Lektürentagebuch 16.9.26
Schon in der Nacht nach drei Uhr
In Wellen gelesen und noch das
Dreizehnte Kapitel vollendet das
Mit Tee im Bett wunderbar beginnt
Der feine elegante Stil eines
Eduard von Keyserling wird bei
Diesen Details aus dem Leben
Seiner Protagonisten deutlich
Agnes berichtet vom Gespräch mit
Hans und vom Besuch von Hilmar
Den sie jungen Herr vom Bullenkrug
Dabei nennt der sie sprechen wollte
Doralice erteilt Agnes die Anweisung
Sie sei für ihn nie mehr zu sprechen
Was diese sogleich umsetzt worauf
Der Baron zum Strand hinab geht
Der Rest aus dem Bullenkrug reist
Nun wie erwartet ab Musikanten
Spielen vor der Tür und Doralice
Genießt es dazu tanzend noch
Dann werden sie angewiesen
Still zu sein und weiter zu ziehen
Weil die Gnädigste Migräne hatte
Traurig geht Doralice hinein
In der Kate ist ihr kalt darum
Geht sie raus auf eine Bank um
Sich neben der alten Wardein
Etwas in die Sonne zu setzen
Hans kommt den Weg hinauf und
Grüßt freundlich sie geht mit ihm
Hält sein einfach Schweigen nicht
Lange aus fordert ihn auf zu reden
Was solle er noch sagen meint er
Sie hätte den einen verlassen dafür
Ihn genommen und vielleicht aber
Verließ sie ihn dann auch wieder
Darüber empört sich die Gräfin nun
Frau Grill sie brauche keinen der
Vor ihr knie unter Tränen worauf
Hans ihre Wange zart streichelt
Nun plötzlich fühlt sich Doralice
Geborgen und sicher an der Seite
Von Hans ohne weitere Gründe
Seine Nähe gab ihr Geborgenheit
So endet die Aufregung harmonisch
Die inneren Schwankungen auch der
Gräfin zwischen ihren Männern fand
Ende in harmonischer Geborgenheit
Dafür gibt es keine weiteren Gründe
Als die zufällige Tiefe ihres Gefühls
Das sie eben noch schwanken ließ
Vielleicht braucht Schönheit dies
Ein vornehmer Hof heißt das Kapitel
Im Abschnitt zu Giovannis Sohn das
Der Geburt folgt und beschreibt den
Palast von Herzog de Montefeltro
Dieser in Urbino war der modernste
Palazzo Italiens mit seinen Türmen
Vollendeten Rundbögen und inneren
Höfen die von Säulen umstanden
Lorenzo der Prächtige aus Florenz
Hatte um den Bauplan gebeten wie
Auch der Herzog von Mantua aber
Keiner schaffte es diese idealen
Lichtverhältnisse ganz zu imitieren
Das Licht durchflutete den ganzen
Palazzo in dessen Nachbarschaft
Raffael gerade geboren wurde
Dabei half noch der Stein aus Cesena
Der elfenbeinfarben nach seiner Natur
Wie Alabaster geschliffen sein kann
Was die dort Reliefs noch betonte
Der Palazzo der sich an den Hügel
Schmiegte hatte die ganze Stadt in
Einen Hof verwandelt obwohl Urbino
Nur eine Kleinstadt eigentlich war
Es war der Hof des da berühmten
Fürsten Federico da Montefeltro
Der sein durch Verletzungen völlig
Entstelltes Gesicht so stolz trug
Dass die Narben zu einem Attribut
Seiner Würde wurden sein Verdienst
Als Heerführer verwandte er für den
Unverhältnismäßig prächtigen Palast
Er erinnerte an antike Architektur
Suchte aber noch nach eigenen
Regeln die Raffael später in Rom
Noch weiter ergründen sollte
Der Herzog hatte die wohl beste
Bibliothek von Italien die mit alten
Griechischen lateinischen und auch
Hebräischen Handschriften gefüllt war
Federico war mit einer Sforza also
Einer der ersten Familien verheiratet
Hatte einem prächtigen Festsaal der
Mit Details hier beschrieben wird
Doch Federico versammelte auch
Gelehrte und Künstler um sich an
Seinem so kultivierten Hof über den
Giovanni Santi eine Reimchronik
Verfasste in der er Federicos Palazzo
Nicht menschlich sondern göttlich
Nennt die Tugend und Eleganz des
Hofes als lebendiges Portrait gab
Mit großer Klarsicht beurteilt er dort
Die besten Künstler seiner Zeit er
