Donnerstag, 19. März 2026

Lektürentagebuch 19.3.26

Lektürentagebuch 19.3.26

Im nächsten Kapitel Verfeinerung der 
Deutschen schaut Erwin Seitz die
Zweierlei Mythen der Deutschen an 
Zwischen Autorität und Freiheit 

Dabei kritisiert er die 2009 schon
Veröffentlichte Studie über die
Deutschen und ihre Mythen von
Herfried Münkler die für ihn

Viel zu einseitig nur auf den von
Germania und Tacitus schaut als ob
Dies die wesentlichen Erzählungen
Der Deutschen wären nach denen

Antirömisch mit Sagen etwa über
Die Schlacht im Teutoburger Wald
Sympathisiert wurde gegen die zu 
Große Arroganz der Römer 

Von der Schlacht im Teutoburger Wald 
Die Beschwörung von Heldenmut und
Opfer mit Kaiser Barbarossa noch als 
Leitfigur kriegerischer Macht 

Der Faust als ruheloser Grübler und
Metaphysiker der zum Kumpan des
Teufels wird oder Nürnberg wird als
Sinnbid vaterländischer Kunst verklärt 

Dazu noch emsiges Handwerk und 
Die Wartburg wo Luther die Bibel
Übersetzte wird zur Trutzburg gegen 
Rom die den Widerstand wahrt

Preußen als Symbol für Disziplin 
Sparsamkeit Leistungsbereitschaft
Bei großer Leidensfähigkeit hält die
Nur Sekundärtugenden primär hoch 

Die andere Seite der Kultur aber
Mit Verfeinerung in der höfischen
Kultur das unternehmerische im
Bürgerlich-patrizischen Erbe

All das Angenehme und Schöne
Das Zivile und Urbane mit Lebensart 
Feinschmeckerei kommt in diesen 
Deutschen Mythen Münklers nicht vor 

Nichts zum Luxus auf der Wartburg
Kein Wort zur schon bemerkenswert
Liberalen bürgerlichen Verfassung
Von Nürnberg schon im Mittelalter

Es geht stattdessen nur um eine
Bäuerlich-kriegerische Gesellschaft
Wie Tacitus sie beschreibt oder die
Nibelungen einst waren ohne eine 

Vorstellung vom friedlichen Leben
Mit Nachbarn oder ein Gleichgewicht
Von Streben und Leben es geht darin
Nur um Angriff und Verteidigung

Diese altertümlichen Mythen passten 
Schon nicht mehr mit der Blüte der
Freien Städte und der Hanse wie zur
Industrialisierung im Kaiserreich

Deutschland war im Kern von jeher
Moderner als die finsteren Ideologien
Weil er die Verfeinerung übersieht 
Bliebe Münkler ratlos meint Seitz

So meine er jede Nation brauche 
Politische Mythen aber erkennt dass 
Die Großerzählung unterging im
Nationalsozialismus auch weil sie

Nationalen Mythen wie Germania
Wortwörtlich folgten so verstehen
Leser wie die Hirngespinste der
Nazis daraus entstanden aber

Münkler wolle aus den Mythen noch
Zumindest den preußischen retten
Weil er den Paradigmenwechsel im
Land nach 1945 nicht erkannt hätte 

So gäbe es längst einen Wandel
Von der Autorität zur Freiheit vom
Archaischen zur Wohlfahrt so liefe es
Auf zwei Lebensformen hinaus 

Ariatokratisch-autoritärer Heroismus
Oder friedliebend liberal bürgerlich
Erstere geben sich hart gesotten
Stoisch schicksalsgläubig sie nehmen 

Leben tragisch dialektisch glauben 
An ewige Pendelschläge zwischen
Freud und Leid Glanz und Elend sie
Wollen Großes bewirken und halten

Am ewigen Wettrüsten fest wollen
Ihre Gegner überflügeln um ihre
Leidenschaft zu befriedigen ihre 
Ordnung ist quasi naturalistisch nur 

Sie kennen nur Herr und Knecht
Wie Freund und Feind als sei eine
Politik von Macht Ruhm und Ehre 
Selbstverständlich in der Welt noch

Dagegen geben sich die Vertreter der
Bürgerlichen Gesellschaft sehnsüchtig
Sentimental strebsam glauben an den
Fortschritt und nehmen das Leben als 

