm es lieber schlicht gehabt
Hätte statt wie von Lehndorff geplant
Dem kaiserlichen Adjutanten bleibt
Im Laufe der Zeremonie unklar

Am Termin war seine Majestät leider
Unpässlich darum wurde der nächste
Tag dann genommen ob dann gleich
Alle Kornblumen ersetzt wurden

Lässt Harry die Leser im unklaren
Zumindest die auf das Taufkleid der
Schwester dazu gestickten hatten 
Wohl problemlos Bestand über Nacht

Der Vater durfte das Kind dem Kaiser
Bringen der es bei der Taufe dann in
Seinen kaiserlichen Armen halten soll
Dieser jedoch tätschelt der Schwester

Die mit großen Augen dabei ziemlich 
Desinteressiert schaute nur den Kopf
Vom Baby halten möchte er lieber
Verschont bleiben er hätte da keine

Erfahrung was wirklich erstaunt aber
Zumindest zeigt der Kaiser Schwäche 
Gibt sich menschlich wie männlich
Beschränkt zeitgemäß zugleich

Ein Lied zur Kornblume aber möchte
Der Kaiser zu gerne von der Mutter
Hören die ihn oben empfing was nach
Kessler den Romantiker wieder zeigt

Warum dies alles so inszeniert wurde 
Wie teils planwidrig ablief wenn der
Kaiser wirklich der Vater war was
Sehr biologisch unwahrscheinlich 

Bleibt unklar aber zeigt zumindest
Harry will uns sagen an dem Gerücht
Über das sich der Hof das Maul in 
Berlin noch zerriss war nichts wahr

Wäre der Kaiser der Vater gewesen
Die Blamage sein Kind noch vom
Ehemann der Geliebten gereicht zu
Bekommen hätte das Hofzeremoniell

Zu verhindern gewusst und hätte ein
Lehndorff nie zugelassen an dessen
Loyalität mit dem Kaiser dem er über
Zwanzig Jahre als Adjutant diente 

Wie Kessler mehrfach betont kein 
Zweifel bestand weil es die Beteiligten
Unnötig erniedrigt hätte außer es soll
So alle Gerüchte klar widerlegen

Eine schöne Inszenierung um die
Kleinigkeiten der Repräsentation in 
Einer Monarchie die Teil der Macht 
Waren heute eher Nebensache sind

Bei Festen des Bundespräsidenten 
Als sie noch in Schloss Bellevue 
Stattfanden erlebte ich es ein wenig
Aber heute zählen andere Dinge

Unklar was wirklich war bleibt hier
Dennoch so manches aber es ist 
Element der Verschwörungstheorien
Das reale Nichts zu inszenieren

Wirklicher dagegen waren die beiden
Attentate auf Kaiser Wilhelm I von
Denen Lehndorff ihnen nach Paris
Voller Sorge und Gefühl schrieb

Zu Tränen gerührt und erschüttert
Zeigt sich der immer hohe Offizier
Des Garde du Corps dabei weich 
Wie sehr menschlich berührt auch

Diese Briefe von Lehndorff an seinen
Vater die relativ wenig aussagen fügt 
Kessler in den Text ein weil sie ein
Diplomatisches Bonbon waren

Was kam durch die Zensur des noch
1870/71 besiegten Erbfeindes wo
War mit Mitlesern immer zu rechnen
Wie verändert dies Wissen Briefe 

Dies deutet Kessler an aber unterlässt 
Es leider darüber aufzuklären was 
Zwischen den Zeilen noch stand
Wovon er als Kind nichts wusste

Stattdessen kommt nach den Briefen
Aus Berlin noch eine Lobrede auf den
Treuen Lehndorff der auch noch ein
Jugendfreund von Bismarck war

Doch am Ende dieser verrät uns der
Autor Kessler wie wichtig Lehndorff
Als Brücke zwischen Kaiser und dem
Immer auch cholerischen Kanzler war

Ein Offizier der nie Lackstiefel trug 
Weil diese nur von einem Mangel
An Disziplin zeugten steht für das
Gute Preußen hier quasi sinnbildlich

Doch zugleich wird dieser Preuße
Als sehr gefühlvoll auch gezeigt
Eine lyrisch weiche Seite die so
Wenig zum sonst Bild passt das

Preußen sich als Soldatenstaat
Zu gerne vor der Welt gab was 
Der kunstsinnige Kessler hier ganz
Liebevoll historisch korrigiert

Als Kessler diese Erinnerungen
Anfang der dreißiger Jahre schrieb
Gab es das Kaiserreich nicht mehr
Aber noch war Preußen nicht vorbei

Im preußischen Arkadien mit den
Gärten rund um Potsdam ist diese
Schöner Seite Preußens weiter noch
Gewachsen und blühend schön 

Es gibt ein zartes weiches Preußen
Schöner Kultur jenseits des bloßen
Gleichschritt schnell schießender die
Nur getrennt marschieren um dann

Vereint zu schlagen wie Moltke es
Als Feldmarschall siegreich tat was
In Gärten und Parks sich eher zeigt
Die noch jeder Erinnerung wert sind

Die ehemaligen Kasernen der Elite
Des Garde du Corps in den Bauten
Von Stüler gegenüber von Schloss
Charlottenburg sind heute Museen

Wo die angesehensten preußischen
Offiziere und Truppen hausten haben
Museum Berggruen und gegenüber
Scharf-Gerstenberg ihren Platz heute

Kunst und Kultur ersetzt das Militär
Was so von Preußen blieb ist ohne
Sorge liebenswert wie ein Genuss
Was auch erinnert sein sollte

jens tuengerthal 15.7.26