Mittwoch, 24. Juli 2019
Wertherwelt
Wurde Goethes Werther der
Rund um den Globus gelesen
Wenn auch in Variationen
Manchen war die tragische
Liebesgeschichte ein Skandal
Sahen nur den Kult um den Tod
Den Werther am Ende selbst wählt
Andere wie die Franzosen sahen
Den Freiheitscharakter des Stücks
Schätzten das große Gefühl auch
Fanden aber die Freiheit wichtiger
Die Engländer variierten den Werther
In Übersetzungen sehr stark warum
Dieser auch mal als Frau oder etwa
Im Frankenstein wieder auftaucht
Dieses Gruselstück der Tochter von
Feministin Wollstonecraft Mary Shelley
Am Genfer See einst romantisch geschrieben
Verband Rousseau und Goethe ganz neu
Die angebliche Welle von Suiziden die
Der Werther weltweit nach sich zog war
Wohl übertriebene Propaganda sowohl
Der Gegner wie bewegter Anhänger
Es gibt einige dokumentierte Fälle doch
Gibt es da längst Lieder die viel mehr
Menschen in den Freitod verführten
Faktisch waren es weniger als gedacht
Die Aura der Todesnähe verbunden
Mit großen Gefühlen im Wahn gab
Menschen aus Kulturen weltweit etwas
Liebe scheint eben immer menschlich
Der Briefroman wie die detaillierte
Schilderung lösten eine regelrechte
Mode von gelber Hose braunen Stiefeln
Zur blauen Weste bei den Adepten aus
Sogar in den Buddenbrooks bei Mann
Taucht diese Mode bei Tonis ersten
Bräutigam noch wieder auf und später
Schrieb Thomas noch über Lotte in Weimar
Jene wunderbare Geschichte in der
Die alt gewordene Lotte den längst
Ergrauten Geheimrat zu Weimar den
Verehrten Großen noch einmal besucht
Goethe selbst überarbeitete den Text
In mehreren Ausgaben wobei erst die
Späteren in übersetzten Varianten den
Weltweiten Erfolg des Werther brachten
Der Rechtsreferendar am Kammergericht
Des Reiches zu Wetzlar das alter ego des
Dort ebenfalls Referendars Goethe machte
Bis in die Gegenwart noch Karriere wieder
Immer wieder nahmen sich oft noch junge
Menschen den verliebten Jungen als Vorbild
Doch wie ich jüngst selbst erfuhr das Gefühl
Des Werther kennt keine Altersgrenzen
Immer verabscheute ich den Knaben der
Sich offensichtlich hysterisch in eine doch
Unmögliche Affäre übertrieben hineinsteigert
Bis als letzter Ausweg nur der Freitod blieb
Diese Freiheit konnte ich respektieren
Mit Epikur und Lukrez wenn sie noch
Vernünftig entschieden worden war
Aber die Gründe waren Wahnsinn
Jene Julia die mich nun zum Werther
Beinahe machte gefühlt jedenfalls ganz
Verehrte den Werther immer hatte ihn oft
Gelesen und verabscheute dagegen Lotte
Bei mir war es bis dato umgekehrt gewesen
Was eine interessante Konstellation nun ist
Wie die Romeo und Julia Seite unserer
Eigentlich völlig unmöglichen Beziehung
Extreme Gefühle die bei der Verehrerin
Des Werther von einem Tag auf den andern
Wechselten wie vorher ihre Stimmungen
Die zwischen Tod und Leben schwankten
Diese Konstellation erinnerte an eine
In den USA verbreitete Variante des
Werther die zusätzlich noch das Element
Inzest ungeahnter Geschwister thematisierte
Hier wiederum tauchte die Idee die schon
Lessing im Nathan variierte wieder auf
Wie die unmögliche Liebe nicht sein kann
Aber dennoch für die Frau tödlich endet
Mehrfach hatte meine verehrte Liebste mir
Ihren Tod angedroht sollte ich sie verlassen
Was sie dann bei mir tat völlig gelassen
Während ich an Werthers Grenze lang lebte
So wirkte der Werther in uns beiden weiter
Die leidenschaftliche Romantikerin voller
Großer Gefühle und rasender Eifersucht
Appellierte an die Vernunft des Aufklärers
Der Freitod spielte dann in den russischen
Übersetzungen wie der dort Rezeption des
Werther eine große Rolle dahingestellt ob
Dies ein typisch slawisch östliches Element
Während meine Lotte die eine Julia war
Sich erst danach kühl und berechnend
Gab war die Goethes voll Gefühl aber
Ungreifbar und dann doch vernünftig
Dagegen wurde ich der stets noch
An die Vernunft appelliert hatte zum
Emotionalen Wrack in der Depression
Die anders benannt auch Werther trieb
In der Hochphase des Leids als meine
Lotte-Julia mir verkündete sie hätte längst
Einen besseren schon hörte ich Nachts
Noch meinen Nachbar in den Tod springen
Sie riet mir kühl vernünftig zu wieder Sex
Den ich für mich romantisch ewig gebunden
Für völlig ausgeschlossen hielt war also
Eine vollständig andere als die ich kannte
Dagegen hatte ich mich etwas hysterisch
Völlig in die Rolle des Werther gefunden
Fand keine Freude mehr am Leben ohne
Das blöde Buch nur in die Hand zu nehmen
Vielleicht rettete es mich in dieser Phase
Mehr kulturhistorisches zu lesen statt
Großer Romane mit viel Gefühl weil der
Weite Blick zumindest noch hoffen lässt
So ereilte mich über 30 Jahre nach der
Ersten Lektüre des Werthers ungewollt
Der scheinbar unsterbliche Werthereffekt
Voll wie so viele auf der Welt schon
Lesbar hier habe ich es bis jetzt überlebt
Die Vernunft und preußische Pflicht werden
Wie noch viele gute Bücher vor mir können
Es auch künftig gut verhindern aber es war da
Der Werther der bis tief nach Asien drang
In Japan wo der Suizid der Ehre eine ganz
Eigene Kultur hat neuen Kult auslöste erfuhr
Zur Jahrtausendwende einen neuen Boom
Es gibt diese großen Gefühle der Liebe
Die alles übrige völlig egal machen dann
Über sie nachzudenken brachte mir der
Werther damals aber gefühlt gar nichts
Vielleicht spürte ich schon da denke ich
Heute manchmal wie ähnlich ich liebe
Gestand es mir nur lieber niemals ein
Lehnte als Aufklärer diesen Unsinn ab
Vernünftig betrachtet habe ich nun
Wenn auch reichlich verspätet noch
Den großen Werthereffekt kennengelernt
Für meine über alles geliebte Prinzessin
Finde Werther immer noch bescheuert
Aber nicht weil er nicht um Lotte kämpfte
Tue ich um Julia auch nicht da Liebe
Wenn sie ist frei sein muss zu bleiben
Sie kam sie war sie ging ich blieb
Große Gefühle habe mich bewegt
Also war es ein kostbarer Schatz
Bin um eine Erfahrung bereichert
Das unterscheidet mich von Werther
Auch wenn ich ähnlich unsinniges
Wohl vom Gefühl getrieben schrieb
Lebe und lese und liebe weiter
Ob so der Werther auch anders
Wie in vielen Übersetzungen wohl
Aus Sittengründen noch gewählt
Enden kann zeigt die Zeit uns
Den Glauben an die große Liebe
Die über uns hinausgeht habe ich
Trotz Werther nicht völlig verloren
Zumindest für mich bis jetzt
Goethes Werther ist Weltliteratur
Stand einer Bewegung Pate die
Dem Paten später peinlich war
Aber Gefühle sind eben frei
jens tuengerthal 24.7.2019
Provinzkultur
Wo ist deutsche Literatur Zuhause
In großen Zentren oder in der so
Typisch deutschen Provinz immer
Wie sie es einst in Weimar war
Weimar mit Goethe und Schiller
War der Leitstern deutscher Klassik
Auch Herder und Wieland dort wie die
Mütter Nietzsche und Schopenhauer
Doch politisch wie tatsächlich war Weimar
Tiefste Provinz Hauptstadt eines kleinen
Typisch deutschen Herzogtums das sich
Mit Ambitionen noch zu mehr machte
Anna Amalia die Mutter des Herzogs
Der Goethe persönlich nach Weimar
Mitnahm stammte aus dem Haus der
Wolfenbüttler Welfen brachte so viel mit
In Wolfenbüttel war Lessing Bibliothekar
Wurden literarische Schätze gehütet wie
Passend heißt die von Goethe geplante
Weimarer Bibliothek heute nach ihr
Schön zu besichtigen wieder nach dem
Schrecklichen Brand wie das Haus am
Frauenplan von Goethe um die Ecke
Wie in Weimar alles um die Ecke nur ist
Weimar ist ein thüringisches Nest nur
In dem der Zufall der Geschichte einst
Mehrere große Geister nur versammelt
Hat was nichts am Wesen änderte
Berlin Frankfurt und Leipzig dagegen
Sind zumindest numerisch Großstädte
Die literarischen Anspruch erheben
Egal wie provinziell sie real nur sind
Berlin ist viele Dörfer die nur unter
Einem Namen zusammengebunden
Spielt gerne Großstadt besonders um
Friedrichstraße und Kudamm herum
Real ist es ein märkisches Nest das
Sich geistig noch den Staub langer
Preußischer Geschichte abklopft
Ohne etwas wirklich schon zu sein
Zu Leipzig und seiner Mangabuchmesse
Schweige ich lieber gibt sich gern kulturell
Ist aber am Bahnhof gut sichtbar bloß
Sanierte peinliche östliche Provinz
Frankfurt ist Handel und viel Geld
Das sich gern kulturellen Anschein
Noch gibt bleibt ein Platz der Börse
Mehr als der dort gehandelten Bücher
Seien wir ehrlich Deutschland ist
Überall provinziell nur manchmal
Mit vielen auf einmal dazu noch
Es gibt kein Paris oder London
Doch hat die Provinz ob nun aus
Weimar oder Lübeck es denoch
Zur Weltkultur immer wieder auch
Geschafft was im Wesen genügt
Weniger Anspruch auf Großstadt
Dafür schlicht ehrliche Provinz
Könnte manche Literatur wohl
Weiter führen in unserer Provinz
jens tuengerthal 24.7.2019
Liebeverzweiflungshelfer
Wenn Liebe verzweifeln lässt
Helfen Bücher zuverlässiger
Als Ablenkung es je könnte
Warum ich Lesen vorziehe
Das die Konzentration fördert
Auf was es wirklich ankommt
Bleibt am Ende auch bei dir
jens tuengerthal 23.6.201
Dienstag, 23. Juli 2019
Lebensaufgabe
Aufgabe glücklich zu bleiben
Erfüllt statt gefüllt
Was bliebe ohne
Fragen viele zu selten
In Alltagszwängen
Danach zu suchen
Bessere Aufgabe wohl
Als einfach weiter
jens tuengerthal 23.7.2019
Hochspannung
Zwischen Bewahren
Und Freiheit genießen herrscht
Stete Hochspannung
Entspannt wäre was
Ehrlich und offen einmal
Manche wohl niemals
Lügen leben nur
Für Märchenprinzessinnen
Länger als nötig
jens tuengerthal 23.7.2019
Ventilatorglück
Nur der Ventilator dreht
Bei Hitze nicht durch
jens tuengerthal 23.7.2019
Konstruktivismuss
Konstruktiv ist Muss
Aber niemals zwanghaft das
Wäre destruktiv
Sich die Welt machen
Wie es gerade gefällt
Könnte genügen
jens tuengerthal 23.7.201
Leserhaltung
Lesen dient vielfach nur
Der Unterhaltung noch
Statt dem aufrechten Gang
Der vom Geist getragen ist
Wie gefesselt lesen viele
Die Abenteuer anderer
Ohne sie auf sich zu beziehen
Es kritisch zu reflektieren
Alles was ich lese wird stets
In Versen und Gedanken
Gespiegelt so nützlich zu sein
Über geistige Onanie hinaus
Lese darum nur gute Literatur
Die Zeit nicht zu verschwenden
Welche ich pflichtbewusst nutze
Meiner Leidenschaft hingegeben
Fraglich könnte jedoch hier sein
Wem diese Haltung noch nutzt
Ob die Pflicht nicht unnötig quält
Wo lieber lustvoll gelesen würde
Denke an meinen Großvater der
Als Wahlspruch vom Leben als
Freude träumte erwacht Pflicht sah
Lebend Pflicht zur Freude machte
Folge der Leidenschaft für Bücher
Gebe mich ihr aber pflichtbewusst
Hin um Gutes und Schönes zugleich
In den würdigen Kontext zu stellen
Eben diese Verse zur Pflicht in der
Leidenschaft gab Montaigne ein
Dessen Essay über das Nichtstun
Am Morgen gelesen beflügelte
Wie gerne halte ich den blauen
Wunderschön edel gebundenen
Band der Anderen Bibliothek dazu
Wie andere eine Bibel in Ehren
Erfülle meine Pflicht durch tägliche
Lektüre wie öffentliche Reflektion
Darüber in Versen aber tue es mit
Leidenschaft und Liebe immer
Lesen ist meine große Lust
Ihr folge ich mit Leidenschaft
Zu gerne und noch viel lieber
Wo sie der guten Sache dient
So dient das eine dem anderen
Statt in Opposition zu stehen
Für Leidenschaft als nur Freizeit
Wie ungewollte Pflicht ansonsten
Die Haltung die ich als Leser fand
Macht die Leidenschaft nützlich
Lebe wovon ich überzeugt bin
Statt Dinge stumpf zu erledigen
jens tuengerthal 23.7.2019
Montag, 22. Juli 2019
Ringreisen
Auf der Berliner Ringbahn lesend
Gen heimatlichen Berg fahren
Dabei über den Nathan lesen
Wie die Wirkung der Ringparabel
Noch innerlich verschlungen in
Den für eine einst versprochene
Ewigkeit getauschten Ringen die
Nur mich banden dreht es sich
Toleranz im Glauben als neue
Freiheit aus der Freundschaft
Von Lessing und Mendelssohn
Dargestellt im magischen Ring
War der Ring verzaubert der
Den wahren Weg im Glauben
Erst durch das Leben offenbart
Oder war es einfach vernünftig
Auch die Liebe spielt eine Rolle
In Lessings Toleranzparabel die
Gerade wieder hochaktuell ist
In Zeiten religiöser Intoleranz
Sie soll am Ende doch nicht sein
Wie es der Liebe manchmal geht
Weil die Umstände es nicht wollten
Geschwisterliebe nicht gesund ist
Wie verschieden wurde der Text
Durch Zeiten und Kulturen bis
In die Gegenwart gelesen wie
Mutig auch neu inszeniert
Miteinander und Toleranz sind
Das Mittel der Wahl auch wenn
Sich der Traum der Liebe nicht
Erfüllen kann fanden sich viele
Nathan und Saladin als Freunde
Der Tempelritter seine Schwester
Saladin die Kinder seines Bruders
Nur Fanatiker wollen verbrennen
Der weise tolerante Jude der als
Bänker überaus erfolgreich seinen
Neuen Freund Saladin rettet ist ein
Denkmal für Moses Mendelssohn
Der große jüdische Philosoph dem
Friedrich der Große hier intolerant
Die Aufnahme in die Akademie noch
Verweigerte lehrte über das Miteinander
Lassen wir jeden nach seiner Art leben
Messen wir ihn an seinen Taten mehr
Als dem Schild seines Glaubens noch
Um zu mehr Menschlichkeit zu gelangen
Mutig war diese Freiheit noch die Rom
Wie seine Vertreter sehr übel nahmen
Warum es in Österreich lange noch nicht
Aufgeführt werden durfte nur gelesen
Auch der Österreicher der von Berlin aus
Europa verheerte verbat sich dieses Stück
Mit dem guten Juden vernichtete lieber die
Es im Kulturbund aufführten in seinen Lagern
Vorher hatten die Zionisten es abgelehnt
Die fürchteten die gepredigte Toleranz
Stellte ihren Traum vom Staat infrage
Orthodoxen missfiel auch die Liebe darin
Intolerant und gewalttätig wünschte nur
Der christliche Patriarch von Jerusalem
Nathans Tod auf dem Scheiterhaufen
Weil er ein Christenkind bei sich erzog
Nicht mildernd für Nathan wirkte dabei
Dass er sie nicht als Jüdin sondern in
Keinem Glauben erzog weil Fanatiker
Nur ihre Wahrheit anerkennen können
Der weise Jude der den finanziell sehr
Leichtfertigen Muslim zur Toleranz bringt
Das Christenkind ohne festen Glauben
Aufwachsen lässt ist das große Ideal
Die unmögliche Liebe bleibt unmöglich
Was aus den Gefühlen wird spielt keine
Rolle mehr im Nathan dafür ersetzt die
Wiedergefundene Familie verlorene Liebe
Was können wir heute wieder in Zeiten
Gelebter Intoleranz aus Populismus von
Nathan lernen der unsere Verwandtschaft
Am Ende offenbart und zeigt was zählt
Wenig über die Liebe auch wenn sie
Den liebenden Dichter über den Ring
An seinen großen Traum davon erinnert
Diese ist eben manchmal unmöglich
Viel über das Miteinander in dem es
Auf Taten mehr ankommt als auf die
Einzig wahre Lehre die doch nur zu
Tödlichem Fanatismus verführt
Könnten wir den Nathan der Recha
Ohne festen Glauben erzog auch als
Vorbild der Freiheit vom Glauben lesen
Die erst Geschwisterlichkeit ermöglicht
Wir alle doch verwandten Menschen
Sollten uns mehr an Taten messen als
Um den wahren Glauben zu kämpfen
Wo Toleranz herrscht bleibt die Liebe
Dies ist der Geist der Aufklärung der
Wieder stark und laut werden muss
Weil es darauf ankommt wie wir es
Leben nicht woher wir stammen
Das Versprechen der ewigen Liebe
Aus den einst getauschten Ringen
Muss mit der Unmöglichkeit leben
Denke ich in der Ringbahn dabei
Dass die Ringbahn gar nicht fuhr
Die S-Bahn den Dichter dafür nur
Zum Alex brachte wo er umstieg
Spielt für beides keine Rolle mehr
Die Ideen der Ringparabel stärken
Für tolerante Aufklärung eintreten
Die als Vorbild ohne Religion erzog
Wird Aufgabe der Zukunft mir sein
Was aus dem Versprechen des Rings
Das nur mich noch band einst wird
Wissen die Götter die ich nicht kenne
Das Gute zu leben führt sicher dahin
Sein Wort halten aber Toleranz leben
Weil Menschenliebe Gutes wünscht
Das Mittel der Wahl in der Zwischenzeit
Wer weiß schon was wirklich unmöglich
Wenn der Vorhang am Ende doch fällt
Ist die enge Verwandtschaft bewiesen
Dort der Religionen morgen vielleicht
Aller Menschen die sich auch lieben
Trage mein Versprechen weiter damit
Auf etwas Verlass ist und übe mich in
Toleranz was manchmal schwer fällt
Aber nichts in der Natur ist unsterblich
Irgendwann auch ohne Ringbahn mit
Keinem verprochenen Ring mehr am
Längst vergebenen Finger Zuhause
Angekommen wurde es nun notiert
So wirkte der Nathan der mir einst
In Studentenzeiten den Spitznamen
Lessing eintrug in mir erstaunlich neu
Zwischen Liebe und Aufklärung weiter
Für letztere werde ich stets kämpfen
Auf erstere geduldig einfach warten
Sie erscheint immer nur dann wenn
Wir es am wenigsten mehr glauben
jens tuengerthal 22.7.2019
Vereinsfrei
Warum haben so viele
Das Bedürfnis sich privat
In Vereinen zu organisieren
Statt Leben zu geniessen
Halten sie Sitzungen ab
Statt Büchern lesen sie
Protokolle der Langeweile
Die organisiertes miteinander
Stets staatlich gefördert noch
Ganz geistlos mit sich bringt
Wie glücklich bin ich heute
Völlig vereinsfrei zu sein
Mit viel Zeit zum Lesen
Nie tauschte ich Freiheit
Gegen Mitgliedschaft wieder
Gute Leser bleiben ungebunden
jens tuengerthal 22.7.2019
Bücherschwärmer
Bin ein Bücherschwärmer
Liebe es darüber zu reden
Was ich gerade lese warum
Bestimmte Bücher groß sind
Rezensent wollte ich nie sein
Auch wenn ich manche schrieb
Weil geliebtes verreißen quält
Dem Autor mich zu nah fühlte
Andererseits wirklich gutes
Erkennen und unterscheiden
Ist ein wichtiges Talent auf
Völlig überlaufenen Märkten
Jeder Eindruck ist subjektiv
Also jeder Verriss auch relativ
Der Schwärmer dagegen sucht
Belege seiner Überzeugungen
Lobe und liebe Bücher gerne
Es gibt genug über die ich
Ohnehin nur schweigen kann
Was manchen mehr sagt
Bücherschwärmer zu sein ist
Eine Berufung die ich endlich
Zum Beruf mir nun machte
Glück mit anderen zu teilen
So beachtet der Bücherschwärmer
Auch die Optik eines Buches wie
Seine haptische Erscheinung ob
Der Kontakt lesend sinnlich wird
Natürlich zählt am Ende nur was
In guten schönen Büchern steht
Doch zu schwärmen gibt es mehr
Gründe als bloß die Geschichten
Wer wie ich mit Büchern lebt
Heimat mit ihnen so sehr teilt
Wie zugleich in ihnen findet
Sieht schwärmend das Ganze
Ein Buch lang in den Händen zu
Halten wird bei einer gebundenen
Schönheit in zartem Leinen dem
Leser auch zum sinnlichen Genuss
Natürlich lese ich nur ausgewählt
Gute und schöne Bücher um die
Lesezeit in jeder Hinsicht effektiv
Als größten Genuss zu nutzen
Diese Bücher mit denen ich mein
Leben teile sind mir wertvoll wie
Kostbar als bleibender Schatz
Was mehr wert ist als vieles
jens tuengerthal 22.7.2019
Bücherrettung
Bücher haben mir schon oft
Das Leben gerettet wofür
Dankbar zu sein beide
Gebührend würdigt
Schließlich sind wir
Uns unbezahlbar
Auch als Leser
jens tuengerthal 22.7.2019
Regelmäßig
Was regelmäßig
Kommt ist in der Regel nur
Mäßig wertvoll noch
Dabei ist es doch
Das meistens die längste Zeit
Gegenwärtige
Schätzen was immer
Ist macht Alltag erst kostbar
Auch in der Regel
jens tuengerthal 22.7.2019
Sonntag, 21. Juli 2019
Freiheitsglück
Welch Glück ist die Freiheit
Wehn du sie selbst errungen
Nach schlimmster Erniedrigung
Wieder alleine aufrecht stehst
Ein halbes Jahr vom Amt gelebt
Durch die Erniedrigung dort wie
Zusätzlich die der einst Liebsten
Völlig verlassen verloren gefühlt
Einsam des Lebens längst müde
Nur noch irgendwie überlebt kam
Unerwartet die Freiheit als Glück
Rettete mich aus der Depression
Wieder eine Aufgabe endlich
Außer der Berufung als Dichter
Noch dazu mit meinen immer
Treuen Liebsten den Büchern
Wie gut tut es wieder frei zu sein
Sich beim Amt einfach abmelden
Für sich allein verantwortlich die
Große Erniedrigung zu beenden
Komme was wolle endlich frei
Genug zu lesen für alle Zeiten
Führe ich wieder mein Leben
Trinke glücklich einen Riesling
Erst nach dem tiefsten Tal
Das ich im Leben durchlitt
Konnte ich das große Glück
Der Freiheit voll genießen
Dankbar dafür werde ich
Es genießen und würdigen
Auf meine Freiheit achten
Sie immer lesend verteidigen
Wer einmal diesen Weg ging
Die totale Erniedrigung erfuhr
Weiß erst was Freiheit wert ist
Werde es mir fürs Leben merken
jens tuengerthal 21.7.2019
Leserzufriedenheit
Mit guten Büchern zufrieden
Brauchen sie nichts zum Glück
Als etwas gutes zu lesen
Ein Platz zum Lesen findet sich
Überall und wer als Leser ganz
In der Lektüre versinkt wird nichts
Mehr um sich herum wahrnehmen
Diese tiefe Zufriedenheit im Leben
Fehlt vielen Menschen völlig die stets
Ungeduldig sich erneuern wollen um
Auch schön mit der Mode zu gehen
Einige Seiten in einem guten Buch
Genügen mir zur Ausgeglichenheit
Auch wenn Lesen unausgeglichen
Schwer fällt lohnt es sich immer
So wurde ich ein glücklicher Leser
Der den Unglücken des Lebens die
Gelegentlich ungewollt eintreten
Stets mit einem Buch entgegentritt
Lese in emotional aufgewühlter Zeit
Am liebsten sachlich historisches
Weil der Blick aufs Große auch die
Eigenen Dramen relativieren hilft
Versinken können in Bücherwelten
Löst aus den eigenen Zwängen die
Durch schöne Worte ausgeglichen
Weniger bedeutend nur erscheinen
Die Zufriedenheit die andere etwa
Durch Gebet oder Meditation erst
Erlangen findet der Leser lesend
Bei seiner Leidenschaft wieder
Bin ein dankbar zufriedener Leser
Der sich am großen Lesestoff der
Noch vor ihm liegt erfreut statt
Darauf gestresst zu reagieren
So ist Glück für mich ganz klar
Die Aussicht auf viele Bücher
Welche noch auf mich warten
Um dankbar gelesen zu werden
Mit dieser tiefen Zufriedenheit
Ein Leben lang lesen ist auch
In größter Verzweiflung noch
Schönste Aussicht als Lichtblick
jens tuengerthal 21.7.2019
Lesereisen
Auf meinen Lesereisen durch
Die Zeit wie in der Welt zugleich
Dank des Wunders des Lesens
Diese Reisen führten mich von den
USA heute im Geist der Aufklärung
Zur Aufklärung in deutscher Literatur
Ins Berlin und in die Mark Fontanes
Bis in die frühe Renaissance wieder
Zwischendurch einige Seiten in China
Um das Jahr 1200 verweilt um vor dort
Ins Frankreich vor der Revolution mit
Monsieur Nicolas wieder zu wechseln
Schon in Frankreich verweilte ich noch
Einige Seiten bei meinem alten Freund
Michel de Montaigne dessen Essays
Schönste Sonntagsgedanken schenken
Das Berlin um die Jahrhundertwende
Als Weltpuff sinnlich mit Borchert noch
Besucht von wo aus die Lektüre über
Das deutsche Genie historisch nahe lag
Ein wenig im aufklärerisch erdachten
Reich irgendwo im damals gerade noch
Heiligen Römischen Reich deutscher
Nationen mit Wezels Roman verweilt
Dort über Hermann und Ulrikes Liebe
Gelächelt die sich gegen alle Normen
Wie Bemühungen ihren Weg sucht
Was große Liebe halt so macht
Dann schon in der Aufklärung noch
Mit Adam Smith durch Frankreich
Gereist um dort noch Saint-Beuves
Menschen des 18. Jahrhunderts zu treffen
Kurz nach Sizilien mit den Briefen des
Abbé Galiani der genial frech so am
Leben seiner Pariser Freunde aus dem
Salon des Baron Holbach teilnimmt
An diesem heißen Sommersonntag
Noch ein wenig mit Forster auf der
Expedition von Cook im Polarkreis
Gesegelt und über manches gestaunt
Statt selbst durch Berlin zu wandern
Heute mit einem reisenden Franzosen
Der Fiktion des Johann Kaspar Riesbeck
Durch das alte Reich lächelnd flaniert
Schließlich mit einigen Zeilen aus dem
Antiken Rom des Lukrez wie danach
Dem Griechenland Epikurs geendet
Durchschritt ich Welten und Zeiten
Wie weit und reich ist was ich dort
Lesen und wahrnehmen durfte wie
Wunderbar ist es so jenseits aller
Physikalischen Grenzen zu reisen
All diese Reisen die mich so weit
Um die Welt wie durch die Zeit
Führten tat ich ohne den Ort nur
Für einen Moment zu wechseln
Sah und erfuhr mehr als die meisten
Die von Unruhe getrieben dorthin
Meinen reisen zu müssen weil ich es
Von denen las die eben dort waren
Statt vom durch die Welt jetten nun
Völlig gestresst in Zeitlöcher zu fallen
Trinke ich gänzlich entspannt Tee der
An den Hügeln des Himalaya wächst
Lesereisen sind die schönste Form des
Reisens nichts könnte bequemer sein
Auf keine Art lerne ich mehr dabei an
Keinerlei Schranken jemals gebunden
Vielleicht sollte ich ein Lesereisebüro
Eröffnen für gestresste Großstädter
Die überall gewesen sein wollen um
So scheinbare Bedeutung zu gerieren
Doch als endlich Buchhändler mache ich
Genau das eigentlich längst muss es nur
Machen noch erklären welch Reichtum
In der Welt der Bücher schon liegt
Wer liest weiß hinterher immer mehr
Kennt sich besser aus und tut sich
Wie seiner Umwelt einen Gefallen
Der dringend Verbreitung braucht
Erstaunt könnten wir künftig die
Stolz von ihren lächerlichen Reisen
Wie den scheinbaren Abenteuern
Berichtenden Menschen belächeln
Ach sie reisen noch das tut mir leid
Versuchen sie es mal mit Lesen
Das hilft gegen diese Krankheit
Schenkt allen Beteiligten Zufriedenheit
Lesen ist das Reisen der Zukunft
Irgendwo gewesen zu sein belegt
Dann nur noch innere Unruhe die
Als Krankheit zu behandeln wäre
Leser sind überall auf der Welt wie
In allen Zeiten ihrer Wünsche auch
Bilden und unterhalten sich dabei
Können fundiert darüber reden
Touristen die Öko-Terroristen unserer
Gegenwart dagegen hetzen zu Orten
Ohne irgendwo anzukommen erfahren
Nahezu nichts und schaden allen dabei
Lesereisen sind der Tourismus der
Zukunft in der sich entspannte Leser
Schöne Bücher gönnen um damit dort
Zu sein wo sie es sich wünschen
jens tuengerthal 21.7.2019
Bucherotik
Es gibt erotische Literatur
In der es bloß um Sex geht
Die es aber selten wirklich ist
Sondern meist niveaulos eher
Sie soll jene aufheizen die sich
Vor Pornos fürchten aber lesen
Was ein guter Anfang mit meist
Mäßigem Ergebnis leider nur ist
Dann gibt es die wirksame
Sinnlich betörende Literatur
Die oft kein Wort über den Sex
Dazu verlieren muss es zu sein
Schließlich gibt es solche wie mich
Die schöne Bücher sinnlich betören
Während hässliche sie anekeln
Die echte Bucherotik pflegen
Die Lust am Buch an sich ist eine
Form der geistigen Onanie die dazu
Gebundene Körper ästhetisch verehrt
Im Lesen Befriedigung auch findet
Schönsten Sex hatte ich vor Büchern
Gern mit Bezug auch auf sie wie der
Vorigen gemeinsamen Lektüre wirklich
Erotischer Texte wie dem Zauberberg
Thomas Mann der nahezu nie explizit
Werden muss um sinnlich zu sein ist
Der Meister erotischer Räume warum
Wer das nicht spürt immer fern bleibt
Hatte manche die Mann sogar hasste
Ihn einen verklemmten Schwulen nannte
Weil ihnen das Gefühl für die Erotik im
Bürgerlichen Zwischenraum fehlte
Heute weiß ich die Paarungsversuche
Waren entbehrlich weil das Verständnis
Für geteilte sinnliche Räume völlig fehlte
Die sich im Verständnis der Bücher zeigt
So gut manche davon zu vögeln war
So wenig blieb an sinnlicher Erotik
Die Spannung zum Zauber erst macht
Wenn die geistigen Räume fehlten
Eine hatte ich leider nur eine Nacht
Die aus Lübeck sogar noch kam
Den Blick auf Mann völlig teilte die
Erotik der Welt des Zauberers spürte
Verspielte das traumhafte Glück damals
Leichtfertig in oberflächlicher Vielfalt
Ohne es wirklich wertzuschätzen was
Heute sicher nie wieder passierte
Es ist ein seltenes Glück die Erotik
Der Bücher völlig zu teilen was wer
Findet ohne Zweifel genießen sollte
Weil sie von Zwischentönen getragen
Erotische Spannung ist der Zauber
Der aus Zwischentönen nur wächst
Unausgesprochen einerseits aber
In mancher Literatur sich findet
Keine dauerhafte Befriedigung dagegen
Schenkt der immer nur Anschein der
Um Perfektion bemüht äußerlich bleibt
Nur Sex aber keine Erotik mehr bietet
Dann kann mit perfektem Körper es
In allen Stellungen scheinbar perfekt
Sein und bleibt doch oberflächlich nur
Weil zwischen den Zeilen etwas fehlt
Die Bucherotik zeigt diese Spannung
Die mechanischen Sex auf geistiger
Ebene zur schönsten Vollendung führt
Die nur kennt wer geistige Welten teilt
Prousts Combray wie die Beschreibung
Der in Tee getauchten Madeleines ist
So eine Stelle höchster Sinnlichkeit die
Swanns billige Erotik weit übertrifft
Erotik ist niemals pornografisch sondern
Stets vom Schleier verhüllte Lust die so
Im bloß Sinnlichen Tiefgang noch zaubert
Der Körperlichkeit ein Stück Ewigkeit gibt
Wo du sie für Bücher natürlich teilst
Hast du das Höchste miteinander
Nachteil nur alles übrige wird danach
Entbehrlich wie gerne lebte ich es ganz
Ineinander körperlich tief zu versinken
Ist ein schlicht mechanischer Vorgang
Wiederholbar wie austauschbar auch
Es in Büchern zu teilen dagegen selten
Danach zu suchen ein reizvolles Ziel
Nach vielen Versuchen zuvor die
Wenig mehr hinterließen als Leere
Oder den Schmerz der Täuschung
Träume nicht von erotischer Literatur
Sondern von zwischenzeiliger Erotik
Die sich in geistigen Welten offenbart
Als Höhepunkt sinnlicher Nähe dann
Der Sex kann dann sein wie er will
Mal wild ungezügelt dann eher zärtlich
Zumindest ungespielt wirklich nach
Der miteinander gefundenen Natur
Bis dahin lese ich für mich weiter
Da übriges den Aufwand nicht lohnt
Die Massenware gern dieser überlasse
Um lieber ausgewählt zu genießen
Ob es dafür die eine nur gibt die
Alles in sich trägt und erfüllt oder
Vielfalt sich dem eher nähern kann
Fragt nur wer bloß Ablenkung sucht
Muss nichts mehr suchen noch
Finden oder mir beweisen außer
Echten Genuss ohne Täuschung
Der auf Bucherotik ruhen wird
jens tuengerthal 21.7.2019
Buchwahl
Die Auswahl der Bücher
Erzählt viel über Menschen
Mehr als sie selbst sagen
Weil es den Tiefgang zeigt
Den jeder gern vorgibt
Aber wenige nur haben
Auch wenn nicht jeder
Gleich eine Bibliothek hat
Verraten schon die Bücher
Am Bett was bleiben wird
Manche spielen nur Niveau
Was immer anstrengend ist
Und selten gut ausgeht
Weil es beide überfordert
Einen oben den andern unten
Die oben überforderten haben
Oft Kleiderschränke viel größer
Als all ihre Bücherregale
Da weiß ich heute sofort
Werde ich nichts als Sex finden
Den aber auch eher geistlos
Bleibt alles eher oberflächlich
Unten überfordern mich solche
Die sich eifrig Leser nennen
Aber Massen von Schrott stapeln
Von Coelho bis Follett oder Brown
Der ihrer Unterhaltung allein dient
Grenzen des Horizonts offenbart
Für mich nur Altpapier wäre
Was vermutlich verletzte
Warum ich lieber schweige
So zeigt die Buchwahl am Bett
Was lohnt und bleibt wo noch
Potenzial zur Entwicklung ist
Es ist eine Frage der Würde
Wie gegenseitiger Achtung auch
Sich auf und mit Niveau zu paaren
Damit es auch dauerhaft passt
Doch wie selten findet es sich
Oft von Schönheit geblendet
Oder Körpern verführt dazu
Ignorierte ich was allein zählt
Behalte ich künftig mein Herz
Darum besser sicher bei mir
Bis ich weiß was sie lesen
Von sich aus und vorher
Nicht später um zu gefallen
Was gefährlichen Anschein
Von Niveau nur erzeugt
Der auf nichts als Leere baut
Schmerzvolle Löcher reißt
Wo Geschmack und Liebe
Zu schönen Büchern geteilt
Was ein seltenes Wunder ist
Wie ich es zuletzt erlebte
Können sich Welten finden
Dies seltene Glück schätzen
Als kostbaren Schatz wahren
Beschränkt die Auswahl sehr
Aber hebt das Niveau zugleich
In dann harmonische Höhen
So kann die Wahl der Bücher
Die Partnerwahl erleichtern
Offenbart zumindest was bleibt
Macht alles übrige entbehrlich
jens tuengerthal 21.7.2019
Literaturaufklärung
Ist Literatur immer Aufklärung
Oder kann sie auch verdunkeln
Wo sie gegen die Vernunft wirkt
Gefühle anspricht statt Verstand
Die Literatur kann alles beides
Tat es epochenweise verstärkt
In die eine oder andere Richtung
Zeigte Menschen wie sie waren
Mal mehr vom Gefühl geleitet
Dann durch die Ratio bestimmt
Manchmal ausgewogen eher
In beidem Zuhause dann auch
Auf die Epoche der Aufklärung
Folgte der Sturm und Drang
Der sich im Übermaß Gefühl
Erging bis manchmal in den Tod
Manches überschnitt sich auch
Wie die Reformation etwas durch
Verstärkte Religiosität den freieren
Geist der Renaissance verdrängte
