Lektürentagebuch 28.9.26
Das erste Kapitel des siebten Teils
Der Buddenbrooks beginnt mit der
Taufe in der Breitenstraße bei der
Alles vorhanden ist was die gute
Tante Madame Permaneder also Tony
In Tagen der Hoffnung vor sich sah
Viele Tassen mit kochend heißer
Schokolade füllt das Folgmädchen
Mit Sahne noch auf dem ungeheuren
Teebrett mit vergoldeten Griffen
Während Diener Anton einen großen
Baumkuchen in Stücke schneidet
Ordnet Mamsell Jungmann noch
Konfekt und frische Blumen in den
Silbernen Dessertschüsseln mit dem
Prüfenden Blick aus der Schulter
Dann wird fein aufgezählt wer der
Familie vertreten ist und wer nicht
Welche alle noch dazugehören von
Den großen Lübecker Familien
Dort wurde der Stammhalter des
Hauses Buddenbrook getauft was
Doch ein bedeutendes Ereignis wäre
In der vornehmen Gesellschaft
Es war im Frühling des Jahres 1861
Als der Erbe endlich kam der noch
Ganz unscheinbar aussieht dort vor
Seiner Taufe mit langen Wimpern
Der Knabe lebt und es hätte nicht
Viel gefehlt dass es anders noch
Gekommen wäre hatte der Doktor
Grabow zu Thomas danach gesagt
Woran nicht viel fehlte hatte Tom
Lieber nicht nachgefragt denn nun
War das ersehnte Kind ja da und
Mehr musste er nicht verstehen
Die ganze Familie ist anwesend
Wird aufmerksam beschrieben
Bis zu Tiberius Mitbringsel dem
Riesigen ausgestopften Bären
Dieser hält jetzt eine Schale für
Die Visitenkarten zwischen den
Bärigen Tatzen hat also auch
Einen guten Zweck im Haus
Die Paten sind ausgesucht aus
Der Verwandtschaft und dazu
Bürgermeister Overdieck als
Eher ferner und greiser Pate
Die Familie demonstriert dadurch
Ihren Aufstieg und ihre Rolle in
Der ehrenwerten Hansestadt Lübeck
Zeigt sich als eine der ersten damit
Der Junge wird Justus Johann Kaspar
Getauft die Paten zu ehren und alle
Verwandten und Gäste küssen den
Täufling der es geduldig erträgt
Dann kommt noch eine herrliche
Rede in Platt vom Speicherarbeiter
Grobleben der ganz rührend wie
Zu allen großen Festen gratuliert
Er kommt dann zum vermodern
Was wir alle noch müssten aber
Übergibt dann seine sich schon
Etwas entblätternden Rosen nicht
Ein wenig plattdeutsche Bindung
An die Basis wird höflich gespielt
So etwas gibt es wohl in allen großen
Familien die darüber milde lächeln
Zum Abschied küsst Tony ihren
Bruder und verkündet ihre Freude
Über den Namen Johann der doch
Zeige es ginge was bei Buddenbrooks
Wie fein gesponnen ist das wieder
Angesichts des schwachen Kindes
Wie dem bald Ende und Untergang
Scheint nochmal alles gut zu sein
Gut gelaunt lobt Settembrini nun
Im Zauberberg das Fahren zu dem
Er eingeladen wurde fordert Wehsal
Auf das eigene Leid angesichts der
Schönheit der Welt die sie umgibt
Was er mit seinem eher schäbigen
Lederhandschuh zeigt wie das
Unsympathische Ich zu vergessen
Diese typisch italienische Frechheit
Mit der Settembrini Wehsals ganze
Mühsal mit dem Leben hopps nimmt
Ist wunderbar wieder beschrieben
Sie hatten beste Fahrt freuten sich
An der Natur hielten irgendwann am
Waldrand von wo aus es zu Fuß nun
Weitergehen sollte zum Ziel
Langsam wurde das Geräusch hörbar
Mit zischen und brausen worauf nun
Settembrini meinte noch sei es eher
Schüchtern vor Ort sei es brutal laut
Pieter Peeperkorn ging voran auf
Den Arm von Clawdia gestützt und
Hinter ihnen Hans Castorp und die
Übrigen Herren am Ende der Malaie
Sie sprachen über den besonderen
Wald der malerisch eigentümlich ja
Exotisch doch unheimlich auch war
Flechten umsponnen alles dort
Eine schwere bizarre Entstellung war
Der verzauberte krankhafte Anblick
Es ging dem Wald nicht gut denn die
Flechte drohte ihn zu ersticken
Das Rumpeln und zischen wurde
Allmählich zum Getöse machte die
Vorhersage Settembrinis wahr dann
War der Blick auf die Schlucht frei
Hier war das Höllenspektakel des
Wasserfalls nun sichtbar der über
Sieben oder acht Meter herabfiel
Mit einem unsinnigen Lärm dabei
In diesem schienen sich alle nur
Möglichen Geräusche und Laute
Zu Donnern Zischen Gebrüll Gejohle
Tusch Krach Geprassel Gedröhn
Mit Glockengeläut noch zu mischen
Es wollten einen die Sinne vergehen
Dicht traten die Besucher auf dem
