Freitag, 26. Juli 2019

Preußengärtner

Während das Haus Preußen
Gerade von sich reden macht
Medial eher schlecht beraten
Betrachte ich Bilder von Gärtner

Eduard hieß der und fing Preußen
Mit dem Pinsel treffend noch ein
Hängt auch bei mir mehrfach noch
Mit Blicken ins gute alte Berlin

Was macht preußischen Geist aus
Den diese Bilder so treffend spiegeln
Ist es die schlichte Bescheidenheit
Oder das Blau im Himmel über Berlin

Schwarzweiß war die Fahne dieses
Grundlos aufgelösten Staates den
Der beschränkte Österreicher nur
Zu seinen Zwecken missbrauchte

Nur Österreich und Bayern gibt es
Bis heute noch während Preußen
Für den militärischen Ruf büßte
Der schon lange Geschichte war

Hier könnte schon gestritten werden
Vermutlich statt es vernünftig kritisch
Nur zu betrachten wie beim Erbe des
Zerstrittenen Hauses Hohenzollern

Nachdem sie jahrelang um das Erbe
Des einst Chef des Hauses Louis-Ferdinand
Prozessierten was Georg-Friedrich der
Enkel gegen die Söhne gewann nun dies

Können die nicht immer großen Geister
Des Hauses Preußen nicht friedlich fragt
Sich wohl mancher nun verwundert noch
Zu kleinlich scheint manches eher dabei

Die Forderungen können rechtlich sogar
In Teilen begründet sein und so musste
Georg Friedrich im Interesse der Familie
Wie der Wahrung ihrer Rechte handeln

Wie unpolitisch der Prinz dabei denkt
Zeigt dass er es wirklich wagte sich so
Unbescheiden verleumden zu lassen
Was seiner Person eher nicht entspricht

Sogar die gute alte FAZ raunt schon
Hinter vorgehaltener Hand von noch
Anderen historischen Interessen der
Mitsprache bei der Deutung von Geschichte

Auch wenn gerade der peinliche letzte
Deutsche Kaiser Wilhelm II. dies wohl
Mit den Schwächen seines Charakters
Zur Genüge begründet wird geraunt

Als wirke sich eine schlichte Forderung
Eines ehemals herrschenden Hauses
Sich auf die Verfassung irgend aus
Begrenzte Wissenschaftsfreiheit

Es ist im ganzen eher lächerlich
Doch außer Friedrich und dessen
Urgroßvater der große Kurfürst sind
Wenig helle Hohenzollern bekannt

Schlecht medial beraten wie zum
Falschen Zeitpunkt noch ungeschickt
Agiert wünschte ich Georg Friedrich
Eher gut preußische Berater nun

Da betrachte ich als alter Preuße
Der Fontane wie Friedrich schätzt
Lieber den guten Eduard Gärtner
Der Preußen im besten Licht zeigte

jens tuengerthal 26.7.2019

Leserfrieden

Als Leser finde ich
Frieden in der Lektüre
Aus Vielfalt wächst Ruhe
Bücher genügen zum Glück
Wie schön ist jeder Tag
In Erwartung der Lesezeit
Als wartete die Geliebte
Was ja irgendwie so ist
Nur sind Bücher immer
Ohne Erwartung oder
Eifersucht noch dazu
Garantieren ein völlig
Friedliches Leben so
Das schenkt was es ist
Um glücklich zu machen
Würde es Liebe nennen
Mit der ich Frieden fand
Als glücklicher Leser

jens tuengerthal 26.7.2019

Bücherfreiheit

Bücher schenken mir Freiheit
Von der Sklaverei der Gefühle
Sind meine treueste Liebe
Bleiben für ein Leben bei mir
Können zugeschlagen werden
Wenn ich mal keine Lust habe
Ohne ewig beleidigt zu sein
Eigentlich stellen sich mir
Keine Fragen mehr
Zur Liebe und so
Wäre ich nur
Vernünftig

jens tuengerthal 26.7.2019

Freiwollen

Frei wollen können
Macht Menschen menschlich ohne
Bleibt unmenschlich

Fesseln zerreißen
Ist also allzu menschlich
Vergessen viele

Gefühl das fesselt
Verbannen ist menschlicher
Als große Liebe

Liebe kann nur sein
Wo in Freiheit entfaltet
Ohne ist wertlos

Lerne noch wollen
Was menschlicher wohl wäre
Für meine Freiheit

jens tuengerthal 26.7.2019

Nachtalb

Manches verfolgt dich
In deine Träume hinein
Lässt unfrei schlafen

Für Freiheit kämpfen
Heißt Unfreiheit verbannen
Auch gegen Gefühl

Liebe braucht Freiheit
Wo sie fesselt war keine
Musste es merken

jens tuengerthal 26.7.2019

Donnerstag, 25. Juli 2019

Weltliteraturen

Wie kam der Begriff Weltliteratur
In die Welt war es eine Schöpfung
Oder Produkt der Wirtschaft die
Literatur um die Welt handelte

Zuerst wurde er wohl in einer
Göttinger Dissertation verwandt
Die isländische alte Literatur als
Solche verstanden wissen wollte

Insofern diese Thema der Promotion
War lag der Wunsch nahe ihr eine
Große Bedeutung zuzusprechen doch
Entsprach dies auch dem Geist der Zeit

Schon Lessing Schiller und Wieland
Beschworen den Weltgeist gerne auch
Goethe der längst weltweit gelesen wurde
Sprach in Aufsätzen auch davon wörtlich

Häufiger noch verwandte Goethe den Begriff
In Gesprächen etwa mit Eckermann oder in
Briefen an Zelter und andere als etwas
Sehr bedeutendes aber noch unklares

Es entsprach dies Weltbürgertum dem
Denken des ausgehenden 18. Jahrunderts
Noch von der Aufklärung geprägt auch im
Kleinen Weimar als kulturellem Herz

Wieland und Goethe die gemeinsam
Schon 1806 die literarischen Schätze
Der Literatur in Weimar vor dem Zugriff
Napoleons retteten nutzten es so

Sie sahen die Bedeutung der Literatur
Für Zivilisation und Kultur die es nun
Zu retten und zu bewahren galt wie
Wieland den Horaz schon so nannte

Wieland ging es um das römische
Vorbild an Urbanität und Humanität
Was er Lesern mit seiner Übersetzung
Empfahl als Teil einer großen Kultur

Doch gab es im alten Reich kein Rom
Sondern viele konkurrierende Städte
Die gemeinsam um Weltgeltung rangen
Oft auch miteinander konkurrierend

Goethe dachte noch eher privat über
Die Weltliteratur nach etwa als Cotta
Sein Verleger ihm eine Übersetzung
Des Dichters Hafis zukommen ließ

Daraus wie aus der Lektüre des Koran
Wurde dann der westöstliche Diwan
Zeitgleich wandte er sich auch anderen
Regionen der Welt zum Studium zu

So sprach Goethe anschließend an
Herder von der Volkspoesie als einer
Welt- und Völkergabe die Menschen
Sitten und Gebräuche bekannt macht

Goethes enger Kontakt zu dem Schotten
Carlyle und sein Briefwechsel mit Byron
Bezeugen wie ernst ihm der Austausch
Dabei auch war für freie Kommunikation

Später hoffte der inzwischen alte Weimarer
Nur noch auf kulturelle Toleranz weil sich
Der Geist von der Welt abwandte dafür
Immer mehr der Nation nun zuwandte

So wurde die Weltbegeisterung noch vom
Anfang des 19. Jahrhunderts zur Skepsis
Ob der aufmarschierende Populismus nicht
Den Geist aus der Welt mehr bedrohte

Wo diese immer mehr dann gesteigerte
Überhöhung der Nation nur hundert Jahre
Später endete ist historisch bekannt doch
Hatte Goethe seine Deutschen gewarnt

Zur Nation zu bilden ihr Deutschen hofft
Es vergebens schrieb er und riet darauf
Sich lieber freier zu Menschen zu bilden
Was den großen Weltliteraten noch zeigt

Gleichwohl verehrten ihn die national
Teilweise schon euphorisch begeisterten
Romantiker als historische Kultfigur der
Literatur ihrer neu verehrten Nation

Hätte Wielands Geist des Horaz oder
Das was Schillers Ode an die Freude trieb
Die für andere Weltgeister die Freimaurer
Einst geschrieben wurde nur mehr gewirkt

Doch nach der Niederlage gegen Napoleon
Wie der Frustration über fehlende Reformen
Nach dem Wiener Kongress wurde nun die
Nation zur Quelle weltlicher Identifikation

Fern war dies den großen Weimarer Dichtern
Doch wehrte sich der alte Goethe nicht sehr
Ließ sich von den Romantikern umschwärmen
Während Schiller sie rigoros noch ablehnte

Was Weltliteratur genau ist und wer dazu zählt
Besteht wohl kein fester Konsens und manches
Wurde noch vergessen auch von einem Goethe
Der von Afrika etwa nie sprach oder schrieb

China hatte Goethe auch fasziniert doch blieb
Manches zu dieser Zeit noch sehr fern auf der
Noch neu entdeckten kleiner werdenden Welt
Die Weltliteratur wächst immer noch weiter

Manches was weltweit erfolgreich heute
Wird keiner zur Weltliteratur dennoch zählen
Anderes was kaum einer mehr kennt dagegen
Eher unstrittig weil es eine Kultur einst prägte

Spannend sind auch die Zusammenhänge
Die Weltliteratur sichtbar macht die sich um
Ähnliche Themen aus unterschiedliche Art
Rankt wie es uns Menschen eben entspricht

Groß ist was Zusammenhänge schafft wie
Über den eigenen Horizont hinausblickt auch
Wenn keiner diesen überschreiten muss um
Literarisch Bedeutung selbst zu erlangen

jens tuengerthal 25.7.2019

Bücherliebste

Liebe nur noch Bücher
Früher auch gerne Frauen
Vor allem eine am Ende
War zu schmerzhaft
Im Ergebnis warum
Bei Büchern ich blieb
Hoffe sie machen mich
Auf Dauer so glücklich
Wie die eine unglücklich
Die vorher mein Glück war
Dann wäre in Summa
Wieder alles gut

jens tuengerthal 25.7.2019

Sinnsucher

Manche suchen Sinn
Genieße lieber alles
Was ist mehr wird nicht

jens tuengerthal 25.7.2019

Ventileben

Leben hinter dem
Ventilator mach glücklich
Während der Hitze

jens tuengerthal 25.7.2019

Reisegeschwindigkeit

Montaigne schreibt in einem Essay
Unter dem Titel Stafettenreiten über
Die Versuche das Tempo beim Reisen
Möglichst zu optimieren in einer Zeit
Schnell zu wechselnder Pferde ganz
Nebenbei wie er das Stafettenreiten
Aufgab obwohl er als kleiner Dicker
Dafür geeignet wäre weil er sich doch
Lieber in Anekdoten über große Kaiser
Wie ihr sagenhaftes Tempo auf Reisen
Königlich intelligent amüsiert sowie
Dieser Sport zu anstrengend nun sei
Aber beendet dieses Essay nach einem
Absatz mit dem schlichten Satz ihm
Habe es noch nie geholfen was nun
Die geneigten Leser auf die Bandagen
Der Kuriere des Großtürken beziehen
Können wie deren Eroberung neuer
Pferde die schneller als ihre wären
Oder bei Montaignes Geist passender
Auf das Tempo beim Reisen überhaupt
Weil erst ankommt wer da bleibt wie
Michel de Montaigne in seinem Turm
Weil kein höheres Tempo beim Reisen
Je irgendwem irgendwas geholfen hätte
Bei dem worauf es am Ende ankommt

jens tuengerthal 25.7.2019

Eurospektive

Welche Perspektive hat
Europa noch mit solchen
Populistischen Skeptikern
Oder hat wer solche wählt
Noch nicht genug Verstand
Es auch zu verdienen auf
Lange Perspektive betrachtet

jens tuengerthal 25.7.2019

Nichtssagend

Wer nichts sagt sagt nichts
Wer mehr darin liest als ist
Weiß noch lange nichts

Manche sind lieber
Nichtssagend als festgelegt
Auch eine Freiheit

jens tuengerthal 25.7.2019

Gönner

Gönnen können ist
Talent weniger Menschen
Guter Elite

jens tuengerthal 25.7.2019

Ausgeschlafen

Bin ausgeschlafen
So vor dem Wecker erwacht
Egal wie lange

Rhythmus findet sich
Zeitweise leichter wieder
In einer Ordnung

Noch vor Mitternacht
Schlafengehen kann helfen
Hitze zu trotzen

jens tuengerthal 25.7.2019

Mittwoch, 24. Juli 2019

Perfektionsfrieden

Wenn alles perfekt ist
Wie es nur sein kann
Du es wunderschön hast
Wie du es immer träumtest
Frei und gesund auch bist
Sei glücklich und dankbar
Für alles was nun ist
Mehr gibt es nicht mehr
Und denk nicht an die eine
Die dir einmal alles war
Für die du nicht mehr bist
Weil es ist wie es ist
Sage ich mir immer wieder
Zumindest schon dankbar
Noch auf dem Weg zu
Glücklich in Frieden
Mit mir allein

jens tuengerthal 24.7.2019

Literavielfalt

Warum liest du so viele Bücher
Auf einmal statt dich auf eines
Ganz zu konzentrieren fragen
Viele Leser denen eines genügt

