Lektürentagebuch 14.7.26
Harry Graf Kessler berichtet in den
Erinnerungen eines Europäers aus
Der Zeit in Paris wie den Wohnungen
Seiner Eltern die schließlich in einem
Kleinen Palais zwischen den Champs
Elyséea und Seine wohnten und wen
Die Mutter dort alles empfing wozu er
Wieder aus ihren Erinnerungen zitiert
Wie sie jeden Morgen gegen zehn
Empfing wer regelmäßig kam und
Sich dort wie benahm wobei er mit
Dem spanischen Botschafter beginnt
Wie ihr Mann alles versucht hätte sie
Zu einer großen Dame zu erziehen
Aber sie doch immer zu direkt war
Die anderen spüren ließ was sie
Von ihrem Benehmen hält und wie
Dieser mit ihr redete als sei sie dumm
Weil er meinte Frauen bräuchten nur
Schön zu sein was völlig genüge
Wie sie diesem Gast gegenüber
Dann doch zu deutlich wohl ihr
Missfallen zeigte was Bankiers wie
Diplomaten am besten nie tun
Mehr schätzte sie den deutschen
Botschafter in Paris einen Fürsten
Hohenlohe der mit Familie kam mit
Seinen erwachsenen Kindern dazu
Mit dem Sohn sang und musizierte
Die Mutter regelmäßig schätzte ihn
Fürst Chlodwig war zwar klein an
Statur aber groß an Persönlichkeit
Der richtige Mann ein großes und
Siegreiches Land zu vertreten aber
Die Fürstin passte nicht zu ihm denn
Obwohl groß fehlte es ihr an Haltung
Dazu war sie nicht schön was doch
Für eine Frau immer von Nachteil sei
Schreibt die wunderschöne Mutter mit
Spitzer Zunge dazu weil diese beim
Sprechen zu viel Zähne zeigte was
Keiner stehen würde aber ihre Tochter
Ganz genauso auch machte und sah
Gelegentlich eher abwesend aus
Sehr witzig und spitzzüngig wäre
Dagegen der uralte österreichische
Botschafter Graf Beust und erzählt
Schöne komische Anekdoten die
Schmerzhaft schön auch auf seine
Attachés ausgedehnt wurden mit dem
Schwarzen leicht erotischen Humor
Den die Wiener so wunderbar zeigen
Von diesem kommt sie zum Pariser
Times Korrespondenten Oppert von
Blowitz der aber nur aus Blowitz kam
Dessen Feder aber gefürchtet war
Darum bemühten sich alle Damen
Um seine Gunst was ihn schließlich
Glauben ließ seine Hässlichkeit habe
Etwas pikantes sei unwiderstehlich
Ganz anders wäre der Erbauer des
Suezkanals Ferdinand von Lesseps
Der von der Kaiserin schwärmte mit
Geradezu poetischen Worten
Als dann der Herausgeber des Figaro
Vorschlägt die große Sarah Bernhardt
Zu besuchen die gerade Bildhauerin
War und eine ältliche Bekannte formte
Hier lästert sie ganz wunderbar über
Die affige Eitelkeit des damaligen
Superstars ohne alle Ironie dabei
Sie eigentlich nur peinlich findet
Wie sie sich mit Michelangelo noch
Vergleicht der nun im Grab rotiere
Den vielen albernen Gesten wie
Dem Preis für die schlechte Schau
Dafür lobt Harrys Mutter dann auch
Einen Schauspieler über den die
Bernhardt vorher noch lästerte auch
Im Gespräch als sehr bescheiden
Die spätere Gräfin Kessler zeigt sich
Also in ihren Erinnerungen schon sehr
Preußisch und menschlich noch dazu
Mit üblich höfischer Lästerei dabei
Mit was sollen sich Menschen die
Beruflich repräsentieren auch sonst
Beschäftigen denke ich dabei der den
Tratsch zu gut kennt und gern meidet
jens tuengerthal 14.7.26
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