Lektürentagebuch 17.3.26
Die Verfeinerung der Deutschen hat
Erwin Seitz seine Kulturgeschichte
Des Landes genannt die ich heute
Von meiner Liebsten selig bekam
Schon im Vorwort schreibt er vom
Alten Traum der Menschen der sie
Vom Schweren zum Leichten streben
Lässt der Geschmeidiges hervorbringt
Nur bei den Deutschen scheint es ein
Weg in die Misere zu sein so gipfelt
Die nationale Geschichte meist in den
Katastrophen des 20. Jahrhunderts
Seitz möchte die deutsche Geschichte
Entzerren nicht die jüngste vergessen
Sondern neue Wege entdecken die
Zur Seite des Leichten auch führen
Er wollte anhand originaler Texte und
Quellen eine verborgene Ordnung der
Deutschen Geschichte zu entdecken
Die das gute Leben hier beförderte
Überrascht entdeckte er dabei dass
Sich auch eine Kulturgeschichte auf
Das menschlich bürgerliche sieht
Auf die Verfeinerung der Deutschen
Dabei geht das Buch zurück bis zum
Ende der kleinen Eiszeit also etwa bis
9500 vor der Zeitrechnung als sich die
Heutige Flora nördlich der Alpen bildet
Was gab es einst zu essen und zu
Trinken bevor die Landwirtschaft um
5500 vdZ begann wie nach und nach
Dörfer und Städte entstanden
Es entwickeln sich neue Sitten und
Künste die eine andere Lebensweise
Mit neuen Genüssen mit sich brachte
Dabei geht es bis in die Gegenwart
Philosophisch wird betrachtet was die
Urbedürfnisse und Sehnsüchte des
Menschen dabei sind was für uns zum
Schönen Leben alles dazu gehört
Von Essen und Trinken Liebe und
Liebelei Freundschaft Geselligkeit
Kleidung und Wohnen Kunst und
Literatur Unternehmungslust Reisen
Es ist der Weg zur Lebenskunst an
Der die Deutschen beharrlich arbeiten
An das antike Erbe anknüpfend für
Das Leben der Bürger in der Stadt
So wird an Bruno von Köln erinnert
Den Bruder Otto des Großen der
Um 960 die Grundlagen für das
Wirtschaftsbürgertum geschaffen hat
Oder Wolfram von Eschenbach der
Eine feinere Lebensart kavalierartig
In Versen uns vorstellte worin sich
Die Aristokraten auch wiederfanden
Seit dem hohen Mittelalter entstanden
Reihenweise liberale Stadtrepubliken
Nach 1617 wurde ein Martin Opitz zur
Leitfigur des nun Bildungsbürgertums
Wie die Reformation oder auch der
Preußische Militärstaat dabei noch
Das urbane Leben und die mündigen
Bürger bremste aber nie stoppte
Schon Katharina von Bora die später
Luther hieß nahm sich das Motto der
Kulturellen Verfeinerung zu Herzen
So galt vermehre deine Interessen
In der Einleitung wird am Beispiel
Des Scheiterns von Vanity Fair 2009
Gefragt ob es den Deutschen einfach
An Glamour fehle als Grund dafür
So sagte auch Goethe der hier mit
Einem Satz aus Wilhelm Meister
Zitiert wird dass der Charakter der
Deutschen alles schwer mache
Andererseits schwärmte bereits 1333
Petrarca in Köln doch wie erstaunlich
Kultiviert diese Barbaren wären wie
Schön und gepflegt die Frauen seien
Petrarca schrieb dies an seinen
Freund Kardinal Giovanni Colona
In Avignon nahm es aber nicht in
Sein Werk auf weil solch ein Bild
Vom angeblich unkultivierten Norden
Nicht in das Weltbild italienischer
Frühhumanisten passte sondern
Das übliche nur über Deutschland
Dort sei es öd und frostig es gäbe
Keine erlesenen Weine und nur selten
Etwas wohlschmeckendes zu essen
Was die Deutschen selbst glauben
Es gibt die Neigung hier dennoch
Den Luxus zu kritisieren dafür strenge
Sitten zu fordern was dann zwischen
Kleinmut und Größenwahn schwankt
Deutschland sei topographisch ein
Reichgegliedertes Land an sich es
Hat Berge Flüsse und sogar Meer
Mit gemäßigt feuchten Klima dazu
Dies bringe viel Grün hervor in
Wäldern und Wiesen dabei sind
Einige Böden gut für Landwirtschaft
Hänge für den Weinbau dazu
So hätten die Menschen über die
Jahrhunderte etwas daraus gemacht
Sie übernahmen Wissen aus der
Mediterranen Tradition erfanden neu
Der Wechsel der Jahreszeiten mache
Die eigentliche Schönheit hier aus
Wird Alexander von Humboldt nach
Daniel Kehlmanns Vermessung zitiert
Ein Treppenwitz der Weltgeschichte
War dass ausgerechnet das Heilige
Römische Reich Deutscher Nation
Im Zuge der Reformation gegen
Die römische Dekadenz und Kultur
Wetterte um gut deutsch zu sein was
Wie bekannt meist katastrophal dann
In zu langen brutalen Kriegen endete
Große Teile des Landes wandten sich
Von verweltichter römischen Kirche ab
Um skeptisch gegenüber der feineren
Zivilisation des Südens zu werden
Doch sollten die Misanthropen nicht
Täuschen es gab parallel immer eine
Feine Esskultur und die Geselligkeit
Wie Gastlichkeit lobte schon Tacitus
Heute gäbe es wie länger durch
Den Kapitalismus und weltweite
Bewegungen eine Tendenz zur
Vereinheitlichung in der Welt auch
Die Kultur des Kapitalismus sei
Paradox es soll tagsüber hart
Gearbeitet werden um abends dafür
Ausgiebig genießen zu können
Die geordnete Routine im Alltag soll
Durch hedonistisch-kommerzielle
Romantik der Freizeit entschädigt
Werden wie Eva Illouz sagte
Deutschland sei heute anders so
Hätte die Atmosphäre etwa bei der
WM 2006 auch viele Gäste verblüfft
Es wurde heiter und bezaubernd
Überall wurde öffentlich gefeiert
Die Kanzlerin und der Fußballkaiser
Fielen sich öffentlich in die Arme es
War ein fröhliches Fest im Land
Zwar mache eine Schwalbe noch
Keinen Sommer aber scheinbar gibt
Es unterschiedliche Traditionen die
Deutsche Kultur auch feiner machen
Im Deutschen leite sich das Wort fein
Von Fee ab so gehört das Feenhafte
Wie das Feine zusammen mit dem
Zarten und dem Leichten dazu
Verfeinerung meint die Bearbeitung
Des Rohen Groben und Schweren um
Geschmeidiges hervor zu bringen das
Sogar zauberhaft werden kann dann
Kultivierung der Natur hängt mit der Entwicklung der Kultur zusammen da
Verfeinert sich die Zivilisation endlich
Gehen elementare Bedürfnisse vom
Bereich des Notwendigen hin zum
Angenehmen Schönen Menschlichen
Essen und Trinken Kleidung Wohnung
Reise und Spiel werden zu Luxus
Der Charakter der Deutschen stände
Nicht für immer fest sie sind eine
Historisch gewachsene Gruppe die
Neues dazu in sich aufnimmt
Der Weg der Verfeinerung über die
Entwicklung und Kultivierung soll
Nun in diesem Band weiter verfolgt
Werden und ich bleibe gespannt
jens tuengerthal 17.3.26
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