Mittwoch, 5. August 2026

Lektürentagebuch 5.8.26

Lektürentagebuch 5.8.26

Nach zugegeben zu langer Pause
Wieder Mann und Proust gelesen
Und mich wunderbar dabei amüsiert
Gute Literatur lohnt einfach immer


Begonnen am sehr frühen Morgen
Mit den Buddenbrooks wo es zum
Gespräch von Tom und Tony kommt
Nach ihrer Rückkehr aus München

Das Kapitel begann mit einem eher
Kurzen Gespräch von Thomas mit
Seiner Mutter im Landschaftszimmer
In dem die Buddenbrooks begannen

Die Feier von dessen Einweihung
War der Auftakt dieses großen 
Bürgerlichen Familienromans der
Zeit und Menschen so gut karikiert 

Um diesen Raum dreht sich viel
Auch das Drama um Grünlich den
Tony nach dessen Drohung mit
Seinem Ableben doch heiratete

Was wieder zeigt die Ehe ist ein
Drama auf Leben und Tod was 
Nicht nur im Versprechen seinen 
Erschütternden Ausdruck findet

Bis dass der Tod uns scheidet
Geloben sich die Eheleute dann
Zusammenzubleiben ohne vorab
Wissen zu können was es bedeutet

Hier ließ sich der intern Tom genannte
Nun Chef der Firma Buddenbrook
Von seiner Mutter über die Lage wie
Tonys Zustand noch aufklären 

Hat schon eine ziemlich feste Sicht 
Auf die Dinge und seine Schwester
Als er diese im Schlafzimmer im
Anschluss besucht lächelt er 

Nicht ganz ernst nahm er die zur 
Hysterie schon neigende Tony
Versuchte nach deren Bericht alles
Zu einem Scherz zu erklären 

Wieder spricht Tony das Wort nicht 
Aus was Permaneder zu ihr sagte
Gibt sich leidend und Tom ermahnt
Die Schwester keinen Skandal zu 

Machen worauf Tony sich aufrichtet
Zu einer Wutrede ansetzt die ihre
Ganze Verzweiflung über die völlig
Unmöglichen Münchner ausdrückt

Wie sie eine Buddenbrook also von 
Familie ihren bürgerlichen Adel wie
Ihre Würde betont ist groß aber auch
Zugleich von ironischer Komik noch

Thomas Mann der mit seiner Mutter
Nach dem Tod des Vaters selbst nach
München zog macht sich darin über
Seine Wahlheimat herrlich lustig

Elisabeth Mann die der Tony real
Zugrunde lag auch mehrfach noch
Heiratete ging nach Stuttgart aber
Bei Tony ist es dann München

Diese verzweifelte Rede zu der
Tony sich mit Entschlossenheit
Wie großer Tatkraft durchdringt
Ist dann auch wirklich eindrucksvoll

Wie sehr sie in dieser doch völlig
Verständnislosen Stadt litt in der
Sie keine Buddenbrook war und 
Von allen gegrüßt wurde auch

Wenn Permaneder sich unmöglich 
Benahm wäre alles verzeihlich noch
Gewesen wenn nicht alles dort so
Schrecklich und unmöglich wäre

Angesichts dieses Sturm der Gefühle
Gibt Tom auf und versucht nicht die
Schwester noch zur Besinnung zu
Bringen die nie in München ankam

Macht sich Mann hier über seine
Tante Elisabeth lustig die im Alter
Mit einer Tochter nach Dresden zog
Wie lange ausnehmend schön war

Diese hatte sich zuerst über die
Karikatur im naiven Charakter der
Tony wohl empört sich aber später
Mit dem Erfolg gerne versöhnt

Tom überhört dezent die Bitte um
Widerspruch und die Sehnsucht nach
Komplimenten seiner Schwester aber
Lässt sie auch in Ruhe bleiben

Gegen diesen Schrei der Verzweiflung
War der ironische Bruder machtlos 
Eine edle Norddeutsche unter den
Bayerischen Bazis geht einfach nicht