Weil Literatur meine Welt ist
In der ich mich frei bewege
Stets nach Laune nur lese
Wonach mir ist antworte ich

Aber weißt du dann noch wo
Du in einem Buch warst wenn
Du ständig zwischen den Welten
Wechselst wundern sich manche

Natürlich denke ich dann sie sind
Doch alle mein Zuhause warum
Es ist wie vertraute Räume neu
Zu betreten wenn mir danach ist

Dann hat dein Zuhause aber viele
Räume lachen dann einige über
Die Stapel um meine Leseorte
Wie ein großes Hochhaus

Eher wie ein Schloß sage ich dazu
Lächelnd in dem manche Räume
Jahrelang nicht betreten werden
Dennoch immer die alten bleiben

Ist in einer Bibliothek wohnen dann
Wie in einem Märchen leben voller
Verzauberter Ecken und Winkel die
Immer vertrauter dabei werden

Märchen passt gut denke ich beim
Blick durch meine kleine Bibliothek
Die mir so viele Welten neu öffnet
Wie es zur Vielfalt der Bücher passt

Aber weißt du immer wo alles steht
Findest du jedes Buch das du suchst
Oder vergisst du auch mal wo eines ist
Wie findest du es dann noch wieder

Die Stapel kenne ich gut wie das Regal
An meinem Bett in dem immer die just
Aktuellen Bücher stehen da muss ich nie
Suchen sonst weiß ich es so ungefähr

Manchmal muss ich auch suchen wenn
Irgendein Buch mir gerade einfällt aber
Keine Erinnerung kommt wo es steht
Oder es irgendwie umgestellt wurde

Doch es gibt eine Ordnung die ich kenne
Wie die Räume in einem Schloss nach
Einem bestimmten System möbliert sind
Manchmal entdecke ich auch etwas wieder

Ist das dann wie auf einer Schatzsuche
Findest du häufig Bücher die du gar nicht
Kennst zwischen den altbekannten Bänden
Oder ist es eher die seltene Ausnahme

Es kommt eher seltener vor weil ich doch
Meistens in den aktuellen nach Laune lese
Aber gerade wenn Besuch kommt findet sich
Manchmal schon fast vergessenes neu

Hast du all diese Bücher schon gelesen
Oder sind das Sammlungen wie Bilder
Die dort stehen weil es schön aussieht
Dienen Bücher auch der Dekoration

Natürlich nicht jedes Buch von vorne bis
Zur letzten Seiten aber doch in den meisten
Schon gelesen je nach Stimmung oder
Wenn ich etwas bestimmtes suche

Bücher sind immer auch Dekoration
Der schönste Einrichtungsgegenstand
Sofern es schöne Bücher sind doch
Sind sie immer auch noch viel mehr

Bücher erzählen Geschichte und haben
Alle ihre eigene Geschichte die auch
Davon erzählt wie sie zu mir kamen
Was sie dabei alles schon erlebten

Manche alte Bände sind weit gereist
Sind Erbe der Familie seit Generationen
Könnten auch meine Geschichte erzählen
Tragen die Spuren aller Leser vor mir

Was ist dein ältestes Buch und was ist
Das kostbarste von allen was macht ein
Buch für dich wichtig und wonach suchst
Du aus was du noch lesen möchtest

Bin da ohne einen festen Plan um das
Glück der Entdeckung zu genießen
Die meinen Geist vorwärts treibt aber
An manchen Büchern hängt viel Gefühl

Einige bekam ich von Liebsten oder
Suchte sie mit ihnen gemeinsam aus
In ihnen spüre ich noch die alte Liebe
Sie kommen mir besonders nah

Diese mit Liebe ausgesuchten Bücher
Sind für mich die kostbarsten weil sie
Auch die Geschichte meiner Lieben ist
Ansonsten interessiert mich der Preis nicht

Bücher sind selten wirklich wertvoll auch
Eine handsignierte Ausgabe von Heine
Oder dieser Band aus dem 18. Jahrhundert
Mit Notizen noch von Wieland selbst nicht

Sammle keine Bücher als Wertanlage
Sondern lebe mit ihnen als Partner
Sie gehören zu meinem Leben dazu
Stehen darum nicht zum Verkauf

Aber wenn dir einer ganz viel böte
Sagen wir hunderttausend für einen
Band den er unbedingt haben möchte
Würdest du ihn dann verkaufen

Wenn ich nicht müsste niemals
Würdest du deinen Partner verkaufen
Nur weil jemand dir sehr viel bietet
Oder wäre das ausgeschlossen

Natürlich niemals es ist doch verboten
Menschen zu verkaufen und Bücher
Sind doch nur Sachen sie leben ja nicht
Du könntest sie dir ja wieder kaufen

Für mich sind Bücher Lebenspartner
Diejenigen die immer blieben mit mir
Alt wurden und mein Leben teilen
Damit sind sie nicht zu verkaufen

Aber du arbeitest doch im Buchhandel
Stört dich da der Bücherverkauf nicht
Ist das nicht wie Sklavenhandel dann
Für einen echten Bücherliebhaber

Der Buchhandel dient dem Verkauf
Genau darum geht es und es sind
Dort nicht meine Bücher und also
Die Bibliothek in der ich lebe zu kaufen

Liest du lieber alte oder neue Bücher
Gebunden oder Taschenbuch mit
Oder liebe ohne Umschlag und wie
Merkst du dir die jeweiligen Seiten

Ob alt oder neu ist mir dabei egal
Auch wenn neue Bücher duften
Natürlich wenn möglich nur gebunden
Immer ohne Umschlag das Buch zählt

Benutze wenn es kein Lesebändchen gibt
Gerne Lesezeichen die mir gefallen um
Schon beim Aufschlagen sich gut zu fühlen
Lesen ist mein Luxus und mein Genuss

Was wird aus all diesen Büchern wenn
Du einmal nicht mehr bist hast du sie
Jemandem vermacht oder wünscht du
Dir eine bestimmte Verwendung

Was ist wenn ich nicht mehr bin ist mir
Völlig egal dann bin ich ja nicht mehr
Darum kümmere ich mich nicht das
Können die Erben nach Laune tun

Du willst nicht das alte familiäre Erbe
Der Bücher bewahren und sie als
Bibliothek so zusammenhalten oder
Einer Stiftung etwa übergeben

Ach was wenn ich nicht mehr bin
Bin ich nicht mehr und damit muss
Sich kein Mensch beschäftigen
Die Dinge kommen und gehen

Was ist dein wichtigstes Buch
Welches liest du am liebsten
Hast du zu ihm eine besondere
Bindung und wenn ja warum

Der Zauberberg den ich in ganz
Verschiedenen Ausgaben habe
Wie die Essays von Montaigne
In der Übersetzung von Hans Stilett

Über die Dinge der Natur von Lukrez
Wie verschiedene Bücher die meine
Letzte große Liebe für mich fand
Die den Geist der Beziehung tragen

Ist es wichtig wo deine Bibliothek steht
Oder das sie dort ist wo du eben lebst
Wie sähe deine Traumbibliothek aus
Was hättest du gerne noch in deiner

Bin gerne wunschlos glücklich darum
Ist alles gut so wie es ist auch wenn
Traumhaft eine Partnerin wäre die
Diese Liebe zu den Büchern teilt

Ob es das nochmal gibt oder was sich
In Zukunft  wiederfindet weiß ich nicht
So lebe ich möglichst glücklich mit dem
Was eben ist wie es ist um zu genießen

Wo meine Bibliothek wie steht ist
Relativ egal und ergibt sich nach den
Umständen des Lebens doch ziehe ich
Wenn ich nicht muss möglichst nicht um

Bist du mit deiner Bibliothek zufrieden
Oder packt dich manchmal auch die
Leidenschaft des Sammlers nach neuen
Büchern die du unbedingt noch willst

Natürlich passiert das und davon lebt
Der Buchhandel ja und die Antiquariate
Aber ich suche nichts spezielles auch
Wenn die Enzyklopädie ein Traum wäre

Das Original von Diderot auf französisch
Würdest du das Lesen oder nur besitzen
Weil es ein kostbarer Schatz eben ist
Im alten Geist der Aufklärung noch

Eine Enzyklopädie hast du um sie da
Zu haben sie gelegentlich anzuschauen
Manchmal etwas nachzuschlagen dich
Daran als Buchliebhaber zu freuen

Doch ich habe Nachdrucke und viel
Aus ihr in meist besserer Qualität noch
Es wäre nur wie andere sich ein schönes
Bild ihres liebsten Malers gern gönnten

Bin mit dem was ist in meiner Bibliothek
Glücklich und zufrieden muss nichts haben
Um ein glücklicher Leser zu bleiben sondern
Kann mit dem was ist noch lange lesen

jens tuengerthal 24.7.2019

Wertherwelt

Das erste Stück Weltliteratur
Wurde Goethes Werther der
Rund um den Globus gelesen
Wenn auch in Variationen

Manchen war die tragische
Liebesgeschichte ein Skandal
Sahen nur den Kult um den Tod
Den Werther am Ende selbst wählt

Andere wie die Franzosen sahen
Den Freiheitscharakter des Stücks
Schätzten das große Gefühl auch
Fanden aber die Freiheit wichtiger

Die Engländer variierten den Werther
In Übersetzungen sehr stark warum
Dieser auch mal als Frau oder etwa
Im Frankenstein wieder auftaucht

Dieses Gruselstück der Tochter von
Feministin Wollstonecraft  Mary Shelley
Am Genfer See einst romantisch geschrieben
Verband Rousseau und Goethe ganz neu

Die angebliche Welle von Suiziden die
Der Werther weltweit nach sich zog war
Wohl übertriebene Propaganda sowohl
Der Gegner wie bewegter Anhänger

Es gibt einige dokumentierte Fälle doch
Gibt es da längst Lieder die viel mehr
Menschen in den Freitod verführten
Faktisch waren es weniger als gedacht

Die Aura der Todesnähe verbunden
Mit großen Gefühlen im Wahn gab
Menschen aus Kulturen weltweit etwas
Liebe scheint eben immer menschlich

Der Briefroman wie die detaillierte
Schilderung lösten eine regelrechte
Mode von gelber Hose braunen Stiefeln
Zur blauen Weste bei den Adepten aus

Sogar in den Buddenbrooks bei Mann
Taucht diese Mode bei Tonis ersten
Bräutigam noch wieder auf und später
Schrieb Thomas noch über Lotte in Weimar

Jene wunderbare Geschichte in der
Die alt gewordene Lotte den längst
Ergrauten Geheimrat zu Weimar den
Verehrten Großen noch einmal besucht

Goethe selbst überarbeitete den Text
In mehreren Ausgaben wobei erst die
Späteren in übersetzten Varianten den
Weltweiten Erfolg des Werther brachten

Der Rechtsreferendar am Kammergericht
Des Reiches zu Wetzlar das alter ego des
Dort ebenfalls Referendars Goethe machte
Bis in die Gegenwart noch Karriere wieder

Immer wieder nahmen sich oft noch junge
Menschen den verliebten Jungen als Vorbild
Doch wie ich jüngst selbst erfuhr das Gefühl
Des Werther kennt keine Altersgrenzen

Immer verabscheute ich den Knaben der
Sich offensichtlich hysterisch in eine doch
Unmögliche Affäre übertrieben hineinsteigert
Bis als letzter Ausweg nur der Freitod blieb

