Freitag, 26. Juni 2026

Lektürentagebuch 26.6.26

Lektürentagebuch 26.6.26

Mit Franz Hessel geht es heute zum
Spazieren in Berlin zum Glück nur als
Lektüre zu altbekannten Orten dort
Was am Charlottenburger Tor beginnt 

Dieser zu protzige scheinbare Torbau
Stammt real aus dem Jahr 1907 was 
Hessel ganz dezent hier nur bemerkt
Es sind halt heimatliche Gefilde für ihn

Der ab 1888 dem Dreikaiserjahr in
Berlin lebte in dem erst Wilhelm I
Der noch ein Sohn von Königin Luise
Dann sein Sohn Friedrich III nur 90

Tage Kaiser war bis ihn der Krebs
Auffraß wovor der Bart nicht schützte
Wie der peinliche Sohn Wilhelm II
Dem wir viel leider verdanken kamen

Denn eigentlich ist dieses 1938/39
Nochmal verbreiterte Tor das ein
Pendant zum Brandenburger ist
So schlimm wie der Berliner Dom

Kann weg würde ich hier wie Franz 
Beim Dom konsequent noch sagen
Auch wenn der Dom dringender wäre
Wenn Kirche Schinkels Version dort

Doch beim peinlichen Tor das noch
Eine Liebesgeschichte erzählt ist
Der Hessel großzügig und so auch ich
Ausnahmsweise und fahre weiter 

Er über die große Kreuzung auf der
Noch Straßenbahnen verkehrten
Bevor der Westen sie in dummer
Blinder Auto-Ideologie zurückbaute

Wäre da sowohl zu Fuß wie mit
Dem Rad schon viele male lieber
Dem schönen Einsteinufer gefolgt
An Kanal und Spree zum Schloss

Seine Rundfahrt führt ihn so durch
Das alte Charlottenburg zum auch
Namensgebenden Schloss dass noch
Friedrich I für seine Charlotte baute

Nebenbei plaudert Hessel über die
Sommerfrische welche die Siedlung
In ursprünglich Lietzow noch war
Bevor es nach Charlotte benannt

Dann wurde die Sommerfrische zur 
Geschwisterlichen Großstadt die sich 
Kunsthochschule und Technische Uni
Ganz geschwisterlich selbst nahm

Doch wenig später dafür 1920 dann
In Großberlin eingemeindet wurde 
Worüber Hessel teils nur in kleinen
Andeutungen noch nebenbei plaudert

Auf seiner Rundfahrt kommt er nun
Vorm Schloss Charlottenburg an und
Schwärmt uns eine Runde vor bis
Auf den Kaiser Friedrich davor

Der könne gerne weg dafür schlurft
Hessel in Pantoffeln durchs Schloss
Erzählt von Königin Luise wie dem 
Ostflügel den Friedrich II anbaute

Das Schloss lohne trotz Pantoffeln
Zur Besichtigung zumindest wenn
Genug Zeit zuvor für Park und die
Museen gegenüber blieb sage ich

Die beiden Stüler Bauten heute
Genannten waren früher Kasernen 
Und sind dennoch schön wie auch
Hessel staunend lobend erwähnt 

Schöner noch als der ganze Kitsch
Im Schloss sind die beiden Museen 
Die heute dort wohnen sofern sie
Nicht gerade wieder saniert werden

Wie das Museum Berggruen mit
Der klassischen Moderne aus der
Sammlung dieses Galeristen noch
Den ich einmal dort treffen durfte 

Picasso bis Klee in einem kleinen
Feinen Museum das derzeit eine
Baustelle leider nur ist während
Die Sammlung um die Welt tourt

Gegenüber im anderen identischen
Stülerbau der nur ein wenig noch
Ausgebeult wurde wie so vieles in 
Berlin ohne alle Bescheidenheit

Ist heute die surreale Sammlung 
Scharf-Gerstenberg die ganz viele
Wunderbare Werke von Goya über
Max Ernst und andere dort vereint

