Lektürentagebuch 6.9.26
Am Sonntag sitzen die Generalin
Wie ihre Tochter Frau von Buttlär in
Wellen des Eduard von Keyserling auf
Der Düne und lesen Andachtsbücher
Das Meer war ruhig dann blieben ihre
Augen an zwei Figuren davor hängen
Doralice im Sommerkleid mit Rosen
Von Lolo im Gürtel unterm Schirm
Neben ihr ging Baron Buttlär der
Ganz lebhaft mit ihr sprach alles
An ihm drückte Liebenswürdigkeit aus
Frau von Buttlär schlug auf ihr Buch
Da haben wir’s meinte sie und die
Generalin sagte er habe es eilig mit
Dem Dank worüber sich ihre Tochter
Aufregt fragt was er von ihr will
Nichts beruhigte sie ihre Mutter er
Kann halt das kokettieren nicht lassen
Es sei immer dieselbe Geschichte
Wenn ihr heiratet wollt ihr gerne
Hübsche Männer haben aber so einer
Konserviere sich länger als sie der
Bringt keine Kinder zur Welt er schont
Sich mehr da dauert die Lust länger
Worauf die Tochter protestiert weil die
Ehe doch zu heilig wäre dass so was
In Betracht käme was die Generalin
Mit großer Weisheit abbügelt denn
Die Ehe sei vielleicht heilig aber ihre
Männer wären es nicht und es würde
Ja immer bunter da es kamen noch
Lolo und Hilmar dazu wie von der
Anderen Seite kamen Hans Grill
Und der Geheimrat und standen nun
Alle hübsch im grellen Sonnenschein
Beieinander in ganz hellen Farben
Als die Baronin ihre Mutter kläglich
Fragt was sie da machen solle meint
Die Generalin die Führung behalten
Sie müsse mit ihr in ein Verhältnis
Kommen denn alles Verbotene mache
Die Männer wie toll kennen wir diese
Dame erst verliert sie ihren Reiz was
Die Baronin nie zu können meinte
Sei sie nicht eine geplagte Frau fragt
Die Tochter ihre Mutter erst all die
Gouvernanten und nun diese während
Die Gruppe sich unten nun auflöst
Als der Baron kommt schweigt sie
Und sieht auf ihr Buch während der
Baron gezwungen heiter spricht nun
Habe er das Unglück kennengelernt
Hier sei es ja unvermeidlich sich zu
Begegnen nun gäbe es zumindest
Ein Verhältnis auf neutralem Boden
Sie fragt nur ob es heute denn keine
Andacht gäbe doch versicherte er
Ihr sei es schon Zeit fragte er und
Die Familie ging und versammelte
Sich im Wohnzimmer wo der Baron
Eine Predigt vorlas der die Baronin
Unter Tränen folgte wie allgemein
Dabei bemerkt wurde beim folgenden
Mittagessen blieb die Stimmung dann
Eher gedrückt düster der Baron ist
Dabei um eine Unterhaltung über
Literatur mit Fräulein von Bork bemüht
Verurteilt dabei den Realismus
Kunst solle doch erfreuen denn das
Leben war gewiss nicht heiter genug
Einfach abfotografiert zu werden doch
Da seine Frau dabei wieder seufzte
Wechselte er schnell das Thema und
Sprach vom Kaiser anstatt und der
Nachmittag war wieder sehr heiß und
Der Baron schlief hinter der Zeitung
Auf der Veranda ging das Brautpaar
Dabei auf und ab und Hilmar meint
Er wäre wie gelähmt was Lolo darauf
Verspottet und lehrte sie Pikett spielen
Am Abend wurde es wieder lebhafter
Die Baronin sagte zu ihrem Mann
Reich mir deinen Arm Buttlär gehen
Wir den Sonnenuntergang bewundern
Alle mussten mitkommen und die
Familie lief paarweise zum Strand
Worauf die Generalin ihre Tochter
Lobte dass sie nun Führung behielt
Am nächsten Morgen kommt Hilmar
Erhitzt mit sprühenden Augen zum
Frühstück und erzählt von den
Fischern die er kennengelernt hatte
Habe den Maler gesehen und auch
Doralice die gerade baden ging auch
Exzellenz Knospelius habe er noch
Gesprochen sei sehr interessant
Dieser wolle ein Fest geben eine
Italienische Nacht sein Diener der
Ein ernster Wiedertäufer sei klebe
Gerade die Papierlaternen dazu
Er sei sehr brauchbar für alles
Was er unsere Sünden nennt worauf
Lolo meint wenn er so viel auf das
Meer hinausfahre werde sie wohl
Auf der Düne sitzen und ihm
Nachschauen doch er meint das sei
Nur für die Zwischenzeiten in denen
Er sie langweile nur dann segle er
Es stünde ja auch schon in der
Bibel dass die Frau zu Hause bleibt
Und der Mann vor den Toren dann
Berühmt sei dieses Tor aber merkt
Dazu die Generalin an solle sie sich
Gut merken es wird in ihrer Ehe noch
Oft auftauchen und Wedig will mit
Aber seine Mutter untersagt es sofort
Darauf bekommt der zarte Knabe
Einen leidenschaftlichen Anfall und
Seine Augen füllten sich mit Tränen
Nie dürfe er etwas worauf er dann
Von seiner Mutter aufs Zimmer
Geschickt wird und geht dann ganz
Steifbeinig vor Trotz hinaus worüber
Seine Mutter klagt sie wisse nicht
Woher ihre Kinder alle so überspannt
Wären in ihrem Wesen worauf ihr
Mann meint die Genialität hätten sie
Jedenfalls eindeutig von ihr
Die darüber lachende Generalin meint
Es sei das Wetter was sie alle so
Genial mache zum Glück falle das
Barometer ja nun auch ein wenig
Sehr fein beobachtet und beschreibt
Keyserling hier die kleine Szene mit
Spannungen zwischen den Paaren
Wie eine Geschichte der Lieben
jens tuengerthal 6.9.26
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