Diese Freiheit konnte ich respektieren
Mit Epikur und Lukrez wenn sie noch
Vernünftig entschieden worden war
Aber die Gründe waren Wahnsinn

Jene Julia die mich nun zum Werther
Beinahe machte gefühlt jedenfalls ganz
Verehrte den Werther immer hatte ihn oft
Gelesen und verabscheute dagegen Lotte

Bei mir war es bis dato umgekehrt gewesen
Was eine interessante Konstellation nun ist
Wie die Romeo und Julia Seite unserer
Eigentlich völlig unmöglichen Beziehung

Extreme Gefühle die bei der Verehrerin
Des Werther von einem Tag auf den andern
Wechselten wie vorher ihre Stimmungen
Die zwischen Tod und Leben schwankten

Diese Konstellation erinnerte an eine
In den USA verbreitete Variante des
Werther die zusätzlich noch das Element
Inzest ungeahnter Geschwister thematisierte

Hier wiederum tauchte die Idee die schon
Lessing im Nathan variierte wieder auf
Wie die unmögliche Liebe nicht sein kann
Aber dennoch für die Frau tödlich endet

Mehrfach hatte meine verehrte Liebste mir
Ihren Tod angedroht sollte ich sie verlassen
Was sie dann bei mir tat völlig gelassen
Während ich an Werthers Grenze lang lebte

So wirkte der Werther in uns beiden weiter
Die leidenschaftliche Romantikerin voller
Großer Gefühle und rasender Eifersucht
Appellierte an die Vernunft des Aufklärers

Der Freitod spielte dann in den russischen
Übersetzungen wie der dort Rezeption des
Werther eine große Rolle dahingestellt ob
Dies ein typisch slawisch östliches Element

Während meine Lotte die eine Julia war
Sich erst danach kühl und berechnend
Gab war die Goethes voll Gefühl aber
Ungreifbar und dann doch vernünftig

Dagegen wurde ich der stets noch
An die Vernunft appelliert hatte zum
Emotionalen Wrack in der Depression
Die anders benannt auch Werther trieb

In der Hochphase des Leids als meine
Lotte-Julia mir verkündete sie hätte längst
Einen besseren schon hörte ich Nachts
Noch meinen Nachbar in den Tod springen

Sie riet mir kühl vernünftig zu wieder Sex
Den ich für mich romantisch ewig gebunden
Für völlig ausgeschlossen hielt war also
Eine vollständig andere als die ich kannte

Dagegen hatte ich mich etwas hysterisch
Völlig in die Rolle des Werther gefunden
Fand keine Freude mehr am Leben ohne
Das blöde Buch nur in die Hand zu nehmen

Vielleicht rettete es mich in dieser Phase
Mehr kulturhistorisches zu lesen statt
Großer Romane mit viel Gefühl weil der
Weite Blick zumindest noch hoffen lässt

So ereilte mich über 30 Jahre nach der
Ersten Lektüre des Werthers ungewollt
Der scheinbar unsterbliche Werthereffekt
Voll wie so viele auf der Welt schon

Lesbar hier habe ich es bis jetzt überlebt
Die Vernunft und preußische Pflicht werden
Wie noch viele gute Bücher vor mir können
Es auch künftig gut verhindern aber es war da

Der Werther der bis tief nach Asien drang
In Japan wo der Suizid der Ehre eine ganz
Eigene Kultur hat neuen Kult auslöste erfuhr
Zur Jahrtausendwende einen neuen Boom

Es gibt diese großen Gefühle der Liebe
Die alles übrige völlig egal machen dann
Über sie nachzudenken brachte mir der
Werther damals aber gefühlt gar nichts

Vielleicht spürte ich schon da denke ich
Heute manchmal wie ähnlich ich liebe
Gestand es mir nur lieber niemals ein
Lehnte als Aufklärer diesen Unsinn ab

Vernünftig betrachtet habe ich nun
Wenn auch reichlich verspätet noch
Den großen Werthereffekt kennengelernt
Für meine über alles geliebte Prinzessin

Finde Werther immer noch bescheuert
Aber nicht weil er nicht um Lotte kämpfte
Tue ich um Julia auch nicht da Liebe
Wenn sie ist frei sein muss zu bleiben

Sie kam sie war sie ging ich blieb
Große Gefühle habe mich bewegt
Also war es ein kostbarer Schatz
Bin um eine Erfahrung bereichert

Das unterscheidet mich von Werther
Auch wenn ich ähnlich unsinniges
Wohl vom Gefühl getrieben schrieb
Lebe und lese und liebe weiter

Ob so der Werther auch anders
Wie in vielen Übersetzungen wohl
Aus Sittengründen noch gewählt
Enden kann zeigt die Zeit uns

Den Glauben an die große Liebe
Die über uns hinausgeht habe ich
Trotz Werther nicht völlig verloren
Zumindest für mich bis jetzt

Goethes Werther ist Weltliteratur
Stand einer Bewegung Pate die
Dem Paten später peinlich war
Aber Gefühle sind eben frei

jens tuengerthal 24.7.2019

Provinzkultur

Wo ist deutsche Literatur Zuhause
In großen Zentren oder in der so
Typisch deutschen Provinz immer
Wie sie es einst in Weimar war

Weimar mit Goethe und Schiller
War der Leitstern deutscher Klassik
Auch Herder und Wieland dort wie die
Mütter Nietzsche und Schopenhauer

Doch politisch wie tatsächlich war Weimar
Tiefste Provinz Hauptstadt eines kleinen
Typisch deutschen Herzogtums das sich
Mit Ambitionen noch zu mehr machte

Anna Amalia die Mutter des Herzogs
Der Goethe persönlich nach Weimar
Mitnahm stammte aus dem Haus der
Wolfenbüttler Welfen brachte so viel mit

In Wolfenbüttel war Lessing Bibliothekar
Wurden literarische Schätze gehütet wie
Passend heißt die von Goethe geplante
Weimarer Bibliothek heute nach ihr

Schön zu besichtigen wieder nach dem
Schrecklichen Brand wie das Haus am
Frauenplan von Goethe um die Ecke
Wie in Weimar alles um die Ecke nur ist

Weimar ist ein thüringisches Nest nur
In dem der Zufall der Geschichte einst
Mehrere große Geister nur versammelt
Hat was nichts am Wesen änderte

Berlin Frankfurt und Leipzig dagegen
Sind zumindest numerisch Großstädte
Die literarischen Anspruch erheben
Egal wie provinziell sie real nur sind

Berlin ist viele Dörfer die nur unter
Einem Namen zusammengebunden
Spielt gerne Großstadt besonders um
Friedrichstraße und Kudamm herum

Real ist es ein märkisches Nest das
Sich geistig noch den Staub langer
Preußischer Geschichte abklopft
Ohne etwas wirklich schon zu sein

Zu Leipzig und seiner Mangabuchmesse
Schweige ich lieber gibt sich gern kulturell
Ist aber am Bahnhof gut sichtbar bloß
Sanierte peinliche östliche Provinz

Frankfurt ist Handel und viel Geld
Das sich gern kulturellen Anschein
Noch gibt bleibt ein Platz der Börse
Mehr als der dort gehandelten Bücher

Seien wir ehrlich Deutschland ist
Überall provinziell nur manchmal
Mit vielen auf einmal dazu noch
Es gibt kein Paris oder London

Doch hat die Provinz ob nun aus
Weimar oder Lübeck es denoch
Zur Weltkultur immer wieder auch
Geschafft was im Wesen genügt

Weniger Anspruch auf Großstadt
Dafür schlicht ehrliche Provinz
Könnte manche Literatur wohl
Weiter führen in unserer Provinz

jens tuengerthal 24.7.2019

Liebeverzweiflungshelfer

Wenn Liebe verzweifeln lässt
Helfen Bücher zuverlässiger
Als Ablenkung es je könnte
Warum ich Lesen vorziehe
Das die Konzentration fördert
Auf was es wirklich ankommt
Bleibt am Ende auch bei dir

jens tuengerthal 23.6.201

Dienstag, 23. Juli 2019

Lebensaufgabe

Braucht Leben eine
Aufgabe glücklich zu bleiben
Erfüllt statt gefüllt

Was bliebe ohne
Fragen viele zu selten
In Alltagszwängen

Danach zu suchen
Bessere Aufgabe wohl
Als einfach weiter

jens tuengerthal 23.7.2019

Hochspannung

Zwischen Bewahren
Und Freiheit genießen herrscht
Stete Hochspannung

Entspannt wäre was
Ehrlich und offen einmal
Manche wohl niemals

Lügen leben nur
Für Märchenprinzessinnen
Länger als nötig

jens tuengerthal 23.7.2019

Wegwerfer

Manche werfen weg
Was anderen kostbar war
Bewahre lieber

jens tuengerthal 23.7.2019

Ventilatorglück

Alles ändert sich
Nur der Ventilator dreht
Bei Hitze nicht durch

jens tuengerthal 23.7.2019

Konstruktivismuss

Konstruktiv ist Muss
Aber niemals zwanghaft das
Wäre destruktiv

Sich die Welt machen
Wie es gerade gefällt
Könnte genügen

jens tuengerthal 23.7.201

Hitzewellen

Hitze kommt wenig
Überraschend in Wellen
Weniger wird mehr

jens tuengerthal 23.7.2019

Treue

Treue beginnt bei
Sich womit sie auch endet
Wie alles bei mir

jens tuengerthal 23.7.2019

Leserhaltung

Lesen dient vielfach nur
Der Unterhaltung noch
Statt dem aufrechten Gang
Der vom Geist getragen ist

Wie gefesselt lesen viele
Die Abenteuer anderer
Ohne sie auf sich zu beziehen
Es kritisch zu reflektieren

Alles was ich lese wird stets
In Versen und Gedanken
Gespiegelt so nützlich zu sein
Über geistige Onanie hinaus

Lese darum nur gute Literatur
Die Zeit nicht zu verschwenden
Welche ich pflichtbewusst nutze
Meiner Leidenschaft hingegeben

Fraglich könnte jedoch hier sein
Wem diese Haltung noch nutzt
Ob die Pflicht nicht unnötig quält
Wo lieber lustvoll gelesen würde

Denke an meinen Großvater der
Als Wahlspruch vom Leben als
Freude träumte erwacht Pflicht sah
Lebend Pflicht zur Freude machte

Folge der Leidenschaft für Bücher
Gebe mich ihr aber pflichtbewusst
Hin um Gutes und Schönes zugleich
In den würdigen Kontext zu stellen

Eben diese Verse zur Pflicht in der
Leidenschaft gab Montaigne ein
Dessen Essay über das Nichtstun
Am Morgen gelesen beflügelte

Wie gerne halte ich den blauen
Wunderschön edel gebundenen
Band der Anderen Bibliothek dazu
Wie andere eine Bibel in Ehren

Erfülle meine Pflicht durch tägliche
Lektüre wie öffentliche Reflektion
Darüber in Versen aber tue es mit
Leidenschaft und Liebe immer

Lesen ist meine große Lust
Ihr folge ich mit Leidenschaft
Zu gerne und noch viel lieber
Wo sie der guten Sache dient

So dient das eine dem anderen
Statt in Opposition zu stehen
Für Leidenschaft als nur Freizeit
Wie ungewollte Pflicht ansonsten

Die Haltung die ich als Leser fand
Macht die Leidenschaft nützlich
Lebe wovon ich überzeugt bin
Statt Dinge stumpf zu erledigen

jens tuengerthal 23.7.2019

Montag, 22. Juli 2019

Ringreisen

Auf der Berliner Ringbahn lesend
Gen heimatlichen Berg fahren
Dabei über den Nathan lesen
Wie die Wirkung der Ringparabel

Noch innerlich verschlungen in
Den für eine einst versprochene
Ewigkeit getauschten Ringen die
Nur mich banden dreht es sich

Toleranz im Glauben als neue
Freiheit aus der Freundschaft
Von Lessing und Mendelssohn
Dargestellt im magischen Ring

War der Ring verzaubert der
Den wahren Weg im Glauben
Erst durch das Leben offenbart
Oder war es einfach vernünftig

Auch die Liebe spielt eine Rolle
In Lessings Toleranzparabel die
Gerade wieder hochaktuell ist
In Zeiten religiöser Intoleranz

Sie soll am Ende doch nicht sein
Wie es der Liebe manchmal geht
Weil die Umstände es nicht wollten
Geschwisterliebe nicht gesund ist

