Freitag, 16. Januar 2026

Lektürentagebuch 16.1.25

Lektürentagebuch 16.1.25

Wie zum Abschluss des Barock den
Egon Friedell die Barocke nennt wird
Über dessen Wesen in Europa noch
In der Kulturgeschichte der Neuzeit 

Ein wenig vom Autor philosophiert
Was Weltbilder aber auch Tiefe fein 
Offenbart aber auch ganz typische
Vorurteile schön bloßlegen kann 

Die französische Barocke ist für
Friedell unter Ludwig XIV ganz klar
Cartesianisch die im übrigen Europa
Nennt er eher berninisch dagegen

Frankreich hätte als einziges Land
Die Stilprinzipien der italienischen
Hochrenaissance voll realisiert die
Lateinisch oder klassizistisch genannt

Europa veränderte sich im Schatten
Des Sonnenkönigs auch weil alle ihm
Nacheiferten seinen Stil imitierten nur
Am Rand fanden sich neue Kräfte

Der Cartesianismus bleibt wie hier
Treffend beschrieben die legitime
Französische Geistesform in Maß
Klarheit wie Proportion deutlich

Insofern die Barocke wie Friedell
Hier schreibt nicht rational war
Sondern Rausch und Nebel in das
Zwielicht und Dunkel herabreichten

Sich nach unterirdischen Welten 
Sehnen in die das Licht der Vernunft
Nie scheinen wird ist die französische
Barocke auch keine reine geworden

So wie der Cartesianismus außerhalb
Frankreichs nie ein ganz reiner war
Frankreich blieb vierhundert Jahre
Lang durch die Epochen klassizistisch

Friedell nimmt dazu ein Bild aus der 
Bruchrechnung meint in Frankreich
Blieb der Nenner stets cartesianisch
Im übrigen Europa war er Barock

Dort war Descartes nur ein modischer
Zähler von zeitweiser Gültigkeit was
Viel über europäische Verhältnisse
Bis in die Gegenwart offenbart 

Dagegen waren die Epochen alle in
Frankreich nur modische Varianten
Als Zähler über dem Nenner der
Immer cartesianisch dabei blieb

Die Erfahrungen von zehn Jahren
Enger Kontakte ins Elsass können
Diese These für mich nur bestätigen
Auch wenn dies immer speziell war

Es ist die deutscheste Region von
Frankreich bis zu den Balkonblumen
Wie sie die französischste im Reich 
War so immer ein dazwischen blieb

Doch die in ganz Frankreich noch
Geführten Diskussionen um die 
Themen des Grand Orient sind ein
Guter Spiegel dieses Denkens

So blieb das Weltgefühl Frankreichs
Wie Friedell treffend schreibt stets ein
Barock gefärbter Klassizismus sonst
Cartesianisch imprägniert irrational 

Diesen Irrationalismus der Barocke 
In sonst Europa nennt Friedell treffend
Berninisch an Bernini hier erinnernd
Den klassizistischen Künstler Roms

Bernini blieb Rom sein Leben lang
Wie insgesamt 9 Päpsten treu bis
Auf einen Ausflug nach Paris wo er
Den Louvre neu gestalten sollte

Dieser Auftrag von Ludwig XIV wurde
Jedoch nie realisiert und so kann der
Gute Friedell weiter über den großen
Gegensatz im Barock philosophieren 

Zum Abschluss dieses kurzem eher
Kulturhistorisch philosophischen
Einschubs gesteht Friedell dass es
Alles viel komplexer doch war

So waren auch die Franzosen im
Gefühl echte Barockmenschen wie
Der Rest Europas auch im Barock
Die natürliche Vernunft noch spürte

Welch Wunder Menschen haben
Mehr als eine Seite die sie auch
Ihrer Natur entsprechend ausleben
Statt nur in Schubladen zu leben

Eine interessante philosophische
Gegenüberstellung welche die
Unterschiedlichen Charaktere in 
Europa gut beschreiben kann

Natürlich gibt es nicht die Franzosen
So wenig wie die Italiener und auch
Die Deutschen sind sehr verschieden
Manches aber ist sehr treffend

Neugier auf das Wesen der Bewohner
Einer Region wie was das Wesen der 
Menschen im Kern ausmacht ist eine
Immer noch aktuell spannende Frage

Bei den transeuropäischen Lieben im
Freundeskreis oder bei den Kindern
Mancher Liebsten zeigen sich auch
Diese Fragen noch aktuell wieder

Hier können auch Friedells schlichte
Schubladen das gegenseitige oft
Schwierige Verständnis noch erhöhen
Nicht schon an der Kultur zu scheitern 

Verabscheue schlichte Schubladen
Nur hilft klare Struktur auch bei der
Orientierung in Krisenzeiten wie wir
Sie durch Putin und Trump erleben

