Montag, 16. März 2026

Beziehungsweise

Beziehungsweise

Eifersucht sei nun wirklich die
Hirnrissigste aller Leidenschaften 
Die nur zerstört worum sie sich sorgt
Wusste Montaigne schon ganz genau

Dennoch rechtfertigen manche sie 
Noch bis heute als Ausdruck großer
Gefühle obwohl sie das Gegenteil von
Liebe die bedingungslos gönnt ist

Doch was wäre weise in Fragen
Der Liebe die gern närrisch macht
Überlege ich abstrakt und konkret
Gerade wieder als Täter und Opfer

Wenn die verheiratete Geliebte den 
Ehemann lieber schonen will der zu
Alt schon wäre fragt sich ob diese
Sozial gedachte Lüge moralisch ist

Könnte ein an sich unmoralisches
Verhalten allein durch die Absicht
Doch moralisch werden und was
Ist daran überhaupt zu verurteilen 

Halte sexuelle Treue nur für eine
Frage der Vereinbarung sie ist sowohl
Abdingbar wie damit nur relativ gültig 
Fraglich wer was wie warum beurteilt

Sexualmoral ist zumeist ein Produkt 
Des Aberglaubens das auf Macht 
Über Körper durch den Geist zielt
Eine Art von psychischer Sklaverei

Wo Liebe bedingungslos gönnt wie
Es ihrer Natur entspricht würde sie
Herrschaft über andere Körper so
Ablehnen wie verbundene Erwartung

Bei der Beurteilung der Frage was
Moralisch richtig ist kann es nie um
Nur konventionelle Gefühle gehen
Was alle tun muss nicht gut sein 

Liebe verdient als bedingungsloses
Gefühl absolute Aufrichtigkeit wer
Dabei lügt ist nicht mehr glaubwürdig
Könnte logisch argumentiert werden

Andererseits wird aus Liebe handeln
Wer das möglichst Beste für alle will 
Ob dies die Lüge damit rechtfertigt
Dürfte relativ bedeutend so werden

Kann die Wahrheit welche stets die
Erfindung eines Lügners logisch ist
Höheren Wert haben als der Wunsch
Es allen dabei gut gehen zu lassen 

Welche Rolle spielt dabei die Zeit
Wenn der relativ alte Gatte der
Geliebten sich irgendwann einfach
Nach der Natur von allein erledigt

Kann dann der moralische Wert des
Friedens in einer Scheinwelt höher 
Sein als der relativen Wirklichkeit
Oder diktiert das die Trägheit nur

Wie frei und glücklich ist dagegen
Wer so etwas nicht entscheiden muss
Sondern es Beziehungsweise lieber
Stehen lässt und einfach abwartet

Vom Ethos her schiene mir eine
Offene Variante vernünftiger weiser
Wie damit sicherer aber dies nicht
Entscheiden zu müssen ist befreiend 

Beziehungsweise scheint mir immer
Mehr das Abwarten als alle Prinzipien 
Um zu genießen was noch bleibt wie
Die Eifersucht einfach hirnverbrannt

Natürlich ist es völlig lächerlich heute
Wie im vergangenen Jahrhundert die
Sexuelle Treue mit Liebe zu verbinden
Halt so ein romantischer Scheiss nur

Den anderen in der Gefangenschaft
Dieser niederen Gefühle zu halten
Statt ihm die Chance zu geben ein 
Relativ freies Leben zu führen

Scheint verglichen mir eher schlecht
Doch auch hier Flaneur zu bleiben
Nur zu beobachten statt zu beurteilen
Könnte die große Freiheit sein

Was die Geliebte vor ihrem Gewissen
Verantwortet ist ihre Entscheidung
Nur da zu sein genügt da völlig um
Gemeinsam genießen zu können

Beziehungsweise scheint mir heute
Viel weniger und viel mehr zugleich
Was keiner weiß macht keinen heiß
Es dabei zu belassen ist gut so

Der Flaneur lebt nach seiner Natur
Gerne ein Leben im Verborgenen
Womit beziehungsweise einfach
Nichts zu tun gut harmoniert 

jens tuengerthal 16.3.26

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