Mittwoch, 26. August 2026

Lektürentagebuch 26.8.26

Lektürentagebuch 26.8.26

Weiter ging der große Zauber auf dem
Dach des Frauenhauses wo fast nackt
Die dunkelhäutige Tabubu das große 
Rituelle Opfer der Liebe nun vollzieht

Unter großen Beschwörungen wird 
Muts und Josephs Haar symbolisch
Wie real in der Flamme verschmolzen 
Die Liebe zur Vereinigung zu zwingen

Darauf wird noch der gefesselte Hund 
Geopfert und sie wühlen in dessen 
Eingeweiden den Zauber zu wecken
Dabei stinkt es ganz gruselig dazu 

Magischer Hokuspokus der die Liebe
Zumindest den Körper zwingen will
Aber nur eine tote Seele berührt sie
Wird lustvoll kalte Lippen küssen

Dies wird Mut bewusst und sie klagt
Über die niedrige Zuflucht aus dem
Afrikanischen Busch die sie wählte 
Weil ihr Herz unter Zwang steht 

So endet das Kapitel über das Ritual
Was Tabubu für sie veranstaltete dem
Ein Hund geopfert wurde mit einer 
Schluchzenden Mut dabei im Arm

Der Kebse Meh der Nebenfrau die
Sie vom Dach hinunter führt völlig
Erschüttert von der Erkenntnis dass
Kein Zauber echte Gefühle weckt


Wieder in die Wellen getaucht von 
Eduard von Keyserling und damit
Zum Erwachen des Morgens auf
Die kurische Nehrung gekommen

Joralice erwacht sehr früh noch vor
Der Morgendämmerung und  die 
Frühere Gräfin Köhne-Jasky liegt 
Wach und denkt an ihr Leben

Wie der Graf sie gewählt hatte um
Sie dann zur Comtesse zu erziehen
Ihr seine Erwartungen zu unterstellen
Die ihr immer weniger Raum ließen 

Als der Graf seine Stelle am Hof in
Dresden verlor aufgrund einer Intrige
Wie er immer wieder betonte ging es
Auf das Schloss auf dem Land zurück 

Der Graf war viel älter als sie und
Sagte ihr was sie wollen sollte und
Unterstelle ihr seinen Willen dem nicht
Ganz zu genügen er sich entschuldigt

Die perfide indirekte Art des Adels 
Der durch indirekte Erwartung erzieht 
Mit Unterstellungen nur zum besten
Seine Mitglieder dabei erzieht

Beschreibt Keyserling der selbst als
Graf geboren den hohen elterlichen 
Erwartungen nach Wien wie später
Nach München entflohen war genial

Wir tauchen in das Schlafzimmer ein
Das sie mit dem Maler Hans Grill teilt 
Für den sie den Grafen und das gute 
Schloss auf dem Land verließ 

Dort liegt die Gräfin Doralice wach
Denkt daran wie Hans auftauchte 
Um sie zu portraitieren als ein
Günstling des alten Grafen

Natürlich verliebt sich Hans in 
Doralice und leidet an seinem
Schlechten Gewissen dem Grafen
Gegenüber will für Klarheit sorgen

Sie quälte es nicht so aber er wollte
Um der Liebe willen Klarheit schaffen
Fürchtete sie würden irgendwann von
Ihm ertappt was er vermeiden wollte

Wie gut kenne ich diesen Drang zur
Aufrichtigkeit um dem echten Gefühl
Gebührenenden Raum zu geben in
Dem es sich so schnell wieder verliert

Sie zögerte noch und dann kam der
Alte Graf ihnen zuvor verkündete ihr
Sie werde froh sein die Sitzungen
Würden endlich ein Ende haben

Das mit dem Portrait würde ja nichts
Er habe Grill nach Hause geschickt
Da plötzlich verkündet sie ihm dass 
Sie dann mit Hans gehen würde

Sehr fein beschreibt Keyserling die
Szene wie er die Uhr aus der Tasche
Zog nur Allons allons sagt mit einem
Kreideweißen Gesicht und sonst 

Die formale Haltung bewahrt sagte
Wann der Zug ginge sonst nichts
Sie hörte dabei ihr Herz schlagen und
Grill sagte dazu nur natürlich

Eine feine Beobachtung noch im
Morgengrauen lässt sie vor sich ihr
Liebesleben an sich vorbei ziehen
Das Grauen der formalen Welt

Wie gut kennen ich diese Welt auch
Die alles tut die Contenance noch
Zu wahren aber kaum noch Zugang
Zu den eigenen Gefühlen dabei hat

In vielem von vorbildlicher Korrektheit
Wissen sie sich höflich zu benehmen 
Aber verkümmern unter der Fassade
Oft emotional bis zur Depression

Wie vielen Damen von Familie bin ich 
Näher begegnet gelegentlich auch
Emotional und wie einsam fern blieb
Jede eine Gefangene dieser Welt

Sehr fein beschreibt Keyserling diese
Welt die durch indirekte Unterstellung
Viel mehr Zwang ausübt als durch
Direkt ausgesprochene Worte dabei

In der Traumnovelle Arthur Schnitzlers
Geht es auch um verborgene Welten
Fridolin und Albertine plaudern über
Geheime verborgene Sehnsüchte

Erzählen sich wie sie an andere 
Dachten und schon fast weg waren
Wenn die anderen zugegriffen hätten 
Was dann aber doch nicht geschah

Bei Albertine war es der junge
Dänische Offizier vom Nachbartisch
Für Fridolin das fünfzehnjährige junge
Mädchen am dänischen Strandhaus

Beide berichten sich von der hohen
Intensität des Absoluten das alles
Auch zwischen ihnen plötzlich hätte 
Ändern können ohne zu wissen wie

Sie wecken ein wenig Eifersucht aber
Versprechen sich es das nächste mal
Eher zu erzählen wozu auch immer
Da wird Fridolin ganz plötzlich zum

Hofrat nebenan gerufen der einen 
Herzanfall hat und sie reagiert darauf 
Fast ärgerlich und meint du willst fort 
Worauf er erwidert ich muss wohl

Eine hohe erotische Spannung des
Beinahe was sie noch um eine
Geschichte um den schönen jungen
Mann vor ihrem Fenster erweitert

Wie sie mit diesem wenn er es nur
Gewagt oder gefragt hätte alles wohl
Getan hätte er aber nur am nächsten
Tag keusch um ihre Hand anhielt 

Worauf sie ja sagte weil er es war
Worauf er noch eine eher spekulative 
Frage stellt der sie klug mit Liebe
Auszuweichen weiß so beginnt der

Traum von fremder Lust zwischen
Dem Ehepaar seinen Lauf zu nehmen 
Spürbar knistert es schon deutlich
Zwischen den Zeilen hier weiter

jens tuengerthal 26.8.26

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