Dienstag, 29. September 2026

Lektürentagebuch 29.9.26

Lektürentagebuch 29.9.26

Drei Bände der Anderen Bibliothek
Durfte ich mir zum Geburtstag gönnen 
Die sich beim kleinen Antiquar in der
Prenzlauer Allee für mich fanden 

Auf dem Weg zum Einkaufen ging ich
An dem winzigen Laden vorbei der bis
Obehin mit Büchern vollgestopft ist
Die ich gleich heute zu lesen begann


Als erstes Vladimir Jabotinskys
Roman Die Fünf als Buddenbrooks 
Aus dem jüdischen Odessa vom
Untergang der bürgerlichen Welt 

Der Autor ein brillanter Feuilletonist
Wie Mitbegründer der zionistischen 
Bewegung unternimmt eine imaginär
Romanhafte Reise nach Odessa

Die Stadt in der er 1880 geboren
Wurde und in der er Kindheit wie
Seine jungen Jahre verbrachte bis
Die Revolution alles zerstörte

Die Fünf ist eine elegische Erinnerung
Verkörpert in den fünf Geschwistern 
Der Familie Milgrom die in den Wirren
Der Revolution aufwachsen 

Er spielt zu Beginn des Jahrhunderts
In denen ein neues gesellschaftliches
Wie staatliches Erwachen begann das
Mit den fünf Kindern verbunden ist

Es sind Marussja Marko Lika Serjosha
Und Torik einen Teil erlebte er und
Einen anderen bekam er berichtet
Oder dichtete ihn wo nötig dazu 

Odessa damals eine russische Stadt
Der Autor verbürgt sich für seine
Geschichte und die Lebensläufe
Weil er Kinder und Mutter gern hatte 

Er sei ein Sohn der Zeit in der sie
Alles hatten Elend und Glanz dabei
Kennt er Schmutz und Licht sei ihr
Sohn und liebe auch ihre Schatten

Kapitel 1 trägt den Titel die Jugend
Erzählt wie er Frau Milgrom und ihre
Älteste Tochter erstmal im Theater
Sah und die Rothaarige beobachtete

Wie ihn ein Zeitungskollege auf die
Kleine Jüdin aufmerksam machte
Die wie ein Kätzchen im Muff wäre
Aus ihren roten Haaren so schaute 

Er entdeckte die kleine Rothaarige
In der zweiten Pause in einer Gruppe
Von Studenten sie mochte 19 sein 
War vollblütig wunderbar gebaut

Sie zeigte gewagt Ausschnitt und
Was er hörte bestätige den ersten
Eindruck noch und meinte von sich
Es gäbe bald keinen Studenten mehr

Der sich rühmen könnte sie noch nie
Geküsst zu haben mehr hörte er nicht
Die Vorstellung endete grandios mit
Einem begeisterten Sturm des Parkett 

Marussja war außer sich vor Glück
Zeigte ihrer Mutter ihre engsten 20
Freunde unter den Studenten die
Das Parkett gestürmt hatten 

Jabotinsky erzählt wunderbar bunt
Mit sinnlichen Andeutungen und lässt
Die studentische Welt im Theater
Damit ganz frisch lebendig werden 


Das Handbuch des Aufsteigers
Schrieb der 1829 geborene Maurice
Joly im Gefängnis der für seine
Politische Abrechnung berühmt wurde 

Sein Handbuch ist ein Ratgeber voll
Scharfsinn Ironie und Zynismus geht
Davon aus dass die Gesellschaft in
Einem ständigen Kriegszustand lebt

Dieser werde durch Gesetze geregelt
Was er in der Einleitung in der dazu 
Politischen und sozialen Theorie des 
Buches mit viel Ironie begründet

Seine Motivation hat er vorher schon
Mit kursiv gedruckten Worten an die
Herren der Académie Francaise mit
Viel Witz erklärt es bräuchte es nun

In der Einleitung begründet er zuerst
Die der Gleichheit entgegengesetzten 
Instinkte also Stolz Neid Egoismus
Intoleranz Genusssucht Machtgier 

Sie hoffen auf Gleichheit weil sie sich
Mit ihr über andere erheben wollen
So seien Revolutionen Explosionen 
Von Bedürfnissen und Interessen

In denen Leidenschaft noch vor den 
Prinzipien wirken daraus folgert er
Eine Definition der Gesellschaft die
Ein Krieg sei den Gesetze regeln 

So bestünde die öffentliche Ordnung
Nur zum Schein in Wirklichkeit sei 
An der Basis ständig Krieg dabei
Bringe es wer im Leben zu etwas

Der seinen Interessen und auch
Leidenschaften folge seine Eigenart
Damit zur Geltung bringt auf die jedes 
Individuum ein Anrecht habe 

Die Gesetze regeln dabei alleine die
Kampfbedingungen und die Waffen 
Woraus eine Welt der Intrigen entsteht
Die für Kenner Verfahrenskunst sind

Ein ständiger Kampf aller gegen alle
In dem sich die Ehrgeizigen bemühen
Das gab es schon immer aber die
Moderne beginnt unter unbekannten 

Bedingungen neu es hält dabei kein
Klassenunterschied noch in 
Schranken alle sind in die Arena
Berufen in der sie nun kämpfen

