Lektürentagebuch 11.7.26
Herrlich plaudert Harry Graf Kessler
Über die Familie seines Vaters in den
Erinnerungen eines Europäers dem
Buch über seine eigene Kindheit
Die Familie kam ursprünglich aus
Sankt Gallen einer der Vorfahren
War ein Reformator der noch bei
Luther studierte ein andere war
Lehrer des der Reformation nächsten
Habsburgers Maximilian II um dann
Auf seinen Vater zu kommen der als
Ständig in Bewegung befindliches
Ideal vom Sohn beschrieben wird
Der auch die notwendige Strenge
Walten ließ mit der er Harry Essen
Was er nicht aufaß wieder servierte
Dies grausame Spiel konnte so lange
Gehen bis er gehorchte worüber sich
Harry nicht weiter erregt es eher gut
Wie menschlich normal auch findet
Da haben sich heute Anschauungen
Gewandelt ob immer zum Glück
Würden einige vermutlich streiten
Harry ist da eher zurückhaltend
Sehr anschaulich auch beschreibt er
Die Kur der Eltern jeden Sommer in
Bad Ems und lässt die Mutter dabei
Beschreiben wie Kaiser Wilhelm sie
Ansprach als der Vater gerade noch
Wasser vom Brunnen holte und wie
Die Freundschaft weiter langsam
Wuchs auch mit den Attachés
Dabei sind Graf Lehndorff und
Fürst Radziwill der Harry in Berlin
Wohl eine Hilfe am Anfang war
Der besonderen Erwähnung ihm wert
Es ist die Zeit vor Beginn des Krieges
Von 1870/71 der rasanten Flucht aus
Ems nach der Kriegserklärung durch
Den französischen Botschafter dort
Was erstaunt denke ich an die
Emser Depesche von Bismarck
Die dieser aus Bad Kissingen noch
Sandte die Kessler nicht erwähnt
So lässt er seine selbstbewusste
Mutter die um ihre Schönheit schon
Wusste wie ihre exquisite Pariser Garderobe natürlich beschreiben
Das hat eine gewisse nonchalance
Sie weiß um ihre Schönheit setzt
Diese auch bewusst ein tritt in ihrem
Salon als gefeierte Sängerin auf
Gleichzeitig wird sie als eher noch
Schüchtern beschrieben die lieber
Zurückgezogen mit Büchern lebte
Statt gesellschaftlich zu glänzen
Den Krieg verbringen sie in England
Was dem Vater sicherer schien noch
Auf dem Gut eines ihrer Verwandten
Wo es sehr schlossig noch zugeht
Der Vater leitet derweil wieder sehr
Erfolgreich die Londoner Filiale der
Hamburger Bank deren Anteile er
Schon von seinem Onkel erbte
Als sie 1873 also nach dem Krieg
Wieder in Bad Ems kurten kam der
Inzwischen Kaiser wieder auf seine
Mutter zu und suchte den Kontakt
Sie zählt dann die Besucher ihres
Kleinen Salons in Ems auf was sich
Wie ein höfisches Who-is-who liest
Prinz Heinrich Reuß, Grafen Arnim
Metzlers aus Frankfurt mit Töchtern
Sonstige Grafen und Gräfinnen der
Alte Herr Hofmarschall Perponcher
Die Fürstenbergs Bernhard Bülow
Jener der später Reichskanzler wurde
Ist intimer Freund des Baron Plessen
Des besten Freundes ihres Mannes
Der auch über Leichen gehen würde
Sie beschreibt ihn als herzlos wie
Skrupellos gescheit aber nicht zu sehr
Er war mittelgroß und sehr blond bis
Zu den Augenbrauen mit völlig
Ausdruckslosen wässrigblauen Augen
Sah uninteressant wie charakterlos
Zugleich aus dagegen war Plessen
Auffallend intelligent und dunkelblond
Enge Beziehungen hatten sie auch
Zur Familie Battenberg die in England
Später Mountbatten wurden damals
Großherzoglich hessisch auch waren
Deren Aufstieg begann damals der
Sie bald in europäischer Politik in den
Vordergrund bringen sollte dabei hat
Seine Mutter mit Prinz Alexander von
Hessen vierhändig gespielt und ich
Denke an meine Großmutter die noch
Mit Prinz Louis Ferdinand in Bremen
Bridge und vierhändig auch spielte
Aus dessen morganatischer Ehe
Wiederum die Battenbergs als
Nachfahren einer Gräfin Hauke der
Morganatischen Gattin Alexanders
Eine süße Geschichte erzählt sie
Noch als sie im Regen nach Hause
Kam von der Promenade ihre Zofe rief
Weil der Salon schon gut gefüllt war
Kamen ihr Mann und Prinz Heinrich
Ersterer mit einer Tasse Tee der
Letztere mit ihren Pantoffeln aus
Ihrem Schlafzimmer angelaufen
Im Halbdunkel verwirrt stellte sie
Dem Prinzen Heinrich die Tasse
Auf den Kopf und meinte er solle
Stillhalten ihn für einen Diener haltend
Das ganze gab großes Gelächter
Bei der Aufklärung passte aber zu
Dem was seine Mutter schon vom
Prinzen Heinrich Battenberg schrieb
Der damals schon verklärte Kaiser
Vom Alter der Großvater der Mutter
Knüpfte ein enges Verhältnis zu ihr
Um das sich Legenden rankten
Der Kaiser nannte seine Mutter
Sottichen nach einem von ihm
Erfundenen Spitznamen sie redeten
Dabei kaum über Politik je
Dafür um so mehr über Menschen
Etwa seine Mutter die schöne Königin
Louise er liebte wohl die Frauen aber
Sie hätte ihn nur im Alter gekannt
Da wäre er seiner Frau treu geblieben
Berichtet seine Mutter deren Bild noch
Lange nach seinem Tod auf dem
Schreibtisch Unter den Linden stand
Zu mehr lässt sich Harry Kessler noch
Nicht hinreißen zitiert darum ganz
Offiziell formell auch aus den
Erinnerungen seiner Mutter
Eine gute Gelegenheit hier eine
Lesepause einzulegen um noch
Kleinigkeiten zum Spätstück um
Kurz vor acht nun einzukaufen
jens tuengerthal 11.7.26
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