Mittwoch, 17. Juni 2026

Lektürentagebuch 17.6.26

Lektürentagebuch 17.6.26

Voller Liebe beschreibt Franz Hessel
Die Museumsinsel und beginnt am
Lustgarten mit dem Alten Museum in
Schinkels ionischer Säulenhalle dort

Sie ist der Akademoshain des jungen 
Berlin oder war es zumindest für seine
Generation noch bleibt unvergessen
Wie die Wandelgänge dort auch

Aus der Vorhalle des Alten Museums
Ging es über die Kuppelwölbung der
Rotunde die mit den römischen nur 
Nachbildungen griechischer Figuren

Ins Eigentliche einlädt und wie schön
Sei es im Kreis der Marmorwesen dort
Um Kräfte zu sammeln für all das was
In den folgenden Sälen noch wartet

In Stülers neuem Museum soll sich 
Nicht zu lange an den Fresken von 
Kaulbach aufgehalten werden die
Hauptmomente der Weltgeschichte

Darstellen und vielleicht als ein
Anschauungsunterricht für einfache
Volksschule nicht zu sehr schadeten
Lieber in der ägyptischen Abteilung

Die Köpfe der beiden Königinnen
Teje und Nofretete finden und vor
Vasen im Dämmerzustand nicht mehr
Wissen ob Seine oder Tiber draußen

Vorbeifließen ihr auf dem Possilip
Oder im Savoy frühstücken werdet
Dich fragen ob es eine Gegenwart
Wirklich noch gibt welch feines Bild 

Fürs Kupferstichkabinett das heute
Im Kulturforum seine Heimat hat rät er 
Sich Zeit zu nehmen und sich Mappen 
Geben zu lassen um sich eine Stunde 

Wie ein Kunstgelehrter zu fühlen
Bis diese Zeilen schreibt Hessel nun
In deine Hand kommen ist vielleicht
Auch der Museumsneubau endlich 

Vollendet den Alfred Messel begann
Also das Pergamonmuseum was
Tatsächlich 1930 eröffnet wurde
Während Hessel 1929 noch schrieb

Irgendwann in den nächsten Jahren
Soll es ja nun auch wiedereröffnet
Werden nach nötiger Sanierung zum
Inzwischen bald 100. Geburtstag

In der Nationalgalerie weist er als
Führer durch Berlin besonders auf
Berlinische Bilder hin die heute noch
Im Erdgeschoss dort hängen

Nennt einige von Menzel die ich auch
Sehr liebe ausdrücklich wie Krüger 
Hosemann und Schinkel für die
Berliner Romantik in Landschaft 

Über das Kaiser-Friedrich-Museum
Das seiner Meinung nach besser
Bode Museum hieße wie es nun ja
Auch heißt sagt er hier nichts 

Auch wenn es höchster Ruhm von
Berlin sicher sei abgesehen von dem
Garstigen Reiterdenkmal im Eingang 
Wie Hessel es treffend ausdrückt

Zurück am Lustgarten stellt er fest
Wie ruhevoll dieser doch wäre denn
Vom Schloss sei keine Gegenwart
Vorauszusehen einzig unruhig sei

Der Dom der sich da breit macht
Wo noch in den Neunzigern ein
Eleganter von Schinkels Hand stand
Es sei überflüssig hineinzugehen

Auch innen verletze dieser Bau jedes
Religiöse und menschliche Gefühl
Hessel behauptet die Akustik solle
Hervorragend sein was ich als Zeuge

Klar widerlegen kann er ist einfach
In jeder Hinsicht grauenvoll hier sei
ER sicher nicht schreibt Hessel zu
Treffend zur größten Wilhelminischen

Peinlichkeit in Berlin und auf der Welt
Hofft es käme eine Zeit wo dieses
Gebäude einfach abgerissen würde
Damit die Insel Kulturerbe bleibt 

Dafür erzählt Hessel wie der Platz
Heute durch Volksversammlungen
Belebt wird erinnert noch im Namen
An die Zeit als es ein Lustgarten war

Erzählt wie er einmal eine nationale
Sogar teilweise internationale große 
Versammlung von Kommunisten hier
Mitterlebte wie dabei die Gläubigen

Den Reden ihrer Großen folgte die
Von den Domtreppen predigten wie
Priester es vor kleinerer Menge dann
Innen täten nur zum Hass aufriefen 

Vor dem Dom von dem er dabei
So gut er kann wegsieht hält ihr
Wagen eine schreckliche halbe
Minute und nennt ihn gar hübsch

Hessel widmet sich dabei lieber dem
Schönen Eisverkäufer davor den er
Niedliche Zwergenwirtschaft nennt 
Übers Wasser ein Blick auf die Börse

Beim Weg über die Schlossbrücke
Die in Berlin Engelchenbrücke heißt
Über die er immer lachen muss weil
Sie als Schüler Witze über die ganz

Besondere Nacktheit gemacht hätten
Die er hier nicht wiederholen könne 
Amüsant aber ist was Hessel dazu 
Aus Tagebüchern Varnhagens zitiert

Darauf erzählt er weil sie gerade 
Daran vorbeifahren die Geschichte
Des Wals der dort präpariert in einem
Kahn liegt und wir er ihn besuchte 

Davon erzählt er sehr ausführlich
Um sich vor Worten zum Zeughaus
Drücken zu können das einfach zu
Vollkommen sei etwas dazu zu sagen

Es sei preußisch Barock berlinisch
Phantastisch übersichtlich gegliedert
Mit Schlüters Panopilen und Helmen
Innen die Köpfe sterbender Krieger 

Dort waren alte Kanonen und mehr
An Waffen und Uniformen zu sehen
Die er erwähnt aber lesbar nicht mehr
Besonders reizvoll noch findet

Seine Zeit im Ersten Weltkrieg als er
Kaiserlicher Soldat auch war hat ihm
Offensichtlich gereicht dieses Thema
Nicht weiter verfolgen zu wollen

Das ehemalige Kronprinzenpalais
Dem Zeughaus gegenüber sei von
Außen kein erfreulicher Anblick  
Im Innern aber war damals die

Moderne Nationalgalerie zu finden
Dort wären Bilder Liebermanns oder
Urys zu finden nur Berliner zu nennen
Zeitgenossen und Impressionisten 

Eine Flanke des Palais stößt an den
Schinkelplatz wo in der oberen Etage
Der Bauakademie noch ein Teil der
Nationalgalerie zu finden wäre

Diese ist leider bisher nur Geschichte
Aber vielleicht wird sie ja doch noch
Eines Tages wieder errichtet um
Die Insel noch reicher zu machen

Die Linden zur Neuen Wache nun
Überquerend erzählt Hessel noch
Geschichten zu Blücher Scharnhorst
York Gneisenau Bülow und anderen 

Dort aufgestellten großen Preußen
Die hinter der Wache vor der alten 
Singakademie stehen die noch das
Gorki als DDR-Relikt besetzt hält

Zur Beschreibung der früheren
Wachwechsel vor der Neuen Wache
Die Schinkel baute zitiert Hessel den 
Kaiserlichen Vorleser Jules Laforgue

Amüsiert ist Hessel darüber wie
Laforgue als das beherrschende 
Geräusch den nachgeschleppten
Säbel beschreibt was Geschichte ist

Es sind die kleinen literarisch feinen 
Einschübe die das Spazieren in Berlin
So lohnend genial machen neben dem
Treffenden Urteil zum Berliner Dom

jens tuengerthal 17.6.26


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