Sonntag, 21. Juni 2026

Fête de la Crossi

Fête de la Crossi 

Zur Fête de la musique in Berlin
Gibt Phil II ein elektronisches Konzert 
Im Crossroads an der Kreuzung
Wo Tino zur Feier des Tages heute 

Schon um 16 Uhr öffnete dann kam
Auch Phil II gegen 17 Uhr und sonst 
Sitzt noch Melanie und kommentiert 
Die bisher Beats sehr fachkundig

Nachbarn und Kinder stehen hier
Vor der Tür und freuen sich am
Wilden Beat der noch den Ton
Sucht der hierher gut passt

Zu den nun heißen Techno Beats
Beginnt schon das Tanzen in der Bar
Auch das kleine Kind der Nachbarn
Tanzt und Tino bedient wippend

Die Stimmung steigt und Tino mixt 
Während Melanie sportlich elegant
Dazu tanzt sitzt Phil II am Ende der
Bar und das Kind winkt mit Melone

Zwischendurch werden die Beats
Noch etwas harmonischer aber die
Stimmung bleibt gehoben sommerlich
Nun erstmal Zuhause spätstücken

jens tuengerthal 21.6.26


Typisch deutsch

Typisch deutsch! 

Was ist typisch deutsch
Überlege ich und frage mich
Sind es Socken in Sandalen
Deutsche Autos und Werkzeug
Oder Bier und Sauerkraut was
Dem Weintrinker alles fern liegt
Ist es der Goethe im Regal oder
Der Brockhaus mit Goldschnitt
Als Mitgliedsausweis in der feinen 
Bildungsbürgerlichen Klasse
Geht es dabei immer um Geld
Eher Kaffee oder Tee nur die
Sprache am Ende die von
Luther über Goethe und Kant
Zu Mann und Mascha Kaleko
Der galizischen Jüdin die auf
Schönste Art deutsch dichtete
Biedermeier und Bauhaus im
Deutschen Wald oder mitten
In Berlin noch Zuhause scheint
Deutsche Romantik und Dürer
Neue Sachlichkeit bis Moderne
Das deutsche Wesen vom Meer
Bis zu den Bergen anzuwesen 
Ohne sagen zu können wo es
Mehr oder weniger wirklich
Ganz typisch noch ist was
Meist eher abfällig dazu klingt
Wer sich stolz darauf nennt der
Mehrheit doch eher peinlich ist
Was ist nun wirklich deutsch 
Vom Scheitel bis zur Sohle wie
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Der äthiopische Prinz der ein
Corpsstudent war und seit den 
Sechzigern in Deutschland lebt
Seinen wunderbaren Band aus
Der Anderen Bibliothek genannt
Überlege ich und weiß es nicht
Von allem vermutlich etwas nur 
Streng nach Norm dabei bitte
Darüber herzlich gelacht und
Fertig ist das gute Deutschland
Für das Stauffenberg aufstand

jens tuengerthal 21.6.26

Volksheld

Volksheld

Ein jesidischer Kurde mit deutschem 
Pass türkischer Staatsangehörigkeit 
Namens Deniz Undav der in
Varel geboren wurde schießt 
Seine Wahlheimat nach dem
Zweimaligen Vorrundenaus
Als goldene Einwechslung 
Ins WM Achtelfinale und wird 
In Deutschland dafür gefeiert
Wer Weltmeister werden will
Und Spaß am Spiel möchte
Sollte also dringend die AfD
Mit ihren Träumen von Deportation 
Verbieten um mit der bunten 
Mannschaft wieder zu feiern 
Die gut ist weil so vielfältig

jens tuengerthal 21.6.26

Nachtliebe

Nachtliebe

Liebe die Nacht sehr
Auch weil es kühler wird
Nach sonnig heißen Tagen
Sie mir tiefe Ruhe schenkt
Obwohl Berlin nie schläft 
Irgendwas hier immer ist
Gibt die Nacht wenn die
Meisten einfach schlafen 
Du nicht erledigen musst
Noch nicht mal kannst weil
Das meiste geschlossen hat
Eine grenzenlose Freiheit
Es ist meine Zeit dann allein
Gerne ganz für mich mit ihr
Schenkt sie mir tiefe Erfüllung
Was wohl Vollzug der Liebe ist
Die ich im Dunkeln ganz lebe 
Auch in den kürzesten Nächten 
Bevor die Sonne wieder wendet 
Bleiben genug dunkle Stunden
Zu genießen was alles nicht ist 
Denke ich glücklich darüber
Was sich in der Nacht findet

jens tuengerthal 21.6.26

Liebesverwundert

Liebesverwundert

Die Liebe ist ein Wunder
Das immer wieder auch
Verwundert um uns dann
Erstaunlich zu verwandeln
Egal ob dann verliebt oder 
Schon in tiefer Liebe noch 
Immer verliebt wissen wir
Wenig von dem vielen was
Dabei mit uns geschieht
Sind uns aber dabei ganz
Sicher dass es nun nur so 
Sein kann wie es ist weil
Es ist was es ist
Mehr nicht 

jens tuengerthal 21.6.26

Nachspielriesling

Nachspielriesling 

Nach dem Spiel noch ins Crossroads
Auf einen Riesling auf der Terrasse
Den Selma die sommerlich leicht
Bekleidet auch ist gleich brachte

Hier sitzen noch einige um die
Warme Sommernacht zu genießen
Neben mir zwei junge Damen die
Eifrig plaudern sonst bunt gemischt

Langsam wird es ruhiger nachdem 
Erst hupende Autos kamen beginnt
Tino nun gegen eins einzuräumen
Als stiller Flaneur darf ich noch 

Direkt an der Straße sitzend sind 
Die anderen Gäste etwas entfernt
Dafür sind die Damen neben mir 
Laut genug und lästern über Botox

Noch tingeln viele durch die Straßen
Die Stimmung ist erleichtert fröhlich 
Hier ist es ruhig gelassen bis auf
Die jungen Damen neben mir

jens tuengerthal 21.6.26

Deutschelfenbein

Deutschelfenbein

Heute Fußball vor der großen
Leinwand im Café Liebling wo
Noch ein Platz vorne frei war
Und los geht es mit dem Fußball

Es beginnt zügig hin und her in der
9. Minute der erste Torschuss mit
Kopfball der kurz verletzte Spieler
Schlotterbeck kehrte zurück

Ein erstes deutsches Tor zählt
Leider nicht da Foul am Torwart
In der 22. Minute und weiter nach
Erholungspause für den Torwart

Nach kurzer Trinkpause geht es
Weiter und die Elfenbeinküste schießt
Das 1:0 nach schnellem Konter sehr
Schön gemacht leider

Dann wieder ein deutsches Tor was
Leider nicht zählt wegen Foul vom
Musiala vorher noch nun ein Freistoß
Aus dem leider nichts wird 

Es bleibt zur Pause 1:0 für die Ivorer
Die auch einen Fan im orangenen
Trikot hier haben die Mehrheit ist 
Ein wenig erstaunt noch

Weiter geht es hin und her beide
Haben Chancen in der 67. Minute
Endlich schießt Undav das 1:1
Nach schönem Zuspiel vorher

Das deutsche Team stürmt befreit
Nach vorne und kurze Pause dann
In der 3. Minute der Nachspielzeit
Das 2:1 wieder durch Undav

Sie haben sich also stark wieder
Zurückgekämpft und das Spiel
Endet 2:1 die Zuschauer jubeln
Klar wurde wie wichtig Undav ist

Ob der Bundestrainer ihn im nächsten
Spiel wieder nur einwechselt werden
Millionen deutsche Bundestrainer nun
Vermutlich aufgeregt diskutieren 

jens tuengerthal 20.6.26

Samstag, 20. Juni 2026

Lektürentagebuch 20.6.26

Lektürentagebuch 20.6.26

Am 2. Juli 1581 reiste der Autor und
Philosoph Michel de Montaigne aus 
Florenz an einem Sonntag nach dem
Mittagessen ab gen Westen 

Lese heute in seinem Tagebuch der
Reise nach Italien über Deutschland
Wie die Schweiz aus der geliebten 
Anderen Bibliothek mal wieder weiter

Sie kamen durch eine sehr fruchtbare
Ebene in der die berühmtesten Felder
Für Melonen in der Toskana lägen
Dabei sein die guten Sorten nie vor

Mitte Juli reif und die allerbesten gäbe
Es in Legnaia drei Meilen von Florenz
Ihre Straße führt sie an Castelli und
Dörfern sehr eben dabei vorbei

