Samstag, 26. September 2026

Lektürentagebuch 26.9.26

Lektürentagebuch 26.9.26

Mit Maria Theresias Tod beginnt
Johann Kaspar Riesbeck in seinem 
Dreißigsten Brief eines reisenden 
Franzosen aus der Anderen Bibliothek 

Wir haben also um den 29. November
Des Jahres 1780 noch neun Jahre
Vor der französischen Revolution 
Berichtet Riesbeck was er hier nicht 

Berichten würde das könnte besser
In allen Zeitungen noch nachgelesen
Werden nennt sie zumindest noch
Die beste Mutter bis zum letzten

Der Sohn und Kaiser Joseph II wäre
Nur Sohn gewesen und hätte seine
Mutter beweint also doch nur der
Übliche Mist zu Trauerfällen halt

Obwohl der angebliche Franzose 
Riesbeck hier doch anmerkt welch 
Erleichterung ihr Tod für Joseph
Den aufgeklärten Kaiser wohl war

Darauf erzählt er noch einiges über 
Das Familienleben im kaiserlichen 
Hause so hätte etwa die Kaiserin
Maria Theresias die Freuden des

Ehebettes in vollem Maße genossen 
Aber die Wollust musste bei ihr in den
Schranken von Ehre und Religion 
Bleiben schenkte ihren Kindern Liebe 

Gerne hätte sie viele Enkel gehabt 
Blieb immer ganz Mutter auch die
Ihren erwachsenen Kindern noch
Wo nötig strenge Verweise gab

Auch ihren großen Sohn den Kaiser 
Korrigierte sie weiter auch öffentlich 
Wenn sie es gerade für nötig hielt
Liebte es Briefe der Kinder zu lesen

Alle ihre Kinder wären gut versorgt
Eines war Königin von Frankreich
Die berühmte Marie Antoinette die
Später noch den Kopf leider verlor

Diese mag zwar keine so strenge
Ökonomin wie ihr Bruder der Kaiser
Sein aber zumindest war sie so gut 
Erzogen dass es keinen Anlass

Zur Klage in Frankreich über sie gab 
Was neun Jahre später schon anders
Sich anhörte gegen die Dubarry wäre
Die Königin noch sparsam gewesen

Alle ihre Geistlichen und Bedienten
Scheinen sich nun Geldsorgen zu
Machen ohne ihre Gönnerin die so
Lange großzügige für sie sorgte

Dies nutzt er um vom Zustand der
Länder des Hauses Habsburg-
Lothringen zu berichten das zu den 
Vier ersten europäischen gehört 

Aber immer nur eine mittlere Macht 
Gewesen wäre auch als die Sonne 
In seinem Reich nie unterging was 
Über Karl V gern gesagt wurde 

Dazu brauchten sie die Unterstützung
Von Englands Macht und Hollands 
Geld um bedeutend zu bleiben so
Meinten manche es gliche einer

Umgedrehten Pyramide und neige
Darum entsprechend zum Schwanken
Österreichs Erblande selbst wären 
Nur etwas größer als Frankreich

Dazu komme Ungarn Böhmen und
Vieles noch mehr auch wäre die Natur
Dem Land noch günstiger als sie es
Frankreich je war was fraglich scheint

Bodenschätze und Landwirtschaft
Werden dazu genauso verglichen 
Zwar sei Österreich rein tatsächlich
Wohl in der Menge überlegen aber

Es fehle der Zugang zum Meer wie
Schiffbaren Flüsse die das Land
Erst wirklich wertvoll machten dort
Ungarn sei der wichtigste Teil

Hier fällt Riesbeck auf dass Menschen
Umso weniger tun je mehr sie Natur
Schon ohne Mühe für sie sorgte denn 
Wozu sollte sich dann wer mühen 

Vieles bliebe im reichen Ungarn noch
Ungenutzt und sie wüssten nichts
Von guter Düngung und mehr so 
Liege mehr als die Hälfte brach

Besonders beim Wein sei viel mehr
Möglich wäre nicht der Export so sehr
Beschränkt zugunsten der schlechten
Österreichischen Weine noch

Die Franzosen könnten dafür dem 
Österreichischen Adel dankbar sein
Dass seine unkluge Zollpolitik dem
Französischen Wein einen Markt lässt

Weil die Ungarn ihren guten Wein
Nicht exportieren dürften saufen sie
Selbst viel zuviel davon würden drum 
Selten alt und verfielen auch früh

Kein Land der Welt sei von so vielen
Verschiedenen Menschenarten noch
Bewohnt meint Riesbeck es gäbe dort
Tataren Slawen Ungarn Kumaner

Sekler und Jazygier mit jeweils ganz
Unterschiedlichen Sitten er sieht sie
Als Abkömmlinge der Skythen mit
Einem slawischen Einschlag dazu 

Nichts was einer heute noch ohne
Als rechtsradikal zu gelten schriebe
Wenn er hier von Gattungen schreibt 
Dazu kämen deutsche Kolonisten 

Alle diese bunten Völker von denen
Er nur die deutschen Siedler noch
Ausnimmt seien noch Barbaren also
Ohne jede verfeinerte Kultur noch

Für sie hat die Regierung bisher
Fast nichts getan im Gegenteil
Hat sie deren Sitten weiter verdorben 
Europa erbte dafür den Balkan 

So seien die Kroaten von mutigen 
Soldaten zu tückischen Räubern 
Geworden betrügerisch feige auch
Wenn schon immer diebische dabei

Viele Kroaten liefen heute auch zu
Den Türken schon über um dann
Das eigene Vaterland zu plündern
Ebenso Slawonier und Ungarn

Das Volk müsse die Regeln erst 
Langsam einsehen was viel mehr
Geduld noch bräuchte sonst werden
Sie zu mürrischen tückischen Sklaven

Der Wilde dem nur eine Polizei noch
Vorgesetzt würde nehme nur die
Laster an vor denen sie ihn doch
Schützen sollte noch wird grausam

Allein die Religion meint Riesbeck
Könne Wilde verfeinern was aber 
Eine contra dictio ist weil Religion
Schlichter atavistischer Brauch ist

Genau der Aberglaube egal welchen
Namen er trägt demoralisiert doch die
Menschen nur weil sie nicht mehr 
Dem kategorischen Imperativ folgen

Aber auch Riesbeck meint Einsicht
Erst macht den Untertan dauerhaft
Gehorsam und willig aber er hatte
Den Kant wohl noch nicht gelesen

Bei Wilden trete die Religion dann 
An die Stelle der Überzeugung
Doch genau diese Grundsätze hätte 
Die Regierung in Ungarn verfehlt

Spannend wie Riesbeck auf die vielen
Völker Österreichs blickt und dies in 
Einer Weise formuliert die heute wohl
Als rassistisch verpönt wären 

Denke an meine Erfahrungen mit
Balkanesinnen und dem was
Thomas Mann Slawinnen nannte
Die intensiv und nah auch waren 

Schweige aber dazu lieber nicht
Wie Riesbeck den Stereotypen 
Des Rassismus zu verfallen und
Staune leise vor mich hin

jens tuengerthal 26.9.26

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