Freitag, 17. Juli 2026

Lektürentagebuch 17.7.26

Lektürentagebuch 17.7.26

In Erinnerungen eines Europäers 
Schreibt Harry Graf Kessler wieder
So schwärmerisch über seine Mutter
Dass schlichte Heten hier nur staunen

Zwar war Alice Gräfin Kessler ganz
Ohne Frage eine besondere Frau
So schön wie begabt doch was will
Ihr Sohn damit uns Lesern erzählen

Geht es ihm um sich der sich ein
Denkmal mit der Verehrung setzt
Kämpft er für Gerechtigkeit für die
Immer verkannte Mutter dabei

Im Gegenteil er verstärkt nur was
Die Zahl ihrer Neider schon zeigte
Betont dass offensichtliche noch
Durch fast aufdringliche Superlative 

Natürlich sollen wir nichts als Gutes 
Über die Toten sagen wozu schon 
Die alten Römer uns passende
Sprüche überliefert auch haben 

Doch als der für Sohn so liebevolle
Erinnerungen an seine Mutter verfasst
Ist die 1844 in Bombay geborene 
Alice bereits über elf Jahre tot

Der sonst treffende Betrachter der
Zustände kämpft für die Ehre wie
Das Ansehen seiner Mutter als
Ginge es um sein Ansehen dabei

Zu dieser Zeit als Flüchtling wieder
In Frankreich lebend ohne das einst
Riesige väterliche Vermögen noch
Schafft er ein verklärtes Heiligenbild

Kessler der sprachlich so scharf wie
Treffend auch schießen konnte noch
Erfahrung aus der Politik hat will 
Seiner Mutter ein Denkmal errichten

In diesem Kapitel berichtet er von 
Ihrer Reaktion auf Hass und die
Öffentliche Polarisierung die sie sich
Lieber der Kunst zuwenden ließ

Ihre Freundschaft mit dem Autor 
Barcey d’Aurevilly ein Monarchist
Wie leidenschaftlicher Katholik
Der gern Sünder charakterisiert 

Sie beschreibt ihn dabei sehr treffend
Als etwas aus der Zeit gefallen und
Wie es über seine Gönnerin zum
Kontakt mit ihr schließlich kam

Ihre Abneigung gegen die Katzen
Mit denen der bettelarme Poet noch
Zusammenlebte was sie hinderte den
Eigenwilligen Mann je zu besuchen

Stattdessen kam er natürlich zu ihr
Spielte rührend mit der Schwester
Sah aus wie ein Adler mit einer
Dazu ganz speziellen Aura noch

Im Kreise der rauchenden Katzen 
Schrieb er seine Meisterwerke die er
Ihr gerne mit rotgoldener Tinte auf
Klebrig romantische Art widmete 

Ausführlich erzählt er dann vom 
Theater das in Paris eine Rolle
Spielte wie in Deutschland die
Hausmusik als Teil der Kultur

Natürlich spielen sie in so einem
Privaten Theater in einem der
Salons dann Ibsens Nora und
Selbstverständlich spielt Alice sie 

Die Geschichte wie dann noch
Henryk Ibsen persönlich zu einer
Vorstellung geladen wird erst nicht 
Will und dann doch zusagt ist mal 

Wieder nett geplaudert von Harry 
Das macht er mit nonchalance quasi
Nebenbei ganz wunderbar auch wenn
Das Mama-Spiel hier noch weitergeht 

Ibsen der erst ablehnend auf die
Laientruppe reagierte kam dann doch
Natürlich glänzte Alice bei der dort
Tarantella alles erwartungsgemäß 

Was Ibsen dazu sagt und ob es
Einen persönlichen Kontakt gab
Bleibt an dieser Stelle noch offen 
Vielleicht wird auf vergessen gesetzt

Wenn nichts dabei war gab es nie
Einen Grund Ibsen zu erwähnen
Außer der Autor betreibt hier ein
Plakatives name dropping wieder

Stattdessen wird das großartige
Talent der Mutter gelobt die als
Laie sich ganz einfühlen konnte 
Mit größter Leidenschaft spielte

jens tuengerthal 17.7.26


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