Dienstag, 20. Januar 2026

Lektürentagebuch 20.1.26

Lektürentagebuch 20.1.26

Über Freiheit und Luxus schreibt 
Philipp Blom im zweiten Kapitel
Seines Epilog zur Welt aus den 
Angeln über die kleine Eiszeit

Hier rechnet er mit Voltaire ab
Dem reichen Bankier des Adels
Der aufgeklärt kritisch schrieb
Über die Gleichheit aller Menschen

Aber als Geldverleiher und Investor
Auch am Sklavenhandel gut verdiente
Die Nähe von Despoten suchte um
Sein freies luxuriöses Leben zu führen

Er predigte in gut verkäuflichen
Kalendersprüchen Gleichheit aller
Aber doch bitte nicht für Neger die
Einfach eine andere Rasse wären 

So war der große Voltaire nach dem
Verständnis unserer Zeit ein Rassist
Was Blom mit vielen Beispielen auch 
Belegen kann und zugleich widerlegt

Wir lernen den auch verlogenen
Intriganten hinter dem bekannten
Autor der Aufklärung kennen der
Mit Friedrich dem Großen schrieb

Doch im Gegensatz zu Diderot wie
Baron Holbach dessen Systeme des
La Nature erfolgreichstes Buch der
Epoche wurde und in dessen Salon

Die Bösen Philosophen über die
Blom so treffend schrieb verkehrten
War Voltaire kein Anhänger von
Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit

Vielmehr war der Literat und Bankier
Für einen Atheismus und eine klar 
Kritische Aufklärung nur unter den 
Freien erfolgreichen für Freiheit

Auch das Streben nach einer idealen
Gerechten Welt wie er sie noch im
El Dorado des Candide beschreibt 
Lohne sich nach Voltaire nicht

Es bliebe immer illusorisch und ihm
Würde dort langweilig werden warum
Der Einzelne sich ins Privatleben
Zurückzieht den Garten zu kultivieren

So werden wir nach Voltaire nicht als
Kämpfer für die Freiheit glücklich
Sondern als Kleingärtner sofern
Ein Stück Land unser Eigentum ist

Egon Friedell schreibt in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit über
Die Arten der Weltfiktionen in der
Geschichte und was sie ausmacht

Er unterscheidet Naturvölker vom
Kulturvölkern die sich aber bei den 
Römern wiederum glichen was zeigt
Wie relativ tauglich Schubladen sind

Ob uns die Welt nun wirklich erscheint
Gar berechenbar sein soll oder als
Bloße Halluzination für höhere Kräfte
Wie das Mittelalter gerne annahm

Sind Varianten die für jeden der die
Freiheit aus dem Bewusstsein der
Aufklärung verstand völlig irrelevante
Fragen weil wir es können genügt

Friedell meint jedoch die Barocke
Wie er wieder schreibt vereine 
Alle Teile davon die alles ästhetisiert
Sie spielt mit allem auch der Logik

Löst die Welt in einem Traum auf
Den sie als theatrum dei empfindet 
Hat so heterogene Aspekte zu einer
Kultur komponiert die einheitlich war

Unter dem Ideal der Fettleibigkeit 
Denkt Friedell über die stärkste 
Klammer der Form nach die alle 
Gegensätze streng zusammenhielt

Hier schneiden sich für Friedell der
Cartesianische Rationalismus mit
Dem berninischen Irrationalismus
Nach beiden soll die Form über die

Materie triumphieren ja auf bloße
Form alle Materie reduziert werden
Die Barocke sei formfreudigste wie
Formgewaltigste formhörigste Zeit

Welches zugleich auch noch das
Förmlichste Zeitalter der Geschichte
Was sich schon äußerlich etwa in der
Perücke zeigte die natürlich bremste

Alles genügt einer vorgegebenen
Form keine Improvisation dabei
Als geistreich galt wer genau die
Vorgegeben Regeln dabei erfüllte 

Dazu passte der Stöckelschuh wie
Die lange reich verzierte Weste dazu
Riesige Ärmel und Knöpfe sollten
Dabei große Gravität verleihen

Entsprechend kam Fettleibigkeit in
Mode die genau dem Ideal der
Barocke an Schönheit entsprach die
Durch den Stock verziert wurde 

Die Kunst der Zeit von Rubens
Bis zu Rembrandt und mehr
Zeigt genau dieses Ideal auch
Sehe die fetten rosa Gesichter

Abgesehen von den schlichten
Schubladen die nie ganz für alle
Passen ist der Gedanke über den

Zusammenhang von Form und
Geist der Barocke hier spannend
Für ein allgemeines Verständnis

jens tuengerthal 20.1.26

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