Donnerstag, 27. August 2026

Lektürentagebuch 27.8.26

Lektürentagebuch 27.8.26

Mit Egon Friedell weiter in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit über
Friedrich den Großen dabei kommt
Nun der Philosoph der er auch war

Weil Friedrich sein ganzes Leben lang
Von einem großen Leitgedanken noch
Getragen war sei er zum Helden des
Zeitalters geworden meint Friedell

Darum wären auch alle einzelnen
Handlungen im Gegensatz zu denen
Seiner gekrönten Rivalen ideenreich
Geistvoll und sinnerfüllt gewesen

Nun meint Friedell dieser bestände
In nichts anderem als Platons Idee 
Dass die Könige Philosophen und die
Philosophen Könige sein sollten

Zitiert dazu Walter Pater der meinte
Marc Aurel wäre ein so vortrefflicher
Kaiser gewesen da er der Philosophie
Platos folgte in einem Buch über Plato 

Marc Aurel war zuerst Stoiker und
Fern vieler platonischer totalitärerer
Ideen und Friedrich schätzte Epikur
Las noch zuletzt in Lukrez de rerum 

Dies erst macht den aufgeklärten
Absolutismus aus und nicht das er
Plato folgte was schlicht falsch ist
Hoffe es wird im folgenden besser

Die Definition dass Aufklärung die
Ausbreitung der Lichts bedeutet ist
Nach Kant zu kurz gegriffen und nur 
Eine Übersetzung des französischen

Im Abschnitt Genie meint Friedell der
Sich hier philosophisch dünn zeigte
Friedrich hätte sich schon allein durch
Seine Toleranz als Philosoph gezeigt

Dies sei weder Freidenkertum noch
Liberalismus so hätten die meisten
Freidenker einen unfreien Geist weil
Sie keine andere Weltsicht tolerieren

Dasselbe gilt für den üblichen
Liberalismus der liberal nur gegen
Liberale ist alle anderen Menschen
Aber wären Ketzer und Toren

Ihnen wird gegen ihren Willen die
Bessere Weltansicht aufgedrängt 
So wurde meint Friedell im Zeitalter
Friedrichs noch Aufklärung betrieben

So hätte es im 18. Jahrhundert überall
Diktatoren des Fortschritts gegeben
Welche die rückständige Menschheit
Zu ihrem Glück zwingen wollten

Als Beispiele nennt er hierfür dann
Peter den Großen Karl XII Josef II
Katharina II Kardinal Fleury und
Robespierre unter vielen anderen

So hätte der Marquis von Pompal in
Portugal ein Schreckensregiment der
Aufklärung errichtet diese Herrscher
Waren nur gewendete Finsterlinge 

Damit erhärtete sich die psychische
Tatsache dass Toleranz dem großen
Durchschnitt wesensfeindlich sei doch 
Friedrich war als Genie tolerant 

Das Genie toleriert alles weil es alles
Davon latent in sich trägt weiß sich 
Allen anzupassen weil es eigene
Schöpferische Phantasie besitzt

Er übte echte Toleranz die darin 
Besteht jede fremde Individualität 
Anzuerkennen tolerierte daher auch
Die Reaktion war sogar als Oberhaupt

Der deutschen Protestanten noch
Toleranter gegen die Jesuiten und
Duldsamer als der Kaiser der Klöster Schloss ließ er sogar abgebrannte

Katholische Kirchen wieder aufbauen
Obwohl er voreingenommen war mit
Abneigung gegen die Kirche hatte er
Verständnis für andere Anschauungen

Friedrich konnte sich allen praktischen
Bedingungen anpassen war zäh und
Konservativ in der Theorie aber sehr
Beweglich in der Anwendung dafür

Genial war auch seine hemmungslose
Aufrichtigkeit eine auf dem Thron fast
Unmöglich scheinende Eigenschaft
Auch im Verhältnis zur Wahrheit

Zeigte sich dies deutlich er konnte 
Als Politiker die ganze Welt hinters
Licht führen und wollte darin alle seine
Gegner noch übertreffen und dennoch

War er im Zeitalter hohler Lügen einer
Der ehrlichsten Menschen die lebten
Unwahrheit war für ihn quasi nur die
Fachsprache in seinem Beruf

Bei dem was ihm ernst und wichtig
War zeigte er Wahrheitsliebe und
Unbarmherzige Selbstkritik warum er
In der Erinnerung vieler so gut ist

