Montag, 22. Juni 2026

Lektürentagebuch 22.6.26

Lektürentagebuch 22.6.26

Schon in der Nacht mit Erwin Seitz
Über die Verfeinerung der Deutschen
Mit dem VII. Abschnitt unter dem Titel
Der zivilisierte Krieger begonnen 

Das 1. Kapitel vom Krieger zum Ritter 
Handelt von den zwei Salier Kaisern Heinrich III und Heinrich IV wobei er
Historisch falsch mit Heini IV beginnt 

Doch ist diese zeitliche Verdrehung 
Schon insofern gut begründet als 
Heinrich IV durch seinen Gang nach
Canossa symbolisch bekannt wurde 

Wie es dazu kam erzählt Seitz sehr
Gut und mit Freude an Details die
Einerseits den Mut andererseits den 
Leichtsinn des dritten Saliers zeigen

Während ihr Vater Konrad der das
Sächsische Geschlecht an die Macht
Brachte noch Analphabet mit Schwert
War wurden die Söhne kultivierter

Wie es zum Konflikt von Heini IV
Mit Papst Gregor VII kam der am
Ende nach Canossa führte wird
Historisch fundiert gut erzählt

Natürlich kannte ich als einmal
Bewohner der Kurpfalz schon
Die Geschichte der in Speyer
Begrabenen Salier ein wenig

Dies zumal ich zwei wunderschönen
Damen aus der schönen Stadt am
Rhein einmal emotional nah war mit
Nur zwanzig Jahren dazwischen

Dass die eine blond und groß
Die andere dunkel und klein war
Mag historischer Zufall sein der
Aber gut zum Speyerer Dom passt

Aber es ging ja nicht um mich sondern
Um Heinrich IV den Salier der nach
Seitz so innovativ wie impulsiv war
Zumindest einiges neues wagte

Hier zeigen sich schon die Grenzen
Der ahistorischen Vorstellung der
Beiden Salier Heini III und IV die
Einander direkt folgen leider

Heini IV der als Teenie König wurde 
War gerne in Goslar wo er auch
Aufgewachsen schon war weil sein
Vater dort die Kaiserpfalz baute

Die Salier hatten zufällig noch eine
Reiche und ergiebige Silbermine
Oberhalb von Goslar als Erbe was
Den Aufenthalt lukrativ machte 

Dort feierte Heini IV gerne hatte auch
Wie mönchische Beobachter neidisch
Berichten wohl einige Kebsweiber 
Wusste kurz gesagt gut zu leben 

Er brachte dazu noch französische
Mode für Männer also ohne Bart
Wie Frauen mit teurer Mode mit
Was den Sachsen dort missfiel

Sachsen waren die Niedersachsen
Heute deren Gebiete sich erst mit
Der Christianisierung nach Osten 
Noch weiter ausdehnten dann

Die Geschichte von Heini IV beginnt
Seitz mit dessen Wunsch nach
Scheidung den Reichstag und Kirche
Empört ablehnen er blieb bei ihr

Zumindest macht die Zwangsehe
Die er mit 11 schon schloss die 
Wurzel des aufständischen Geistes
Dieses deutschen Kaisers deutlich

Er wehrte sich dagegen laut und
Deutlich statt vorsichtig diplomatisch 
Später kam es zu neuen Konflikten
Mit dem Papst um die Investitur 

Diese betrifft die Einsetzung von
Bischöfen die als weltliche Fürsten
Auch den Kaiser wählen also für
Das Reich politisch bedeutend waren

Irgendwann schmiss Gregor dann
Heini IV aus der Kirche und ließ
Dies auch öffentlich verkünden
Worauf Heini nach Canossa ging

Aber und hier erläutert Seitz den
Kontext sehr aufmerksam im Detail
Dies wäre egal gewesen wenn der
König und Kaiser eine starke eigene

Hausmacht gehabt hätte doch 
Hatte er es sich durch die lange Party
In Goslar schon mit den Sachsen 
Versaut und später auch andere