Wieviel wunderbare doppelbödige
Ironie des Wahlmünchners Mann liegt 
In diesen Zeilen verborgen besonders
In der Kapitulation vor Tony dabei

München sei eben unzumutbar für 
Jeden zivilisierten Menschen von
Nordischer Kultur und Prägung was
Ewig mir zur Wahrheit wurde 

Obwohl ich hochkultivierte Damen
Aus München kennenlernen durfte 
Blieb der Eindruck lange haften diese
Süddeutschen sind nicht geheuer

Daran zu denken dass Mann sich
München freiwillig wählte und dort
Blieb in bürgerliche Kreise auch
Heiratete erzählt Legenden dazu

Mit jedem mal lesen auch wenn
Dies zugegeben erst das zweite
Mal ganz hier ist entdecke ich neuen
Feinen Humor in diesem Werk noch


Mann lohnt einfach darum ging es
Nun gleich weiter mit dem Gespräch
Von Mynheer Peeperkorn und dem
Protagonisten Hans Castorp 

Im Zauberberg sitzen die beiden
Plaudernd schon länger zusammen
Nun am Morgen aber packte mich
Die Spannung zwischen den beiden

Der ausnahmsweise obwohl am
Tropenfieber leidend konzentriert
In ganzen Sätzen redende Alte
Der Gerhard Hauptmann zu

Dessen Zorn sehr treffend noch
Nachgebildete Peeperkorn drängt
Den harmlosen Hans immer mehr
In die Ecke und will eine Antwort

Hatte Hans etwas mit Clawdia 
War er ihr Geliebter will der reiche 
Großzügige Mann nun wissen und
Hans will ihn keinesfalls anlügen 

Ein wenig eiert er noch Rum und
Erkennt dessen nun Rechte vorab an
Meint Geliebter wäre übertrieben
Da es ja nur eine Nacht war

Noch dazu eine Nacht außer der Zeit
Karneval also wie ein 29. Februar
Nicht normal und nicht zählend wie
Er aber danach quasi aus der Zeit fiel

Er wisse gar nicht mehr wie lange
Sich nun der auf drei Wochen nur
Geplante Urlaub verlängert hätte
Bei dem er aus der Zeit quasi fiel 

Wie er längst von denen Zuhause
Verloren gegeben worden wäre
Er der Ingenieur der hier seine
Eigentliche Berufung dann fand

Thomas Mann meinte der Zauberberg
Bräuchte mehrfache Lektüre um ihn
Ganz zu erkennen und zu sehen über
Seinen Humor dabei laut zu lachen

Würde ich zustimmen der Mann als
Den klügsten elegantesten und dabei 
Noch komischsten deutschen Autor
Sieht dessen Intelligenz sprudelt

Auch wenn es derzeit Mode ist zum
Jubiläum Mann als verklemmten
Spießer klein zu schreiben scheint er
Diesen Kritikern lachend überlegen

Dieter Borchmeyer und Jan Aßmann 
Lohnen zur Interpretation des großen
Meisters aus Lübeck Lahme und der
Unsägliche Illies nur zum recyceln

Wie schön ist es über Mann zu lachen 
Mit diesem Humor aus der Zeit auch
Zu fallen und die feinen Spuren der
Immer Ironie überall zu entdecken 

Das Gespräch geht weiter und als 
Die große Persönlichkeit endlich zu
Ihrer Antwort ansetzen kommt diese
Wie ein Donnerwort in die Runde

Er würde ihm wäre er nicht durch
Krankheit gehindert ein Duell unter
Aufrechten Männern anbieten meint
Der Holländer zum deutschen Hans

Weil dies nun nicht infrage kommt
Fände er es aber angemessen ihm
Das Du anzubieten weil sie quasi
Brüder im Leiden ja nun wären 

Zwei die den gleichen Schoß
Teilten trinken darauf mit genug 
Rotwein kleckernd der wie Blut 
Aussieht Bruderschaft über Kreuz

Dass sie aufgrund Peeperkorns
Altersbedingter Impotenz dies aber 
Tatsächlich nie taten wird nach dem
Ende zur wieder komischen Pointe 

