Lektürentagebuch 14.6.26
In den Buddenbrooks von Tonys
Leiden in München gelesen wo
Sie in vieler Hinsicht fremd bleibt
Mit ihrem Gatten Permaneder
Mit viel Humor wieder beschreibt
Er die sprachlichen Probleme mit
Denen sie in München kämpft bei
Den Anweisungen ans Personal
All dies schildert sie in Briefen an
Ihre Mutter aus denen zitiert wird
Doch mehr noch leidet sie daran
Dass ihr Gatte Permaneder nun
Mit dem erheirateten Vermögen
Von Tony wie seinem eigenen Haus
Das er teilweise untervermieten will
Beschließt Privatier zu werden
Das war der Tochter aus dem Hause
Buddenbrook völlig fremd auch sonst
Ist mit dem Gatten nicht viel los der
Nur ins Hofbräuhaus gerne geht
Bei der Lektüre bedenkend dass
Thomas Mann auch einst aus Lübeck
Nach München kam und sich wohl
Seiner eigenen Erlebnisse erinnerte
Die sprachlichen Unterschiede sind
In Tonys liebevoll naiver Art sehr
Treffend beschrieben wie auch das
Völlig andere Gemüt der Menschen
Denke an die Liebsten aus München
Der völlig andere Klang ihrer Stimme
Blieb mir immer ein wenig fremd auch
Dadurch vielleicht besonders reizvoll
Wie jene Kunsthistorikerin die ich
Hätte lieben sollen wäre wer dabei
Vernünftig gewesen vor 30 Jahren
Deren Stimme so bayerisch klang
Die stolze Bürgerstochter Tony ist
Über manches dort empört aber
Genießt dennoch auch die Stadt
Mit ihren kulturellen Möglichkeiten
Dann wird sie trotz der Ferne der
Ehegatten und dem Streit über
So manches noch überraschend
Schwanger und freut sich sehr
Schon plant sie die Taufe zu der
Sie auch ihre Familie einlädt die
Thomas mit Gerda besuchen will
Die alte Konsulin reist nicht mehr
Doch dann stirbt das Kind direkt
Nach der Geburt und Tony ist sehr
Geschwächt erholt sich aber wieder
Als Thomas und Gerda bei ihr sind
Dann findet sie Permaneder trauert
Nicht würdig genug da er schon
Wieder ins Hofbräuhaus bald geht
Und alles nur a Kreiz halt nennt
Ihre Briefe werden immer trauriger
Dennoch kann ihr Bruder ein Lächeln
Nicht verbergen wenn er zwischen
Den Zeilen Tonys Stolz noch spürt
Das Ende kündigt sich hier schon an
Was nur den letzten Auslöser braucht
Damit Tony auch aus ihrem Leiden
Selbst mit Grund befreien dann kann
Noch auf einige Seiten in den großen
Zauberberg getaucht wo nach dem
Russischen Kuss mit Clawdia eine
Welt zwischen Männern neu zeigt
Hans Castorp besucht Peeperkorn
Als dieser mal wieder erkrankt am
Tropischen Fieber das Bett hüten
Muss der ihn schwitzend empfängt
Er tut dies nach einer der Mahlzeiten
Um einen Krankenbesuch zu machen
Während Clawdia zum Shopping wie
Mann hier wörtlich schrieb hinunter
Nach Davos Dorf gegangen war
Beide plaudern am Bett zunächst
Über Settembrini den Clawdia nicht
Mag bis Peeperkorn ihm plötzlich
Die Frage stellt ob er Madame liebe
Dabei spricht der durch Fieber zwar
Geschwächte Peeperkorn in ganz
Erstaunlich vollständigen Sätzen
Zunächst über Settembrinis Kleider
Wobei der Leser Clawdia eher hört
Während Hans die Würde seines
Freundes des Humanisten verteidigt
Dieser hohe menschliche Anstand
Verdeckt das Ausweichen bei der
Frage der Liebe zeigt Hans als
Anständig korrekten Freund noch
Durch die Worte von Peeperkorn
Wird die hässliche Seite der Russin
Sichtbar die Armut verachtet die
Mynheer Peeperkorn nur spiegelt
Das ist wieder mit so viel Humor
Wie Eleganz und emotionaler Tiefe
Geschildert die aus nahezu Nichts
Einen ganzen Roman zaubern kann
Peeperkorn fragt sehr präzise aber
Hans Castorp windet sich weil die
Antwort unter Männern die als
Freunde hier verkehren schwer ist
Auch natürlich weil er selbst keine
Antwort auf diese Frage kennt die
Er der Freundschaft wegen lieber
Noch verdrängt statt zu beantworten
Der zwar nach zwei Gläsern Rotwein
Leicht angetrunkene aber dennoch
Präzise aufmerksam sprechende
Peeperkorn zittert geschwächt leicht
Genug die Bettwäsche mit Rotwein
Zu beschmutzen so dass Hans von
Salz gegen die Flecken spricht was
Ein typisch deutscher Reflex ist
Der übertrieben unsinnig dazu ist
Salz entfernt keine Flecken kann
Nur die Flüssigkeit noch aufsaugen
Aber das muss kein Thema hier sein
Der eine will über die Liebe von
Hans zu Clawdia näheres wissen
Dieser wiederum windet sich mit
Philosophischen Reden heraus
Das ist eine genial inszenierte
Konstellation um das Treffen
Der großen Persönlichkeit mit dem
Sorgenkind des Lebens zu zeigen
Zum ersten Mal wirkt Peeperkorn
Dabei nicht nur lächerlich während