Insofern kann es helfen auch beim
Wesen mehr über die Denker die
Es prägten und charakterisieren
Nachzudenken einander zu verstehen

Halte zum Verständnis des Geistes
In Frankreich aber Montaigne für 
Tiefer und zielführender als Descartes
Wie Diderot viel mehr als Rousseau

In Deutschland analysiert Kant perfekt
Aber gibt Goethe eher das Gefühl was
Beides Teil des deutschen Wesen ist
Wie der Blick nach außen offenbart

Die galizische Jüdin Mascha Kaleko
Traf den Ton Berlins einst perfekt wie
Der in Stettin geborene Jude Hessel 
Als Flaneur zum Chronisten wurde 

Um zu sehen was ist dürfte es meist
Besser sein nicht ganz Teil von etwas
Zu sein um ein Beobachter zu bleiben 
Der immer etwas daneben auch steht

Nicht dazu zu gehören was kennt
Wer je als Flaneur lebte ohne an 
Steppenwolfkitsch dabei zu denken 
Ist die Bedingung zu erkennen was ist

Wie sehr bei Friedells Urteilen über
Die Völker Europas immer auch der
Wiener Kaffeehausgänger mitklingt
Der im multikulti KuKasien aufwuchs

Sollte noch bedenken wer ihn liest
Der kluge Autor mit seiner Vorliebe
Für ganz junge balkanische Mädchen 
Ist als Mensch auch Teil seiner Urteile 


Wunderbar treffend und humorvoll
Schreibt Johann Kaspar Riesbeck
In den Briefen eines Reisenden 
Franzosen über gerade Wien 

Im 24. Brief denn die scharfen teils
Mutig kritischen Reportagen sind als
Briefe an einen Freund in Frankreich
Perfekt getarnt worden 1788 auch

In 1. Auflage auf französisch noch
Erschienen zu mutig und scharf
War die Kritik des Autors an den
Zuständen in allen Ständen im Reich 

Der heutige Brief der schon lieber kein
Datum trägt beschäftigt sich mit der
Dreiteilung der Macht in Wien bei
Der zwei Parteien verfeindet sind

Auch wenn das natürlich in Wien
Keiner je so sagen würde weil es
Dabei um die Kaiserin Maria Theresia 
Und ihren Sohn Kaiser Joseph geht

Auf Seiten der frommen Kaiserin
Steht natürlich die Kirche wie eine
Vielzahl sie imitierende Hofdamen
Und der gesamte konservative Adel

Diese wollen ohnehin nie etwas
Ändern und ihnen ist jede Reform
Erstmal suspekt weil sie so ihre 
Bewährten Privilegien beeinträchtigte

Auf der Seite Josephs steht die 
Von ihm klug aufgeklärt reformierte
Armee mit dem klugen Feldmarschall
Lacy der gern die Mönche bekriegt

Seine Mutter Maria Theresia hat die
Mehrheit der Besitzstandswahrer am
Hof wie im Reich hinter sich die für 
Viel Geld nahezu nichts leisten 

Dagegen würde der Kaiser alles
Auf seine Effektivität hin prüfen
Was den meist untätigen aber
Lange gut bezahlten nie gefiel

Den Aufstand der auf ein solches
Vernünftiges Verhalten folgt hat
Gerade die Regierung Trump wie
Ihr zeitweise Diener Musk erlebt 

Eigentlich wäre ja weniger wie 
Vor allem verantwortlich effektiver
Staat im Interesse aller Bürger
Doch verhindern Besitzstände dies 

Damit hatte auch der Aufklärer
Joseph zu kämpfen der auch den
Erzfeind seiner Mutter Friedrich II
Sehr schätzte und bewunderte 

Als Vermittler nennt Riesbeck hier
Den Kanzler Kaunitz der zwischen
Dem Kaiser und seiner Mutter die
Realistischen Kompromisse suchte

Der 39 Jahre als Staatskanzler für
Außenpolitik des Reichs zuständige
Wenzel-Anton von Kaunitz-Rietberg
Wurde von beiden hoch geschätzt 

Riesbeck lästert darüber wie dieser
Sich seine Tätigkeit als Vermittler
Gut bezahlen ließ um seine überall
Berühmte Tafel weiter zu führen

Es sind die kleinen Informationen
Über die Politik des Reiches das
Schon unter Maria-Theresia der
Aufklärung sich verpflichtet die

Dies Buch so lesenswert machen
Wie den Zeitgeist noch besser
Verstehen lassen der auch im
Österreichischen Reich herrschte

Damals über zwanzig Jahre vor dem
Reichsdeputationshauptschluss gibt
Es das deutsche Kaiserreich noch
Das mit Karl dem Großen begann 