Ein Landgut klang antik ohne es je
Zu sein dabei beeindruckten ihn 
Drei Dinge sehr die Sonntagsarbeit
Des Volkes auf den Feldern erstens

Wie diese mit der Laute in der Hand
Ariost im Mund führen selbst die nur 
Hirtenmädchen was einem aber in
Ganz Italien auf diese Art begegne

Drittens wie sie das gemähte Korn
Über zwei Wochen auf den Feldern
Lassen ohne dabei zu fürchten dass
Der Nachbar es stehlen würde 

In der Dämmerung erreichten sie
Scala es gab dort nur einen Gasthof
In der Umgebung von zwanzig Meilen
Der aber sehr gut wohl war 

Allerdings aß Michel nahezu nichts
Da er Zahnschmerzen hatte die oft
Mit seiner Migräne kämen ihn leider
Am Essen völlig dann hindern 

Am Montag den 3. Juli 1581 folgten 
Sie weiter der ebenen Straße längs 
Des Arno bis sie gegen Mittag nach
Pisa kamen was dem Herzog von

Florenz gehöre und wo der Arno
Nach einigen Meilen mündet
Die Schulen waren bereits alle
Geschlossen der Hitze wegen

So halten sie es über die drei Monate
Mit der größten Hitze jedes Jahr was
Heute sehr vernünftig auch klingt dort
Lernen sie eine Komödiantentruppe

Kennen die ganz hervorragend war 
Weil ihm der Gasthof nicht zusagte
Mietete er ein Haus mit vier Zimmern
Wie einem großen Esssaal dazu 

Die Miete war günstig aber da dort
Servietten so selten wie Bettwäsche
Also nur einmal die Woche noch
Gewechselt wurden aßen dort nur 

Die Diener sie aber lieber außerhalb
Das Haus blickte wunderbar auf den
Kanal als welcher der Arno  das sonst
Stadtgebiet breit durchfließt 

Am Mittwoch den 5. Juli besichtigen
Sie den Dom der steht wo früher noch
Ein Palast Kaiser Hadrians stand der 
Im Bau Trümmer der Antike verwandt

Er ließ sich also drei Tage Zeit bevor
Die größte Sehenswürdigkeit von ihm
Hier überhaupt betrachtet wurde was 
Sein typisch ironischer Humor ist

Den Campanile dort der als schiefer
Turm heute noch weltberühmt ist sah
Er auch der ringsum noch offene 
Säulengänge damals hatte 

Auch die benachbarte Kirche mit dem
Namen San Giovanni besucht er und
Staunt über ihren Reichtum erzählt
Geschichten von Medici Herzögen

An Reliquien und Kunstwerken
Gäbe es hier mehr als irgendwo sonst
In ganz Italien besonders gefiel ihm
Der Friedhof Camposanto noch

Dazu erzählt er schöne Geschichten
Mit einem gewissen Humor über die
Dort rasante Entwicklung der Leichen 
Zu ganz bleichen Skeletten

Angeblich sei der Friedhof mit Erde 
Aus Jerusalem aufgeschüttet worden
Das die Flotte brachte mit der Pisa am
Kreuzzug von Barbarossa teilnahm 

Von den Bergen holen sie sich ganz
Wunderschönen Marmor und hätten 
Hervorragende Steinmetzen in der 
Stadt arbeiteten auch für den König

Von Fez in der Berberei Handel war
Dort schon ganz lange international 
Erzählt von großen Säulen wie dem
Königlichen Gedenken in freier Stadt

Wenn schon Italien dann auch noch
Mit Johann Gottfried Seume nach
Triest auf seinem Spaziergang nach
Syrakus der passend weiter geht

Er beschreibt sehr anschaulich eine
Pension von drei Schwestern die in
Prewald von den Damen immer noch
Betrieben wurde die eigen waren

Wie er dort mit einem Feldpriester
Der Dauergast war an den Tisch kam
Sie freundlicher wurden als sie seine
Goldene Uhr dazu noch sahen

Von Triest könnte er nicht viel sagen
Die Stadt sei sehr merkantil was er
Nun überhaupt nicht je noch wäre
Der Anblick von oben wäre schön

Auf einige Zeit sei es ein Vergnügen
Was es auf Dauer sicher nicht sei als 
Ein Amphitheater am Meerbusen mit
Zu hohen Bergen drumherum noch