So erklärte dieser geniale Feldherr
Der einzige Ruhm der diesen wert sei
Wäre der des Schriftstellers wie er auf
Feldzügen noch an Versen feilte

Gegenüber Literaten von Rang
Sah er sich als Schüler der von
Ihrer Kunst profitieren konnte aber
Die Jagd als Sport verabscheute

Selbst seine Erlasse waren glänzende
Bonmots etwa den Kirchenräuber frei
Sprach der meinte die Jungfrau hätte 
Ihm das Silber persönlich geschenkt 

Aber für alle Zukunft verbat von der
Heiligen Jungfrau Geschenke noch 
Anzunehmen oder die Untersuchung
Zu einem Offizier der mit seiner Stute

Sodomie getrieben haben soll mit
Den Worten beendete das Schwein
Sei zur Infanterie zu versetzen was
Auch für seine Knabenstreiche gilt

Dabei war er nie bösartig sondern
Von unverwüstlicher Kindlichkeit
Wie ein künstlerischer Spieltrieb
Der alles und nichts ernst nimmt

Hierin wie in so vielem noch war 
Friedrich Voltaire sehr ähnlich
Ihre sonderbare Freundschaft
Ist eines der geistreichsten Kapitel

Der Geschichte des 18. Jahrhunderts 
In ihrer Korrespondenz nachzulesen
Französischer Pfeffer und preußisch
Salz waren aufeinander angewiesen

Sie hoben sich gegenseitig waren 
Eine scharf beißende Mischung die
Jeden Philister zu bitteren Tränen
Immer wieder reizen auch konnte 

Verwickelt paradox und doch so
Klar und durchsichtig nennt Friedell 
Den Charakter Friedrichs an dem
Es für demokratische Historiker

Nichts mehr zu entlarven gibt der
Sich in seiner Selbstkritik sogar
Schlechter machte als er war dessen
Motiv Ehrgeiz war wie er zugibt

Ein König der aus psychologischer
Neugier in den Krieg zieht wie aus 
Theaterleidenschaft und dem Wunsch
Selbst in die Zeitung zu kommen

Der dies im Brief an Jordan von 1740
Auch ganz offen eingesteht mit einem
Freimut und einer bizarren Koketterie
Die naive Glanzsucht echtes Rokoko 

Friedrich war kein ernster Mensch
Also nicht in der Realität gefangen
Unernst dagegen ist der geistige der
Sein Leben von oben betrachtet

Er nimmt sein Leben mal mit Humor
Dann wieder tragisch aber nie ernst
Der humoristische und der tragische
Aspekt haben dieselbe Wurzel

Es sind zwei polare und darum auch
Komplementäre Formen des gleichen
Weltgefühls dazu gehört auch das
Nicht ernst nehmen des Daseins 

Tragik wie Humor fußen auf der tiefen
Überzeugung von der Nichtigkeit der
Welt und ihrer Vanität warum Friedrich
Wahrhaft tragisch und ironisch ist

Am Ende seines Lebens als dann 
Alter Fritz wird er wie alle Großen
Goethe Kant Ibsen Tolstoi Rembrandt
Michelangelo unwirklich gespenstisch

Transzendent wie transparent schon
Zur Hälfte Bürger einer anderen Welt
Er wird einsam und will neben seinen 
Windspielen begraben werden

Ein Wunsch den ihm erst spät
Helmut Kohl dann erfüllte auch
Wenn Friedrich zweifellos Fehler
Hatte jubelte das Zeitalter ihm zu

Friedell nennt ihn den zugleich
Stärksten menschlichsten weisesten
Närrischsten von allen war zugleich
Caesar und Don Quijote Hamlet

Wie Fortinbras in einer Person
Begeisterte ganz Europa das
Sich an seiner Vielfalt freute 
Alle auf ihre ganz eigene Art

Das sehr subjektive Bild Friedells 
Ist im philosophischen bisher dünn
Ein wenig einseitig aber dennoch
Von einer tiefen Klarsicht dabei

Die Schlamperei mit Plato passt
So wenig zu Friedrich wie hier 
Den Lukrez nicht zu nennen der
Das atheistische Genie zeigt

Andererseits ist der romantische 
Geniegedanke zur Beschreibung
Des aufgeklärten Absolutismus
Des Freimaurers Friedrich amüsant

jens tuengerthal 27.8.26

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