Dienstag, 28. April 2026

Ansichtssache

Ansichtssache

Vieles ist wohl Ansichtssache
Meinen alle mit fester Meinung
Was die Frage stellen könnte
Ob Meinung dann entscheidet
Was etwas ist oder manches
Auch ein Ding an sich ist das
Jenseits aller Meinung besteht 
Etwa eine Moral oder das Gute
Auf die sich gerne die berufen 
Die mehr glauben als wissen
Worauf es wirklich ankommt
Ist aber am Ende wohl doch
Ansichtssache und damit egal 
Aber lieber noch enthalte ich mich
Als nur eine Ansicht zu haben
Nehme dafür ganz viele
Um meine Ruhe zu haben
Statt etwas dazu zu meinen 
Was letztlich egal doch ist
Wie das Leben eben

jens tuengerthal 28.4.26

Blickwinkel

Blickwinkel

Der Blickwinkel entscheidet
Wie uns etwas erscheint
Manches heißt nichts 
Ohne die andere Seite
Öffnet Welten miteinander
Was zeigt der Zustand
An und für sich könnte
Eine Illusion bloß sein
Auf die sich besser
Keiner mehr verlässt
Um lieber von allen
Seiten genau zu betrachten
Was am Ende wirklich war

jens tuengerthal 28.4.26

Lektürentagebuch 27.4.26

Lektürentagebuch 27.4.26

Schon heute Nacht mit dem Kapitel
Der Eisfahrt im großen Traum von
Bildung Christian Graf von Krockows
Zu lesen begonnen wo es endlich

Auf die Suche nach dem sagenhaften
Südkontinent ging geschildert in den
Teils fiktiven Tagebüchern von Georg
Forster und James Cook dazu kursiv

Da ich dieses Kapitel gerade erst bei
Georg Forster selbst las war es mir
Noch sehr präsent und ich konnte
Die literarischen Gedanken sehen

Das ist nicht schlecht gemacht auch
Wenn etwas bemüht teilweise und
Eher gegenwärtiges Denken über
Konflikte dabei offenbarend

Die Problematik sich in die Gefühle
Historischer Figuren einzufinden ohne 
Sie zugleich für unser Denken zu 
Vereinnahmen bleibt die Aufgabe

Ob es der kurzzeitige Verlust des
Vaters im Ruderboot im Nebel ist
Wie die Reaktion von Cook darauf
Die mir sehr pädagogisch vorkommt

Dennoch macht diese Gestaltung
Weiter neugierig auf das Verhältnis
Von Cook und Forster auch wenn
Vieles davon fiktiv sein mag 

Der unbemerkte Geburtstag an Bord
Die anonymen Glückwünsche dazu
Die undichte Kabine des Vaters ist
Eine gute Story die noch erzählt wird

Die dabei auch thematisierte ganz
Entsetzliche Langeweile in südlicher
Polarregion ist sehr gut beschrieben
Bestätigt den Flaneur ganz darin

Lieber an Land zu bleiben statt über
Bord zu kotzen was nie wirklich lohnt
So erleben sie auch erste Unwetter
Was viele Verwüstungen verursacht

Eine schöne Idee von Krockow die
Besser noch wäre wenn er sich mit
Schlichter Pädagogik mehr zurück
Hielte was ihm wohl nicht so liegt 

Weiter ging es mit Ghost Stories von
Siri Hustvedt mit einem Brief den
Paul Auster an seinen Enkel schrieb
Worin er von Sophies Kindheit erzählt

Das ist wundervoll wie liebevoll und
Zeigt was für süße und aufmerksame
Eltern Paul und Siri wohl schon waren 
Wie süß sie sich als Großeltern auch

Kümmern und Gedanken machen um
Den Enkel Miles wann auch immer er
Diese Briefe des dann toten Paul an 
Seinen Enkel vielleicht lesen wird 

Der Leser erfährt neues auch über
Die großartige Sängerin Sophie 
Auster wie den Stolz ihrer Eltern und
Ihre frühe Leidenschaft fürs Malen

Das ist voller Liebe und Zärtlichkeit
Aufmerksam und schön beschrieben
Eine herzerfüllend schöne Lektüre
Die so sehr rührt wie lächeln lässt

Diese Briefe zu veröffentlichen des 
Schon präfinalen Paul Auster ist eine
Wunderschöne Verneigung vor der
Liebe und Größe dieses Autors

