Sonntag, 28. Juni 2026

Lektürentagebuch 28.6.26

Lektürentagebuch 28.6.26

Von Ludwig dem Bayer Konrad Groß
Wie dem Kochbuch des Michael de
Leone erzählt der bayerische Patriot
Erwin Seitz mal wieder einseitig 

In der Verfeinerung der Deutschen
Was schon an der Überschrift hier
Erkennbar war wäre der Autor ein
Echter Kenner der Geschichte

Doch er tritt scheinbar weiterhin
Noch lieber als Bayer auf ohne sich
Der Peinlichkeit dessen dabei noch
Bewusst zu werden Patrioten halt

Der Bayer war zu der Zeit als der
Herzog von Bayern nach einem
Interregnum römisch deutscher König
Werden sollte eigentlich nur Spott

Wie heute in großen Teilen des 
Landes was alle bemerken außer
Den Bayern die es als Ehre sehen
Was eine Welt für sich halt ist

Dies bemerkt jeder der nicht nur auf
Patriotisch bayerische Quellen zur
Information zurückgreift und merkte 
Der Name war keine Ehre zur Zeit

Bayern dagegen lernen bis heute
Stolz Ludwig der Bayer war der erste
Wittelsbacher Kaiser auch wenn die
Krönung und Wahl strittig schon war

Der schöne Friedrich aus dem Hause
Habsburg ein Wiener also stand mit
Dem Bayer in Konkurrenz wurde von
Einem Teil des Gremiums gewählt

Die beiden Vettern schlugen sich 
Mehrfach wobei Ludwig gewann
Einmal Friedrich gefangen nahm
Für drei Jahre infolge festsetzte

Doch davon erfährt die Leserin nur 
Am Rand weil Ludwig als der König
Gezeigt werden soll der viel für die
Städte tat ihnen Privilegien gab 

Seitz berichtet wie der Kaiser zu
Nürnberg was früher Franken
Heute auch Bayern geworden ist
Beim Bürger Konrad Groß speist

Dieser reich gewordene Patrizier
Der mit einem Hammer Walzwerk
Familienvermögen vermehrte um
Schließlich Bankier auch zu werden

Als solcher auch Kreditgeber des
Kaisers wie später die Fugger zu
Augsburg bei Karl V der noch kein
Thema hier und heute sein soll

Über die Speisen im Hause Groß 
Der auch ein vornehmer Stifter 
Seiner Heimatstadt wurde wird nur
Gemutmaßt sie waren wohl gut

Dagegen wird das älteste Kochbuch
Von Michael de Leone aus Würzburg
Vorgestellt der ursprünglich Jude hieß
Aus einer reichen Kölner Familie kam

Mehr erzählt Seitz leider nicht über
Den bischöflichen Pronotar mit dem
Wechselnden Namen von welcher
Religion auch immer er dann war

Hier werden die Rezepte schon sehr
Konkret wenn auch ohne Angabe
Genauer Mengen dafür sollte das
Gefühl und die Erfahrung reichen 

Er zitiert daraus einiges was schon
Spannend und interessant ist um
Ein Gefühl für die Küche in der Zeit
Des hohen Mittelalters zu bekommen

Warum Seitz hier Friedrich II den 
Großen kultivierten Staufer der in
Neapel eine medizinische Fakultät
Nach arabischem Vorbild gründete

Nahezu völlig ignoriert um dafür
Seitenlang über Ludwig den Bayern 
Die Leser zu langweilen bleibt unklar
Zumindest war Ludwig friedlich

Außer sein Ausschluss aus der
Römischen Kirche durch den Papst
Der da gerade in Avignon residierte
Wird als großer Verdienst gesehen

Am Ende des Kapitels kommt noch
Etwas zum geradezu königlichen
Grab des Nürnberger Bürgers Groß 
Alles etwas Bayernlastig wieder


Mit der Frage Wollen sie mein Sozius
Werden ist das Essay über die
Mitarbeiterinnen der Galerie Cassirer
Von Piotr Zygmunt Kowalski betitelt

So beruhte der Erfolg der Galerie
Paul Cassirer nicht allein auf der
Vision ihres Inhabers sondern auch
Auf der Arbeit von hervorragenden

Spezialistinnen und Spezialisten
Die häufigen Wechsel im Personal
Weisen auch auf das schwierige
Wie impulsive Temperament von 

Paul Cassirer hin dennoch band er
Immer wieder auch bedeutende 
Persönlichkeiten an die Galerie die
Reputation und Programm prägten

Das Unternehmen Cassirer war
Die Galerie und der Verlag wobei
Die Grenzen fließen der Text legt
Dabei die Zeit ab 1926 zugrunde

Eine zentrale Quelle sind die noch
unveröffentlichten Erinnerungen von
Leo Blumenreich an den sich 1916
Cassirer mit obiger Frage wendete 