Wie verschieden wurde der Text
Durch Zeiten und Kulturen bis
In die Gegenwart gelesen wie
Mutig auch neu inszeniert

Miteinander und Toleranz sind
Das Mittel der Wahl auch wenn
Sich der Traum der Liebe nicht
Erfüllen kann fanden sich viele

Nathan und Saladin als Freunde
Der Tempelritter seine Schwester
Saladin die Kinder seines Bruders
Nur Fanatiker wollen verbrennen

Der weise tolerante Jude der als
Bänker überaus erfolgreich seinen
Neuen Freund Saladin rettet ist ein
Denkmal für Moses Mendelssohn

Der große jüdische Philosoph dem
Friedrich der Große hier intolerant
Die Aufnahme in die Akademie noch
Verweigerte lehrte über das Miteinander

Lassen wir jeden nach seiner Art leben
Messen wir ihn an seinen Taten mehr
Als dem Schild seines Glaubens noch
Um zu mehr Menschlichkeit zu gelangen

Mutig war diese Freiheit noch die Rom
Wie seine Vertreter sehr übel nahmen
Warum es in Österreich lange noch nicht
Aufgeführt werden durfte nur gelesen

Auch der Österreicher der von Berlin aus
Europa verheerte verbat sich dieses Stück
Mit dem guten Juden vernichtete lieber die
Es im Kulturbund aufführten in seinen Lagern

Vorher hatten die Zionisten es abgelehnt
Die fürchteten die gepredigte Toleranz
Stellte ihren Traum vom Staat infrage
Orthodoxen missfiel auch die Liebe darin

Intolerant und gewalttätig wünschte nur
Der christliche Patriarch von Jerusalem
Nathans Tod auf dem Scheiterhaufen
Weil er ein Christenkind bei sich erzog

Nicht mildernd für Nathan wirkte dabei
Dass er sie nicht als Jüdin sondern in
Keinem Glauben erzog weil Fanatiker
Nur ihre Wahrheit anerkennen können

Der weise Jude der den finanziell sehr
Leichtfertigen Muslim zur Toleranz bringt
Das Christenkind ohne festen Glauben
Aufwachsen lässt ist das große Ideal

Die unmögliche Liebe bleibt unmöglich
Was aus den Gefühlen wird spielt keine
Rolle mehr im Nathan dafür ersetzt die
Wiedergefundene Familie verlorene Liebe

Was können wir heute wieder in Zeiten
Gelebter Intoleranz aus Populismus von
Nathan lernen der unsere Verwandtschaft
Am Ende offenbart und zeigt was zählt

Wenig über die Liebe auch wenn sie
Den liebenden Dichter über den Ring
An seinen großen Traum davon erinnert
Diese ist eben manchmal unmöglich

Viel über das Miteinander in dem es
Auf Taten mehr ankommt als auf die
Einzig wahre Lehre die doch nur zu
Tödlichem Fanatismus verführt

Könnten wir den Nathan der Recha
Ohne festen Glauben erzog auch als
Vorbild der Freiheit vom Glauben lesen
Die erst Geschwisterlichkeit ermöglicht

Wir alle doch verwandten Menschen
Sollten uns mehr an Taten messen als
Um den wahren Glauben zu kämpfen
Wo Toleranz herrscht bleibt die Liebe

Dies ist der Geist der Aufklärung der
Wieder stark und laut werden muss
Weil es darauf ankommt wie wir es
Leben nicht woher wir stammen

Das Versprechen der ewigen Liebe
Aus den einst getauschten Ringen
Muss mit der Unmöglichkeit leben
Denke ich in der Ringbahn dabei

Dass die Ringbahn gar nicht fuhr
Die S-Bahn den Dichter dafür nur
Zum Alex brachte wo er umstieg
Spielt für beides keine Rolle mehr

Die Ideen der Ringparabel stärken
Für tolerante Aufklärung eintreten
Die als Vorbild ohne Religion erzog
Wird Aufgabe der Zukunft mir sein

Was aus dem Versprechen des Rings
Das nur mich noch band einst wird
Wissen die Götter die ich nicht kenne
Das Gute zu leben führt sicher dahin

Sein Wort halten aber Toleranz leben
Weil Menschenliebe Gutes wünscht
Das Mittel der Wahl in der Zwischenzeit
Wer weiß schon was wirklich unmöglich

Wenn der Vorhang am Ende doch fällt
Ist die enge Verwandtschaft bewiesen
Dort der Religionen morgen vielleicht
Aller Menschen die sich auch lieben

Trage mein Versprechen weiter damit
Auf etwas Verlass ist und übe mich in
Toleranz was manchmal schwer fällt
Aber nichts in der Natur ist unsterblich

Irgendwann auch ohne Ringbahn mit
Keinem verprochenen Ring mehr am
Längst vergebenen Finger Zuhause
Angekommen wurde es nun notiert

So wirkte der Nathan der mir einst
In Studentenzeiten den Spitznamen
Lessing eintrug in mir erstaunlich neu
Zwischen Liebe und Aufklärung weiter

Für letztere werde ich stets kämpfen
Auf erstere geduldig einfach warten
Sie erscheint immer nur dann wenn
Wir es am wenigsten mehr glauben

jens tuengerthal 22.7.2019

Vereinsfrei

Warum haben so viele
Das Bedürfnis sich privat
In Vereinen zu organisieren
Statt Leben zu geniessen
Halten sie Sitzungen ab
Statt Büchern lesen sie
Protokolle der Langeweile
Die organisiertes miteinander
Stets staatlich gefördert noch
Ganz geistlos mit sich bringt
Wie glücklich bin ich heute
Völlig vereinsfrei zu sein
Mit viel Zeit zum Lesen
Nie tauschte ich Freiheit
Gegen Mitgliedschaft wieder
Gute Leser bleiben ungebunden

jens tuengerthal 22.7.2019

Bücherschwärmer

Bin ein Bücherschwärmer
Liebe es darüber zu reden
Was ich gerade lese warum
Bestimmte Bücher groß sind

Rezensent wollte ich nie sein
Auch wenn ich manche schrieb
Weil geliebtes verreißen quält
Dem Autor mich zu nah fühlte

Andererseits wirklich gutes
Erkennen und unterscheiden
Ist ein wichtiges Talent auf
Völlig überlaufenen Märkten

Jeder Eindruck ist subjektiv
Also jeder Verriss auch relativ
Der Schwärmer dagegen sucht
Belege seiner Überzeugungen

Lobe und liebe Bücher gerne
Es gibt genug über die ich
Ohnehin nur schweigen kann
Was manchen mehr sagt

Bücherschwärmer zu sein ist
Eine Berufung die ich endlich
Zum Beruf mir nun machte
Glück mit anderen zu teilen

So beachtet der Bücherschwärmer
Auch die Optik eines Buches wie
Seine haptische Erscheinung ob
Der Kontakt lesend sinnlich wird

Natürlich zählt am Ende nur was
In guten schönen Büchern steht
Doch zu schwärmen gibt es mehr
Gründe als bloß die Geschichten

Wer wie ich mit Büchern lebt
Heimat mit ihnen so sehr teilt
Wie zugleich in ihnen findet
Sieht schwärmend das Ganze

Ein Buch lang in den Händen zu
Halten wird bei einer gebundenen
Schönheit in zartem Leinen dem
Leser auch zum sinnlichen Genuss

Natürlich lese ich nur ausgewählt
Gute und schöne Bücher um die
Lesezeit in jeder Hinsicht effektiv
Als größten Genuss zu nutzen

Diese Bücher mit denen ich mein
Leben teile sind mir wertvoll wie
Kostbar als bleibender Schatz
Was mehr wert ist als vieles

jens tuengerthal 22.7.2019

Bücherrettung

Bücher haben mir schon oft
Das Leben gerettet wofür
Dankbar zu sein beide
Gebührend würdigt
Schließlich sind wir
Uns unbezahlbar
Auch als Leser

jens tuengerthal 22.7.2019

Regelmäßig

Was regelmäßig
Kommt ist in der Regel nur
Mäßig wertvoll noch

Dabei ist es doch
Das meistens die längste Zeit
Gegenwärtige

Schätzen was immer
Ist macht Alltag erst kostbar
Auch in der Regel

jens tuengerthal 22.7.2019

Sonntag, 21. Juli 2019

Freiheitsglück

Welch Glück ist die Freiheit
Wehn du sie selbst errungen
Nach schlimmster Erniedrigung
Wieder alleine aufrecht stehst

Ein halbes Jahr vom Amt gelebt
Durch die Erniedrigung dort wie
Zusätzlich die der einst Liebsten
Völlig verlassen verloren gefühlt

Einsam des Lebens längst müde
Nur noch irgendwie überlebt kam
Unerwartet die Freiheit als Glück
Rettete mich aus der Depression

Wieder eine Aufgabe endlich
Außer der Berufung als Dichter
Noch dazu mit meinen immer
Treuen Liebsten den Büchern

Wie gut tut es wieder frei zu sein
Sich beim Amt einfach abmelden
Für sich allein verantwortlich die
Große Erniedrigung zu beenden

Komme was wolle endlich frei
Genug zu lesen für alle Zeiten
Führe ich wieder mein Leben
Trinke glücklich einen Riesling

Erst nach dem tiefsten Tal
Das ich im Leben durchlitt
Konnte ich das große Glück
Der Freiheit voll genießen

Dankbar dafür werde ich
Es genießen und würdigen
Auf meine Freiheit achten
Sie immer lesend verteidigen

Wer einmal diesen Weg ging
Die totale Erniedrigung erfuhr
Weiß erst was Freiheit wert ist
Werde es mir fürs Leben merken

jens tuengerthal 21.7.2019

Leserzufriedenheit

Wie glücklich sind die Leser
Mit guten Büchern zufrieden
Brauchen sie nichts zum Glück
Als etwas gutes zu lesen

Ein Platz zum Lesen findet sich
Überall und wer als Leser ganz
In der Lektüre versinkt wird nichts
Mehr um sich herum wahrnehmen

Diese tiefe Zufriedenheit im Leben
Fehlt vielen Menschen völlig die stets
Ungeduldig sich erneuern wollen um
Auch schön mit der Mode zu gehen

Einige Seiten in einem guten Buch
Genügen mir zur Ausgeglichenheit
Auch wenn Lesen unausgeglichen
Schwer fällt lohnt es sich immer

So wurde ich ein glücklicher Leser
Der den Unglücken des Lebens die
Gelegentlich ungewollt eintreten
Stets mit einem Buch entgegentritt

Lese in emotional aufgewühlter Zeit
Am liebsten sachlich historisches
Weil der Blick aufs Große auch die
Eigenen Dramen relativieren hilft

Versinken können in Bücherwelten
Löst aus den eigenen Zwängen die
Durch schöne Worte ausgeglichen
Weniger bedeutend nur erscheinen

Die Zufriedenheit die andere etwa
Durch Gebet oder Meditation erst
Erlangen findet der Leser lesend
Bei seiner Leidenschaft wieder

Bin ein dankbar zufriedener Leser
Der sich am großen Lesestoff der
Noch vor ihm liegt erfreut statt
Darauf gestresst zu reagieren

So ist Glück für mich ganz klar
Die Aussicht auf viele Bücher
Welche noch auf mich warten
Um dankbar gelesen zu werden

Mit dieser tiefen Zufriedenheit
Ein Leben lang lesen ist auch
In größter Verzweiflung noch
Schönste Aussicht als Lichtblick

jens tuengerthal 21.7.2019

Lesereisen

Bin heute schon weit gereist
Auf meinen Lesereisen durch
Die Zeit wie in der Welt zugleich
Dank des Wunders des Lesens

Diese Reisen führten mich von den
USA heute im Geist der Aufklärung
Zur Aufklärung in deutscher Literatur
Ins Berlin und in die Mark Fontanes
Bis in die frühe Renaissance wieder

Zwischendurch einige Seiten in China
Um das Jahr 1200 verweilt um vor dort
Ins Frankreich vor der Revolution mit
Monsieur Nicolas wieder zu wechseln

Schon in Frankreich verweilte ich noch
Einige Seiten bei meinem alten Freund
Michel de Montaigne dessen Essays
Schönste Sonntagsgedanken schenken

Das Berlin um die Jahrhundertwende
Als Weltpuff sinnlich mit Borchert noch
Besucht von wo aus die Lektüre über
Das deutsche Genie historisch nahe lag

