Donnerstag, 25. Juni 2026

Lektürentagebuch 24.6.26

Lektürentagebuch 24.6.26

Wolfram von Eschenbach jene Frau
Und ein Festmahl auf der Wartburg
Betitelt Erwin Seitz in seinem Buch
Die Verfeinerung der Deutschen 

Das Kapitel in dem er über den Autor
Des Parzival sehr gut recherchiert
Schreibt und eine Biographie mit
Literarischen Elementen konstruiert

Wenig ist bisher über den realen
Wolfram von Eschenbach bekannt viel
Aus seinen Schriften selbst und teils
Von anderen daraus macht er was

Eschenbach ist eine spannende wie 
Vielschichtige Gestalt die erstmals
Dialektische Prinzipien auch beim
Schreiben trotz Risiken benutzte

Viel spricht dafür dass er aus einem
Geschlecht aus Obereschenbach kam
Was heute Wolfram-Eschenbach zu
Ehren des Dichters des Parzival heißt

Er behauptet von sich er könne nicht
Lesen und Schreiben im Parzival was
Aber wohl nur ohne Studium heißt
Sich von Schriftgelehrten abgrenzt

Deutlich lassen sich aus seinem Werk
Wie sonstigen Versen seine genaue
Kenntnis der aktuellen Literatur auch
Nachweisen wie der Philosophie dazu

Er erzählt zwar eine französische
Geschichte wieder aber eben auf 
Ganz eigene und neue Art wie er
Selbst als Autor im Werk betont

So haben wir im 12./13. Jahrhundert
Erstmals einen Autor der hier den
Diskurs mit den Lesern im Roman
Noch sucht auf Ebenen erzählt

Seine ersten Förderer waren wohl
Die Grafen von Wertheim später
Wurde es Hermann von Thüringen
Bei dem er auf der Wartburg lebte

Der 1170 geborene Eschenbach
Lebte bis 1225 war damit auch
In einer Zeit des Übergangs in der
Staufer und Welfen um Herrschaft

Rangen später bei Philipp auch den
Gegenkönig zu diesem Staufer
Noch stellten bis zur Zeit von 
Friedrich II dem stupor mundi 

Oder das Staunen der Welt noch
Genannten großen Staufer der
Womöglich Eschenbach noch in
Nürnberg auf der Burg auch traf 

Während im Parzival noch die
Geschichte der ritterlichen Ideale
Auf der Suche nach dem heiligen 
Gral überwiegen ändert sich dies

Im späteren Werk Eschenbachs
Auch sind seine Tag-Gedichte in 
Denen er konkrete erotische 
Situationen schon beschreibt viel

Weitergehend als die sonst keusche
Hohe Minne seiner Zeit was ihm
Wohl auch Ärger mit einer Dame
Die er im Parzival erwähnt brachte

Damit auch ohne Namen bloßstellt
Weil sie sich ihm verweigerte als
Er mehr als nur hehre Minne will 
Die sie ihm aber verweigert hat

Vieles ist unbekannt über die genauen
Hintergründe dabei aber wie Seitz hier
Herleitet welche Wertheimer Gräfin 
Gemeint sein könnte ist sehr gut

Nicht weil interessant wäre wer mit
Wem wann im Bett war in Franken
Sondern weil es den Autor damit im
Menschlichen Kontext klarer zeigt

Einer der mit der Frau seines Gönners
Ins Bett will und das als diese sich
Weigert zu Literatur öffentlich macht
Ist schon mutig und riskiert viel

Bedenke ich wie heute noch unter 
Damen von Familie geredet wird
Sie dich unmöglich machen wenn
Es ihnen gefällt wird dies deutlich

Auch wie die Geschichte von Parzival
Der einfach aus dem Wald kam dort
Einen Ritter sah und beschloss einer 
Selbst zu werden erzählt wird passt

Dessen Lehrjahre sein Scheitern auf
Der Gralsburg wo er Amfortas Leiden 
Nicht würdigt und diesen nicht erlöst
Seine Wanderjahre bis zu seinem

Diskurs mit dem Einsiedler seine
Trotzige Abwendung von Gott wie 
Seine Rückkehr die ihn Gralskönig 
Werden lässt wird beschrieben

Das alles mit Bezügen zum Leben
Des wohl auch Genießers unter den
Poeten Eschenbach der genau die
Speisen der Tafel noch beschreibt

Dazu viel Wert auf Wissen und
Kultur auch legt was den Ritter 
Über die Abenteuer hinaus noch
Besonders als gut auszeichnet

Spannend wird auch beschrieben
Mit teils längeren Zitaten belegt wie 
Er auch die Grausamkeit der Christen
Gegenüber Muslimen deutlich rügt

Sein spätes Epos Willehalm wagt 
Dies nennt das Gemetzel grausam
Was zur Zeit von Karl Martell spielt
Dies könnte Friedrich II gefallen

Er lästert noch an zwei Stellen
Ausdrücklich über Nürnberg das
Auf Sand gebaut wäre und deren
Schmiede überschätzt würden

Diese galten zu dieser Zeit als
Die besten im Reich so war der
Dichter Eschenbach wohl immer
Ein Querdenker in seiner Zeit

Einerseits lobte er das höfische
Leben etwa in Thüringen wo wohl
Prächtig getafelt auch wurde aber
Andererseits kritisierte er auch dort 

Seitz gelingt in dieser Beschreibung
Des relativ unbekannten Eschenbach
Ein schönes Stück Kulturgeschichte
Die auch Kulinarisches nicht vergisst 

jens tuengerthal 24.6.26

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