Auf den Bergen überall sehr schöne
Weingärten er könne darüber aber
Nicht urteilen bisher die Altstadt sei
Eng dunkel und damit auch finster

Die Neustadt sei dem Meer schon
Abgewonnen worden er wohnte in
Dem Gasthof in den Winkelmann
Von einem Bedienten ermordet wurde

Die Aussicht wäre sehr schön nach
Dem Hafen vielleicht sogar war es
Das Zimmer des Mordes sogar wir
Sind spürbar schon in Italien nun

Dafür trifft er den Philologen Abraham
Penzel der als Sprachmeister dort ist
Eine wechselhafte Karriere machte 
Die immer wieder am Wein auch hing 

Das beste Haus der Stadt sei das
Eines Griechen prächtig ganz neu
In gutem Stil erbaut doch klagen die
Triester über den Frieden weil sie

Am Krieg besser verdienen würden
Das neue Schauspielhaus sei das
Bisher beste seines Weges dabei
Gehören alle Logen den Kaufleuten

Es wäre ein großer Lärm im Theater
Typisch italienisch eben würde dort
Konversation wie Rendezvous bis
Zur Börse getrieben und mehr

Auf der Reise ins Paradies fuhr das
Ehepaar Gondela am 15. September 
1802 von Würzburg bis Adelsheim 
Schwärmen von Wald und ersten

Blicken auf den Odenwald an dem
Auch Heidelberg liegt das Ziel ihrer
Hochzeitreise voll romantischer
Erinnerungen also noch für sie

Eigentlich wollten sie schon bis
Nach Neckarelz aber als der Gasthof
In Adelsheim gut war und ihr Postillon
Sie mit gefährlicher Fahrt nervte

Blieben sie eben in Adelsheim
Wo alles ordentlich schön war
Hier lobten die Menschen die
Bald neue Aufteilung des Landes

Auch Henrich Gondela der sich zuvor
Schon mehrfach über den Zustand
Der Straßen beschwerte meinte es
Könnte mit klarem Besitz besser sein

Dort wechselten die Grenzen ständig
Zwischen Kurmainz Reichsrittern wie
Der schon Kurpfalz hin und her aber
Keiner pflegte die Straßen noch

Das zumindest könnte mit neuen
Klaren Grenzen wohl besser werden
Wandelt Heinrich Gondela seine 
Sicht auf das Ende des Reichs

Spannend wie unterschiedlich hier
Durch die Jahrhunderte gereist wurde und wie nah sie sich doch waren im
Tempo wie auch im Denken dabei

jens tuengerthal 20.6.26

Brummer

Brummer 

Ein Brummer brummt durch meine
Bibliothek er scheint ganz aufgeregt
Nervt und stört beim Lesen sehr
Der erste Reflex ist Fliegenklatsche

Dann zögerte ich einen Moment
Dachte an Alphonse Karr der in
Der Reise um seinen Garten auch
Die Insekten fein beschreibt

In ihrer Fortpflanzung wie in ihrer
Sehr diffizilen Schönheit und schon 
Schien es mir absurd ein Tier nur 
Töten zu wollen weil es nervt

Immer wieder flog der dicke Brummer
Zum Fenster wollte offensichtlich raus
Als ich dort hin ging flog er weg wie 
Es ihn die Erfahrung lehrt und was

Täten wir käme ein so riesiges Wesen 
Auf uns zu dem verglichen auch die
Dinosaurier die immer trauriger sind
Noch winzig natürlich wirken

Mutig näherte sich die winzige Fliege
Als wollte sie mir etwas mitteilen 
Doch ich verstand sie nicht wirklich 
Ob ich wie Scheiße für sie roch

Beschloss Gelassenheit zu üben 
Statt mich aufzuregen oder auf
Fliegenjagd zu gehen was für beide
Harte Minuten wohl waren

Dann aber musste ich zufällig
Also den Diwan dazu verlassen 
Öffnete bevor ich den Raum in Ruhe
Verließ ein Fenster ganz weit

Als ich zurückkam hörte ich schon
Nichts mehr brummen schloss das
Fenster und hatte meine Ruhe wieder
Mit wie wenig ein Leben gerettet

Dachte ich dabei und freute mich
Wie die Erinnerung an gute Bücher
Alles zum besseren wenden kann
Sollte ich mir vielleicht merken 

jens tuengerthal 20.6.26