Freitag, 28. August 2026

Lektürentagebuch 28.8.26

Lektürentagebuch 28.8.26

Zu Goethe Geburtstag liege ich auf
Dem hier nur improvisierten Diwan
Einige der alten Bände aus dem
Vergangen Jahrhundert bei mir

Von 1866 und 1869 sind die Bände 
Der hiesigen Familienbibliothek seit
Weit über hundert Jahren schon im
Besitz der Familie aber doch nicht 

Die handsignierten Erstausgaben
Aus der Bibliothek noch meines
Ururgrossvater dem Hofbibliothekar
Zu Gotha die meine Großeltern 1945

Auf der Flucht in Güstrow leider ließen
Doch alt genug sich des Alten würdig
Zu erinnern denke ich um nicht zu
Sehr an den Verlusten zu leiden

Beginne wie ich einst begann in den
Späten achtziger Jahren noch des
Vergangenen Jahrhunderts mit den
Lehrjahren des Wilhelm Meister

Im ersten Kapitel der Ersten Buches
Erwartet Barbara ganz aufgeregt ihre
Junge Herrin Marianne weil ein Paket
Mit Geschenken für beide kam 

Sie hat schon erlaubterweise die 
Siegel gebrochen und nachgeschaut
Was Norberg der junge aber reiche
Kaufmann seiner Geliebten schickte 

Er tat dies vermutlich wohlwissend
Um die Flatterhaftigkeit der Herzen
Junger schöner Damen die gerade im
Theater einen Offizier gespielt hat

Sie kommt herein und während die 
Aufgeregte Marianne ihr die Gaben
Präsentiert ist sie ganz desinteressiert 
Sagt sie werde ja auf sie hören

In Zukunft und überhaupt aber heute
Wo sie noch in Uniform hereinstürmt
Will sie ganz sich gehören und ihr
Herz an den Jungen verschenken 

Die alte Barbara versucht noch die
Wilde junge Frau aus der Uniform
Auszuziehen um ihr ein Kleid anstatt
Anzuziehen aber diese wehrt sich

In diesem Moment kommt Wilhelm
Der junge Kaufmannssohn herein 
Marianne fällt ihm um den Hals noch
In ihrer roten Uniform im Sturm

Elegant zieht Goethe sich hier aus
Der Szene lässt was geschah offen
Denn wer wagte dies zu beschreiben
Wir entfernen uns lassen sie allein

Im zweiten Kapitel ermahnt die Mutter
Am Morgen Wilhelm dass der Vater 
Ihnen den täglichen Theaterbesuch
Verbieten wolle es sei unnütz

Darauf beginnt eine Debatte zwischen
Mutter und Sohn was denn im Leben
Je nützlich wäre als das Vergnügen 
Wohin das viele Geld nur führe 

Er Wilhelm bräuchte weder das neue
Haus noch die englischen Möbel
Auch die Seidentapeten fände er
Völlig überladen und unnötig

Die Mutter bereut dann dass sie
Ihnen als Kindern das Puppentheater
Schenkte denn der Vater meint darum
Werde nichts mehr aus Wilhelm 

Begeistert erinnert sich Wilhelm nun
An das Theater seiner Kindheit den 
Vorhang wie ihre Stücke und will es 
Sogleich es einem Freund zu zeigen

Das dritte Kapitel beginnt mit den
Gedanken zur ersten Liebe welche
Die schönste sei und warum Wilhelm
Dabei dreifach glücklich gleich ist

Er lernt das große Glück dazu noch
Gegenseitig in vollem Umfang kennen
Teilt diese Freude mit der Liebsten die
Er zuerst im Theaterglanz noch liebte

Dabei geht Wilhelm sehr bedacht vor
Verrichtet alle Geschäfte pünktlich ist
Beim Abendessen unterhaltsam geht 
Erstmal nicht mehr ins Theater und

Verschwindet nur des Nachts ganz
Unauffällig aus dem Haus um so
Marianne nach der Vorstellung zu
Sehen die Nächte zu genießen

Dabei bringt er die Puppen mit und
Erzählt vom Puppenspiel aus seiner
Kindheit und die beiden spielen nun
Ganz verliebt mit den Puppen

Im vierten Kapitel erzählt Wilhelm
Wie er nach dem ersten mal das
Theater unbedingt wiedersehen
Wollte was der Vater erst verbat

Dieser meinte Kinder und Alte 
Sollten was sie begehren nur 
Selten bekommen um es noch
Wirklich schätzen zu können

Dabei wäre es wohl geblieben
Wenn nicht ein Gehilfe des
Vaters zufällig vorbei kam der sich
An sein Kindertheater erinnerte

Es holte und eine Aufführung mit
Den Puppen begann und wie er
Wilhelm dann unter den Vorhang
Noch schlüpfte zu sehen wie alles 

In dieser magischen Theaterwelt
Entstanden was ihn nachdenklich
Machte er verstand nichts mehr weil
Ihm der Zusammenhang fehlte

In die Wahlverwandtschaften mit
Dem ersten Kapitel des ersten Teils
Dieses erotisch emotionalen Roman
Eingetaucht und darin versunken 

Eduard packt sein Gartenwerkzeug
In das dafür Futteral was schon ein
Wunderbar sinnlich doppeldeutiger
Beginn nach Setzen der Triebe ist

Bewundert die Gartenhütte die
Charlotte errichtete aber nennt sie
Eng zumindest für mehr dann eiern 
Beide noch etwas um das Thema 

Schließlich auf ihre Nachfrage was 
Mit ihm sei beginnt er ihr vom
Hauptmann zu erzählen dem Freund
Dem es gerade nicht gut ginge 

Er meint es wäre ideal ihn bei sich 
Im Schloss aufzunehmen doch hat
Charlotte Bedenken die sie beide
Lange hin und her wenden ohne

Eine gemeinsame Lösung zu finden
Dabei erinnert Charlotte Eduard an 
Ihre gemeinsame Liebesgeschichte
Wie sie erst anders verheiratet waren

Beide davon irgendwie freikamen
Ob durch Tod oder sonst und sich
Einander versprachen um in dem
Schloss von Eduard zu leben

Wie sie auf ihre Nichte Ottilie 
Verzichtete und ihre Tochter
In Berlin ließ damit sie sich
Ganz aufeinander konzentrieren

Da gehörte kein Dritter hinein
Wogegen Eduard argumentiert
Der Hauptmann störe nicht wäre
Nur eine gute Ergänzung dazu 

Charlotte bringt viele Argumente
Wie das ihr Glück gefährden könnte 
Die Eduard entkräften möchte dabei
Kommen erste Thesen zum Wesen 

Also was Mann und Frau danach
Wesensgemäß unterscheidet aber
Belegen gleich das Gegenteil auch
In der Art ihrer Argumente

Schließlich bittet Charlotte noch um
Bedenkzeit und Eduard will lieber
Gleich losen um zu entscheiden
Er will machen und sie bedenkt

Dann beruft sie sich auf ihr Gefühl
Den weiblichen Instinkt quasi was 
Die Situation spannend offen hält
Große Menschenkenntnis uns zeigt

Genial wie Goethe hier im Dialog
Die möglichen Krisen der Liebe
Zeigt und einen Roman um die
Liebe im Keim gleich beginnt

jens tuengerthal 28.8.26

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