Nichts hält finstere Gesellen auf die
Außer Ehrgeiz noch Genie besitzen 
Doch wie lässt sich das Gleichgewicht 
Ohne einen Bürgerkrieg noch halten

Was hält die Massen noch im Zaum 
Wie ertragen sie das alles hilft die 
Religion oder Philosophie Gefühl
Der Zügel der Gesetze ganz allein

Was können die wenigen die mit
Gesetzen ihr Eigentum schützen
Gegen die Masse der Entrechteten
Noch tun erhöben diese sich je

Aber nichts regt sich und wenn
Kehrt alles bald zur Ordnung zurück
Falls diese gestört wurde doch 
Warum ist ein Geheimnis noch

Gleichheit hält fast keine von ihren 
Versprechungen wurde sie erst per
Gesetz verkündet siehst du dich der
Ungleichheit der Kräfte gegenüber

Unterschiede an Herkunft wie an 
Fähigkeiten bestehen und schaffen
Neue Privilegien und Barrieren so
Unüberwindbar wie Klassen früher

So muss es Kräfte geben dass die
Menschen einander ertragen und
Sich unterordnen alles wird durch
Macht untereinander geregelt

Durch Unterordnung bekommen
Die Menschen ihren festen Platz
In der Ordnung die sich nach den 
Privilegien untereinander verteilt

Das Leben als eine Lotterie mit nur 
Beschränkten Gewinnen wer gewinnt
Schaltet die anderen aus es bleibt
Stets erbarmungslos noch dabei

Gehalten nur durch den Zügel der
Gesetze sehen wir eine Rückkehr
Zur Gewalt und Freiheit der Natur
Alle suchen im beschränkten Raum

Dabei ihren Platz zu finden und
Müssen die anderen ausstechen 
Wer nicht stark genug ist und sich
Nicht über die Masse erheben kann

Muss ersticken im Gewimmel dabei
Wird alles Schwache unterdrückt so
Will es das Gesetz des Kampfes was
Das Fatum moderner Zeiten sei 

Wer fällt wird unter den Füßen der
Anderen wertlos ein Kadaver der vom
Schlachtfeld zu verschwinden hat es
Zählt Aufsteigen und erfolgreich sein

Aufsteigen und erfolgreich sein erklärt
Eine ganze Zivilisation es geht nur 
Darum zu erforschen wie das möglich
Gemacht werden kann daraus folgen

Drei Punkte wer das Leben meistert
Wäre dumm es anderen zu zeigen 
Wer besser beobachtet ist erfolglos 
Wer es begreift muss es nicht nutzen


Der nächste Band der geliebten 
Anderen Bibliothek ist von Jack El-Hai
Der aufgrund von Dokumenten die
Begegnung der amerikanischen

Militärpsychiater mit der Elite des
Nazirgimes beschreibt unter ihnen
Auch Hermann Göring von dessen
Verhaftung zuerst berichtet wird 

In Vorbereitung der spätereren
Nürnberger Prozesse vor dem
Internationalen Militärgerichtshof 
Untersuchten amerikanische Ärzte

Die inhaftierten Nationalsozialisten
Auf ihre physische und psychische
Verfassung dabei war Göring die
Dominante Figur unter ihnen

Sie faszinierte den leitenden
Armeepsychiater Douglas M Kelley
Der über die Nazipsychen das Böse 
Im Menschen erforschen wollte

So wollten sie es in Zukunft bannen
Göring entzog sich der Hinrichtung
Durch eine versteckte Zyankalikapsel
Sein Psychiater machte es genauso

Nur wölf Jahre später dann vor
Augen seiner ihn fürchtenden Familie
Und mit dessen letzten Momenten
Davor beginnt das Buch rätselhaft

In diesem ersten Kapitel Das Haus
Wird das Haus des Psychiaters im
Norden von Berkeley in Kalifornien 
Sehr fein noch beschrieben

Im zweiten Kapitel unter dem Titel
Mondorf-les Bains wird die Verhaftung 
Von Göring beschrieben der noch
Davon ausging frei zu kommen

Auf ein Bündnis mit den Amerikanern
Dabei setzte wollte ihn doch Hitler
Kurz vor Kriegsende noch umbringen 
War er sich der Wirklichkeit nicht klar

Er ließ sich Champagner bringen und
Wie ein hochrangiger Staatsmann
Noch behandeln der er glaubte noch
Zu sein und posierte für Bilder

Der Flug nach Nürnberg mit dem
Offizier Bo Forster allein verlief
Erstaunlich zivil Göring hätte sich
Wie ein guter Offizier dabei verhalten 

Denke an meinen Urgroßvater der
Görings Flugzeug nach dem Absturz
Des roten Baron Richthofen den er
Vorher betreute warten musste

Dieser Kontakt hat ihn einmal
Aus der Nazi-Haft befreit in die
Er geriet weil er seinen jüdischen
Bankier bei dessen Abführung

Höflich wie immer gegrüßt hatte
Sagt die Familiensage die vom
Widerstand gegen Nazis lieber 
Erzählte als von Göring noch

jens tuengerthal 29.9.26

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen