Montag, 26. Januar 2026

Lektürentagebuch 26.1.26

Lektürentagebuch 26.1.26

Vorgestern schon las ich noch in
La recherche von Marcel Proust 
Wie der hier Baron Saint Loups 
Seine Geliebte nach außen noch

Verteidigte dafür sogar mit einigen
Aus seiner Familie brach die ihm
Die unpassende Liaison ausreden 
Wollten worauf er sich abwandte 

Tragischerweise oder vielleicht
Typisch für unglückliche Lieben
Und welche wird das nicht auch
Irgendwann waren das noch die

Mitglieder seiner Familie die ihm
Nah waren der auch direkt noch
Mit fürstlichen Häusern verwandt
Jene die er besonders mochte 

So isolierte sich Saint Loups in 
Der Familie also an seinen Wurzeln 
Immer mehr was einsam macht doch
Ohne sich auf den Grund dessen

Irgend verlassen zu können denn 
Auch die Geliebte schob ihn ja auf
Die eine oder andere Art von sich
Immer wieder weg ohne ganz los

Lassen zu können vielleicht noch
In der Hoffnung auf seine weitere
Großzügigkeit als wohlhabender
Herr von Geblüt der er war

Denke an meine früheren Kontakte
Zu dieser etwas seltsamen Welt die
Eigenen Regeln folgt und bis heute
Zumindest geistig viele noch foltert

Etwa meine vom Gemüt wie der
Statur damals noch sehr zarte erste
Verlobte und andere auch weniger
Zarte die ihre Familie hoch hielten

Fein und aufmerksam beschreibt
Proust diese Welt die sich gerne
Edel dünkt es seltener nur ist aber
Häufiger ziemlich intrigant auch

Er stimmt als Erzähler der Familie
Eigentlich zu aber will auch nicht
Deren Partie gegen den an Liebe
Erkrankten Freund dabei einnehmen

Diese lebendigen geistigen Welten
Mit ihren verborgenen Regeln die
Du seit Generationen kennen musst 
Irgend nur dazu zu gehören werden

Von Proust fein gesehen wie auch
Deren Spielregeln aufmerksam als 
Geistige Welt für sich bestehen so
Zuhause wie Folter zugleich sind 

Natürlich ist der Erzähler in einem
Roman klüger als alle seine nur 
Protagonisten dabei aber es wird
Beim Ich-Erzähler unglaubwürdig

Dieser Knabe der einerseits noch
Wie ein Kind leidet wenn ihm seine
Großmutter nicht gute Nacht sagt
Andererseits in der Liebe weiß

Was Saint Loup am besten täte
Mit seiner Geliebten vom Theater
Die offensichtlich mit ihm spielt
Weiß der Knabe ganz genau

Ob diese altkluge Besserwisserei
Die befremdlich klingt eher eine
Weitsicht des Schwulen ist der
Die peinliche Hete beraten will

Bleibt bis hierhin noch unklar
Aber es hat etwas unangenehmes
Den Erzähler so altklug zu lesen
Und es fragt sich dabei wozu

Vielleicht liegt dem Separatismus
In diesen Worten die sich klüger
Zeigen Abwehr der Unterdrückung
Die Betroffene erfuhren zugrunde 

Was auch immer es ist schafft es
Proust auch in sonst geistigen
Sternstunden es unangenehm wie
Peinlich betroffen werden zu lassen

Auch das ist ein spannender Teil
Dieser Lektüre die eine eigentlich
Längst untergegangene Welt mit
Viel Feingefühl noch beschreibt

Was leitete wen dabei und sollte 
Sich peinlich berührt lesen aber
Wo ist es uns das heute mehr
Auf gleiche oder ähnliche Art


Zur Testamentseröffnung bei den
Buddenbrooks hat die Konsulin als
Universalerbin ihres verstorbenen
Gatten auch ihren Bruder geladen

Der fünfundfünfzigjährige Konsul
Kröger kommt der Pflicht nach
Die ihn zum Vormund seiner Nichte
Clara am Ende machen sollte

Tom der jetzt die Geschäfte neben
Herrn Marcus führt dem älteren
Prokuristen der nun Teilhaber der
Firma Buddenbrook kam zuletzt

Gemeinsam mit seinem neuen
Kompagnon während Tony die
Sitzung mit großem Eifer vorbereitete
Die ein elegantes Kleid dazu trug 

Natürlich wie die Konsulin ganz in 
Schwarz stand ihr dies mit ihrer
Mädchenhaften Figur sehr gut
Waren ihre Wangen leicht gerötet 

Ganz rotblond waren auch noch die
Haare der Konsulin wobei außer
Ihrem Mädchen niemand wusste ob
Diese noch ihre echten waren

Diese kleinen Bemerkungen lassen
Auch die Testamentseröffnung nach
Dem Tod des Konsuls witzig werden
Von feiner Ironie dabei geschmückt

Auch die genaue Aufstellung der
Finanziellen Lage der Firma die
Bei 750.000 Mark Courant lag war
Für alle überraschend erfreulich

Ein formeller Akt en Familie im
Esszimmer vollzogen klärte über
Den Reichtum der Familie auf der
Eher mäßig und ordentlich war

Aber doch wohlhabend genug auch
Tony die sonst wenig verstand mit
Stolz über die Tafel zu sehen und
Über Grünlich noch empört zu reden

Die Konsulin hat ihren Sohn Christian
Der in Valparaiso arbeitete nun zurück
In die Familie beordert was aber bis
Ihn der Brief erreichte Monate dauerte 

Ein Familientreffen aus ernsten
Gründen wird mit der gebotenen Form
Abgehalten und bietet Mann dabei die
Chance die Protagonisten zu zeigen

Der mehr als blasse aber dafür ganz
Ausgezeichnet gekleidete Tom der
Nun der junge Chef des Hauses war
Wie kam er der neuen Rolle nach

Warum lehnte der junge Erbe noch
Das ihm angetragene Konsulat der
Niederlande ab aus sehr weiser
Bescheidenheit die sich lohnte 

Es sind solch kleine Nuancen die
Den vornehmen Stil der Familie
Wie ihre fürstliche Rolle zeigen mit
Der Konsul Kröger sprachlich spielt

Proust wie Mann haben eine ganz
Feine Komik und Ironie aber die
Von Mann scheint mir meistens
Eleganter und liebevoller noch

jens tuengerthal 26.1.26


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