Lektürentagebuch 17.7.26
In Erinnerungen eines Europäers
Schreibt Harry Graf Kessler wieder
So schwärmerisch über seine Mutter
Dass schlichte Heten hier nur staunen
Zwar war Alice Gräfin Kessler ganz
Ohne Frage eine besondere Frau
So schön wie begabt doch was will
Ihr Sohn damit uns Lesern erzählen
Geht es ihm um sich der sich ein
Denkmal mit der Verehrung setzt
Kämpft er für Gerechtigkeit für die
Immer verkannte Mutter dabei
Im Gegenteil er verstärkt nur was
Die Zahl ihrer Neider schon zeigte
Betont dass offensichtliche noch
Durch fast aufdringliche Superlative
Natürlich sollen wir nichts als Gutes
Über die Toten sagen wozu schon
Die alten Römer uns passende
Sprüche überliefert auch haben
Doch als der für Sohn so liebevolle
Erinnerungen an seine Mutter verfasst
Ist die 1844 in Bombay geborene
Alice bereits über elf Jahre tot
Der sonst treffende Betrachter der
Zustände kämpft für die Ehre wie
Das Ansehen seiner Mutter als
Ginge es um sein Ansehen dabei
Zu dieser Zeit als Flüchtling wieder
In Frankreich lebend ohne das einst
Riesige väterliche Vermögen noch
Schafft er ein verklärtes Heiligenbild
Kessler der sprachlich so scharf wie
Treffend auch schießen konnte noch
Erfahrung aus der Politik hat will
Seiner Mutter ein Denkmal errichten
In diesem Kapitel berichtet er von
Ihrer Reaktion auf Hass und die
Öffentliche Polarisierung die sie sich
Lieber der Kunst zuwenden ließ
Ihre Freundschaft mit dem Autor
Barcey d’Aurevilly ein Monarchist
Wie leidenschaftlicher Katholik
Der gern Sünder charakterisiert
Sie beschreibt ihn dabei sehr treffend
Als etwas aus der Zeit gefallen und
Wie es über seine Gönnerin zum
Kontakt mit ihr schließlich kam
Ihre Abneigung gegen die Katzen
Mit denen der bettelarme Poet noch
Zusammenlebte was sie hinderte den
Eigenwilligen Mann je zu besuchen
Stattdessen kam er natürlich zu ihr
Spielte rührend mit der Schwester
Sah aus wie ein Adler mit einer
Dazu ganz speziellen Aura noch
Im Kreise der rauchenden Katzen
Schrieb er seine Meisterwerke die er
Ihr gerne mit rotgoldener Tinte auf
Klebrig romantische Art widmete
Ausführlich erzählt er dann vom
Theater das in Paris eine Rolle
Spielte wie in Deutschland die
Hausmusik als Teil der Kultur
Natürlich spielen sie in so einem
Privaten Theater in einem der
Salons dann Ibsens Nora und
Selbstverständlich spielt Alice sie
Die Geschichte wie dann noch
Henryk Ibsen persönlich zu einer
Vorstellung geladen wird erst nicht
Will und dann doch zusagt ist mal
Wieder nett geplaudert von Harry
Das macht er mit nonchalance quasi
Nebenbei ganz wunderbar auch wenn
Das Mama-Spiel hier noch weitergeht
Ibsen der erst ablehnend auf die
Laientruppe reagierte kam dann doch
Natürlich glänzte Alice bei der dort
Tarantella alles erwartungsgemäß
Was Ibsen dazu sagt und ob es
Einen persönlichen Kontakt gab
Bleibt an dieser Stelle noch offen
Vielleicht wird auf vergessen gesetzt
Wenn nichts dabei war gab es nie
Einen Grund Ibsen zu erwähnen
Außer der Autor betreibt hier ein
Plakatives name dropping wieder
Stattdessen wird das großartige
Talent der Mutter gelobt die als
Laie sich ganz einfühlen konnte
Mit größter Leidenschaft spielte
jens tuengerthal 17.7.26
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen