Freitag, 4. September 2026

Lektürentagebuch 3.9.26

Lektürentagebuch 3.9.26 

Weiter ging es mit Arthur Schnitzler
Der in seiner Traumnovelle magisch
Eine geheime Orgie inszeniert die
Ganz harmlos im Kaffeehaus begann

Fridolin stapft einsam durch die Stadt
Entdeckt das etwas schäbige Café 
Wo er und Nachtigall sich unverhofft 
Entdecken und zu plaudern beginnen

Nachtigall war ein polnischer Jude der
Noch mit dem dortigen Akzent sprach
Ein wenig östlich breit wie es heute
So selten nur noch zu hören ist

Sie hatten zusammen Medizin studiert
Doch Nachtigall hatte es irgendwann
Abgebrochen und hatte begonnen als
Pianist sein Geld zu verdienen

Dann war er verschwunden war in
Bulgarien Ungarn und wieder Polen
Gewesen hatte hier und dort noch
Klavier gespielt leben zu können

Fridolin erinnert sich seinen eigenen
Besonderen Anschlag schon vorher
Gehört und erkannt zu haben ohne 
Auf Nachtigall gleich zu kommen

Nun war er hier hatte vorher im
Keller gespielt bei der dort Kegelbahn
Aber hätte noch einen Termin wo er
In der Nacht spielen würde

Was erst um zwei beginnt machte
Fridolin neugierig und Nachtigall
Erging sich nur in Andeutungen
Er spiele mit verbundenen Augen

Fridolin will mit doch das sei völlig
Unmöglich meinte Nachtigall dazu
Bräuchte es ein Passwort was er
Erst in der Kutsche erfahren würde 

Gleich ist Fridolin Feuer und Flamme
Will unbedingt mit um diesen so
Seltsamen Abend angemessen zu
Beenden wie er dachte und gleich

Kaum tauchte die schwarze Kutsche
Mit schwarz verhängten Fenstern auf
Eilte Fridolin zum Maskenladen um
Sich Larve und Kostüm zu leihen

Dieser öffnet ihm tatsächlich noch
Mitten in der Nacht seinen Laden
Als das Licht angemacht wird sieht
Er an einem Tisch zwei sitzen

Die Dritte ein kleiner Pierrot mit 
Weißen Strümpfen verschwand
Unter dem Tisch und stürzt dann 
In seine Arme Schutz suchend 

Der Ladenbesitzer bedroht die
Beiden sehr jungen Männer mit
Inzwischen vornehmen Fräcken
Mit der Polizei und schließt sie ein

Das zarte Mädchen das als Pierrot 
Jung leicht in seinen Armen duftete 
Erregte ihn schon sehr und er
Überlegt doch lieber zu bleiben 

Schließlich geht er doch ohne
Etwas für die Maske zu zahlen
Der Ladeninhaber vertraute ihm
Erfährt von Nachtigall das Passwort

Es lautet seltsam genug Dänemark
Was ihn an den Urlaub erinnert mit
Hamlet dabei dezent spielt und der
Gespannte Fridolin nimmt sich einen

Fiaker der schwarzen Kutsche zu
Folgen die weit raus fährt und den 
Berg hinauf und hinab bis sie vor
Einer Villa halten bei der die Fenster

Völlig schwarz verhängt sind mit
Dem Passwort kommt Fridolin rein 
Sieht viele maskierte Mönche und
Einige verschleierte Nonnen

Eine der Nonnen kommt auf ihn zu
Meint sie erkenne er gehöre nicht
Hierher sollte schnell unbemerkt
Noch fliehen bevor Strafen drohen 

Er aber völlig fasziniert von dieser
Üppigen Nonne mit den roten Lippen
Weigert sich und sie warnt ihn wieder
Doch Fridolin bleibt noch als plötzlich

Ein edler Herr ganz in weiß die Dame
Zum Tanz auffordert und er sich 
Plötzlich von Herren umzingelt sieht
Die ihn auffordern die Maske zu lüften 

Er weigert sich die Herren werden
Schon handgreiflich als seine Nonne 
Wieder auftaucht und sagt er solle 
Gehen sie opfere sich für ihn

In diesem Moment lüftet sie ihren
Schleier und lässt die Nonnentracht
Von sich fallen steht nackt im Kreis
Der gierigen Männer die nach ihr 

Greifen er schreit noch nein will 
Sich für diese Frau die ihn noch 
Retten wollte opfern aber es ist
Zu spät und er wird wieder zum

Eingang geschoben bekommt
Seinen Pelz und wird in die schwarze
Kutsche von den Dienern gedrängt 
Obwohl sein Kutscher wartete

Als er versucht zu erkennen wohin
Sie fahren stellt er fest Fenster
Wie Türen sind verriegelt und will
Gerade ein Fenster einschlagen als

Die Kutsche mitten am Feld hält 
Beide Türen sich öffnen und er
Stürzt nach draußen aber sieht
Die nahe Stadt vor sich liegen

Staunend sieht er wie die Stadt
In den niederen Ständen langsam
Erwacht zum Markt drängt am nun
Morgen um vier Uhr beginnt es

Noch schleichen die Gestalten 
Durch das Dunkel doch für sie 
Begann schon der Tag bevor 
Seiner endet der bald beginnt

Er sieht sich schon beruhigend
Als guter Arzt durch die Reihen
Der Betten laufen und nimmt
Einen Einspänner und fährt heim

Während ich dies schreibe und 
Las zuvor ist es schon zwei geworden
Bald wird es wieder hell seltsam
Nah kommen sich Tag und Nacht

Eine Nacht voll sinnlicher Erlebnisse
Von denen keines zum Ende führt
Ihm irgend Befriedigung schenkt
Eine Erotik der Anfänge bleibt

Genial wie Schnitzler hier die
Sehnsucht nach Lust inszeniert
Die keine Erfüllung mehr findet
Aber immer wilder sich steigert

Die enthüllte und entschleierte
Nonne war sie eine Hure wie die
Anderen dort auch war es eine 
Strafe oder genau was sie wollte

Sicher waren sie alle Huren
Zumindest in dieser Nacht aber
Sie hatten alle eine doppelte Existenz
Die hinter Masken verborgen lag

Es passiert dem Helden Fridolin
Nichts was der Rede wert wäre
Zumindest bisher war er seiner
Frau noch relativ körperlich treu 

Oder ging er schon fremd als er
Mit ihr über die Erlebnisse in 
Dänemark zuhause noch sprach 
Bevor die anderen auftauchten 

Wie austauschbar ist alle Lust
Was bleibt von dieser noch an 
Besonderem wenn alles probiert
Ist es dann noch der Rede wert

jens tuengerthal 4.9.26


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