Dienstag, 31. März 2026

Lektürentagebuch 31.3.26

Lektürentagebuch 31.3.26

In der Nacht noch ein wenig mit
Kurt Tucholsky amüsiert über 
Der Kontrollierte eine kleine Glosse
Von der Fahrkartenkontrolle 

Wie der uniformierte Herr in der
Bahn höflich korrekt um das
Vorzeigen der Fahrausweise hier
Sogar uniformiert noch bittet

Jeder kennt diese Szene im
Öffentlichen Nahverkehr wenn
Einer errötend noch selbigen 
In allen Taschen sucht den

Dann die bösen Blicke treffen
Wie kann der Asoziale nur der
Sich wohl mal wieder drücken 
Wollte geben sie ihm zu verstehen

Keine Solidarität mit dem Erwischten 
Eher Verneigung vor der Uniform
Die ja auf gut deutsch dabei nur
Ihre Pflicht wie leider nötig tut

Eine Kleinigkeit ein nur winziger 
Fahrschein wird ganz bedeutend
Macht erwachsene Menschen zu
Kindern oder sogar zu Aussätzigen 

Es errötet dunkel der erwischte 
Schwarzfahrer und leicht rosa
Die übrigen Fahrgäste vor lauter
Aufregung hier dabei zu sein

Froh dass es sie nicht erwischt
Eigentlich geben sie sich eher
Herablassend gegenüber dem
Dem Delinquenten in der Bahn

Solidarität kann hier keiner erwarten
Eher noch den Hass der anderen
Zu kurz gekommenen die sich mit
Dem Staat dennoch solidarisieren

Eine feine Beschreibung dieses fast
Alltäglichen Ereignisses im Verkehr
Der Städte soweit öffentlich was allen 
Passieren kann aber keiner versteht


Weiter nun in der Verfeinerung der
Deutschen über Luthers hysterische
Kampfschrift an den christlichen Adel 
Deutscher Nation welche eine völlig 

Seltsame Mischung aus deutschem 
Patriotismus, radikaler Kirchenreform
Und Kulturpessimismus dazu war die
Zivilisation wie Humanismus aufgab

Eigentlich ging es Deutschland wie
Erwin Seitz schreibt nicht schlecht
Das Luther die elende Nation nannte 
Bis die Reformation kam und störte 

Was in von der Freiheit der Christen
Groß angekündigt wurde gab real nur
Den Fürsten mehr Macht um ihre
Diener in Gottes Namen zu knechten

Nach Luther sollte das gemeine Volk
Stolz darauf sein so anspruchslos zu
Sein wie seine kulturferne Vision die
Die Hochkultur grob erledigte

Nicht städtisch weltoffen und frei
Sondern provinziell rückständig und
Untertänig sollte das Volk werden
Statt Bildung kam das Christentum

Am Rande der Zivilisation wo sich
Luther in Wittenberg befand kam er
Nach Seitz auf manch vorsintflutliche
Ideen beschwor dabei bronzezeitliche

Ideale der Kultur noch nach der Bibel
Wie im ersten Buch Mose gezeigt
So sei die Erde vermaledeit und er
Sollte im Schweiße seines Angesichts

Sein Brot nur essen so hielt der
Doktor der Theologie in seiner aller
Körperlichen Arbeit fernen Stube
Die harte ländliche Arbeit hoch 

Bauern Handwerker Bürger sollten 
Helden der Arbeit und Entbehrung
Dabei werden und damit zufrieden
Gegen den Höllenfürsten gefeit sein

Die Fürsten zeigten sich dankbar
Für die Propaganda in den Schriften 
Nahmen sich gerne den vorher noch
Kirchenbesitz als dann ihre Sache 

Auch die Opposition gegen den noch
Katholischen Kaiser einte die Gruppe
Protestantischer Fürsten die gerne
Die Abgabe an den Papst einsparten

Über die Folgen des Partikularismus
Wurde 30 Jahre Krieg später geführt
Die toten Massen des Volkes hatten
Fürstlichen Egoismus auszubauen

Der Wunsch nach mehr Teilhabe auch 
Durch Bürger der Städte wurde darum
Moralisch gleich platt gewalzt obwohl
Die Schrift von der Freiheit für die

Christenmenschen die Bauern noch
Zu Aufständen quasi aufgewiegelte
Riet Luther den Fürsten sie alle
Besser gleich nieder zu machen

Infolge der Bauernaufstände wurden
Diese zu hunderttausenden noch
Für gerechte Forderungen von den 
Fürsten einfach niedergemetzelt 

Nach Seitz vergaloppierte sich Luther
Scheiterte ein freiheitlicher Ansatz am
Stärkeren Autoritätsspleen er fand nie
Aus den eigenen Paradoxien heraus

In der späten Schrift Von den Juden
Und ihren Lügen legt er der Obrigkeit
Ein fürchterliches Vorgehen nahe will 
Er Synagogen und Häuser anstecken 

Der kluge Erasmus von Rotterdam
Versuchte ihn zu besänftigen riet
Mit bescheidenem Anstand käme 
Er weiter als mit Sturm und Drang

Zwar ist die Kritik an Luther schon
Alt doch gab er viele Gründe dafür er
Förderte sehr deutsche Denkmuster
Vom Kulturpessimismus angefangen 

Das Freund-Feind-Schema und den 
Vorrang des autoritären provinziellen
Den deutschen Ernst und die ewige 
Tugend-Seife verstärkte er noch


Nach so viel unerfreulichem zum
Aberglauben noch etwas schönes 
Zur Liebe weiter geht es mit den
Ghost Stories von Siri Hustvedt

Über ihr Leben nach Pauls Tod
Das mit Gedanken zur Gestalt der
Zeit beginnt mit Erinnerungen an den
Tod und Sophies Schwangerschaft

Sie erzählt wie Paul sich seinen Vater
Mit Strohhut und Mistgabel vorstellte 
Weil seine Mutter Fortpflanzung mit
Der Metapher vom Saatkorn erklärte

Miles wuchs in Sophie so heran wie 
Sie in ihr gewachsen war so würde 
Die Gestalt der Zeit in natürlichen
Rhythmen um uns wahrgenommen

Die Jahreszeiten Tag und Nacht das
Hin und Her der Gezeiten im Meer
Zu und abnehmender Mond wie der
Weibliche Zyklus und Fruchtbarkeit

Sie denkt darüber nach wie die 
Fortgesetzte Zellteilung einen ganzen
Menschen irgendwann bilden der im
Leib eines anderen heranwächst

Wie in den ersten drei Monaten der
Schwangerschaft noch die eigene
Gebärmuttermilch den Embryo nährt 
Die der Uterus selbst produziert

Plazenta und Nabelschnur seien 
Erst ab der vierzehnten Woche
Ausgereift erfährt der neugierige
Leser der auch Vater schon wurde 

Wir machen Menschen schreibt sie
Während Miles in Sophie wuchs war
Sein Großvater gerade mit seiner 
Infusionstherapie fertig die umgekehrt

Das Wachstum des bösartigen Tumor
In seinem Körper bremsen sollte so
Wurde das Zellwachstum in Sophie 
Zu Leben das in ihrem Vater zum Tod

Was für eine starke Betrachtung des
Schlicht natürlichen Wachstums der
Zeller die zu Leben und Tod führen
Denke ich und dichte nun darüber

jens tuengerthal 31.3.26

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