Mittwoch, 12. August 2026

Lektürentagebuch 12.8.26

Lektürentagebuch 12.8.26

Weiter ging es bei Sebastian Teruel
In Die Suche Das Heilige nun in die
Wüste sich dem Aberglauben wie
Dessen realen Spuren zu widmen

Dabei sind nun neben dem Matrosen
Murray dem preußischen Oberst auch
Ein ziemlich esoterischer Reiseleiter
Der die üblichen Sprüche loslässt

Das ist für jeden Menschen mit
Kritischem Verstand nur noch
Schwer zu ertragen auch wenn mit
Marie noch eine Frau auftaucht

Diese hat eine erstaunlich freie
Wie selbständige Position wird
Als intelligente Schönheit mit
Viel Erfahrung dabei beschrieben

Wie sich der zarte Flirt zwischen
Heinrich und ihr weiter entwickelt
Hält Leserinnen neugierig die beim
Esoterischen Gelaber des arabischen

Führers der scheinbar auch geistige
Pfade am Lagerfeuer beleuchten wie
Den rechten Weg zeigen soll sonst
Schon gelangweilt einschliefen

Das ist alles nett ausgedacht und 
Meist auch gut geschrieben aber
Das immer gleiche Gelaber der
Esoteriker ist schwer erträglich

Es ist insoweit gut recherchiert
Trifft den Ton dieser Truppe gut
Macht es aber darum nicht weniger
Unerträglich in der Wiederholung

Von der Schwingung des Universums
Bis zur Astrologie wird alles berührt
Die Wüste und ihre Extreme führt
Reisende dabei gut auf sich zurück

Schon mancher der an seine
Grenzen kam in der Wüste hat
Dort gemeint mehr zu sehen aber
Wer Visionen hat gehört zum Arzt

Standhaft die Vernunft verteidigt
Dort nur noch der treue Diener Georg
Der sich daher meist lieber enthält
Es ist schon schwer erträglich

Lese es weiter auch weil ich den
Autor Sebastian sehr schätze auf
Die Diskussion gespannt bin dies 
Sammelsurium an Esoterik hätte 

Sonst sehr schnell meine Lektüre
Beendet aber noch besteht die
Hoffnung einer Wende zur Vernunft
Vieles ist auch gut recherchiert

Die Betrachtungen zur aramäischen
Sprache und ihrer Bedeutung waren 
Klug und erhellend auch wenn die
Betonung des abtrünnigen Rabbi 

Der sich Jesus nannte und diese
Sprache wohl sprach eher lästig war
Als sei dessen Muttersprache von
Irgendeiner Bedeutung bei der

Beurteilung der in seinem Namen
Seitdem begangenen Morde weltweit
Nie wollte ich dorthin reisen wo an
Jeder Ecke Aberglauben noch lebt

Orte werden nicht heilig gut oder
Kultiviert weil dort zufällig auch die
Geschichten im Märchenbuch der
Weltreligionen spielen im Gegenteil

Bevor nicht die ganze Region von
Indien bis Afrika dem Aberglauben
Abschwört kann kein Mensch von 
Vernunft diese noch ernst nehmen

Aber allem Gemecker zum Trotz 
Auch der kleinen Fehler im Text
Bin ich immer noch fasziniert von
Der tiefen Recherche Sebastians


Nach dem Ausflug in die dunklen 
Reiche religiöser Esoterik braucht
Der Geist noch etwas vernünftiges
Darum Friedells Kulturgeschichte

In diesem der Neuzeit gewidmeten 
Band geht es nun um das Konzert
Der Mächte in Europa und dabei
Die Harmonien des Zusammenspiels

Frankreich spielt in dieser Zeit nach 
Friedell nur noch die Rolle eines
Lüsternen und impotenten Intriganten 
Nach dem spanischen Erbfolgekrieg

Kommen Begriffe wie europäisches
Gleichgewicht und das Konzert der 
Mächte in der Diplomatie in Mode
Als gäbe es ein Orchester in dem es

Keine dominierende Stimme geben
Dürfte da dies aber von Missgunst 
Bestimmt war gab es dennoch Kriege
In denen Allianzen sich bekämpften

Der Gegensatz von Frankreich zu
Habsburg blieb bestehen während
Spanien und Schweden Ausscheiden
Dazu kamen Preußen und Russland

England war schon damals eher der
Schiedsrichter in Europa aufgrund
Längerer diplomatischer Schulung
Wie höherer politischer Reife noch

Die territorialen Veränderungen sind
Bis auf Schlesien das Preußen raubte
Für Friedell eher uninteressant es war
Ein stetes Geben und Nehmen dabei

Ein Versuch von Philipp V Spaniens 
Die Nebenländer zurückzugewinnen
Scheiterte an der Quadrupelalianz 
England Frankreich Österreich Holland

Kaiser Karl VI hatte den größten Teil
Seiner Regierungszeit damit verbracht
Die Pragmatische Sanktion für die
Thronfolge Maria Theresias zu retten

Alle Zusagen die er mühsam noch
Errungen hatte wurden nach seinem
Tod gebrochen so kam es zum dann
Österreichischen Erbfolgekrieg

Dieser versetzte Habsburg in seine 
Schwerste aller Krisen dabei gewann
Nur Preußen Bayern erhielt Böhmen 
Dessen Kurfürst wurde Kaiser Karl VII

Doch bald wendete sich das Glück
Bayern wurde wieder vertrieben sein
Nachfolger wurde Maria Theresias
Gatte Franz von Lothringen dieser

War nach Verlust seiner Erblande
Herzog der Toskana geworden auf
Dem Stiefel wurde dafür viel an
Land und Herrschaft mal getauscht

In diesem Duodezabsolutismus ging
Es nie um die Wünsche der Völker
Es waren private Konflikte der jeweils 
Beteiligten Potentaten um ihre Macht

Dabei ahmte der ganze Kontinent den
Bereits absteigenden französischen 
Absolutismus noch nach was in den
Deutschen Kleinstaaten grotesk war

Jeder Fürst wollte Versailles kopieren 
Mit Oper Lustschloss Fasanerie wie
Mätressen so hielt sich Friedrich I
Eine Scheinkonkubine zur Schau

Eine Fortsetzung dessen zeigt bis
Heute der deutsche Föderalismus
Mit seinen teils schon grotesken
Auswertungen in einzelnen Staaten

So hatte August der Starke fast 
Dreihundert uneheliche Kinder
Eines die Gräfin Orselska wurde
Seine Geliebte später noch dreister

War Herzog Leo von Württemberg der
Seine unehelichen Kinder auch noch
Untereinander verheiratete und alle
Fanden das so auch in Ordnung

Es galt als hohe Ehre sogar wenn
Der Fürst sich zu einer bürgerlichen
Herabließ auch sonst Eingriffe in das
Leben wurden klaglos hingenommen

Die Jagden richteten unermesslichen
Schaden in der Landwirtschaft an
Bezahlt wurde der Luxus häufig durch
Verkauf der eigenen Landeskinder 

Dafür gab es in Deutschland im 18.
Jahrhundert auf zwanzig Menschen
Einen Geistlichen und fünf Bettler 
Der Hof bestimmte was kam

jens tuengerthal 12.8.26

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