Ein wenig im aufklärerisch erdachten
Reich irgendwo im damals gerade noch
Heiligen Römischen Reich deutscher
Nationen mit Wezels Roman verweilt

Dort über Hermann und Ulrikes Liebe
Gelächelt die sich gegen alle Normen
Wie Bemühungen ihren Weg sucht
Was große Liebe halt so macht

Dann schon in der Aufklärung noch
Mit Adam Smith durch Frankreich
Gereist um dort noch Saint-Beuves
Menschen des 18. Jahrhunderts zu treffen

Kurz nach Sizilien mit den Briefen des
Abbé Galiani der genial frech so am
Leben seiner Pariser Freunde aus dem
Salon des Baron Holbach teilnimmt

An diesem heißen Sommersonntag
Noch ein wenig mit Forster auf der
Expedition von Cook im Polarkreis
Gesegelt und über manches gestaunt

Statt selbst durch Berlin zu wandern
Heute mit einem reisenden Franzosen
Der Fiktion des Johann Kaspar Riesbeck
Durch das alte Reich lächelnd flaniert

Schließlich mit einigen Zeilen aus dem
Antiken Rom des Lukrez wie danach
Dem Griechenland Epikurs geendet
Durchschritt ich Welten und Zeiten

Wie weit und reich ist was ich dort
Lesen und wahrnehmen durfte wie
Wunderbar ist es so jenseits aller
Physikalischen Grenzen zu reisen

All diese Reisen die mich so weit
Um die Welt wie durch die Zeit
Führten tat ich ohne den Ort nur
Für einen Moment zu wechseln

Sah und erfuhr mehr als die meisten
Die von Unruhe getrieben dorthin
Meinen reisen zu müssen weil ich es
Von denen las die eben dort waren

Statt vom durch die Welt jetten nun
Völlig gestresst in Zeitlöcher zu fallen
Trinke ich gänzlich entspannt Tee der
An den Hügeln des Himalaya wächst

Lesereisen sind die schönste Form des
Reisens nichts könnte bequemer sein
Auf keine Art lerne ich mehr dabei an
Keinerlei Schranken jemals gebunden

Vielleicht sollte ich ein Lesereisebüro
Eröffnen für gestresste Großstädter
Die überall gewesen sein wollen um
So scheinbare Bedeutung zu gerieren

Doch als endlich Buchhändler mache ich
Genau das eigentlich längst muss es nur
Machen noch erklären welch Reichtum
In der Welt der Bücher schon liegt

Wer liest weiß hinterher immer mehr
Kennt sich besser aus und tut sich
Wie seiner Umwelt einen Gefallen
Der dringend Verbreitung braucht

Erstaunt könnten wir künftig die
Stolz von ihren lächerlichen Reisen
Wie den scheinbaren Abenteuern
Berichtenden Menschen belächeln

Ach sie reisen noch das tut mir leid
Versuchen sie es mal mit Lesen
Das hilft gegen diese Krankheit
Schenkt allen Beteiligten Zufriedenheit

Lesen ist das Reisen der Zukunft
Irgendwo gewesen zu sein belegt
Dann nur noch innere Unruhe die
Als Krankheit zu behandeln wäre

Leser sind überall auf der Welt wie
In allen Zeiten ihrer Wünsche auch
Bilden und unterhalten sich dabei
Können fundiert darüber reden

Touristen die Öko-Terroristen unserer
Gegenwart dagegen hetzen zu Orten
Ohne irgendwo anzukommen erfahren
Nahezu nichts und schaden allen dabei

Lesereisen sind der Tourismus der
Zukunft in der sich entspannte Leser
Schöne Bücher gönnen um damit dort
Zu sein wo sie es sich wünschen

jens tuengerthal 21.7.2019

Bucherotik

Es gibt erotische Literatur
In der es bloß um Sex geht
Die es aber selten wirklich ist
Sondern meist niveaulos eher

Sie soll jene aufheizen die sich
Vor Pornos fürchten aber lesen
Was ein guter Anfang mit meist
Mäßigem Ergebnis leider nur ist

Dann gibt es die wirksame
Sinnlich betörende Literatur
Die oft kein Wort über den Sex
Dazu verlieren muss es zu sein

Schließlich gibt es solche wie mich
Die schöne Bücher sinnlich betören
Während hässliche sie anekeln
Die echte Bucherotik pflegen

Die Lust am Buch an sich ist eine
Form der geistigen Onanie die dazu
Gebundene Körper ästhetisch verehrt
Im Lesen Befriedigung auch findet

Schönsten Sex hatte ich vor Büchern
Gern mit Bezug auch auf sie wie der
Vorigen gemeinsamen Lektüre wirklich
Erotischer Texte wie dem Zauberberg

Thomas Mann der nahezu nie explizit
Werden muss um sinnlich zu sein ist
Der Meister erotischer Räume warum
Wer das nicht spürt immer fern bleibt

Hatte manche die Mann sogar hasste
Ihn einen verklemmten Schwulen nannte
Weil ihnen das Gefühl für die Erotik im
Bürgerlichen Zwischenraum fehlte

Heute weiß ich die Paarungsversuche
Waren entbehrlich weil das Verständnis
Für geteilte sinnliche Räume völlig fehlte
Die sich im Verständnis der Bücher zeigt

So gut manche davon zu vögeln war
So wenig blieb an sinnlicher Erotik
Die Spannung zum Zauber erst macht
Wenn die geistigen Räume fehlten

Eine hatte ich leider nur eine Nacht
Die aus Lübeck sogar noch kam
Den Blick auf Mann völlig teilte die
Erotik der Welt des Zauberers spürte

Verspielte das traumhafte Glück damals
Leichtfertig in oberflächlicher Vielfalt
Ohne es wirklich wertzuschätzen was
Heute sicher nie wieder passierte

Es ist ein seltenes Glück die Erotik
Der Bücher völlig zu teilen was wer
Findet ohne Zweifel genießen sollte
Weil sie von Zwischentönen getragen

Erotische Spannung ist der Zauber
Der aus Zwischentönen nur wächst
Unausgesprochen einerseits aber
In mancher Literatur sich findet

Keine dauerhafte Befriedigung dagegen
Schenkt der immer nur Anschein der
Um Perfektion bemüht äußerlich bleibt
Nur Sex aber keine Erotik mehr bietet

Dann kann mit perfektem Körper es
In allen Stellungen scheinbar perfekt
Sein und bleibt doch oberflächlich nur
Weil zwischen den Zeilen etwas fehlt

Die Bucherotik zeigt diese Spannung
Die mechanischen Sex auf geistiger
Ebene zur schönsten Vollendung führt
Die nur kennt wer geistige Welten teilt

Prousts Combray wie die Beschreibung
Der in Tee getauchten Madeleines ist
So eine Stelle höchster Sinnlichkeit die
Swanns billige Erotik weit übertrifft

Erotik ist niemals pornografisch sondern
Stets vom Schleier verhüllte Lust die so
Im bloß Sinnlichen Tiefgang noch zaubert
Der Körperlichkeit ein Stück Ewigkeit gibt

Wo du sie für Bücher natürlich teilst
Hast du das Höchste miteinander
Nachteil nur alles übrige wird danach
Entbehrlich wie gerne lebte ich es ganz

Ineinander körperlich tief zu versinken
Ist ein schlicht mechanischer Vorgang
Wiederholbar wie austauschbar auch
Es in Büchern zu teilen dagegen selten

Danach zu suchen ein reizvolles Ziel
Nach vielen Versuchen zuvor die
Wenig mehr hinterließen als Leere
Oder den Schmerz der Täuschung

Träume nicht von erotischer Literatur
Sondern von zwischenzeiliger Erotik
Die sich in geistigen Welten offenbart
Als Höhepunkt sinnlicher Nähe dann

Der Sex kann dann sein wie er will
Mal wild ungezügelt dann eher zärtlich
Zumindest ungespielt wirklich nach
Der miteinander gefundenen Natur

Bis dahin lese ich für mich weiter
Da übriges den Aufwand nicht lohnt
Die Massenware gern dieser überlasse
Um lieber ausgewählt zu genießen

Ob es dafür die eine nur gibt die
Alles in sich trägt und erfüllt oder
Vielfalt sich dem eher nähern kann
Fragt nur wer bloß Ablenkung sucht

Muss nichts mehr suchen noch
Finden oder mir beweisen außer
Echten Genuss ohne Täuschung
Der auf Bucherotik ruhen wird

jens tuengerthal 21.7.2019

Buchwahl

Die Auswahl der Bücher
Erzählt viel über Menschen
Mehr als sie selbst sagen
Weil es den Tiefgang zeigt
Den jeder gern vorgibt
Aber wenige nur haben
Auch wenn nicht jeder
Gleich eine Bibliothek hat
Verraten schon die Bücher
Am Bett was bleiben wird
Manche spielen nur Niveau
Was immer anstrengend ist
Und selten gut ausgeht
Weil es beide überfordert
Einen oben den andern unten
Die oben überforderten haben
Oft Kleiderschränke viel größer
Als all ihre Bücherregale
Da weiß ich heute sofort
Werde ich nichts als Sex finden
Den aber auch eher geistlos
Bleibt alles eher oberflächlich
Unten überfordern mich solche
Die sich eifrig Leser nennen
Aber Massen von Schrott stapeln
Von Coelho bis Follett oder Brown
Der ihrer Unterhaltung allein dient
Grenzen des Horizonts offenbart
Für mich nur Altpapier wäre
Was vermutlich verletzte
Warum ich lieber schweige
So zeigt die Buchwahl am Bett
Was lohnt und bleibt wo noch
Potenzial zur Entwicklung ist
Es ist eine Frage der Würde
Wie gegenseitiger Achtung auch
Sich auf und mit Niveau zu paaren
Damit es auch dauerhaft passt
Doch wie selten findet es sich
Oft von Schönheit geblendet
Oder Körpern verführt dazu
Ignorierte ich was allein zählt
Behalte ich künftig mein Herz
Darum besser sicher bei mir
Bis ich weiß was sie lesen
Von sich aus und vorher
Nicht später um zu gefallen
Was gefährlichen Anschein
Von Niveau nur erzeugt
Der auf nichts als Leere baut
Schmerzvolle Löcher reißt
Wo Geschmack und Liebe
Zu schönen Büchern geteilt
Was ein seltenes Wunder ist
Wie ich es zuletzt erlebte
Können sich Welten finden
Dies seltene Glück schätzen
Als kostbaren Schatz wahren
Beschränkt die Auswahl sehr
Aber hebt das Niveau zugleich
In dann harmonische Höhen
So kann die Wahl der Bücher
Die Partnerwahl erleichtern
Offenbart zumindest was bleibt
Macht alles übrige entbehrlich

jens tuengerthal 21.7.2019

Literaturaufklärung

Ist Literatur immer Aufklärung
Oder kann sie auch verdunkeln
Wo sie gegen die Vernunft wirkt
Gefühle anspricht statt Verstand

Die Literatur kann alles beides
Tat es epochenweise verstärkt
In die eine oder andere Richtung
Zeigte Menschen wie sie waren

Mal mehr vom Gefühl geleitet
Dann durch die Ratio bestimmt
Manchmal ausgewogen eher
In beidem Zuhause dann auch

Auf die Epoche der Aufklärung
Folgte der Sturm und Drang
Der sich im Übermaß Gefühl
Erging bis manchmal in den Tod

Manches überschnitt sich auch
Wie die Reformation etwas durch
Verstärkte Religiosität den freieren
Geist der Renaissance verdrängte

Andererseits klärte die Reformation
Durch Bibelübersetzung wie ihre
Tendenz zur Entmystifizierung auch
Wieder vieles vorher Dunkles auf

So kämpften später noch vor allem
Die Jesuiten gegen die Aufklärung
Obwohl sie Wissenschaft betrieben
Um die Hoheit des Wissens zu halten

Die Enzyklopädie des Diderot war Rom
Ein Dorn im Auge das zu gerne darum
Verboten hätte doch die Pompadour
Rettete sie durch höfischen Einfluss

Der Geist der Aufklärung und Vernunft
War zu dieser Zeit wohl stärker doch
Viele gewagte Schriften erschienen
In den Niederlanden oder England

Richtig sahen die Jesuiten die Tendenz
Der Enzyklopädie zur Freiheit auch wenn
Manche Formulierung übersehen wurde
War der Geist des Wissens die Freiheit

Ob die Verbreitung dieser Freiheit durch
Druck und Vertrieb der Enzyklopädie
Logisch in der Revolution mündete ist
Umstritten wenn auch schlüssig so

Die Revolutionäre selbst waren erst
Vom Geist der Aufklärung getrieben
Strebten nach größerer Freiheit die
Sie an der Macht wieder verfolgten

Fraglich ob sich darin der Geist Rousseaus
Des gefühligen Aufklärers widerspiegelte
Welcher einerseits die Grundlagen der
Freiheit beschrieb sie andererseits negierte

Sein zurück zur Natur Traum war eher
Schon die Romantik vorfühlend als vom
Geist der Aufklärung getrieben die sich
Nicht einfach dem Gefühl überlässt

Jede Literatur kann aufklären wenn wir
Sie so kritisch lesen und betrachten doch
Wirkt sie auf den ganzen Menschen so
Dass sie auch das Gefühl erregen will

Gute Literatur ergreift den ganzen Mensch
Zu dem Verstand und Gefühl gehören was
Schönste Stimmungen uns zaubern kann
Die ohne jede Distanz einfach fesseln

Literatur der Aufklärung will wo sie gut ist
Den Leser auch fesseln aber dies immer
Um ihn zu befreien statt nur zu binden
Eben den kritischen Geist zu wecken

Auch während der Aufklärung gab es
Schon die Gegenaufklärung die noch
Große Mächte im Dunkeln beschwor
Statt freies Denken endlich zu fördern

Häufig wird der Begriff Gegenaufklärung
Für die Restauration benutzt manchmal
Auch konservative Revolution oder die
Frühe Romantik und politische Theologie

Spannend wird es wenn sich dabei beide
Seiten auf die Aufklärung berufen die sie
Für ihr Denken wenn auch dialektisch
In Anspruch gerne nehmen wollen

Diente die Frankfurter Schule etwa
Der Aufklärung die Adorno und Horkheimer
Dialektisch neu betrachteten oder war sie
Da marxistisch geprägt bloße Ideologie

So bezeichnete etwa Hermann Lübbe
Die Frankfurter Schule als Gegenaufklärung
Da durch den Marxismus totalitär geprägt
Führe sie zu einem intoleranten Moralismus

Diese Tendenz der moralischen Rechthaber
Welche totalitär gegen alle Abweichler sich
Wenden und es mit dem wahren Weg stets
Rechtfertigen findet sich auch heute wieder

So haben wir in der Literatur immer beide
Tendenzen gehabt vom freien Denken der
Renaissance das den Menschen erst als
Individuum entdeckte bis in die Gegenwart

Ist der Antifaschismus noch Aufklärung
Oder eine totalitäre Ideologie die sich nur
Das Banner bunter Toleranz umhängt die
Aber mit völliger Intoleranz erkämpft wird

Wird der totalitäre Umgang mit Sprache
Die zu politischen Zwecken missbraucht
Etwa um mehr Gleichheit zu erreichen
Durch dies hehre Ziel allein gerechtfertigt

Welche Position vertritt hier die Aufklärung
Die Freiheit und kritisches Denken lehrt
Aber keine Wahrheiten jemals predigt
Welche Aufklärung bräuchten wir heute

Wer Aufklärung was noch unwiderlegt
Als Befreiung aus Unmündigkeit versteht
Wird jede totalitäre Ideologie ablehnen
Auch wenn sie laut Toleranz predigt

Der Marxismus war vom Wesen her
Illiberal und also totalitär wogegen sich
Lübbe zurecht wandte weil er damit
Zu Bekenntniszwang logisch führte

Auch unter den Existenzialisten war
Diese Tendenz zu beobachten der
Sich Satre und Beauvoir zeitweise
Unterwarfen bis zum Bruch mit Camus

Manche Kritiker etwa ordneten auch
Ernst Jünger oder Botho Strauß der
Gegenaufklärung zu wobei beide eher
Als Anarchen sich nur treu blieben

Würde zwar weder Jünger noch Strauß
Als Aufklärer bezeichnen doch war ihr
Denken stets freier als das vieler eher
Ideologisch beschränkter Gegner beider

Doch könnte auch ein Werther noch
Dies hochemotionale Werk das den
Sturm und Drang so übersteigerte
Kritisch aufklärerisch gelesen werden

Wo das übersteigerte persönliche Elend
Nur noch im Tod gelöst werden kann hat
Leben ein konsequentes Ende gefunden
Auch wenn wir es als krank bezeichnen

An dieser Stelle einmal dahingestellt
Was krank und was gesund noch ist
Ob die Begriffe aufgeklärt oder bloß
Konventionell angepasst noch sind

Gegen Lübbe der sich als Aufklärer sah
Der ein kritisches Denken vertrat gegen
Die intolerante Frankfurter Schule wandten
Kritiker ein er sei bürgerliche Gegenaufklärung

Zwar bestätigte die Form der Empörung
Über Lübbe dessen Thesen von den dort
Kritikverboten und dem Bekenntniszwang
Doch blieb der Vorwurf der Bürgerlichkeit

Ob Aufklärung als freier kritischer Geist
In ein bürgerliches Korsett passt scheint
Fraglich wenn wir nicht die Bürgerlichkeit
Als Form organisierter Freiheit verstehen

Die Nutzung dieses Begriffes ist strittig
Während ich ihn freiheitlich verstehe
Sieht meine eigene Schwester ihn als
Geistig beschränkt spießiges Denken

So wird auch zwischen den Lagern
Oft blind aneinander vorbei geredet
Weil die Nutzung der Sprache ein
Tieferes Verständnis ausschließt

Im Gegenteil lösen bestimmte Begriffe
Unterschiedliche Emotionen aus die
Das Gegenüber zur Verteidigung drängen
Wo eigentlich kein Angriff an sich vorlag

Dies führt zum spannenden Teil der
Literarischen Aufklärung die viele wollen
Mit unterstellt besten Absichten sich aber
Dabei oft nicht einmal verständigen können

Trotz Nutzung der gleichen Sprache wie
Scheinbar klarer Begriffe haben sogar
Personen aus gleichem sozialen Umfeld
Ein völlig unterschiedliches Verständnis

So war Lübbes Kritik an den Frankfurtern
Aus bürgerlich liberaler Sicht für diese ein
Brutaler Angriff des Feindes der Freiheit
Der im Klassenkampf zu besiegen war

Ein klarer Aufklärer wie Diderot der
In Jaques der Fatalist die Position
Der Aufklärung für Willensfreiheit
Vertritt wirkt ganz verschieden

Wenn meine einst Liebste mir
Ein Zitat aus dem Werk schickte
Das Glück das vergeht Genuss war
Ist ihr Verständnis anders als meines

Sie genoss bereits glücklich den nächsten
Während ich um das geteilte Glück trauerte
Was für sie Freiheit bedeutete war für mich
Ein erniedrigender Schlag ins Gesicht noch

So ist Lesen und Literatur immer Aufklärung
Wenn wir sie aufgeklärt kritisch lesen statt
Emotional bewegt von ihr berührt zu werden
Doch ist was nicht berührt meist nur schwach

So können die gleichen Worte uns berühren
Wie emotional aus Umständen erschüttern die
Andere mit Abstand philosophisch betrachten
Um damit ganz anderes im gleichen zu lesen

Literatur ist Aufklärung also wenn wir auch
Kritisch aufgeklärt sind und nicht gefangen
In selbstverschuldeter Unmündigkeit in die
Liebe uns zu gerne immer wieder verführt

Lübbe lag mit seiner kritisch liberalen Sicht
Auf die totalitär marxistische Seite bei der
Frankfurter Schule völlig richtig doch musste
Den Gläubigen sie Gegenaufklärung sein

Alle unfassbaren Begriffe wie Seele Gott
Oder Liebe oder absolute Lehren wirken
Gegen den Geist der Aufklärung auch
Wenn sie revolutionär befreien wollen

Die Fähigkeit dies zu erkennen erfordert
Einen aus der Unmündigkeit befreiten Geist
Also einen aufgeklärten Menschen der sich
Kritisch tolerant danach verhalten kann

Auch Kants spöttische Kritik an Swedenborg
Wie meine Sicht auf Marx und Nietzsche wird
Von den Anhängern der Lehre übel genommen
Des völligen Unverständnisses geziehen

Die Reaktion der Frankfurter Schule auf die
Bezeichnung als Gegenaufklärung war die
Im Streit kleiner Kinder indem sie nur sagte
Selber Gegenaufklärung aus ihrer Sicht halt

Beide Seiten haben aus ihrer Sicht Recht
Fraglich wäre also welche die Richtige ist
Ob das allgemein entscheidbar sein kann
Oder wir immer nur unsere Sicht haben

Sind wir stete Gefangene unseres Horizonts
Der beschränkten Wahrnehmung unterworfen
Für die Begriffe bestimmte Bedeutungen haben
Die bei anderen das Gegenteil auslösen

Kann Aufklärung in der Literatur davon auch
Befreien wären wir also erst mündig wenn wir
Unsere Sicht überschreiten können oder ist
Manches einfach wahr oder falsch im Ergebnis

Ist antifaschistische Literatur etwa immer
Aufklärerisch weil gegen ein totalitäres System
Gerichtet und darum der Toleranz verpflichtet
Oder nur wenn sie selbstkritisch auch reflektiert

Bringt eine gendergerechte Sprache wie sie
Viele heute gern verwenden wollen mehr
Gerechtigkeit oder künstlichen Zwang allein
Als Ausdruck totalitären Denkens in Schranken

Ist es ein Akt literarischer Aufklärung wenn
Pippi Langstrumpf um den Negerkönig bereinigt
Heute politisch korrekt erscheint oder ist dies
Ein Frevel am literarischen Werk für den Zeitgeist

Neige dazu diese Korrektur für korrekt zu halten
Weil sie vom Geist der Toleranz getragen eine
Früher übliche Erniedrigung korrigiert doch zeigt
Dies Beispiel wie relativ Wahrnehmung ist

Wie wir uns zu diesen Fragen stellen ist auch
Eine Frage des Gefühls in der eigenen sozialen
Situation die zusätzlich von Gefühlen und mehr
Auf unterschiedlichste Art beeinflußt wird

Letzte Wahrheiten gibt es dabei wohl kaum
Wie die Wahrheit überhaupt die Erfindung
Eines Lügners logisch nur sein kann auch
Wenn das Bedürfnis danach hoch bleibt

Lese etwa den Diderot völlig anders heute
Als die einmal Liebste die was war einfach
Ablegte wie alte Kleidung während ich noch
Damit haderte aus verschiedenen Gründen

Die gewesene Unfreiheit war kein Glück mir
Ihr Ende wäre also eine Befreiung wenn
Das Gefühl nicht unsinnig anderes wollte
Dem sich die Vernunft entgegenstellt

Lese ich den Diderot also nur ohne jedes
Gefühl aufgeklärt oder sehe ich weil ich
Viel empfinde mehr als andere können
Was ist dann wirklich noch aufgeklärt

Literatur immer als Aufklärung zu begreifen
Liegt am Leser und wie aufgeklärt er sich
Bei der Lektüre fühlt was uns wiederum
Verrät es scheint auch Gefühlssache

Zum Gefühl aber können wir uns nur
Um eine Haltung bemühen die wir mit
Aller Vernunft erkämpfen können auch
Wenn sich manches dagegen wehrt

Literatur ist also immer dann Aufklärung
Wenn wir uns aus der Unmündigkeit auch
Bei der Lektüre befreit haben was schon
Bei der Liebe zum Lesen fraglich scheint

Von der Unmündigkeit aus Liebe wurde ich
Ungewollt befreit gegen den Widerstand
Ganz großer Gefühle noch die sich an das
Was mich unfrei machte noch klammerten

Habe ich mich damit selbst daraus befreit
Bin ich als immer liebender Leser jemals
Mündig oder immer nur in den Grenzen
Des natürlich beschränkten Horizonts

Es sind noch viele Fragen zur Aufklärung
Bis heute offen und ungeklärt die wir
Zwischen Gefühl und Verstand uns
Erst langsam als Freiheit erarbeiten

Den Willen zu haben aufgeklärt zu lesen
Ist der erste Schritt Literatur als Aufklärung
Wahrzunehmen und kritisch zu betrachten
Ob uns mehr je möglich wird bleibt fraglich

