Samstag, 1. August 2026

Lektürentagebuch 1.8.26

Lektürentagebuch 1.8.26

Schon in der Nacht das Kapitel
Wohnen in den Liberties aus die
Dunkle Renaissance begonnen 
Von Stephen Greenblatt über

Christopher Marlowe und seinen
Wohnsitz nahe der Theater auf
Der anderen Seite der Themse 
Wo es beliebt wie verrufen war

Weil wenig oder nichts über die
Gründe seiner Ortswahl bekannt
Wird dazu wild spekuliert und die
Gründe in der Umgebung gesucht

Auch dort lebende Autoren werden
Vorgestellt und ihr Spiel mit dem
Schlechten Ruf teilweise war eher
Weniger Marlowes Interesse

Seine direkten Kontakte zum Kronrat
Für den er so wichtige Arbeit erledigte 
Dass dieser sein Examen rettete sind
Dort wohl auch von Bedeutung

Greenblatt analysiert für welche
Bewohner und Besucher sich der
Geheimdienst dort interessieren
Könnte was damit sein Viertel

Als Vergnügungsort analysierte der
Den frommen Puritanern ein Dorn
Im Auge war aber von Elisabeth die
Das Theater liebte toleriert wurde

Wo sonst meint Greenblatt können
Viele teils noch bewaffnete junge
Männer die aus Kriegen kommen
Ohne Gefahr beschäftigt werden

Theater und Bordelle daneben waren
Gut dafür geeignet was noch genauer
Auch begründet wird zu der Zeit als 
Auch Shakespeare dort ankam

Dieser verdingte sich zuerst als 
Pferdejunge für Gäste und war dabei
So gut dass er zum gefragtesten dort
Wohl wurde woher immer das stammt

Das hatte der Gentleman Marlowe
Der für den Geheimdienst arbeitete
Wohl nicht nötig doch wie kam er in
Kontakt mit der Literaturszene dort

Über diese und andere Fragen zum
Weiteren Weg von Marlowe wird hier
Von Greenblatt thrillerartig spekuliert 
Das ist gut gemacht und spannend

Dabei erfahre ich als Leser zwar
Auch nicht wie es wirklich war aber
Greenblatt füllt das Nichtwissen auf
Kulturhistorisch spannende Art 


In den Erinnerungen eines Europäers 
Von Harry Graf Kessler weiter über 
Den Dirnenmord und Freitod von Tin 
Wie er von Harry genannt gelesen

Berichtet in erschütterter Erinnerung
Wie diesen die geliebte Dirne sowohl
Ausnahm wie fallen ließ und wieder
Verführte solange noch Geld kam

Er beschreibt ihre Not die für ihre
Ganze Familie sorgen muss mit viel
Verständnis wie den Wahn des
Freundes der sie retten wollte

Dieser las mit ihr und für sich
Gerade Dostojewskis Raskolnikow
Der mit russischem Gefühl ein 
Mädchen von der Straße retten will

Gibt es eine Rettung und braucht es
Diese für eine die Männer ersetzt 
Auch der zwischenzeitlich beteiligte
Ungar versuchte sich umzubringen

Die Leipziger Canitzer waren also
Vielfältig hart getroffen von der Tat
Eines der ihren um den sich dann
Bis zu seinem Tod auch die Prinzen

Des Hauses Sachsen kümmerten
Ohne Zweifel und gütig in sich dabei
Mehr ruhend als sie die durch Wundt
Wie Nietzsche vom Zweifel infizierten

Er berichtet von Nietzsche als der
Großen Neuerscheinung der Zeit
Die wie seinerzeit Byron auch das
Denken grundlegend veränderte 

Spannend auch der Bericht von
Den Worten des sterbenden Tin
Der Raskolnikow zurückweist weil
Er Deutscher sei und kein Slawe

Diesen bliebe am Ende nur ihre
Romantik einen Weg zu finden
Sich wieder zu befreien ihm fehle
Alles zum großen Russen noch

Daraufhin philosophiert Harry etwas
Über slawische und europäische
Rassen was heute seltsam klingt
Nach der Traumatisierung damit

Die Rolle die Nietzsche für diese
Generation im Umbruch spielte ist
Sehr spannend und eindrucksvoll
Von Kessler geschildert worden

Warum Nietzsche für die Generation
Von Kessler die mit rasanten alles
Umstoßenden Veränderungen noch
Kämpfte dabei so wichtig war

Das liest sich spannend und ist auch
Hochaktuell denke ich der wie Harry
30 Jahre vor der Jahrhundertwende
Geboren wurde und Wandel erlebt

Bei Harry war es Elektrifizierung und
Automatisierung Demokratisierung 
Für uns die Digitalisierung verbunden
Mit Klimawandel und Existenzangst

Es sind ähnliche Themen die seine 
Generation umtrieben die sich zu
Fast einem Drittel im Weltkrieg 1914
Verbrannte wie damit die alte Zeit

Aus den Krisen und existenziellen
Fragen seiner Zeit wuchs der Wunsch
Bei ihm Diplomat zu werden aber
Er sah zugleich Zweifel an allem

Das ist einfühlsam gut geschrieben
Nimmt den Leser mit bei diesen ganz
Existenziellen Fragen auch und stellt
Uns diese auch du bist beteiligt 

Der von der damaligen Presse wohl
Skandalisierte Hurenmord durch den
Junker war viel mehr für ihn auch
Ausdruck eines existenziellen Kampf

Nicht um Verständnis für den Täter
Geht es auch wenn er ein sensibler 
Freund und guter Kamerad war
Sondern um einen offenen Blick 

Die Dinge sind und werden alle
Ständig komplexer wer erkennt
Noch die Gründe und kann also
Über etwas oder andere urteilen 

Ein weiteres Kapitel das mich sehr
Nachdenklich stimmt geschrieben 
Von einem Mann den mein Großvater
Kannte im Alter seines Vaters etwa

Lange habe ich mich schon auch
Literarisch mit meinem Großvater
Auseinandergesetzt die Sicht von
Harry ergänzt diesen Blick genial

jens tuengerthal 1.8.26

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