Versgedanken II
Weiter geht es mit den Gedanken zu
Einigen Versen von Vergil die ich
Gestern als Lektürentagebuch noch
Betrachtete was auch richtig war
Hatte lächelnd Montaigne gelesen
Aber wie immer geht es bei ihm um
Philosophie und denkt er dazu über
Die Verhältnisse nach und Verse
Benutzt er nur als Ablenkung um
Nicht über Sex und Liebe darüber
Schreiben zu müssen was dann
Mit der Ehe zum Thema wird
Das ist der Humor wie zugleich
Die Bescheidenheit Montaignes
Der gerne Understatement übt
Außer bei seinem Adel natürlich
Dessen Wert trägt er gerne noch
Vor sich her war er doch erst der
Zweite der Familie der als solcher
Leben kann und darf da braucht es
Scheinbar noch etwas Marketing
Um bei Hof etwas zu gelten auch
Wenn er zu gerne betont wie lästig
Ihm die Reisen nach Paris sind
Andererseits war es auch eine wohl
Lohnende Ehre königlicher Berater
Sein zu dürfen der er vermutlich gern
Folgte nur halt bescheiden tat
So dürfen die Leser bei Montaigne
Fein unterscheiden zwischen dem
Understatement aus Überzeugung
Und der typisch adeligen Koketterie
Der Geist könne sich noch feurig
Begeistern doch drückt der eher
Noch umgekehrte Zustand seiner
Gesundheit ihn natürlich nieder
Vergessen will er zumindest das
Leiden in den Ruhepausen um
Noch das mögliche zu genießen
Haltet die Stirn frei von Kummerfalten
Den Trübsinn sollen wir durch
Scherze uns noch aufheitern
Verkniffene Gesichter fliehen
Aus denen nur Dünkel spricht
Tugendhaftigkeit sei eine fröhliche
Einnehmende Eigenschaft diejenigen
Die sich über die Zügellosigkeit seiner
Schriften empörten nur sehr wenige
Nicht über die Zügellosigkeit ihrer
Eigenen Gedanken die Stirn runzeln
Müssten wären sie offen und ehrlich
Sie sehen es wie er aber tun beleidigt
Was zu fühlen sich wer nicht schäme
Sollte er sich nicht schämen zu sagen
So hasse er einen mürrischen Geist
Der lieber beim widerwärtigen bleibt
Sie seien wie Schmeißfliegen die auf
Glatten Grund keinen Halt finden die
Darum lieber den Dreck aufsuchen
Er sage alles was er auch tue
Gedanken die er nicht öffentlich
Aussprechen dürfe sein ihm zuwider
Die schlimmste seiner Handlungen
Sei nicht so schrecklich wie diese
Auch noch verschweigen zu wollen
Statt schüchtern im Gestehen der
Eigenen Verfehlungen wären wir es
Besser vorher schon im Begehen
Der Wagemut zum Unrecht erhält
Durch den sich dazu zu bekennen
Ein Gegengewicht so würde keiner
Mehr tun was er sonst verschwiege
Er hoffe die große Freiheit die er
Sich beim Schreiben nehme in
Menschen den Mut zu eigener
Freiheit wecken würde über die
Feige nur vorgeheuchelten Tugenden
Hinweg diese Ausgeburt unserer
Mängel und er durch seine eigene
Maßlosigkeit zur Vernunft führe
Du musst Fehler durchschauen ehe
Wer sie offenbaren kann wer es vor
Anderen verbirgt tut es auch vor sich
Sie verhüllen es vor ihrem Gewissen
Warum bekennt niemand seine Laster
Weil sie ihnen noch immer verfallen
Nur wer erwacht kann von seinen
Albträumen auch erzählen
Das geniale moralische Bekenntnis
Zur Offenheit statt Lüge und der so
Üblichen Verstellung die keinem
Dabei noch gerecht werden kann
Montaigne nimmt gerne Umwege
Um an geistige Ziele zu gelangen
Er plädiert für große Ehrlichkeit auch
Vor sich selber um dabei frei zu sein
jens tuengerthal 1.3.26
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen