Montag, 2. März 2026

Versgedanken II

Versgedanken II

Weiter geht es mit den Gedanken zu
Einigen Versen von Vergil die ich
Gestern als Lektürentagebuch noch
Betrachtete was auch richtig war

Hatte lächelnd Montaigne gelesen
Aber wie immer geht es bei ihm um
Philosophie und denkt er dazu über
Die Verhältnisse nach und Verse

Benutzt er nur als Ablenkung um
Nicht über Sex und Liebe darüber
Schreiben zu müssen was dann
Mit der Ehe zum Thema wird

Das ist der Humor wie zugleich
Die Bescheidenheit Montaignes
Der gerne Understatement übt 
Außer bei seinem Adel natürlich

Dessen Wert trägt er gerne noch
Vor sich her war er doch erst der
Zweite der Familie der als solcher
Leben kann und darf da braucht es 

Scheinbar noch etwas Marketing
Um bei Hof etwas zu gelten auch
Wenn er zu gerne betont wie lästig
Ihm die Reisen nach Paris sind

Andererseits war es auch eine wohl
Lohnende Ehre königlicher Berater
Sein zu dürfen der er vermutlich gern
Folgte nur halt bescheiden tat 

So dürfen die Leser bei Montaigne
Fein unterscheiden zwischen dem
Understatement aus Überzeugung
Und der typisch adeligen Koketterie

Der Geist könne sich noch feurig
Begeistern doch drückt der eher
Noch umgekehrte Zustand seiner
Gesundheit ihn natürlich nieder

Vergessen will er zumindest das
Leiden in den Ruhepausen um
Noch das mögliche zu genießen
Haltet die Stirn frei von Kummerfalten

Den Trübsinn sollen wir durch
Scherze uns noch aufheitern
Verkniffene Gesichter fliehen 
Aus denen nur Dünkel spricht

Tugendhaftigkeit sei eine fröhliche 
Einnehmende Eigenschaft diejenigen
Die sich über die Zügellosigkeit seiner
Schriften empörten nur sehr wenige

Nicht über die Zügellosigkeit ihrer
Eigenen Gedanken die Stirn runzeln 
Müssten wären sie offen und ehrlich
Sie sehen es wie er aber tun beleidigt

Was zu fühlen sich wer nicht schäme
Sollte er sich nicht schämen zu sagen
So hasse er einen mürrischen Geist
Der lieber beim widerwärtigen bleibt

Sie seien wie Schmeißfliegen die auf
Glatten Grund keinen Halt finden die
Darum lieber den Dreck aufsuchen
Er sage alles was er auch tue

Gedanken die er nicht öffentlich
Aussprechen dürfe sein ihm zuwider
Die schlimmste seiner Handlungen
Sei nicht so schrecklich wie diese 

Auch noch verschweigen zu wollen
Statt schüchtern im Gestehen der
Eigenen Verfehlungen wären wir es
Besser vorher schon im Begehen

Der Wagemut zum Unrecht erhält 
Durch den sich dazu zu bekennen 
Ein Gegengewicht so würde keiner 
Mehr tun was er sonst verschwiege

Er hoffe die große Freiheit die er
Sich beim Schreiben nehme in 
Menschen den Mut zu eigener 
Freiheit wecken würde über die

Feige nur vorgeheuchelten Tugenden
Hinweg diese Ausgeburt unserer
Mängel und er durch seine eigene
Maßlosigkeit zur Vernunft führe

Du musst Fehler durchschauen ehe
Wer sie offenbaren kann wer es vor
Anderen verbirgt tut es auch vor sich 
Sie verhüllen es vor ihrem Gewissen

Warum bekennt niemand seine Laster
Weil sie ihnen noch immer verfallen 
Nur wer erwacht kann von seinen
Albträumen auch erzählen

Das geniale moralische Bekenntnis
Zur Offenheit statt Lüge und der so
Üblichen Verstellung die keinem 
Dabei noch gerecht werden kann

Montaigne nimmt gerne Umwege
Um an geistige Ziele zu gelangen
Er plädiert für große Ehrlichkeit auch
Vor sich selber um dabei frei zu sein

jens tuengerthal 1.3.26

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