Der Kaiser wird für sein rationales
Wie effektives Verhalten sehr gelobt
Wir schreiben das Jahr 1788 sind
Also ein Jahr vor der Revolution

Bischöfe Mönche und Hofdamen
Werden als destruktive bestechliche
Kamarilla dargestellt wofür nach aller
Historischer Kenntnis viel spricht 

Wie Kanzler Kaunitz sich seine wohl
Nötige Rolle als Vermittler von beiden
Gut bezahlen lässt offenbart den 
Typischen Nepotismus der Zeit

Bis auf Trump der es nicht begreift
Schmückt sich heute kein Staatsmann
Noch mit seiner Bestechlichkeit die
Nach dem Machtwechsel teuer kommt

Der Blick als Franzose auf die
Regierung und die Zustände im Reich
Ermöglichen Riesbeck Offenheit die 
Kein Zeitgenosse so wagen konnte 

Fein beschreibt er die Doppelrolle die
Kaunitz als Mann beider Seiten also
Aufklärer der mit der Kirche kann 
Spielt um das mögliche zu erreichen

Dabei bestechlich wie so viele im
Kukasischen Reich weil die Moral
Dies nicht zu tun ungewöhnlich war
Kant war Preuße kein Österreicher

Aber 39 Jahre als Staatskanzler sind
Auch eine ziemlich lange Zeit da
Kommen wenige Monarchen mit 
Dahingestellt ob es gut so ist

Stelle ich mir vierzig Jahre unter 
Einer korrupten Trump Regierung vor
Käme mir das kalte Grausen wohl
Sie drohen nach der Natur nicht

Riesbeck lesen lohnt immer sehr
Er erzählt auch Kulturgeschichte
Tut dies nur gut getarnt politisch
Aus einer Zeit des Umbruchs


Noch ein kurzes Stück den guten
Johann Gottfried Seume auf seinem
Spaziergang nach Syrakus im Jahre
1802 lachend staunend begleitet

Teilweise sehr deftig in der Sprache
Zumindest soweit es um die der
Soldaten im Wirtshaus noch geht
Wie ihre Ratschläge zu Huren

Der Erzähler gibt das nur wieder
Um die Stimmung zu beschreiben
Die fast zu einem Konflikt führt der
Dann noch gerade abgebogen wird

Schließlich führt die Wanderung ihn 
Nach Prag unter der Überschrift der
Abschnitt den ich noch mit ihnen
Wanderte dann auch stand

Seume schimpft über die Preise in
Böhmischen Wirtshäusern ist also
Wie heutige Reisende auch sind
Beklagt die miserable Qualität dazu

Auch über die Sauberkeit der Betten
Wie sonst Räume wird gerne gelästert
Von Reisenden aller Orten als ich
Böhmen nach Wien durchquerte 

Waren die französischen Tankstellen
So sauber wie sie es gewöhnlich sind
Auch die Preise durchschnittlich wie 
Die Huren dort sind weiß ich nicht

Aus Prag berichtet er vom Dom
Auf dem Hradschin mit den halt
Gräbern früherer Herzöge noch
Aber zuviel gotischem Kitsch 

Klagt über die wegen eines Brandes
Geschlossene Bibliothek welche die
Schweden noch reichlich beraubten
Wir lasen schon bei Christina davon

Er hätte über den befreundeten
Bibliothekar sicher Zugang gehabt
Wäre dieser zufällig da gewesen
Mehr erfahren wir Leser nicht davon

Nur Kaiser Joseph von dem eben
Schon lobend bei Riesbeck die Rede
War lobt auch Seume gerne für die
Reformen und größere Gerechtigkeit 

Vor Prag im flachen böhmischen Land
Wo er aufgrund der Fruchtbarkeit
Mehr Wohlstand erwartet hätte
Herrschte nur grausamste Armut

Gerdückt schlichen die Leute dort
Ohne jede Hoffnung umher und
Sahen die nahenden Franzosen
Unter Napoleon eher mit Freude

Wenn das einfache Volk Besatzer
Weniger fürchtet als ihre Herren
Denen sie dienen müssen ist es
Um Gerechtigkeit nicht gut bestellt

So erlebe ich hier in zwei Büchern
Die mit 13 Jahren Unterschied noch
Erschienen das Lob von Joseph wie 
Die Klage über ungerechte Realität

Beides sind wunderschöne Bände
Der Anderen Bibliothek der gute 
Seume schlich sich sogar doppelt ein
Riesbeck dafür als großer Reiseband

Spannend ist es eine ähnliche Zeit
Aus dreierlei Sicht zu betrachten
Die Begeisterung wie die Probleme
Wie live geschildert zu bekommen 

So funktionieren gute Zeitreisen
Die auch kritisch nachdenken lassen
Statt nur Orte zu bestaunen auch
Ihren Geist erfühlen zu können 

jens tuengerthal 16.1.25

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