Zeitreisender
Bin ein Zeitreisender und so
Ständig unterwegs in der Welt
Springe zwischen Jahrhunderten
Wie Vielflieger zwischen Kontinenten
Nur verliere ich keine Reisezeit
Ein Griff in die Bücherstapel genügt
In andere Welten zu kommen die
Ständig irgendwo neben mir liegen
Manche fahren irgendwo hin
Um es gesehen zu haben was
Die Tiefe ihres Verständnisses
Offenbart es bleibt oberflächlich
Anschauung begreift nichts dazu
Braucht es Bildung und Bücher
Die einen Zusammenhang erst
Zu und zwischen Dingen herstellen
Lektüre erläutert genau diesen
Lässt dazu noch weiter blicken
Als jeder Aussichtspunkt sonst
Nur wer liest kann verstehen
Wer gut belesen dann reist kann
An anderen Orten etwas erkennen
Alle anderen sind nur Touristen also
Im Dunkeln tappende Störenfriede
Weil Zeit natürlich beschränkt ist
Erspare ich mir die Reisezeit und
Gehe lieber lesend den Dingen auf
Den Grund statt nur davorzustehen
Erfahre mit einem Griff viel mehr
Vom Geist der Orte ausmacht als
Alle die nur da waren und das ohne
Sich vom Fleck rühren zu müssen
Geistige Mobilität bei endlich realer
Immobilität ist unsere Zukunft wenn
Es noch eine geben soll manche
Begreifen es immer noch nicht
Doch egal wohin ich auch gehe
Kann durch die Zeit nur reisen
Wer über Lichtgeschwindigkeit hat
Oder es einfach geistig lesend tut
Weil E=mc² immer gilt bliebe von
Denen die beschleunigt reisen nie
Mehr als Energie noch übrig die ihre
Bemühte Bewegung auch verbraucht
Dagegen überwindet die radikale
Entschleunigung der Leser alle
Grenzen der Natur phantastisch
Lässt durch Zeit und Raum reisen
So wurde ich als leidenschaftlicher
Leser mit einer Abneigung gegen
Alle oberflächlichen Reisen zum
Zeitreisenden der überall auch ist
Die Bibliothek ist mir die Welt
Alles was zählt findet sich hier
Bleiben verbrennt keine Energie
Aber schenkt viel Gelassenheit
jens tuengerthal 14.7.26
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