Nach dem Krieg waren dort die
Alten Ägypter wie Nofretete noch
Zu sehen die heute wieder im
Neuen Museum auf der Insel ist

Spuren davon sind noch durch
Ein ägyptisches Tor im Erdgeschoss
Heute sichtbar das dann zur auch
Spannenden surrealen Sammlung 

Aus der Nationalgalerie führt doch 
Davon war zu Hessels Zeit also vor
1930 hier noch nichts zu sehen wir
Begleiten ihn noch in den auch

Wunderbaren Schlosspark von
Charlottenburg der schon eine
Reise für sich wert wäre auch
Mit Luise Mausoleum darin 

Hier bemerkt auch Hessel der
Ursprüngliche Bau noch nach
Entwürfen von Schinkel war schön 
Der heutige ist es eher weniger

Vom Gang durch diesen ganz
Zauberhaften Park berichtet Hessel
Leider wenig er lohnt schon allein
Der wunderbaren Bäume dort wegen 

Das Belvedere im nordöstlichen Ende
Erwähnt Hessel nur weil dort noch
Friedrich Wilhelm III vor seiner
Geliebten der Gräfin Lichtenau kniete

Zu seiner Zeit waren dort noch
Beamtenwohnungen heute ist es
Ein KPM Porzellanmuseum wie ein 
Langhansscher Aussichtspunkt

Vom Park aus geht die Fahrt weiter
Zur großen Tangente die bis zum
Brandenburger Tor führt jedoch sie
Biegen vorher gen Süden ab 

Vorbei geht es an der Hochschule
Der Künste und der Technischen
Universität in der Hardenbergstraße
Was Hessel sehr liebevoll bemerkt

Als der Führer dann die nahe Kirche
Deren Namen er nicht ausspricht wie
Paul Auster Trump nur No 47 nannte 
Die wohl schönste Deutschland nennt 

Reicht es ihm und er steigt lieber aus
Um ins benachbarte Romanische 
Café zu gehen und Freunde aus
München und Paris dort zu treffen

Die Kirche deren zu langen Namen
Hessel nicht nannte war die heute
Glücklich zerbombte Kaiser Wilhelm
Gedächtniskirche die heute nur als 

Ruine noch übrig ist während dafür
Einer der elenden Eierkartons von
Egon Eiermann den Platz bekrönt
Der innen zumindest schön ist

Hessel wünschte sich die KWGK
Würde für den vorher dort noch
Wunderschönen Baum verschwinden 
Dem schließe ich mich gerne an

Das Romanische Café war eine
Zeitlang der Künstlertreff in Berlin
Heute steht statt seiner das auch aus
Christiane F bekannte Europa Center 

Hier entdeckte unter anderem
Franz Hessel Mascha Kaleko es
Gab dort ein Nichtschwimmer Becken 
Für das breite Publikum und den Rest

Wie ein Schwimmerbecken mit etwa 
Zwanzig Tischen für schon bekannte
Künstler und Intellektuelle die Liste ist
Lang und zählt alle bekannten auf

Verzichte hier wie Franz Hessel auch
Der einfach nur in sein Stammcafé 
Ging auf jede Namensnennung wer
Neugierig geworden wird weiter lesen 

Wenn schon in Künstlerkreisen in 
Berlin unterwegs geht es nun weiter
Mit Cassirer und dem Durchbruch des
Impressionismus mit dem Essay 

Eine Verlängerung der Rue Laffitte in
Berlin über das Handelsnetzwerk von 
Paul Cassirer das Josephine Klinger
Zur gerade Ausstellung schrieb

Klinger erzählt zunächst auch vom
Ökonomischen Hintergrund der aus
Breslau stammenden Familie Cassirer
Die in Berlin von Ost nach West 

Zogen was ihren sozialen Aufstieg
Dokumentiert so war Pauls Onkel
Max Cassirer erfolgreich als
Unternehmer wie politisch aktiv

Der Onkel wie Cassirers Brüder 
Hugo und Alfred waren später
Kunden des Kunstsalons es gab
Ein potentes Netzwerk um ihn 