Sie kämpfen nicht und grollen nicht
Mal insgeheim sondern verbrüdern
Sich ohne Clawdia und dann geht
Hans schnell vor ihr weg zu sein

Das ist eine grandiose kleine Szene
Auf engstem Raum am Bett des
Großen Mannes spielend die das
Bündnis von Clawdia und Hans

Was vorher zugunsten des Kranken
Mit Kuss besiegelt wurde wieder mit
Viel Menschenkenntnis betrachtet
Den Protagonisten nackt zeigt

Nicht weil er sich bei Peeperkorn
Auszog sondern weil er sein eigenes
Ringen auch um seine Existenz dabei
Schutzlos freundschaftlich offenlegt

Das ist die Magie des Zauberbers
Der im Zauberberg noch einmal
Jenes alte Europa zeigt das im
Weltkrieg untergehen sollte


Nach zweimal Mann ging nur noch
Mann oder Proust dachte ich und
Entschied gegen den Volksglauben
Dass alle guten Dinge drei seien

Nun zur Abwechslung den zeitgleich
Zum Zauberberg entstandenen Proust 
Mit la recherche also der ewigen 
Suche nach der verlorenen Zeit

Folgen zu lassen und endlich über
Einige Seiten vom Strand aus dem
Noch Schatten junger Mädchenblüte
Zurück ins Grand Hotel Balbec zu

Kehren um sich noch hinzulegen
Wie es die Großmutter fordert später
Der Arzt tageweise anordnet und aus
Dem Schatten der Mädchen zu treten

Jener unnahbaren Gruppe die ihm
Einerseits fabelhaft schön schienen 
Andererseits kleine Huren waren
Die sich spielerisch prostituierten

Im Gedanken dieses Gegensatzes 
Voller Vorfreude auf das abendliche 
Date mit dem hochadeligen Freund
Gehorsam gegenüber der Großmutter

Die Ballung dieser gegensätzlichen
Reize die einen so hochsensiblen 
Menschen wie den Ich-Erzähler in
Prousts Roman völlig überforderte 

Wird in feinste Bruchteile dabei der
Beobachtung aufgespalten die den
Asthmatiker vorsichtig Luft holen lässt
Um sich dabei lustig zu machen

Marcel Proust hat wie Mann eine
Feine Ironie und einen Witz der
Sich zwischen seitenlangen Details
Lächelnd unauffällig versteckt

Dann plötzlich treibt eine Blüte
Wieder frechen Unsinn macht
Sich über sich selber lustig vor
Dem sie sich zugleich verbeugt 

Das kannst du bei Mann wie bei
Proust lächelnd lesen und dich
An ihrem Humor freuen der auch 
Die eigene sexuelle Neigung noch

Zum Teil des Romans macht und
Dabei ganz nebenbei elegant als 
Treppenwitz der Geschichte wieder
Verspottet was einfach groß ist 

Es braucht keine Aufdeckung der
Verklemmten Homosexualität die 
Beide literarisch elegant ausleben
Besser würden die Autoren gelesen

Diese doppelten Böden zu sehen
Humor und Witz zu erkennen der
Den Leser grinsend zurücklässt
Macht mich erfüllt und dankbar

Zu verstehen was Erika Mann
Meinte als sie schrieb wie die
Ganze Familie immer lachte 
Wenn Thomas Mann vorlas 

Mann und Proust lesen macht die
Welt schöner und zugleich mich 
Als Leser glücklicher der ihren 
Feinen Witz entdecken darf

Wie du als Autor innerlich oft 
Grinst beim Verfassen der Texte 
Eines Romans wird spürbar was
Wirklich ganz große Kunst ist 

Während Henrich Mann etwa im
Untertan zum Schenkelklopfen die
Leser einlädt machen Thomann Mann
Wie Proust höflichen Humor

Da wird keiner grob in die Pfanne
Gehauen und verspottet es wird
Die traurige Welt als Witz mit ganz
Viel Selbstironie betrachtet

jens tuengerthal 5.8.26

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