Zumindest ist der freie Wille der sich auch
Lesend um Aufklärung bemüht auch die
Erste Voraussetzung der Freiheit womit
Die Sache zumindest auf gutem Weg ist

jens tuengerthal 20.7.2019

Samstag, 20. Juli 2019

Bücherheimat

Wo ist meine Heimat
Fragen sich viele heute
Die durch die Welt ziehen
An wechselnden Orten leben
Die beliebig austauschbar sind
Bin geboren noch in Bremen
Im hohen Norden nahe dem Meer
Aufgewachsen in Frankfurt wie
Später in und um Heidelberg
Wo ich die Rechte studierte
Lebe am längsten inzwischen
In Berlin wo auch meine Tochter
Vor bald 18 Jahren geboren
Doch wo bin ich Zuhause
Zählt wo die im ganzen Land
Verstreute Familie sich findet
Wo die gerade Liebe lebt
Wofür mein Herz schlägt
Oder bleibt nur ein Ort
Dort wo meine Bücher
Die bescheidene Bibliothek
Ihren guten Platz hat
Da bin ich Zuhause
Das ist meine Heimat
Zwischen Buchseiten
Lebe ich glücklich
Wo immer sie stehen
An keinen Ort gebunden
Liebe ich gut gebundene
Bücher dafür um so mehr
Bin zufrieden wenn ich nur
Sie in den Händen halten darf
Die treuen zärtlichen Liebsten

jens tuengerthal 20.7.2019

Widerstandsaufklärung

Über den Widerstand aufklären
Dem wir am 20. Juli gedenken
Könnte die Freiheit verteidigen
Sofern er für diese je stand

Bedenken gegen die Erhöhung
Des militärischen Widerstand
Gegenüber zivilen Versuchen
Äußerten Demokraten schon früh

Auch im Widerstand selbst war
Das geplante Attentat nie völlig
Unumstritten im Gegenteil sah
Ein Teil es als völlig falsch an

Dies aus unterschiedlichen Motiven
Während radikale Linke noch auf
Die Zukunft im Kommunismus hofften
Sahen manche Gefahr der Wiederholung

Helmut James von Moltke etwa der
Kopf des Kreisauer Kreises sah die
Gefahr der Dolchstoßlegende höher
Als den ersten Nutzen dieser Tat

Ob Ungehorsam je das Heldentum
Eines preußischen Offiziers noch
Begründen könne war nicht unstrittig
Für viele alte preußische Familien

Gerade bei den Kreisauern wurden
Auch ethisch religiöse Fragen dazu
Intensiv diskutiert ob also das Grauen
Den Tyrannenmord rechtfertigen kann

In manchem waren sich etwa auch obiger
Helmut James und Bonhoeffer viel näher
Als der Moltke dem Kreis um Stauffenberg
Dem wir heute für alle nun gedenken

Heute wissen wir wie viele Millionen
Menschenleben ein geglückter Putsch
Mit erhofftem Kriegsende gerettet hätte
Was manchen Streit wohl relativert

Andererseits konnte auch erst die
Totale Niederlage 45 unser Europa
In Frieden und Freiheit ermöglichen
Was Grund gibt dankbar zu sein

Der Versuch war vielfach wichtig
Er zeigte der Welt hinterher es gab
Auch das gute Deutschland von dem
George Jünger Stauffenberg träumte

Auch der lange Weg zu diesem Tag
Die vielen Versuche zuvor wie das
Breite Netzwerk in allen Schichten
Half bei der Rechtfertigung später

Stolz war ich auf meinen Großvater
Der infolge wegen unklarer Beteiligung
Nachweisbar war ihm direkt nichts
Degradiert wurde wie bestraft

Doch er leugnete wie Ernst Jünger
Jede direkte Beteiligung lange auch
Vor seinen Söhnen die es 68 sich
Doch irgendwie gewünscht hätten

Der preußische Geist des Gehorsam
Wie persönlicher Bescheidenheit
Wirkte hier doppelt gegen Preußen
Das die Nazis nur besetzt hatten

Sprach einst noch zu Heidelberg
Mit der Tochter von Goerdeler
Dessen Listen viele den Kopf
Kosten sollten völlig ungewollt

Doch wie sollte der designierte
Reichskanzler sonst Ordnung
Schaffen es war eben Pech
Leider tödlich für sehr viele

Dagegen überlebte mein Großvater
Der immer behauptete nur durch
Kontakte zu Kadetten darauf noch
Gestanden zu haben unbewusst

Oder war es die Freundschaft mit
Dem Güstrower Bülow die ihn als
Vertrauensvoll dem Widerstand
Als designierten erscheinen ließ

Weiß nicht was historisch wahr war
Ob mein Großvater dem Widerstand
Real nahe stand und nicht wie sein
Peinlich großmäuliger Bruder Nazi war

Anders war er bestimmt wie sich auch
In der folgenden Generation manche
Unterschiede im Wesen klar zeigten
Dahingestellt ob genetischer Zufall nur

Ob er national dachte wie Goerdeler
Als Kadett natürlich preußisch gesinnt
Erst viel später eine Haltung dazu fand
Wo Widerstand begann und endete

Das Attentat dem heute gedacht wird
War nur ein Versuch von ganz vielen
Vielleicht nicht mal der beste davon
Doch der am weitesten organisierte

Die Aussicht Millionen Leben zu retten
Zählt mehr als jede andere Abwägung
Widerstand als konservative Bewegung
Kann wirksamer sein als linke Revolte

Der 20. Juli ist wichtiges Gedenken
Aber bedeutend nur im Lichte der
Geschichte in der er stand die auch
Für bürgerlichen Widerstand steht

Darüber im Geist der Aufklärung
Nachzudenken um also kritisch
Zu reflektieren was Freiheit uns
Heute wert ist wird sein was bleibt

Was heißt im Sinne des Widerstand
Sich aus der selbstverschuldeten
Unmündigkeit künftig zu befreien
Bewusst dem Gewissen zu folgen

Wo wird Widerstand zur Pflicht
Wie lange ist Ruhe stets die erste
Bürgerpflicht was taugt dazu als
Maßstab des Gewissens noch

Diese Fragen bleiben auch in der
Demokratie und Europa wichtig
Sich ihnen zu stellen ist der 20. Juli
Ein wichtiger Tag auch in Zukunft

jens tuengerthal 20.7.2019

Buchreisender

Manche reisen in Büchern
Wie es der Zukunft entspricht
Andere meinen noch es
Wie in vergangenen Zeiten
Real tun zu müssen um so
Immer getrieben ohne je
Anzukommen unterwegs zu sein
Was nichts vermittelt als die
Unruhe jeder Reise statt
Den Geist vor Ort den nur
Leser wirklich erfassen
Wer mehr von der Welt sah
Leser oder Tourist wird noch
Gestritten von manchen die
Kurzsichtig in alter Welt leben
Sicher aber ist der Leser immer
Derjenige der viel mehr weiß
Verstehen lernt was wirklich ist
Weil Leser sich Zeit nehmen die
Gehetzte Reisende nie haben
Auch darum bleibe ich stets ein
Buchreisender der lieber bei sich
Bleibt als die Welt reisend weiter
Noch zu zerstören für die Illusion
Anwesenheit forme den Geist
Je mehr als Lektüre es immer tut
Aber jenseits dieser längst schon
Bekannten Verantwortung für die
Gemeinsame Zukunft zu leben
Frage ich mich als Buchreisender
Warum Menschen sich das antun
Statt selbst kritisch zu denken
Wie ihr Handeln langfristig zerstört
Was sie für besuchenswert halten
Während Reisende in Büchern mehr
Erfahren ohne irgendwen auch sich
Nicht zu gefährden sondern lieber
Genüsslich lesen wo sie sind was
Mehr dem Geist der Zeit entspricht
Als irgendein Tourismus der längst
Klimatischer Terrorismus mehr ist
Wagen wir also künftig zu bleiben
Wo wir sind um lieber in Büchern
Lesend nur zu reisen werden
Viel mehr ankommen

jens tuengerthal 20.7.2019

Lustlangeweile

Die Dame neben mir ist
Nicht unattraktiv bemerkt
Der Flaneur in mir noch
Dann lehnt sie sich ganz
Unerwartet zu weit zurück
Unsere Körper berühren sich
Eine halbe Sekunde zu lang
Sie lächelt mich an mit ihrem
Erwartungsvollsten Lächeln
Durchschaue das kleine Spiel
Was immer gleich beginnt
Mit geringer Variation auch
Ähnlich horizontal endet
Und bin gelangweilt
Lächle so höflich wie
Gerade noch nicht wieder
Unhöflich und schreibe
Lieber nur darüber
Das Spiel der Lust
Hat seinen Reiz für mich
Scheinbar verloren
Frage mich ob es
Schon immer so war
Oder früher der Trieb
Stärker als der Verstand
Heute noch war und muss
Darüber bloß noch gähnen
Zum Glück erwarten mich
Bald wieder gute Bücher

jens tuengerthal 19.7.2019

Sommerabendlust

Eine Sommernacht am Platz
Um mich herum erzählen sich
Damen in Gruppe engagiert ihre
Großen Urlaubserlebnisse
Lauschen jeweils höflich
Um selbst Zuhörer später
Zu finden wechseln dann
Vom Urlaub zur Arbeit
Wie sie lästige Kunden
Kurz vor Ladenschluss
Noch schnell loswerden
Dann zahlen sie getrennt
Verabschieden sich schnell
Gehen getrennt in die Nacht
Verschwinden in jeder Hinsicht
Spur- wie bedeutungslos
So verbringen manche
Ihre Sommerabende hier
Um später zu erzählen
Wie lustvoll es doch war
Bis nach Mitternacht noch
Vor derr Bar am Platz

jens tuengerthal 19.7.2019

Freitag, 19. Juli 2019

Literaturspiegel

Spiegelt Literatur die Gesellschaft
Oder diese ihre Literatur wieder
Sind beide quasi symbiotisch als
Spiegel des jeweils anderen noch

Jede Zeit hat ihre Literatur die
In vielem zeigt was zuvor schon
In der Gesellschaft geschah
Von der sie dann erzählt

Doch regt sie häufig auch die
Bewegung erst an aus der dann
Eine geistige Entwicklung folgt
Die das Denken völlig verändert

Berühmte Werke die ihre Zeit
Veränderten gab es in allen
Epochen der Literaturgeschichte
Manchmal wirkten sie verzögert

Lukrez de rerum etwa brachte
Der Renaissance die sie erst
Wiederentdeckte nach dunklem
Mittelalter neues Licht der Freiheit

Montaignes Essays in denen er sich
Selbst spiegelt wie auch den Geist
Des Lukrez auftauchen lässt zeigten
Wie der Wandel doppelt nun wirkte

Der Einzelne der seine Welt ganz
Auf sich stellt wie Max Stirner es
Erst viel später in seinem Einzigen
Beschrieb stand plötzlich im Zentrum

Radikale Subjektivierung nach vorher
Erkämpfter Freiheit vom Allmächtigen
Der noch nicht geleugnet werden durfte
Auch von einem Epikur nicht aber relativiert

Diese Wende im Geist nahm später noch
Völlig verschiedene Entwicklungen in der
Literatur von der Aufklärung über den Werther
Zur Romantik im Zeitalter der Industrialisierung

Oft stand die Literatur ganz am Anfang einer
Geistigen Entwicklung die sie überholte wie
Zugleich spiegelte mal als Taktgeberin des
Geistes dann als dessen Opposition wieder

Vor der Revolution entstand unter Diderots
Führung die Enzyklopädie als völlig neue
Freiheit des gedruckten Wissens das dem
Sein seinen mystischen Charakter nahm

Sein zeitweise Freund Rousseau hat die
Philosophie des späteren Terreur so sehr
Wie den Traum vom zurück zur Natur mit
Seinen Schriften in die Welt geschickt

Ein Lessing schrieb über die Toleranz
Gegenüber allen Religionen was noch
Weit über das im westfälischen Frieden
Hundert Jahre zuvor erreichte hinaus ging

Auch im Nathan zeigte sich wieder der
Einzelne der durch sein Verhalten erst
Beweist was der wahre Glaube ist auf
Den es für die Zukunft nur ankommt

Lange noch sollte es dauern bis dies
Selbstverständlich zumindest im Staat
Hier wurde und wie weit sind viele noch
Von diesem Denken der Akzeptanz

Auf die Romantik folgten wie mit ihr
Teilweise parallel die Bewegungen zu
Nationaler Einigung in den Kriegen
Kriegen zur Befreiung von Napoleon

Der neue Kaiser ein Kind der vorher
Revolution als Aufsteiger stand so
Mancher Literatur Pate und war doch
Mehr Fackel als dauerhaftes Feuer

Der wohl viel lesenden Epoche des
Biedermeier mit der Restauration nach
Dem Wiener Kongress folgte dann die
Revolution von 1848 ohne Folgen

Außer den literarischen die manchem
Wie Heine in seinem Wintermärchen
Als das er Deutschland in Versen beschrieb
Wieder lange voraus noch griffen

Parallel dazu dachte und schrieb Marx
Sein Manifest mit langfristigen Folgen
Das zwar den Menschen verkannte
Aber den Geist der Zeit stark bewegte

Bis heute beschwören manche noch
Dessen weltfremde Thesen vom Ideal
Der kommunistischen Gesellschaft die
Nur ohne Freiheit erreichbar wäre

Sicher spiegelte er den Geist der Zeit
Die in der Industrialisierung zu neuer
Unmenschlicher Ausbeutung führte
Die viele verarmte und wenige bereicherte

Warum die Massen einem Marx folgten
Seine Schriften zur neuen Bibel erkoren
Statt Stirners Einzigem der die Freiheit
Wirklich konsequent dachte ist typisch

Einfache Antworten haben leicht viele
Anhänger oder Jünger die sich genau
Das wünschen eine Antwort auf die
Frage nach dem irgendwo Paradies

Was Kant als Aufklärer noch vordachte
In der Beantwortung der Frage was
Aufklärung sei wie in seinem Imperativ
Wurde von Stirner zu Ende gedacht

Auch wenn die junghegelianer beide
Stirner wie Marx sich verschätzten was
Die Fähigkeit der Gesellschaft betraf
Freiheit zu leben war ersterer klarer

Diese Linie zieht sich von der Renaissance
Die das Individuum wiederentdeckte auch
In seinen Leidenschaften bis zur Moderne
Auch in der Literatur die es vorher beschrieb

Die Übersetzung der Vulgata war eine der
Quellen vermehrten Lesens auch wenn sie
Mit folgender Reformation mehr zerstörte
Als befreite hat sie als Spiegel Bedeutung

Die Wiederentdeckung des Lukrez Textes
Um die Zeit des Konzils von Konstanz das
Mit Jan Hus noch die Freiheit verbrannte
Ließ das Denken der Moderne beginnen

Die radikale Individualisierung die manche
Beklagen weil sie deren Grundlage nicht
Begreifen vermutlich ist Ausdruck dieses
Verständnisses von Freiheit immer noch

Einer Freiheit die einen Montaigne zu
Seinem radikalen Subjektivismus führte
Weil der Berater vieler Könige seiner Zeit
Weit voraus dachte nach der wir noch suchen

Aus der Aufklärung noch stammend dachte
Ein Nicolas Edme Restif de la Bretonne die
Subjektivierung noch weiter im sinnlichen Roman
Seines Lebens und Liebens dem Monsieur Nicolas

Der Sturm und Drang dessen berühmtester
Später darüber reumütige Vertreter Goethe
Trieb diesen Geist über das Leben hinaus
Das Werther in Konsequenz sich nimmt

Die Freiheit des Freitods als allerletzte
Konsequenz war der Gipfel eben jener
Literarischen Individualisierung die aber
Mit der Liebe wieder soziales auch sucht

Ist die völlige Aufgabe seiner selbst um
Der Liebe willen von der alle Weisheit
Logisch abrät weil es nur ein Gefühl ist
Nicht größter Ausdruck aller Freiheit

Doch zugleich auch das völlige Ende
Weil nichts mehr folgt der Einzelne der
Sich so in den Mittelpunkt stellte auch
Seine Existenz und also sich aufgibt

Es gibt wohl nichts größeres als sich
Um der Liebe willen aufzugeben auch
Wenn es völlig unsinnig im Ergebnis ist
Drückt es die individualisierte Freiheit aus

Über diesen geistigen Akt der Befreiung
Dem mancher verwirrt noch real folgte
Hinaus gab es nichts mehr was weiter
Als Freiheit noch reichen konnte

Die geistige Überwindung der Schwelle
Von Sein und nicht Sein wie sie früher
Schon Shakespeare für die Erscheinung
Des väterlichen Geistes beschrieb ist es

Es ist die innere Überwindung dieser
Schwelle vielleicht die Meistererhebung
Der Literatur gewesen auch wenn sie
Aus emotionalem Wahn mehr entstand

Danach konnte das Ende nur noch neu
Variiert werden um sich zu überwinden
Oder die Grenze zwischen Sein und
Schein aufgehoben werden künftig

Letzteres steht noch aus auch wenn
Thomas Mann sich ihm in den Buddenbrooks
Wie zuvor Bretonne schon sehr näherte
Variierte der Zauberberg nur den Tod neu

Dort im Davoser Sanatorium wird auch
Gestorben mal mehr mal weniger frei
Doch löst die die eingeschlossene Freiheit
Am Ende im großen Sterben nur auf

Die großartige Kulturgeschichte die
Thomas Mann mit diesem Werk schuf
Überwand die Grenze des Seins nur
Im Tod nicht in der völligen Freiheit

Diesen Weg deutete der Zauberer
Nur in der Todesangst während der
Scheewanderung an doch endet sie
Im Spott über Krokowskis Geisterwelt

Ist die Geschichte seiner Familie die
Mit dem lebensunfähigen Künstler Hanno
Aussterben wird  die große Freiheit oder
Einfach Gang des Seins jenseits der Norm

Ein ironischer Spiegel untergangener
Welten oder darüber weit hinaus noch
Geistige Gestalterin aus dem Spiegel
Den sie erzürnter Gesellschaft vorhielt

Geschrieben zwischen den Kriegen noch
Von einem der sich mit der Republik erst
Schwer tat der mit dem Tod gern spielte
Stirbt es sich in Davos aus anderen Gründen

Vorher noch im ersten großen Krieg
Wurden die Stahlgewitter zum Spiegel
In dem das Sein hinter die Aufgabe trat
Der sich alles unterordnen nun musste

Der Anarch Jünger prägte so manche
Die selten auch ihn ganz verstanden
Wandelte sich sein Leben lang noch
Blieb Beobachter Chronist und mehr

Ob was nach Mann und Jünger kam
Wobei letzterer Raucher den ersteren
Lange noch überlebte neues fand auf
Dem Weg zu sich scheint fraglich

Die aktuelle Invasion der Selbstfindung
Durch geistig eher seichte Gewässer
Vom unsäglichen Coelho bis zu den
Vielen sexuelen Bekenntnissen bleibt hohl

Jüngers literarisch wichtigere Tagebücher
Sind ein Schritt auf diesem Weg den aber
Schon Harry Kessler wunderbar beschritt
Der große Chronist der Epoche dazwischen

Spannend wird was bei sich bleibt auf dem
Weg den Montaigne dabei Lukrez folgend
Beschritt und dabei über sich hinaus denkt
Um ein neuer Spiegel der Weisheit zu sein

Der Literaturspiegel stammt aus dem alten
Märchen und verrät uns tatsächlich wer die
Schönste im Land gerade ist wenn wir nur
Zu fragen verstehen dabei was künftig zählt

So heben sich die Grenzen auf zwischen
Der totalen Individualisierung wie ihrer
Völligen Aufhebung in der Liebe der nur
Der Tod noch steigernd folgen kann

Von Romeo und Julia bis zu Goethes
Werther davor noch Montaignes Essays
Wie Jüngers Tagebücher auch dabei
Die Bretonne anders schon übertraf

Literatur ist ein Spiegel und weit mehr
Anders als Kunst die nur abbildet weist
Die Literatur in geistige Welten in denen
Sie alles wieder überschreiten kann

Ein Abbild ist ein Anblick der auch wenn
Von vielen Gedanken Gefühlen oder auch
Perfekter Technik getragen außen bleibt
Die Literatur hallt in Gedanken weiter

So ist die Literatur weit mehr als nur
Spiegel ihrer Gesellschaft sie ist wo
Sie wirklich sucht deren Leuchtturm
Durch neue ungewisse Zeiten auch

Manche bleiben im Außen hängen
Auf der Suche nach sich andere
Finden durch Worte neue Wege
Weit über das bloße ich hinaus

Dann spiegelt Literatur nicht nur
Ist kein Abbild ihrer Zeit mehr
Sondern eröffnet neue Welten
Die grenzenlos endlich sind

Ob dies uns weiter zurückführt
Zu dem was Lukrez teilweise
Schon andeutete oder noch weit
Darüber hinaus weist zeigt sich

Entdecken wir die Freiheit nur
Ohne Götter auch literarisch
Dann wieder ganz bei uns nur
Endlich allein auf uns gestellt

Wird die Freiheit die Kant uns
Als Versprechen der Aufklärung
In Worten schenkte so radikal
Bei sich erst verwirklicht werden

Ob die Literatur sich dann wagt
Ihre Welt mit Stirner ganz auf sich
Zu stellen um aufgeklärt frei zu sein
Im Schreiben wird es entscheiden

Zumindest hat sie mit den Worten
Das Mittel alle Grenzen künftig
Zu überwinden während Physiker
Noch über Quantenrelativität grübeln

Die Aufhebung der alten Grenze von
Raum und Zeit ist für die Literatur
Der natürliche Weg ihres Seins
Das kleine Einmaleins ihr eher

Vielleicht steckt in der radikalen
Rückkehr zum Ich auch seine völlige
Überwindung in der Liebe zum Wort
Das uns die große Freiheit verspricht

Dann wäre die Weltformel quasi eine
Literarische Spielart des Seins was
Sich aus dem Geist ihre Welt formt
Prometheus als Schutzpatron dann

jens tuengerthal 19.7.2019

Liebesgröße

Lange glaubte ich noch meine
Große Liebe sei die eine Frau
Mit der ich alles finde was in
Bald 50 Jahren manche wurde
Doch am Ende nie eine war
Mal fehlte mir dann wieder ihr
Was keiner ganz findet der
Nicht mit sich glücklich ist
Während die Literatur blieb
Immer die Treue mir hielt
Jedesmal glücklich machte
Wenn ich ganz sie liebte
Statt mich in Schöße nur
Nach Muster zu stürzen
Was sich in Varianten mit
Oft schmerzhaftem Gefühl
Infolge nur wiederholte
So ist es nun an der Zeit
Bei meiner treuesten Liebsten
Für immer ganz zu bleiben
Um als glücklicher Leser
Schwankungsfrei zu leben

jens tuengerthal 19.7.201

Büchererfüllung

Welche Erfüllung schenkt mir
Die Lektüre guter wie schöner
Bücher jeden Tag wieder was
Dankbar zufrieden mich macht
Ein Zustand nach dem ich lang
Auf dem Jahrmarkt der Liebe
Selten wirklich glücklich dort
Noch strebte während er doch
Ruhig in meiner Bibliothek nur
Auf mich als Leser wartete
Wo ich ihn nun täglich diese
Wie es schönen Büchern gebührt
Voller Zärtlichkeit noch liebkose
Weil dauerhaft glücklich macht
Was wirklich Erfüllung uns schenkt

jens tuengerthal 19.7.2019

Bücherliebesglück

Welch Glück ist es doch
Die Bücherliebe zu teilen
Lesefreude zu vermitteln
Dies miteinander zu leben
Darin Befriedigung zu finden
Mit Büchern glücklich zu sein
Also wie in einer guten Liebe
Die dich ganz glücklich macht
Partnerschaft in allem dir ist
Und doch wie selten ist es
In einer Welt voller Zweifel
Wo viele Sorgen und Ängste
Mehr treiben als der Genuss
Den wir erst finden wo wir wagen
Unsere Liebe auch ganz zu leben
Mit ihr einfach glücklich zu sein
Was mit Büchern viel leichter fällt
Die stets zuverlässig treu sind
Auch wenn sie gern widersprechen
Zumindest der Gewohnheit wo gut
Warum mit viel Erfahrung nun
Das Bücherliebesglück mir genügt
So glücklich wie möglich zu sein
Mehr gibt es nirgendwo

jens tuengerthal 19.7.2019