Schlüpfrigen Felsengrund heran
Betrachteten dabei feucht angeatmet
Wie angesprüht in Wasserdunst ganz
Eingehüllt die Ohren überfüllt vom
Lärm dazu Blicke tauschend und mit
Verschüchtertem Lächeln die Köpfe
Schüttelnd das Schauspiel dieser
Dauerkatastrophe aus Schaum und
Geschmetter deren übermäßiges
Irres Gebrause sie betäubte ihnen
Furcht erregte und Täuschungen des
Gehörs verursachte sie glaubten von
Überall Rufe und Posaunen zu hören
Peeperkorn entblößte sein Haupt
Dehnte die Brust in der Frische
Sie verständigen sich durch Blicke
Und Zeichen weil Worte unhörbar
Ihre Lippen formten Worte des
Erstaunens und der Bewunderung
Die lautlos blieben nun verabredeten
Sich Castorp Settembrini und Ferge
Durch Kopfwinken die Höhe der
Schlucht zu ersteigen an deren Grund
Sie sich gerade befanden das Wasser
Vom obersten Steg zu betrachten
Stufen führten sie hinauf die sie nun
Hintereinander erkletterten um dann
Von der Brücke oben zu winken über
Der Rundung des Falles schwebend
Sie alle wollten einen ruhigeren Platz
Für die Vesper suchen Peeperkorn
Aber wollte dort er war der Herr der
Regie und Befehlshaber damit
Schon die Wucht der Persönlichkeit
Hätte den Ausschlag gegeben selbst
Wenn er nicht Veranstalter gewesen
Wäre das Format tyrannisch genug
Er wollte im Donner vespern das war
Sein großmächtiger Eigensinn wer
Nicht leer ausgehen wollte musste
Bleiben die Mehrzahl war unzufrieden
So breitete der Malaie das Picknick
An Ort und Stelle aus es drängten alle
Zur Verteilung saß auf Geröll und
Dem Geländer des Steges denn
Stühle gab es nur für Peeperkorn und
Clawdia mit Tassen in der Hand wie
Dem Teller auf den Knien vesperten
Schweigend im großen Getöse
Peeperkorn trank Portwein aus einem
Silbernen Becher mit Monogramm
Dann begann er zu sprechen dabei
Konnte keiner irgendwas hören
Gestenreich sprach er tonlos nun
Wie in den luftleeren Raum alle die
Es betroffen sahen dachten er würde
Dies nutzlose Tun sogleich beenden
Er aber fuhr fort mit Aufmerksamkeit
Fordernden Kulturgebärden und dabei
Schaute er wechselnd jeden an was
Diese zwang ihm nett zuzunicken
Nun stand er sogar auf in seinem
Zerdrückten fast fußlangen Mantel
Den silbernen Becher in der Hand
Barhäuptig mit aufgestelltem Kragen
Er versah die Undeutlichkeit seines
Tauben Toastes mit den bannenden
Zeichen der Genauigkeit es waren
Die gewohnten Wendungen von ihm
Perfekt und Erledigt war von seinen
Lippen dabei zu lesen nichts weiter
Er neigte sein Haupt schräg mit der
Zerrissenen Bitternis seiner Lippen
Das Bild des Schmerzenmannes war
Sichtbar dann blühten seine üppigen
Grübchen wieder eine sybaritische
Schalkheit tanzender Gewänderraffe
Die heilige Unsittsamkeit eines
Heidenpriesters der den Becher
Kreisen lässt und dann austrinkt
Diesen dem Malaien nun reicht
Damit gab er das Zeichen zum
Aufbruch alle verbeugten sich
Dankend gegen ihn und taten
Nach seinem Geheiß sofort
Der Javaner in Hut und Pelzkragen
Raffte die Reste des Mahls und das
Geschirr zusammen es ging zurück
Wie sie gekommen waren zur Straße
Peeperkorn hatte mit großer Geste
Gesprochen keiner hatte auch nur
Ein Wort verstanden aber dafür seine
Kulturgesten genau beobachtet
Es war völlig egal was die große
Persönlichkeit inhaltlich sagte seine
Immer Luftblasen wirkten durch die
Gesten die er dabei noch vollzog
Der hier wunderbar verspottete
Dichterkollege Hauptmann hatte
Die Karikatur erst übel genommen
Aber nach einem Brief verziehen
Was sollte er auch tun gab er sich
Beleidigt war die Karikatur treffend
Lachte er darüber zeigte er Größe
Mit etwas Verzögerung gelang es
Der damals schon Nobelpreisträger
Für Literatur Hauptmann hatte die
Schlechteren Karten dabei jedoch
Verteidigte ihn Stockholm indirekt
Thomas Mann bekam seinen
Nobelpreis darum nur für die
Buddenbrooks obwohl doch der
Zauberberg noch viel genialer war
Diese Kulturgeschichte des alten
Europa wurde einfach ignoriert weil
Einer der Jury Hauptmann noch
Hier engstirnig verteidigen wollte
Im Ergebnis zeigt sich damit nur
Thomas Mann war auch diesen
Um Längen geistig überlegen aber
Manch menschliches macht klein
jens tuengerthal 28.9.26