Die beiden Cousins kamen über
Julius Meier-Graeffe den Cassirer 
Als Unterstützer der Zeitschrift Pan
Kannte mit Paul Durand-Ruel dem

Wichtigsten Händler der Werke der
Impressionisten in Paris in Verbindung 
Was sich etwa bei Rodin teilweise
Auch als kompliziert noch zeigte

Max Liebermann war für die Brüder
Auch mit seinen Kontakten in der
Secession besonders wichtig wurde 
Darum Teil der ersten Ausstellung

Hier werden einzelne Kontakte zu
Sammlern und Künstlern die über
Liebermann zustande kamen gezeigt
Auch in der Berliner Secession

So machte Liebermann Paul zum
Sekretär der Secession was das
Netzwerk noch erweiterte auch
Wenn es Konflikte infolge gab 

Wichtig war Tschudi als Direktor
Der Nationalgalerie bis er im Konflikt
Mit dem Kaiser gehen musste doch 
Zog er ein ganzes Netzwerk mit sich

Unter den Sammlern waren sowohl
Das Ehepaar Bernstein wie auch
Eduard Arnhold bedeutend und der
Künstler Liebermann als Sammler 

Er übernahm etwa einen Cézanne 
Den Tschudi bei Cassirer kaufte der
Vom konservativen Kaiser aber nicht
Genehmigt wurde ist heute New York 

Die Hamburger Kunsthalle unter 
Lichtwark und das Frankfurter Städel
Unter Swarzenski waren wichtige 
Kunden für die Moderne der Zeit

Der direkte Draht nach Paris war
Dabei essentiell dabei ist besonders
Paul Durand-Ruel zu nennen der von 
Gurlitt zu Cassirer wechselte

Der Kontakt war für beide erfolgreich
Besonders mit Monet und Manet 
Konnte gutes Geld verdient werden
Doch gab es auch andere Kontakte

Darunter die Galerie Bernheim-Jeune
Oder Ambroise Vollard der durch eine
Ausstellung mit Cézanne bekannt war 
Von ihm stammt das Zitat des Titels

Wonach Cassirers Galerie eine
Verlängerung der Rue Laffitte wäre
Dort im 9. Arrondissement hatte er
Wie andere Händler ihre Galerien

Später verkaufte er nicht nur in 
Kommission sondern handelte
Auch als Partner etwa beim Kauf
Von 35 Manets für eine Millionen

Cassirer durfte als erster dabei
Anbieten und verkaufte etwa die
Familie Monet an Arnhold oder
Die Nana an Behrens heute Hamburg

Als der alte Renoir Tilla Durieux 1914
Im Auftrag von Cassirer malte dieser
Das Bild aber wegen Kriegsausbruch
Nicht noch feucht mitnehmen konnte 

Ließ er es bei Durand-Ruel der es
In seinem Auftrag bei Franz Hessel
In der Rue La Boétie abholen und
Verwahren sollte dort blieb es

Bis in die Zwanziger Jahre noch
Weil durch den Krieg alle Kontakte
Wie finanziellen Transfer zeitweise
Unterbrochen worden waren

Eine der bedeutendsten wie auch
Ökonomisch dazu noch lukrativsten 
Entdeckungen Cassirers war aber
Das Werk von van Gogh das er

Über die den Nachlass verwaltende
Schwägerin van Goghs bekam so
Zeigte er in seinen Galerien zehn
Ausstellungen mit dessen Werken 

Es ist Cassirers Verdienst dass
Sich ein erheblicher Bestand der
Werke van Goghs in deutschen
Sammlungen befand und ist

Sein weit verzweigtes Netzwerk 
Zeigt sich in den Wegen der Werke
Bis nach Australien Japan oder in 
Die USA sogar nach Südamerika

Seine Reichweite und Wirkung als
Kulturpolitischer Unternehmer ist bis
Heute in zahlreichen Sammlungen
Auf der ganzen Welt noch sichtbar

jens tuengerthal 26.6.26

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen