Enthaltsamkeit
„Ich lebe mein Leben
in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten
vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.“
Rainer Maria Rilke im Stundenbuch vom mönchischen Leben
Diese wunderbaren ersten Verse
Stellten wir gemeinsam der
Todesanzeige meines Vaters voran
Auch weil er Rilke so liebte bei
Jeder Gelegenheit den Panther
Noch zitierte leicht romantisch
Verklärt im Wesen dabei als
Sonst Naturwissenschaftler
Doch diese obigen Verse
Sind auch mir ganz nah
Der sich nun lesend fragt
Ist Enthaltsamkeit ein weniger
Oder die Chance nach mehr
Anders als mein Vater der immer
Auf alles neugierig durch die Welt
Wie die Natur zog neues dort zu
Entdecken genügt mir weniger
Scheint der Rückzug mir viel
Verlockender als jede Expedition
Außer vielleicht zur Erforschung
Der natürlich vollkommenen
Weiblichen Schönheit noch
Wo sich die Gelegenheit ergibt
Doch im wesentlichen mehr in
Geistigen Welten unterwegs statt
Durch die Welt noch zu hetzen
Gehe ich lieber in mich und
Erweitere meinen Horizont
Lieber lesend als laufend
Weil ich im Geist erst wirklich
Grenzenlos frei bin scheint das
Gerenne lästiger Touristen mir
Nur eine überflüssige Belastung
Durch Idioten die nicht lesen
Aber enthalte mich lieber nun
Um meine Ruhe zu haben und
Ungestört mit Fenster zum Hof
Weiter gute Bücher zu lesen
Von allem anderen könnte ich mich
Auch völlig enthalten weil alles
Weniger was es von außen zum
Inneren Glück braucht die Freiheit
Der Zufriedenheit nur vergrößert
Enthalte mich von der Welt
Lebe zurückgezogen um im
Geistigen Universum meiner
Bibliothek zu reisen denn
Mehr braucht es nicht
jens tuengerthal 1.7.26
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