Was davon wirklich ist und was
Der Phantasie der großartigen Autorin
Siri Hustvedt entspringt ist dabei viel
Weniger wichtig als die Liebe darin

Es sind Eltern die ihr Kind lieben
Wie eine Autorin die ihren am Krebs
Verstorbenen Mann liebt und beides
Ist in diesem Buch so spürbar

Auch weil dieses Buch von einer so
Schönen zarten Liebesgeschichte 
Erzählt ist es so wundervoll gemacht
Trotz des immer präsenten Tod 

Als letztes noch drei wunderbare
Geschichten von Peter Altenberg 
Dem großen Wiener gelesen aus 
Dem Band Diogenes in Wien

Neun und elf erzählt von zwei ganz
Zauberhaften genauso alten Mädchen 
Wie ihren Ausflügen mit einem Herren 
Sogar im Ruderboot mit zarter Erotik

Es passiert dabei nichts was irgend
Eindeutig sexuell gar pädophil wäre
Aber es schwingt die Erotik darin
Zwischen den Zeilen zärtlich mit

Wenn die ältere etwas ermüdet den
Kopf in seinen Schoß legt oder die
Jüngere hingebungsvoll singt wie
Dem Untergrund der großen Gefühls 

Das ist noch zarter und feiner als es
Nabokov in Lolita beschreibt ohne nur
Etwas sexuelles auszusprechen weil
Es ja noch Kinder sind vibriert es doch


In Siebzehn bis dreißig der nächsten
Feinen Geschichte geht es um die
Unausgesprochenen Wege der Liebe
Wie die ernüchternde Wirklichkeit

Dabei werden Begegnungen mit dem
Gleichen über Jahre wiederholt und
Der erwartbare Verlauf dazu erzählt
Von Liebe Lust und ihrem Vergehen 

Wie Altenberg dies in dem kurzen 
Text voller Weisheit inszeniert ist
Von mitreißender Schönheit die dabei
Ganz zauberhaft schlicht bleibt


Als dritte impressionistische Skizze
In feiner kurzer Prosa las ich das 
Stück Café-chantant über ein Paar 
Das wunderbar aneinander vorbei

Sehr intensiv aber miteinander dabei
Redet in teilweise nur Andeutungen 
Was einen wunderbaren Moment hier 
Inszeniert der lohnend zu lesen ist

Peter Altenberg der eigentlich
Richard Engländer hieß ist einer
Der feinen Wiener Kaffeehaus
Literaten der eng befreundet

Mit Egon Friedell auch war der
Einige seiner Prosaskizzen nach
Seinem Tod 1919 herausgab blieb
Als Autor Zeitlebens auf Spenden

Angewiesen die besonders Friedell 
Verdienstvoll für ihn noch sammelte
Sitzt heute als Figur im Café Central
In dem er lange auch Stammgast war

War er real wie der Flaneur hier ein 
Gescheiterter Jurist und ebenfalls
Gescheiterter Buchhändler der ein 
Armer Autor bis zum Ende blieb 

jens tuengerthal 27.4.26

Montag, 27. April 2026

Lustgenussglück

Lustgenussglück

Lust ist das wichtigste im Leben
Um genießen zu können was ist
Kommt es darauf an es lustvoll
Wahrzunehmen was damit der
Einzig taugliche Maßstab ist für 
Ein erfülltes wertvolles Leben das
Sich und anderen Lust schenkte
Mehr ist dann nicht mehr möglich
Warum gönnen zu können für ein
Gutes Leben wichtiger ist als Recht 
Zu haben oder durchzusetzen mit
Der normativen Kraft des Faktischen
Ist lebe lustvoll mit Liebe der einzig
Wertvolle Rat für ein gutes Leben
Vom Ende her gesehen was bleibt
Statt vieler Worte fangt einfach an

jens tuengerthal 27.4.27

Zuvielosophie

Zuvielosophie

Leben hat und braucht keinen Sinn
Es ist was genügt um zu genießen
Was bleibt oder zu sagen es ist mir
Zuviel und ich verabschiede mich
Wenn es Zeit ist zu gehen was der
Klarste Ausdruck von menschlicher 
Freiheit immer sein sollte statt es
Für eine Krankheit zu halten weil 
Zuviel einfach zuviel ist aber über
Das was zuviel wirklich ist und wann
Sein nicht mehr lohnt nachdenken
Macht dem Genuss dessen was bleibt
Größer freier und wertvoller noch
Es kommt dabei nicht darauf an
Was hinten rauskommt wie Kohl
Der Pfälzer Spendenkönig meinte
Was meist nur Scheisse noch ist
Sondern wie ich mich dabei fühle
Wenn mir bewusst wird dass von
Allem weniger viel mehr wäre als
Noch eine Steigerung die kein mehr
An Glück mehr bedeutet sondern
Längst schon zuviel war was für
Die Menschheit auf der Erde schon 
Lange offensichtlich scheint warum
Weniger in allem auch mehr bleibt
Wenn am Ende nichts übrig bleibt
Doch die Freiheit dazu zu haben
Wie die Fähigkeit es zu erkennen
Zeigt mehr menschliche Größe als
Jeder Aberglaube schenken kann
Weil wir schon lange zuviel sind
Alles zuviel für die Erde auch ist
Weniger viel mehr für alle wäre
Könnte es klug sein über ein neues 
Bild vom Leben nachzudenken statt
Einfach noch weiter so zu machen
Wird zum Helden wer bewusst geht
Statt immer weiter zu spielen was
Eine auch ökologisch nachhaltige
Philosophie wäre auch wenn leider
Vermutlich nur die falschen blieben 
Die nicht merken wie entbehrlich
Ihr Dasein für die Erde ist aber
Egal wer zuerst geht es kommt
Nur Nichts und sonst nichts mehr
Und das ist in allem gut so weil
Zuviel einfach zuviel ist

jens tuengerthal 27.4.26

Lektürentagebuch 26.4.26

Lektürentagebuch 26.4.26

Am Sonntag mal wieder genüsslich
Thomas Mann gelesen begonnen mit
Den Buddenbrooks im ersten Kapitel
Des nun sechsten Teiles des Werks

Thomas Buddenbrook muss sein
Erstes Frühstück meist alleine haben
Weil früh morgens seine Gattin Gerda
Meist noch mit Migräne liegen muss

So kann er schon Zeitung lesen bevor
Er in die Mengestraße spaziert um im
Kontor der Firma dort zu arbeiten und
Sein zweites Frühstück zu nehmen

Inzwischen eher allein mit seiner
Mutter weil Christian oft schon
Im Club frühstückt oder sich noch
Von der Nacht vorher erholen muss

Dafür kann er mit Gerda große 
Einladungen zum Essen zelebrieren
Zu denen die Oberen der Stadt alle
Eingeladen werden was er genießt 

In der Nacht nach einem solchen Fest
Lobt er Gerda im Gespräch noch sehr
Wie gut sie dies alles bewältigte und
Wie stolz er auf seine Frau ist

Bei einem zweiten Frühstück dann
Liest die alte Konsulin ihm einen Brief
Von Tony aus München vor in dem
Diese die Zustände dort beschreibt

Schon die Art wie sie schreibt kann 
Thomas köstlich amüsieren der seine
Schwester die er einfach lieben muss
In allen gut wiedererkennen kann

Dann berichtet sie noch wie sie einen 
Herrn Permaneder kennenlernte der
Da Protestant aus Nürnberg ihr doch
Sympathisch war und sogar die Firma

Buddenbrook aus dem Hopfenhandel
Kannte und lobte und überhaupt hätte 
Ihr München sehr gut gefallen bis auf
Den katholischen Erzbischof der ihr

Aus der Kutsche heiße Augen zuwarf
Was doch nun wirklich nicht ginge
Worüber Tom in Lachen ausbricht
Meint sie hätte ihn schon provoziert 

So beschreibt Thomas Mann wieder
Über das Mittel eines Briefes in dem 
Zwischen den Zeilen zu lesen ist die
Charaktere aller mit feinem Blick

Nach diesem Meisterwerk von einem
Familienroman noch auf einige Seiten
In den Zauberberg nach Davos in eine
Auch feine Charakterstudie getaucht

Wie Hans Castorp dieser doch ganz
Gewöhnliche Emporkömmling aus nur 
Guter Familie seine verschiedenen
Kontakte miteinander verbindet

Die Gegenüberstellung vom großen
Mynheer Peeperkorn und dessen 
Begleiterin Clawdia Chauchat zu
Settembrini und Naphta ist genial

Die anderen spielen dabei nur einen
Dekorative Nebenrolle während der
Italiener Settembrini Clawdia weiter
Mit höflicher Missachtung straft

Findet sich die Russin mit dem
Geistigen Terroristen Naphta in
Teilen des Extremismus zusammen
Aber haben sich eigentlich auch

Eher nichts wirklich zu sagen doch 
Noch amüsanter beschreibt Mann
Wie der beide weit überragende 
Holländer zwischen ihnen läuft

Dabei wird noch dazu die große
Persönlichkeit durch einen Hut der
Die wilde Silbermähne und die tiefen
Furchen der Stirn verbirgt seiner

Wirkung teilweise beraubt und liefe
Noch dazu leicht gebeugt was ihm
Einen Teil seiner Größe nähme die
Dadurch am Inhalt gemessen wird

Wie üblich gibt der nach dem Vorbild
Von Gerhart Hauptmann geformte 
Schwätzer nur Luftblasen von sich
Zu denen es nichts zu sagen gibt

Die beiden kleinen Männer sind sich
Über die geistige Winzigkeit dieses 
Nur aufgeblasenen Mannes einig
Und Settembrini warnt Hans noch

Der darauf ein feines Bonmot zum
Besten gibt so halte Settembrini wohl 
Peeperkorn für dumm aber die große
Gescheitheit sei nur eine Variante

Der Dummheit die so vieles doch sei
Was Settembrini lobend bemerkt aber
Dennoch vor dem Hohlkopf warnt von
Dem einfach nichts zu lernen sei 

Diese feinen Beobachtungen und
Klugen Gespräche machen die echte
Größe des Zauberberg aus der die
Personen different gegenüberstellt

Aus den immer humorvollen Dialogen
Viel kluges zu lernen gibt und dabei 
Zum Nachdenken über das Wesen
Der Menschen nachdenken lässt

Hans Castorp verbindet sie alle und
Lernt von jedem auf seine Art hat ein
Humorvolles kritisches Bewusstsein
Entwickelt was ihn groß werden lässt

Das ist großes Theater und zeigt auch
Die charakterliche Entwicklung der
Protagonisten wie ihrer Grenzen und
Das lachend liebevoll mit Humor

jens tuengerthal 26.4.26

Sonntag, 26. April 2026

Liebesgeschichte

Liebesgeschichte

Meine Liebesgeschichte ist lang 
Was auch am Alter liegt dabei
Hätte sie schon früh enden können
Was auch schön gewesen wäre
Manches erspart hätte aber ich
Möchte nichts bereuen lieber
Sich freuen wohin sie führte 
Was sonst wohl fehlte 
Auch wohl an Erfahrung
Besonders aktuell glücklich
Zu sein mit dem was ist
Und so gesehen war sie
Doch nur ganz kurz um
Immer bei einer zu enden
Die es nun ist falls sie
Diesmal bleibt sonst
Wird sie noch länger
Bis es endet mit mir 

jens tuengerthal 26.4.26

Samstagsruhe

Samstagsruhe

Gegen halb zwei im Crossroads
Eingetroffen zum Abschied von
Phil II der sogleich den Riesling
In die Flaneurloge brachte während

Tino hinter der Theke arbeitete
Waren noch sieben andere Gäste 
An diesem ruhigen Samstag da
3 Paare und ein Freund von Phil II 

Zwei Paare an der Bar und eines
Im Alter der Flaneurs zeigte sich
Oben gegenüber von Bowie noch
Fotos auf dem Telefon plaudernd

Die Musik temporeich tut so als ob
Noch richtig was hier los wäre nun
Knutscht das Foto Paar wild während
Die an der Bar einfach weiter reden 

jens tuengerthal 26.4.26

Samstag, 25. April 2026

Lektürentagebuch 25.4.26

Lektürentagebuch 25.4.26

Von der Mode schreibt Franz Hessel
In Berlin kenntnisreich und spannend
Auf verschiedenen Ebenen welche die
Kenner vermuten ließ es sei Helen die 

Als Modekorrespondentin in Paris für
Die Frankfurter Zeitung arbeitete wie
Die Liebe mit Pierre-Henri Roché übte 
Auch wunderbar schreiben konnte 