Dies bei einem Besuch von Leo
Blumenreich in der Viktoriastraße 35
Der Galerie Cassirer wobei der um
Ganze 13 Jahre jüngere Blumenreich

Bei dessen roten Kopf bereits einen 
Schlaganfall fürchtete war völlig
Überrascht davon sodann wird 
Blumenreich und sein Weg zur Kunst

Spannend und interessant vorgestellt
Der Antrag war damit begründet dass
Cassirer seine Einberufung bekam
Ab 1917 wurde Blumenreich auch

Mitinhaber der Galerie er traf dort
Auf Theodor Stoperan der bis 1920
Cassirers rechte Hand blieb wie auch
Alfred Gold im Graphischen Kabinett

Dieser geniale Kunsthistoriker hat sich
1917 mit Cassirer überworfen wie Leo
Kestenberg dessen Zeitschrift der
Bildermann die Galerie prägte 

Mit Kriegsausbruch änderten sich 
Die Bedingungen des Kunsthandels
Es begann die Zusammenarbeit mit
Dem Münchner Auktionator Helbing

Dabei unterstützte ab 1917 der
Kunsthistoriker Victor Wallerstein 
Sie gewannen Wilhelm von Bode
Für ein Vorwort eines Kataloges

Aufgrund der Versteigerung der
Sammlung Richard von Kaufmann
Kam es zum Konflikt mit Bode der
Einen antisemitischen Artikel zum

Thema Kunsthandel schrieb weil 
Die bei der Auktion erzielten Preise
Sein Budget weit überschritten hat
Er für ein Ausfuhrverbot plädiert

Zumindest was bedeutende Werke
Beträfe Griff dabei Harry Kessler an
Vergaloppierte sich in Spekulationen
Blumenreich reagierte darauf ruhig

Harry Graf Kessler nannte das
Schreiben von Bode einen Giftbrief
Der ihn mehr an Moliéres Komödie
Scapins Streiche noch erinnerten

Blumenreich verteidigte die Firma
Rettete durch seine besonnene
Reaktion deren Ruf noch stellte 
Damit eher Bode noch bloß

Wallerstein holte währenddessen
Mehr zeitgenössische Kunst ins 
Programm etwa Kokoschka wie 
Heckel und Otto Mueller 

Es kamen Ernst Barlach Karl Hofer 
Ludwig Meidner Max Slevogt mit
Der Freien Secession gemeinsam
Auch der Architekt Mendelssohn

Auf Wallerstein folgte Grete Ring
Eine promovierte Kunsthistorikerin
Sie war eine Schwiegernichte von 
Max Liebermann noch dazu

Sie war hoch gebildet und historisch
Sensibel belesen aufgewachsen sie
Hatte bei Friedländer gearbeitet und
Auch promoviert und kannte auch als 

Nichte von Liebermann die Szene gut
Was ihre Position bei Cassirer noch
Weiter verstärkte und arbeitete gut
Mit Blumenreich dabei zusammen

Sie war entscheidend für das 
Gelingen der Munch Ausstellung
Mitverantwortlich indem sie den
Künstler noch in Oslo besuchte

Im Verlag war Grete Fischer als
Lektorin für die Veröffentlichung
Der Werke von Else Lasker-Schüler
Verantwortlich die bedeutend war

Ab 1919 kam der Volkswirt Walter 
Feilchenfeldt als Volontär dazu
Wurde dessen Geschäftsführer nach
Dem Abgang von Kestenberg 

Max Deri wurde ab 1922 Teilhaber
Des Verlages er war auf die Kunst
Aus dem 19. und 20. Jahrhundert
Spezialisiert und publizierte viel

Ab Oktober 1922 wurde dann Ella 
Wellhoener Prokuristin bis zur
Liquidierung 1937 dort tätig ab 1923
Wechselte Feilchenfeldt in die Galerie

Er bildete mit Grete Ring ein Tandem
Was die Galerie bis zum Ende leitete 
Wesentlich zu deren Blüte damit noch
Beitrug dann kam die Inflation 1923

Cassirer gründete noch eine weitere
Deckenhänger Dependance in 
Amsterdam der Krise zu entkommen
Dadurch kam es zur Entfremdung 

Zwischen Blumenreich und Cassirer
Es wurde immer spannungsreicher
Warum Blumenreich 1924 austrat
Ihm folgten Ring und Feilchenfeldt 

Im Abschluss zeigt sich der Salon
Cassirer als ein Ort enger Verbindung 
Mit immer wieder neuen personalen
Konstellationen gab es viel Dynamik

Paul Cassirer wird dabei als der
Katalysator bezeichnet in einem
Konfliktreichen Gefüge er war halt
Ein immer schwieriger Charakter wohl

Bedeutend war der Salon auch
Weil dort Künstler Kunsthandel und
Wissenschaft miteinander in Dialog
Über die Moderne immer traten

jens tuengerthal 28.6.26

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