Donnerstag, 2. Juli 2026

Lektürentagebuch 2.7.26

Lektürentagebuch 2.7.26

Heute traf die Dunkle Renaissance 
Der Band von Stephen Greenblatt 
Bei mir ein wie Christopher Marlowe
Der größte Rivale von Shakespeare

Die Konventionen sprengte und die
Literatur so revolutionierte der nun
Horst Bredekamp gewidmet wurde 
Schon im ersten Kapitel sogleich

Eine sehr eigene Welt vorstellt und
Wie diese im wilden London wohl
Einem kultivierten Italiener auf den
Spuren des Vergil vorgekommen wäre

Wie schon das Wetter in der kleinen
Eiszeit im 16. Jahrhundert eine harte
Prüfung gewesen wäre welch brutal
Mörderische Spiele sie mit Tieren 

Dort veranstalteten zum Jubel des 
Publikums wie in den Kirchen schon
Englisch gesprochen wurde auch
Die dort sichtbaren Spuren der

Frischen Reformation als zerstörte
Heilige noch herumlagen viele allen 
Fremden misstrauisch begegnen
Sie Unmengen von Fleisch aßen 

Ein Bier brauten das nach Auskunft
Des Italieners ekelhaft schmeckte 
Die englischen Frauen wären dabei
Beunruhigend frei und gingen alleine

Aus dem Haus und küssten sich oft
So hatte auch ein Fremder sogleich
Die Hausheim bei einem Besuch auf
Die Lippen zu küssen noch

Zugleich wurden die zänkischen 
Frauen mit einer Munknebel bedacht 
Die sexueller Unmoral verdächtigen 
Frauen wurden öffentlich geschmäht

Herrenhäuser wichen übergangslos
Ärmlichen Häusern und Hütten die
Straßen wären voller Exkremente
Wie Abfall neben Luxus hingen 

Auf der London Bridge noch die
Abgeschlagenen Köpfe auf Spießen 
An den Galgen gab es fast täglich 
Verstümmelungen und Hinrichtungen

Die Menschen sprachen eine der
Zivilisierten Welt fast unbekannte
Sprache noch fast nichts war bisher
Übersetzt worden davon 

Zu Beginn des Jahrhunderts noch
Hatte Thomas Morus Utopia in
Latein veröffentlicht dass ihm schnell
Anerkennung in Europa brachte

Morus jedoch wurde von Henry VIII 
Enthauptet dafür waren die Dichter 
Thomas Wyatt und Henry Howard
Mit italienischen und französischen

Gedichten erfolgreich so etwa das
Sonett durch Wyatt einige wurden
Noch zur Abschreckung hingerichtet
In Italien wurde schon geforscht

Dagegen waren die zwei englischen 
Universitäten eher provinziell sie
Waren von Konflikten zerrissen ob
Die Reformation weit genug ging

Die religiösen Konflikte dauerten an
Auf Henry VIII folgte sein Sohn
Eduard VI der nach sechs Jahren
Mit 16 an Tuberkulose starb 

Dem folgte für neun Tage seine
Erst 17 jährige Cousine Jane Grey
Die hingerichtet wurde worauf die
Schwester von Edward kam die

Katholische Bloody Mary doch schon
Fünf Jahre später starb Maria die 
England katholisch wieder wollte
Unter ihrer kleinen Schwester dann

Queen Elizabeth I wurde England
Wieder protestantisch doch gab es
Dabei viele dunkle Wellen noch von 
Verschwörung Verhaftung Hinrichtung

Greenblatt meint es sei unvorstellbar
Wie brutal diese Welt noch war dass 
Wir nichts vergleichbares hätten aber
Vergleicht es deutscher Geschichte

Die im 20. Jahrhundert noch ähnlich 
Wechselhaft gewesen wäre denke ein
Vergleich mit Islamisten wäre heute
Passender in Menschenverachtung

Dafür berichtet er aus dem Tagebuch
Von Henry Machyn mit Hinrichtungen
Verbrennung von Ketzern oder dem 
Pranger in London und Vierteilung 

Auf der London Bridge und wie deren
Köpfe danach dort aufgespießt waren
An das Holz genagelte Ohren dazu 
Der Ausbruch der Pest dann noch

Die Königin Elizabeth muss exotisch
Gewirkt haben weiß geschminktes
Gesicht zu leuchtend rot gefärbten
Haaren die Zähne schwarz verfärbt

Sie wurde regelmäßig vor dem Volk 
Noch in Szene gesetzt am Hof musste 
Sich ihr auf Knien genähert werden
Ihr dabei Liebe noch vorzuspielen

Mit sechzig noch empfing sie den
Französischen Botschafter in einem
Kleid aus Gaze bei dem ihr Busen 
Offen sichtbar ganz nackt war

Sie öffnete dabei ihr Kleid und zeigte
Dem erstaunten Botschafter noch
Mehr von sich dabei war diese 
Strategie wohlüberlegt und sollte 

Die Besucher verwirren ihre Portraits
Durften keine Schatten enthalten ihre
Schönheit makellos erscheinen lassen
Die Zeit sollte ihr nichts anhaben

Es war als wäre eine Schutzschicht
Über das ganze Kulturleben verteilt
Es gab nur künstlerisches Mittelmaß
Die einheimische Kultur war eher 

Rückständig als auf dem Niveau der
Renaissance in Europa doch es gab
Östlich der Stadt The Theatre als das
Erste frei stehende Schauspielhaus

In der Nähe wurde mit The Curtain
Ein weiteres Schauspielelhaus gebaut 
Doch die Stücke waren derb und die
Theater waren in Vororte vertrieben

Dann änderte sich erstaunlich schnell
Alles und der Panzer brach auf etwa
Ab 1580 brillante Dichter dazu die 
Größten Dramatiker und die Kolonien

Es kam ein Francis Bacon der sagte 
Dass Wissen Macht sei dafür gibt es
Keine einheitliche Erklärung aber
Eine bemerkenswerte Persönlichkeit

Sie verkörpert Energie und Wagemut
Für Englands verspäteten Aufbruch 
In den kulturellen Aufruhr es ist
Christopher Marlowe für Greenblatt

Von diesem war jener Aufbruch nicht
Zu erwarten gewesen in der Provinz
Geboren und mit 29 ermordet worden 
War er bemerkenswert produktiv

Er verfasste sieben Theaterstücke
Wie außergewöhnliche Gedichte 
Doch wurde nichts zu Lebzeiten
Veröffentlicht es gibt fast nichts

Keine Briefe Tagebücher Entwürfe 
Dennoch ist er Greenblatt ein
Leitfaden durch ein Labyrinth aus
Spärlich beleuchteten Korridoren

Marlowe erweckte im Laufe seines
Kurzen ruhelosen dem Untergang
Geweihten Leben mit seinem Geist
Den Genius englischer Renaissance

Das ist eine spannende Einleitung
Die zur Figur Marlowe führt die aber
Etwas im Bestseller Thriller Stil doch 
Inszeniert ist der viel unterschlägt 

Später werden wir hoffentlich noch
Mehr erfahren und warum Marlowe
Als genialer als Shakespeare gilt
Umfassend gebildet dazu noch war

Dies zum Einstieg erstmal noch
Mag mit der Dramaturgie die gern
Ein Gefühl für diese grausame Zeit
Geben will noch begründet sein

So liest sich Greenblatt gut und ist
Spannend für den Leser auch wenn
Dabei seltsame Spuren vorab noch
Gelegt werden die verwirren können

Zu wissen dass ein Marlowe anders 
Als Shakespeare studierte und den 
In der Renaissance fortschrittlicheren
Kontinent bereiste erklärte viel

Aber gerne lasse ich mich weiter
Auf das Theater von Greenblatt ein
Den Geist der eigenen englischen 
Renaissance neu zu erkunden

jens tuengerthal 2.7.26

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