Manches am hohen Tempo dieses 
Textes aus Spazieren in Berlin spricht
Eher für Helen als für Franz doch sind
Einige Betrachtungen typisch Franz

Doch das mehr am Ende zunächst
Geht es in Begleitung der Dame in
Den eher düsteren Osten zu einem
Resteverkauf im Hinterhof wo sich

Alles ohne große Schau aber doch
Weibliches Begehren weckend findet
Nur mit leichten Schäden eben darum
So günstig im armen Osten verkauft 

Doch fänden sich dort auch Damen
Der ersten Gesellschaft die gerne
Mal ein Schnäppchen noch suchen
Was gerade nicht allererste Wahl ist

Von dort ging es zu Warenhäusern
Wertheim und Tietz mit ihrem großen
Angebot bei dem die Mode eher nur
Schüchtern modisch ist unauffällig 

Lieber bleibt damit vielseitig noch
Einsetzbar für alle die von der Stange
Ihre Kleider noch kaufen müssen
Wo die Kochtöpfe eleganter wären 

Gut geschult im Verkauf wären die
Vielen jungen Damen dort jedoch
Welche genau studierten wie sie die
Ware erfolgreich feilbieten können

In einem der eleganteren Häuser
Zeigten Modelle den Damen die
An Tischen sitzen Kleider die schon
Etwas exklusiver dabei wirken

Die wirkliche Eleganz und das große
Geld zeige sich am Tiergarten wo in
Villen die exklusiven Designer ihre
Mode nach Pariser Chic präsentieren

Dennoch komme es in Paris vor
Dass sich 3 Damen im gleichen Kleid
Nach natürlich neuester Pariser Mode
Auf einem Empfang treffen es bleibe

Berlin modisch doch eher Provinz
Es fehle der Dame die Eleganz der
Pariserin die auch ein Tuch noch
Gekonnt zu inszenieren wisse

Diese Beschreibungen könnten 
Auch aus Helens schneller und
Teils scharfer Feder stammen
Passen vom Tempo sehr zu ihr

Der letzte Abschnitt aber der sich
Den jungen Damen auf und um
Den Kurfürstendamm widmen ist
Wieder ganz typisch für Franz

Zwar wird Helen ihn auf die neuen
Modegeschäfte auch im Bayerischen 
Viertel wie Nebenstraßen aufmerksam
Gemacht haben jedoch zeigt sich

In der liebevollen Beschreibung dieser
Jungen und ganz jungen Damen die
Feder vom Flaneur Franz deutlich der
Vom guten Jahrgang 1910 schwärmt

Schildert wie sie durch die Straßen
Mit ihren ewig langen Beinen staksen
Die nicht enden wollen und dabei mit
Armen crawlen wo andere bloß 

Brustschwimmen würden hätte die
Neue Berliner Jugend eigenen Stil
Kombiniere gewagt mit Eleganz statt
Nur angezogen zu wirken dabei

Es ist für jeden der schon beide las 
Eine große Freude das vermutlich
Zusammenspiel des Paares zu sehen
Was wir aus Jules und Jim kennen


Im letzten fünften Band meiner so
Schön grünen Gesamtausgabe von
Franz Hessel fand sich nun in der
Verstreuten Prosa was ja schon 

Ziemlich elegant und fast verwegen
Klingt tatsächlich das schöne Stück
Spazieren in Berlin was sehr schön
Vom Versuch als Tourist erzählt

Wie er genau dem Baedeker folgen
Wollte am Vormittag in den Dom und
Die Nationalgalerie und nachmittags
Mit dem Boot nach Grünau fahren

Doch dann kommt seinen Plänen
Ein Spreekahn dazwischen den es
Schon in seiner Jugend gab und der
Einen echten Wal zu sehen verspricht

Er geht mit einer Gruppe Knaben
Die wohl davor standen und die er
Vermutlich einlud entschuldigt es
Jedenfalls mit es war ziemlich billig

Beschreibt dann diesen Walfisch der
Zeitgenossen nun an Timmy denken
Lässt der bei Wismar rumlungert 
Der geruchsneutral präpariert sei

Dies ist mit Liebe und Komik schon 
So wunderbar beschrieben dass der
Spott über das Grauen des Berliner 
Doms eine elegante Spitze wird 

So stand er vor Schinkels schönem 
Museum und blickte auf den selbigen 
Fragte sich ob er hinein wollte und 
Entschied eigentlich lieber nicht

