Montag, 7. September 2026

Lektürentagebuch 6.9.26

Lektürentagebuch 6.9.26

Am Sonntag sitzen die Generalin
Wie ihre Tochter Frau von Buttlär in
Wellen des Eduard von Keyserling auf
Der Düne und lesen Andachtsbücher

Das Meer war ruhig dann blieben ihre
Augen an zwei Figuren davor hängen 
Doralice im Sommerkleid mit Rosen 
Von Lolo im Gürtel unterm Schirm

Neben ihr ging Baron Buttlär der
Ganz lebhaft mit ihr sprach alles 
An ihm drückte Liebenswürdigkeit aus
Frau von Buttlär schlug auf ihr Buch

Da haben wir’s meinte sie und die
Generalin sagte er habe es eilig mit
Dem Dank worüber sich ihre Tochter
Aufregt fragt was er von ihr will

Nichts beruhigte sie ihre Mutter er 
Kann halt das kokettieren nicht lassen 
Es sei immer dieselbe Geschichte
Wenn ihr heiratet wollt ihr gerne

Hübsche Männer haben aber so einer
Konserviere sich länger als sie der 
Bringt keine Kinder zur Welt er schont
Sich mehr da dauert die Lust länger 

Worauf die Tochter protestiert weil die
Ehe doch zu heilig wäre dass so was
In Betracht käme was die Generalin
Mit großer Weisheit abbügelt denn 

Die Ehe sei vielleicht heilig aber ihre
Männer wären es nicht und es würde 
Ja immer bunter da es kamen noch
Lolo und Hilmar dazu wie von der

Anderen Seite kamen Hans Grill
Und der Geheimrat und standen nun
Alle hübsch im grellen Sonnenschein
Beieinander in ganz hellen Farben 

Als die Baronin ihre Mutter kläglich
Fragt was sie da machen solle meint
Die Generalin die Führung behalten
Sie müsse mit ihr in ein Verhältnis 

Kommen denn alles Verbotene mache 
Die Männer wie toll kennen wir diese
Dame erst verliert sie ihren Reiz was
Die Baronin nie zu können meinte

Sei sie nicht eine geplagte Frau fragt
Die Tochter ihre Mutter erst all die 
Gouvernanten und nun diese während
Die Gruppe sich unten nun auflöst

Als der Baron kommt schweigt sie
Und sieht auf ihr Buch während der
Baron gezwungen heiter spricht nun
Habe er das Unglück kennengelernt

Hier sei es ja unvermeidlich sich zu
Begegnen nun gäbe es zumindest
Ein Verhältnis auf neutralem Boden
Sie fragt nur ob es heute denn keine

Andacht gäbe doch versicherte er
Ihr sei es schon Zeit fragte er und
Die Familie ging und versammelte 
Sich im Wohnzimmer wo der Baron 

Eine Predigt vorlas der die Baronin
Unter Tränen folgte wie allgemein 
Dabei bemerkt wurde beim folgenden
Mittagessen blieb die Stimmung dann

Eher gedrückt düster der Baron ist
Dabei um eine Unterhaltung über
Literatur mit Fräulein von Bork bemüht
Verurteilt dabei den Realismus

Kunst solle doch erfreuen denn das
Leben war gewiss nicht heiter genug 
Einfach abfotografiert zu werden doch 
Da seine Frau dabei wieder seufzte

Wechselte er schnell das Thema und
Sprach vom Kaiser anstatt und der
Nachmittag war wieder sehr heiß und
Der Baron schlief hinter der Zeitung

Auf der Veranda ging das Brautpaar
Dabei auf und ab und Hilmar meint
Er wäre wie gelähmt was Lolo darauf
Verspottet und lehrte sie Pikett spielen

Am Abend wurde es wieder lebhafter 
Die Baronin sagte zu ihrem Mann
Reich mir deinen Arm Buttlär gehen
Wir den Sonnenuntergang bewundern

Alle mussten mitkommen und die
Familie lief paarweise zum Strand
Worauf die Generalin ihre Tochter
Lobte dass sie nun Führung behielt

Am nächsten Morgen kommt Hilmar
Erhitzt mit sprühenden Augen zum
Frühstück und erzählt von den 
Fischern die er kennengelernt hatte

Habe den Maler gesehen und auch
Doralice die gerade baden ging auch
Exzellenz Knospelius habe er noch
Gesprochen sei sehr interessant

Dieser wolle ein Fest geben eine
Italienische Nacht sein Diener der
Ein ernster Wiedertäufer sei klebe
Gerade die Papierlaternen dazu 

Er sei sehr brauchbar für alles 
Was er unsere Sünden nennt worauf
Lolo meint wenn er so viel auf das 
Meer hinausfahre werde sie wohl

Auf der Düne sitzen und ihm
Nachschauen doch er meint das sei
Nur für die Zwischenzeiten in denen
Er sie langweile nur dann segle er

Es stünde ja auch schon in der
Bibel dass die Frau zu Hause bleibt
Und der Mann vor den Toren dann
Berühmt sei dieses Tor aber merkt

Dazu die Generalin an solle sie sich 
Gut merken es wird in ihrer Ehe noch
Oft auftauchen und Wedig will mit 
Aber seine Mutter untersagt es sofort

Darauf bekommt der zarte Knabe
Einen leidenschaftlichen Anfall und 
Seine Augen füllten sich mit Tränen
Nie dürfe er etwas worauf er dann

Von seiner Mutter aufs Zimmer
Geschickt wird und geht dann ganz
Steifbeinig vor Trotz hinaus worüber 
Seine Mutter klagt sie wisse nicht

Woher ihre Kinder alle so überspannt
Wären in ihrem Wesen worauf ihr
Mann meint die Genialität hätten sie 
Jedenfalls eindeutig von ihr

Die darüber lachende Generalin meint
Es sei das Wetter was sie alle so
Genial mache zum Glück falle das
Barometer ja nun auch ein wenig

Sehr fein beobachtet und beschreibt
Keyserling hier die kleine Szene mit
Spannungen zwischen den Paaren 
Wie eine Geschichte der Lieben

jens tuengerthal 6.9.26

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