Urteilt scharf und treffend wie es
Vasari 60 Jahre später auch tat
Er erzählt von herrlichen Werken von
Masaccio Lippi Botticelli Leonardo da
Vinci bis van der Weyden und auch
Jan van Eyck wie die Bellinis dazu
Sein malerisches Idol war Mantegna
Also auf der Höhe der Zeit auch war
Belesen philosophisch gebildet auch
Die Pädagogik aufmerksam verfolgte
Erzieher Frederico de Montefeltros
War Vittorino da Feltre der als der
Fortschrittlichste Erzieher Italiens galt
Sich um antike Ideale bemühte
Dabei folgte er der Natur für ein
Harmonisches Gleichgewicht das den
Kindern ermöglichte ihre Fähigkeiten
Unterschiedlich zu entwickeln
Seine in Mantua gegründete Schule
Legte Wert auf einfache Ernährung
Körperliche Ertüchtigung Spiel und
Lebensfreude warum seine Schule
Auch la Giocosa die Heitere genannt
Er brachte ganz neue Aspekte die das
Wohl des Kindes berücksichtigen in
Die Erziehung mit ein die später auch
Dem jungen Raffael zugute kamen
Der auch lange von seiner Mutter
Statt von einer Amme wie damals
Üblich darum gestillt wurde ob das
Zur von Hingabe und Glück später
Gekennzeichneten Weiblichkeit in
Seinem Werk beitrug scheint mir
Eher gewagt meint aber Forcellino
Über Raffaels Mutter wissen wir
Wenig da Frauen keine Rolle in
Zeitgenössischen Biographien spielen
Es lässt sich allerdings vermuten
Nach der Höhe ihrer Mitgift dass sie
Aus gehobenen Verhältnissen kam
Sie machte eine gute Figur bei Hofe
Trug bei Hofe schwarz und rot was
An italienischen Höfen als Symbol
Höchster Eleganz galt vorbehalten
Für jene die im Vordergrund standen
Aber noch kein Gold tragen durften
Dies war Adel und Prälaten noch
Vorbehalten wie beliebt Magia bei
Hofe war schließt Forcellino daraus
Wieviel Wachs ihr Mann anlässlich
Ihrer Beerdigung der Kirche bezahlt
Im Jahre 1491 was 14 Pfund waren
Damit acht mehr als für seine Mutter
Was ein deutliches Zeichen wäre
Das Leben in dem Hause in der
Via Santa Margherita war wohl
Sehr angenehm und Giovanni
War am Hof ersten Ranges schon
Er schrieb noch eine viel beachtete
Komödie die zur Hochzeit des Sohnes
Des Herzogs aufgeführt wurde er war
Auch für Portraits bei Hof zuständig
Sein Bild wurde durch Vasari getrübt
Der den Vater Raffaels herabwürdigte
Um den einmaligen Sohn noch zu
Betonen was lange den Blick trübte
Heute ist klar und anerkannt wie
Sehr das Genie des Vaters und
Seine vielfältige Bildung den Sohn
Wie seinen Erfolg auch prägten
Spannend ist wie kritisch Forcellino
Vasari betrachtet um dafür das Bild
Von Giovanni Santi zu korrigieren
Den Vater des genialen Sohnes
Dadurch steht Raffael eher in einer
Wenn auch kleinstädtischen dennoch
Gebildeten wie wohlhabenden Kultur
Der Renaissance in Italien ist damit
Kein überraschend einmaliges Genie
Auch wenn sicher hochbegabt doch
Teil wohlhabender Hochkultur die
Bewusst ihre Kinder auch bildete
Es ist spannend Raffael als Teil einer
Bürgerlichen Bildungskultur in der
Provinz zu sehen die seine Basis
Als Künstler damit auch legte
Manches erinnert an Montaigne der
Durch seinen Vater aber 60 Jahre
Später in Frankreich eine ähnliche
Erziehung im Geist der Renaissance
Genießen durfte die das Fundament
Seiner großen literarischen Bildung
So sehr war wie ihn als Philosophien
Und Autor damit auch noch prägte
Dieser Blick auf das humanistische
Ideal der bürgerlichen Bildung das
Die Renaissance mehr prägte als
Einzelne romantische Genies je
Gefällt mir sehr und passt eher
Zu großer Kunst die sich über
Generationen erst dazu entwickelt
Was das plötzliche Genie nie hat
jens tuengerthal 16.9.26
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen