Samstag, 5. September 2026

Lektürentagebuch 4.9.26

Lektürentagebuch 4.9.26

In Wellen von Eduard von Keyserling 
Kamen die Herren im Bullenkrug an 
Worauf Ernestine meinte nun würde 
Das Leben ganz freiherrlich bei ihnen

Die große Tafel auf der Veranda ist
Ganz feierlich gedeckt worden und
Die Generalin prüft alles aufgeregt
Ob ihr Schwiegersohn auch genug

Eis für seine Erdbeerbowle bekommt
Ob die Spargel auch weich genug
Sein werden sie kenne doch ihren 
Schwiegersohn fragt sie Malwine

Fräulein Malwine Bork lächelt ihr
Geheimnisvoll zerstreutes Lächeln
Meint die Spargel werden himmlisch
Sein und dann kamen alle zur Tafel

Baron Buttlär saß zwischen seiner
Schwiegermutter und seiner Frau
Strich behaglich dabei über seinen 
Langen blonden Schnurrbart noch

Erzählte  Geschichten von ganz
Allgemeinem Interesse für die sich
Frau von Buttlär sehr interessierte
Die eingefallenen Wangen gerötet

Fast wurde sie dabei etwas kokett
Unten am Tisch saß die Jugend
Leutnant Hilmar der Verlobte von
Lolo erzählte auch Geschichten 

Über diese lachten Wedig und Nini
So laut dass ihre Mutter nun streng 
Aber Kinder rief dabei war Hilmar
Schlank im hellen Sommeranzug

Er sah fast wie ein Knabe aus nur 
Wie ein auffallend hübscher dabei
Mit dichtem schwarzen Haar von dem
Eine Locke aus dem sonst strengen

Leutnantsscheitel fiel wie bei einem
Neapolitanischen Burschen die ganz
Regelmäßigen Züge des bräunlichen
Gesichts hatten etwas scharfes dabei

Wie es sich bei alten Rassen schreibt
Keyserling hier zuweilen noch findet
Seine dunklen Augen waren lebhaft
Manchmal sprühte etwas in ihnen

Keine Disziplin in den Augen hatte
Der Onkel General von dem Hamm 
Dazu gesagt aber als die Bowle kam
Wurde der Baron ganz der Genießer 

Zündete sich eine Havanna an trank 
Einen Schluck sah über das Meer und
Sagte Mondschein und Meer da kann
Ja müsse man gefühlvoll werden

Das Meer mache immer Eindruck
Die Unendlichkeit sei eben die
Unendlichkeit worauf alle schwiegen
Sinnend auf das Meer sahen doch 

Dann lenkte Frau von Buttlär das
Gespräch wieder auf ihr Gut zurück
Ihr Vieh ihre Milchmädchen ihre
Hühner und auch ihre Butter noch

Immer wieder kehrten ihre Gedanken
Zu der fetten Wohlhabenheit zurück
Welch wunderbare Karikatur kommt
Hier ganz liebevoll gezeichnet dabei

Die Jugend wurde unruhig Nini und
Wedig wollten auf die Düne gehen
Taten dabei geheimnisvoll denn sie
Hatten eine neue Beschäftigung

Jeden Abend machten sie Jagd
Auf die Gräfin wie sie es nannten
Versuchten Doralice zu begegnen
Auch das Brautpaar ging zum Meer

Hilmar meinte er müsse nun Steine
Springen lassen und erst wenn er
Ihm ein Dutzend ins Gesicht warf
Bekomme er ein Verhältnis zu ihm

Der hätte keine Ruh muss immer was
Vorhaben meint der Baron und schaut
Wohlwollend hinterher während die
Baronin ihre Sorge darüber ausdrückt 

Hitzig sei er bestätigt der Baron
Er reite gut und anfangs auch
Vernünftig aber dann kriegt er die
Leidenschaft und das Pferd mit

Fräulein Bork meint darauf mit
Verträumter Stimme sie könnte 
Sich gut vorstellen dass der Herr
Leutnant seine Leidenschaft auch

Anderen mitteilt worauf die Generalin
Sie zurechtwies es sei von Pferden
Die Rede warum die Baronin ihm
Verboten hätte Pferde oder Autos

Mit in den Urlaub zu bringen und
Wenn er segelt führe Lolo nicht mit
Solange sie über das Kind wache 
Soll er sie noch nicht umbringen

Worauf der Baron gutgelaunt seine 
Schwiegermutter fragt ob sie auch
Das Gefühl gehabt hätte sie einen 
Abgrund hinab zu stürzen

Abgrund vielleicht nicht meint die
Generalin darauf aber dass ich sie
Auf einen Ballon setzte bei dem man
Nicht weiß wohin der Wind ihn treibt 

Worauf der Baron meint aber doch
Ein sehr lenkbarer Ballon was seine
Frau auch wisse und lachte vielleicht
Etwas zu laut über seinen guten Witz 

Es tat ihm gut das geistvolle Haupt
Der Familie zu sein das Heiterkeit
Verbreitet während Malwine meinte 
Sie fände den Leutnant herrlich 

Er sei wie der Page in dem Lied 
Der auf die Königstochter wartet
Vom Stamme jener Asra welche
Sterben wenn sie lieben damit

Zitiert sie aus dem Gedicht Der Asra
Von Heinrich Heine leicht verändert
Gibt sich also bildungsbürgerlich was
Für die Generalin wieder ein Grund

Zur Aufregung ist was Asra sein soll
Die Hamms stürben nicht wenn sie
Lieben die kenne sie und sie sollte
Solch Zeug nicht vor Lolo erzählen 

