Lektürentagebuch 1.9.26
In Arthur Schnitzlers Traumnovelle
Will Fridolin noch ins Cafe gehen
Nimmt einen kleinen Umweg dafür
Durch die Gassen der Leopoldstadt
In Gedanken versunken rempelt ihn
Ein farbentragender Student an er
Überlegt kurz ob er Satisfaktion hier
Verlangen sollte aber geht weiter
Erinnert sich an seine Duelle noch
Aus der Studentenzeit der er nie
Mitglied einer Verbindung war aber
Dennoch um Ehre gefochten hatte
Es hat etwas lächerlich vorgestriges
Denke an die südländischen Knaben
Die mit röhrenden Motoren fahren
Gerne ihre Männlichkeit beweisen
Wie der Schwanzlängenvergleich
Der Männer nach PS oder mit dem
Preis der Armbanduhr noch immer
Alle Seiten lächerlich nur macht
Wie atavistisch ist eine Kultur die
Das noch nötig hat was ist davon
An Entwicklung zu erwarten aber
Wie groß ist die Sehnsucht danach
Wollen Frauen solche Typen oder
Sind jene die das wollen genauso
Hohl wie der Anschein und denke
Die gibt es wohl immer wieder
Dazu passend kommen in den
Nächsten Gassen junge Huren
Die sich um ihn bemühen eine
Zieht ihn seltsam ins Gespräch
Sprach ihn mit Herr Doktor an
Worauf er fragte woher sie es wisse
Die nur erwidert hier sei ja jeder ein
Doktor irgendwie also nichts wusste
Er folgt ihr ohne zu wissen warum
Sie entzündet Kerzen in ihrer Stube
Während sie sich auszieht und
Dann auf seinen Schoß setzt
Raten soll er wie alt sie sei die
Junge Hure und der Doktor meint
Wohl zwanzig sie behauptet siebzehn
Er ist ganz gerührt von ihrer Jugend
Seit Schulzeiten schon also als er
Siebzehn noch war war er nicht mehr
Mit einer mitgegangen und dachte
Über das Infektionsrisiko nach
Sie spürt es und lässt von ihm ab
Nun bemüht er sich um sie aber
Sie will nun nicht mehr hat genug
Führt ihn wieder nach draußen
Am Ende allein vor der Tür prägt
Er sich die Hausnummer ein um
Dem armen Ding morgen noch
Wein und Naschereien zu schicken
Wie am Anfang des Kapitels mit dem
Obdachlosen den er retten will aber
Doch lässt weil es nichts bringt er die
Welt ja doch nicht retten kann
Es kommt die starke soziale Ader
Des Arztes durch die aber von der
Lebenserfahrung des Wieners noch in
Vernünftige Bahnen gelenkt wird
jens tuengerthal 2.9.26
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