Gegen sich aufgebracht als er mit
Den Bürgern von Worms die ihren
Bischof absetzten Solidarität zeigte
Nicht konsequent aber immerhin

Seine Position im Reich war schon
Geschwächt warum die Sache in
Canossa so lächerlich eskalierte
Um einander zu erniedrigen

Die Salier hatten dabei schon eine
Längere Entwicklung hinter sich
Von Konrad dem Ritter und Schläger 
Der es noch mit Gewalt versuchte 

Über den klugen bedachten Heini III
Zum leicht cholerischen Heini IV
Bei zunehmender kulturellen auch
Verfeinerung und Entwicklung

Warum Seitz es für feiner hält
Nun Fisch also weißes Fleisch
Was als rein zählt zu essen
Bleibt für mich rätselhaft

Sehr schön aber erzählt er wie
Ein Ritterroman aus der Zeit sehr
Viele verschiedene Fischsorten
Aufzählt die zubereitet wurden

Auch die Bedeutung von Speyer
Der Familiengruft in der schon
Konrad seinen Platz fand die
Dieser zu bauen begann wie

Die Anlage des Domhofs von 
Speyer den Heini III erweiterte
Bis Heini IV den Bau vollendete
Der damals einmalig in der Welt

Bis heute ist der Speyerer Dom
Noch eine der größten Attraktionen
Neben dem Heidelberger Schloss
In der ehemaligen Kurpfalz

Seitz beschreibt wie wunderschön
Speyer um den Dom angelegt ist
Von dem die Maximilianstraße auf
Den Dom vom Stadttor aus hinführt 

Er vernachlässigt dabei leider die
Gute Pfälzer Küche die auch in 
Speyer delikate Ableger hat auch
Wenn Deidesheim nicht vergleichbar

Der schlichte Biertrinker Seitz vergisst
Hier völlig unkultiviert auch die drei
Großen B der Pfalz Reichsrat von 
Buhl Bassermann-Jordan beide in

Deidesheim wie Bürklin-Wolf im
Benachbarten Wachenheim was
Zum Umland von Speyer gehört
Kulinarische Weltklasse bietet

Der Deidesheimer-Hof etwa das
Früher Lieblingsrestaurant des 
Großen Pfälzers Helmut Kohl
Ist stets eine Reise noch wert

Hatte das Glück dort eingeladen
Von früheren Schwiegereltern einen
Geräucherten Saumagen zu bestem 
Riesling genießen zu dürfen es lohnt

Statt altbackene Bamberger Brauerei
Hätte dieser Gipfel deutscher Küche
Nahe dem Elsass mehr Worte hier 
Noch verdient aber erwartungsgemäß

Haben Biertrinker und Wurstesser
Keine Ahnung von der wirklich feinen
Deutschen Küche Bier ist eben das
Gebräu für schlichtere Gemüter

Das Historische schildert Seitz hier
Exakt gut und mit Witz nur beim
Kulinarischen versagt er wieder völlig
Unklar ist ob aus nur Vorurteilen

Räume für die Zukunftskunst über die
Architektonische Entwicklung der
Galerie Cassirer vom Salon zur 
Kunsthalle im Tiergarten heißt das

Exzellente Essay von Dieter Scholz 
Und Franziska Lietzmann über die
Entwicklung der Räume Viktoriastraße 35 im Katalog der Ausstellung 

Cassirer und der Durchbruch des 
Impressionismus die gerade in der
Alten Nationalgalerie gezeigt wird
Und wie sie zum Salon wurden 

Nach Vorstellung der Vorbesitzer
Wird die Eröffnungsausstellung in den
Räumen zur Straße beschrieben mit 
Liebermann Degas und Meunier

Drei Räume drei Künstler so bestimmt
Die Architektur auch das Programm
Zu Beginn der Tätigkeit dabei waren
Ganz bewusst auch Künstler aus

Drei Ländern gewählt worden also
Deutschland Frankreich Belgien was
Den kosmopolitischen Ansatz der
Neuen Internationalgalerie zeigte 

