Mittwoch, 2. September 2026

Lektürentagebuch 1.9.26

Lektürentagebuch 1.9.26 

In Arthur Schnitzlers Traumnovelle 
Will Fridolin noch ins Cafe gehen
Nimmt einen kleinen Umweg dafür 
Durch die Gassen der Leopoldstadt

In Gedanken versunken rempelt ihn 
Ein farbentragender Student an er 
Überlegt kurz ob er Satisfaktion hier
Verlangen sollte aber geht weiter

Erinnert sich an seine Duelle noch
Aus der Studentenzeit der er nie
Mitglied einer Verbindung war aber
Dennoch um Ehre gefochten hatte

Es hat etwas lächerlich vorgestriges
Denke an die südländischen Knaben
Die mit röhrenden Motoren fahren
Gerne ihre Männlichkeit beweisen 

Wie der Schwanzlängenvergleich
Der Männer nach PS oder mit dem
Preis der Armbanduhr noch immer
Alle Seiten lächerlich nur macht

Wie atavistisch ist eine Kultur die
Das noch nötig hat was ist davon
An Entwicklung zu erwarten aber
Wie groß ist die Sehnsucht danach

Wollen Frauen solche Typen oder
Sind jene die das wollen genauso
Hohl wie der Anschein und denke
Die gibt es wohl immer wieder

Dazu passend kommen in den
Nächsten Gassen junge Huren
Die sich um ihn bemühen eine
Zieht ihn seltsam ins Gespräch

Sprach ihn mit Herr Doktor an 
Worauf er fragte woher sie es wisse 
Die nur erwidert hier sei ja jeder ein
Doktor irgendwie also nichts wusste

Er folgt ihr ohne zu wissen warum
Sie entzündet Kerzen in ihrer Stube
Während sie sich auszieht und
Dann auf seinen Schoß setzt

Raten soll er wie alt sie sei die
Junge Hure und der Doktor meint 
Wohl zwanzig sie behauptet siebzehn
Er ist ganz gerührt von ihrer Jugend

Seit Schulzeiten schon also als er
Siebzehn noch war war er nicht mehr
Mit einer mitgegangen und dachte
Über das Infektionsrisiko nach

Sie spürt es und lässt von ihm ab 
Nun bemüht er sich um sie aber
Sie will nun nicht mehr hat genug 
Führt ihn wieder nach draußen

Am Ende allein vor der Tür prägt
Er sich die Hausnummer ein um
Dem armen Ding morgen noch
Wein und Naschereien zu schicken

Wie am Anfang des Kapitels mit dem
Obdachlosen den er retten will aber
Doch lässt weil es nichts bringt er die
Welt ja doch nicht retten kann

Es kommt die starke soziale Ader 
Des Arztes durch die aber von der
Lebenserfahrung des Wieners noch in
Vernünftige Bahnen gelenkt wird

jens tuengerthal 2.9.26



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