Freitag, 10. Juli 2026

Lektürentagebuch 10.7.26

Lektürentagebuch 10.7.26

Begonnen mit Kapitel zwei der
Erinnerungen eines Europäers 
Von Harry Graf Kessler die fast
Märchenhaft von seiner Mutter

Wie ihrer uralten irischen Familie
Wirklich sagenhaftes zu erzählen
Noch weiß und dabei in vielem
Die Mutter selbst erzählen lässt

Beginnend mit einer Schwärmerei
Von ihrem etwas tiefen Mezzosopran 
Der englisch und deutsch akzentfrei
Italienisch französisch mit sprach

Jedoch auch dort nur so leicht dass 
Es das Gesagte noch verschönerte
Dachte ich erst nun ist auch gut mit
Der Schwärmerei des Muttersohnes

Doch dann geht es nach Indien
Wie nach Persien der ursprünglich
Heimat der Mutter die Prinzessin
Dem Schah nah verwandt war

Wie zu den alten irischen Geistern 
In den Schlössern auf all den 
Burgen der Verwandtschaft der
Mutter auf der grünen Insel

Kleine wunderbare Anekdoten aus
Der so viktorianischen Familie der
Mutter einerseits schrecklich fromm
Wie englisch steif noch dazu

Andererseits märchenhaft frei mit
Leicht orientalischem Dialekt bei
Der anderen Großmutter die gerne
Zuließ und blind dafür beobachtete

Die Art seines Erzählens wie die
Geschichten von denen er dabei
Berichtet sind grandios und fein
Nehmen den Leser mit um die Welt

Doch weniger die Orte sind dabei
Entscheidend ob es indische Villen
Persische Schlösser oder irische
Burgen mit magischen Steinen sind

Als die Art der Normalität mit der er
Aus der Familie plaudert und von 
Grenzenlosen Welten erzählt die
Wirklichkeit zur Phantasie machen

Nur ganz nebenbei erwähnt er noch
Seine Kusine als einzige Geliebte 
Vertraut mit dem was in den alten
Familien üblich und normal war

Das Sexuelle auch die eigene 
Neigung wird angesprochen wie 
Damit gespielt aber ist sonst
Kein Thema der Konversation

Harry Graf Kessler ist nicht nur ein
Großer Netzwerkwer der Kunst wie 
Verbindungsmann der Kultur immer
Gewesen er schöpft auch selbst 

Er erinnert vom Stil und der Art her
Die mit viel nonchalance plaudert
Sehr an meine Bremer Großmutter
Ihre Storys aus dem Leben des Adels

So lebte die viktorianisch geprägte
Gentry auch noch fünfzig Jahre später
Als meine Omi bei Nelsons wohnte 
Wenig hat sich da je geändert

Pferde und Jagden wie ihre Güter 
Waren Thema und Vergnügen über
Das gerne auf hohem Niveau noch
Geklagt wurde und Religion naja

Völlig normal und quasi nebenbei von
Der Zeit in Indien zu erzählen wie den
Streng religiösen Verwandten und die
Innere Revolution dagegen auch

Harry Kessler war es der damals auch
Den Grotepater und seinen Kadetten 
Die am 9. November 1918 durch das
Revolutionäre Berlin tingelten lieber

Rote Armbinden besorgte damit sie 
Ungestört nach Lichterfelde kamen
Besorgt und liebevoll war er da wie
Am Abend in der Galerie Cassirer

Dort plante der gerade noch als
Attaché in Warschau den Rückzug 
Deutscher Truppen organisierte das
Gute Deutschland von morgen

Vom postnationalen Europa das
Mitterrand und Kohl konstruierten 
Mit geradezu genialem Theater 
Ahnte der gute Harry noch nichts

Voller Liebe erzählt er von seiner
Mutter dass es mir anfänglich fast
Klebrig eklig ödipal schon schien 
Doch wie verständlich wird es dann

Ganz großes auch literarisches 
Theater was die Lektüre lohnt wie
Eher nebenbei aus dem Leben
Seiner Familie noch plaudert

Über strahlende Studienjahre von 
Christopher Marlowe berichtet im Kapitel 5 der Dunklen Renaissance
Stephen Greenblatt anschaulich

Das kann und kennt der Professor
Aus Princeton gut und beschreibt
Mit Details und Gefühl wie Marlowe
Ans Corpus Christi College kam 

Berichtet von Studenten die auch
Zu seiner Zeit studierten und teils 
Opfer protestantischer Inquisition 
Sogar im Feuer später wurden

Wie ein Giordano Bruno dann 
Nach Oxford geladen wurde um 
Von seiner Lehre vom unendlichen
Kosmos zu erzählen und wie das

Weil gegen die biblische Lehre
Verstoßend ein schnelles Ende bald
Fand wenn auch hier ohne Prozess
Unklar ist ob Marlowe davon hörte

Greenblatt erzählt von der Ordnung 
Der Colleges der relativen Egalität
Wie dort eine Männerwelt für sich
Lebte und in einem Bett schlief

Weiß nicht ob Greenblatt auf diese Art
Prüde meist ungebildete Christen die
Gegen alle Vernunft dem Aberglauben
Folgen als Leser gewinnen möchte

Vielleicht kommt noch das große
Coming-out aber es wäre eher eine
Überraschung nach dem bisherigen
Unklaren Drumherumreden noch

Ansonsten informiert Greenblatt hier
Gut und wissend macht neugierig
Aber diese Thriller Elemente für die
Schlichten Geister sind so unnötig

Wie das Rumgeeiere zur sicheren
Homosexualität als wäre die nicht 
Völlig normal wie es auch ohne jede
Moral Links- und Rechtshänder gibt

Bedenke ich jedoch dass dieses Buch
Von einem Professor aus der Diktatur
Christlicher Fundamentalisten USA ist
Zeigt es uns die Zustände dort klar

Wer auf dem größten Markt für alles
Weiter gut verkaufen will fügt sich
In den christlich moralisch verlogenen
Konsens der Vergewaltiger wählt

Von diesen amerikanischen Lügen
Welche die faschistoide Diktatur will
Abgesehen schreibt Greenblatt gut
Und verkauft sich vermutlich auch so

Ein Element was heute nötiger ist
Als wissenschaftliche Qualität oder 
Seriosität weil die Mehrheit es will 
Lange Schatten der Demokratie

jens tuengerthal 10.6.26

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