Die neigen ohnehin schon zur 
Überspanntheit worauf die Baronin
Die Geschichte von Doralice erzählt
Vom Kuss und der Sandbank 

Der sie die ganze Nacht nicht mehr
Schlafen ließ was er dazu sage
Woraufhin der Baron ernst wird 
Die Gräfin Köhne sei schon eine

Superbe Frau aber böse Geschichte
Der Graf hatte einen Schlaganfall sehr
Traurig seine Schwester pflege ihm
Gesellschaftlich komme sie natürlich

Nicht mehr in Betracht aber sie erwies
Ihnen einen Dienst er werde ihr bei 
Gelegenheit noch dafür danken was 
Seine Frau nicht verstehen will 

Der Baron besteht auf Höflichkeit aber
Die erregte Baronin meinte nur diese
Frau sei als eine schwere Prüfung für
Sie hierher gesandt worden

Am Strand ließ Hilmar dafür völlig
Unermüdlich Kieselsteine springen
Lolo schaute ihm zu als er davon
Müde wurde spazieren sie weiter

Jetzt verstehe er das Meer es sei
Heute im Mondschein und allem doch 
Sehr programmgemäß und sein
Schatz sei erst recht programmgemäß

Was Lolo schade findet denn ein
Programm sei nie überraschend
Worüber Hilmar lacht denn Bräute
Sollten hübsche Notwendigkeiten sein

Lolo erzählt ihm ihr Abenteuer mit
Doralice vom Kuss und den Rosen 
Worauf er von der durchgebrannten
Gräfin spricht die doch nicht heilig wär

Lolo meint sie rühre sie einfach auch
Wenn sie nicht wisse warum vielleicht
Weil sie so schön sei aber wer sich
In sie verliebe müsse eben leiden 

Ob es so arg mit ihrer Schönheit sei
Will Hilmar sie beruhigen doch sie
Fragt ob nichts schmerzhaftes dabei
Sei sie zu lieben was er verneint

Im Gegenteil fühle es sich gut an
Riesig vornehm sie zu lieben er 
Werde dabei fast verlegen vor sich 
Erzählt von seinen Kindersonntagen

Worauf sie enttäuscht fragt ob sie
Wie so ein Sonntag nur für ihn sei 
Er meint so ähnlich dann kommt
Die Gräfin gemeinsam mit Hans 

Ein schönes Kindergesicht mit einem 
Merkwürdig schicksalsvollem Munde
Was Lolo gut findet sie habe auch
So einen gerade und er solle sie

Nun küssen und hielt Hilmar darauf
Ihr mondbeschienenes Gesicht hin
Als er sie darauf geküsst hatte 
Fragt sie ihn nur nun doch Hilmar

Schüttelt den Kopf von Schicksal 
Keine Spur eher ein ganz friedlicher
Pfingstsonntag auf dem Land worauf
Lolo mit den Achseln zuckt und seufzt 

Worauf Hilmar meinte es sei anders 
Sie hier zu küssen komme ihm wie
Eine kolossale Frechheit vor als ob
Alle fünf Weltteile ihnen zusähen

Das wäre ein eigenartiges Gefühl
Was sie darauf nicht will und sich 
Von ihm losmacht seltsam ist wohl
Manchmal der Willen der Frauen

Keyserling ist ein feiner Beobachter
Der Zustände in denen er aufwuchs 
Dringt tief in die Gefühle wie die mit
Ihnen verbundenen Erwartungen

Natürlich werden diese enttäuscht 
Während Hilmar seiner da eher
Nüchtern vernünftigen Art gemäß
Ohne alle Leidenschaft wohl liebt

Er macht eine gute Partie wie es
Sich für ihn und seinen Stand gehört
Weiß es und will genau das eine
Verlässliche Beziehung ohne Drama

Sie träumt von romantischer Liebe 
Die dem Gefühl mit Leidenschaft folgt
Miteinander großes Glück zu finden
Bekommt einen Ehemann dafür

Fein beschreibt Keyserling hier die
Spannung zwischen dem als eher
Leidenschaftlich beschriebenen
Leutnant Hilmar dessen Haltung

Zur Ehe und Liebe bloß langweilig
Konventionell wirkt der eben eine
Standesgemäße Partie macht was
Dem Wesen der Beteiligten nie reicht

Was wird aus dieser lieblosen aber
Formell korrekten Beziehung in der
Begegnung mit Doralice die beider 
Träume als Sünderin wohl weckt 

Zitierte oben bewusst dass hier vom
Autor genutzte ‘man’ was ich sonst
Vermeide weil ich Frau nicht unter
Mann subsumiere aber hier passt es

Der Adel ist ständig damit beschäftigt
Was ‘man’ tut darf oder nicht und
Wurde meist so verheiratet wie es
Stand und Vermögen entsprach

An das Verhalten sind strenge 
Maßstäben geknüpft an sich 
Wie an andere um anerkannt
Im sozialen Kontext zu bleiben

Dies kritisch zu hinterfragen oder
Sitten und Gewohnheiten noch
Auch für sich zu überprüfen ist
Dort noch eher ungewöhnlich 

Die alte Herrschaft bleibt also
Mit ihren internen Sitten völlig
Unmündig im Sinne der Aufklärung
Was tragisch eigentlich ist

Charles und Diana spielten dies 
Schicksal öffentlich noch aus 
Was für eine Seite tragisch endete
Vermutlich wäre weniger da mehr

Der Grenzen seines Standes sehr
Wohl bewusst beschreibt Keyserling
Die Überschreitung als Tabubruch
Der Freiheit und Mündigkeit schenkt

jens tuengerthal 5.9.26


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