Lektürentagebuch 30.8.26
Weiter Egon Friedell in seiner so
Guten Kulturgeschichte der Neuzeit
Über das Genie Friedrichs gelesen
Was aus vielen Gründen erstaunlich
Der Geniegedanke ist ein Produkt des
Sturm und Drang der 1760 bis 1795
In der deutschen Literatur tobte aber
Für den frühen Friedrich eher erstaunt
In der Debatte der Gründe für die
Eroberung Schlesiens die Preußen
Erst zur Großmacht machten aber
Fast auch in den Abgrund führten
Ergreift der Wiener Friedell der noch
Im kuk Österreich geboren wurde klar
Partei für Friedrich und gegen seine
Königin Maria Theresia was doch
Für einen 1878 in Wien geborenen
Mann reicher jüdischer Herkunft
Zumindest erstaunlich noch ist weil
Die Empörung dort sehr lange währte
Auch war da der letzte Krieg gegen
Österreich erst weniger lange her
Die Schlacht bei Königgrätz war 1866
Also zwölf Jahre vor Friedells Geburt
Damals wollte Wilhelm nach Wien
Was quasi offen vor ihnen lag auch
Moltke wäre bereit gewesen doch
Bismarck fand es da unpassend
Unter der Überschrift Politik erläutert
Friedell das damals eher magere
Preußische Reich vor Friedrich das
Voltaire noch Grenzenreich machte
Es war zerstückelt mit einem kleinen
Flecken im Westen und dem vom
Rest getrennten Ostpreußen östlich
Eigentlich kaum allein lebensfähig
Der Osten ein Erbe des Deutschen
Ordens die dort christianisierten
Als sie sich auflösten über einen
Hohenzollern als Großmeister
Zu dem Günstling des Kaisers kam
Der einst Burggraf zu Nürnberg aber
Aus Schwaben wie Barbarossa auch
War wenn der kein Pfälzer Bub blieb
Durch die Eroberung Schlesiens ist
Das Land um ⅓ gewachsen und die
Bevölkerung immerhin um die Hälfte
Erst dadurch wurde Preußen stabil
So wurde die Basis der Großmacht
Die es in Europa wurde erst gelegt
Von daher scheint Friedell auch die
Eroberung sehr verständlich
Ab da also 1745 betrachtete er sich
Als gesättigt und wollte keine Katze
Mehr angreifen es sei denn er werde
Dazu gezwungen was Maria Theresia
Rachsüchtig noch sieben Jahre tat
Er wurde zu diesem Krieg gezwungen
Das Gegenteil könnte nur behaupten
Wer schwachsinnig sei was er sicher
Nicht war nach Friedell aber dafür
Begann er den Krieg in dem Moment
Der ihm verhältnismäßig schien und
Sachsen darum auch überfiel
Das Gerede vom brutalen Überfall
Von 1740 und dem Vertragsbruch
Nach der pragmatischen Sanktion
Sei eine österreichische Lüge
Vielmehr hätte der Kaiser schon
Im Bündnis mit Frankreich England
Wie Holland versucht seinen Vater
Zum Verzicht auf Berg zu drängen
Dieses Herzogtum im Westen hatte
Er nach der pragmatischen Sanktion
Erhalten und das er völlig unüblich
Ohne Warnung im Winter angriff
Nennt Friedell einen Teil des großen
Genie von Friedrich der neue Wege
Auch in der Kriegsführung wagte
Weil er es konnte und bereit war
Sein Vater hatte ihm die riesige Armee
Vererbt er nutzte sie und machte so
Etwas aus Preußen in Europa ließ
Damit Österreich zugleich schrumpfen
Er tat es weil er es konnte ganz egal
Welche Begründung dafür gegeben
Musste es aus seiner Sicht tun um
Als Souverän sich damit zu opfern
Friedell meint Friedrich wurde durch
Sein Genie Märtyrer des Handelns
In dessen trüber politischer Sphäre
Und war sich dessen vollauf bewusst
So sieht Friedell Friedrich als meist
Missverstanden er war kein Erbfeind
Österreichs sondern vielmehr die
Völlige Zertrümmerung des Landes
Durch Bayern und Frankreich durch
Den Separatfrieden verhindern wollte
Nur Schlesien wollte auf das aber
Maria Theresia eigensinnig bestand
Dass er mit seiner Annexion im Recht
War zwar nicht nach dem immer nur
Zweideutigen Völkerrecht das nur die
Besiegten gerne anrufen aber nach
Dem Tribunal der Kulturgeschichte
Scheint Friedell völlig klar wenn der
Spätere geistig moralische Zustand
Des preußischen Schlesien mit den
Österreichisch verbliebenen Teilen
Verglich die weit zurück blieben wie
Galizien oder Mähren bewiesen wie
Die Eingliederung von Westpreußen
Durch die erste polnische Teilung
Welche Friedell hier still übergeht
Völlig unblutig erfolgte erst die
Mark zum Reich Preußen machte
Durch diese Verbindung an der
Ostsee wurde Preußen erst zur
Neuen nordischen Großmacht
Mit einer Arrondierung der Gebiete
Nebenbei bemerkt was Friedell leider
Übergeht war Friedrich erst damit
König von Preußen geworden denn
Bis dahin war er nur König in Preußen
Was hieß nach der Goldenen Bulle
Gab es nur den König von Böhmen
Als König im Reich die noch von
Friedrichs Großvater teuer erworbene
Krone als König galt in Ostpreußen
Der östlichen polnischen Provinz die
Vom Deutschen Orden einst kam
Die Verbindung schuf erst Friedrich
Das sehr positive Urteil über
Friedrich ist überraschend von
Einem Wiener aus Überzeugung
Aber entspricht den Tatsachen
Im Gegensatz zu Maria Theresia
Die Friedrich eine der drei Erzhuren
Nannte neben der Pompadour und
Zarin Elisabeth war ihr Sohn
Der spätere Käufer Joseph II ein
Bewunderer Friedrichs wozu Menzel
Ein wunderbares Bild im Treppenhaus
Von Schloss Hubertusburg malte
Historienkitsch halt auf preußisch
Bis heute zentral in der Berliner
Alten Nationalgalerie aber davon
Erzählt der Wiener Friedell nichts
Friedrich eroberte weil er es konnte
Die Armee hatte und die Chance nutzt
Als Österreich noch geschwächt war
Um sein Reich östlich abzurunden
Alle die Friedrich hoch halten aber
Putin den KGB Mann und Anhänger
Der Sowjetunion verurteilen der
Ähnliche Motive hat könnten irren
Der Blick der Kulturgeschichte den
Friedell für Friedrich hier einnimmt
Zeigte die Eroberungen taten gut
Wie wird einst über Putin geurteilt
Dies heute zu fragen ist schon
Politisch gefährlich jedoch dazu
Zu schweigen wäre unaufrichtig
Wie wirklich die Wirklichkeit auch ist
Alle neuen Länder verwaltete König
Friedrich II mustergültig es gab zwar
Energische aber maßvolle Reformen
Wie das Preußische Landrecht
Das allerdings erst unter seinem
Erben Friedrich Wilhelm II in Kraft trat
Aber unter Friedrich verfasst wurde
Was der Fanboy Friedell verschweigt
Baute Kanäle und in ließ Moore
Trocken legen die wir heute mühsam
Wieder befeuchten wollen baute eine
Merkantilistische Wirtschaft auf
Dies mit allen Fehlern die diese hat
Wie den gravierenden Folgen aber
Er bemühte sich immer wieder auch
Fehler im Detail zu korrigieren
Er schrieb eine Mindestmenge Salz
Vor die jeder Haushalt verbrauchen
Sollte und wer heiratet musste das
Porzellan von KPM kaufen dazu
Doch gab es auch Maulbeerplantagen
Für eigene Seidenproduktion wie sein
Bemühen um die Kartoffel so manche
Hungersnot noch verhinderte
Napoleon sagte Genie sei Fleiß auch
Diese Definition passt nach Friedell
Zu Friedrich der ihn Cäsar vergleicht
Das Genie könnte und wüsste alles
Nie sei das Genie ein Spezialist er
Wäre ein Polyhistor des Lebens was
Er ergreift forme er damit auch was
Dem Autor hier fragwürdig scheint
Zwar war mein Vater auch so ein
An allem interessiertes Genie der
Durch seine Neugier sich für alles
Begeistern konnte was er sah
Friedrich hatte sicher solche Seiten
Doch hat das Genie immer auch
Den dunklen Schatten der Zweifel
Bis zur Verzweiflung um sich
Gelegentliche völlige Ignoranz für
Ihm uninteressant erscheinende
Gebiete wurde gepaart mit einer
Teils übermäßigen Euphorie noch
Wie alle Menschen dieser Art hatte
Auch mein Vater und vermutlich
Friedrich genauso seine chaotischen
Abgründe zu denen Friedell schweigt
Einige der Biographien Friedrichs
Die ich einst als Recherche noch las
Deuten etwas davon an auch in dem
Trauma seiner Liebe zu Katte
Dazu bei Fanboy Friedell bisher
Noch kein Wort was etwas dünn ist
Für ein umfassendes Bild dieser
Vielfach traumatisierten Persönlichkeit
Immerhin ist diese etwas einseitige
Verklärung von Friedrich eine Art
Opposition zum Maria Theresia Kult
Der in Wien teilweise noch herrscht
Heute gerne ersetzt durch den dafür
Sissi-Kult der eine magersüchtige
Hippe mit Fitnesswahn glorifiziert
Dann schon lieber der alte Fritz
Der nahezu zahnlos aus dem letzten
Siebenjährigen Krieg am Ende kann
Darum Maisbrei oder Paella so liebte
Ungepflegt ungewaschen auch war
Spannender aber als all diese
Waren Diderot und Kant die Moral
Menschlich machten und Frieden
Zu Ende dachten als dann ewig
Wer Kriege beginnt weil er es kann
Bleibt immer auch ein Machtpolitiker
Also eine peinliche Gestalt auch im
Kostüm des Freimaurer Philosophen
Friedrich ist eine ganz besondere
Gestalt zwischen einem Haufen
Sehr schwacher Herrscher des
Hauses Hohenzollern außer ihm
Der große Kurfürst hat zumindest
Eine Schlacht gegen Schweden
Gewonnen und den Hugenotten
Weise Asyl geboten der Rest aber
Dieses Hauses ist nicht weiter der
Rede wert Kaiser Wilhelm I der
Lieber ostelbischer Junker war
Bismarck und Moltke alles verdankt
So wenig wie der letzte peinliche
Wilhelm II zu dem wir bei Friedrich II
Besser schweigen weil zu groß der
Abstand geistig zwischen ihnen ist
Dennoch finde ich den Begriff des
Genie dem Friedell inflationär hier
Für Friedrich nutzt unpassend
Der Geniekult kam später
Unter dem Titel Friederisiko gab es
Große Ausstellungen über Friedrich II
In Potsdam im Neuen Palais und im
Park von Sanssouci 2012 zum 300.
Durfte die Ausstellung mit einem
Entfernt Verwandten Friedrichs noch
Besuchen der viel dazu plauderte
Was die Ausstellung lebendig machte
Friedrich als einer der etwas riskierte
In dem riesigen Schloss dass er nach
Dem letzten schlesischen Krieg baute
Potenz zu zeigen aber nie bewohnte
Er liebte eher seinen Weinberg ganz
Ohne Sorgen an der anderen Seite
Des wunderbaren Parks Sanssouci
Zur dort philosophischen Tafelrunde
Neben dem bis heute noch die Mühle
Klappert weil das Friedrichs Bild von
Gerechtigkeit noch entsprach was
Den Menschen Fritz auch zeigt
Nun hat Deutschland wieder einen
Fritz als Kanzler an der Macht bei
Dem keiner auf Genie je käme mir
Was sind die Ideen des Merz
jens tuengerthal 30.8.26
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