Andererseits klärte die Reformation
Durch Bibelübersetzung wie ihre
Tendenz zur Entmystifizierung auch
Wieder vieles vorher Dunkles auf
So kämpften später noch vor allem
Die Jesuiten gegen die Aufklärung
Obwohl sie Wissenschaft betrieben
Um die Hoheit des Wissens zu halten
Die Enzyklopädie des Diderot war Rom
Ein Dorn im Auge das zu gerne darum
Verboten hätte doch die Pompadour
Rettete sie durch höfischen Einfluss
Der Geist der Aufklärung und Vernunft
War zu dieser Zeit wohl stärker doch
Viele gewagte Schriften erschienen
In den Niederlanden oder England
Richtig sahen die Jesuiten die Tendenz
Der Enzyklopädie zur Freiheit auch wenn
Manche Formulierung übersehen wurde
War der Geist des Wissens die Freiheit
Ob die Verbreitung dieser Freiheit durch
Druck und Vertrieb der Enzyklopädie
Logisch in der Revolution mündete ist
Umstritten wenn auch schlüssig so
Die Revolutionäre selbst waren erst
Vom Geist der Aufklärung getrieben
Strebten nach größerer Freiheit die
Sie an der Macht wieder verfolgten
Fraglich ob sich darin der Geist Rousseaus
Des gefühligen Aufklärers widerspiegelte
Welcher einerseits die Grundlagen der
Freiheit beschrieb sie andererseits negierte
Sein zurück zur Natur Traum war eher
Schon die Romantik vorfühlend als vom
Geist der Aufklärung getrieben die sich
Nicht einfach dem Gefühl überlässt
Jede Literatur kann aufklären wenn wir
Sie so kritisch lesen und betrachten doch
Wirkt sie auf den ganzen Menschen so
Dass sie auch das Gefühl erregen will
Gute Literatur ergreift den ganzen Mensch
Zu dem Verstand und Gefühl gehören was
Schönste Stimmungen uns zaubern kann
Die ohne jede Distanz einfach fesseln
Literatur der Aufklärung will wo sie gut ist
Den Leser auch fesseln aber dies immer
Um ihn zu befreien statt nur zu binden
Eben den kritischen Geist zu wecken
Auch während der Aufklärung gab es
Schon die Gegenaufklärung die noch
Große Mächte im Dunkeln beschwor
Statt freies Denken endlich zu fördern
Häufig wird der Begriff Gegenaufklärung
Für die Restauration benutzt manchmal
Auch konservative Revolution oder die
Frühe Romantik und politische Theologie
Spannend wird es wenn sich dabei beide
Seiten auf die Aufklärung berufen die sie
Für ihr Denken wenn auch dialektisch
In Anspruch gerne nehmen wollen
Diente die Frankfurter Schule etwa
Der Aufklärung die Adorno und Horkheimer
Dialektisch neu betrachteten oder war sie
Da marxistisch geprägt bloße Ideologie
So bezeichnete etwa Hermann Lübbe
Die Frankfurter Schule als Gegenaufklärung
Da durch den Marxismus totalitär geprägt
Führe sie zu einem intoleranten Moralismus
Diese Tendenz der moralischen Rechthaber
Welche totalitär gegen alle Abweichler sich
Wenden und es mit dem wahren Weg stets
Rechtfertigen findet sich auch heute wieder
So haben wir in der Literatur immer beide
Tendenzen gehabt vom freien Denken der
Renaissance das den Menschen erst als
Individuum entdeckte bis in die Gegenwart
Ist der Antifaschismus noch Aufklärung
Oder eine totalitäre Ideologie die sich nur
Das Banner bunter Toleranz umhängt die
Aber mit völliger Intoleranz erkämpft wird
Wird der totalitäre Umgang mit Sprache
Die zu politischen Zwecken missbraucht
Etwa um mehr Gleichheit zu erreichen
Durch dies hehre Ziel allein gerechtfertigt
Welche Position vertritt hier die Aufklärung
Die Freiheit und kritisches Denken lehrt
Aber keine Wahrheiten jemals predigt
Welche Aufklärung bräuchten wir heute
Wer Aufklärung was noch unwiderlegt
Als Befreiung aus Unmündigkeit versteht
Wird jede totalitäre Ideologie ablehnen
Auch wenn sie laut Toleranz predigt
Der Marxismus war vom Wesen her
Illiberal und also totalitär wogegen sich
Lübbe zurecht wandte weil er damit
Zu Bekenntniszwang logisch führte
Auch unter den Existenzialisten war
Diese Tendenz zu beobachten der
Sich Satre und Beauvoir zeitweise
Unterwarfen bis zum Bruch mit Camus
Manche Kritiker etwa ordneten auch
Ernst Jünger oder Botho Strauß der
Gegenaufklärung zu wobei beide eher
Als Anarchen sich nur treu blieben
Würde zwar weder Jünger noch Strauß
Als Aufklärer bezeichnen doch war ihr
Denken stets freier als das vieler eher
Ideologisch beschränkter Gegner beider
Doch könnte auch ein Werther noch
Dies hochemotionale Werk das den
Sturm und Drang so übersteigerte
Kritisch aufklärerisch gelesen werden
Wo das übersteigerte persönliche Elend
Nur noch im Tod gelöst werden kann hat
Leben ein konsequentes Ende gefunden
Auch wenn wir es als krank bezeichnen
An dieser Stelle einmal dahingestellt
Was krank und was gesund noch ist
Ob die Begriffe aufgeklärt oder bloß
Konventionell angepasst noch sind
Gegen Lübbe der sich als Aufklärer sah
Der ein kritisches Denken vertrat gegen
Die intolerante Frankfurter Schule wandten
Kritiker ein er sei bürgerliche Gegenaufklärung
Zwar bestätigte die Form der Empörung
Über Lübbe dessen Thesen von den dort
Kritikverboten und dem Bekenntniszwang
Doch blieb der Vorwurf der Bürgerlichkeit
Ob Aufklärung als freier kritischer Geist
In ein bürgerliches Korsett passt scheint
Fraglich wenn wir nicht die Bürgerlichkeit
Als Form organisierter Freiheit verstehen
Die Nutzung dieses Begriffes ist strittig
Während ich ihn freiheitlich verstehe
Sieht meine eigene Schwester ihn als
Geistig beschränkt spießiges Denken
So wird auch zwischen den Lagern
Oft blind aneinander vorbei geredet
Weil die Nutzung der Sprache ein
Tieferes Verständnis ausschließt
Im Gegenteil lösen bestimmte Begriffe
Unterschiedliche Emotionen aus die
Das Gegenüber zur Verteidigung drängen
Wo eigentlich kein Angriff an sich vorlag
Dies führt zum spannenden Teil der
Literarischen Aufklärung die viele wollen
Mit unterstellt besten Absichten sich aber
Dabei oft nicht einmal verständigen können
Trotz Nutzung der gleichen Sprache wie
Scheinbar klarer Begriffe haben sogar
Personen aus gleichem sozialen Umfeld
Ein völlig unterschiedliches Verständnis
So war Lübbes Kritik an den Frankfurtern
Aus bürgerlich liberaler Sicht für diese ein
Brutaler Angriff des Feindes der Freiheit
Der im Klassenkampf zu besiegen war
Ein klarer Aufklärer wie Diderot der
In Jaques der Fatalist die Position
Der Aufklärung für Willensfreiheit
Vertritt wirkt ganz verschieden
Wenn meine einst Liebste mir
Ein Zitat aus dem Werk schickte
Das Glück das vergeht Genuss war
Ist ihr Verständnis anders als meines
Sie genoss bereits glücklich den nächsten
Während ich um das geteilte Glück trauerte
Was für sie Freiheit bedeutete war für mich
Ein erniedrigender Schlag ins Gesicht noch
So ist Lesen und Literatur immer Aufklärung
Wenn wir sie aufgeklärt kritisch lesen statt
Emotional bewegt von ihr berührt zu werden
Doch ist was nicht berührt meist nur schwach
So können die gleichen Worte uns berühren
Wie emotional aus Umständen erschüttern die
Andere mit Abstand philosophisch betrachten
Um damit ganz anderes im gleichen zu lesen
Literatur ist Aufklärung also wenn wir auch
Kritisch aufgeklärt sind und nicht gefangen
In selbstverschuldeter Unmündigkeit in die
Liebe uns zu gerne immer wieder verführt
Lübbe lag mit seiner kritisch liberalen Sicht
Auf die totalitär marxistische Seite bei der
Frankfurter Schule völlig richtig doch musste
Den Gläubigen sie Gegenaufklärung sein
Alle unfassbaren Begriffe wie Seele Gott
Oder Liebe oder absolute Lehren wirken
Gegen den Geist der Aufklärung auch
Wenn sie revolutionär befreien wollen
Die Fähigkeit dies zu erkennen erfordert
Einen aus der Unmündigkeit befreiten Geist
Also einen aufgeklärten Menschen der sich
Kritisch tolerant danach verhalten kann
Auch Kants spöttische Kritik an Swedenborg
Wie meine Sicht auf Marx und Nietzsche wird
Von den Anhängern der Lehre übel genommen
Des völligen Unverständnisses geziehen
Die Reaktion der Frankfurter Schule auf die
Bezeichnung als Gegenaufklärung war die
Im Streit kleiner Kinder indem sie nur sagte
Selber Gegenaufklärung aus ihrer Sicht halt
Beide Seiten haben aus ihrer Sicht Recht
Fraglich wäre also welche die Richtige ist
Ob das allgemein entscheidbar sein kann
Oder wir immer nur unsere Sicht haben
Sind wir stete Gefangene unseres Horizonts
Der beschränkten Wahrnehmung unterworfen
Für die Begriffe bestimmte Bedeutungen haben
Die bei anderen das Gegenteil auslösen
Kann Aufklärung in der Literatur davon auch
Befreien wären wir also erst mündig wenn wir
Unsere Sicht überschreiten können oder ist
Manches einfach wahr oder falsch im Ergebnis
Ist antifaschistische Literatur etwa immer
Aufklärerisch weil gegen ein totalitäres System
Gerichtet und darum der Toleranz verpflichtet
Oder nur wenn sie selbstkritisch auch reflektiert
Bringt eine gendergerechte Sprache wie sie
Viele heute gern verwenden wollen mehr
Gerechtigkeit oder künstlichen Zwang allein
Als Ausdruck totalitären Denkens in Schranken
Ist es ein Akt literarischer Aufklärung wenn
Pippi Langstrumpf um den Negerkönig bereinigt
Heute politisch korrekt erscheint oder ist dies
Ein Frevel am literarischen Werk für den Zeitgeist
Neige dazu diese Korrektur für korrekt zu halten
Weil sie vom Geist der Toleranz getragen eine
Früher übliche Erniedrigung korrigiert doch zeigt
Dies Beispiel wie relativ Wahrnehmung ist
Wie wir uns zu diesen Fragen stellen ist auch
Eine Frage des Gefühls in der eigenen sozialen
Situation die zusätzlich von Gefühlen und mehr
Auf unterschiedlichste Art beeinflußt wird
Letzte Wahrheiten gibt es dabei wohl kaum
Wie die Wahrheit überhaupt die Erfindung
Eines Lügners logisch nur sein kann auch
Wenn das Bedürfnis danach hoch bleibt
Lese etwa den Diderot völlig anders heute
Als die einmal Liebste die was war einfach
Ablegte wie alte Kleidung während ich noch
Damit haderte aus verschiedenen Gründen
Die gewesene Unfreiheit war kein Glück mir
Ihr Ende wäre also eine Befreiung wenn
Das Gefühl nicht unsinnig anderes wollte
Dem sich die Vernunft entgegenstellt
Lese ich den Diderot also nur ohne jedes
Gefühl aufgeklärt oder sehe ich weil ich
Viel empfinde mehr als andere können
Was ist dann wirklich noch aufgeklärt
Literatur immer als Aufklärung zu begreifen
Liegt am Leser und wie aufgeklärt er sich
Bei der Lektüre fühlt was uns wiederum
Verrät es scheint auch Gefühlssache
Zum Gefühl aber können wir uns nur
Um eine Haltung bemühen die wir mit
Aller Vernunft erkämpfen können auch
Wenn sich manches dagegen wehrt
Literatur ist also immer dann Aufklärung
Wenn wir uns aus der Unmündigkeit auch
Bei der Lektüre befreit haben was schon
Bei der Liebe zum Lesen fraglich scheint
Von der Unmündigkeit aus Liebe wurde ich
Ungewollt befreit gegen den Widerstand
Ganz großer Gefühle noch die sich an das
Was mich unfrei machte noch klammerten
Habe ich mich damit selbst daraus befreit
Bin ich als immer liebender Leser jemals
Mündig oder immer nur in den Grenzen
Des natürlich beschränkten Horizonts
Es sind noch viele Fragen zur Aufklärung
Bis heute offen und ungeklärt die wir
Zwischen Gefühl und Verstand uns
Erst langsam als Freiheit erarbeiten
Den Willen zu haben aufgeklärt zu lesen
Ist der erste Schritt Literatur als Aufklärung
Wahrzunehmen und kritisch zu betrachten
Ob uns mehr je möglich wird bleibt fraglich
Zumindest ist der freie Wille der sich auch
Lesend um Aufklärung bemüht auch die
Erste Voraussetzung der Freiheit womit
Die Sache zumindest auf gutem Weg ist
jens tuengerthal 20.7.2019
Samstag, 20. Juli 2019
Bücherheimat
Fragen sich viele heute
Die durch die Welt ziehen
An wechselnden Orten leben
Die beliebig austauschbar sind
Bin geboren noch in Bremen
Im hohen Norden nahe dem Meer
Aufgewachsen in Frankfurt wie
Später in und um Heidelberg
Wo ich die Rechte studierte
Lebe am längsten inzwischen
In Berlin wo auch meine Tochter
Vor bald 18 Jahren geboren
Doch wo bin ich Zuhause
Zählt wo die im ganzen Land
Verstreute Familie sich findet
Wo die gerade Liebe lebt
Wofür mein Herz schlägt
Oder bleibt nur ein Ort
Dort wo meine Bücher
Die bescheidene Bibliothek
Ihren guten Platz hat
Da bin ich Zuhause
Das ist meine Heimat
Zwischen Buchseiten
Lebe ich glücklich
Wo immer sie stehen
An keinen Ort gebunden
Liebe ich gut gebundene
Bücher dafür um so mehr
Bin zufrieden wenn ich nur
Sie in den Händen halten darf
Die treuen zärtlichen Liebsten
jens tuengerthal 20.7.2019
Widerstandsaufklärung
Über den Widerstand aufklären
Dem wir am 20. Juli gedenken
Könnte die Freiheit verteidigen
Sofern er für diese je stand
Bedenken gegen die Erhöhung
Des militärischen Widerstand
Gegenüber zivilen Versuchen
Äußerten Demokraten schon früh
Auch im Widerstand selbst war
Das geplante Attentat nie völlig
Unumstritten im Gegenteil sah
Ein Teil es als völlig falsch an
Dies aus unterschiedlichen Motiven
Während radikale Linke noch auf
Die Zukunft im Kommunismus hofften
Sahen manche Gefahr der Wiederholung
Helmut James von Moltke etwa der
Kopf des Kreisauer Kreises sah die
Gefahr der Dolchstoßlegende höher
Als den ersten Nutzen dieser Tat
Ob Ungehorsam je das Heldentum
Eines preußischen Offiziers noch
Begründen könne war nicht unstrittig
Für viele alte preußische Familien
Gerade bei den Kreisauern wurden
Auch ethisch religiöse Fragen dazu
Intensiv diskutiert ob also das Grauen
Den Tyrannenmord rechtfertigen kann
In manchem waren sich etwa auch obiger
Helmut James und Bonhoeffer viel näher
Als der Moltke dem Kreis um Stauffenberg
Dem wir heute für alle nun gedenken
Heute wissen wir wie viele Millionen
Menschenleben ein geglückter Putsch
Mit erhofftem Kriegsende gerettet hätte
Was manchen Streit wohl relativert
Andererseits konnte auch erst die
Totale Niederlage 45 unser Europa
In Frieden und Freiheit ermöglichen
Was Grund gibt dankbar zu sein
Der Versuch war vielfach wichtig
Er zeigte der Welt hinterher es gab
Auch das gute Deutschland von dem
George Jünger Stauffenberg träumte
Auch der lange Weg zu diesem Tag
Die vielen Versuche zuvor wie das
Breite Netzwerk in allen Schichten
Half bei der Rechtfertigung später
Stolz war ich auf meinen Großvater
Der infolge wegen unklarer Beteiligung
Nachweisbar war ihm direkt nichts
Degradiert wurde wie bestraft
Doch er leugnete wie Ernst Jünger
Jede direkte Beteiligung lange auch
Vor seinen Söhnen die es 68 sich
Doch irgendwie gewünscht hätten
Der preußische Geist des Gehorsam
Wie persönlicher Bescheidenheit
Wirkte hier doppelt gegen Preußen
Das die Nazis nur besetzt hatten
Sprach einst noch zu Heidelberg
Mit der Tochter von Goerdeler
Dessen Listen viele den Kopf
Kosten sollten völlig ungewollt
Doch wie sollte der designierte
Reichskanzler sonst Ordnung
Schaffen es war eben Pech
Leider tödlich für sehr viele
Dagegen überlebte mein Großvater
Der immer behauptete nur durch
Kontakte zu Kadetten darauf noch
Gestanden zu haben unbewusst
Oder war es die Freundschaft mit
Dem Güstrower Bülow die ihn als
Vertrauensvoll dem Widerstand
Als designierten erscheinen ließ
Weiß nicht was historisch wahr war
Ob mein Großvater dem Widerstand
Real nahe stand und nicht wie sein
Peinlich großmäuliger Bruder Nazi war
Anders war er bestimmt wie sich auch
In der folgenden Generation manche
Unterschiede im Wesen klar zeigten
Dahingestellt ob genetischer Zufall nur
Ob er national dachte wie Goerdeler
Als Kadett natürlich preußisch gesinnt
Erst viel später eine Haltung dazu fand
Wo Widerstand begann und endete
Das Attentat dem heute gedacht wird
War nur ein Versuch von ganz vielen
Vielleicht nicht mal der beste davon
Doch der am weitesten organisierte
Die Aussicht Millionen Leben zu retten
Zählt mehr als jede andere Abwägung
Widerstand als konservative Bewegung
Kann wirksamer sein als linke Revolte
Der 20. Juli ist wichtiges Gedenken
Aber bedeutend nur im Lichte der
Geschichte in der er stand die auch
Für bürgerlichen Widerstand steht
Darüber im Geist der Aufklärung
Nachzudenken um also kritisch
Zu reflektieren was Freiheit uns
Heute wert ist wird sein was bleibt
Was heißt im Sinne des Widerstand
Sich aus der selbstverschuldeten
Unmündigkeit künftig zu befreien
Bewusst dem Gewissen zu folgen
Wo wird Widerstand zur Pflicht
Wie lange ist Ruhe stets die erste
Bürgerpflicht was taugt dazu als
Maßstab des Gewissens noch
Diese Fragen bleiben auch in der
Demokratie und Europa wichtig
Sich ihnen zu stellen ist der 20. Juli
Ein wichtiger Tag auch in Zukunft
jens tuengerthal 20.7.2019
Buchreisender
Manche reisen in Büchern
Wie es der Zukunft entspricht
Andere meinen noch es
Wie in vergangenen Zeiten
Real tun zu müssen um so
Immer getrieben ohne je
Anzukommen unterwegs zu sein
Was nichts vermittelt als die
Unruhe jeder Reise statt
Den Geist vor Ort den nur
Leser wirklich erfassen
Wer mehr von der Welt sah
Leser oder Tourist wird noch
Gestritten von manchen die
Kurzsichtig in alter Welt leben
Sicher aber ist der Leser immer
Derjenige der viel mehr weiß
Verstehen lernt was wirklich ist
Weil Leser sich Zeit nehmen die
Gehetzte Reisende nie haben
Auch darum bleibe ich stets ein
Buchreisender der lieber bei sich
Bleibt als die Welt reisend weiter
Noch zu zerstören für die Illusion
Anwesenheit forme den Geist
Je mehr als Lektüre es immer tut
Aber jenseits dieser längst schon
Bekannten Verantwortung für die
Gemeinsame Zukunft zu leben
Frage ich mich als Buchreisender
Warum Menschen sich das antun
Statt selbst kritisch zu denken
Wie ihr Handeln langfristig zerstört
Was sie für besuchenswert halten
Während Reisende in Büchern mehr
Erfahren ohne irgendwen auch sich
Nicht zu gefährden sondern lieber
Genüsslich lesen wo sie sind was
Mehr dem Geist der Zeit entspricht
Als irgendein Tourismus der längst
Klimatischer Terrorismus mehr ist
Wagen wir also künftig zu bleiben
Wo wir sind um lieber in Büchern
Lesend nur zu reisen werden
Viel mehr ankommen
jens tuengerthal 20.7.2019
Lustlangeweile
Die Dame neben mir ist
Nicht unattraktiv bemerkt
Der Flaneur in mir noch
Dann lehnt sie sich ganz
Unerwartet zu weit zurück
Unsere Körper berühren sich
Eine halbe Sekunde zu lang
Sie lächelt mich an mit ihrem
Erwartungsvollsten Lächeln
Durchschaue das kleine Spiel
Was immer gleich beginnt
Mit geringer Variation auch
Ähnlich horizontal endet
Und bin gelangweilt
Lächle so höflich wie
Gerade noch nicht wieder
Unhöflich und schreibe
Lieber nur darüber
Das Spiel der Lust
Hat seinen Reiz für mich
Scheinbar verloren
Frage mich ob es
Schon immer so war
Oder früher der Trieb
Stärker als der Verstand
Heute noch war und muss
Darüber bloß noch gähnen
Zum Glück erwarten mich
Bald wieder gute Bücher
jens tuengerthal 19.7.2019
Sommerabendlust
Eine Sommernacht am Platz
Um mich herum erzählen sich
Damen in Gruppe engagiert ihre
Großen Urlaubserlebnisse
Lauschen jeweils höflich
Um selbst Zuhörer später
Zu finden wechseln dann
Vom Urlaub zur Arbeit
Wie sie lästige Kunden
Kurz vor Ladenschluss
Noch schnell loswerden
Dann zahlen sie getrennt
Verabschieden sich schnell
Gehen getrennt in die Nacht
Verschwinden in jeder Hinsicht
Spur- wie bedeutungslos
So verbringen manche
Ihre Sommerabende hier
Um später zu erzählen
Wie lustvoll es doch war
Bis nach Mitternacht noch
Vor derr Bar am Platz
jens tuengerthal 19.7.2019
Freitag, 19. Juli 2019
Literaturspiegel
Oder diese ihre Literatur wieder
Sind beide quasi symbiotisch als
Spiegel des jeweils anderen noch
Jede Zeit hat ihre Literatur die
In vielem zeigt was zuvor schon
In der Gesellschaft geschah
Von der sie dann erzählt
Doch regt sie häufig auch die
Bewegung erst an aus der dann
Eine geistige Entwicklung folgt
Die das Denken völlig verändert
Berühmte Werke die ihre Zeit
Veränderten gab es in allen
Epochen der Literaturgeschichte
Manchmal wirkten sie verzögert
Lukrez de rerum etwa brachte
Der Renaissance die sie erst
Wiederentdeckte nach dunklem
Mittelalter neues Licht der Freiheit
Montaignes Essays in denen er sich
Selbst spiegelt wie auch den Geist
Des Lukrez auftauchen lässt zeigten
Wie der Wandel doppelt nun wirkte
Der Einzelne der seine Welt ganz
Auf sich stellt wie Max Stirner es
Erst viel später in seinem Einzigen
Beschrieb stand plötzlich im Zentrum
Radikale Subjektivierung nach vorher
Erkämpfter Freiheit vom Allmächtigen
Der noch nicht geleugnet werden durfte
Auch von einem Epikur nicht aber relativiert
Diese Wende im Geist nahm später noch
Völlig verschiedene Entwicklungen in der
Literatur von der Aufklärung über den Werther
Zur Romantik im Zeitalter der Industrialisierung
Oft stand die Literatur ganz am Anfang einer
Geistigen Entwicklung die sie überholte wie
Zugleich spiegelte mal als Taktgeberin des
Geistes dann als dessen Opposition wieder
Vor der Revolution entstand unter Diderots
Führung die Enzyklopädie als völlig neue
Freiheit des gedruckten Wissens das dem
Sein seinen mystischen Charakter nahm
Sein zeitweise Freund Rousseau hat die
Philosophie des späteren Terreur so sehr
Wie den Traum vom zurück zur Natur mit
Seinen Schriften in die Welt geschickt
Ein Lessing schrieb über die Toleranz
Gegenüber allen Religionen was noch
Weit über das im westfälischen Frieden
Hundert Jahre zuvor erreichte hinaus ging
Auch im Nathan zeigte sich wieder der
Einzelne der durch sein Verhalten erst
Beweist was der wahre Glaube ist auf
Den es für die Zukunft nur ankommt
Lange noch sollte es dauern bis dies
Selbstverständlich zumindest im Staat
Hier wurde und wie weit sind viele noch
Von diesem Denken der Akzeptanz
Auf die Romantik folgten wie mit ihr
Teilweise parallel die Bewegungen zu
Nationaler Einigung in den Kriegen
Kriegen zur Befreiung von Napoleon
Der neue Kaiser ein Kind der vorher
Revolution als Aufsteiger stand so
Mancher Literatur Pate und war doch
Mehr Fackel als dauerhaftes Feuer
Der wohl viel lesenden Epoche des
Biedermeier mit der Restauration nach
Dem Wiener Kongress folgte dann die
Revolution von 1848 ohne Folgen
Außer den literarischen die manchem
Wie Heine in seinem Wintermärchen
Als das er Deutschland in Versen beschrieb
Wieder lange voraus noch griffen
Parallel dazu dachte und schrieb Marx
Sein Manifest mit langfristigen Folgen
Das zwar den Menschen verkannte
Aber den Geist der Zeit stark bewegte
Bis heute beschwören manche noch
Dessen weltfremde Thesen vom Ideal
Der kommunistischen Gesellschaft die
Nur ohne Freiheit erreichbar wäre
Sicher spiegelte er den Geist der Zeit
Die in der Industrialisierung zu neuer
Unmenschlicher Ausbeutung führte
Die viele verarmte und wenige bereicherte
Warum die Massen einem Marx folgten
Seine Schriften zur neuen Bibel erkoren
Statt Stirners Einzigem der die Freiheit
Wirklich konsequent dachte ist typisch
Einfache Antworten haben leicht viele
Anhänger oder Jünger die sich genau
Das wünschen eine Antwort auf die
Frage nach dem irgendwo Paradies
Was Kant als Aufklärer noch vordachte
In der Beantwortung der Frage was
Aufklärung sei wie in seinem Imperativ
Wurde von Stirner zu Ende gedacht
Auch wenn die junghegelianer beide
Stirner wie Marx sich verschätzten was
Die Fähigkeit der Gesellschaft betraf
Freiheit zu leben war ersterer klarer
Diese Linie zieht sich von der Renaissance
Die das Individuum wiederentdeckte auch
In seinen Leidenschaften bis zur Moderne
Auch in der Literatur die es vorher beschrieb
Die Übersetzung der Vulgata war eine der
Quellen vermehrten Lesens auch wenn sie
Mit folgender Reformation mehr zerstörte
Als befreite hat sie als Spiegel Bedeutung
Die Wiederentdeckung des Lukrez Textes
Um die Zeit des Konzils von Konstanz das
Mit Jan Hus noch die Freiheit verbrannte
Ließ das Denken der Moderne beginnen
Die radikale Individualisierung die manche
Beklagen weil sie deren Grundlage nicht
Begreifen vermutlich ist Ausdruck dieses
Verständnisses von Freiheit immer noch
Einer Freiheit die einen Montaigne zu
Seinem radikalen Subjektivismus führte
Weil der Berater vieler Könige seiner Zeit
Weit voraus dachte nach der wir noch suchen
Aus der Aufklärung noch stammend dachte
Ein Nicolas Edme Restif de la Bretonne die
Subjektivierung noch weiter im sinnlichen Roman
Seines Lebens und Liebens dem Monsieur Nicolas
Der Sturm und Drang dessen berühmtester
Später darüber reumütige Vertreter Goethe
Trieb diesen Geist über das Leben hinaus
Das Werther in Konsequenz sich nimmt
Die Freiheit des Freitods als allerletzte
Konsequenz war der Gipfel eben jener
Literarischen Individualisierung die aber
Mit der Liebe wieder soziales auch sucht
Ist die völlige Aufgabe seiner selbst um
Der Liebe willen von der alle Weisheit
Logisch abrät weil es nur ein Gefühl ist
Nicht größter Ausdruck aller Freiheit
Doch zugleich auch das völlige Ende
Weil nichts mehr folgt der Einzelne der
Sich so in den Mittelpunkt stellte auch
Seine Existenz und also sich aufgibt
Es gibt wohl nichts größeres als sich
Um der Liebe willen aufzugeben auch
Wenn es völlig unsinnig im Ergebnis ist
Drückt es die individualisierte Freiheit aus
Über diesen geistigen Akt der Befreiung
Dem mancher verwirrt noch real folgte
Hinaus gab es nichts mehr was weiter
Als Freiheit noch reichen konnte
Die geistige Überwindung der Schwelle
Von Sein und nicht Sein wie sie früher
Schon Shakespeare für die Erscheinung
Des väterlichen Geistes beschrieb ist es
Es ist die innere Überwindung dieser
Schwelle vielleicht die Meistererhebung
Der Literatur gewesen auch wenn sie
Aus emotionalem Wahn mehr entstand
Danach konnte das Ende nur noch neu
Variiert werden um sich zu überwinden
Oder die Grenze zwischen Sein und
Schein aufgehoben werden künftig
Letzteres steht noch aus auch wenn
Thomas Mann sich ihm in den Buddenbrooks
Wie zuvor Bretonne schon sehr näherte
Variierte der Zauberberg nur den Tod neu
Dort im Davoser Sanatorium wird auch
Gestorben mal mehr mal weniger frei
Doch löst die die eingeschlossene Freiheit
Am Ende im großen Sterben nur auf
Die großartige Kulturgeschichte die
Thomas Mann mit diesem Werk schuf
Überwand die Grenze des Seins nur
Im Tod nicht in der völligen Freiheit
Diesen Weg deutete der Zauberer
Nur in der Todesangst während der
Scheewanderung an doch endet sie
Im Spott über Krokowskis Geisterwelt
Ist die Geschichte seiner Familie die
Mit dem lebensunfähigen Künstler Hanno
Aussterben wird die große Freiheit oder
Einfach Gang des Seins jenseits der Norm
Ein ironischer Spiegel untergangener
Welten oder darüber weit hinaus noch
Geistige Gestalterin aus dem Spiegel
Den sie erzürnter Gesellschaft vorhielt
Geschrieben zwischen den Kriegen noch
Von einem der sich mit der Republik erst
Schwer tat der mit dem Tod gern spielte
Stirbt es sich in Davos aus anderen Gründen
Vorher noch im ersten großen Krieg
Wurden die Stahlgewitter zum Spiegel
In dem das Sein hinter die Aufgabe trat
Der sich alles unterordnen nun musste
Der Anarch Jünger prägte so manche
Die selten auch ihn ganz verstanden
Wandelte sich sein Leben lang noch
Blieb Beobachter Chronist und mehr
Ob was nach Mann und Jünger kam
Wobei letzterer Raucher den ersteren
Lange noch überlebte neues fand auf
Dem Weg zu sich scheint fraglich
Die aktuelle Invasion der Selbstfindung
Durch geistig eher seichte Gewässer
Vom unsäglichen Coelho bis zu den
Vielen sexuelen Bekenntnissen bleibt hohl
Jüngers literarisch wichtigere Tagebücher
Sind ein Schritt auf diesem Weg den aber
Schon Harry Kessler wunderbar beschritt
Der große Chronist der Epoche dazwischen
Spannend wird was bei sich bleibt auf dem
Weg den Montaigne dabei Lukrez folgend
Beschritt und dabei über sich hinaus denkt
Um ein neuer Spiegel der Weisheit zu sein
Der Literaturspiegel stammt aus dem alten
Märchen und verrät uns tatsächlich wer die
Schönste im Land gerade ist wenn wir nur
Zu fragen verstehen dabei was künftig zählt
So heben sich die Grenzen auf zwischen
Der totalen Individualisierung wie ihrer
Völligen Aufhebung in der Liebe der nur
Der Tod noch steigernd folgen kann
Von Romeo und Julia bis zu Goethes
Werther davor noch Montaignes Essays
Wie Jüngers Tagebücher auch dabei
Die Bretonne anders schon übertraf
Literatur ist ein Spiegel und weit mehr
Anders als Kunst die nur abbildet weist
Die Literatur in geistige Welten in denen
Sie alles wieder überschreiten kann
Ein Abbild ist ein Anblick der auch wenn
Von vielen Gedanken Gefühlen oder auch
Perfekter Technik getragen außen bleibt
Die Literatur hallt in Gedanken weiter
So ist die Literatur weit mehr als nur
Spiegel ihrer Gesellschaft sie ist wo
Sie wirklich sucht deren Leuchtturm
Durch neue ungewisse Zeiten auch
Manche bleiben im Außen hängen
Auf der Suche nach sich andere
Finden durch Worte neue Wege
Weit über das bloße ich hinaus
Dann spiegelt Literatur nicht nur
Ist kein Abbild ihrer Zeit mehr
Sondern eröffnet neue Welten
Die grenzenlos endlich sind
Ob dies uns weiter zurückführt
Zu dem was Lukrez teilweise
Schon andeutete oder noch weit
Darüber hinaus weist zeigt sich
Entdecken wir die Freiheit nur
Ohne Götter auch literarisch
Dann wieder ganz bei uns nur
Endlich allein auf uns gestellt
Wird die Freiheit die Kant uns
Als Versprechen der Aufklärung
In Worten schenkte so radikal
Bei sich erst verwirklicht werden
Ob die Literatur sich dann wagt
Ihre Welt mit Stirner ganz auf sich
Zu stellen um aufgeklärt frei zu sein
Im Schreiben wird es entscheiden
Zumindest hat sie mit den Worten
Das Mittel alle Grenzen künftig
Zu überwinden während Physiker
Noch über Quantenrelativität grübeln
Die Aufhebung der alten Grenze von
Raum und Zeit ist für die Literatur
Der natürliche Weg ihres Seins
Das kleine Einmaleins ihr eher
Vielleicht steckt in der radikalen
Rückkehr zum Ich auch seine völlige
Überwindung in der Liebe zum Wort
Das uns die große Freiheit verspricht
Dann wäre die Weltformel quasi eine
Literarische Spielart des Seins was
Sich aus dem Geist ihre Welt formt
Prometheus als Schutzpatron dann
jens tuengerthal 19.7.2019
Liebesgröße
Lange glaubte ich noch meine
Große Liebe sei die eine Frau
Mit der ich alles finde was in
Bald 50 Jahren manche wurde
Doch am Ende nie eine war
Mal fehlte mir dann wieder ihr
Was keiner ganz findet der
Nicht mit sich glücklich ist
Während die Literatur blieb
Immer die Treue mir hielt
Jedesmal glücklich machte
Wenn ich ganz sie liebte
Statt mich in Schöße nur
Nach Muster zu stürzen
Was sich in Varianten mit
Oft schmerzhaftem Gefühl
Infolge nur wiederholte
So ist es nun an der Zeit
Bei meiner treuesten Liebsten
Für immer ganz zu bleiben
Um als glücklicher Leser
Schwankungsfrei zu leben
jens tuengerthal 19.7.201
Büchererfüllung
Welche Erfüllung schenkt mir
Die Lektüre guter wie schöner
Bücher jeden Tag wieder was
Dankbar zufrieden mich macht
Ein Zustand nach dem ich lang
Auf dem Jahrmarkt der Liebe
Selten wirklich glücklich dort
Noch strebte während er doch
Ruhig in meiner Bibliothek nur
Auf mich als Leser wartete
Wo ich ihn nun täglich diese
Wie es schönen Büchern gebührt
Voller Zärtlichkeit noch liebkose
Weil dauerhaft glücklich macht
Was wirklich Erfüllung uns schenkt
jens tuengerthal 19.7.2019
Bücherliebesglück
Welch Glück ist es doch
Die Bücherliebe zu teilen
Lesefreude zu vermitteln
Dies miteinander zu leben
Darin Befriedigung zu finden
Mit Büchern glücklich zu sein
Also wie in einer guten Liebe
Die dich ganz glücklich macht
Partnerschaft in allem dir ist
Und doch wie selten ist es
In einer Welt voller Zweifel
Wo viele Sorgen und Ängste
Mehr treiben als der Genuss
Den wir erst finden wo wir wagen
Unsere Liebe auch ganz zu leben
Mit ihr einfach glücklich zu sein
Was mit Büchern viel leichter fällt
Die stets zuverlässig treu sind
Auch wenn sie gern widersprechen
Zumindest der Gewohnheit wo gut
Warum mit viel Erfahrung nun
Das Bücherliebesglück mir genügt
So glücklich wie möglich zu sein
Mehr gibt es nirgendwo
jens tuengerthal 19.7.2019
Donnerstag, 18. Juli 2019
Literaturanfänge
Stets der Glaube waren es die
Heiligen Schriften aus denen erst
Später Literatur dann entstand
Fragt sich wer auf die Geschichte
Der Literatur im Lande schaut
In Deutschland brachte die Lutherbibel
Eine erste Verbreitung des Buches
Wie der Kunst zu lesen in breitere
Schichten als nur Priestern und Adel
Zu einer Zeit als höchstens 5 Prozent
Der Bevölkerung überhaupt lesen konnte
Dennoch hatten bald 10 Prozent aller
Haushalte eine Lutherbibel auch als
Ausdruck des neuen Bekenntnisses
Das auf die Schrift zuerst nur setzte
Sich um diese Übersetzung drehte
Die deutsch als Schriftsprache formte
So hat die Reformation die Kunst des
Lesens für breite Schichten gefördert
Auch wenn sie den Geist der Renaissance
Eher behinderte und langfristig störte
Infolge zum Erliegen brachte in vielen
Schrecklichen Kriegen um den Glauben
Diese auch durch den Antisemiten Luther
Angestoßene Entwicklung hat dem Geist
Wie seiner Suche nach der Freiheit in der
Antike eher geschadet aber dafür viel mehr
Menschen zum Lesen gebracht als zuvor
Bleibt also ein zweischneidiges Schwert
Ist es besser wenn mehr Menschen lesen
Können aber dafür gläubig nur die Bibel
Als Buch letzter Wahrheit kennen statt
Kritisch philosophisch zu denken was
Für den Preis des Glauben geopfert
Nicht mehr Epoche im Reich wurde
Warum es nach der hohen literarischen
Kultur der Antike zum Absturz ins Nichts
Kam das sich erst mühsam wieder vieles
Aneignen musste hatte viele Gründe doch
Spielt die Erlösungsreligion eine zentrale
Rolle beim gewollten Bildungsverlust
Auch darum ist die Reformation als
Kulturelle Wurzel deutscher Literatur
Sehr kritisch immer auch zu sehen
Weil sie die Renaissance hier beendete
Infolge vieler Glaubenskriege die Kultur
Über lange Zeit fast völlig sterben ließ
Es gab mit dem Narrenschiff des Brant
Wie der Königin Fortunatus oder dem
Bericht des Landsknechts Staden aus
Brasilien wohl Vorläufer die aber nie als
Buch so große Mengen je erreichte nur
Als Theaterstücke teilweise weiter wirkten
Die Folgewirkung dieser frühen Literatur
In alter und neuer Welt ist sehr spannend
Auch die Verkehrung durch Übersetzung
Doch blieb es immer noch ein exklusives
Publikum auch wenn Hans Sachs Fortunatus
In berühmte Verse später noch schmiedete
Wirkliche Masse bewegte Literatur erst
Durch die Bibelübersetzung Luthers die
Das Buch durch Nutzung der Drucktechnik
Des Gensfleisch Gutenberg verbreitete
Lesen des Volks zum Kern der Lehre machte
Rasant stieg der Buchverkauf im Reich
Diese Fortsetzung des geistigen Mittelalters
Das den Glauben nur besser machen wollte
Statt ihn geistig wie die Renaissance bereits
Relativierend zu hinterfragen brachte also
Literarisch betrachtet Licht und Dunkelheit
Besonders mit den Kriegen infolge noch mehr
Doch ist es müßig zu bedauern dass sich ein
Kluger Erasmus von Rotterdam damals nicht
Durchsetzte sondern ein großmäuliger Luther
Es entsprach dem Geist der Zeit wie mehr noch
Den Interessen der Macht dabei die sich Rom
Auf diesem Weg im Glauben ganz entzog
Die Reformation beginnend im Reich trug
Deren Früchte durch ganz Europa was sich
Wie Frankreich gegen die Hugenotten in teils
Verheerende Konflikte stürzte oder spaltete
Wie die Niederlande im hundertjährigen Krieg
Zwischen katholischen und reformierter Republik
Das Frankreich der Reformation brachte dafür
Einen Michel de Montaigne hervor der zwar
Rom formal die Treue hielt aber auch mit den
Protestanten immer wieder gut konnte um so
König Henry IV. bis er es wurde zu beraten
Der mit seinen Essays die Literatur prägte
Sein neues modernes Denken das sich
Gänzlich in den Mittelpunkt stellte war
So radikal befreit dass es bis zu Kant
Wie nach im Max Stirner dauern sollte
Bis die völlige Subjektivität als neuer
Philosophischer Horizont anerkannt war
In den Glaubenskriegen die auf die Reformation
Aus vielen Gründen folgten kam ein Martin Opitz
Wie ein Grimmelshausen mit seinem Simplicissimus
Zum Schreiben und Berichten im neuen freieren Stil
Als Beobachter und teilnehmendes Subjekt zugleich
Neue Erzähltradition langsam wieder begründete
Wer die Anfänge deutscher Literatur betrachtet
Kommt um die Reformation als Quelle sowohl
Der Sprache aus Luthers Bibel wie eines neuen
Geistes der aus ihr floss nicht herum so sehr sie
Den allen Humanisten viel wichtigeren Geist
Der Renaissance aufhielt und lang bremste
Erst die Aufklärung nahm nach dem großen Krieg
Der dreißig Jahre das Reich verheerte wieder den
Faden des freien Geistes auf der seine Schranken
Überwindet um die Welt zu erkennen die er endlich
Verstehen will statt zu höheren Wesen nur zu beten
Die viel zu lange alle Vernunft schon lähmten
Es gab zuvor schon Sagen die aufgeschrieben
Wirkung bis in die Gegenwart entfalteten wie
Das Hildebrandslied und die Nibelungensage
Teilweise politisch missbraucht oder viel später
Zur Oper komponiert zum deutschen Epos wurde
Sie waren als Sagen weiten Kreisen auch bekannt
Das Hildebrandslied das nur teilweise überliefert
Wohl von Mönchen um 830 in Fulda noch notiert
Mischt alte deutsche Sprachen ganz erstaunlich
Nutzt sogar altenglische Schriftzeichen dabei
Hoch und niederdeutsche Dialekte mischend
Aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern
Diese Sagen die teils wohl germanische Wurzeln
Noch haben könnten viel älter noch sein was
Auch über die Nibelungensage um den Helden
Siegfried den Drachentöter gemutmaßt wurde
Was es zum nationalen Epos lange werden ließ
Um die Zerschlagung des Burgunderreiches
Inwieweit in den Nibelungen auch die Hochzeit
Des Attila mit der germanischen Fürstentochter
Ildico wie der Streit im Hause der Merowinger
Zwischen Brunichild und Fredegunde noch mit
Verarbeitet wurde ist teilweise noch strittig wie
So vieles bei mündlich überlieferten Sagen
Diese Sagen die im 19. Jahrhundert dann wieder
Vielfältig von der Kunst aufgenommen wurde
Sind sicher Spuren einer älteren literarischen
Tradition in Deutschland die jedoch noch keine
Breiteren Spuren zunächst hinterließen oder
Zumindest weniger als die Lutherbibel dann
Die Märchensammlung der Brüder Grimm
Wie deren Arbeit am Hildebrandslied das
Sie erst so benannten weist auf diese alten
Noch vorschriftlichen Traditionen des Erzählens
In einer mit mündlicher Tradition lebenden
Gesellschaft als Beginn der Literatur hin
So gibt es die Bücherwelt die sich der Masse
Erst mit der Reformation in vielem erschlos
Wie die teils nur in Fragmenten erhaltene
Mündliche Tradition die der Verbreitung des
Christlichen Glaubens zum Opfer fiel der
Sich wie heutige Islamisten noch verbreitete
Ob die Spuren des Hildenbrandsliedes nur
Nicht ausradierte Seiten waren die wie so
Viele antike Pergamente frei gekratzt noch
Wurden um sie mit christlichen Inhalten neu
Zu beschreiben weil für Gläubige nur noch der
Wahre Glaube zählte bleibt bis heute unklar
Dietrich von Bern der Held des Hildebrandliedes
Hilft Attila im Kampf gegen die Nibelungen noch
Wobei Bern Verona meint von wo er vorher schon
Vertrieben wurde was ihn ins Exil zum Hunnenkönig
Einst noch führte mit seinem Waffenmeister dem
Namensgeber Hildebrand endlich noch
Dieser Sagenkreis um Dietrich von Bern wie die
Nibelungen taucht in verschiedenen Varianten
Auch in nordischen Sagen wieder auf was auf
Verwandte Erzähltradtionen wie historische
Spuren verweisen könnte noch aus Zeiten
In denen es keine Bücher darüber gab
Innere Verwandtschaft der Sagen und Epen
Verschiedener Kulturen weist auch auf die
Nähe ihrer Entwicklung wie Verwandtschaft
Sei es erheiratet oder auch erobert uns hin
Vieles aus der Sage um Dietrich von Bern
Taucht auch bei den Nibelungen wieder auf
Die aber schriftlich später erst notiert wurden
Als das Hildebrandslied das noch zur Zeit der
Der karolingischen Bibliotheken wohl erstmals
Aufgeschrieben wurde nach dem was wir wissen
Wenn nicht gläubige Mönche ältere Fassungen
Für Psalmen einfach wieder abgekratzt haben
Es verschwimmt manches der Anfänge noch
Doch weist vieles auf Verwandtschaft auch hin
Zwischen den Erzähltraditionen und ihren je
Helden die Drachen töteten und gegen ihre
Väter kämpften oder von ihnen besiegt wurden
Weil der Kampf als Schicksal unausweichlich
Spiegelt sich manches dieser Traditionen
Heute in der Phantasy Literatur wieder die
Viele Menschen noch immer sehr attraktiv
In sich stets ähnelnden und verwandten
Neu erzählten Varianten wieder finden
Als ginge es um die uralten Epen wieder
Wie sehr die mündliche Tradition dieser
Literatur noch in unserem Gefühl für
Erzählung und Literatur weiter wirkt bleibt
Noch lange ein spannendes Thema da wir
Ohne da zu sein nichts davon wissen können
Nur Spuren aus unserer Sicht interpretieren
Mit Luther machte das Buch Karriere das
Später die Literatur der Masse verbreitete
Doch lebt vieles viel älterer literarischer
Tradition noch in unserer Erinnerung fort
Die immer wieder neu interpretiert wird
Von Helden und Drachen und Liebe
jens tuengerthal 18.7.2019
Zuverlässigkeit
Gute Bücher haben mich noch
Nie enttäuscht im Gegensatz zu
Anderen großen Lieben von denen
Nichts blieb als Leere am Ende
Füllten schöne Bücher nicht nur
Die Regale sondern erfüllten mich
Für den Rest des Lebens mit sich
Wurden so kostbarer Schatz mir
Gekommen um zu bleiben liebe ich
An Büchern ihre Zuverlässigkeit
Komme was oder wer wolle
jens tuengerthal 18.7.2019
Buchbindung
Gute Bücher erzeugen eine
Bindung mit Lesern die sie
In sich weitertragen als ihre
Leseerinnerung ganz nah
Was lasse ich nah an mich heran
Als was mir gut und edel erscheint
Warum Liebste Prinzessin werden
Bücher einen Anspruch haben
Gebunden sollten sie immer sein
In feinen Stoff oder Leder dabei
Handwerklich gut gemacht auch
Um ein edles Gut so zu werden
Natürlich zählt zuerst der Inhalt
Doch liest das Auge immer mit
Erfordert Anziehung Attraktion
Ist Lesen auch körperliche Lust
Lese auch mal ein Taschenbuch
Wenn es den Titel nur so gab
Doch vermeide ich es möglichst
Um gut gebundenes zu haben
Die Bindung an ein Buch ist so
Vielfältig geistig bis körperlich
Beide zu achten heißt würdigen
Was das ganze Wesen erst ist
Wer Bücher liebt versteht dies
Gefühl inniger Bindung gleich
Was ich ganz nah zu mir lasse
Soll edel und fein mir auch sein
jens tuengerthal 18.7.2019
Mittwoch, 17. Juli 2019
Bücherwelten
Die wir lesend dann erobern
Unsere in Gedanken werden
Den Horizont so erweitern
Jedes neue Buch ist eine Reise
Über Worte in fremde Gedanken
Die wir Leser zu unseren machen