Dazu wird eine schöne literarische
Würdigung durch Rilke zitiert der auch
Schon Henry van der Veldes intimes
Lesezimmer dabei zu würdigen weiß

Das Lesezimmer hatte van der Velde
Bis zu den Stühlen und halbhohen
Regalen elegant modern gestaltet
Mit Skizzen in die Paneelen integriert

Das Bild wird durch ein Foto dieses
Lesesaals noch verdeutlicht auch in 
Den in grau gehaltenen Räumen der
Ausstellung strahlten nur die Bilder

Über die Baugeschichte des dort
Oberlichtsaals wird detailreich noch
Erläutert bis zur erstaunlich schnellen
Genehmigung durch Martin Gropius

Schon im Oktober 1899 wurde dort
Die erste Ausstellung eröffnet was 
Angesichts des Bauantrags vom
August für Berlin rasant schon war

Sehr gelobt wird die dort einzelne
Hängung die von der damals noch
Üblichen Petersburger Hängung 
Auf elegante Weise abweicht

Die Ausstellung die mit einem
Berühmten Manet eröffnete sei die
Wichtigste und anregendste die je
In Berlin bisher gezeigt wurde 

Paul Cassirer allein nach Trennung 
Von seinen Cousin präsentierte im
Jahr 1903 die nächste Erweiterung
Worauf die Presse positiv reagierte 

Im Jahr 1910 heiratete Paul Cassirer 
Tilla Durieux und wurde im Dezember
Auch als Eigentümer des Grundstücks 
Eingetragen und es folgten Umbauten 

Diese machte der Architekt der auch
Die Villa Liebermann am Wannsee
Baute Paul Baumgarten der auch für 
Die Villa Eduard Arnholds einen 

Neuen Oberlichtsaal 1912 baute 
Dabei wurde der erste Plan wohl 
Verworfen und dann anders noch
Umgebaut mit neuem Oberlicht

Alfred Lichtwark der Direktor der
Hamburger Kunsthalle und Kunde 
Der Galerie Cassirer hatte auch
Für seinen Umbau Oberlicht geplant

Aber kritisierte das erste Ergebnis
Des Berliner Umbaus deutlich sie
Hätten besser seine Baubude doch 
Besuchen sollen merkte er an aber

Der Bauherr wolle es im nächsten
Sommer ändern woraus sich auf
Ein Gespräch der beiden schließen
Lässt davon ist nichts vermerkt 

Neben der horizontalen Erweiterung
Kam es auch zu einer vertikalen
Ausdehnung im oberen Stock mit
Zusätzlichen Kabinetten noch

Dazu kam auch der von Alfred Gold 
Geleitete Salon für Graphik alles sei
Von schmuckloser sachlichster
Eleganz dabei vorne wurde verkauft

Die Schau zur Eröffnung zeigte genau
100 Bilder und zehn Skulpturen mit
Werken von Courbet Manet Renoir
Liebermann van Gogh Lehmbrucks

Am 9. November 1918 traf sich noch
Harry Graf Kessler nachdem er vorher
Noch meinen Großvater im Lustgarten
Mit Kadetten getroffen hatte und diese

Zurück nach Lichterfelde schickte dort 
Mit René Schickele zur Tagung des
Bund Neues Vaterland aber ohne
Cassirer dafür mit Hugo Simon

Cassirer war die letzten Jahre des
Ersten Weltkrieges in der Schweiz 
Die Geschichte eines Schuppens
Kann hier vernachlässigt werden

Den Abriss der Villa beschlossen die
Nationalsozialisten für das Projekt
Germania von Speer nach dem Krieg
Wurde es als Vollruine gemeldet

Es wurde dann im Herbst 1949 
Abgerissen aber erst 1954 wurde
Die in Amerika lebende Tochter
Suzanne Aimé wieder eingetragen

Über das Grundstück verläuft 
Inzwischen die Ben Gurion Straße am
Standort des Salons ist heute das
Musikinstrumenten-Museum

jens tuengerthal 22.6.26

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