Lektürentagebuch 22.1.26
Über große Träume der Gesellschaft
Die nicht mehr über eine Religion ihre
Transzendenz begründet schreibt
Philipp Blom in Welt aus den Angeln
Sieht nur noch eine Strickleiter ins
Jenseits an der von allen Seiten auf
Der Suche nach Identität gezerrt wird
Die heute die Ökonomen übernahmen
Die Gesellschaft als ein Anhängsel
Des Marktes der alles regiert ist zur
Gelebten Realität geworden und die
Erbsenzähler bestimmen den Kurs
Schrieb Ernst Jünger noch einst in
Seinen Tagebüchern Siebzig verweht
Nach dem Kap der Guten Hoffnung
Kommt ein neuer Steuermann der
Seinen Kurs mehr nach Sternbildern
Statt nach Landmarken dabei sucht
Fragt sich in welchen Himmel heute
Blickt wer den Erbsenzählern folgt
Blom spricht über die Lehre Calvins
Von der Prädestination wie deren
Bedeutung für den Kapitalismus die
Den freien Markt zur Götze erhoben
Auch der Glaube an die heilsame
Eigendynamik des Marktes speist
Sich noch aus der Lehre von
Adam Smith im 18. Jahrhundert
Der real existierende Kapitalismus
Übermächtiger Monopole lässt uns
Zwischen Apple Microsoft Google
Frei unseren Sklavenhalter wählen
Dies entspricht nicht dem bloßen
Glauben an die unsichtbare Hand
Des Marktes den Adam Smith
Forderte ohne begründen zu können
Jene erdachte Kraft erinnert jedoch
Mehr an den Deux ex Maschina aus
Der Barockoper als einem System
Begründeter Freiheit zu entsprechen
Der vermeintlich so vernünftige
Marktliberalismus glaubt neben der
Prädestinationslehre auch religiös an
Die Berechenbarkeit des Verhaltens
Die Annahme der Vernunft ist nicht
Beweisbar und reiner Glaube ohne
Irgendeinen praktischen Beweis es
Bleibt offen was uns beherrscht
Ist es die Vernunft oder sind es
Vielmehr echte Gefühle wie unsere
Leidenschaften die uns bei einer
Entscheidung am Markt leiten
Die Aufklärung stärkte als erste die
Individuellen Freiheitsrechte was in
Der Erklärung der Menschenrechte
Auch erstmals formal verbrieft wurde
Die Idee des Liberalismus mit dem
Erfolg am Markt schuf dynamische
Gesellschaften die sich ständig noch
Veränderten ohne letzte Wahrheiten
Ein Leben das unsere Sehnsucht
Nach Wahrheit nicht befriedigen kann
Sei eine ständige Zumutung und nur
Selten sind die Umstände günstig
Wer die Freiheit der Aufklärung als
Rein ökonomische Freiheit begreift
Als sich selbst regulierender Markt
Der kalkuliert Menschenopfer ein
Was für ein deutlicher Schlag am
Ende der eher philosophischen
Ausführungen geht es nun um
Leben und Tod im Leben
Damit schließt Philipp Blom diesen
Spannenden Abschnitt der im Licht
Der Veränderungen unserer Zeit wie
Großer noch Fragen spannend bleibt
Statt wie die Eliten der Welt asozial
Nach Davos zu jetten komm ich durch
Aufschlagen des Zauberberg ohne
Jeden ökologischen Schaden hin
Weiter in der spielenden Runde
Um Mynheer Peeperkorn alias
Gerhart Hauptmann Frau Chauchat
Wie des Protagonisten Hans Castorp
Mit wunderbarem Humor beschreibt
Thomas Mann hier das Kartenspiel
Bei den es auch um Geld geht was
Für Peeperkorn lächerliche Beträge
Als Einsatz nur waren den er auch
Festgelegt hatte brachte einige der
Teilnehmer in große Aufregung wie
Die Damen Stöhr Magnus Chauchat
Aber auch der wie er vorgab aus
Monaco so spielerfahrene Herr Albin
Spielte nur noch die Ruhe und kam
Wie einige gut dabei ins Schwitzen
Wie Thomas Mann hier seine Figuren
In der immer reichlicher trunkenen
Gesellschaft beschreibt zeigt seinen
Feinem so großartigen Humor
Bei Thomas Mann wird nicht wie bei
Hesse bedeutungsschwanger nur in
Floskeln geraunt sondern sich sehr
Höflich aber doch königlich amüsiert
Manchen Witz erkenne ich erst jetzt
Bei der zweiten Lektüre nach über
Dreißig Jahren aber immer mehr
Erscheint Mann als so humorvoll
Möchte nicht alle Witze offenlegen
Schreibe ja keinen Kommentar auch
Wenn Sekundärliteratur zum Witz
Bei Mann dringender ist als Illies
Dieses intrigante Lästermaul auf
Bunte Niveau würde ohnehin mit
Schweigen besser übergangen ging
Es nicht um die Verteidigung Manns
Er ist für mich der witzigste unter
Den großen deutschen Autoren
Dessen meist liebevoller Spott
Die Figuren gern tanzen lässt
Das ist der Puppenspieler Thomas
Der dem Hanno der Buddenbrooks
Gleicht und sich zugleich auch über
Diesen ein wenig lustig macht
Dabei nie platt schenkelklopfend wie
Sein Bruder Heinrich oder viele die
Sich über andere lustig machten
Er lässt seine Puppen komisch tanzen
Das ist jedesmal wieder so schön
Auch gerade wieder in dem er sich
Über die Davoser Floskeln einer
Persönlichkeit lustig macht
Da lese ich eine Seite und bin
Schon wieder so wunderbar
Amüsiert dass ich sogar die
Rede Trumps als Witz sehe
Vielleicht wird die Welt ein wenig
Leichter wenn wir auf feine Art
Mit Thomas Manns Humor über
Die Anwesenden milde lächeln
Es ist auf jeden Fall vornehmer
Als was viele dauerempörte nun
In sozialen Netzwerken von sich
Geben statt milde nur zu lächeln
Der offensichtlich geistig nicht
Mehr ganz zurechnungsfähige
US Präsident hielt eine lange Rede
Die ihn als dementen Lügner zeigte
Da schaue ich lieber weg und lese
Auf dem heimischen Diwan noch
Ein wenig den Meister des feinen
Humor mit Thomas Mann in Davos
jens tuengerthal 221.26
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