Samstag, 17. Januar 2026

Lektürentagebuch 17.1.26

Lektürentagebuch 17.1.26

Im 10. Kapitel von Buddenbrooks
Wird das neue Leben von Tony als
Geschiedene Tochter im Haus in der
Mengstraße uns Lesern vorgestellt 

Erfahre von der Ermahnung des
Konsuls an seine Tochter sich als 
Geschiedene Frau dunkel zu kleiden
Wie äußerste Zurückhaltung zu üben

Tony findet sich in diese neue Rolle
Bald gut und mit Würde ein spricht
Vor allem mit ihrem Vater über die
Anstehende Scheidung von Grünlich 

Als Thomas endlich aus Pau wie von 
Amsterdam zurückkehrt findet sie im
Geliebten Bruder bald einen neuen
Verbündeten der nur blässlich blieb

Immerhin liest er nun auch moderne
Romane zum Missfallen des Vaters
Der sonst stolz auf den Sohn ist der
Eine gewisse Weltläufi auch hat

Thomas ist noch starker Raucher
Ansonsten die Zurückhaltung in
Person der nur die Braue leicht hebt
Wenn Tony die Prediger quält

Diese mit zunehmendem Alter von
Konsul und Konsulin noch häufiger
Am Tisch der Buddenbrooks wieder
Einkehrenden frommen Schnorrer

Waren Tony ein Graus und immer
Wieder Gegenstand ihrer Streiche
Sie regte sich über Bekannte auf 
Die sie nicht ordentlich grüßten

So verteidigte sie stolz die Ehre 
Der Familie aus ihren Augen und
Musste sich über ihre Kusinen
Die sie ärgerten etwas aufregen

Als die alte Konsulin. Kröger
Dann im hohen Alter starb was
Wie Mann andeutet an der Zeit war
Bekommt die Firma 100.000 Kapital

Tony begleitet mit ihrem etwas
Nervösen Magen ihren Vater
Zweimal im Jahr zur Kur in
Die gerade angesagten Bäder

Sie schätzt die Abwechslung im
Ansonsten ihr zu langweiligen
Leben im frommen Elternhaus 
Was sie dennoch mit Würde führt

Es tauchen in diesem kurzen Ritt
Über die ersten Jahre nach der
Trennung und dann Scheidung
Viele bekannte Gesichter auf

Alles wieder mit der typischen
Dezent hanseatischen Ironie
Die Thomas Mann perfekt spielte 
Überall kleine Scherze versteckte 

Das schlimme an frommen Menschen
So gut menschlich sie sein mögen ist
Die Zunahme dessen im Alter um
Auf ein Jenseits hoffen zu können 

Statt Weisheit bringt das Alter dann
Verlogene Frömmelei im Dienst der
Spendensammler aller Religionen
Der es protestantisch ernst meint



Im Zauberberg vergeht die Zeit
Wieder vom Helden, vom Autor 
Wie von diesem gemutmaßt auch
Für uns Leser völlig unbemerkt

Doch zum Glück ist zumindest
Der Leser und Dichter dieser Verse
Über das Lesen von wenig sonst 
Verstehe ich sie viel es zu wagen

Trickreich genug die Finten des
Von seinen Kindern auch Zauberer
Genannten Meisters unter der Woche
Mit historischer Lektüre auszuhebeln

Auch die parallele Lektüre der drei
Großem Romane Buddenbrooks des
Zauberberg und Joseph und seine 
Brüder retten das Zeitgefühl etwas

Erinnere noch genau die Zeit der
Ersten Lektüre während der ich selbst
Aushilfsweise in der Rohrbacher auch
Lungenklinik schon arbeitete und mich

Es war noch vor dem Fall der Mauer
Aber nach meinem 18. Geburtstag
Was den Zeitraum doch einschränkt
Von Oktober 88 bis November 89

Völlig jenseits der Zeit verlor wozu
Der Zauberberg wie la recherche von 
Proust uns zu gerne verführen die 
So europäischen Romane zur Zeit 

Dazu kam die dort ständige Nähe 
Zum Tod mit Tumorpatienten die
Noch in die Klinik zum Sterben
Kamen oder einfach dort blieben 

Gründe genug gab es also als noch
Gerade volljähriger Knabe der Zeit
Schon verloren zu gehen wie es dem 
Helden Hans Castorp auch so ging 

Darum auch der besondere hier 
Sicherheitsgurt der drei Romane
Am Wochenende nur parallel wie
Historischem unter der Woche 

Während also Thomas Mann hier
Ganz persönlich wird und der da
Schon Nobelpreisträger auch uns 
Aus dem Publikum mit einbezieht

In den Prozess der Romanschöpfung
Verging die Zeit wie gewöhnlich im
Sanatorium Berghof und die Gäste
Finden sich zur Abendgesellschaft 

Es gab einen Zigeunergeiger wie es
Mann in den Zwanzigern schrieb 
Was heute wohl Empörung weckte
Außer in Neufünfland unter Rechten

Den wiederum der Hofrat der mit
Dr. Krokowski anweste auf amüsante 
Art am präparierten Flügel begleitete 
Als käme John Cage nicht viel später

Eine kurze Einlage zum Lachen 
Was ja gesund sein soll bevor die
Ärzte ohne Grenzen wieder gehen 
Ist aber nur der Einstieg noch

Während sich das übliche Publikum
Wie ich es auch aus der Stammbar
Zur genüge kenne dort amüsierte
Las Hans nebenan Zeitung

Zumindest tat er so als läse er
Hielt das Blatt in Augenhöhe
Lauschte jedoch konzentriert 
Dem musikalischen Geschehen 

Wie hellhörig Hans für Musik ist
Ward meine ich schon erwähnt
Auch wenn die Fülle des Wohllauts
Aus dem Automaten vor uns liegt

Was immer ihn dabei nun anzog 
Die Stimme die ihn plötzlich von
Hinten für ihn unsichtbar ansprach
War ihm wohlvertraut angenehm

Es war Clawdia Chauchat die vom
Musikzimmer wo sich der gute 
Russentisch traf herüberkam um
Hans nach seinem Vetter zu fragen

Sie tat das mit ihrer gedehnten typisch
Östlichen Betonung die kennt wer je
Damen von dort begegnen durfte auf
Die Hans überrascht formell antwortet 

Im weiteren Geplauder dann duzt er
Sie die sich darüber zunächst empört 
Lästert dann mit einer eher  frechen 
Bemerkung über Mynheer Peeperkorn

Dies verbietet sie sich die zugleich
Genauer nachfragt wer Radamanth
Sei was Hans unter Verweis auf den
Urheber Settembrini noch aufklärt

Die rothaarige östliche Schönheit
Erklärt darauf ihre Abneigung über
Settembrini doch bevor es noch zu
Weiteren Verwicklungen hier kommt

Steht plötzlich der riesige Pepperkorn
Die beeindruckende Persönlichkeit
Vom Format Gerhart Hauptmanns
In ganzer Größe vor ihm

Nun muss Hans Castorp reagieren
Steht auf und das dabei so dass
Sein Stuhl zwischen ihnen dreien
Steht während Clawdia sie vorstellt

Sie genügt damit einer Sitte des
Kultivierten Abendlandes wie Mann 
Es mit wunderbarer Ironie beschreibt
Nennt Hans einen alten Bekannten

Pepperkorn dagegen muss weder 
In seiner Rolle noch als große
Persönlichkeit vorgestellt werden
So wird real Rang geschaffen

Dieses erste reale Treffen darf sich 
Noch bis morgen gedulden wenn der
Schwer reiche Holländer seine hohlen
Aber sehr netten Phrasen drischt


Ähnlich hoch emotional wie das
Erste Gespräch von Clawdia und 
Hans ist die Begegnung von Mut 
Mit Joseph bis zu seinem Abgang 

Was durch den Vorhang geht aus
Dem sich dann zwei schimpfende
Zwerge noch wickeln die gleich
Verbal übereinander herfallen

Doch dieses kleine Manöver zur
Ablenkung nach allerbester
Shakespearscher Manier sei hier
Noch bis morgen ignoriert um sich

Ganz auf den so bedeutenden
Abgang des Sklaven Joseph hier zu
Konzentrieren der seine Herrin Mut 
Die alles versucht zurückweist

Eine Schande nennt er ihre Lust
Der sich der deutlich jüngere lieber 
Nicht hingeben will darum die noch
Bettelnde lieber ganz real flieht 

Wie fühlt sich Frau dabei die dann
Noch sich bei ihrer größten Blamage
Belauscht sehen muss und wie wird
Die adelige Dame nun reagieren

Nun wir kennen die alte Geschichte
Aus der Bibel zur genüge Joseph
Wird für seine Freiheit wie für die
Moral viele Jahre bitter büßen

Sie ruft ihm noch hinterher er hätte 
Gott falsch verstanden so sei der 
Beischlaf mit der Mutter der erste
Natürlich wie auch gewollt

Nie wäre das Sünde denn sie sei 
Doch Isis Mut die Mutter der er sich
Getrost ergeben könne um so den
Weg allen Fleisches auch zu gehen

Wir lesen Isis denken an die viel
Ältere Ista deren Kult in Babylon
Mit weiblicher Dominanz noch
Gepflegt wurde nach der Natur

Auch des Alters nicht ganz sicher
Sind beide sich jedoch vom Wesen 
Wie der Zuständigkeit her ähnlich 
Es geht um Liebe und Lust auch

Aber auch die Berufung auf so
Sinnlich schöne Göttinnen für
Liebe und Lust führt nicht weiter
Der junge Monotheist flieht lieber

Die junge aufstrebende eher
Intellektuelle Religion der Juden 
Gegen den aus der Naturreligion 
Entwickelten Polytheismus 

Hier treffen Welten aufeinander
Das natürliche Bedürfnis nach Lust
Wie die Sehnsucht nach Liebe 
Kollidieren mit moralischen Prinzipien

Folgen wir unserer Natur oder ist
Die Kultur so stark eine Moral
Über die dunklen Triebe zu stellen
Ist das dann Fortschritt oder nicht

Ein nur kurzer Abschnitt aus dem
Josephsroman vereinigt auch ohne
Die Konfrontation der Giftzwerge
Grundlegende Fragen der Menschheit

Wie genial ironisch Thomas Mann
Der mit der biblischen Sprache spielt
Aus dieser ausbricht für Momente
Um die menschliche Seite zu zeigen

jens tuengerthal 17.1.26

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