Hans der in bester Absicht zum
Krankenbesuch kam nun kämpft
Ein alter kranker Mann mit dem
Früher jugendlichen Liebhaber
Seiner nun Geliebten ganz nah
Kreisen sie um ihre Verbindung
Was für eine geniale Inszenierung
Für den Lauf des Lebens wie die
Tiefe emotionaler Verbindung in
Der Grenzen ausgelotet werden
Peeperkorn deutet die zunehmende
Impotenz im Alter an während der
Kranke alte Kapitän schon sein
Erbe emotional auch regelt
Clawdia und Hans hatten mit ihrem
Russischen Kuss ihre Kooperation
Zum Wohle Peeperkorns besiegelt
Die Herren reden über das gleiche
Wie verhält sich der korrekte Hanseat
Im emotional so aufregenden Moment
Was ist unter Männern anders als in
Der Verabredung der Liebenden
Wilde Thesen zur Liebe wie über
Das Wesen der Frau die nur durch
Den Mann lieben würde der sie
Zur Liebe führen müsse werden hier
Unter Männern ausgetauscht was
Dem Geist der Zeit entsprach der
Sich in dieser Konstellation sehr
Fein durch Clawdia verspottet
Beide lieben eine Frau und dabei
Registrieren sie Nuancen schon
Im Verhalten des anderen aber
Ringen darin nur um ihre Gunst
Hier zeigt Mann in den schon
Zwanzigern geschrieben als Vater
Einer erwachsenen Tochter viel
Über das Verhältnis der Geschlechter
Die beiden Herren die philosophisch
Über Frauen und die Liebe reden wie
Ihre je Natur dabei erörtern zeigen nur
Wie stark Frau sie dabei beherrscht
Das ist ein bis heute noch aktueller
Feiner Blick auf Emanzipation wie
Die Abhängigkeit von der je Natur
Der wir immer ausgeliefert doch sind
Asexuell und fern aller Triebe zu sein
Könnte davor bewahren und so auch
Versucht es noch der Rechtsstaat in
Seinen natürlichen Grenzen dabei
Ob dies noch menschlich sein kann
An Grenzen der Natur auch stößt
Oder vernünftig je sein kann fragt
Leider noch zu selten wer dabei
Beherrscht das Gefühl uns dem der
Verstand gerne Grenzen zeigt oder
Führt am Ende der Verstand und wer
Verführt wen wirklich dabei wozu
Thomas Mann hatte die Enkelin einer
Der wichtigsten Feministinnen mit
Katia geheiratet die dem Künstler
Dabei den Rücken noch frei hielt
Sie die Tochter eines Mathematikers
Hatte selbst Mathematik studiert bis
Der emotional kreative Mann der sie
Braucht in ihrem Leben auftaucht
Alle Kunstwerke sind öffentlich wie
Zugleich privat und zeigen damit den
Künstler offen auch als Menschen
Wie dessen Kampf mit der Welt
Hier lohnt der Blick auch auf den
Autor um dessen Rolle zu sehen
Die im Werk um Ausdruck ringt
Tief emotional so blicken lässt
Ein verheirateter Künstler der mit
Seiner Rolle als Bürger ringt hat
Eine hochintelligente Jüdin zur Frau
Deren Kur zum Roman hier wurde
Nicht sein Ringen mit der sicher auch
Homosexuellen Neigung ist für sein
Werk wichtig sondern das Verhältnis
Von Gefühl und Verstand zur Natur
Die als Novelle geplante Geschichte
Über die Tuberkulose Kur von Katia
Wird europäische Kulturgeschichte
In der wir unsere Natur betrachten
Ein Künstler wird groß aufgrund
Seines Werkes in dem sich seine
Person natürlich spiegelt was
Biographisch hier allein zählt
Darum ist die bürgerliche Fassade
Die Mann immer aufrecht hielt für
Das Verständnis seines Werkes viel
Wichtiger als seine sonst Sexualität
Sie wird mit der Figur Pribislaw
Von dem er den Drehbleistift lieh
Wie im Karneval von Clawdia das
Thema Homosexualität erledigt
Letztere lebte er unstrittig nie aus
Dafür zeugte er Kinder und lebte
Mit diesen die für sein Werk noch
Ganz entscheidend auch wurden
Vielleicht könnte es viel mehr zum
Verständnis von Thomas Mann
Beitragen sein Werk zu betrachten
Statt dunkle Geheimnisse zu suchen
Auf der Suche nach der verlorenen
Zeit noch ein wenig in den Schatten
Junger Mädchenblüte getaucht die
Ihn am Strand von Balbec ergreift
Der dunkle Blick der Brünetten der
Einen Moment in seinem bleibt ohne
Zu wissen ob dieses sich tief in die
Augen schauen einander nun galt
Jene die das Fahrrad schob war viel
Weniger sein Typ als rotblonde die
Seine Gefühle in Wallung setzten
Und doch verweilten ihre Blicke
Länger als nur nichts ineinander
Wird sie zur Besonderen dadurch
Über deren Gedanken dabei er sich
Tiefe Gedanken macht die schon
Große Sehnsucht nach ihr zeigen
Fast entschuldigend wird darum am
Ende dieses Abschnitts noch ergänzt
Vielleicht mache diese ihn dann
Mit jener rotblonden bekannt die
Eben noch über den alten Greis
Auf der Promenade sprang aber
Das sind Ausreden merkt er selbst.
Der zu ergründen wohin wohl ihre
Gedanken bei dem etwas längeren
Blick gingen und darum nun ihre Welt
Für sich zu imaginieren beginnt
Gibt es geschlechtliche Gedanken
Die aus einem nur Blick eine große
Sexuelle Welt entstehen lassen und
Wie geteilt ist diese darum gleich
Der Leser fragt sich dabei wie nah
Kommt Eva Rechel-Mertens in ihrer
Grandiosen Übersetzung noch den
Gedanken von Marcel Proust
Die von 1953 bis 1957 geschaffene
Erste vollständige Übersetzung von
La recherche durch die noch 1895
Geborene Übersetzerin erfolgte
Für den Suhrkamp Verlag nachdem
Das Bemühen darum noch in den
Zwanziger Jahren durch Franz Hessel
Wie Walter Benjamin gescheitert war
Am Ausbruch des Nationalsozialismus
Den beide Autoren nicht überlebten
Kann Frau wie Mann dabei fühlen
Oder gerade nur es uns offenbaren
Wie treffend feinsinnig scheinen mir
Die Worte von Proust getroffen der
Schrieb als seine Übersetzerin bei
Curtius in Bonn noch promovierte
Marcel Proust der 1871 geboren
Verstarb 1922 mit 51 Jahren bereits
Rechel-Mertens war also bei der
Übersetzung schon älter als Proust je
Die verzögerten Gedanken über die
Gedanken der anderen wie zugleich
Ihre hohe erotische Anziehung zeigen
Was Worte ganz real zaubern können
Was denkt Frau über ihn fragt sich
Der Ich-Erzähler und offenbart die
Tiefe seiner Gedanken und Ängste
Kann sie das so empfinden wie er
Das Verschieben der gedanklichen
Ebenen geht dabei noch um eine
Stufe weiter als sie nach dem wohl
Etwas zu langen Blick mit ihrer
Nachbarin der rotblonden Springerin
Über Mummelgreisbeine flüstert und
Er sich als Thema mutmaßt nach dem
Sie sich so lange genau ansahen
Oder konnte was etwas und gefühlt
Alles für ihn war für sie im gleichen
Moment am selben Ort nichts sein
Als das Gegenteil gar erscheinen
Wie gerne wüsste Mann oft was Frau
Mit Frau geheimes für sich redet doch
Welch Erschütterung über das reale
Nichts wenn er es dann mal erfährt
Ständig können sie pausenlos reden
Ohne dabei etwas noch zu sagen
Während er alles sich denken kann
Ohne das etwas davon wirklich wäre
Dazu noch ihre Gedanken neben
Den geheimen Gedanken die sich
Um die Vorherrschaft streiten ohne
An der Sehnsucht etwas zu ändern
Ist die Sehnsucht im nur Blick der
Sekunden länger aneinander hing
Schon sexuell und für wen dabei wie
Fragt sich der Erzähler in Untiefen
Dabei tauchend die uns offenbaren
Wie nah oder fern wir uns real sind
Darum die Erwähnung auch der
Übersetzerin des zarten Autors
Am Ende des kleinen Abschnitts
Der auf weitere Lektüre freuen lässt
Wird noch festgestellt wie gut die
Nivellierung sozialer Verhältnisse sei
Wie sie das Leben am Strand bringt
Was die Mädchen im Rang enorm
Steigen ließ aber seinen für sie hier
Völlig unsichtbar noch eher machte
Tragisches Schicksal der bloßen
Beobachter die alles und nichts
In der selben Szene finden aber
Für andere unsichtbar bleiben
Was denkt Frau wirklich und was
Bei der Lektüre von Proust dazu
Wie nah sind sich unsere Gedanken
Je und überhaupt verstehen wir uns
Sind wir vom Wesen her verschieden
Nach der Natur noch mehr als es die
Gerade Konvention noch zulässt oder
In allem ohne Geheimnis ganz gleich
An Wunder zu glauben wie der Magie
Zwischeneinander Raum zu lassen
Könnte zauberhafter werden als die
Rechtlich formale Gleichheit je war
jens tuengerthal 15.6.26
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