Mehr gibt es zu diesem völlig
Missglückten Protzbau nicht zu sagen
Lieber nicht hinein gehen und besser
Abreißen in jeder Hinsicht peinlich

Berliner die diesen ihren Dom noch
Hochhalten von denen es erstaunlich
Auch heute noch viele gibt belegen
Nur Größe an Geschmacklosigkeit

Zum Glück denke ich da bin ich ja
Kein Berliner sondern nur ein bloß 
Zugereister Flaneur auf Zeit bis
Besseres sich irgendwo findet

Hessel lässt sich darauf gerne von
Einem auf sächsisch fragen wo denn
Das berühmte Eckfenster sei am
Schloss worauf er gerne die Zeit

Sich nimmt und diesen zur Wohnung 
Von Wilhelm I unter den Linden zu 
Führen wo der Kaiser dann ganz
Bürgerlich auch wohne und beschreibt

Die Räumlichkeiten mit gewissem
Spott aber auch Liebe als Bewohner
Der Republik der er inzwischen wurde
Das ist voller schöner Anekdoten

Beschreibt die untere Etage in der
Wilhelm vollgestopft lebte und starb
Wie die obere der Kaiserin die sich
Für eine besonders begabte

Innenausstatterin hielt wovon er
Wenig zu berichten weiß außer dass
Es heller ist als unten das Paar 
Lebte und schlief glücklich getrennt

Die Bootsfahrt nach Grünau wird 
Nichts er muss bis Woltersdorfer
Schleuse buchen und wird bis zur
Abfahrt noch ins Restaurant geschickt 

Wie er dabei die typische Dreistigkeit 
Von Berliner Service Personal das 
Sich im Dienst befugt sieht beschreibt
Ist wunderbar elegant komisch noch 

Die Fahrt wird ein Grauen er ist auf
Deck zwischen dicken Biertrinkern
Mit den entsprechenden Damen nur 
Eingeklemmt und möchte schnell weg

Sieht am Treptower Park Kinder im
Park spielen und will nur noch weg
Aber kann nicht und beschreibt Grün 
Mit zwischendurch Schornsteinen

An der Woltersdorfer Schleuse soll
Dann die ganze Schiffsladung zum
Eisbein essen gehen wovor er flieht
Durch die Kiefernwälder zur Bahn 

Das ist der feine Spott von Hessel
Der ohne böse zu werden sich lustig
Machen kann mit Stil und Eleganz
Was wenigen so gut noch je gelingt 

jens tuengerthal 25.4.26

A une Passante

A une Passante

Aus den Blumen des Bösen von Baudelaire als schönstes Bild des weiblichen Flaneur

An eine, die vorüberging

Der Straßenlärm betäubend zu mir drang.
In großer Trauer, schlank, von Schmerz gestrafft,
Schritt eine Frau vorbei, die mit der Hand gerafft
Den Saum des Kleides hob, der glockig schwang;

Anmutig, wie gemeißelt war das Bein.
Und ich, erstarrt, wie außer mich gebracht,
Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht,
Sog Süße, die betört, und Lust, die tötet, ein.

Ein Blitz … dann Nacht! – Du Schöne, mir verloren,
Durch deren Blick ich jählings neu geboren,
Werd in der Ewigkeit ich dich erst wiedersehn?

Woanders, weit von hier! zu spät! soll’s nie geschehn?
Dein Ziel ist mir und dir das meine unbekannt,
Dich hätte ich geliebt, und du hast es geahnt!

Nach der Übersetzung von Graf Wolf von Kalckreuth, Insel-Verlag, Leipzig 1907. Originaltext der Übersetzung

Flaneurdasein

Flaneurdasein

Der Flaneur steht immer etwas
Daneben dahingestellt ob er es
Auch ist will er es zumindest um
Beobachter zu bleiben statt Teil
Von egal was genießt er es mehr 
Für sich zu bleiben um so seine
Sonderrolle als anderer zu haben
Der nirgendwo dazugehört darum 
Ungestört beobachten zu können 
Was ihm Berufung und Lust ist
So ist er gerne überall dabei
Aber nie Teilnehmer von etwas
Was große Gelassenheit schenkt 
So das Glück der Beteiligung
Vollständig ersetzen kann damit
Vollkommene Zufriedenheit gibt

jens tuengerthal 25.4.26