Offenen Prozess der Balance braucht
Glauben an die Verbesserung der
Zustände im mittleren Maß halten an
Der Idee der Wohlfahrt im Staat fest

Wollen Handel Verkehr Mode und
Vergnügen mit Schaffenskraft wie
Kreativität und Genuss huldigen der
Zivilisatorischen Ordnung dabei

Um Verständigung und Respekt
Bemüht der Freiheit und des Rechts
Als sei Politik des Common Sense
Auf der Welt selbstverständlich

Schon Homer kannte beide Formen 
Für ihn wuchs der bürgerlich zivile
Aus dem aristokratischen heraus
Bis heute ist es nicht streng getrennt

Für Helden ist die Welt einfach 
Sie glauben an den Satz des Heraklit
Wonach der Krieg Vater aller Dinge
Sei ohne es je zu überprüfen noch

Angeblich göttliche Wahrheiten der
Natur werden auf die Geschichte
Wie das Zusammenleben übertragen
Ihr Gesetz ist der Stärkere siegt

Für moderne Bürger ist die Welt
Dagegen komplizierter wer kritisch
Denkt kennt keine absolute Wahrheit
Sondern alles ist nur relativ gültig

Natur und Geschichte spielten zwar
Ineinander folgen aber nicht nötig den
Gleichen Regeln dabei ihr Motto ist
Der Klügere gibt nach und kommt weit

Vielleicht käme es darauf an beide zu
Verbinden überlegt Seitz Stärke mit
Klugheit Tatkraft mit Verständigung
Mut mit Mitgefühl Streben zu Genuss

Münkler dagegen würde als eine Art
Advocatus diaboli es mit Preußen und
Dem asketisch autoritären verbinden
Setzt auf deutsches Humankapital

Damit würden Nachteile in der Natur
Wie sonst Ressourcen wettgemacht
Durch Disziplin Sparsamkeit Zähigkeit
Also typische Sekundärtugenden

Seitz findet dabei schon das Wort
Humankapital fürchterlich als seien 
Menschen Spekulationsobjekt der
Heldenklasse für bloße Versuche

Der Preußen Mythos wusste mit der
Sparsamkeit nichts anzufangen als
Einen starken Militärstaat zu schaffen
Der seine Bürger und andere quälte

Letztlich blieb das Preußentum nicht
Lebensfähig wer nur große Opfer will
Tauge nie etwas für die Zukunft meint
Der heutige Wahlberliner Seitz dazu 

Es müsse auch Grazien und Musen
Artig ein Opfer gebracht werden denn 
Wohin soll Leistungsbereitschaft und
Leidensfähigkeit heute noch führen

Reicht es nicht dass Deutschland
Starke Wirtschaftsmacht in Europa ist
Die Deutschen müssen sich ja nicht
Zu Tode noch amüsieren sondern nur

Ein lebenswertes Leben führen ohne
Dass sich Streben und Genießen
Dabei gegenseitig besiegen wollen
Zeigte Deutschland besser Charme

Reizvolle Stoffe deutscher Geschichte
Würden nicht gehoben weil Forscher 
Verfeinerung für Nebensache halten 
Besonders seitens der Politik dabei

Vielleicht meint Seitz sollte heute auf
Beschwörende heldenhafte Mythen
Ganz verzichtet werden weil das
Zeitalter etwas vernünftiger ist

Es könnte genügen Geschichten einer
Verfeinerung gut vorzutragen damit 
Kontinuierliche Intelligenz zu zeigen
Um die Kulturschätze zu genießen

Natürlich meint er müssen weiter die 
Heroischen Mythen thematisiert auch
Werden wie die German Angst die
Der Freiheit nicht traut wie immer

Skeptisch gegenüber den Künsten 
Friedens noch eher ist sich ein freies
Selbstbestimmtes Leben in einer
Gemeinschaft nicht vorstellen kann

Es sei notwendig die deutschen
Mythen zu kennen um Geschichte 
Wie vor 1945 zu vermeiden aber die
Alten Sagen führten nicht weiter

Deutsche Schätze lägen doch noch
Wo ganz anders vergraben wie uns 
Etwa denke ich gerade die bekannte 
Himmelsscheibe von Nebra zeigte

jens tuengerthal 19.3.26

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