Das schönste Abenteuer erleben
Dem Reisen in diesen Welten sind
Keinerlei Grenzen gezogen dabei
Weder Zeit noch Raum gelten dort
Leser leben überall wo sie lesen
Es gibt feine Bücherwelten voller
Geist und Schönheit wie auch die
Gewöhnlichen ohne einen Anspruch
Die einfach unterhalten nur wollen
Was wem mehr liegt ist sicher immer
Geschmackssache und ich wage nicht
Mehr das Lesen anderer zu beurteilen
Freue mich daran dass sie es gern tun
Die gewählten Bücherwelten entsprechen
Oft dem Wesen was eben ist wie es ist
Doch können wir zwischen ihnen wechseln
Um unseren Geschmack lesend zu verfeinern
Dieses große Abenteuer des inneren Aufstiegs
Zu den großen Werken der Literatur in dann auch
Schön gebundenen Büchern ist eine Verwandlung
Welche Leser auf dem Weg innerlich adelt
Große Werke sind nicht schwerer zu lesen
Es ist nur eine Frage der Gewohnheit aber sie
Schenken uns lesend so viel mehr dass wer
Einmal damit begann auch dabei bleibt
Jede Minute die wir lesend mit den Großen
Der Literatur verbringen lässt uns wachsen
Ein unbezahlbares Glück was dem Leser
In dann höhere Welten tragen wird
Den Schlüssen zu diesen Welten bei sich
Zu tragen als Regisseur seines Aufstiegs
Der mit Humanisten Goethe oder Mann
Ganz vertraut wird macht glücklich
Dieses Glück als das große Abenteuer
In den reichen Bücherwelten zu vermitteln
Um anderen diese Chance zu eröffnen ist
Die schönste Seite literarischer Aufklärung
Lesen muss jeder für sich und damit auch
Wählen wohin die Reise gehen soll also
Auch die Befreiung aus Unmündigkeit die
Selbstverschuldet ist bewusst angehen
Hüte mich einen Leser zu verurteilen
Freue mich über jeden Menschen der liest
Sind wir Leser doch Geschwister im Geist
Möge jeder seinen Weg dabei auch finden
Doch ganz nebenbei auch noch den Weg
Zum höchsten Genuss zu zeigen den die
Großen Geister uns schenken können
Heißt anderen seine Welten zu öffnen
Sich über jeden Leser mit seiner Wahl
An Leseglück freuen aber mit echter
Begeisterung vom Großen schwärmen
Zeigt Menschenliebe und echte Toleranz
Diesen Weg im Geist von Humanismus
Wie Aufklärung weiter zu gehen macht
Die Welt mir so viel reicher und schöner
Als ich im Dunkeln noch hoffen konnte
Für gute und schöne Bücher zu leben
Diese Liebe weitergeben damit mehr
Menschen dieses Glück teilen können
Scheint mir das schönste Vergnügen
Es ist wohl eine gelebte Liebe die
Sich verschenkt ohne je besitzen
Zu wollen sondern in Hingabe der
Guten Sache ganz damit dient
Inmitten von Chaos und Lärm der
Welt dem Zauber der Stille so mehr
Raum zu geben und Chancen dafür
Eröffnen wird mir künftig Glück sein
jens tuengerthal 17.072019
Literaturwurzeln
Wo liegen die Wurzeln der
Buchkultur und mit ihr auch
Der Literatur unserer Kultur
Die gern Abendland genannt
Was wurzelt im zunächst eher
Orientalischen Christentum
Was hat ältere oft sagenhafte
Ursprünge in mündlicher Tradition
Wann beginnt die Literatur der
Heute Sprachen und Regionen
Spielt die Nation eine Rolle dabei
Was befruchtete sich dabei noch
Erste deutsche Romane etwa wie
Parzival oder die Nibelungen waren
Nach französischem Vorbild entstanden
Mit Einfluss auch englischer Sagen
Die Welt um König Artus den bis
Heute sagenhaften englischen König
Hat Spuren überall in Europas Literatur
Hinterlassen was leicht nachweisbar
Sie spielen mit christlichen Idealen
Die aber wie überall einfach älterer
Tradition übergestülpt wurden wie einst
Weihnachten heidnischer Sonnenwende
Unklar dagegen ist uns bis heute wie
Tief diese in mündlicher Tradition noch
Wurzeln und woher welche Sagen einst
Kamen die alle Stämme mit aufnahmen
Es fehlen in der mündlichen Tradition
Die klaren schriftlichen Belege oder
Sonst nachweisbare Spuren der Hörer
Blieb alles sehr luftig und verhallte
Waren es die nordischen Sagen der
Weitgereisten Wikinger die sich in je
Varianten mit lokalen Sagen mischten
Wie wir sie aus den Märchen kennen
Liegen manche Wurzeln südlicher noch
Etwa bei den Griechen bei denen schon
Hesiod 700 vor unserer Zeitrechnung
Vom Schlaraffenland uns berichtete
Gibt es universelle Traditionen die sich
Überall auf der Welt gleichen in allen
Erzählungen der Völker immer wieder
Werden sie nur lokal etwas variiert
Die Anfänge der Literatur verraten
Viel über die spätere Entwicklung
Der Sprachen wie sie heute sind
Erklären uns was Kultur wurde
Wer seine Kultur versteht aus
Ihren Geschichten kann erst
Die Zukunft auch mit Verstand
Also aufgeklärt mitgestalten
Es ist also keine lächerliche
Ritterromantik die den Blick
Auf alte Sagen trägt sondern
Die Vernunft der Aufklärung
Sie kann uns zeigen wie eng
Die Sprachen wie die Literatur
Über heute Grenzen hinweg
Natürlich verknüpft waren
So auch wieder Brücken bauen
Zwischen Völkern und Kulturen
Die alle menschliches ähnlich
Literarisch noch variierten
Zurück zu den Wurzeln gehen
Kann den Horizont weiter öffnen
Als manche denken die es fordern
Aber von Literatur nichts verstehen
Die französische Tradition war wohl
Durch germanische Sagen beeinflusst
Nahm englische Geschichten auf wenn
Sie sich nur gut erzählen ließen
Die germanische wohl durch nordische
Oder wohlmöglich auch umgekehrt
Beide nahmen südliche Traditionen auf
Wie sich am Schlaraffenland zeigt
Die Schlaraffen hatten die Griechen
Wohl aus der babylonische Kultur
Die ihre Vorgänger noch variierte
So scheint Mulikulti echt traditionell
Wie Tacitus von den Germanen
Schwärmte um die Römer fast
Spartanisch zu ermahnen zeigt wie
Sich die Moral der Alten ähnelte
Beschäftigung mit den Wurzeln
Zeigt wie nah wir uns doch sind
Sich Bande über Grenzen leicht
Knüpfen lassen aus Tradition
Die Welt wird viel kleiner wenn
Sie sich auf ihre Traditionen besinnt
Auf ihre literarischen Wurzeln schaut
Die sich oft erstaunlich nah sind
jens tuengerthal 17.7.2019
Buchtaucher
Buchtaucher versinken gern
In Bücherwelten wo sie dann
Zwischen Seiten abtauchen
Im Reich der Worte schwimmen
Als Trockentaucher lieber doch
Hautnah im Meer der Literatur
Glücklich baden zu gehen
Erobern sie den tiefsten Grund
Allen Seins absatzweise auch
Mal in einem einzigen Satz
jens tuengerthal 17.7.201
Bücherleben
Lebe für Bücher wie mit ihnen
Oft genug in ihnen verkrochen
Selig dort Zuflucht suchend
Ihre Gegenwart macht mich völlig
Glücklich und bereichert dabei
Was mehr braucht es im Leben
Wenn alles Glück so wunderbar
Gebunden bedruckt erscheint
Ein Kunstwerk an sich ist
Lesen das schönste Glück bleibt
Das sich seitenweise verwandelt
In immer neue Welten auf seine
Gewohnt lesend immer gleiche Art
Kann ich meine Bücher überall lesen
Wie überall in ihnen zugleich sein
Ohne je den Ort wechseln zu müssen
Führe ich ein Leben für und mit Büchern
Was mich vollkommen glücklich macht
Besonders wie wenig launig sie sind
Zuverlässig das geben was zuvor
In sie gedruckt und gebunden halten
Bücher getreulich was sie versprechen
Erfüllender Lesestoff zu sein
Was braucht es mehr
jens tuengerthal 17.7.2019
Bücherliebeslohn
Sie machen mich glücklich
Enttäuschten mich noch nie
Langweilten mich höchstens
In seltenen Fällen für Momente
Dann legte ich sie zur Seite
Habe ein sinnliches Verhältnis
Schon zu schönen Büchern
Deren Einbände ich streichle
Mal zur Seite gelegte Bücher
Waren nie beleidigt sondern
Werden später weiter gelesen
Ohne sich vernachlässigt zu fühlen
Sich nun dafür bezahlen zu lassen
Diese Liebe weiter zu leben
Wie sie anderen zu vermitteln
Scheint mir ein sehr guter
Liebeslohn für die Zukunft
Vermutlich ist es wohl Glück
Seine Liebe leben zu können
Auch wenn es nur um Bücher
Geht macht mich glücklich
Lebe ganz was mir entspricht
Was sollte ich mehr wollen
Denn lieben welch ein Glück
Schrieb Goethe schon einst
Sparen wir uns die die Anrufung
Höherer spekulativer Mächte
Die der Dichter noch tätigte
Auch des Reimes wegen
Geliebt zu werden dagegen
Erwart ich längst nicht mehr
Lesen dürfen ist mir genug
jens tuengerthal 16.7.2019
Dienstag, 16. Juli 2019
Bücherlust
Welche Lust bereiten Bücher
Nicht nur dem Leser inhaltlich
Sondern als Sachen deren
Bloße Berührung sinnlich ist
Wer täglich mit Büchern auch
Arbeitet merkt wie viele hässliche
Bücher massenhaft verkauft werden
Als schaute keiner mehr was er liest
Der größere Teil dieser Bände
Würde besser nie gedruckt ist
Schade um das gute Papier
Genügte als E-Book völlig
Doch wollen auch die Leser
Von Thriller, Krimis oder Kitsch
Lieber Bücher noch haben mit
Der Illusion des Bleibenden
Viele dieser Bücher sind jedoch
Wie Zeitungen einmal gelesen
Nur noch als Altpapier von Wert
Als Taschenbuch bloß noch billig
Ein richtiges Buch ist gebunden
Hält über die Zeiten hinweg als
Wissensspeicher wie Schönheit
Mit seinem sinnlichen Körper
Wie gerne streichle ich schon
Im Vorübergehen zart nur die
Rücken meiner liebsten Bücher
Wie glücklich macht mich dies
Ob die Zuneigung gegenseitig ist
Alle Zärtlichkeit einseitig bleibt als
Produkt meiner reichen Phantasie
Ist egal Bücher enttäuschten nie
Es ist eine ständige Lust mir mit
Büchern zu leben und wie gern
Träume ich vom Ausbau meiner
Bibliothek in schönster Zukunft
Insofern ich überall mit Büchern
Lebe hatte ich auch schon Sex
In der Gegenwart der Bibliothek
Was den Vorgang sinnlich erhob
Bücher begleiten mich überall hin
Am liebsten bin ich ganz bei ihnen
Sie bleiben die treueste Liebe mir
Als sinnlich glücklicher Leser
jens tuengerthal 16.7.2019
Geschichtsgeschichten
Geschichte als Geschichten
Erzählen unterhält mit was war
Klärt auf und schafft Traditionen
Ist real und fiktiv zugleich in der
Je Wahrnehmung der Welten
Zaubert es neue Welten allein
Durch den Blickwechsel auf
Alles was einmal war
jens tuengerthal 16.7.2019
Literatüren
Literatur öffnet Türen über
Nur Worte in größere Welten
Jenseits erzählter Geschichten
Schafft sie bleibende Kultur
Die Geist formt und spiegelt
Völker viel enger verbindet
Als es Tourismus je könnte
Wagen wir hindurch zu gehen
Wird die Welt uns grenzenlos
Auf dem Feld großer Literatur
Die etwas zu erzählen hat
Was über Spannung reicht
Uns die geistige Welt öffnet
jens tuengerthal 16.7.2019
Bücherparadies
Lebe im Bücherparadies
Um mich stehen zuhause
Überall schöne Bücher
Tagsüber arbeite ich nun
Immer mehr mit Büchern
In mir wachsen immer mehr
Noch zu schreibende Bücher
Zwei Lesesessel erwarten mich
Als begierigen Leser täglich
Daneben aktuelle Bücherstapel
Ein Leben wie im Traum
Nach zu langem Alptraum
Jetzt im Paradies leben
Bin ich dankbar zufrieden
Endlich angekommen
jens tuengerthal 15.7.2019